Delinat-Weinwissen
Delinat-Weinwissen

Spanien – spannende Weine von alten Reben und jungen Winzern

In ganz Spanien wird Wein angebaut – vom Mittelmeer über die grossen Hochebenen bis zum Atlantik. Haben Sie diese Vielfalt schon kennengelernt?

Was die Weinbaufläche angeht, so kann kein anderes Land Spanien das Wasser reichen. Über eine Million Hektar stehen dort unter Reben. Das sind rund 300’000 Hektar mehr als in Frankreich oder in Italien. Und doch wird in Spanien weitaus weniger Wein produziert. Das liegt vor allem daran, dass es in Spanien einen grossen Schatz gibt. Es sind die alten, teils uralten und hoch gelegenen Weinberge, in denen zwar hervorragender Rebensaft entsteht, jedoch nur in kleinen Mengen. Die grossen Mengen werden überwiegend auf den flachen Hochebenen in Zentralspanien erzeugt. Der Saft dieser Trauben landet häufig in Weinbränden oder ist im Discount zu finden.

Dieser Massenproduktion steht die grosse Zahl der rund 150’000 Winzer gegenüber, die in Handarbeit eine Vielzahl an Weinen erzeugen. Spanien gilt immer noch vor allem als Rotweinland, da in den berühmtesten Gebieten Rioja, Ribera del Duero oder Priorat vor allem Rotweine erzeugt werden. Doch gerade beim Weisswein hat sich in den letzten Jahren viel getan. Das Klima der iberischen Halbinsel ist auch in weiten Teilen eine sehr gute Grundlage für biologischen Weinbau. Deshalb stammen auch einige der frühen Bio-Protagonisten, welche die Delinat-Richtlinien von Beginn an mitentwickelt haben, aus Spanien.

Die Anfänge des Weinbaus

Wie bei den meisten anderen Mittelmeer-Anrainern waren es Griechen und Phönizier, die in Spanien Siedlungen gründeten und den Weinanbau mitbrachten. Möglicherweise wurde auch schon früher Wein angebaut, doch dafür gibt es keine klaren Nachweise. Fest steht, dass die Stadt Gadir, das heutige Cádiz, im Jahr 1100 v. Chr. gegründet wurde und es schnell einen regen Handel mit dem gesamten Mittelmeerraum gab. Eine frühe Blütezeit gab es um 200 v. Chr.; denn für die Römer gehörte der Wein aus Baetica und Tarraconensis, dem heutigen Andalusien und Tarragona, zum Besten, was man damals bekommen konnte.

Der Einfluss der Mauren und der katholischen Kirche

Der bedeutende Wirtschaftszweig des Weinanbaus fand mit dem Einfall der Mauren ein jähes Ende. Diese rodeten weite Teile der bestehenden Flächen. Die übrig gebliebenen wurden zur Produktion von Rosinen genutzt und als Grundlage für die Destillation, welche die Mauren erfunden hatten. Doch nutzten sie die Destillate ausschliesslich zur Erzeugung von Duftstoffen und ätherischen Ölen. Erst rund 700 Jahre später fand durch die Reconquista, die Rückeroberung der iberischen Halbinsel, mit der Eroberung Granadas im Jahr 1492 die Maurenherrschaft ein Ende.

Dieses Ende bedeutete zugleich den Neubeginn des Weinanbaus, der vor allem rund um die grosse Zahl der Klöster entstand. Wein wurde wieder ein bedeutender Wirtschaftszweig, zumal ab dem 16. Jahrhundert Unmengen an Wein in die eroberten amerikanischen Kolonien verschifft wurden, noch bevor der Weinanbau dort grosse Ausmasse annahm. Ein wichtiger Abnehmer wurde zudem England, das vor allem die alkoholverstärkten Weine aus Jerez (Sherry) und Málaga importierte.

La Rioja und der moderne Weinbau

Wie in allen anderen Ländern Europas fiel die Reblaus Ende des 19. Jahrhunderts auch in Spanien ein. Doch da sie länger gebraucht hatte, um die iberische Halbinsel zu erreichen, waren zu diesem Zeitpunkt schon viele Weinberge mit reblausresistenten Unterlagsreben bestockt. So heissen die unteren Teile der heutigen Rebstöcke, die aus reblausresistenten amerikanischen Reben bestehen, auf die europäische Edelreben aufgepfropft werden. Tatsächlich haben viele spanische Bodegas zunächst sogar vom Umstand profitiert, dass man in Frankreich nicht mehr genügend Wein für den eigenen Bedarf produzieren konnte. Deshalb wurde in Spanien eingekauft. Auch hatten viele spanische Winzer ihr Handwerk in Bordeaux gelernt, und später zog es sogar französische Winzer zum spanischen Nachbarn, um dort Wein zu produzieren. Die Hochburg der französischen Winzer war Navarra. Die Rioja aber hat grosse Teile der Bordelaiser Weinbautechniken übernommen und stieg damit zur bekanntesten Weinbauregion Spaniens auf.

