9.000 Jahre Tradition, Vielfalt und Ökologie – der Weinbau ist eine der ältesten Kulturtechniken

Weinbau gibt es von Schweden bis Südafrika. Egal ob Reblaus oder Klimawandel, Herausforderungen machen Winzer erfinderisch.

Getränke aus vergorenen Trauben existieren bereits seit Jahrtausenden auf der Erde. In der Ausgrabungsstätte Hajji Firuz Tepe im heutigen Iran wurden 7’400 Jahre alte Tongefässe gefunden, in denen Wein gelagert wurde. Bei archäologischen Grabungen an den georgischen Stätten Shulaveris Gora und Gadachrili Gora fanden Forscher sogar 7’900 Jahre alte Gefässscherben. Und schliesslich stiess man in China im Gebiet des Gelben Flusses auf 9’000 Jahre alte Spuren eines Getränks aus vergorenen Trauben von Wildreben mit Weissdornfruchtwein, Reisbier und Honigmet. In Europa verbreiteten Hochkulturen wie die der Griechen und Römer Weinbau und Weingenuss innerhalb ihres Herrschaftsgebiets. Und schliesslich setzten im Mittelalter Klöster diese Tradition fort.

Bei einer derart langen und kulturell verflochtenen Historie ist es kein Wunder, dass Wein einen Status erreichen konnte wie vermutlich kein anderes Lebens- und Genussmittel. Darauf deuten nicht nur die Preise hin, die für Spitzenweine mittlerweile gezahlt werden. Auch werden Weinbau und Kellerwirtschaft an Universitäten in allen Weinbauländern als selbstständige Disziplin gelehrt.

Die wichtigsten Weinbauländer

Weltweit werden nach Angaben der Internationalen Organisation für Rebe und Wein OIV auf etwa 7,5 Millionen Hektar Trauben angebaut. Ganz vorn steht dabei Spanien mit 969’000 Hektar, gefolgt von China, Frankreich, Italien und der Türkei. Deutschland befindet sich mit rund 103’000 Hektar auf Platz 14, Österreich kann 49’000 und die Schweiz 15’000 Hektar aufweisen.

Weinberg in Südfrankreich

Dass sich China und die Türkei innerhalb der Top 5 der Anbauländer befinden, deutet allerdings bereits darauf hin, dass nicht überall aus den angebauten Trauben auch Wein erzeugt wird. Und so ist die quantitativ wichtigste Traubensorten nach Anbaufläche auch die Hybridsorte Kyoho, die vor allem in China zum Frischverzehr (cépage de table) verwendet wird. Die wichtigsten Rebsorten für die Weinherstellung (cépage de cuve) sind Cabernet Sauvignon, Merlot und Tempranillo, allesamt rote Sorten. Danach folgen mit Airén und Chardonnay zwei weisse Rebsorten, bevor sich mit Syrah und Grenache zwei eher südliche und mit Sauvignon blanc und Pinot noir zwei eher nördliche Sorten anschliessen.

Was braucht eine Rebe?

Die Weinrebe erlaubt nicht, dass in allen Klimazonen Weinbau betrieben werden kann. Im Prinzip haben sich die Regionen zwischen dem 30. und 50. Breitengrad jeweils nördlich und südlich des Äquators als ideal für den Weinbau erwiesen. Allerdings benötigt die Rebe für ihr Wachstum fünf Voraussetzungen, die in ausreichendem Masse vorhanden sein müssen. Dies sind Wärme (unter 10° C wächst die Rebe nicht), Sonnenlicht für die Fotosynthese, Wasser (Regen, Grundwasser oder Bewässerung), Nährstoffe (aus dem Boden oder als Dünger) und CO2 (automatisch aus der Atmosphäre).

Anpassungen im Weinbau

Um erfolgreich Weinbau betreiben zu können, sind je nach den lokalen Bedingungen spezifische Anpassungen erforderlich. Die Weinbaugebiete nördlich des Alpenhauptkamms gehörten über Jahrhunderte zu den Zonen, in denen auf Traubenreife gehofft werden musste. Bevorzugte (und hoch bewertete) Lagen befanden sich deshalb auf nach Süden ausgerichteten Hängen, um möglichst viel Wärme und Sonnenlicht einzufangen. Flusstäler mit ihrem spezifischen Mikroklima und der Fähigkeit des Wassers, wie ein Spiegel das Sonnenlicht in die Umgebung zu reflektieren, waren dabei besonders bevorzugt. So erklären sich die berühmten Weinberge an Rhein, Mosel und Donau. Rebsorten wie Heunisch oder Silvaner gediehen auch in flacheren Weinlagen, während Riesling günstige Lagen zum Ausreifen benötigte. Die Neuzüchtungen von Rebsorten im 20. Jahrhundert wie Kerner, Huxelrebe oder Morio-Muskat waren ein Versuch, eine möglichst hohe Traubenreife (viel Zucker in den Beeren) auch unter ungünstigeren klimatischen Bedingungen zu erzielen.

