Primitivo, Tribidrag, Zinfandel – drei Namen für eine einzigartige Sorte

Es ist schon fast erstaunlich, dass eine Rebsorte, die dem Begriff «primitiv» so sehr ähnelt, auch im deutschsprachigen Raum so erfolgreich ist. Doch die Rebsorte macht diesen Nachteil wett mit ihrer sehr charmanten, fruchtbetonten Art. Der Primitivo ist, das weiss man mittlerweile, identisch mit der kalifornischsten aller kalifornischen Rebsorten, dem Zinfandel. Der Ursprung beider Varianten aber liegt in Kroatien.

Primitivo, Zinfandel und noch mehr Namen

In Kroatien, dem Urspungsland der Rebsorte wird sie als Tribidrag, Trebidrag, Pribidrag und Crljenak Kaštelanski bezeichnet. In Moldavien heisst sie Kratošija. In Süditalien findet man neben dem vorherrschenden Namen Primitivo auch die Varianten Primaticcio, Primativo, Uva di Corato, Zagarese und Morellone. In den USA wird sie ausschliesslich als Zinfandel bezeichnet. Zwischenzeitlich wurde die Rebsorte mit der ebenfalls dalmatischen Rebsorte Plavac Mali gleichgesetzt. Das hat sich aber nicht bestätigt. Mittlerweile weiss man, dass Plavac Mali ein Nachkomme des Tribidrag ist.

Erfolgreich in Italien und Kalifornien

Im süditalienischen Apulien wurde die Rebsorte 1799 von einem Priester in einem Weingarten bei Bari entdeckt. Sie viel ihm auf, weil sie schon Ende August und damit früher als die anderen Rebsorten reif wurde. Von ihm erhielt sie auch ihren italienischen Namen: Primativo, vom lateinischen primativus – die erste, die reif wird. Später stellte sich heraus, dass die Sorte identisch war mit der ebenfalls in Apulien ansässigen Sorte Zagarese, die ihren Namen von der kroatischen Stadt Zagreb erhalten hatte, von wo sie Einwanderer mit nach Italien gebracht hatten.

Wer genau die Sorte in die USA gebracht hat, ist nicht gänzlich geklärt. Zunächst ging man davon aus, dass es eine native Sorte der USA sei, obwohl es ja in den USA eigentlich keine Edelreben der Vitis vinifera gab. Später ordnete man die Sorte den 300 Sorten zu, die der Ungar Agoston Haraszthy Mitte des 19. Jahrhunderts in die USA gebracht hatte. Schliesslich fand man heraus, dass der Zinfandel bereits 1829 von einer Rebschule auf Long Island angeboten worden ist und sie deshalb schon deutlich früher in die USA kam. Der Name Zinfandel entwickelte sich aus Zinfendal bzw. Zinfendel. Ob er etwas mit dem Namen der Rebsorte Zierfandler zu tun hat, die möglicherweise zur gleichen Zeit in die USA kam, ist nicht bekannt.

Wie sich herausgestellt hat, ist Tribidrag der älteste gebräuchliche Name für die Rebsorte. Sie wird in Kroatien das erste Mal im 15. Jahrhundert erwähnt und galt im 16. Jahrhundert als eine der besten Sorten in der Region Split. Der kroatische Linguist Valentin Putanec geht davon aus, dass der Name auf einen griechischen Begriff zurückzuführen ist, der das Gleiche wie Primitivo bedeutet, nämlich: als Erster reifend (Wine Grapes, Robinson, Harding, Vouillamoz, 2012).

Laut dem deutschen Ampelographen Andreas Jung hatte der Tribidrag zwischenzeitlich auch eine Heimat rund um Heidelberg gefunden und hiess dort Blauer Scheuchner. Möglicherweise ist er verwandt mit der vor allem im Taubertal vorkommenden Sorte Tauberschwarz.

Die lange Suche

Als der amerikanische Pflanzenforscher im Jahr 1969 im süditalienischen Bari einige unterschiedliche Primitivo probierte, fühlte er sich unwillkürlich an den heimischen Zinfandel erinnert. Als er sich die Weinberge zeigen liess, viel ihm sofort die Ähnlichkeit von Primitivo und Zinfandel auf. Er schickte einige Rebstöcke an die führende Rebforschungsanstalt der USA in der University of California in Davis. Da es damals noch keine DNA-Analysen gab, dauerte es einige Jahre, bis eine starke Wahrscheinlichkeit der Gleichheit beider Rebsorten bestätigt wurde. Dies löste umgehend die so genannte battle of Zinfandel aus bzw. die Zinquest – die Frage nach dem Ursprung des Zinfandels. Der Zinfandel galt als uramerikanische Rebe, perfekt angepasst an das kalifornische Klima, mit seinem Charakter aber auch perfekt passend zu amerikanischen Essgewohnheiten. 1994 konnte die DNA-Übereinstimmung dann durch die Professorin Carole Meredith in Davis zweifelsfrei festgestellt werden. Auf die Jahrzehnte andauernden Suche nach dem Ursprung des Zinfandel, fand man schliesslich in einem alten Weingarten nördlich von Split die Rebe, die mit Zinfandel und Primitivo identisch ist.

Kraftvoll, fruchtbetont und charmant

Primitivo und Zinfandel haben sich natürlich im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte etwas anders entwickelt. Primitivo reift früh, Zinfandel etwas später aus. Beide sind recht anfällig gegen Nässe und die daraus entstehende Botrytis. Die Sorte ist kräftig, alkoholreich und fruchtbetont, wobei Noten von Himbeeren, Pflaumen, Brombeeren und Kirschen im Vordergrund stehen. Die Frucht verbindet sich mit Gewürznoten wie Zimt, Süssholz, Nelken und Pfeffer. Besonders charakteristisch ist das zurückhaltende, seidige Tannin. Neben trockenen roten Varianten wird der Wein in Kalifornien auch gerne als leicht restsüsser Rosé ausgebaut. Er heisst dann White Zinfandel oder Blush. Darüber hinaus wird die Rebsorte auch im Portweinstil ausgebaut. Typisch sind heute speziell auch in Apulien Weine mit einer Restsüsse von bis zu 10 Gramm.

Old vine, bold wine

Die Zentren der Rebsorte liegen bis heute in Apulien und Kalifornien. Beide Landstriche verfügen über ein grosses Vorkommen besonders alter Rebstöcke, die meist als Buschreben erzogen wurden. Auf Grund ihres knorrigen Wuchses werden sie in den USA auch als Gnarly Heads bezeichnet. Speziell um Lodi, der selbsternannten Hauptstadt des Zinfandel, findet man dieses Erziehungssystem, was auf süditalienische Einwanderer zurückzuführen ist. In Apulien sind es vor allem die Weine aus der Appellation Primitivo di Manduria von uralten Rebstöcken in eisenhaltigem Terrarossa-Boden auf weisser Kalksteinunterlage, die die besten Ergebnisse bringen. Darüber hinaus findet man die Sorte in Mexiko, Oregon, Washington State und Canada, sie ist aber auch populär in Australien. In Montenegro, Neuseeland und Südafrika gibt es kleine Vorkommen.

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