Herbststimmung in der Rioja
Herbststimmung in der Rioja

Starke Veränderungen im 20. Jahrhundert

Der Bürgerkrieg und das Franco-Regime haben auch beim Weinbau einen hohen Tribut gefordert. Viele Rebflächen und Kellereien wurden zerstört oder aufgegeben. Der Export fiel zumindest in der Breite in sich zusammen. Lediglich die renommierten Regionen und Weingüter in der Rioja und in Jerez de la Frontera konnten den Export weitgehend aufrechterhalten. Ab 1986 begann dann eine neue Blütezeit. Auch wenn die Wirtschaftskrise 2008 das Land hart getroffen hat, ist Spanien doch heute eines der dynamischsten Weinbauländer weltweit. Dazu tragen auch die rund 600 Rebsorten bei, die in Spanien angebaut werden und von denen viele teils nur lokal vorhandene autochthone Sorten immer wieder für Aufmerksamkeit sorgen. Weingüter wie Albet i Noya pflegen historische Rebsorten und sorgen dafür, dass es ein zunehmendes Bewusstsein für die notwendige genetische Vielfalt in den Weinbergen gibt.

Komplexe Geologie und klimatische Einfüsse

Nur wenigen Mitteleuropäern dürfte bewusst sein, dass Spanien nach der Schweiz und Albanien das gebirgigste Land Europas ist. Zwar sind die Gebirgszüge nicht so hoch wie in den Alpen, dafür gibt es aber ein gutes Dutzend ausgedehnter Gebirgszüge wie die Pyrenäen, das Kantabrische Gebirge, die Sierra Nevada, die Kordilleren, die Sierra de Tramuntana und weitere Gebirgszüge. Entsprechend reich ist die iberische Halbinsel an unterschiedlichen Bodenstrukturen. Hinzu kommen die komplexen klimatischen Bedingungen, die einerseits durch die vielen Höhenzüge, andererseits durch das Mittelmeer und den Atlantik sowie die grossen Flüsse wie den Ebro und den Duero, den Tajo sowie durch den Rio Guadiana oder den Rio Turia geprägt werden. Natürlich haben die mit Reben bepflanzten Inseln Mallorca, Ibiza, Lanzarote oder Teneriffa nochmal ein ganz eigenes Klima.

Das Festland jedoch kann man grundsätzlich in drei Klimazonen einteilen. Das nördliche Spanien, das sich vom portugiesischen Rio Minho (Vinho Verde) nach Osten bis zu den Pyrenäen über Galicien, Asturien, Kantabrien, das Baskenland, La Rioja, Navarra, Aragonien und Katalonien zieht, ist der grüne Teil Spaniens mit vergleichsweise hohen Niederschlägen und starken Differenzen zwischen heissen Sommern und kalten, teils schneereichen Wintern. Das zentrale Spanien umfasst vor allem das grosse Hochplateau der Meseta mit den Regionen Extremadura und Kastilien-La Mancha. Dort sind die Unterschiede zwischen sehr heissen Sommern und sehr kalten Winter noch extremer. Zudem fällt dort erheblich weniger Niederschlag als im Norden. Deutlich gemässigter präsentiert sich der Süden, der vom Mittelmeer geprägt wird. Zwar wird es auch in der Levante, in Murcia, um Valencia und im südlichen Katalonien sehr heiss, doch sorgt das Mittelmeer für Brisen und nächtliche Abkühlung.

Wüste in Navarra
Bizarre Landschaft in der Halbwüste in Navarra, nahe dem Delinat-Weingut Azul y Garanza

Appellationen und Klassifizierungen haben Tradition

Die Tradition der Qualitätssicherung und der Begrenzung des Ursprungsgebiets hat sich vor allem in der Rioja entwickelt. Dort begannen die Winzer ab Mitte des 16. Jahrhunderts damit, ihre Weinfässer für den Export mit Brandzeichen zu versehen. Aus dem Jahr 1650 gibt es schriftliche Hinweise auf Qualitätskontrollen. Im Jahr 1902 erfolgte ein königlicher Erlass für die Herkunftsdefinition der Rioja, und 1926 wurde schliesslich ein Kontrollrat gegründet, der die garantierte Herkunft der Rioja-Weine überwachte.