Rebberg in Italien

Auch die Reberziehung an Drahtrahmen dient dazu, die verfügbaren Ressourcen optimal auszunutzen. Die Rebe als Kletterpflanze wird so gebändigt und der Rebschnitt erleichtert. Schliesslich bilden sich die Trauben auch nur in einer bestimmten Zone, die weit genug vom (oft feuchten) Erdboden entfernt ist, um beispielsweise das Risiko von Pilzkrankheiten zu verringern. Zusätzlich werden Weinbergsarbeiten und Ernte durch normierte Zeilen auch maschinell möglich.

Klimawandel als Herausforderung

In den letzten Jahren sind jedoch durch den Klimawandel neue Herausforderungen entstanden. Ein milder Winter führt zu einem frühen Austrieb, was die Gefahr von Spätfrostschäden erhöht. Zu viel Sonne und Wärme lassen Trauben unharmonisch reifen und führen zu Bittertönen durch Sonnenbrand. Und schliesslich führen Trockenheit und sinkender Grundwasserspiegel zu Problemen bei der Wasserversorgung. Die Methoden der Permakultur bieten hier mit der Wasser-Retention effiziente Lösungsansätze.

Eine Reihe von weinbaulichen Massnahmen dient dazu, diesen Herausforderungen zu begegnen. Laubwandmanagement hilft beispielsweise dabei, eine höhere Beschattung zu erreichen. Durch das Einbringen von Stroh in den Zeilen kann die Bodenfeuchte länger erhalten bleiben. Und schliesslich ermöglicht es die Tröpfchenbewässerung, die Rebe gezielt mit Wasser zu versorgen. Eine radikale Variante, zunehmender Hitze und Trockenheit zu entgehen, ist die Aufgabe von Standorten. Die Abnahme der Rebfläche in der kastilischen Meseta in Spanien und die Zunahme der Rebfläche in Regionen wie Südengland oder gar im schwedischen Schonen sind Reaktionen auf die sich ändernden Rahmenbedingungen.

Der Jahreskreislauf des Winzers ist bei all diesen Herausforderungen von regelmässig wiederkehrenden Arbeiten geprägt: dem Rebschnitt im Spätwinter, dem Binden der Ruten an die Drahtrahmen, den Pflegemassnahmen des Bodens, dem Pflanzenschutz zwischen Mai und Juli und schliesslich der Weinlese im Herbst.

Pflanzenschutz

Pflanzenschutz ist bei einer Form der Ertragslandwirtschaft in Monokulturen wie dem Weinbau ein wichtiges Thema. Gefahren drohen den Reben dabei durch eine ganze Reihe von Krankheiten und Schädlingen. Zuallererst muss hier die Reblaus genannt werden, die im 19. Jahrhundert nach Europa eingeschleppt wurde. Nach der Verwüstung weiter Rebflächen hat sich als einzige Lösung die Verwendung resistenter amerikanischer Unterlagsreben aus der Heimat der Reblaus herausgestellt, auf die die gewünschte Rebsorte gepfropft wird. Wurzelechte Reben haben sich in Europa nur in Ausnahmefällen erhalten. Grosse Probleme verursachen auch Pilzkrankheiten wie Echter Mehltau (Oidium) und Falscher Mehltau (Peranospora). Pflanzenschutzmittel (Pestizide) umfassen begrifflich dabei sowohl Fungizide gegen die genannten Krankheiten als auch Insektizide gegen Befall oder Frass und Herbizide zur Unterdrückung anderer Pflanzen im Weinberg.

Ökologischer Weinbau nach der Delinat-Methode

Der ökologische Weinbau nach der Delinat-Methode weist in dieser Hinsicht grosse Unterschiede zu konventionellen Weinbauformen auf. Diese Unterschiede betreffen vor allem die dahinter stehende Philosophie, die in den anspruchsvollen Delinat-Richtlinien ihren Ausdruck findet. Statt die Reben als etwas Schwaches zu betrachten, das permanent geschützt werden muss (durch die Bekämpfung aller ungünstigen Einflüsse), soll hier das gesamte Ökosystem gestärkt werden. Die Reben sollen sozusagen aus sich selbst heraus eine grössere Widerstandskraft erreichen.

Konkret verbotene Mittel sind dabei neben Herbiziden vor allem chemisch-synthetisch wirkende Pestizide (also solche, die in die Rebe selbst eindringen). Neben natürlichen Stärkungsmitteln wie biodynamischen Präparaten dürfen Delinat-Betriebe lediglich Kupfer und Schwefel in stark limitierten Mengen anwenden. Die Züchtung und Pflanzung robuster, pilzwiderstandsfähiger Rebsorten ermöglicht es, den Pflanzenschutz auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Ziel ist ein Weinbau, der ganz ohne Pflanzenschutz auskommt.

Weitere Stärkungsmassnahmen sind zum Beispiel bioaktive Düngung durch Gesteinsmehle und Gründüngung. Letztere wird dadurch gewährleistet, dass laut Delinat-Richtlinien zwischen dem 1. August und dem 30. April mindestens ein halbes Jahr lang eine eingesäte oder spontan vorhandene Vegetation im Weinberg vorhanden sein muss. Auch die Verwendung pilzwiderstandsfähiger Rebsorten hilft dabei, den Pflanzenschutz auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.

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