An der Rhône treffen Weinwelten aufeinander – zum Glück für die Weingeniesser!

Zwei Regionen, ein Fluss. Was bevorzugen Sie? Syrah und Viognier aus dem Norden oder die komplexen Cuvées des Südens?

Die Rhône ist einer der bedeutendsten Flüsse Europas, an dessen Ufern Weinberge stehen. Sie entspringt am Furka-Pass in den Schweizer Alpen, fliesst Richtung Frankreich und wendet sich in Lyon nach Süden, wo sie bei Marseille das Mittelmeer erreicht. Bereits in der Schweiz gibt es bedeutende Anbaugebiete. Die berühmtesten aber findet man an der sogenannten Rhône septentrional und der Rhône méridional.

Die beiden Abschnitte, zwischen denen ein Bereich ohne jeglichen Weinbau liegt, könnten unterschiedlicher kaum sein. Im Norden werden die Weine vorwiegend reinsortig ausgebaut, und der Syrah sowie die verwandte Sérine sind die einzigen zugelassenen roten Sorten. Im Süden dagegen sind es 13 Weinfamilien mit mehr als 20 Sorten, die für komplexe Cuvées sorgen. Rund um die weltberühmten Appellationen Côte-Rôtie, Hermitage, Châteauneuf-du-Pape und Gigondas gibt es viel zu entdecken; denn neben den dominierenden Rotweinen entstehen dort ebenso charakterstarke Weissweine, Rosés und sogar Schaumweine.

Geschichte

Die Geschichte des Weinbaus an der Rhône ist geprägt von unterschiedlichen Kulturen, die dort aufeinandergetroffen sind. Zu Beginn waren es die Kulturen der Kelten und der Römer. Auch wenn Griechen bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. im Mündungsdelta der Rhône nahe dem von ihnen gegründeten Marseille die ersten Reben setzten, so waren es letztlich doch diese beiden Völker, die sich gegenseitig befruchteten. Den dortigen Kelten wird nachgesagt, dass sie ihre Weine bereits in Holzfässern ausbauten sowie transportierten, ihre Reben veredelten und so für eine deutlich höhere Weinqualität sorgten.

Ins Blickfeld der Geschichte rückt immer wieder das 14. Jahrhundert, als Avignon Sitz von insgesamt sieben Päpsten war, von denen Johannes der XXII. für den Weinbau besonders wichtig wurde. Ihm war es im Sommer in Avignon zu heiss, weshalb er sich im heutigen Châteauneuf-du-Pape einen Sommersitz errichten liess. Dort engagierte er einen Winzer aus dem Cahors, der mit den Rebsorten des Südens einen Vorläufer des Châteauneuf-du-Pape schuf. Dieser als Vin d’Avignon bekannt gewordene Wein hat sich in der markanten Flasche von Châteauneuf-du-Pape verewigt; denn das auf der Flasche zu sehende Wappen mit den zwei Schlüsseln des Apostels Petrus ist nicht das Wappen von Châteauneuf-du-Pape, sondern von Avignon. Die weltberühmte Appellation ist noch in einem weiteren Sinne geschichtsträchtig. Sie war die erste Appellation, die 1929 klare Grenzen erhielt und ausserdem einen Gesetzesrahmen bezüglich der Verwendung der Rebsorten, der Vinifikationsart und der Hektarerträge. Châteauneuf-du-Pape kann insofern als Vorläufer des französischen Appellationssystems angesehen werden.

Geografie, Klima und Böden

Die Anbaugebiete an der Nordrhône sowie an der Südrhône könnten unterschiedlicher kaum sein. Lediglich die Tageshitze ähnelt sich in beiden Gebieten – und der Mistral, jener kalte und trockene Nordwind, der oft erbarmungslos durch die Weinberge fegt. Während die Weinberge im Norden teils extrem steil sind, zeigen sie sich im Süden eher flach und höchstens hügelig. Während der Norden vom Granit geprägt ist, sind es im Süden die grossen Kiesel, die weite Teile der Weinberge vor allem in Châteauneuf bedecken. So unterschiedlich das Äussere ist, so verschieden sind auch die Stile der Weine.