Ein modernes Klassifizierungssystem nach italienischem und französischem Vorbild wurde schliesslich 1970 geschaffen. Neben dem Tafelwein, der heute einfach nur noch Vino genannt wird, sowie dem Landwein, heute IGP, sind es die Qualitätsweine, die rund 70 % der spanischen Produktion ausmachen. Diese sind jeweils in einer DOP zusammengefasst, der Denominación de Origen Protegida. Landwein-Bereiche gibt es heute 50, bei den DOs sind es 93. Diese wiederum unterteilen sich in vier weitere Bereiche. Da sind die seltenen sieben verschiedenen Stufen Vino de Calidad con Indicación Geográfica (VCIG), Zwischenstufen von Landwein und Qualitätswein. Dann folgt die grosse Zahl der Weine mit der Herkunftsbezeichnung D.O., der Denominación de Origen, oberhalb der es für hochwertige Produkte die Bezeichnung D.O.Ca. gibt, die Denominacíon de Origen Calificada, die bisher nur der Rioja und dem Priorat zuteil geworden ist. Und ausserdem gibt es eine kleine Anzahl von 17 Vino de Pago bzw. Vino de Pago Calificado, besonders herausragenden Einzellagen, die allerdings alle ausserhalb der top drei Anbaugebiete Rioja, Priorat und Ribera del Duero liegen.

Ein weiterer Hinweis auf die Qualität eines spanischen Weines ist häufig der Reifegrad. Der unterscheidet sich in folgende Stufen und wird vor allem auf Rotweine angewandt:

Reifegrad spanischer Weine
Joven: Ein junger Wein, der bereits im Jahr nach der Ernte verkauft wird. Der Wein wird oft im Edelstahl ausgebaut. Wenn er im Holzfass ausgebaut wird, dann höchstens für sechs Monate.
Crianza: Ein Wein, der mindestens 24 Monate Reife im Weingut hatte, sechs davon im Fass, 18 Monate auf der Flasche.
Reserva: Dieser Wein muss mindestens 36 Monate gereift sein, davon mindestens zwölf Monate im Fass.
Gran Reserva: Die Gran Reserva ist mindestens 60 Monate alt und hat davon mindestens 18 Monate im Fass verbracht.

Sortenrein oder Cuvée, trocken oder restsüss

Traditionell sind spanische Weine Cuvées. Das gilt auch für die Rioja, selbst wenn dort der Tempranillo oft den Ton angibt. Doch das muss nicht sein. In der Rioja gibt es auch Weine mit hohen Anteilen von Garnacha tinta, Mazuelo oder Graciano. Das liegt ganz einfach daran, dass die typische Pflanzung auf der iberischen Halbinsel der Gemischte Satz war, in dem sich regional ganz unterschiedliche Rebsorten tummelten. Mit der Moderne hat sich der sortenreine Anbau ausgebreitet, und auch der Ausbau erfolgt immer öfter sortenrein. Beispiel dafür sind die roten Ribera del Duero mit meist 100 % Tempranillo, die Monastrell aus Valencia oder die weissen Verdejo oder Albariño. Süsse Weine findet man in Spanien recht selten. Der Standard setzt ganz klar auf trockene Weine. Süss sind Dessertweine vor allem aus Málaga und dem Sherry-Gebiet, aber auch manchmal aus dem Pénedes. Halbtrockene Weine wie deutsche oder elsässische Rieslinge findet man in Spanien nur selten.

Rioja, Ribera del Duero und das Priorat

In Spanien findet man neben dem Sherry-Anbaugebiet drei Regionen, deren Weine weltweit geschätzt und gesammelt werden. In zweien davon dominiert Spaniens wichtigste Rebsorte, der Tempranillo. Es sind die traditionsreiche Rioja und das Anbaugebiet Ribera del Duero. Dieses verfügt zwar ebenfalls über eine lange Weinbautradition, doch das Gebiet, das deutlich weiter westlich in Kastilien liegt, hat nicht so früh auf Qualitätsweine gesetzt. Bevor die 1980er Jahre begannen mit einem grossen Umbruch im spanischen Weinbau, kannte man nur die Weine des ikonischen Weinguts Vega Sicilia und die Weine von Alejandro Fernández, allen voran den Tinto Pesquera.

