Das Burgund ist die Wiege des Weinbaus, wie wir ihn heute kennen

Chardonnay und Pinot noir spielen die Hauptrolle an der Côte d’Or im Burgund. Dort entstehen einige der elegantesten Weine der Welt.

Wein ist ein Jahrtausende altes Genussmittel, das zunächst für kultische Zwecke genutzt wurde, aber in der griechischen und römischen Zeit auch in der breiten Bevölkerung immer populärer wurde. Doch der Wein, wie wir ihn heute kennen, hat sich nicht damals, sondern später entwickelt, und zwar im Burgund. Entscheidend waren die Klöster, die dort ab dem 7. Jahrhundert an Macht und Einfluss gewannen und ihre Filialklöster über ganz Europa verteilten. Mit den Mönchen verbreiteten sich nicht nur deren Ideen vom Weinbau über den Kontinent, sondern auch die genutzten Rebsorten. Es waren auch Mönche, die den Begriff des goût de terroir prägten, weil sie davon überzeugt waren, dass ein bestimmter Ort einen eigenen Geschmack hervorbringe.

Schon damals waren es vor allem Pinot noir und Chardonnay, die man in den Weinbergen finden konnte. Die Weinberge wurden im Laufe der Zeit klassifiziert bis hin zu den Grand Crus, den besten und teuersten Weinlagen der Welt. Während man dem Burgund Ende der 1980er Jahre noch vorwerfen konnte, die Böden seinen so ausgelaugt, dass man in ihnen weniger Bodenleben fände als in der Sahara, hat sich seitdem viel getan. Das rund 40.000 Hektar umfassende Burgund beherbergt heute zunehmend biologisch arbeitende Betriebe.

Geschichte

Keine andere Region war für den modernen Weinbau seit dem Mittelalter so wirkmächtig wie das Burgund. Der Handel mit Wein ist bereits seit vorrömischer Zeit belegt. So fand man in einem Keltengrab in der Gemeinde Vix an der Côte d’Or in den Überresten eines Weinguts aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. einen griechischen bronzenen Mischkessel mit Relieffries. Dabei handelte es sich nicht etwa um ein Trinkgefäss, sondern um einen 1.100 Liter umfassenden sogenannten Krater für das damals übliche Mischen von Wein und Wasser, der von einer der griechischen Inseln stammte.

Die ersten Zeugnisse für den modernen Weinbau finden sich in einer Schrift des Bischofs Gregor von Tours, der dem damaligen Kaiser Konstantin Wein aus den Bergen westlich von Dijon empfahl. Dieser sei so gut wie der damals berühmteste Wein, der Falerner. Das war im Jahr 312. Mit dem Aufstieg der Klöster und dem Machtzuwachs der burgundischen Adeligen wurde auch der Weinbau immer bedeutender. Es heisst, dass der Karl der Grosse (Charlemagne) einen Weinberg in der Gemiende Aloxe-Corton besessen habe, worauf der schon lange bestehende Name Corton-Charlemagne hindeutet. Dieser gehört zu den wenigen Grand Crus des Burgund und somit bis heute zu den berühmtesten Weinbergen überhaupt.

Die Gründung des Zisterzienser-Ordens im Kloster Cîteaux im Jahr 1098 gab der Kirche eine weitere Machtbasis, und die Klöster breiteten sich über den ganzen Kontinent aus – immer mit Reben und Weinwissen im Gepäck. Unter Herzog Philipp dem Guten (1396–1467) wurde die Rebsorte Gamay weitgehend aus den Weingärten des Burgund in Richtung Beaujolais verbannt und das Hospice de Beaune gegründet. Dieses Hospiz der Alten- und Krankenpflege besteht bis heute und hat von Beginn an grosse Schenkungen in Form von Weinbergen erfahren. Einmal jährlich findet dort eine berühmte Weinversteigerung statt. Darüber hinaus erliess der Herzog Gesetze, die man als Vorläufer eines Appellationssystems ansehen kann, das sich im Laufe der Zeit im Burgund entwickelt hat.

