Pilzdruck im Weinbau: Wenn das Wetter den Mehltau bringt

Starkregen, Trockenperioden und Krankheitsdruck: die klimatischen Bedingungen erschweren den Winzern den Weinbau. Aufgrund der vermehrten Regenfälle in manchen Regionen steigt zudem der Pilzdruck. Wir haben bei unseren Winzern am Schweizer Iselisberg, im Bordeaux, im Elsass und im Veneto nachgefragt.

Schon 2023 war für Delinat-Winzer Grégoire Piat auf Château Couronneau im Bordeaux ein sehr herausforderndes Jahr. Ernteeinbussen von 60 Prozent hatte man auf Château Couronneau, dem ersten biologisch geführten Betrieb in der Region, zu beklagen, berichtet der Jungwinzer Grégoire, der das 40 Hektar grosse Weingut seit einiger Zeit gemeinsam mit seinem Vater Christophe Piat führt.

Jungwinzer Grégoire Piat auf Château Couronneau im Bordeaux
Jungwinzer Grégoire Piat auf Château Couronneau im Bordeaux

Dabei seien sie letztes Jahr noch besser davon gekommen, als so manche ihrer Kollegen. Das sei dem erhöhten Standort des Weinguts zu verdanken und der vom Wald geschützten Lage von Château Couronneau nahe Ligueux.

Leider gönnt das Wetter den Winzern auch 2024 keine Verschnaufpause. Winzer berichten von einem extremen Krankheitsdruck durch das feuchte, warme Wetter. Grégoire Piat erzählt: «Wir waren uns der heiklen Lage immer bewusst und haben daher schon früh begonnen, die Reben mit kleinen Mengen Kupfer zu behandeln, um Risiken zu minimieren.» Das hätte funktioniert, so der Jungwinzer. Nur zeigten sich nun die ersten Anzeichen Schwarzfäule, die die Trauben befällt. Eine weitere Herausforderung im Weinbau, so der Bordelaiser. «Wir warten und hoffen auf die Sonne», sagt Grégoire Piat.

Wenn sich eine Idee bewährt

Auch in der Schweiz war das Frühjahr und der Sommer aussergewöhnlich nass. Der Thurgauer Delinat-Winzer Roland Lenz ist einmal mehr äusserst froh über seine vorausschauende Entscheidung, konsequent auf PIWI-Sorten zu setzen. Ende Juli sieht es so aus, als hätte er grössere Ausfälle in seinen Weinbergen verhindern können: „Sehr herausfordernd war vor allem das Mentale für uns. Immer wenn wir in die Weinberge wollten, fing es an zu regnen.“ Pflanzenstärkende Tees und minimale Dosen an Kupfer hätten dieses Jahr nicht mit der Drohne ausgebracht werden können, weil es fast immer zu viel Wind hatte.

Delinat-Winzer Roland Lenz und Valentin Blattner züchten resistente Rebsorten im Schweizer Thurgau

Entscheidend für ihn ist die Kombination aus PIWI-Sorten und einer hohen Biodiversität im Rebberg. Nur so können gemäss Roland Lenz grössere Pilzinfektionen bei solchem Wetter verhindert werden. Doch nicht alle PIWI-Sorten kamen gut weg; für die Sorte Cabernet Blanc war es während der Blüte schlichtweg zu nass, sie wird sicher nicht zu einem vollen Ertrag kommen. Dafür stünde zum Beispiel die ältere PIWI-Sorte Cabernet Jura, welche sonst eher mit Falschem Mehltau zu kämpfen hat, dieses Jahr super da.

Wenn der Winter zu warm wird

Im Veneto, bei Natalino Fasoli und seiner Familie, führt man den erhöhten Pilzdruck unter anderem auf die «warmen» Winter zurück. «Die Winter sind milder, die Kälte kann dem Pilz also nichts mehr anhaben und es wird feuchter. Der Mehltau findet seine perfekten Bedingungen vor», so Natalino Fasoli. Schon im Jahr 2023 sahen sich die Winzer im Norden Italiens wochenlangen, andauernden Regenperioden gegenüber. Das nach einem recht trockenen Jahr 2022.

«2024 fordert nach viel Regen und hoher Luftfeuchtigkeit nun wie erwartet eine massive Peronospora-Attacke die Reben. Die letzten Mutationen des Falschen Mehltaus sind stärker, widerstandsfähiger und es gibt kaum Unterbrechungen im Befall», berichtet Natalino Fasoli. Manche Sorten wie Merlot oder Chardonnay, oder auch die jungen Garganega-Stöcke seien dabei besonders betroffen, sagt der Delinat-Winzer.

Natalino Fasoli im Veneto setzt bald im grossen Stil auf robuste Rebsorten
Natalino Fasoli im Veneto setzt bald im grossen Stil auf robuste Rebsorten.

Gelernt habe man aus den letzten Jahren, dass man sich auf alles einstellen müsse. Also auf der einen Seite gegen Trockenheit mit einem durchdachten Wassermanagement reagieren und auf den erhöhten Krankheitsdruck mittels neuer Rebsorten, die robuster sind. Daher setzt Familie Fasoli im Veneto nun auch im grossen Stil auf PIWIs, robuste Rebsorten, bei denen ein Pilzbefall von vornherein weniger wahrscheinlich ist.

Aktuell fordert der viele Regen die Mitarbeiter des Weinguts beträchtlich, heisst es bei La Casetta im Veneto. Schliesslich wäscht der Regen eben aufgebrachte Mittel wieder ab. Das treibt den Aufwand pro Hektar massiv nach oben, erklärt Natalino Fasoli. «Diese schwierige Situation erinnert mich an den Jahrgang 2014», sagt der Winzer.

Wenn Traditionen aufweichen

Auch im französischen Elsass, dem traditionsreichen Gebiet hinter den Vogesen, hat man inzwischen die Dringlichkeit zu handeln erkannt und setzt Schritte in Richtung Weinbau der Zukunft. So sind seit kurzem auch in dieser konservativen Weinregion neue Sorten, die dem Klimawandel besser standhalten, zugelassen.

