Delinat: Die strengsten Bio-Richtlinien Europas

Die Delinat-Richtlinien gehen weit über generelle Anforderungen an den Biolandbau sowie andere Biorichtlinien (EU, Bio Suisse, Demeter) hinaus. In der Tabelle unten auf dieser Seite sehen Sie die wichtigsten Unterschiede.

Die von Pusch (Praktischer Umweltschutz Schweiz) betriebene Informationsplattform Labelinfo.ch hat in Zusammenarbeit mit WWF Schweiz, Helvetas und SKS die wichtigsten Labels auf dem Schweizer Markt bewertet. Delinat erhielt von der unabhängigen Umweltorganisation die beste Bewertung und das Prädikat «Ausgezeichnet».

Neben einem Verbot von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, von Kunstdüngereinsatz und Gentechnologie verlangen die Delinat-Richtlinien beispielsweise als erste verpflichtend eine Förderung der Biodiversität und schränken die Verwendung von Kupfer und Schwefel zur Krankheitsbekämpfung im Weinberg stark ein. Bei der Vinifikation im Keller sind Hilfsstoffe und Eingriffe zur Haltbarmachung (Schwefel), Schönung und Filtration der Weine stark eingeschränkt.

Der Grundstein: Die Charta für Biodiversität

Das zentrale Prinzip des qualitätsorientierten Weinbaus basiert auf der gezielten Förderung der Biodiversität (siehe auch Video «Was ist eigentlich Biodiversität?»). Der Weinberg wird als Ökosystem begriffen, dessen Balance erst durch die Vernetzung der biologischen Vielfalt entsteht. Das Hauptziel der Biodiversitätsförderung besteht darin, die Weinberge zu stabilen Ökosystemen mit Hecken und Bäumen und mit Sekundärkulturen wie Gemüse (Tomaten oder Kürbisse), Früchte (Himbeeren oder Erdbeeren), Getreide (Roggen oder Gerste), Aromakräuter oder Fruchthecken (Aronia oder Sandorn) umzuwandeln und durch eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Kräfte die Terroirqualität zu steigern. Mehr dazu: Charta für Biodiversität im Weinbau.

Eckpfeiler der Delinat-Richtlinien

  • biologische Bewirtschaftung der gesamten Rebfläche
  • sparsame Düngung im geschlossenen Kreislauf
  • durchgehende Begrünung (Ausnahme Trockenzonen)
  • keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel (Förderung von Nützlingen)

Die Delinat-Richtlinien enthalten auch soziale Mindestanforderungen in Bezug auf Arbeitsverträge, Sicherheit und Rechte. Sie basieren auf einem Stufenmodell, das über 100 Bewertungskriterien in drei Erfüllungsgrade einteilt - gekennzeichnet jeweils mit einer, zwei oder drei Weinbergschnecken.

Schon die erste Stufe ist weit strenger als die EU-Bio-Verordnung. Kontrolliert wird die Einhaltung der Richtlinien durch die Schweizer Bio-Kontrollstelle bio.inspecta in Zusammenarbeit mit den Bio-Kontrollstellen der Länder.

Richtlinien im Vergleich

Bereich Delinat-Bio EU-Bio Konventionell/IP
Bewirtschaftungsweise Ganzer Betrieb muss bio sein. Biologische/Ökologische Bewirtschaftung aller Betriebszweige Einzelne Betriebszweige dürfen auch konventionell bewirtschaftet werden Keine Vorschriften
Biodiversität, ökologische Ausgleichsflächen, Förderung von Kleinstrukturen Mindestens 7% ökologische Ausgleichsfläche innerhalb oder direkt angrenzend zur Rebfläche. Zusätzlich verlangt: Obstbäume und Wildsträucher innerhalb der Weinberge Keine Vorschriften EU/CH Konventionell: Keine Vorschriften
IP CH: 3,5% Ökologische Ausgleichsfläche
Begrünung Weinberg Verlangt Nicht verlangt EU: nicht verlangt
IP CH: teilweise verlangt
Bewässerung Strenge Auflagen Keine Vorschriften Keine Vorschriften
Chemische Pflanzenschutzmittel Verboten Verboten Erlaubt
Kupferanwendung Stufe 1: Maximal 3.5 kg/ha/Jahr
Stufe 2: Maximal 3 kg/ha/Jahr
Stufe 3: Maximal 2,5 kg/ha/Jahr
6 kg/ha/Jahr EU: 6 kg/ha/Jahr
CH: 4 kg/ha/Jahr
Kunstdünger Verboten Verboten Erlaubt
Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) Verboten Verboten Teilweise verboten
Vinifikation/Verarbeitung Technische Verfahren wie Vakuumverdampfer, Umkehrosmose und Kryoextraktion sind verboten Einzelne technische Verfahren verboten Keine Vorschriften
Verarbeitungshilfsstoffe Strenge Auflagen bezüglich Schwefel, Schönungsmittel und Filtrationshilfen Auflagen deutlich weniger streng als bei Delinat Keine Vorschriften, bzw. im Rahmen der in den Produktionsländern geltenden Höchstwerte
Anreiz zur Weiterentwicklung der Winzer Richtlinien basieren auf Stufenmodell mit drei Qualitätsstufen (gekennzeichnet mit 1 bis 3 Schnecken) Keine Keine
Soziale Anforderungen Mindestanforderungen bezüglich Arbeitsverträge, Sicherheit und Rechte Keine Keine

Delinat-Richtlinien im PDF-Format

Die Richtlinien, für die das Zeichen steht, können Sie hier herunterladen (die Farb-Markierungen weisen Abweichungen zur vorigen Version aus).

Weitere Informationen zu Biodiversität und Delinat