Cava, Priorat, Penedès, Biopioniere – Katalonien ist eines der spannendsten Weinbaugebiete Spaniens

In Katalonien, vor allem rund um Cava und in Penedès, ist der moderne spanische Weinbau entstanden. Welche Weine kennen Sie aus dieser Region?

Griechen und Katharer, Römer, Mauren, Franken, Goten und Basken sind durch Katalonien (spanisch Cataluña, katalanisch Catalunya) gezogen, haben jeweils ihre Spuren hinterlassen und teilweise ihrer eigenen Rebsorten mitgebracht. Das moderne Katalonien wird seit dem späten 19. Jahrhundert durch den Cava geprägt, ausserdem durch Weinstile, die Spaniens grosser Innovator Miguel Torres ab den frühen 1970er Jahren entwickelt hat. In den späten 1970er Jahren kam Biopionier Josep Maria Albet i Noya und hat massgeblich den biologisch-organischen Weinbau vorangetrieben.

Geschichte

Die Geschichte Kataloniens und damit auch die Weinbaugeschichte ist wechselvoll. Den ursprünglichen Weinbau könnten bereits die Griechen eingeführt haben, die an vielen Stellen der spanischen Mittelmeerküste gesiedelt haben. Später kamen die Karthager und danach die Römer. Dass diese den Weinbau gefördert haben, ist belegt. Ja, Wein wurde zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor und Tarragona der Hauptumschlagplatz.

Erst die Mauren setzten dem im 8. Jahrhundert ein Ende, wenn auch nur ein vergleichsweise kurzes; denn schon Karl der Grosse (742–814) liess die Mauren vertreiben und gliederte Katalonien in sein expandierendes Reich ein. De facto wurde Katalonien unter den Grafen von Barcelona Ende des 9. Jahrhunderts schon wieder unabhängig und blieb dies bis ins 12. Jahrhundert, als es mit Aragon zu einem Königreich verschmolzen wurde. Damals begann auch der Aufstieg der Klöster, allen voran der Zisterzienserklöster in Vallbona, Poblet und Santes Creus. Sie förderten den Weinbau in erheblichem Masse.

In diese Zeit fällt auch die Errichtung des Priorats di Scala Dei, nach dem das Anbaugebiet den Namen Priorat (Priorato) erhielt. 1479 wurde das Königreich Aragon mit Kastilien zum spanischen Königreich verschmolzen – was die Katalanen bis heute nicht akzeptiert haben. Die Folgen der Reblauskatastrophe und das spätere lange Franco-Regime sorgten für eine weitgehende Erstarrung im Weinbau.

Dies änderten zwei grosse Innovatoren in Katalonien. Der erste, Josep Raventós, machte den Xampán bekannt. So nannte er das spanische Pendant zum französischen Champagner. Der weltweite Siegeszug dieses Schaumweins, der längst als Cava bezeichnet wird, startete ab den 1970er Jahren. Der zweite Entrepreneur war Miguel Torres, der für völlig neue Weinstile sorgte; denn bis in die 1960er Jahre hinein wurde in Katalonien, vor allem im Penedès Rancio, süsser, oxidierter aufgespriteter Wein erzeugt. Torres aber führte französische Sorten ein und gewann beispielsweise mit seinem reinsortigen Cabernet Sauvignon internationale Wettbewerbe. Dies wirkte wie die Zündung eines Düsentriebwerks und katapultierte den Weinbau nach vorne.

Ohne Torres wäre möglicherweise auch Albet i Noya nicht zu denken, der mit dem biologisch-organischen Weinbau ab den späten 1970er Jahren für einen neuen Weg des Weinanbaus in reicher Biodiversität sorgte. Albet i Noya hat wie Torres gleichzeitig auf internationale wie auf heimische Rebsorten gesetzt, ja, man hat sogar längst verloren geglaubte katalanische Sorten wiederentdeckt und baut sie an.