So berichtet etwa Xavier Meyer von der Domaine Meyer: «Aktuell herrschen im Elsass geradezu tropische Bedingungen: Es regnet fast jeden Tag und die Temperaturen sinken nachts kaum unter 20 Grad Celsius.» Diese nass-warmen Bedingungen lösen einen hohen Krankheitsdruck in den Rebbergen aus.

Bei der Domaine Eugène Meyer hat man sich die Ratschläge von Delinat zu Herzen genommen und die Kräuter in den Rebzeilen werden nicht gemäht oder gemulcht, sondern nur gewalzt und geknickt. Diese grüne, stabile Auflage ermöglichte es den Meyers, bis anhin acht Mal ihre Pflanzenschutzpräparate auszubringen, ohne dabei den Boden zu verdichten oder zu malträtieren. Ihren biodynamisch erzeugten Tee aus Schachtelhalm, Brennnesseln und weiteren nützlichen Pflanzen mischen sie mit ätherischem Orangenöl, Kupfersulfat und Schwefel oder Bicarbonat und bringen diese Mischung jeweils abends oder nachts aus.

Bei Tageslicht werden die steilen Zeilen befahren, bei Dunkelheit die eher einfach zu bearbeitenden Rebberge. Xavier Meyer: «Es ist die Zeit, in der man wenig schläft und hofft, dass bald trockenere Tage anbrechen.» Bis anhin muss die Familie Meyer nicht über einen drohenden Ernteausfall klagen. Noch geht man auf der Domaine Meyer von einem normalen Ertrag aus.




Pappel-lapapp: Bäume für die Delinat-Winzer

Gar mancher unserer Winzer hätte wohl verwundert geschaut, hätten wir ihm nicht vorab Bescheid gegeben, dass wir ihm über den Postweg ein paar Pappeln zukommen lassen. Bäume für die Delinat-Winzer: Denn Pappeln wachsen schnell und sollen auch in ariden Zonen für Schatten im Weingarten sorgen und den Wasserrückhalt verbessern.

Grundsätzlich haben alle neun Winzer, die mein Weinberater-Kollege David Rodriguez und ich in Spanien und Portugal besucht haben, unser Engagement mit den drei verschiedenen Pappel-Stecklingen sehr begrüsst. Denn sie sollen den Wasserhaushalt, den Aufbau von organischem Material, Beschattung und Schutz vor Erosion auch in semiariden oder sogar ariden Weinregionen fördern. Abgesehen von ein paar Ausnahmen sind alle Papel-Stecklinge gut angewachsen und bereits schiessen die ersten Blätter. Innerhalb der drei verschiedenen Stecklinge konnte keine auffällige Abweichung bezüglich Wachstum oder Mortalität beobachtet werden.

Viele Winzer setzten die Stecklinge irgendwo rund um die Rebberge ohne sie zu begiessen. Bei Albet i Noya hatten die Stecklinge das Glück, dass kurz zuvor 60 mm Niederschlag gefallen sind. Wiederum andere Winzer wie Carlos Laso von Pago Casa Gran bevorzugten, die Stecklinge gesammelt in einem speziellen Gartenbeet anzulegen, um zuest ihr Wachstum und ihre Selbstausbreitung beobachten zu können. So wird zum Beispiel Carlos erst in einem zweiten Schritt die Pappel-Jungpflanzen in und um die Rebberge setzen.

Winzerberater on Tour

Auch die Winzerberater Arina Schefer und Daniel Wyss absolvierten in den letzten Wochen eine Reise quer durch Spanien. Auch sie konnten freudig feststellen: Der Grossteil der Pappeln ist gut angewachsen, und trägt somit zum ausgeglichenen Weinberg in reicher Natur bei. Daniel Wyss: «Die Pappeln sind Hybridsorten, welche gekreuzt wurden um der grossen Trockenheit zu trotzen. Sie brauchen kaum Wasser, produzieren organisches Material und verbessern damit die Fruchtbarkeit. Sie binden Kohlenstoff und brechen den Wind, sowie verbessern den gesamten Wasserhaushalt im Weingarten.»

Winzerberater Arina Schefer und Daniel Wyss bei Albet i Noya im neuen Pappelhain der Zukunft. Mit dabei Josep Marias Hund xxx
Winzerberater Arina Schefer und Daniel Wyss bei Albet i Noya im neuen Pappelhain der Zukunft. Mit dabei Josep Marias Hund Quirat.

Tobias Zimmer vom Weingut Hirschhof in Rheinhessen hat begeistert Bilder und Video von seinen neuen Baumbewohnern in Weingarten geschickt.

Auch bei Tobias Zimmer, am Weingut Hirschhof, spriessen die Pappeln bereits.
Auch bei Tobias Zimmer, am Weingut Hirschhof, spriessen die Pappeln bereits.
Weiterlesen:
Permakultur als Antwort auf den Klimawandel von Olivier Geissbühler

Der Riesling von der roten Erde

Der «Terra Rossa» ist einer unserer beliebtesten Weissweine. Delinat-Winzer Tobias Zimmer aus Rheinhessen erzählt im Interview mit Delinat-Einkäufer Emil Hauser, was diesen Riesling und die 30-jährige Zusammenarbeit des Weinguts Hirschhof mit Delinat so besonders macht.

Emil Hauser (Delinat): Tobias, schon seit mehr als drei Jahrzehnten arbeitet ihr mit Delinat zusammen.
Tobias Zimmer: Ja, es ist eine sehr partnerschaftliche, ja freundschaftliche Zusammenarbeit, und das schon seit 1992. Für uns ist Delinat ein verlässlicher Partner, der uns gleichzeitig fördert und fordert. Wir schätzen den hohen Bezug zur Natur und den engen Austausch sehr. Ich meine, welcher andere Weinhändler schickt Dir sonst Pappeln?