Das Klassifikationssystem im Burgund

Das Klassifikationssystem des Burgund ist in seiner ganzen Bandbreite sehr verwirrend, da es sehr viele einzelne Lagen, sogenannte Climats, umfasst, die sich durch Klima, Mikroklima und Bodenbeschaffenheit unterscheiden. Dabei gibt es eine grundlegende Qualitätspyramide, die sehr einfach aufgebaut ist. Als Basis findet man die Bourgogne AC in Rot, Weiss oder Rosé, die rund 54 % der gesamten 40.000 Hektar ausmachen. Die Trauben für diese Weine dürfen aus dem gesamten Burgund stammen, sind aber bei Weissweinen immer Chardonnay und bei Rotweinen immer Pinot noir. Ausnahmen werden auf dem Etikett deklariert. Darüber hinaus gibt es die Weine aus kommunalen Appellationen, also Ortsweine oder auch Villages. Sie machen rund 34 % aus. Der Ortsname wird auf dem Etikett angegeben.

Als nächste Stufe gibt es die Premier Crus und in der Spitze die Grand Crus. Die Premier Crus umfassen 542 Lagen im gesamten Burgund, die Grand Crus 34 Spitzenlagen im Bereich der Côte d’Or und im Chablis. Diese Lagen verteilen sich auf recht wenige Orte. So findet man als Extrembeispiel in der Ortschaft Nuits-Saint-Gorges auf 152 Hektar 40 verschiedene Premier Crus, deren Name jeweils auf dem Etikett erscheint.

Im Gegensatz zu Bordeaux, wo Médoc, Saint-Émilion und weitere Appellationen eigene oder gar keine Klassifizierungen haben, ist diese für das gesamte Burgund gleich. Allerdings gibt es diverse Appellationen, die über keinerlei Cru verfügen.

Rebsorten im Burgund

Rebsorte Anteil Rebfläche
Pinot noir (Spätburgunder) ca. 34 %
Chardonnay ca. 48 %
Aligoté ca. 6 %
Gamay ca. 10 %
Pinot blanc (Weißburgunder)
Pinot gris, auch Pinot Beurot (Grauburgunder)
Pinot Madeleine (Frühburgunder)
Melon de Bourgogne
Sauvignon blanc
Sacy
César
zusammen etwa 2 %

Die Appellationen und ihre Weine

Die mit Abstand meisten der klassifizierten Cru-Lagen finden sich an der sogenannten Côte d’Or, einem 50 Kilometer langen Streifen von Dijon über Beaune bis Montrachet. Wie Perlen an einer Schnur reihen sich die oft berühmten Weinberge die Hügel entlang auf den rund 4.600 Hektar.

Côte de Nuits

Den nördlichen Teil der Côte d’Or bildet die Côte de Nuits, die ihren Namen vond er Gemeinde Nuits-Saint-Georges erhalten hat. Das Gebiet ist vor allem bekannt für seine körperreichen und lagerfähigen Pinot noirs. 22 der 23 Rotwein-Grand-Crus liegen dort in Gemeinden wie Chambolle-Musigny, Gevrey-Chambertin, Nuits-Saint-Georges, Morey-Saint-Denis, Vosne-Romanée mit dem vielleicht berühmtesten Weingut der Welt, Romanée-Conti, sowie Vougeot mit dem historischen Clos de Vougeot.

Côte de Beaune

Der untere Teil der goldenen Hänge (Côte d’Or) nennt sich Côte de Beaune und umfasst rund 3.000 Hektar. In Appellationen wie Corton-Charlemagne, Meursault und Montrachet steht vor allem der Chardonnay im Vordergrund. Orte wie Beaune, Aloxe-Corton, Pommard oder Volnay sind für Pinots bekannt, die etwas leichter und duftiger sind als jene von der Côte de Nuits. Dort finden sich die Grand-Cru-Lagen in Montrachet und rund um den Corton-Hügel.

