Delinat-Weinwissen

Delinat-Weinwissen

Portugals Weine sind so vielfältig wie kaum in einem anderen Weinland.

Portugal ist mit einer riesigen Menge an Rebsorten und Weinstilen gesegnet. Wie gut kennen Sie diese Vielfalt?

Wenn man Portugal mit anderen Weinbauländern vergleicht, dann fällt auf, dass das Land flächenmässig zwar recht klein ist – mit rund 92’000 km2 ist es nur unwesentlich grösser als Österreich –, als Weinland aber mit 230’000 Hektar deutlich mehr Weinberge besitzt als Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen. Das macht die Bedeutung des Weinbaus in Portugal deutlich, das in hohem Masse ein Agrarstaat ist.

Dabei erweist sich heute als grosser Vorteil, was lange Zeit als Nachteil angesehen wurde. Portugal war bis 1974 eine Diktatur. Unter dem Diktator António de Oliveira Salazar und seinem Nachfolger Marcelo Caetano war die Weinwirtschaft weitgehend abgehängt. Der weltweite Aufbruch wurde dementsprechend in Portugal kaum wahrgenommen. Damit haben sich die Portugiesen aber auch nicht die Unmengen französischer Rebsorten ins Land geholt, die den weltweiten Weinbau in grossem Masse egalisiert haben.

In Portugal gibt es auf recht kleinem Raum rund 500 autochthone Rebsorten, von denen etwa 250 kommerziell genutzt werden. International bedeutende Rebsorten wie Cabernet, Merlot, Chardonnay oder Sauvignon blanc sind hingegen nur selten in Portugal anzutreffen. Viel wichtiger sind Touriga Nacional, Touriga Franca, Aragonez (Tinta Roriz, Tempranillo), Maria Gomes (Ferñao Pires), Arinto und Alvarinho. Sie sind die Basis einer grossen Weinvielfalt, die vom frischen und leichten Vinho Verde über komplexen Rotwein bis zu Portwein und Madeira reicht. Ganz nebenbei sei erwähnt, dass Portugal rund 50 % der weltweit verwendeten Weinkorken produziert.

Die Anfänge des Weinbaus
 in Portugal

Wie so oft an den Küsten des Mittelmeeres und auch über Gibraltar hinaus in den Atlantik hinein, besiedelten Phönizier, Griechen und Römer ab ca. 800 v. Chr. die Küstenstreifen. Sie gründeten Siedlungen, führten Eroberungen durch und pflanzten Weinreben. Nach den Römern kamen im 8. Jahrhundert die Mauren und blieben bis ins 12. Jahrhundert. Das führte zwar zu einer Stagnation des Weinbaus, nicht aber zu seinem Erliegen; denn auch die Mauren benötigten Alkohol, wenn sie ihn auch nicht tranken.

Zudem wurden bereits ab dem 9. Jahrhundert Teile Portugals zurückerobert. Unter dem Orden der Zisterzienser, der ab dem 12. Jahrhundert rund 100 Klöster gründete, setzte eine Blütephase des Weinbaus ein. Ab der Unabhängigkeit von der burgundischen Herrschaft und der Abwehr kastilischer, also spanischer Ansprüche wurde Portugal unter dem Hause Avis unabhängig, was einen sprunghaften Anstieg des Handels mit England zur Folge hatte. Mit dem Methuen-Vertrag von 1703 wurde Portugal immer abhängiger von England, verkaufte allerdings auch immer mehr Waren, zum Beispiel Portwein.

Dieser alkoholverstärkte Wein stammte vom Douro und wurde in Porto im Stadtteil Villanova de Gaia abgefüllt. Der legendäre Premierminister Marquês de Pombal sorgte 1756 für strikte Appellationsvorgaben und Produktionsvorschriften, um die Qualität des Portweins zu sichern. So erhielt der Port neben dem italienischen Chianti als erster Wein eine Ursprungsbezeichnung.