Geografie, Klima, Böden und Rebsorten

Katalonien ist eine von 17 spanischen Regionen. Sie liegt im Nordosten Spaniens und umfasst die Provinzen Barcelona, Gerona, Lérida und Tarragona. Die Region grenzt im Norden an Frankreich, im Westen an Aragon und im Süden an Valencia. Insgesamt gibt es elf D.O.-Bereiche. Die bekanntesten sind Cava, Priorat (DOCa) und Penedès. Bekannt geworden sind in den letzten zwei Jahrzehnten Montsant und Costers del Segre sowie Catalunya. Dazu kommen Allela, Ampurdán-Costa Brava, Conca de Barberà, Pla de Bages, Tarragona und Terra Alta.

Neben 50’000 Hektar für Stillwein gibt es 30’000 Hektar für die Cava-Produktion. Zusammengenommen ist Katalonien so die zweitgrösste Weinbauregion nach Kastilien-La Mancha. Der Weinbau zieht sich von der Küste bis ins Landesinnere und von Meeresnähe bis ca. 800 Meter in die Höhe im Alto Penedès und im Priorat. Das Klima ist mediterran mit heissen Sommern und milden Wintern. Das Meer bringt vergleichsweise viel Regen von um die 600 Millimeter im Jahresmittel – weit mehr als in den meisten anderen spanischen Regionen. Die Bodentypen reichen von Sand (in Meeresnähe) bis zu Schwemmland, Kalkstein, Ton und Lehm sowie Granit (Montsant) und Schiefer (Priorat).

So vielfältig die Böden, so unterschiedlich sind die Rebsorten, die angebaut werden. Erwähnenswert sind vor allem die für den Cava genutzten und teilweise auch sortenrein ausgebauten Macabeo, Parellada und Xarel.lo. Ebenso findet man den allgegenwärtigen Tempranillo, französische Sorten wie Chardonnay, Cabernet<, Merlot und Syrah und natürlich die alten, aus Spanien stammenden Sorten Garnacha tinta, Samsó (Mazuelo, Carignan), Sumoll oder Monastrell (Mataró, Mourvèdre).

Die Weine Kataloniens

Der Cava ist Kataloniens Aushängeschild. Das wird schnell klar, wenn man in die Restaurants und Bars in Barcelona geht. Cava ist dort omnipräsent, schon weil er hervorragend zur katalanischen Küche passt. Dabei ist der Schaumwein, der nach traditioneller Methode mit Flaschengärung produziert wird, so gut wie immer knochentrocken.

Leider sind ausserhalb Spaniens vor allem die grossen Marken mit sehr einfachem und restsüssem Cava populär. Der exzellente, meist biologisch erzeugte Cava des oberen (aber auch nicht so teuren Segments) wird viel zu selten wahrgenommen. Daher haben sich einige der besten ökologisch arbeitenden Cava-Produzenten zu einer neuen DO zusammengeschlossen. Sie heisst Clàssic Penedès und ist die erste Appellation weltweit, in der ausschliesslich ökologisch zertifizierte Schaumweine entstehen, die zudem mindestens Reserva-Qualität besitzen.

Neben dem Cava haben die Weine aus dem Priorat einen steilen Aufstieg genommen. Deshalb hat das Priorat als einzige Appellation neben der Rioja den Status DOCa. Dies bedeutet, dass dort das Potential besteht, die besten Weine des Landes zu erzeugen.

Insgesamt entstehen in Katalonien viele fruchtige Weissweine und kräftige Rotweine, die je nach DO sehr unterschiedlich ausfallen. Besonders bemerkenswert ist die hohe Anzahl an biologischen Erzeugern, die im Gegensatz zu den trockeneren Gebieten Spaniens durchaus mehr Herausforderungen zu bewältigen haben. Dafür sind sie innovativer und denken oft ganzheitlicher. Gelebte Biodiversität als Grundlage eines funktionierenden Ökosystems trifft man in Katalonien recht häufig an.

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