Delinat-Weinwissen

Delinat-Weinwissen

Pflanzenschutz zur Stärkung der Rebe und zur Schwächung der Angreifer

Pflanzenschutz ist im professionellen Weinbau fast unerlässlich. Das Spektrum reicht von schädlichen chemisch-systemischen Mitteln bis zu natürlichen Stärkungspräparaten.

Wie bei anderen Formen der Ertragslandwirtschaft ist Pflanzenschutz im Weinbau ein wichtiges Thema. Reben könnten zwar auch ganz ohne menschliche Eingriffe wachsen und Trauben hervorbringen, allerdings wären bei dieser Form der Bewirtschaftung Schwankungen der Erträge bis hin zu einem Totalausfall der Ernte möglich. Was für einen Freizeitgärtner noch tragbar erscheinen mag, wäre für Winzer, die ihren Lebensunterhalt mit den Trauben verdienen, zu riskant. Um das Risiko zu minimieren, braucht die Rebe einen gewissen Schutz.

Je stärker und gesünder sie ist, desto weniger Unterstützung benötigt sie.Das Spektrum beim Pflanzenschutz ist sehr breit. Es reicht von wirkungsvollen, aber umweltschädlichen Pestiziden bis hin zu biodynamisch hergestellten, natürlichen Stärkungsmitteln. Die Delinat-Methode verlangt auch beim Pflanzenschutz so wenig Eingriffe wie möglich: durch kontinuierliche Reduktion von auch im biologischen Weinbau eingesetzten Pflanzenschutzmitteln wie Kupfer und Schwefel und den Einsatz neuer, robuster Rebsorten.

Unterschiedliche Ansätze beim Pflanzenschutz

Beim Pflanzenschutz gibt es zwei grundlegend unterschiedliche Ansätze, die sich in der Praxis jedoch überschneiden können. Der erste Ansatz geht davon aus, dass die Rebe zeit ihres Lebens geschützt werden muss, weil sie schwach und anfällig ist und daher unterschiedlichen Angriffen fast wehrlos gegenübersteht. Der zweite Ansatz attestiert der Rebe, dass sie Selbstheilungskräfte und Widerstandsmechanismen entwickelt, die man fördern und unterstützen kann.

Welcher Angriffe muss sich eine Rebe erwehren? Zum einen sind dies Krankheiten, die häufig die Blätter, die Kraftwerke der Pflanze, angreifen, manchmal aber auch die Trauben selbst. Zum anderen gibt es Schädlinge wie der Traubenwickler, der die Trauben ungeniessbar macht, oder die Reblaus, welche das Wurzelsystem zerstört. Letztere stellt allerdings heute kaum mehr ein Problem dar, weil fast alle Reben in Europa veredelt, das heisst, auf reblausresistente amerikanische Unterlagsreben aufgepfropft sind. Insekten und Vögel schaden zwar nicht der Rebe, vermindern aber deren Ertrag. Ferner können die Witterungsbedingungen, von Frost über Sturmfluten und Hitze bis hin zu Trockenheit, der Rebe schaden.

Pestizid als Oberbegriff

Der am meisten diskutierte Pflanzenschutz betrifft die Pestizide, mit denen Krankheiten und Schädlinge bekämpft werden. Unter Pestiziden verstand man früher vor allem Abwehrmittel gegen Insekten, heute bezeichnet man alle vom Menschen hergestellten chemischen Pflanzenschutzmittel als Pestizide. Dazu zählen auch die Herbizide, wie das sicher jedem bekannte Glyphosat. Durch sie sollen die Rebzeilen und der Unterstockbereich von anderen Pflanzen als der Rebe freihalten werden. Auch Insektizide, etwa gegen den Traubenwickler oder gegen Spinnmilben, zählen dazu. Die dritte wichtige Gruppe sind die Fungizide, die vor Pilzbefall schützen sollen, also insbesondere vor Echtem Mehltau, Falschem Mehltau, aber auch vor (zum «falschen» Zeitpunkt auftretender) Botrytis (Graufäule).

Unterschiede zwischen konventionellem und ökologischem Weinbau

Der prinzipielle Unterschied beim Pflanzenschutz zwischen dem ökologischen und dem konventionellen Weinbau ist die Einstellung zu systemischen Mitteln. Systemische Pflanzenschutzmittel dringen in das Pflanzengewebe (= das System) ein. Dabei gibt es systemische Mittel, die lediglich lokal wirken, und solche, die bis zur Triebspitze oder in die Wurzel transportiert werden. Im kontrolliert-biologischen Weinbau sind systemische Pflanzenschutzmittel verboten, weil sie fast alles Leben im Weinberg vernichten. Erlaubt sind natürliche Schutzmittel in Form von Kupfer- und Schwefellösungen. Beide sind ebenfalls giftig, sonst wären sie nicht wirksam. Die Art ihrer Wirkweise ist allerdings seit langer Zeit genau bekannt. Dennoch ist es insbesondere die Verwendung des Schwermetalls Kupfer (z. B. in der Bordeauxbrühe zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus), die oftmals Anlass zur Kritik gibt. In den letzten Jahrzehnten sind deshalb Präparate entwickelt worden mit 50 bis 80 Prozent weniger Kupfer, die ebenso wirksam sind. Ausserdem schränkt etwa die Delinat-Methode sowohl beim Kupfer wie beim Schwefel die jährliche Einsatzmenge stark ein.

Die Stärkung der Rebe

Die Unterstützung der Selbstheilungs- und Widerstandskräfte der Rebe kann natürlich keine Resistenz gegen Angriffe aller Art garantieren. Aber sie kann die Widerstandsfähigkeit der Pflanze so erhöhen, dass die Menge der Pflanzenschutzmittel verringert werden kann.

Die Delinat-Richtlinien propagieren das Pflanzen von gesunden, robusten Rebsorten, die an den Boden und die klimatischen Verhältnisse angepasst sind. Eine grössere Diversität sowohl an Klonen innerhalb derselben Rebsorte als auch unter den Sorten (z. B. Gemischter Satz) erhöht zusätzlich die Robustheit. Bei Verwendung von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten (PIWIs) müssen Fungizide entweder kaum oder gar nicht mehr eingesetzt werden.

Auch kann das Ökosystem gefördert werden durch eine vielfältige Begrünung und durch ökologische Ausgleichsflächen rund um die Reben. Hier setzt die Delinat-Methode Massstäbe. Und schliesslich spielt ein gesunder Boden eine sehr wichtige Rolle bei der Widerstandskraft. Eine schonende Bodenbearbeitung und möglicherweise auch die Verwendung von Effektiven Mikroorganismen (EM) helfen dabei, Bodenleben und Bodenstruktur zu verbessern.

Biodynamische Präparate wie Hornmist und Hornkiesel sollen als Spritzmittel die Widerstandsfähigkeit der Reben erhöhen, während Kompost sowie Kamillenblüten- oder Brennnesselextrakte das Bodenleben positiv beeinflussen. Weitere Pflanzenstärkungsmittel wie Komposttee, Pflanzentees, Tonerde oder Backpulver haben ebenfalls eine positive Wirkung für die Gesundheit der Reben.

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