Mehltau

Der echte Mehltau wurde aus Nordamerika nach England eingeschleppt und dort 1845 erstmals in einem Gewächshaus entdeckt. Auch der Falsche Mehltau, ein nicht weniger schädlicher Pilz aus Nordamerika, trat erstmals in Südfrankreich auf. Beide Rebkrankheiten verbreiteten sich schnell und mit verheerenden wirtschaftlichen Folgen in allen Weinbaugebieten Europas.

Adieu Trauben und Wein

Mehltauwarngerät auf Château Duvivier: Die beiden Mehltauarten Uncinula necator und Plasmopara viticola sind heute noch die am meisten gefürchtete Rebkrankheit.

Mit dem Pilzbefall erkranken die Blätter und Blüten, die Traubenbeeren platzen und stinken, vertrocknen und verfaulen. Die äusserst widerstandfähigen Pilzsporen beider Mehltau-Arten überdauern den Winter und bilden immer neue Infektionsherde. Schon ein leichter Luftzug genügt, um die Sporen zum nächsten Rebberg zu transportieren.

Dem Mehltau ist nicht beizukommen

Der Mehltau ist seit seiner Ankunft in Europa ein ungelöstes Problem und dies nicht nur für den biologisch kontrollierten Weinbau. Nur dank dem Einsatz von Kupfer- und Schwefelpräparaten konnten die Rebstöcke und -sorten Ende des vergangenen Jahrhunderts überhaupt gerettet werden. Vor rund 50 Jahren griff man dann zu synthetischen Fungiziden mit der Wirkung, dass der Pilz immer resistenter wurde.

Die Alternativen

Im biologisch kontrollierten Weinbau wird versucht, die Widerstandskraft der Reben mit differenzierten Anbautechniken, Bodenbegrünung und organischem Dünger zu erhöhen. Gesteinsmehle und Pflegemittel wie Schachtelhalm, Fenchelöl, Sojalecithin, Knöterich, Brennnessel, Hefeextrakte, Backpulver oder hyperparasitische Pilze kommen ebenfalls zum Einsatz. In Phasen mit starkem Befall ist jedoch auch im biologisch kontrollierten Anbau ein Verzicht auf Kupfer und Schwefel gegen Mehltau nicht möglich.

Der Kampf um weniger

Kupfer reichert sich im Boden an und kann von der Natur nicht mehr abgebaut werden. Man versucht deshalb, geringe Mengen so gezielt wie möglich einzusetzen und dies nur dann, wenn die Bedingungen für einen starken Mehltau-Befall vorhanden sind. Einige Bio-Label in Europa setzen leider keine obere Grenze für den Einsatz von Kupfer und Schwefel. Die strengsten Vorschriften – dazu gehören die Delinat-Richtlinien – beschränken die Kupfermenge auf 2,5 kg, mehrheitlich liegt die Grenze aber bei 3 kg pro Hektar und Jahr. Kupfer und Schwefel ganz aus den Rebbergen zu tilgen ist ein hochgestecktes Ziel. Hier hat die Forschung noch ein weites, anspruchsvolles Arbeitsgebiet vor sich.

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