Chablis

Einst war das Gebiet rund um den Ort Chablis samt seinem Nachbarort Auxerre das grösste zusammenhänge Anbaugebiet Frankreichs. Doch der nördlichste Teil des Burgund, welcher der Champagne viel näher ist als der Côte d’Or, hatte im 19. und 20. Jahrhundert stark mit der Reblaus, mit Absatzschwierigkeiten und später vor allem mit Spätfrösten zu kämpfen. Auch in den letzten Jahren sind immer wieder ganze Ernten durch Spätfröste ausgefallen. Und obwohl dies bei den neuen durch den Klimawandel bedingten Wetterphänomen kaum besser werden dürfte, wird bei vielen grossen Erzeugern im Chablis immer noch in erheblichem Masse gespritzt, und biologischer Anbau ist für viele dort weiterhin ein Fremdwort. Aber gibt es zunehmend mehr kleine Erzeuger, die umgeschwenkt sind und aus der einzigen zugelassenen Sorte der Appellation, dem Chardonnay, sehr gute Weine erzeugen. Was im 19. Jahrhundert noch 40.000 Hektar umfasste – so viel wie heute das gesamte Burgund –, war in den 1950er Jahren auf gerade einmal 500 Hektar zusammengeschrumpft. Heute sind es wieder gesunde 4.500 Hektar in 19 Orten, wobei die besten Lagen, die 100-Hektar-Grand-Crus, direkt gegenüber dem Hauptort in einer Reihe angesiedelt sind. Die Chardonnays des Chablis sind unverwechselbar. In ihrer Farbe meist mit einem leicht grünen Einschlag, sind sie extrem mineralisch, stahlig und frisch mit zitrischen Noten. Die besten Weine können locker über Jahrzehnte reifen.

Côte Chalonnaise

Die Côte Chalonnaise befindet sich unterhalb der Côte d’Or und oberhalb des angrenzenden Mâconnais. Den Namen erhielt die Côte vom Hauptort Chalon-sur-Saône. Auf rund 4.500 Hektar wird zu 75 % Rotwein erzeugt und zu 25 % Weisswein. Beim Rotwein dominiert der Pinot noir vor dem Pinot Liébault, einer Mutation des Pinot noir, sowie dem Gamay. Beim Weisswein gibt es neben Chardonnay vergleichsweise viel Aligoté, Pinot blanc, Pinot gris (der dort Pinot Beurot genannt wird) sowie Melon de Bourgogne, den man vor allem als Muscadet de Sèvre et Maine an der Loire kennt. Eine Besonderheit ist die Appellation Bouzeron, in der ausschliesslich die Rebsorte Aligoté zugelassen ist. Grand Crus gibt es nicht, aber mit Bouzeron, Givry, Mercurey, Montagny und Rully fünf Premier Crus.

Mâconnais

Mit 7.000 Hektar ist das Mâconnais, das sich von der Côte Chalonnaise bis zum Beaujolais erstreckt, die grösste Region. Doch auch hier ist es lediglich ein 15 Kilometer langer Streifen, an dem sich die Weinberge aufreihen, die von den zwei grossen Kalkfelsen-Formationen Solutré und Vergisson dominiert werden. Das Gebiet liegt schon weit südlich und wirkt in Teilen im Frühjahr fast mediterran. Entsprechend sind die Weine – vor allem der dominierende Chardonnay – opulenter und gelbfruchtiger als die der nördlichen Nachbarn. Zwischen Chablis und Mâcon liegt eine ganze Geschmackswelt. Für sich genommen aber entstehen dort hervorragende Weine, was dadurch gewürdigt wird, dass die fünf Gemeinden Pouilly-Fuissé, Pouilly-Loché, Pouilly-Vinzelles, Saint-Véran und Viré-Clessé über einen eigenen Cru-Status verfügen.

