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Wein aus Bordeaux ist weltberühmt – fast schon ein Synonym für französischen Rotwein

Bordeaux gehört zu den berühmtesten Weinbaugebieten der Welt. Ob rot oder weiss, trocken oder süss, im Bordelais können Sie viel entdecken.

Die Vielfalt der Weine im Bordelais, der Region um Bordeaux, ist gross. Vom einfachen roten Bordeaux AC bis zum Premier Grand Classé reicht es bei den Rotweinen. Vom frischen und trockenen, im Edelstahl ausgebauten Entre-deux-Mers über die im Holz gereiften weissen Cru aus Graves und Pessac-Léognan bis zu den weltberühmten Süssweinen aus Sauternes und Barsac. Daneben gibt es helle Rosé und eher dunkel rosafarbene Weine, die man Claret nennt, und selbst der Crémant ist in Bordeaux zuhause.

Die zumeist flachen Rebberge von Bordeaux liegen im Einzugsgebiet der Flüsse Dordogne und Garonne, die sich schliesslich dort zum Mündungsstrom Gironde vereinen. Hier reihen sich mit Margaux, Pauillac, St-Estèphe und St-Julien die mithin prestigeträchtigsten Rebberge aneinander.

Der typischste aller Weine aber ist der im Barrique ausgebaute trockene Rotwein. Er entsteht durch eine Assemblage der Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc, hier und dort ergänzt durch Petit Verdot und Malbec. Dieser Weintyp wird auf der ganzen Welt als Synonym für den französischen Rotwein par excellence angesehen. Und es ist kein Zufall, dass Cabernet und Merlot mittlerweile die am meisten angebauten Sorten der Welt sind. Bordeaux hat Strahlkraft und ist bis heute Leitbild für viele. Mit 123.000 Hektar ist es zudem das mit Abstand grösste Anbaugebiet für Qualitätsweine.

Geschichte

Die entscheidende historische Phase für diesen Erfolg war die Zeit von 1154 bis 1453. Damals gehörte das Gebiet zu England. Da England kaum eigenen Weinbau besass, aber in grossen Mengen Wein konsumiert hat, wurde Wein in rauen Mengen über den Ärmelkanal befördert. Diese 300 Jahre haben den Anbau explodieren lassen und sie haben eine Struktur festgelegt, die bis heute Bestand hat. Denn in Bordeaux verkaufen die berühmten Weingüter ihre Weine nicht selbst. Es gibt Makler, so genannte Courtiers, die zwischen den Weingütern und Handelshäusern vermitteln, die die Weine später anbieten.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein waren es auch diese Handelshäuser, die die Weine gelagert und später abgefüllt haben. Erst ab den 1920er Jahren haben die Weingüter den Ausbau und somit auch die Kontrolle selbst übernommen. Diese Art des Handels hatte viel damit zu tun, dass es fast ausschliesslich Adelige waren, die in der Zeit bis zur französischen Revolution die Weingüter und Ländereien besessen haben. Daher stammt auch der Name Château, der in Bordeaux das Weingut bezeichnet – selbst wenn es sich heute nur um eine Lagerhalle handeln sollte. Denn es waren damals ausschliesslich Schlösser und grosse Landsitze, auf denen der Wein erzeugt wurde.

Zur Zeit der englischen Besatzung und bis ins 19. Jahrhundert waren es vor allem die Weine rund um die Stadt Bordeaux in den Bereichen Médoc, Graves und Sauternes, die berühmt waren für ihre Qualität. Weine von der rechten Seite der Gironde, also Pomerol, Saint-Émilion, Bourg und Blaye hatten einen geringeren Stellenwert. Das erklärt auch, weshalb das berühmteste Klassifizierungssystem der Welt, die Bordeaux-Klassifizierung von 1855 nur genau die Bereiche rund um die Gebietshauptstadt erfasst.

Die bekanntesten Appellationen in Bordeaux

  • Linkes Ufer:
    Sauternes, Barsac (für Süßweine)
    Graves, Péssac-Leognan (für Rot- und Weißweine)
    Médoc mit den Ortslagen Pauillac, Margaux, St. Julien, St. Estèphe
  • Rechtes Ufer:
    Côtes du Bourg, Blaye, Fronsac, Saint-Émilion, Pomerol
  • Außerdem:
    Bordeaux Supérieur (im gesamten Bordeaux für Rotweine)
    Entre-deux-Mers (zwischen Gironde und Dordogne für frische Weißweine)

Die Klassifizierung von 1855

Kurz vor der Weltausstellung von 1855 in Paris, beauftragte der damalige Kaiser Napoleon III. die Handelskammer von Libourne, «eine vollständige Liste der klassifizierten Bordeaux-Rotweine sowie unserer grossen Weissweine» zu erstellen. Die Kammer reichte den Auftrag weiter an die Gilde der Courtiers. Diese erstellten auf Grund der Preise, die die Weine in den letzten hundert Jahren erzielt hatten, eine Liste, die einer Pyramide mit 61 Châteaux glich.