In den 1980er Jahren aber kam die Erneuerung bzw. Modernisierung des Stils der spanischen Rotweine aus Ribera del Duero. Dort setzte man auf kleine, recht stark geflämmte französische Eichenholzfässer und auf eine starke Extraktion, um die Weine dunkel, dicht und fruchtig zu machen. Dagegen wirkten die klassischen, eher transparenten und teils bewusst leicht oxidierten Rioja-Weine wie aus einer anderen Zeit. Es war nicht nur eine Frage der Ehre, sondern auch des Geldes, dass die Rioja nachzog und ebenfalls auf diesen modernen Stil setzte. Nur wenige Weingüter blieben dem klassischen Rioja-Stil wirklich treu.

Ende der 1980er Jahre trat eine weitere Region auf den Plan, das Priorat. Rund um die alte Abtei Priorato de Scala Dei, unweit von Barcelona gelegen und doch völlig abgeschieden, hatte das Priorat niemand auf dem Plan, bis eine kleine Gruppe damals noch junger und völlig unbekannter Weinmacher und Weinmacherinnen in das Gebiet zog, wo fast ausschliesslich Wein von einigen wenigen Kooperativen erzeugt wurde. Dabei waren die Voraussetzungen für High-End-Weinbau hervorragend: Steile Hänge mit schwarzem, sogenannten Llicorella-Schiefer waren bewachsen mit uralten Reben. Das nahe Mittelmeer spendete Wind und Kühle, während die Berge des Montsant vor zu starkem Wind- und Regeneinfluss schützen. Die Gruppe der jungen wilden Winzer verband die Kraft und Klasse der alten Garnacha- und Cariñena-Reben (Grenache und Mourvèdre) mit frisch angepflanztem Syrah und Cabernet sowie dem Ausbau in französischen Barriques. Was folgte, ist Legende; denn die ersten Weine von Winzern wie Álvaro Palacios, René Barbier, Dafne Glorian und José Luis Pérez schlugen ein wie eine Bombe und wurden mit einem Schlag berühmt. Heute ist das Priorat ein Hort des ökologischen und biodynamischen Weinbaus und eine Experimentierküche für alternative Wirtschaftsformen und Weinbereitungsarten.

Die Weisswein-Regionen und der Cava

Lange Zeit wurde Spanien vor allem als Rotweinregion wahrgenommen. Tempranillo, Garnacha (Genache) oder Monastrell (Mourvèdre, Cariñena) dominierten die Szene und tun es immer noch. Doch längst erfährt der Weisswein eine viel höhere Aufmerksamkeit. Dies wurde erst dadurch möglich, dass temperaturkontrollierte Edelstahltanks Einzug hielten in die oft heissen Anbaugebiete. Zunächst wurde der in Galicien, genauer gesagt, der in den Rias Baixas ansässige Albariño bekannt. Dem folgten der Verdejo und der Sauvignon blanc aus der Rueda. Schliesslich wurden Rebsorten wiederentdeckt, die lange Zeit nur lokal von Bedeutung waren: der Godello zum Beispiel in Galicien oder der Listan blanco auf den Inseln der Kanaren.

Auch die vor allem dem Cava vorbehaltene Sorte Xarel.lo erfährt eine Renaissance – nicht zuletzt durch die Biopioniere von Albet i Noya, die zu den Ersten gehörten, die dem Xarel.lo eine Chance gaben. Im Schaumwein-Gebiet rund um Barcelona ist die Sorte mit dem ungewöhnlichen Namen ohnehin eine feste Bank. Zusammen mit Parellada und Macabeo ist sie die wichtigste Sorte des spanischen Schäumers, der einst als Xampàn dem Champagner den Rang ablaufen sollte. Heute ist der Cava längst eigenständig, wird aber viel zu stark von der Qualität geprägt, die im Supermarkt zu erleben ist. Dabei kann der Schaumwein viel mehr und ist der perfekte Begleiter zur spanischen Tapas-Küche.

