Crémants, Rieslinge und Gewurztraminer gehören zum Elsass wie das Sauerkraut und die Baeckeoffe

Das Elsass liegt im Spannungsfeld zwischen französischer und deutscher Weinkultur und profitiert davon. Erfahren Sie mehr!

Der Landstrich, der sich von Hagenau über Strasbourg und Colmar bis nach Mulhouse zieht, ist ein ganz besonderer. Er liegt, ein wenig abgeschieden vom Rest Frankreichs, hinter den Vogesen. Klimatisch ist das ein grosser Vorteil; denn das Mittelgebirge hält den Regen ab, sodass das Elsass zu den trockensten Gebieten in Frankreich zählt. Politisch war die Grenzregion zu Deutschland, das nur durch den Rhein getrennt ist, immer wieder umkämpft.

Das Elsass bildete allerdings eine Brücke zwischen beiden Kulturen. Das merkt man auch beim Wein: Die Weissweine werden trocken und als Spätlesen oder Beerenauslesen ausgebaut, und der Riesling gilt als dominierende Rebsorte. Andererseits werden im Elsass viele hervorragende Crémants vinifiziert, und der Gewurztraminer spielt eine ebenso grosse Rolle wie der Pinot gris. Die Weine harmonieren aufs Beste mit der elsässischen Küche, die ebenso fein wie auch bodenständig sein kann.

Geschichte und Besonderheiten

Die Anfangszeit des Weinbaus im Elsass ist typisch mitteleuropäisch. Zunächst betrieben die Kelten Weinbau, dann die Römer, und schliesslich breiteten sich die Orden mit ihren Abteien aus. Im 9. Jahrhundert gab es im Elsass bereits 160 Weinbauorte – und das ist durchaus etwas Besonderes. Bis ins 16. Jahrhundert hinein beanspruchte der Weinbau etwa das Zweifache der heutigen Fläche. Insgesamt waren es seinerzeit rund 30’000 Hektar.

Bereits zu dieser Zeit gab es im Elsass eine Art Appellationssystem, das der damals schon bestehende Winzerverband sich selbst gegeben hatte, um die Qualität der Weine zu garantieren; denn die wurden nach ganz Europa exportiert. Geerntet werden sollte «so spät und reif als möglich». Es kann gut sein, dass die Elsässer also viel früher die Spätlese erfunden haben als die Kollegen im Rheingau. Sowohl der Dreissigjährige Krieg (1618–1648), die Reblauskatastrophe sowie der Erste und der Zweite Weltkrieg haben der Region und dem Weinbau massiv geschadet, sodass es in den 1950er Jahren nur noch rund 10’000 Hektar Weinberge gab. Bis heute hat sich die Region jedoch weitestgehend davon erholt.

Über sieben Jahrhunderte hinweg gehörte das Elsass zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Im Jahr 1681 wurde Straßburg französisch besetzt. 1871 bis 1918 war das Elsass wieder deutsch, zwischen den Weltkriegen französisch, dann wieder kurz deutsch und schliesslich seit 1945 französisch. Die Weinkultur jedoch ist immer noch in grossem Masse vom deutschen Nachbarn geprägt.

Geografie, Klima und Rebsorten

Der Weinbau hat im Elsass ideale Voraussetzungen. Die Vogesen, hinter denen sich die Weinberge fast verstecken, hält die meisten Wolken ab, weil die sich auf der Westseite weitgehend ausregnen. So bekommt das Elsass zwar wenig, aber genügend Regen. Die insgesamt 15’000 Hektar Weinberge ziehen sich in einem höchstens zwei Kilometer breiten Band auf der Ostseite des Mittelgebirges entlang, und das über 110 Kilometer von Marlenheim bis Thann oder – wenn man die nächst grösseren Orte nimmt, von Strasbourg bis Mulhouse. Neben den Vogesen beeinflusst der nahe gelegene Rhein das Klima.

Die Rebsorten des Elsass

Die Weine werden reinsortig ausgebaut. Sonderfälle sind der Edelzwicker als Cuvée, der Gemischte Satz sowie der Crémant.

Geologisch gesehen bietet das Elsass ein Füllhorn unterschiedlichster Bodentypen. So wechseln sich Sand, Kiesel, Löss und Kalk mit Ton, Schiefer, Granit und Vulkangestein ab, und es gibt viele Bodentypen mit gleich mehreren Gesteinsvarianten. In den Weinbergen werden zu 90 % Weissweine erzeugt. 75 % gehören zur Basisqualität Alsace AC, 20 % sind Crémant d’Alsace AC, die restlichen 5 % teilen sich einige wenige Pinot noirs sowie Alsace Grand Crus aus 51 verschiedenen Gemeinde-Lagen.

Die Weine werden zu 99 % reinsortig ausgebaut, und die Rebsorte steht immer auf dem Etikett. Neben trockenen Weinen gibt es auch die Spätlese, die Vendange tardive. Ausserdem ist die Alsace Sélection de Grains Nobles berühmt, die mit Botrytis behaftete Beerenauslese. Zusätzlich findet man den Vin de paille, den Strohwein, und den sehr seltenen Vin de glace, den Eiswein. Wie in Deutschland werden die Weissweine in der schmalen und hohen Flasche, der klassischen flûte abgefüllt.

Fazit

Die Weine des Elsass gehören zu den grossen Besonderheiten des französischen Weinbaus. Dort finden sich manch hervorragende Lagen wie der Rangen de Thann, der Altenberg de Bergheim oder der Hengst mit einigen der ganz grossen Weissweine. Obwohl oder vielleicht gerade weil der Elsass ein sehr traditionsreiches Anbaugebiet ist, gehört eine grosse Gruppe elsässischer Winzer zu den frühen Vordenkern und Vorreitern des biologischen Weinbaus in Frankreich. Nicht nur die schmucken mittelalterlichen Dörfer sollen strahlen, auch die Weinberge dürfen aussehen wie bei den Vorfahren: vielfältig und bunt begrünt, gelegen in einer sehr alten Kulturlandschaft.

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