Wie Pappeln?
Vor einigen Wochen kam ein Paket mit Pappel-Stecklingen von Delinat zu uns. Wir hatten ja schon beim Delinat-Winzerseminar bei Roland Lenz in der Schweiz über Agroforst und Pappeln gesprochen. Die Delinat-Weinberater haben uns nun Jungpflanzen zukommen lassen. Unsere Stecklinge sind allesamt gut angewachsen. Das freut mich, und zeigt eben wie viel näher an der Natur Delinat ist. Es geht um Wein bei Delinat, aber auch um die Natur und den Erhalt der Biodiversität. Manch anderer versteht unter ökologischem Arbeiten das Pflanzen von ein paar Gräsern zwischen den Rebzeilen, und das war es. Das ist bei Delinat definitiv grundlegend anders.

Delinat-Weinberater Emil Hauser (li.) zu Besuch bei Delinat-Winzer Tobias Zimmer (re.)
Weingartenbegehung bei einem meiner Besuche bei Delinat-Winzer Tobias Zimmer (re.)

Delinat geht da eben gleich mehrere Schritte weiter.
So ist es, und wir erfüllen die Richtlinien von Delinat gerne. Denn sie zielen alle darauf ab, Biodiversität zu erhalten und die Natur zu stärken. Büsche und Bäume in den Rebzeilen und auch die Begrünung – all das ist auf die Delinat-Philosophie zurückzuführen. Ebenso wie die vermehrte Arbeit mit resistenten Rebsorten.

«Der Bezug von Delinat zur Natur ist einfach genial. Ich meine, welcher andere Weinhändler schickt dir sonst Pappeln?»

Wie gross ist euer Weingut?
Wir sind ein familiengeführtes Unternehmen und bearbeiten 34 Hektar Rebfläche. Natürlich haben wir auch grossartige Mitarbeiter. Meine Frau ist Lehrerin. Ohne meine Mitarbeiter im Weingarten und im Keller wäre die viele Arbeit nicht zu schaffen.

Und der Arbeit Lohn sind feingliedrige, charaktervolle Weine..?
In der Tat (lacht). Wie zum Beispiel der Terra Rossa, den ja ohnehin wir beide entwickelt haben. Kannst du dich noch erinnern, Emil, als ich dich vor nunmehr fünfzehn Jahren gefragt habe, ob ihr nicht ein bisschen Riesling gebrauchen könnt?

Natürlich, und jetzt ist der Riesling Terra Rossa einer unserer beliebtesten Weine…
Es ist ja auch ein ganz besonderer Wein. Du kennst die Lage. Wird sie feucht, schimmert der von Kalkstein durchsetzte Boden durch den leicht erhöhten Eisenanteil rot. Der Boden heisst Terra Rossa, und der Wein ebenso. Die Farbpigmente auf der Etikette stellen den facettenreichen Boden der Lage Steingrube dar. Von dort stammen die Trauben für euren Riesling Terra Rossa.

Die Delinat-Winzer Tobias und Vater Walter Zimmer mit ihrem Riesling «Terra Rossa»

Ob das unsere Kunden so genau schon wussten… Was wissen sie sonst noch nicht über Dich?
Dass man uns auch besuchen kann. Und das ich ein netter Kerl bin (lacht). Wobei, das wissen alle, sobald sie einmal bei uns waren.

«Der Riesling Terra Rossa ist wirklich ein ganz besonderer Wein, und eines der schönsten Ergebnisse unserer langen Zusammenarbeit.»

Zum Abschluss: Wie beurteilst du den Jahrgang 2023?
Der Austrieb war ein wenig früher als sonst. Ist er heuer aber auch. Wir hatten 2023 eine kleinere Ernte, dafür aber in Top-Qualität. Die Trauben waren durch die Trockenperiode im Sommer konzentrierter in ihren Aromen. Das schmeckt man auch im Wein. Wir freuen uns sehr über diesen harmonischen und geschmacklich grossen Jahrgang, auch wenn wir uns für 2024 ein wenig mehr Ernte erhoffen. Der Ausfall betrug doch fast ein Drittel der Normalmenge.

Die besten Weine zum Spieleabend

Noch verbringen wir wetterbedingt den Grossteil unserer Zeit im Inneren: Warum also nicht die Stimmung in der Stube mit einem guten alten Brettspiel anheizen? Hier die besten Weine für einen gelungenen Spieleabend.

Ebenso wie Geschmäcker verschieden sind, so reagieren auch die Gemüter unterschiedlich, wenn es heisst: Zeit für Risiko, Scharade und Co. Ich persönlich kenne da ja nichts. Geschont wird bei mir niemand.

Und doch sind meine Spieleabende berühmt-berüchtigt und die Einladungen dazu heiss begehrt – weil bei mir auch wirklich jeder den für sich richtigen Wein serviert bekommt. Hier nun meine persönliche Empfehlung für einen gelungenen Spieleabend, begleitet von den besten Tropfen.

Die besten Weine zum Spieleabend halten mit Länge, Komplexität und Eleganz aller Spannung stand.
Die besten Weine zum Spieleabend halten mit Länge, Komplexität und Eleganz aller Spannung stand.

Der beste Wein zu Monopoly, Risiko, Siedler

Bei diesen Spielen gilt es, die Gegner über seine eigenen Absichten zu täuschen und in die Irre zu leiten. Oder noch besser: in den von Verzweiflungskrämpfen geplagten Wahnsinn zu treiben.

Um diesen unerbittlichen Druck wirklich über längere Zeit aufrecht halten zu können, bedarf es langanhaltender Power, Kraft und Tiefe, wie nur vollmundige Rotweine ihn bereitstellen können. So wie der Château Coulon Sélection spéciale 2021. Konzentration und das Beste aus Südfrankreichs Rebbergen im Wein sowie für den Spieler.

Bei den Siedlern von Catan schenke ich am liebsten den Osoti Vendimia Seleccionada 2020 aus. Dabei stelle ich mir vor, dass die kargen Landstriche, die ich gerade erobere, vielleicht im altertümlichen Rioja liegen. Und zwar bevor Tempranillo und die Hocherziehung Einzug hielten. Ein fruchtig, modernes, röstiges Aromenspiel am Gaumen, für durchdachte und gewitzte Spielzüge.