Portugal bliebt nicht verschont von der Invasion der Reblaus. Sie vernichtete im ausgehenden 19. Jahrhundert weite Bestände in den Weinbergen. Zwei Weltkriege und eine lange Diktatur sorgten für eine weitere Stagnation. Nach der Erlangung der Freiheit und Einführung der Demokratie im Jahre 1974 setzte der Weinbau zunächst vor allem auf Massenware wie günstigen Vinho Verde und den allseits bekannten restsüssen Rosé aus der Bocksbeutelflasche. Doch seit den 1980er Jahren erlebte der Weinbau einen langsamen, aber steten Aufschwung mit Weinen, die in ihrer Stilistik konkurrenzlos sind.

Komplexe Geologie und klimatische Einflüsse

Man darf es offen sagen, der Weinbau in Portugal ist aktuell ein Profiteur des Klimawandels. Da der Klimawandel jedoch fortschreitet und mit einem Anstieg des Meeresspiegels einhergehen wird, ist dies nur ein mittelfristiger Standortvorteil; denn Portugal verfügt über einen langen Küstenstreifen. Fragt man portugiesische Winzer, so erklären sie die positiven Folgen des Klimawandels seit den 1990er Jahren folgendermassen: Früher konnte man froh sein, wenn unter zehn Jahrgängen zwei gute dabei waren. Heute ist es genau umgekehrt, und so findet man vielleicht noch zwei vergleichsweise schlechte neben acht sehr guten Jahrgängen.

Grosse Teile des Landes sind stark oder gemässigt vom Mittelmeer, aber mehr noch vom Atlantik geprägt. Dazu zählt etwa das nördlich gelegene Minho mit der Appellation Vinho Verde. Dazu gehören ebenso Bairrada, Lisboa, Península de Setúbal, Teile des Alentejo und der Algarve sowie natürlich die beiden weit im Atlantik liegenden Aussenposten Madeira und die Inselgruppe der Azoren. Viel stärker kontinental geprägt dagegen sind Tejo und Alentejo, Beira Interior, Dão, Trás-os-Montes und das Tal des Douro.

Geologisch gesehen herrschen vor allem Granitböden und Schiefer vor. Besonders bekannt sind die Schieferterrassen entlang des Douro, die teilweise so steil sind wie jene an der Mosel. Der grüne Norden, wo der Vinho Verde entsteht, kennt oftmals Granit pur. Weiter in Richtung Süden sind es in den Regionen Bairrada und Dão bis weit nach Süden im Alentejo und an der Algarve oftmals Schiefer- und Granitgestein, Kalkstein und Lehm.

Ausnahmen bilden kleine Appellationen wie beispielsweise Colares, wo die Reben seit Generationen direkt am Atlantikstrand in den Sand gepflanzt sind. Zwei weitere Ausnahmen sind Portugals Aussenposten im Atlantik. Madeira und die Azoren sind Inseln mit vulkanischem Gestein.

Appellationen und Klassifizierungen

Wie schon im historischen Aufriss erwähnt, gehört das Portwein-Anbaugebiet am Douro seit 1765 zu den ältesten herkunftgeschützten Gebieten der Weinwelt. Der Vinho de Porto oder Porto wird allerdings nicht nach seinem Herkunftsgebiet am Douro benannt, sondern nach der Hafenstadt Porto, von der die Weine traditionell verschifft wurden und in der die Weine auch lagerten, nachdem sie auf Booten aus dem Anbaugebiet dorthin gelangt waren. Die alkoholverstärkten Weine vom Douro und auch aus Madeira verfügen über viele unterschiedliche Klassifizierungen, je nach der Art und Weise, in der sie ausgebaut wurden (siehe auch unter der Rubrik Douro).

Douro
Das Douro-Tal bietet spektakuläre Ausblicke.

Die klassischen Stillweine Portugals werden hingegen heute nach der 2009 eingeführten Weinmarktordnung der EU klassifiziert. Als Basis gibt es den Landwein namens Vinho (früher Vino de Mesa, also Tafelwein). Bei dieser Kategorie handelt es sich oft um Weine, deren Trauben aus unterschiedlichen Appellationen stammen, was grundsätzlich kein negatives Qualitätsmerkmal sein muss. Die Trauben eines der berühmtesten Weine Portugals, des Buçaco, stammen aus Bairrada und Dão. Und deshalb ist auch dieser Wein, der über ein Jahrhundert lang nur im Palast-Hotel Buçaco ausgeschenkt wurde, ein einfacher Vinho.