Die Nord-Rhône

Insgesamt verteilen sich rund 80’000 Hektar Weinberge auf einer Länge von 200 Kilometern von Lyon bis nach Avignon. La Vallée du Rhône durchquert sechs Départements inklusive Ardèche, Drôme, Gard, Rhône Vaucluse und Loire. Und – die Rhône fliesst tatsächlich über 150 Kilometer parallel zur Loire, wenn auch in die entgegengesetzte Richtung. Im Norden findet sich kurz hinter Vienne das Anbaugebiet Condrieu, wo ausschliesslich sortenreine Viogniers entstehen. Das gilt auch für die Appellation Château Grillet, die nur einen einzigen Weinberg umfasst, nämlich den des Châteaus. Benachbart findet man Côte Rotie mit Steilhängen von bis 65 Grad. Schon der Name, gerösteter Hügel, deutet auf die Hitze hin, die dort entstehen kann.

Für die weltberühmten Weine, die eigentlich erst nach zehn oder mehr Jahren trinkbar sind, ist typisch, dass kleine Mengen von weissem Viognier in dem sonst sortenreinen Syrah mitvergoren werden. Was folgt, sind weitere bedeutende Syrah-Appellationen wie St. Joseph, Cornas, Crozes-Hermitage und natürlich der ikonische Hermitage-Weinberg über Tain, wo Archetypen alterungswürdigen Syrahs entstehen. Auch die Weissweine dieser Region sind hervorragend, werden aber – wie im Süden – nur in sehr kleinen Mengen vinifziert. Verantwortlich für diese Weine ist nicht mehr der Viognier, sondern die Sorten Roussanne und Marsanne. Die besten Weine dieses Typs entstehen ebenfalls im Hermitage-Weinberg oberhalb von Tain. In der kleinen 52-Hektar-Appellation Saint-Péray wird ausschliesslich Roussanne und Marsanne erzeugt – inklusive des einzigen Schaumweins der Nordrhône.

Der mittlere Rhône-Abschnitt

Verlässt man Saint-Péray, die südlichste der Nord-Rhône-Appellationen, begegnet man rund 50 Kilometer lang so gut wie keinem Weinberg am Fluss. Das einzige grössere Weinbaugebiet in diesem Abschnitt liegt eine halbe Stunde von der Rhône entfernt am Nebenfluss Drôme. Die Weinberge dort umgeben das Städtchen Die, das bekannt ist für die Schaumweine Clairette de Die und Crémant de Die. Der Crémant de Die wird ausschliesslich aus der Sorte Clairette blanche nach den Regeln der Crémant-Statute mit zweiter Flaschengärung und mindestens neun Monaten Hefelager erzeugt.

Der Clairette de Die wird nach dem ursprünglichen und als méthode ancestrale oder méthode rurale bekannten Verfahren erzeugt, bei dem der noch nicht durchgegorene Wein auf Flaschen gezogen wird und dort weiter gärt. Beim Clairette de Die wird Clairette blanche zusammen mit der Sorte Muscat à petits grains zusammen vergoren. Obwohl Clairette die Namensgeberin dieses Schaumweins ist, muss der Muscat-Anteil mindestens 75 % betragen.

Der Wein hat Restsüsse und zeigt die typischen floralen und würzigen Noten der Muscat-Familie. Einige der schönsten Exemplare dieser beiden Stile entstehen in der Domaine Achard-Vincent. Das Weingut gehört zu den Bio-Pionieren in Frankreich und ist bereits seit 1982 zertifiziert. Das Tal des Drôme ist sowohl kontinental als auch mediterran geprägt und verfügt mit seinem Klima über sehr gute Voraussetzungen für eine biologische Bewirtschaftung. Die Weinberge der Familie Achard gehören in ihrer Diversität und der offensichtlichen Gesundheit von Böden und Reben zu den schönsten der Region.

Der südliche Rhône-Abschnitt

Fährt man zurück zur Rhône, beginnt bei Montélimar das nächste grosse Anbaugebiet. Die südliche Rhône ist von Montélimar bis Avignon ein Rebenmeer. Der einfachste Qualitätswein ist der Côtes du Rhône. Er hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte einen hervorragenden Ruf für seine Kombination aus Würze und dunkler reifer Frucht erworben. Er gehört zu den bekanntesten Qualitätsweinen weltweit. Geprägt sind diese Weine normalerweise von Grenache, Syrah und Mourvèdre, die als Einheit gerne auch als GSM abgekürzt werden. Sie sind die wichtigsten Sorten an der Südrhône. Insgesamt aber sind noch viele weitere Rebsorten zugelassen. Es sind insgesamt 13 Rebsortenfamilien inklusive Grenache blanc und Grenache gris, Clairette blanche, Roussanne, Marsanne, Viognier und Bourboulenc sowie den roten Carignan und Cinsault – um nur die wichtigsten zu nennen.

