Terroir

Während das Makroklima einer Region ausschlaggebend dafür ist, ob dort überhaupt Weintrauben reifen können, ist der sehr viel kleinere Raum des Weinberges ausschlaggebend dafür, welche Art Wein dort wachsen kann. Zu den Terroir-Kriterien gehören das Klima des Weinberges, sein Boden, die Topographie und insbesondere auch das Zusammenwirken dieser drei Elemente.

Das «Terroir»

Auch grosse Weingüter kommen zurück auf den Geschmack des naturnahen Anbaus: Denn nur wenn Terroir und Reben harmonieren, tut es auch der Wein.

Es ist typisch für die Franzosen, dass sie für dieses komplexe Zusammenspiel einen einzigen eleganten Begriff besitzen: terroir. Tatsächlich beruhen der französische Weinbau und sein System der Appellations Contrôlées auf dem Grundgedanken, dass die Charakteristik eines Weines in einzigartiger Weise vom Terroir, also der natürlichen Umgebung der Stelle, an welcher die Rebe gewachsen ist, bestimmt wird. Da es nun in etablierten Weinregionen Frankreichs, insbesondere im Bordeaux und Burgund möglich ist, die Weinqualität mit bestimmten Lagen in Verbindung zu bringen und für diese eine Rangfolge aufzustellen, bestand lange Zeit auch die Meinung, dass dies auf die chemische Zusammensetzung des Bodens zurückzuführen sei.

Umfangreiche Bodenstudien

So wurde die Geologie der einzelnen Weinlagen im Sinne des Terroir-Gedankens mit grösstem Eifer untersucht. Neuere Studien sind aber zur Erkenntnis gelangt, dass die chemische Zusammensetzung des Bodens, Unterbodens und Muttergesteins im Weinberg weit weniger Bedeutung hat als die physikalische Beschaffenheit. Für die Weinqualität ist sehr wichtig, dass der Boden nicht zu fruchtbar, dafür aber gut wasserdurchlässig ist und doch gleichmässig und genügend Feuchtigkeit in Reichweite der Rebwurzeln speichern kann.

Harte Schale, sensibler Haushalt

Verglichen mit anderen Landwirtschaftsbereichen scheint der Boden im Rebberg steinig, trocken, fast unfruchtbar. Dieses Bild täuscht. Ein biologisch gepflegtes Terroir ist ein vielfältiges Ökosystem mit intensiver bakterieller Aktivität (Bodenleben). Durch die Begrünung der Oberfläche mit Pflanzen wird der Feuchtigkeits- und Nährstoffbedarf der Reben symbiotisch unterstützt. Mit einem starken Wurzelwachstum in die Tiefe nimmt die Rebe die typischen Terroir-Merkmale auf, sie findet auch bei langer Trockenheit genügend Feuchtigkeit und wird robuster. Zahlreiche Rebböden wurden aus kurzsichtigen Interessen praktisch zerstört. Die künstlichen Dünger schwächten die Reben und führten dazu, dass die Wurzeln nicht mehr in die Tiefe wuchsen, sondern ihre Nahrung von der Bodenoberfläche holten.

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