Qualitativ hochwertige Schaumweinen vereinen sich seit 2015 in der DO Penedès unter einer neuen Schaumweinkategorie «Clàssic Penedès». Besonders revolutionär: Seit 2018 müssen alle Schaumweine der DO Penedès ausschliesslich aus biologischen Trauben erzeugt werden. Mindestens 15 Monate Flaschenreife (statt 9 beim Cava) sowie die Verpflichtung, dass jede Flasche mit dem Jahrgang gekennzeichnet sein muss, sind weitere wichtige Qualitätskriterien. Die Weine heissen nicht mehr Cava, sondern Vi Escumós.

Biologischer Weinbau im grossen Meer der Reben

In vielen spanischen Anbaugebieten ist grundsätzlich ökologischer Weinbau sehr gut möglich. Doch was heisst das im Einzelnen? Ökologisch kann jeder Weinbau sein, der nach der EU-Biorichtlinie umgesetzt und teils sogar gefördert wird. Darunter fallen auch die Weine unserer Partnerbetriebe, die den Verzicht auf chemische Mittel mit einem ganzheitlichen und nachhaltig biodiversen Denken verbinden. In der La Mancha kann man auf Grund der klimatischen Gegebenheiten hervorragend sogenannte Bioweine produzieren, die auf riesigen Flächen mit Vollerntern und ohne Rücksicht auf Bodenverdichtung und lebendige Vielfalt geerntet und dann im Keller mit Enzymen und viel Technik schön gemacht werden. Das ist unsere Sache nicht – und auch nicht die unserer spanischen Partnerweingüter. Die haben sich einem ganz anderen Ideal verpflichtet, das mit dem Gütesiegel der Delinat-Methode ausgezeichnet wird und zeigt, dass Konsequenz sich nicht zwangsläufig in hohen Preisen niederschlagen muss.

Die fünf wichtigsten spanischen Rebsorten
Airén: Ca. 250’000 Hektar. Angepflanzt vor allem für einfache Weine, Brandy und medizinischen Alkohol.
Tempranillo (Cencibel, Tinto del País, Tinto del Toro): Ca. 200’000 Hektar. Spaniens wichtigste rote Rebsorte, die unter anderem die Weine der Rioja, des Toro und der Ribera del Duero prägt.
Bobal: rund 70’000 Hektar. Die auch als Grenache noir oder Cannonau bekannte Sorte ist eine der wichtigsten des Südens und zeigt sich vor allem in der Region um Madrid in grosser Form.
Garnacha tinta: Die Gran Reserva ist mindestens 60 Monate alt und hat davon mindestens 18 Monate im Fass verbracht.
Monastrell (Mataró): rund 60’000 Hektar. In Frankreich auch als Mourvèdre bekannt, gehört die sehr dunkle Sorte ebenfalls zu den wichtigsten südlichen roten Rebsorten. Sie prägt viele Weine aus Valencia, Yecla und Jumilla.

Meseta – die grosse Hochebene

Als Iberische Meseta wird das dünn besiedelte Hochland im Zentrum der iberischen Halbinsel bezeichnet. Es umfasst rund 200’000 km2 und somit rund ein Fünftel des Landes. In dieser dünn besiedelten Region liegen im Norden die historischen Regionen Altkastilien und Léon, die Wiege des spanischen Königreiches. Im Süden findet man Neukastilien, La Mancha und auch Madrid, die Hauptstadt des Landes. Die nördliche Meseta mit ihren Weinbaugebieten Ribera del Duero, Rueda, Toro, Bierzo und vielen kleineren Anbaugebieten ist verantwortlich für rund ein Drittel der spanischen Qualitätsweine. Vor allem Tempranillo, aber auch Verdejo, Cabernet und die Rebsorte des Bierzo, die Mencia, wachsen auf meist kargen Böden im rauen Klima. Den Reben wird alles abverlangt – und genau das ist es, was grosse Weine entstehen lässt.

Die südliche Meseta mit der grossen La Mancha, den kleinen, von der Garnacha geprägten Anbaugebieten rund um Madrid sowie weiteren Anbaugebieten wie Mentrida oder Valdepenas wurde in der Vergangenheit lange unterschätzt. Dies lag vor allem an der Airén. Diese weisse Rebsorte war bis vor wenigen Jahren die am häufigsten angebaute Rebsorte weltweit – obwohl sie fast ausschliesslich in der Meseta wuchs. Dass sie so unbekannt blieb, lag vor allem daran, dass sie fast ausschliesslich zu Branntwein, für medizinischen Alkohol und für günstige Verschnittweine genutzt wurde. Mittlerweile haben Cabernet Sauvignon und Merlot ihr weltweit den Rang abgelaufen, und ihr Anbau ist rückläufig – auch weil man für bessere Rebsorten und höhere Qualitäten in Spanien mittlerweile einen angemessenen Preis erzielen kann. Der grosse Schatz der Meseta ist der grosse Bestand an alten Reben. Der führt zwar dazu, dass die Erträge nicht hoch sind, doch der Saft der alten Reben ist einzigartig und wird weltweit geschätzt.