Auch im Süden überwiegen die Rotweine mit rund 95 %. Sie sind verantwortlich für den Erfolg der Crus des Südens. An erster Stelle steht natürlich die grosse Appellation Châteauneuf-du-Pape mit ihren charakteristischen Galets roulés, den grossen Kieseln. Auf der mehr als 3’000 Hektar grossen Appellation gibt es allerdings noch einige weitere Bodenstrukturen, die den 13 unterschiedlichen Rebsortenfamilien eine jeweils unterschiedliche Grundlage bieten.

Bis heute gibt es Winzer, die ganz klassisch alle Rebsorten zu einer einzigen Cuvée verarbeiten und diese dann ebenso klassisch in grossen neutralen Holzfudern oder auch im Betontank ausbauen. Moderne Châteauneuf-du-Pape werden heute auch im Barrique ausgebaut. In den meisten Cuvées dominiert die Grenache noir, manchmal sind es sogar reinsortige Grenaches – auch das ist beim Châteauneuf-du-Pape erlaubt. Neben Châteauneuf-du-Pape haben die Rotweine aus Gigondas, Vacqueras und Lirac den besten Ruf. Die Appellation Tavel ist berühmt für ihren Rosé, Beaumes-de-Venise für den Likörwein Muscat und mit Rasteau gibt es zudem eine weisse und eine rote Süsswein-Appellation. Weit im Südosten liegen die beiden grossen Gebiete Côtes de Ventoux und Côtes du Luberon, bei denen man schon mitten in der Provence angekommen ist.

Die Crus im Rhône-Tal und ihre Rebsorten

Nordrhône
Côte Rôtie rot: Syrah und kleine Mengen Viognier, 229 ha
Condrieu weiss: Viognier, 124 ha
Château Grillet weiss: Viognier, 3,5 ha
Hermitage weiss und rot: Roussanne, Marsanne und Syrah, 134 ha
Cornas nur rot, Syrah, 102 ha
Saint Joseph weiss und rot: Roussanne, Marsanne und Syrah, 1’005 ha
Crozes Hermitage weiss und rot: Roussanne, Marsanne und Syrah, 1’428 ha
Saint Péray nur weiss: Roussanne, Marsanne, 52 ha
Südrhône
Châteauneuf-du-Pape weiss, rot: Bourboulenc, Clairette blanche, Grenache blanc, Oeillade blanche, Picquepoul blanc, Roussanne, Terret blanc und Cinsault, Counoise, Grenache noir, Mourvèdre, Muscardin, Picquepoul noir, Syrah, Terret noir, Vaccarèse, 3’200 ha
Gigondas rosé und rot: Grenache noir, Syrah, Mourvèdre, Cinsault, 1’200 ha
Vacqueyras weiss, rosé, rot: Clairette, Grenache, Bourboulenc, Roussanne, Marsanne, Viognier und Grenache noir, Syrah, Mourvèdre, Cinsault, 1’334 ha
Lirac weiss, rosé, rot: Bourboulenc, Clairette, Grenache blanc, Picquepoul blanc, Marsanne, Roussanne, Ugni blanc, Viognier und Grenache noir, Cinsault, Syrah, Mourvèdre, 623 ha
Tavel rosé: Calitor, Carignan, Grenache noir, Mourvèdre, Syrah, Clairette, Bourboulenc, Piquepoul, 938 ha
Vinsobres rot: Grenache noir, Syrah, Mourvèdre, 1’400 ha
Muscat de Beaumes de Venise weiss: Muscat de Frontignan, 503 ha

Fazit

Wie die Provence ist auch die Rhône ein Hort biologisch und biodynamisch arbeitender Erzeuger, von denen einige auch nach den strengen Delinat-Richtlinien arbeiten. Gerade im Süden aber fällt auf, wie gespalten die Winzerschaft bis heute ist. Während es auf der einen Seite blühende Weingärten voller Leben und Vielfalt gibt, erinnern andere Weinberge an leblose Äcker. Im Bereich der Côtes du Rhône ist der Preisdruck hoch, und entsprechend setzt man dort immer noch häufig auf Technik und Chemie statt auf nachhaltige Bewirtschaftung. Sobald es jedoch um Qualität statt Quantität geht, wählen immer mehr Winzer den natürlichen Weg.

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