Für die heisse Phase, gegen Ende des Spiels, schenke ich gerne die Essenz aus den ältesten Merlotstöcken von Château Couronneau im Bordeaux aus. Die Winzer Christoph und Grégoire Piat zeigen mit dem Seigneur de Château Couronneau 2020 wie seidenweiches Tannin und opulente Struktur wunderbar ineinander greifen.

Bio-Weine passend zu Activity, Scharade und Co.

Es kann nicht genügend Blödeleien geben und es kann niemals zu viel gelacht werden. Nieder mit dem tierischen Ernst!

Ich finde es schade, dass wir nicht das ganze Jahr Fastnacht oder Fasching feiern, diese Periode reduziert sich auf wenige Tage im Jahr, um sich der bösen Wintergeister zu entledigen. In der Schweiz haben wir den Vorteil, dass diese Periode von Kanton zu Kanton individuell interpretiert wird und so mit ein wenig Organisation locker ein ganzer Monat gefeiert werden könnte.

Wenn dieser Monat um ist, haben wir immer noch das ganze Jahr über die Möglichkeit, bei Spielen wie Activity und Co. in andere Rollen zu schlüpfen. Um den Spielball von Activity, Scharade und Konsorten wirklich aufnehmen und elegant weitergeben zu können, braucht es ähnlich gepolte Partner. Trinkanimierende Begleitgetränke wie unser Saxum Sauvignon blanc 2022 oder prickelnde Schäumer, wie Albet i Noya Espriu Brut 2021, oder Delsecco 2022 tragen ihren belebenden Teil zum Schauspiel bei. Schliesslich darf es auch einmal krachen, bevor gepoltert wird.

Bio-Weine zu Backgammon, Dame, Schach

In dieser von Technik, Taktik und Strategie geprägten Spielewelt fühle ich mich zu Hause. Gleich zu Beginn gilt es, die richtige Eröffnungstechnik zu wählen, um sich in eine möglichst vorteilhafte Position zu manövrieren.

Je länger das Spiel dauert, umso mehr kommt die Strategie des Gegenübers zum Tragen und es gilt, seine Taktik anzupassen und zu optimieren. Irgendwann gewinnt die Komplexität Überhand und nur mit einer wirklich ausgefeilten, in sich selbst ruhenden Strategie gelingt es, den Atem ruhig zu halten, während andere hyperventilieren. Solche Spannungsfelder vermögen Weine mit Tiefgang und Finesse und gleichzeitig subtiler Eleganz und betörender Länge bestens zu unterstützen.

Meine Favoriten für diese Art von strategiegetragenen Spielen sind der Il Conventino Vino Nobile di Montepulciano Riserva 2018, aus toskanischen Weinbergen voll reicher Natur, der morbid-elegante Pinot Noir Réserve 2020 vom Weingut Pflüger aus der Pfalz sowie Anthémis de Beaurenard 2020, die geballte Eleganz aus 13 Rebsorten und 15 Monaten im Fass aus den südfranzösischen Weinhügeln des Châteauneuf-du-Pape.

Hier also soweit die besten Weine für einen gelungenen Spieleabend, aus meinem persönlichen Nähkästchen geplaudert und hier für den guten Überblick nochmals zusammengefasst.

Viel Spass, toi toi und auf ein schönes Spiel!

Der lange Weg zum Ziel

Wir Delinat-Einkäufer liegen in einem freundschaftlichen Wettstreit. Dann nämlich, wenn es darum geht, einen Wein in den DegustierService zu platzieren. Den eigenen Favoriten will man natürlich mit dabeihaben. Lesen Sie, wie mir dies mit dem Roches d’Aric gelungen ist.

Emil Hauser, David Rodriguez und Martina Korak im friedlichen Wettstreit: Welcher Wein schafft es in den DegustierService?

Ich erinnere mich an diesen trüben, kalten Nachmittag Anfang Jahr, als sei es gestern gewesen. Dabei liegt das Ereignis schon ein paar Jahre zurück. Ich nahm an einer der regelmässigen Degustationsrunden am Firmensitz von Delinat in St. Gallen teil. In diesem Gremium, das sich aus Spezialisten der wichtigsten Aufgabenbereiche zusammensetzt, herrscht eine freundliche, zugleich kritische Stimmung, schliesslich werden wegweisende Entscheidungen getroffen. Hier wird bestimmt, wie sich unser Angebot zusammensetzt, was wir beibehalten, was wir fallenlassen und was wir neu einführen. Auch für die Winzer sind die Entscheidungen, die in dieser Runde getroffen werden, bedeutungsvoll. Wird sein Wein ausgewählt, weiss der Winzer einen beachtlichen Teil seiner Ernte in guten Händen, und das oft auf Jahre hinaus. Delinat gibt nicht nur seinem Wein einen vielbeachteten Auftritt, Delinat macht auch seinen Betrieb bekannt. Entsprechend begehrt ist ein Platz im Angebot des DegustierService, und entsprechend gross sind die Anstrengungen der Produzenten, mit überzeugenden Weinen ins Rennen zu gehen.

Auf Entdeckungsreise

Ich war eben von einer ausgedehnten Frankreich-Reise zurückgekehrt, reich an Eindrücken und voller neuer Ideen. Unzählige Weine verkostete ich unterwegs, machte Fassproben der vor ein paar Monaten abgeschlossenen Ernte, prüfte ältere, bereits abgefüllte Jahrgänge. Der Besuch «meiner Winzer» am Ende des Jahres ist eine lieb gewordene Gewohnheit, und da es Teil meines Auftrags ist, nicht nur Eingeführtes zu betreuen, sondern immer auch Neues aufzuspüren, machte ich einen Abstecher zum Weingut der Familie Lignères in Fontcouverte in den Corbières. Nicht ganz unvorbereitet. Die Lignières hatten uns ein paar Wochen zuvor eine Musterflasche zukommen lassen. Im kleinen Kreis verkosteten wir diese und befanden sie für interessant genug, um den Wein im Labor analysieren zu lassen. Alles lag im grünen Bereich.

Einkäufer Emil Hauser als Erntehelfer und als interessierter Beobachter beim Handverlesen.