Diese Pyramide reichte von der Basis der weniger teuren Weine, die 5ìeme Cru Classé genannt wurden, bis zur kleinen, exklusiven Spitze, die 1er Cru Classé genannt wurden. Die Makler ignorierten die Anweisung, alle Weingüter der Gironde zu erfassen und bezogen sich nur auf Médoc und Sauternes. Obwohl es schon vorher solche Klassifizierungen gegeben hatte, war es doch diese zur Weltausstellung veröffentlichte Liste, die bis heute Bestand hat und die ganz wesentlich die Preise dieser Weine beeinflusst. Sie ist nur ein einziges Mal geändert worden, als das Weingut Mouton-Rothschild zu Beginn der 1970er Jahre vom Status des «ersten unter den zweitrangigen Cru Classé» zu den 1er Cru Classé hochgestuft wurde.

Heute umfasst die Stufe der Premier Cru Classé die berühmten Weingüter Mouton-Rothschild, Lafite-Rothschild, Latour, Margaux und Haut-Brion. Neben den Rotwein-Gütern wurden 24 Weisswein-Güter klassifiziert, die allesamt Süssweine in Sauternes und Barsac produzieren. Dort ragt das Château d’Yquem als Premier Grand Cru Classé Supérieur aus allen anderen heraus. Für die Bereiche Graves und Pessac-Leognan sowie Saint-Émilion wurden erst im 20. Jahrhundert Klassifizierungen getätigt.

Geografie, Klima und Böden

Das Gebiet, das man als Bordeaux bezeichnet und wo man als einfachste Weine die so genannten Bordeaux AC findet, erstreckt sich über 123.000 Hektar über zwei Drittel des Départements Gironde. Damit ist die Rebfläche von Bordeaux so gross wie die im gesamten Deutschland. Wie bedeutend der Weinbau als Wirtschaftsfaktor der Region ist, zeigt sich daran, dass in 500 der 542 Gemeinden des Départements Wein angebaut wird.

Beeinflusst wird das Gebiet ganz entscheidend vom Atlantik und dem Golfstrom, den die vielen Sommerurlauber rund um das nahegelegene Bassin d’Arcachon zu schätzen wissen. Die Sommer sind warm, aber normalerweise nicht zu heiss und das Meer bringt Feuchtigkeit. Das Gebiet wird ausserdem von den beiden Flussläufen der Dordogne und der Garonne beeinflusst, die bei Bordeaux zusammenfliessen und das Bassin der Gironde bilden. Dieses Bassin und die Flüsse teilen das Gebiet in drei große Bereiche auf. Die Stadt Bordeaux sowie die Bereiche Médoc, Graves und Sauternes liegen links des Bassins, der Bereich Entre-deux-Mers zwischen den Flüssen und Saint-Émilion, Pomerol, Bourg, Blaye und Fronsac auf der rechten Seite.

Entsprechend spricht man in Bordeaux von den großen Weinen der rive gauche (linkes Flussufer mit Médoc etc.) und rive droite (rechtes Flussufer mit Saint-Émilion etc.). Das Klima ist in beiden grossen Bereichen leicht unterschiedlich, denn die rive droite ist etwas stärker kontinental beeinflusst und es wird häufig wärmer als an der Küste. Es sind aber vor allem die Böden, die den Unterschied ausmachen.

Die rive gauche zeichnet sich im Wesentlichen durch karge und steinige kieselhaltige Schwemmlandböden aus. Es sind ehemalige Flussbetten der Gironde. Diese Art der Böden kommt vor allem dem Cabernet zugute, der dort dominiert. Vom kieshaltigen Boden, dem terre graveleuse hat auch das Anbaugebiet Graves seinen Namen. Es ist das älteste der Region und hat als erstes den Ruhm der Bordeaux-Weine begründet.

Die rive droite, aber auch das Gebiet zwischen den Flüssen – Entre-deux-Mers genannt – ist lehmiger und kalkiger. Beim Ton- und Lehmboden fühlt sich vor allem der Merlot zuhause, beim Kalk ist es der Cabernet Franc. Die weissen Sorten findet man auf allen Böden. Sie machen allerdings mit 11 % eine Minderheit aus. Neben dem Sémillon und Sauvignon blanc findet man in kleinen Teilen die Sorten Muscadelle, Merlot blanc und Ugni blanc.

Rebsorten in Bordeaux

Die Appellationen und ihre Weine

Der Verband der Bordeaux-Winzer spricht von sechs Weinfamilien, die das Gebiet ausmachen. Es sind die trockenen Weissweine, die roten Basisweine Bordeaux AC und Bordeaux AC Supérieur, die Côtes de Bordeaux, Saint-Émilion–Pomerol–Fronsac, Médoc und Graves sowie die lieblichen und edelsüssen Weissweine.