Darüber befindet sich die Kategorie der Landweine, der IGP. Diese Weine mit der Bezeichnung Indicação Geográfica Protegida oder Vinho Regional sind Landweine mit geschützter Herkunftsangabe. Einer der wichtigsten der 14 Bereiche ist der Vinho Regional Alentejano. Schliesslich bilden die sogenannten Qualitätsweine mit den Bezeichnungen Denominação de Origem Protegida (DOP) oder Denominação de Origem Controlada (DOC) die Spitze. Es sind Weine aus traditionellen Appellationen, die gemäss den Appellationsrichtlinien vinifiziert wurden.

Weitere Bezeichnungen sind Verde, also grün, für Weine ohne längere Alterung, Maduro für Weine, die im Fass gereift sind, Reserva für Rotweine, die drei Jahre Reife hinter sich haben, oder für Weissweine, die mindestens ein Jahr gereift sind. Ausserdem gibt es den Garrafeira, den Reserva-Wein mit höherem Alkoholgehalt, und den Velho, den alten Wein, einen Reserva-Wein, der über als das übliche Mindestmass hinaus gelagert wurde.

Portugals wichtigste Rebsorten

  • Aragonez (Tinta Roriz, Tinta Santiago, Tempranillo): Die wichtigste Sorte Spaniens hat sich auch in Portugal durchgesetzt. Sie liegt vor allen anderen Sorten. Allerdings sind es nur rund 17’000 Hektar (in Spanien sind es etwa 200.000). Das zeigt, dass selbst die am weitesten verbreitete Rebsorte nur in recht kleiner Menge angebaut wird. In Portugal herrscht die Vielfalt vor.
  • Touriga Franca: Eine der wichtigsten roten Sorten für Portwein am Douro. Sie wird aber ebenso verwendet in Dão, Alentejo oder Ribatejo.
  • Castelão Francês (Castelão): Wie die meisten Sorten dient auch die rote Castelão dem Verschnitt in Cuvées, oder man findet sie im Gemischten Satz.
  • Touriga National: Sie ist eine schwierige Sorte mit sehr geringen Erträgen. Dafür ist ihre Qualität sehr hoch. Vor der Reblauskatastrophe waren im Dão 95 % mit ihr bestockt, danach nur noch 5 %. Die säure-, frucht- und tanninbetonte Sorte gilt als die beste in Portugal.
  • Fernão Pires (Maria Gomes): Südlich des Douro findet man die weisse Rebsorte in fast allen Gebieten. Sie bringt eher säurearme, aber sehr aromatische Weine hervor.

Nur selten spielen portugiesische Rebsorten ein Solo. Sie sind fast immer Teil eines Orchesters. Lange Zeit wurden die Rebsorten als Gemischter Satz im Weinberg angebaut. Von dieser historischen Anbauform, bei der unterschiedliche Rebsorten gemischt gepflanzt, aber gemeinsam geerntet und verarbeitet werden, gibt es immer noch eine Reihe von Beispielen mit Weinbergen, die mehr als hundert Jahre alt sind. Im Vinho-Verde-Gebiet wird es in den letzten Jahren immer typischer, auch reinsortigen Vinho Verde aus Alvarinho, Loureiro, Arinto oder Avezzo zu erzeugen. Die erste internationale Rebsorte im Rebsorten-Ranking steht auf Platz 13. Es ist Syrah mit rund 3’500 Hektar.

Der Norden Portugals

Vom Douro bis zum Fluss Minho, der Portugal und Spanien im Norden trennt, erstreckt sich das Gebiete des Vinho Verde. Die Appellation wurde bereits 1908 gegründet. Obwohl der Name Vinho Verde, also grüner Wein, auf Weisswein mit grünlichen Reflexen hindeutet, wurde schon immer auch Rosé und Rotwein in der Appellation erzeugt. Der Begriff verde deutet eher an, dass die Weine frisch abgefüllt und jung getrunken werden. Ausserdem ist das Gebiet mit seinen 2’000 mm Niederschlag im Jahr das mit Abstand regenreichste und grünste in ganz Portugal.