Nun wollte ich mir vor Ort ein Bild machen. Drei geschlagene Stunden lang führten mich die Brüder Jean und Paul Lignères durch ihre Weinberge. Es war bissig kalt an diesem Dezembernachmittag, und ein eisiger Wind pfiff uns ins Gesicht. Als wir ins Haus zurückkamen, stand eine Platte mit aufgeschnittenem Schinken und frisch gebackenem Brot auf dem Küchentisch. Mir war, als könnten mich nur noch Essen und Trinken wieder lebendig machen, und ich putzte die Platte in einem Tempo leer, was mir später unendlich peinlich war. Statt den Wein auszuspucken, wie es sich für einen Einkäufer geziemt, trank ich davon mehr als nur einen Schluck. Jean und Paul Lignères liessen sich nichts anmerken, im Gegenteil. Der durchfrorene, ausgezehrte Schweizer schien sie zu belustigen. Nie zuvor hatte mir ein Schinken so gut geschmeckt wie hier, und gar köstlich fand ich den Roten, den mir die beiden vorsetzten.

Härtetest in der Degustierrunde

Und nun also der Härtetest in St. Gallen. Würde der noch namenlose Wein einer nüchternen Betrachtung standhalten können? Ohne die Präsenz freundlicher Gastgeber? Ohne die Ausstrahlung eines Weinguts, das ich sofort ins Herz geschlossen hatte? Ohne die Kulisse einer urtümlichen Kulturlandschaft? Manchmal wünsche ich mir, eine entdeckte Trouvaille einfach auf die Sortimentsliste setzen zu können ‒ ohne den Spiessrutenlauf, den bei uns ein Weinmuster zu durchlaufen hat, bevor es schliesslich im Paket des DegustierService landet.

Mehrmals werden die Weine von den Spezialisten blind degustiert. Wird das Muster für gut
befunden, folgt als nächste Hürde eine Laboranalyse.

«Weiche, füllige Frucht, saftige Frische, würzige Garrigue-Noten, mineralische Anklänge – ein herrlich komplexer, herausfordernder Wein, der entdeckt werden will», notierte ich. Selten war ich so gespannt auf die Reaktion meiner Kolleginnen und Kollegen und atmete auf, als ich in die erstaunten und anerkennend blickenden Gesichter sah. Damit nahm das Muster der Domaine Lignères die erste Hürde in unserem Selektionsprozess. Als Nächstes folgte wie üblich eine Art Dopingtest, also eine erneute Laboranalyse. Wie viel Schwefel weist der Wein auf? Ist er frei von unerwünschten Rückständen? Einer Vielzahl von Parametern muss er standhalten. Erhält der Wein das Plazet, geht das Verfahren weiter, ansonsten heisst es: Zurück auf Feld 1. Bei diesem Roten war ich mir fast sicher, dass er nicht an dieser zweiten Hürde scheitern würde. Anlässlich meines Besuchs hatten mir die Brüder Jean und Paul Lignères ausführlich erläutert, worauf es ihnen im Rebberg und im Keller ankommt, und das liegt ganz und gar auf der Linie, wie wir sie bei Delinat seit eh und je verfolgen. Als ich später erfuhr, dass Jean Lignères nicht nur Winzer, sondern in seinem Dorf auch beliebter Dorfarzt und sein Bruder Paul Zahnarzt in Narbonne ist, passte das zum Bild eines umsichtig, weitsichtig und sorgfältig geführten Weinguts. Und so überraschte es nicht, dass das Degustationsmuster auch analytisch glänzte.

Das Okay des Beraters

Nächste Stufe im Auswahlverfahren: Delinat-Winzerberater Rolf Kaufmann wurde beauftragt, das Weingut auf Herz und Nieren zu prüfen. Natürlich waren wir nach seiner Rückkehr gespannt auf seine Eindrücke und Einstufungen. Er erzählte begeistert von seinem Besuch bei Jean und Paul Lignères. Mich wunderte dies natürlich nicht, hatte ich ja bereits Gelegenheit gehabt, die Domaine Lignères zu besichtigen. Das rund hundert Hektar umfassende Gut verfügt über eine natürlich gewachsene Biodiversität. Kleine Waldstücke, Bäche, Büsche und die für dieses Gebiet so typischen, der mediterranen Macchie ähnlichen Garrigue prägen neben den Rebparzellen das Bild, und so finden ganz unterschiedliche Tiere, Vögel und Insekten, einen vielfältigen Lebensraum.

Augenschein in den Rebbergen von Winzerberater Rolf Kaufmann (rechts) bei Jean Lignères.

Das alles war natürlich ganz nach dem Geschmack unseres Beraters, und entsprechend fiel sein Fazit aus. Er sehe in diesem Fall nur wenig Handlungsbedarf, was die Erfüllung der Delinat-Anforderungen betreffe. Ja, in seiner Einschätzung passe die Domaine Lignères geradezu ideal zu Delinat, und er könne uns eine Zusammenarbeit mit Jean und Paul Lignères nur wärmstens empfehlen. Stolperstein für die maximale Einstufung (drei Schnecken) könne höchstens die alteingesessene Carignan-Sorte sein, die in vielen Cuvées des Gebiets charakterbildender Bestandteil sei. Carignan sei anfällig auf Echten und Falschen Mehltau und müsse während der Vegetationszeit bei ungünstigem Wetter mit höheren Schwefeldosen als andere Sorten gegen den Pilzbefall geschützt werden.

Alles gut?