Die Mittelmeerküste

Von der französischen Grenze und den Pyrenäen bis nach Andalusien zieht sich die spanische Mittelmeerküste. Wie an einer Perlenschnur sind dabei die Anbaugebiete aufgereiht, die direkt vom mediterranen Klima profitieren. Die grossen Zonen sind Katalonien, Valencia, Murcia und Andalusien. Auch wenn die einzelnen Regionen alle von der Sonne sowie der Humidität des Meeres und der starken Tag-Nacht-Amplituden profitieren, haben die Gebiete eine sehr unterschiedliche Weinbautradition. Die älteste ist die um Cadiz und Jerez, wo die Sorten Pedro Jimenez und Listán (Palomino) bedeutend sind und auf den teils grellweissen Kreideböden namens Albariza bedeutende Weine hervorbringen, allen voran natürlich die unterschiedlichsten Spielarten des Sherrys von einem transparenten und staubtrockenen Manzanilla, Fino, Amontillado und Oloroso über trockenen, aber mit Süsswein versetzten Cream, Medium und Pale Cream bis hin zu den Dulces Naturales aus den Rebsorten Pedro Ximenez und Moscatel. Die nur unweit entfernt liegende Region Málaga, früher so bekannt wie Madeira oder Porto, spielt derzeit kaum noch eine Rolle.

Stark von sich reden gemacht haben die Anbaugebiete Jumilla, Yecla, Utiel-Requena, Alicante und Valencia. Die teils hoch gelegenen Gebiete verfügen über riesige Schätze an alten Reben, aus denen vor allem Rotweine aus Monastrell, Syrah, Alicante Bouschet und Tempranillo entstehen.

Weit um Barcelona herum findet man in Katalonien das Zentrum der Cava-Produktion, die Cru-Appellation Priorat und den etwas weniger bekannten Nachbarn Montsant sowie das Penedès, das die Cava-Orte umschliesst. Im Penedès, das sich von 250 Metern Seehöhe auf rund 850 Meter erstreckt, herrscht grosse Vielfalt, und es werden rund 100 unterschiedliche Rebsorten angebaut. Ab den 1960er Jahren hat dort der moderne spanische Weinbau mit Protagonisten wie Torres und Jean Léon begonnen. Seit 1978 ist das Weingut Albet i Noya Vorreiter der ökologischen Bewegung Spaniens, und es war der erste Betrieb, der dort konsequent ökologisch wirtschaftete, den Schwefel um 50 % gegenüber herkömmlichen Kellereien reduzierte und sich unter anderem mit Delinat zusammen um fast vergessene Rebsorten kümmert und zu pilzresistenten Rebsorten forscht.

Weinbau auf den Inseln

Neben den grossen Flächen auf dem Festland gibt es einen flächenmässig zwar kleinen, qualitativ aber signifikanten Weinanbau auf den Balearen und den Kanaren. Dabei ist bemerkenswert, dass es auf der Insel Mallorca mehr als ein Dutzend autochthoner Rebsorten gibt. Die bekanntesten sind Callet, Fogeneu und Mantonegro. Teneriffa besitzt mit dem Pico del Teide den höchstens Berg Spaniens. An seinen Hängen finden sich Weingärten mit bis zu 200 Jahre alten Rebstöcken. Auf Gran Canaria und vor allem auf Lanzarote stehen die Rebstöcke teils ist reinem schwarzen Vulkangestein und bringen ebenfalls sehr eigenständige Qualitäten hervor.

Fazit

Der spanische Weinbau ist heute sehr dynamisch. Es hat lange gedauert, bis dieser Koloss seine Schwerfälligkeit überwunden hatte, in der er sich bis weit in die 1980er Jahre befand. Gerade in den letzten anderthalb Jahrzehnten aber sind immer mehr kleine Appellation und besondere Rebsorten durch junge dynamische Winzer bekannt geworden, die meist neben der Qualität der Weine auch die Qualität der Böden und der Umwelt mitbedacht haben.

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