Adiós, Cava – ¡Hola Penedès!

Ganz frisch ist der neue Espriu von Albet i Noya eingetroffen. Fast hätte der katalanische Biopionier Albet i Noya den erfolgreichsten und beliebtesten Schaumwein von Delinat gar nicht mehr produziert.  Doch Albet i Noya hat für ihn gekämpft und so ist es mitten in der Cava-Hochburg Katalonien zu einer kleinen Revolution gekommen: Nach jahrelangen Auseinandersetzungen um Qualitätsstandards und Tiefpreispolitik von Cava- Schaumweinen haben sich viele Produzenten von der Denomination Cava verabschiedet.

knallender Korken
Was ist geschehen? Die Appellation „Cava“ leidet seit Jahren an einem Renommee-Problem. Millionen Flaschen billiger Massenware haben die Märkte überschwemmt und dem Namen geschadet. Handwerklich hergestellter, hochstehender Qualitäts-Cava, so wie Albets Espriu, ist die Ausnahme geworden. Einen der besten Schaumweine Spaniens unter dem Namen „Cava“ verkaufen zu müssen, ist zur Belastung geworden.

Von 220 Mio. Flaschen, die unter der geschützten Herkunftsbezeichnung DO Cava hergestellt werden, sind Freixenet, Codorniu und Segura y Viudas die drei dominierenden Kellereien. Diese Konzerne zwingen mit ihrer Marktdominanz kleinen Kellereien ihre teilweise ruinösen Preisdiktate auf. Darunter leiden auch reine Traubenproduzenten. Unzählige von ihnen liefern ausschliesslich an die Grossen und unterstehen damit deren Preisvorgaben. Das zwingt die Traubenlieferanten, möglichst grosse Mengen zu produzieren, um sich ihre Existenz zu sichern. Darunter leidet wiederum die Traubenqualität.

Auf Qualität bedachte Kellereien wie Albet i Noya fordern seit Jahren ein grösseres Bewusstsein für das Terroir bei der Cava-Herstellung. Weil diese Forderung in der Denomination, die 160 Produktionsregionen in ganz Spanien unter einem Hut vereint, kein Gehör fand, ist nun vielen kleinen und mittelgrossen Betrieben der Kragen geplatzt: Sie sind aus der DO Cava ausgetreten, darunter renommierte Kellereien wie Raventós i Blanc, deren Gründer erster Präsident der DO Cava war, oder Albet i Noya, der erste Erzeuger von Bio-Cava.

Albet i Noya in seinem Keller
Josep Maria Albet i Noya kehrt der DO Cava den Rücken.

Ab 2018 nur noch biologische Trauben

Viele von ihnen haben mit ihren Schaumweinen in der DO Penedès eine neue Heimat gefunden. Diese hat die unerfreuliche Entwicklung in der DO Cava ebenfalls schon länger kritisch verfolgt und jetzt neu eine Kategorie «Schaumweine» in ihr Reglement aufgenommen. Besonders revolutionär: Ab 2018 müssen alle Schaumweine der DO Penedès ausschliesslich aus biologischen Trauben erzeugt werden. Mindestens 15 Monate Flaschenreife (statt 9 beim Cava) sowie die Verpflichtung, dass jede Flasche mit dem Jahrgang gekennzeichnet sein muss, sind weitere wichtige Qualitätskriterien, die sich vom Cava unterscheiden. Für die Liebhaber spanischer Schaumweine ist wichtig zu wissen, dass die Prickler der ausgetretenen Kellereien nicht mehr Cava heissen, sondern Vi Escumós. Offiziell lautet die Bezeichnung Vi Escumós DO Penedès. Auf den Etiketten steht je nach Platzverhältnissen einfach Brut Reserva DO Penedès mit dem Zusatz Mètode Tradicional.

 

David Rodriguez

David Rodriguez

Weinakademiker bei Delinat
Wenn ich mich bei einem guten Tropfen zurücklehne, fallen mir gegerbte Winzergesichter ein, knorrige Weinstöcke und reife Trauben, die geerntet werden wollen. Guter Wein lädt zum Träumen ein...
David Rodriguez

Letzte Artikel von David Rodriguez (Alle anzeigen)

9 comments

  1. Sehr interessanter Artikel. Mich würde dazu interessieren, wie die neu eingeführte Klassifikation der DO Cava, „Cava Paraje Calificado“ für Premium Cava angenommen wird und ob sie funktioniert auf den wichtigen Exportmärkten wie Großbritannien und z. B. auch in den USA. Freu mich über Antwort