Wein gut, Analysen gut, Zertifizierung gut, Biodiversität gut – also alles gut, und nun nichts wie los? Gemach. Zwar stand im Fall der Domaine Lignères die Ampel auf Grün, weitere wichtige Fragen galt es jedoch vor dem Start zu klären, allen voran die Verfügbarkeit, und zwar nicht bloss die kurzfristige. Für deren Beantwortung sind oft weitere Besuche auf dem Weingut nötig, es braucht vertiefte Gespräche und gemeinsame Planung – ja, es braucht einfach viel Zeit. Es reicht noch nicht, wenn alles innerhalb eines Weinguts zusammenpasst. Ein selektionierter Wein muss sich auch ins geplante DegustierService-Paket fügen, etwa preislich und geschmacklich. Schliesslich soll jedes Paket etwas ganz Besonderes sein, sich vom Vorangegangenen unterscheiden, für Abwechslung und gerne auch für Überraschung sorgen. Da heisst es mitunter lang ringen, mit den Winzern und mit den Kollegen vom Einkauf und vom Marketing. Und nach langem Hin und Her und manchmal auch hott und hüst kommt der Tag, an dem dann doch alles zur runden Sache wird und ein Wein seinen Platz findet. Nun galt es also, die Einführung zu planen – wie immer in enger Zusammenarbeit mit den Winzern. Dazu gehörten die Namensgebung, die Etiketten- und Verpackungsgestaltung, das Zusammentragen der Informationen für Rücketiketten und Produktbeschreibung im Hinblick auf Drucksachen und Website. Dabei gibt es immer mehr rechtliche Vorgaben zu berücksichtigen, und die Besonderheiten der Delinat-Selektion sollen ebenfalls sichtbar sein. Vor allem aber soll der optische Auftritt zum Wein, zum Betrieb und zu den Menschen, die ihn prägen, passen. Dieser Teil des Prozedere ist besonders anspruchsvoll und trickreich, weil da auch die verschiedenen kulturellen Hintergründe und unterschiedlichen Kenntnisse mitspielen. Im Fall von Jean und Paul Lignères fanden wir bald eine gemeinsame Sprache. So verging zwischen dem ersten Härtetest in St. Gallen und der Anlieferung fixfertiger Paletten kein Jahr, andere Winzer oder Weine benötigen manchmal Jahre.

Auf der Domaine Lignères hat die Natur auch im Keller Vorrang: Wilde Hefen übernehmen den Gärprozess im grossen Holzbottich.

Bevor der Roches d’Aric, wie er nun hiess, für den DegustierService freigegeben wurde, hatte das angelieferte Produkt drei Prüfungen zu bestehen: eine nüchterne sensorische Kontrolle, die klären soll, ob der Wein dem Einkaufsmuster entspricht, eine Überprüfung der Analysewerte mit den Delinat-Richtlinien und mit dem Rückstellmuster des ausgewählten Weins und als letzte Hürde eine erneute Verkostung und Einschätzung in der Delinat-Degustationsrunde. Dabei steht das Weinpaket mit den anderen beiden Entdeckungen auf dem Tisch, so, wie es unsere Kundschaft erhalten wird. Fachleute des Einkaufs, des Marketings und des Verkaufs sind anwesend und entscheiden abschliessend, ob die ausgewählten Produkte in ihrer Gesamtheit unseren hohen Anforderungen entsprechen. Trotz der vielen Vorprüfungen kommt es vor, dass wir einen Wein kurz vor dem Ziel ersetzen müssen. Im Fall des Roches d’Aric passte alles bis ins Detail, und so stand der erfolgreichen Auslieferung an unsere Abonnentinnen und Abonnenten nichts mehr im Weg. Ja, der Roches d’Aric eroberte im Sturm die Herzen der DegustierService-Kunden, sodass sich der Wein einen festen Platz im Delinat-Sortiment sicherte. Der Roches d’Aric war Ausgangspunkt für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Jean und Paul Lignères, die 2016 mit deren Wahl zu den Biodiversitätswinzern des Jahres einen Höhepunkt erreichte.

Tour de France zum Jahresende

Jeweils kurz vor Jahresende degustiert Emil Hauser zusammen mit Jean und Anne Lignères den neuen Jahrgang.

Auf meiner jährlichen Tour de France ‒ immer zum Jahresende ‒ gehört ein Besuch der Domaine Lignères nunmehr zum festen Programm. Zwei Peinlichkeiten lasse ich unterdessen aus: Ich bin jetzt richtig gut eingekleidet und auf jedes Wetter vorbereitet, und ich treffe nicht mehr mit leerem Bauch ein, um nicht nochmals allen den Schinken vor der Nase wegzuessen. Im letzten Dezember war es so warm, dass wir uns für die Verkostung der neuen Jahrgänge vors Haus setzen konnten. Ein Vogel landete auf dem Tisch und pickte die Brotkrümel auf. Jean erzählte mir, dass sie im vergangenen April mit einem Ornithologen eine Zählung der Vogelpopulation auf dem Weingut durchgeführt hätten. Sage und schreibe 40 verschiedene Vogelarten hätten sie registriert, die Zahl habe stark zugenommen, seit sie Vogelkästen installiert hätten. Wenn das kein gutes Omen ist.

-> Hier finden Sie eine Übersicht unserer Weinabos.

Weitere Artikel zum DegustierService aus der WeinLese 46:


Klimawandel im Weinbau – Feuer und Wasser

2021 geht in Europa als Jahr der Wetterextreme mit zum Teil verheerenden Folgen in die Annalen ein. Feuer, Wasser, Frost und Hagel machten vielen Winzern zu schaffen und führten zu grossen Ertragsausfällen. Während in Südfrankreich der Feuerteufel wütete, verursachte in Deutschland Hochwasser gewaltige Schäden.

Waldbrände und zerstörte Reben (Frankreich)
Wind und Feuer in Frankreich, …

«Es ist ein Desaster. Im April hatten wir auf 40 Hektar Reben im Flachland grosse Frostschäden. Im Juli waren es Brände, die viele unserer Reben und wertvolle Garrigue- und Waldlandschaft in und um unsere Weinberge zerstörten.» Anne Lignères, die gemeinsam mit ihrem Mann Jean die Domaine Lignères im Languedoc bewirtschaftet und Delinat mit zahlreichen Weinen beliefert, spricht von einem «sehr komplizierten Jahr 2021». Wie viel es letztlich noch zu ernten gab, war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht klar.