Mit 60’000 Hektar war Vinho Verde lange das grösste Anbaugebiet Portugals inklusive der Landwein-Appellation Rios do Minho. 60 % der Erträge werden als einfache, trübe Schankweine abgefüllt. Bekannt sind vor allem grosse Marken, die ihre Trauben von rund 30.000 Winzern erhalten, die oft in Genossenschaften organisiert sind und im Nebenerwerb Trauben anbauen. Biologischer Anbau ist schon auf Grund der kleinteiligen Strukturen recht selten, dafür aber von hoher Güte. Im Vinho Verde wird jedoch auch über den biologischen Ansatz hinaus die Biodiversität gepflegt.

Viele der Nebenerwerbslandwirte pflegen bis heute die traditionelle Pergola-Erziehung, bei der Reben mannshoch auf Holz- oder Eisengestellen erzogen werden, während unterhalb der Pergola weitere Nutzpflanzen angebaut werden. Der Vinho Verde ist traditionell eine Cuvée. Viele Top-Produzenten nutzen aber immer häufiger die exzellente Qualität von Rebsorten wie Alvarinho, der in den benachbarten spanischen Rias Baixas ebenfalls rebsortenrein als Albariño angebaut wird. Dazu kommen Loureiro, Avezzo, Trajadura und die in ganz Portugal erfolgreiche Sorte Arinto.

Kaum ausserhalb Portugals bekannt ist das Anbaugebiet Trás-o-Montes, was Hinter den Bergen bedeutet. Das Gebiet, das an der Grenze zu Spanien liegt, wurde vor einigen Jahren aus drei Landwein-Appellationen zur grössten Appellation Portugals zusammengefasst. Rund 70’000 Hektar stehen unter Reben. Es werden weisse, roséfarbene und rote Weine erzeugte. Viele Rebsorten stammen aus dem Grenzbereich von Portugal und Spanien. Dazu gehören Bastardo, Cornifesto, Mourisco tinto oder die weissen Sorten Gouveio (Godello) oder Códega (Síria).

Am Douro werden heute sowohl Portweine als auch klassische Rot- und Weissweine erzeugt. Der 900 Kilometer lange Fluss prägt zunächst die spanischen Weinbaugebiete wie Ribera del Duero, bildet dann über 100 Kilometer die Landesgrenze und findet dann seinen Weg Richtung Atlantik. An rund 100 Flusskilometern sowie in einigen Nebentälern findet man meist steile, terrassierte, vom Schiefer geprägte Weinberge mit rund 40’000 Hektar. Allein 33’000 davon sind dem Portwein vorbehalten.

Die immer populärer werdenden Weiss- und Rotweine werden aus den gleichen Rebsorten gewonnen, die auch für Portwein verwendet werden. Dazu gehören Touriga Nacional, Tinta Amarela, Tinta Barroca, Tinto Cão, Tinta Roriz und Tinta Franca sowie die weissen Encruzado, Esgana Cão (Sercial) und Gouveio (Verdello).

Die Küstenregionen Portugals

Weiter südlich bis nach Lissabon ziehen sich die 60’000 Hektar Weingärten der Region Lisboa, die vor wenigen Jahren noch als Estremadura bezeichnet wurde. Doch der Name Lisboa (Lissabon), der damals nur eine kleine Sub-Appellation bezeichnete, war einfach zugkräftiger. Angebaut werden neben autochthonen Rebsorten wie Arinto, Nernão Píres, Malvasia, Srara-Nova und Vital (alle weiss) sowie Alicante Bouschet, Aragonez oder Castelão auch Chardonnay, Sauvignon blanc, Cabernet oder Merlot. Die mit Abstand meisten Weine werden als Landweine (Vinho Regional Lisboa) oder als Tankware abgefüllt. Aber es gibt auch einige hervorragende Appellationen wie Colares, Carcavelos, Bucelas oder Arruda.

