Portwein - Portugals Exportschlager aus dem Douro

Die Portwein-Geschichte beginnt so: Im Jahre 1678 entsandte ein Händler aus Liverpool zwei Mitarbeiter nach Porto, um sie dort für den Weinhandel auszubilden. Beim Abt von Lamego lernten sie einen neuartigen Wein kennen, der sie begeisterte. Auch das Geheimnis, das den Wein so angenehm geschmeidig und süss machte, verriet er ihnen: Während der Gärung wird ihm Weinbrand zugesetzt.

Der Douro, der in Spanien entspringt, hat sich im Norden Portugals den Weg durch eine Wildnis geschaffen, die noch heute schwer zugänglich ist.

Mit der ersten Ladung, die in England landete, begann der Siegeszug des Port. Lange Zeit wurde er fast ausschliesslich nach England exportiert, weshalb er zum Teil auch heute noch «Englishmen Wine» genannt wird. Bereits 1756 wurde das Douro-Gebiet für die Portwein-Produktion festgelegt – nur die besten Lagen waren zugelassen.

Die Produktion und Vermarktung von Portwein ist äusserst detailliert definiert und kontrolliert. Auf 330 Quadratkilometer produzieren 30'000 Winzer Portwein. Ihre Weinberge werden unter Berücksichtigung von vielen Kriterien in sechs Stufen eingeteilt: von A (ab 1'200 Punkten) bis F (unter 400 Punkten). Die Faktoren sind: Zustand der Rebanlage, Rebsorten, Mikroklima, Bodentyp, Lage, Neigung, Höhe über Meer, Ertrag usw. 48 Rebsorten sind für Portwein zugelassen.

Die wichtigsten roten Portwein-Trauben sind Touriga Nacional, Touriga Francesa, Tinta Amarela, Tinta Barroca, Tinta Cão und Tinta Roriz, die wichtigsten weissen sind Encruzado, Esgana Cão, Folgosão und Gouveio. Gelesen wird grundsätzlich von Hand und in Körben transportiert man die intakten Trauben zu den Weingütern.

Gerbstoff- und farbstoffreiche Beerenhäute sind wichtig für Portwein. Die kurze Gärung reicht aber nicht, um die Tannine auszulösen. Daher wird die Maische mit Holzstösseln (macaos) zerquetscht oder auch noch mit blossen Füssen zertrampelt. Wenn etwa die Hälfte des Zuckers vergoren ist, wird sie mit 77%igem Aguardente gestoppt. Sherry wird im Gegensatz dazu erst nach der Gärung gespritet. Portwein enthält so zwischen 19 und 22% Alkohol und zwischen 40 und 60 Gramm Zucker pro Liter. Je nach Portwein-Typ findet der Fassausbau unterschiedlich statt:

Vintage Port: der Jahrgangs-Portwein

Der «Jahrgangs-Portwein» gilt als der beste – er entsteht nur in besonders guten Jahren, etwa jedes vierte Jahr. Nur gerade ein Prozent aller Portweine sind Vintage Ports. Sie entstehen, wie es der Name sagt, aus einem einzigen Jahrgang. Nach zwei bis drei Jahren im Fass wird er in Flaschen abgefüllt. Danach reift er während mindestens 20 Jahren in der Flasche und entwickelt sich zu unglaublicher Perfektion: geschmeidig bis ölig, herrlich duftend und füllig – eine wahre Delikatesse. Man sollte unbedingt vermeiden, Vintage-Port unreif zu konsumieren. Das wäre eine veritable Verschwendung. Achtung: Vintage-Port enthält zum Teil dickes, krustiges Depot aus Gerbstoff und Pigmenten an der Flaschenwand und sollte deshalb dekantiert werden (Dekantieren).

Colheita

Hier handelt es sich ebenfalls um einen Jahrgangs-Portwein. Er reift aber mindestens acht Jahre im Holzfass, manchmal viel länger. Auf dem Etikett steht das Abfüll-Datum. Im Unterschied zum Vintage Portwein ist Colheita sofort trinkreif – seine Qualität gleichwertig.

Single Quinta Vintage Port

«Single Quinta» bedeutet, dass alle Trauben für diesen Portwein von demselben Weingut stammen. Sie werden in guten Jahren hergestellt, aber nicht in herausragenden Jahren. Single Quinta reift zwei bis drei Jahre im Fass. Er ist sofort trinkreif, da er nach der Abfüllung noch gelagert wird.

LBV (Late Bottled Vintage)

Eine Art günstiger Vintage Port, der bis sechs Jahre im Fass reift. Auf dem Etikett stehen Jahrgang und Abfüll-Datum. Obwohl ebenfalls schwarzrot, ist er heller als ein Vintage, aber auch körperreich und von guter Qualität und eigentlich sofort trinkreif, entwickelt sich aber noch einige Jahre in der Flasche.

Vintage Character oder Vintage Reserve

Gerbstoffreich, fruchtig, schwarzrot und deutlich unter der Vintage-Qualität. Der Name verwirrt, weil es sich um einen Verschnitt von verschiedenen Jahrgängen handelt. Er ähnelt dem Ruby, reift aber zwischen vier bis fünf Jahren im Fass. Er entwickelt sich in der Flasche noch weiter und kann ähnlich einem Vintage eine Kruste bilden. Inoffiziell wird er auch als «Crusted» oder «Crusted Port» bezeichnet.

Tawny Portwein

Der Name bedeutet etwa «Farbe von Bernstein», die sich aus den leichten Weinen ergibt. Tawny-Portwein wird stets aus mehreren Jahrgängen verschnitten. Die ältesten werden als «Fine Tawny» oder «Fine old Tawny» bezeichnet.

Ruby Portwein

Einfacher, preiswerter und häufigster Portwein. Die rubinrote Farbe gibt ihm den Namen – er ist süss und fruchtig, wird aus mehreren Jahrgängen jüngerer Weine verschnitten und reift zwei bis drei Jahre im Fass.

White Port

Der weisse Portwein wird ähnlich wie der rote hergestellt, aber mit noch kürzerer Maischezeit. Er reift zwei bis drei Jahre im Tank und hat einen niedrigeren Alkohol-Gehalt von ca. 15% vol. Manche Sorten reifen im Holzfass, was sie goldgelb werden lässt.

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