Delinat-Weinwissen

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Balance ist alles – Voraussetzungen und Standortansprüche des Weinbergs

Die Rebe benötigt zum Leben Wärme, Sonnenlicht, Wasser und Nährstoffe. Gibt es also wirklich so etwas wie den idealen Standort?

Weinberg - Standort

Weinberg - Standort

Weinbau ist nicht an jedem Standort in gleicher Weise möglich. Welcher Standort für eine Weinrebe ideal ist, ergibt sich aus den Voraussetzungen, die eine Rebe zum Wachsen und Gedeihen benötigt. Reben brauchen im Prinzip vier Schlüsselelemente: Wärme, Sonnenlicht, Wasser und Nährstoffe.

Wärme

Um wachsen zu können, muss die Temperatur für die Rebe oberhalb von 10 °C liegen. Aus diesem Grund verfällt die Rebe in der kalten Jahreszeit in eine Art Winterstarre, die erst bei höheren Temperaturen mit dem Aufbrechen der Knospen wieder endet. Wärme spielt auch eine entscheidende Rolle für die Blüte, den Fruchtansatz und die Traubenreife.

Je nach Standort gibt es eine Reihe von Faktoren, welche die Temperatur beeinflussen können. Der wichtigste darunter ist vermutlich die geographische Breite. Die Weinrebe hat sich auf der Nordhalbkugel im Bereich zwischen dem 30. und dem 50. Breitengrad entwickelt. Mit dem modernen Weinbau hat sich dieses Gebiet spiegelverkehrt auf ähnliche Breitengrade der Südhalbkugel ausgedehnt. Natürlich ist es möglich, Weinbau auch jenseits des 50. Breitengrads oder näher am Äquator zu betreiben. Dafür müssen aber spezifische Standortmerkmale vorhanden sein.

Eines dieser Merkmale kann die Höhenlage sein. Im Norden Argentiniens wäre es beispielsweise auf Meereshöhe viel zu warm für Reben. Auf über 1000 Metern über Meereshöhe entstehen dort aber strukturierte Rotweine. Mit den zunehmenden Temperaturen im Klimawandel gibt es in europäischen Weinbaugebieten gleichfalls die Tendenz, Neuanpflanzungen eher am oberen Rand eines Weinbergs vorzunehmen. Ist ein Standort allerdings zu kühl, können steinhaltige Böden oder auch Trockenmauern die Wärme des Tages speichern und sie in der Nacht an die Rebstöcke abgeben.

Sonne

Ohne Sonnenlicht kann die Rebe nicht gedeihen. Bei der Photosynthese wird Lichtenergie mit Hilfe des Farbstoffs Chlorophyll in den Blättern in chemische Energie umgewandelt. Damit kann die Pflanze aus Kohlendioxid und Wasser Sauerstoff und Glucose produzieren. Während der Sauerstoff in die Atmosphäre entweicht, wird die Glucose für das Pflanzenwachstum und die Reifung der Trauben benötigt. Der Zugang zum Sonnenlicht ist deshalb ein sehr wichtiger Standortfaktor.

In Regionen, in denen Wärme und Sonnenlicht in der Ebene nicht für den gewünschten Grad der Traubenreife ausreichen, wurden die Reben schon vor vielen Jahrhunderten in Steillagen angepflanzt. Auf diese Weise sind die Reben zum Sonnenlicht hin stärker exponiert, erhalten im Tagesverlauf also mehr Sonnenenergie. Befindet sich der Weinberg dann noch an einer Flussschleife oder an einem See, kann Sonnenlicht durch die Wasseroberfläche in den Weinberg hinein reflektiert werden. Ebenso wie bei der Wärme kann das Sonnenlicht allerdings auch zu intensiv sein. Sonnenbrand auf den Trauben führt dann beispielsweise zu Bittertönen im Wein.

Wasser

Ein idealer Standort versorgt die Reben mit ausreichend Wasser in der Wachstumsphase und hält das Wasser während der Traubenreife zurück. Bei einem zu hohen Grundwasserspiegel können die Wurzeln übersättigen und absterben. Neben anderen Einflüssen kann zu viel Regen zur Blütezeit auch zu Verrieselung führen. Verrieselung bedeutet, dass viele Blüten oder kleine Beeren vom Stielgerüst abgestossen werden, weshalb sich nur eine geringere Zahl an Beeren entwickeln kann. Regnet es im Sommer zu viel, konzentriert sich die Rebe auf das Wachstum der grünen Teile und weniger auf die Beeren. Später können die Beeren durch zu viel Regen anschwellen (= verwässern) oder gar aufplatzen. Ein zu feuchter Standort begünstigt darüber hinaus die Bildung von Pilzkrankheiten.