Gewiss ist: Die Spuren der verheerenden Brände, die Südfrankreich im Juli heimgesucht haben, werden rund um die Domaine Lignères noch lange sichtbar sein. Glücklicherweise blieben das Château und die Reben in der Ebene von der Feuersbrunst verschont. Vom Feuer betroffen waren aber bis zu acht Hektar in höheren Lagen, ausgerechnet jene Parzellen, die aufgrund ihrer Exposition im April vor Frostschäden verschont geblieben waren.

Hochwasser in Deutschland

Überschwemmungen im Weinberg (Deutschland)
… Erdreich und Wasser in Deutschland.

Während im Süden der Feuerteufel wütete, wurden Teile von West- und Mitteleuropa im Juli von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht, die über 200 Todesopfer forderte. Besonders stark betroffen waren Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen in Deutschland. Die Katastrophe hatte sich schon im Juni angebahnt, als etwa in der Pfalz bis zu fünf Mal höhere Niederschlagsmengen niedergingen als in einem normalen Jahr. «Der Juni war für die deutschen Winzer ein katastrophaler Monat», sagt Delinat-Winzer Alex Pflüger vom gleichnamigen Weingut in der Pfalz. In den Weinbergen war es feucht und warm wie in einem Treibhaus, was zu einer überaus wuchsfreudigen Vegetation führte. «Es war unmöglich, mit der Laubarbeit nachzukommen. Dies wiederum führte zu Staunässe und starkem Krankheitsbefall in den Reben», erklärt Alex Pflüger.

Zur eigentlichen Katastrophe kam es dann Mitte Juli, als ganze Dörfer überflutet wurden, viele Menschen starben oder ihr ganzes Hab und Gut verloren. An der Ahr sind gleich mehrere Weingüter um die Existenz gekommen. Vergleichsweise kamen die Delinat-Winzer an der Mosel, in der Pfalz und in Rheinhessen mit einem blauen Auge davon. «Wegen den hohen Niederschlagsmengen und den völlig durchnässten Böden konnten die Rebberge vielerorts nicht mehr mit dem Traktor befahren werden, um den Pflanzenschutz durchzuführen. Wir mussten wie zu Grossvaters Zeiten auf alte Geräte wie den Solo Minor zurückgreifen», erzählt Pfalz-Winzer Alex Pflüger. Bei diesem Gerät handelt es sich um eine von Hand geführte, mit einem Motor angetriebene Weinbergspritze. Pflügers Weinberge blieben dank natürlicher Begrünung aller Gassen von Erosion und Überschwemmungen weitgehend verschont. Der Ernteausfall hielt sich in Grenzen. Alex Pflüger spricht von durchschnittlich 15 bis 20 Prozent, beim Merlot von einem Totalausfall.

Schaden hat auch eine drei Meter hohe Trockensteinmauer im Ungsteiner Herrenberg genommen. Der hohe Wasserdruck im Boden hat dazu geführt, dass sie auf einer Länge von rund vier Metern durchgebrochen ist. Das bedeutete eine Woche Reparaturarbeiten für das ganze Pflüger-Team. «Alles in allem hatten wir aber Glück in diesem Unglücksjahr», so Alex Pflüger.

Hier finden Sie alle Beiträge der WeinLese 64:

Biodiversitätswinzer 2021 – Harmonie

In der Wachau und im angrenzenden Kremstal gehen Andreas und Maria Harm selbstbewusst und unbeirrt ihren Weg. Ihrem Ziel, in grösstmöglicher Harmonie mit der Natur Wein zu keltern, ordnen sie viel unter – nicht aber die Weinqualität. Dafür gebührt ihnen die Auszeichnung als Biodiversitätswinzer 2021.

Die Wachau ist eine berühmte, aber konservative, in alten Traditionen verhaftete österreichische Weinregion. «Im Vergleich zur gesamtösterreichischen Fläche ist der Bioanteil hier gering», sagt Andreas Harm, einer der wenigen überzeugten Wachauer Biowinzer. Doch der Wind dreht in seinem Sinn: «Es gibt auch hier immer mehr Rebbergbesitzer, die sich ökologische Vielfalt wünschen. Unserem Betrieb werden deshalb immer wieder Rebflächen zum Kauf oder zur Bewirtschaftung angeboten.» Kein Wunder, ist die Rebfläche der Familie Harm zwischen 2008 und 2020 von drei auf zwölf Hektar angewachsen. Das ermöglichte Andreas Harm vor ein paar Jahren, das elterliche Weingut mit Heurigen seinem Bruder David zu überlassen und zusammen mit seiner Frau Maria einen eigenen Betrieb aufzubauen. Beflügelt wurde diese erfreuliche Entwicklung auch durch die Zusammenarbeit mit Delinat, die mit dem Weinjahrgang 2010 begann. Andreas Harm: «Für uns ist Delinat ein äusserst bereichernder und verlässlicher Partner, der ebenso hohe ökologische Ansprüche stellt wie wir an uns selber.»

Andreas Harm, Biodiversitätswinzer 2021

Lebendiger Boden als Basis

Andreas Harm ist promovierter Agronom, Rebbauberater und Rebbauforscher. Als ausgewiesener Bodenspezialist weiss er um die Bedeutung einer reichen Biodiversität im Rebberg. Die Basis dafür ist ein gut strukturierter, lebendiger Boden. Er ist Heimat für Milliarden unterschiedlicher Organismen. Diese Lebewesen stehen im direkten Austausch mit der Rebe und dem vielfältigen Pflanzenteppich in den Rebgassen. Wenn das System funktioniert, übernehmen Begrünungspflanzen (Leguminosen) die Funktion des Nährstofflieferanten. Mithilfe der Bodenlebewesen werden alle für die Entwicklung der Rebe notwendigen Substanzen weitergeleitet und verfügbar gemacht. «Dank dieser Interaktionen kann sich die Rebe optimal selber ernähren», erklärt Andreas Harm. So kommt es weder zu einer Überversorgung, die Krankheiten und Schädlinge fördert, noch zu einer Unterversorgung, die den Ertrag reduziert und die Qualität des Weines beeinträchtigt. «Befindet sich die Rebe in dieser Harmonie, so können sich die Trauben optimal entwickeln und reifen. Gleichzeitig werden sie widerstandsfähiger und robuster gegenüber Schädlingen und Krankheiten», so Andreas Harm.

