Delinat-Weinwissen
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Vom idealen Cuvée-Partner zum Solo-Star – die Rebsorte Carignan

Carignan stammt vermutlich aus der spanischen Provinz Aragon und verbreitete sich unter ihrem dortigen Namen Mazuelo ab dem 12. Jahrhundert im ganzen Mittelmeerraum. Namenspate ist das Örtchen Mazuelo de Muñó in der Provinz Burgos. Der zweite, häufig anzutreffende Name auf der iberischen Halbinsel ist Cariñena. Heute wird die Traube hauptsächlich in Südfrankreich angebaut, insbesondere in den Départements Aude und Hérault. Die Rebsorte blüht spät und ist darum selten von Spätfrösten betroffen. Sie reift auch spät und bringt in der Regel sehr gute Erträge.

Ideale Cuvée-Partnerin mit starken Tanninen und intensiver Farbe

Sie war in den 1950er und 196060er Jahren sogar die am meisten angebaute Rebsorte in Frankreich und auch in Algerien, fiel aber seit den 1970ern deutlich zurück. Dennoch liegt sie heute im Ranking der französischen Rotweinsorten immer noch auf Rang fünf – hinter Merlot, Grenache, Syrah und Cabernet Sauvignon.

Ihr Profil ist bestimmt durch hohe Säure, starke Tannine und eine intensive Farbe. Sie gilt daher im Languedoc als ideale Cuvée-Partnerin für Grenache Noir, Syrah und Mourvèdre – die Reben fügen sich zu einem harmonischen Ganzen. Der alleinige Ausbau ist weitaus seltener. Die Weinexpertin Jancis Robinson schrieb einmal in den 1990er Jahren mit spitzer Feder, Carignan habe «wenig Charme und Geschmack». Das kann so nicht stehenbleiben, weil heute engagierte Winzer es zunehmend verstehen, sehr gute reinsortige Carignans auf die Flasche ziehen. Das Geheimnis ist – wie so oft – nicht auf Masse zu setzen. Alte Reben aus besten Lagen mit geringen Erträgen, verbunden mit gekonnter Fassreifung können einen ganz hervorragenden 100 % Carignan/Mazuelo/Cariñena/Samsó erbringen. Und das übrigens nicht nur in Frankreich und Spanien. Auch in Südamerika und in Südafrika entstehen immer mehr Weine aus teils uralten Weinbergen.

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