Qualitätssystem im Burgund

Bourgogne AOC Die regionale Appellation, bei der die Weine aus dem gesamten Burgund stammen können. Sie macht etwa 54 % aus.
Bourgogne Villages AOC Burgunder aus einem Ort, der auf dem Etikett vermerkt ist, ca. 34 %.
Bourgogne Premier Cru AOC Inklusive der Nennung der Cru-Lage. Es gibt 562 Lagen, deren Anteil liegt bei etwa 10 %.
Bourgogne Grand Cru AOC Inklusive der Nennung der Grand-Cru-Lage. Es gibt 40 Spitzenlagen. Deren Weine machen etwa 2 % aus.

Geografie, Klima und Böden

Nimmt man das Beaujolais mit hinzu, das eigentlich eine eigene Weinregion darstellt, rechtlich aber zum Burgund gehört, so umfasst das Burgund rund 40.000 Hektar Weinberge, von denen sich mehr als die Hälfte im Beaujolais befinden. Das Gebiet zieht sich von Dijon bis Lyon und damit von einem gemässigt warmen kontinentalen hin zu einem deutlich wärmeren Klima, je näher man der Rhône kommt. Lässt man das Beaujolais aussen vor, so wird das Burgund durch Kalkböden in unterschiedlichsten Arten geprägt. Diese reichen vom Portland- und Kimmeridge-Kalk des Chablis über Oxfordium-, Bathonium- und Bajocium-Kalk bis zum Lias-Mergel. All diese unterschiedlichen Kalk-Formationen entstanden erdgeschichtlich im Jura und liefern die Grundlage für hoch mineralische, lebendige und alterungsfähige Weine.

Die Weinberge selber unterscheiden sich oft in erheblichem Masse, weshalb die vielen kleinen Climats entstanden sind. Die Böden eignen sich hervorragend für die Spielarten der Pinot-Rebe, wobei sich vor allem der Pinot noir und der Chardonnay durchgesetzt haben. Doch auch Weiss-, Grau- und Frühburgunder trifft man in den Weingärten an. Eine Renaissance erlebt gerade die zweite weisse Traube des Burgund, der Aligoté, der vor allem bei alternativen und biologisch arbeitenden Winzern sehr beliebt ist. Eine besondere Spezialität ist der Passetoutgrain, eine Cuvée aus Pinot noir und Gamay, bei deren ursprünglicher Anbauweise beide Rebsorten gemeinsam im Weinberg standen und auch zusammen geerntet wurden.

Entwicklung

Die besten Weine erzielen heute absurd hohe Preise von rund 14 Millionen Euro pro Hektar Grand-Cru-Lage. Und obwohl dieses Anbaugebiet so viel Renommee besitzt, stand es lange schlecht um die Qualität vieler Weine. Der Grund waren durch Mineraldünger und Spritzmittel extrem ausgelaugte Böden. Ende der 1980er Jahre meinte der Bodenforscher Claude Bourguignon, die Böden des Burgund enthielten weniger Leben als Sahara-Sand. Seit dieser Zeit erfolgte ein Umdenken, hervorgerufen nicht zuletzt durch Leitfiguren wie die leider viel zu früh verstorbene Anne-Claude Leflaive und die Domaine de la Romanée-Conti mit dem Mitbesitzer Aubert de Villaine. Sie haben ökologischen Weinbau proklamiert, und das auf Domaines, die zu den besten der Region gehören. Die Weine des Chablis und der Côte d’Or sind hochpreisig und steigen in der Qualitätsspitze immer weiter. Die interessantesten Entdeckungen hingegen kann man heute an der Côte Chalonnaise und im Mâconnais machen. Dort entstehen so hervorragende Weine wie der Pouilly-Fuissé des Château du Clos.

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