  2. Sehr interessanter Artikel. Mich würde dazu interessieren, wie die neu eingeführte Klassifikation der DO Cava, „Cava Paraje Calificado“ für Premium Cava angenommen wird und ob sie funktioniert auf den wichtigen Exportmärkten wie Großbritannien und z. B. auch in den USA. Freu mich über Antwort

      1. Ich kann mir kaum vorstellen dass ein gut angekündigtes neues Gütesiegel von einem ohnehin schon beliebten Anbieter nicht gut angenommen wird. Um aber auf „Cava Paraje Calificado“ zurückzukommen: Soweit ich die Story kenne wurde zuerst „DO Penedès“ gegründet und viele Betriebe haben sich dort angeschlossen. Die Verbliebenen bei „DO Cava“ haben danach als Konter ebenfalls ein neues Gütesiegel gegründet, das wie schon erwähnte „Cava Paraje Calificado“ mit noch höherer Anforderungen. Danach wurde DO Penedè aufgewertet um ab 2018 nur noch BIO zu sein für einen neuen Mehrwert. Genaue Daten habe ich keine aber so wie ich die Märkte einschätze werden beide „Premium-Siegel“ ihre Kundengruppen haben, das Einte mit höherer Lagerzeit, das andere mit besonders guter Ökologie und Reinheit. USA ist ein grosses Land, dort ist u.a. Kalifornien besonders qualitätsbewusst während es woanders oft eher mässig läuft. In Europa ist der Markt stark im Wandel und weniger stark vom genauen Ort abhängig (mehrere Länder sind starke Abnehmer) und insgesamt ist Europa bei spanischem Schaumwein ein deutlich stärkerer Abnehmer als die USA, denn in den USA macht nach wie vor Champagner und Prosecco das Rennen. Die Japaner sind auch gut dabei aber mit Prosecco kann man sie effektiv zum Kuckuck jagen während er in der Schweiz besonders beliebt ist.

  3. Man muss einfach sehen, laut meinen Infos ist Spanien der weltweit grösste Weinexporteur, sicher aber kontinuierlich Top 3 weltweit. Davon ist der allergrösste Anteil ein minderwertiger Billigwein für Weiterverarbeitung, oft in Tetrapacks abgefüllt, das ist auch heute noch so auch wenn die Qualität allgemein in den letzten Jahren angestiegen ist. Wobei der Spalt zwischen enormen Qualitätsherstellern und Billigweinherstellern immer grösser wird. Die grosse Masse, riesen Betriebe mit durchschnittlich rund 200 ha Fläche, ist nach wie vor „Süffelwein“ während einer Minderheit immer mehr der Kragen platzt und sie aus diesem quantitativen Geschäftsgebaren aussteigen wollen. Einer der ersten grösseren Bio-Betriebe war in der Tat „Albet i Noya“, primär rund 80 ha gross (für Spanien ausserhalb Bio nur bescheidene Grösse) aber sekundär hat es noch ausgelagerte Zulieferbetriebe (da die eigenen Ressource dank des Erfolgs gar nicht mehr ausreichen) welche zwar unter „Albet i Noya“ verwaltet werden aber für sich unabhängig sind soweit ich weiss, effektive Fläche daher schwer zu ermitteln. Die primären Flächen werden relativ stark gedüngt und bei Sulfiten ist man meist tolerant, ansonsten aber gibt es kaum einen Betrieb der Qualität und Quantität so gut unter einen Hut bringen kann; Für Delinat und dessen Kundschaft erwiesenermassen ein Traumbetrieb.

    Sehr erfreulich ist natürlich dass „Albet i Noya“ der Wegbereiter war für ein neues Gütesiegel „DO Penedès“ welches mit billigem Massenwein, oft zu Unrecht gütig gemacht, aufräumt aber dennoch erschwinglich ist für Qualitätsbewusste. Überhaupt sind in Spanien die Kontraste riesig, während Italien, Frankreich u.a. so in einem beständigen Niveau daher „dümpelt“ und kaum anzuzweifeln ist so erlebe ich in Spanien entweder ein Heureka oder einfach nur ein „versoffenes“ Tränenmeer in einem Land wo Wasser oft so kostbar wie Tränen ist. Es ist wunderbar wenn neue Potentiale entstehen und aus dieser Asche immer wieder ein neuer Phönix sich erhebt und dabei immer häufiger einem mit Wonne erschaudern lassen, da es dem Rest der Welt zeigt dass Spanien sich in Sachen Qualität vor niemandem verstecken muss sobald einem neuen Phönix der Kragen geplatzt ist. Zweifelsohne ist Spanien momentan das Weinland welches die Herzen der Delinat-KundenInnen erobert hat, durchaus nicht ohne Grund.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.