Die Peninsula de Setúbal (sprich: Schtubal) ist weltberühmt für ihre weissen Likörweine aus der Moscatel-Traube. Daneben werden auf dieser südöstlich von Lissabon gelegenen Halbinsel auch sehr feine Rotweine aus der DOC Palemla erzeugt. Diese Weine müssen mindestens 67 % Castelão enthalten, dazu kommen dann Aragonez, Cabernet, Syrah oder Trincadeira.

Die Algarve ist so beliebt bei inländischen wie ausländischen Touristen, dass in den letzten Jahrzehnten viele Weinberge deutlich lukrativeren Golfplätzen und Ferien-Ressorts weichen mussten. Doch auf den verbliebenden Weinbergen herrschen exzellente Bedingungen für den Weinbau. Obwohl am südlichsten gelegen und mit 3.000 Stunden von der Sonne verwöhnt, bringt der Atlantik genügend Feuchtigkeit und Kühle. So entstehen frische und rassige Weiss- und Roséweine sowie elegante Rotweine aus Siria und Arinto sowie Bastardo, Castelão, Trincadeira und Negramole (Negramoll).

Das Hinterland Portugals

Das Alentejo beginnt im Hinterland der Algarve, grenzt im Osten an Spanien, im Nordwesten an Lissabon und an das Anbaugebiet Tejo sowie im Norden an Beira Interior. Das Alentejo wird manchmal als Kalifornien Portugals bezeichnet. Der Vergleich bezieht sich vor allem darauf, dass dieses Gebiet erst spät, dafür aber um so nachhaltiger von sich reden gemacht hat; denn bis in die 1980er Jahre hinein war das Alentejo vor allem als Kornkammer, ferner für seine Olivenbäume und nicht zuletzt für seine riesige Korkproduktion bekannt. Die Weine, vor allem die Rotweine der Region, sind aber äusserst beliebt. Sie sind dunkel, fruchtbetont, reif und komplex. Neben Aragonez, Trincadeira, Castelão, Alfrocheiro und Alicante Bouschet findet man auch Syrah und weitere internationale Sorten. Die meisten Weine stammen aus dem Landweinbereich Vinho Regional Alentejano.

Neben Tejo und Beira Interior ist es vor allem die inländisch gelegene Appellation Dão, die in den letzten Jahren stark von sich reden gemacht hat. Dão ist eine oft wilde und urtümliche Landschaft, die bis heute zu 80 % von Wäldern bewachsen ist. Nur 5 % der Landfläche sind von Reben geprägt. Das aber sind immerhin 20.000 Hektar, die meist auf 500 bis 800 Metern Höhe angepflanzt wurden. Dass die Klimaveränderungen nicht nur ein Segen sind, müssen gerade die Winzer im Dão immer häufiger erfahren. Klimatisch sind sie zwar weitgehend durch Bergketten geschützt, doch wird es immer trockener, und Waldbrände greifen von Jahr zu Jahr immer stärker um sich.

Das musste auch der biodynamisch und nach allen Regeln der Biodiversiät arbeitende Winzer António Lopes Ribeiro mit seinen Weingut Casa de Mouraz leidvoll erfahren. Grosse Teile seiner teils über einhundert Jahre alten Weinberge, die noch im Gemischten Satz zwischen Pinienwäldern, Sträuchern, Buschwerk und wilden Kräutern standen, sind in den letzten Jahren ein Raub der Flammen geworden. Gerade diese Mischkulturen und die uralten Weinberge prägen die Landschaft des Dão, wo einige der markantesten und besten Weine des gesamten Landes entstehen. Auch hier findet man vor allem Weine aus Gemischten Sätzen oder Cuvées. Die DOC Dão ist Rotweinen vorbehalten. In diesem Gebiet entstehen jedoch ebenso vorzügliche Weissweine, Rosés und Schaumweine.

Die portugiesischen Inseln

Sowohl die Azoren als auch Madeira sind schon seit dem 16. Jahrhundert berühmt für ihre alkoholverstärkten Weine. Die neun Inseln der Azoren liegen etwa auf halbem Weg von Lissabon nach New Jersey auf demselben Breitengrad wie die portugiesische Hauptstadt. Die Inseln sind durch üppiges Grün, erkaltete Lavaströme und Schwefelgruben gekennzeichnet. Die oft uralten, mit Trockenmauern umgebenen Weinberge bieten einen geradezu archaischen Anblick.