Dabei sind die Qualitätstufen in Bordeaux wie eine Pyramide aufgebaut. Als Basis findet man Bordeaux AC und Bordeaux AC Supérieur. Dies sind Rotweine, Rosé, Clairets und Crémants, deren Reben aus dem gesamten Bordeaux-Gebiet verarbeitet werden können. Parallel dazu gibt es als Weissweine die Bordeaux blanc und, als Gebiet eingegrenzt, die Weissweine aus Entre-deux-Mers. Das heisst so viel wie Zwischen den Wassern und umfasst das gesamte Gebiet zwischen Dordogne und Garonne bis zur Mündung in die Gironde. Alle Weine in Bordeaux sind das Ergebnis einer Assemblage, also einer Cuvée aus mehreren Rebsorten. Wie die Anteile der einzelnen Rebsorten ausfallen, liegt zum einen am Stil des Châteaus, zum anderen an den Gegebenheiten des Terroirs. Bei den Basisqualitäten können die Weine im Edelstahl, im Beton oder im Holz ausgebaut werden.

Als zweite Stufe der Pyramide gibt es die Gebietsappellationen. Auf der rive droite sind das die so genannten Côtes de Bordeaux, was so viel heisst wie Hügel oder Hänge. Die finden sich ausschliesslich auf der rechten Seite der Gironde in den Bereichen Bourg, Blaye, Castillon, Francs und Cadillac. Sie sind qualitativ hochwertiger als die Bordeaux AC und es gibt die Weine sowohl rot als auch weiss, im Falle von Cadillac auch als Süssweine. Auf der linken Seite der Gironde sind es das Médoc und das Haut-Médoc oberhalb von Bordeaux sowie Péssac-Léognan und Graves unterhalb von Bordeaux, die die Gebietsappellationen bilden. Diese vier Appellationen der rive gauche stehen qualitativ und preislich normalerweise über den Côtes de Bordeaux. Auf dieser Qualitätsstufe werden die Weine normalerweise in den typischen Bordeaux-Barriques mit 225-Liter Inhalt ausgebaut. Dieses Mass hat sich ergeben, da diese Fässer noch von einem Arbeiter bewegt werden konnten auf der Reise von Bordeaux Richtung England. Sie dienten ursprünglich nicht der Aromatisierung des Weines, sondern lediglich dem besseren Handling. Die Nutzung des Fasses als Aromaspender, bei dem das Holz unterschiedlich intensiv getoastet wird, ist eine Mode neuerer Zeit.

Bei den Ortsappellationen dürfen nur Trauben aus den Weinlagen rund um die Orte verwendet werden. Auf der rechten Seite sind das in der Spitze die Weinberge rund um Saint-Émilion und Pomerol, ausserdem Canon-Fronsac und Fronsac sowie kleine Appellationen wie Lalande-de-Pomerol, Saint-Georges-de-Saint-Émilion oder Montagne-Saint-Émilion. An der rive gauche sind es die berühmten Orts-Appellationen von Saint-Estèphe, Pauillac, Saint-Julien, Listrac-Médoc, Moulis und Margaux sowie die Süsswein-Orte Sauternes und Barsac. Je höher man auf der Qualitätsleiter steigt, desto höher sind auch die Ansprüche und Vorgaben bei der Weinbereitung.

Die Krönung der Appellationen bilden die Cru, die sich durch die unterschiedlichen Klassifizierungen ergeben haben. Die bekannteste ist die bereits erwähnte Médoc- und Sauternes-Klassifizierung von 1855 bei der Haut-Brion (aus der Appellation Graves) als Sonderfall mit aufgenommen und als 1er Cru Classé eingestuft wurde. Die restlichen herausragenden Graves- und Péssac-Léognan-Güter wurden 1953 und 1959 als Cru Classé de Graves klassifiziert, und zwar sowohl in einer Rotwein- als auch in einer Weissweinkategorie. Dieser Bereich ist der einzige, in dem Rot- und Weissweine auf einer Ebene klassifiziert werden.

Ebenfalls bedeutend ist die Klassifizierung von Saint-Émilion. Diese wurde 1955 erstmals durchgeführt und wird ca. alle fünfzehn Jahre überarbeitet. Dabei sind die Bezeichnungen irreführend. Denn in Saint-Émilion werden schon die einfachsten Qualitäten als Grand Cru bezeichnet. Erst die Stufe der Grand Cru Classé ist aussagekräftig und umfasst 64 Weingüter. Es folgen 14 Premier Grand Cru Classé (B) Weingüter sowie 4 Premier Grand Cru Classé (A) Weingüter mit Château Cheval Blanc, Château Ausone, Château Pavie und Château Angélus. Das benachbarte Pomerol hat bisher auf eine Klassifizierung verzichtet.

Entwicklung

Bordeaux ist das wohl berühmteste Anbaugebiet der Welt. Neben den bekannten Châteaux sind es vor allem die Weinstile, die sich weltweit durchgesetzt haben. Cabernet und Merlot als Rotwein-Cuvées, Sauvignon blanc und Sémillon im Weißweinbereich sind sehr begehrt. Die biologische Landwirtschaft hat in Bordeaux jedoch lange Zeit ein Schattendasein geführt. Das ändert sich erst langsam.

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