In den letzten Jahren war in Mittel-, aber auch in Südeuropa allerdings nicht der Überschuss, sondern vielmehr das Fehlen von Wasser das grössere Problem. Wassermanagement wird auch in unseren Breiten zu einem zunehmend wichtigen Thema. Ein zu niedriger Grundwasserspiegel ist gerade für jüngere Reben gefährlich, weil deren Wurzeln oft nicht tief genug reichen. Wasserstress während der Wachstumsperiode macht sich auch dadurch bemerkbar, dass die Reben die Photosynthese einstellen. Die Blätter welken vorzeitig, und die Beeren entwickeln sich nicht weiter.

Nährstoffe

Die wichtigsten Nährstoffe für die Rebe sind Kohlendioxid und Wasser. Kohlendioxid (CO2) wird für die Photosynthese benötigt, kommt aber in der Luft in ausreichendem Masse vor. Andere Nährstoffe nimmt die Rebe über die Wurzeln aus dem Boden auf. Dazu zählen vor allem Kalium, Magnesium und Stickstoff, aber auch Kalzium, Phosphor und Schwefel sowie in geringen Mengen Spurenelemente wie etwa Eisen. Im Verlauf der Gesteinsverwitterung sind diese Mineralstoffe freigesetzt worden und deshalb an geeigneten Standorten in ausreichendem Masse vorhanden.

Stickstoff zählt allerdings nicht dazu. Er kommt hauptsächlich im Humus vor, der aus abgestorbenem pflanzlichem oder tierischem Material besteht. Delinat-Winzer achten daher akribisch darauf, das Bodenleben zu erhalten, damit kein Nährstoffmangel entsteht. Dies geschieht unter anderem durch Einsaaten von Leguminosen und anderen standortgerechten Pflanzen zwischen den Rebzeilen. Stirbt das organische Material dort ab, bildet sich daraus Humus, der Bodenlebewesen enthält. Böden, die hinsichtlich ihrer Lebendigkeit Defizite aufweisen, müssen beispielsweise mit stickstoffhaltigem Dünger künstlich versorgt werden, damit die Rebe gedeihen kann.

Allzu fruchtbare Böden sind allerdings auch nicht ideal für den Weinbau. Eine überreiche Versorgung mit Nährstoffen führt nicht nur zu einem übermässigen vegetativen Wachstum, sie sorgt auch für zu hohe Erträge. Dadurch lässt die Geschmacksintensität und damit auch die Qualität der einzelnen Beeren nach. Insofern geht es wie bei allen anderen Schlüsselelementen auch hier darum, eine gute Balance zu finden.

Der ideale Standort

Bedenkt man, an welch unterschiedlichen Standorten Spitzenweine wachsen, wird deutlich, dass es den allgemeingültig idealen Standort nicht gibt. In Bordeaux werden auf flachem Land Spitzenweine erzeugt, aber das Geheimnis liegt in der Wasserversorgung im Untergrund und in den Flusskieseln der Weinlagen, die Wärme speichern. An der Saar ist das Klima hingegen kühl und Sonnenschein eher Mangelware. Deshalb befinden sich die berühmtesten Weinberge dort an steilen, nach Süden hin ausgerichteten Hängen.

In vielen Mittelmeerregionen ist die Sonneneinstrahlung sehr hoch und die Wasserversorgung während der Sommermonate ausgesprochen gering. Abhilfe schaffen hier ältere Reben, die auf der Wassersuche bis zu 20 Metern tief in den Boden vordringen können, oder ein grosser Pflanzabstand zwischen den einzelnen Stöcken. Die Erziehung als Buschreben hilft dabei, dass die Trauben auch im Spätsommer noch mit Blättern bedeckt sind. Im Burgund werden die berühmtesten Weinberge schon seit Jahrhunderten bewirtschaftet. Manche sind von Mauern umgeben (auf Französisch Clos, z. B. Clos de Vougeot), die Wärme speichern und ein eigenes Mikroklima schaffen.

Erfahrung, Mikroklima, spezifische Gesteins- und Bodenkonstellationen, die Auswahl der geeigneten Rebsorte, die entsprechende Sorgfalt im Weinberg – all das sind Faktoren, die aus einem allgemein geeigneten Standort einen hervorragenden machen können.

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