Die Rebstöcke selber werden meist in Löcher in den Lavaböden gepflanzt. Die meisten Weinberge findet man auf der Insel Pico, benannt nach der Spitze des Vulkans, der die Insel prägt. Wie auf Madeira werden traditionell gespritete, also alkoholverstärkte Weine erzeugt. Dies war üblich, um die Weine auf den langen Schiffsreisen stabil zu halten. Heute werden neben den alkoholverstärkten Weinen auch frische und leichte Weissweine vor allem aus Arinto erzeugt sowie ein besonderer Rotwein, der Vinho do Cheiro, der Erdbeerwein, der aus der von den USA eingewanderten Hybridrebe Isabella erzeugt wird. Heute gibt es drei DOCs auf drei Inseln: Pico, Graciosa und Bisciotos.

Völlig aus der Zeit gefallen scheinen die Weine der Insel Madeira zu sein. Die vielfältigen Varianten des weltberühmten Likörweins werden oft erst Jahrzehnte nach der Füllung verkauft und sind über Jahrhunderte hinweg haltbar. Für Madeira gilt eine besondere Herstellungsmethode, die sich im 17. Jahrhundert eher zufällig ergeben hat.

Damals haben holländische Schiffe Weine aus Madeira nach Südamerika und in asiatische Kolonien befördert. Je länger die Fässer dem subtropischen Klima ausgesetzt waren, desto besser wurde der Wein. Das sogenannte Maderisieren wurde später simuliert, indem man damit begann, die Weine in den Weingütern ganz langsam zu erhitzen. Bei einfachen Weinen geschieht dies in Estufas, in beheizbaren grossen Fässern. Die besten Weine werden aber auf den Dachböden gelagert, wo sie der natürlichen Hitze des subtropischen Klimas ausgesetzt sind. Um die unterschiedlichen Süssegrade der Madeira-Weine zu erreichen, wird der Fermentationsprozess wie auch beim Portwein durch den Zusatz von neutralem Weinbrand unterbrochen, sobald die Hefen einen gewissen Zuckeranteil aufgebraucht haben.

Traditionell werden die vier weissen Traubensorten der Insel mit bestimmten Stilen in Verbindung gebracht: Sercial wird trocken ausgebaut, Verdelho wird halbtrocken ausgebaut, Bual (oder Boal) halblieblich und Malmsey (oder Malvasia) lieblich. Da der Bestand dieser Rebsorten kleiner ist als die Nachfrage, werden die einfacheren süssen Versionen meist mit der roten Nega Mole vinifiziert.

Fazit

Kaum ein anderes europäisches Land verfügt über ein solches Potential an autochthonen Rebsorten wie Portugal, und allein deren Menge ist beindruckend. Aufgrund politischer Verwerfungen hat Portugal erst seit den 1980er Jahren Anschluss an den modernen Weinbau gefunden. So konnten in Portugal viele alte Stile erhalten werden, die dann mit neuen Erkenntnissen kombiniert wurden.

Der biologische Anbau führt oft ein Schattendasein. Doch wie in anderen Bereichen auch erwacht die Erkenntnis immer deutlicher, dass die in Portugal an vielen Stellen so ausgeprägte Biodiversität ein erhaltenswertes Gut ist, das nicht nur geschützt, sondern ausgebaut werden muss. Dazu gehört vor allem auch die Wahrung des umfangreichen Waldbestandes, der oftmals die Weinberge schützt. Häufig wurde er aber durch Monokulturen mit schnell wachsenden Eukalyptusbäumen ersetzt, die im Sommer nicht selten verheerenden Waldbränden zum Opfer fallen. Mit diesen Bränden geht auch Kulturgut verloren, wie etwa uralte Rebstöcke. Insgesamt aber ist Portugal, was den Weinbau anbelangt, ein äusserst vielfältiges Land.

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