Entscheidend für das harmonische Zusammenspiel zwischen Boden, Begrünung und Mikroorganismen ist eine dem jeweiligen Standort angepasste Vielfalt an verschiedenen Pflanzenarten. Andreas und Maria Harm gehen aber noch einen Schritt weiter: Den Platz zwischen den Reben nutzen sie da und dort auch für den Anbau von Gemüse, Kräutern und Früchten. «Ein Teil unserer Rebanlagen wird so wieder zu einem Garten der Vielfalt und des Genusses», freut sich Maria. Wer bei den Harms einmal getafelt hat, der weiss wieder, wie gut Gemüse schmecken kann.

Weisswein-Klassiker

Genauso authentisch sind auch die Weine: Das naturverbundene Winzerpaar konzentriert sich dabei auf die einheimischen Paradesorten Riesling und Grüner Veltliner, aus denen Gewächse mit typischer Frucht und feiner Mineralität gekeltert werden. Was bedeutet Andreas Harm die Auszeichnung als Biodiversitätswinzer des Jahres 2021? «Das Thema Biodiversität spielte in unserem Betrieb von Beginn an eine wichtige Rolle. Da wir selbst viel Zeit in unseren Rebbergen verbringen, erfüllt es mich immer wieder mit Freude, wenn ich dort neue Pflanzen oder Tierarten entdecken kann. Für uns ist die Auszeichnung daher eine grosse Anerkennung von Leistungen an der Natur, die normalerweise kaum beachtet werden.»

Der Wein zum Tag der biologischen Vielfalt

Jedes Jahr zum Tag der Biodiversität, für den die UNO im Jahr 2000 den 22. Mai festgelegt hat, kürt Delinat einen Biodiversitätswinzer des Jahres, der sich im Bereich der biologischen Vielfalt besonders verdient macht. Der ausgezeichnete Winzer seinerseits keltert aus diesem Anlass eine spezielle Abfüllung.

Andreas Harm hat sich für einen Grünen Veltliner entschieden. Die Trauben stammen aus der Lage Goldbühel in der Ortschaft Kruststetten im Kremstal. Sie wurden am 6. und 7. Oktober 2020 von Hand bei wunderschönem, sonnigem Wetter von einer Truppe aus Familienmitgliedern, Freunden und weiteren Helfern gelesen. Nach der Lese wurden die Trauben schonend gepresst. Der Most wurde im Stahltank spontan während zirka drei Wochen vergoren. Danach reifte der Wein bis im Januar auf der Feinhefe, ehe er Ende März auf die Flasche gezogen wurde.

So entstand ein sortentypischer Grüner Veltliner. Er zeigt eine animierende Würze nach wilden Kräutern, duftender Blütenwiese und saftigen Früchten. Am Gaumen gefällt die Balance aus delikatem Schmelz und animierender Fruchtsäure. Andreas Harm empfiehlt seinen Biodiversitätswein speziell zum klassischen Wiener Schnitzel, zu gekochtem Schulterscherzel (Rindfleisch) vom Bioweiderind mit sautiertem Gemüse, zu Gemüseflan mit Ratatouille oder zu gekochten Spargeln.

Harm Biodiversität – Grüner Veltliner
Kremstal DAC 2020
www.delinat.com/7286.20

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Wein aus der Kornkammer Portugals

Karte von Portugal

Das Alentejo ist eine Weinbauregion im Süden Portugals mit einer Rebfläche von rund 20 000 Hektar. Die sanft hügelige Landschaft war einst weniger für Wein als vielmehr für Getreideanbau, Oliven und Korkproduktion bekannt. Ab den 1930er-Jahren bis zum Ende der Salazar-Diktatur (1968) wurde die heisse und trockene Region zur Kornkammer Portugals. Grossflächig wurden Stein- und Korkeichen (Letztere liefern bis heute einen wesentlichen Beitrag zum weltweiten Korkbedarf) zugunsten von Getreidefeldern gerodet – mit teilweise dramatischen Auswirkungen. Der Grundwasserspiegel sank, und viele Böden büssten aufgrund einer beschleunigten Erosion ihre Fruchtbarkeit ein. Keine idealen Voraussetzungen für einen Qualitätsweinbau, der hier in den 1990er-Jahren einen Ausschwung erlebte. Zuvor war der Rebbau durch Genossenschaften bestimmt worden, die grösstenteils belanglose Massenweine produzierten. Heute jedoch gilt das Alentejo mit seinen vielen einheimischen Traubensorten wie Aragonez, Alicante Bouschet und Touriga Nacional sowie internationalen Varietäten wie Syrah oder Cabernet Sauvignon als eines der innovativsten Weinbaugebiete Portugals. Die Region kämpft aber mit den Folgen des Klimawandels. Zwar bieten Lehm und Schieferböden ein gutes Terroir. Trockenheit, Dürre, Wassermangel und hohe Temperaturen nehmen aber immer dramatischere Ausmasse an. Ohne künstliche Bewässerung geht hier nichts mehr.

Exklusive Wein- und Kulturreise ins Tal der Kamele

Fahrt mit dem Heissluftballon
Eine Fahrt mit dem Heissluftballon vermittelt einen eindrücklichen Einblick in die neu geschaffene Biodiversität auf Vale de Camelos unter der sengenden Sonne des Alentejo.

Wie begegnen die Delinat-Biodiversitätswinzer 2020 vom Weingut Vale de Camelos im Alentejo den Herausforderungen des Klimawandels? Wie funktioniert Permakultur? Welche kulinarischen und kulturellen Schätze birgt der Süden Portugals?

Die exklusive Wein- und Kulturreise führt von Dienstag, 4. Mai, bis Samstag, 8. Mai 2021, von Lissabon ins Alentejo. Auf dem Programm steht ein Besuch des Ökodorfs Tamera, das nach dem Konzept von Permakultur-Pionier Sepp Holzer zu einem blühenden Paradies inmitten einer von Trockenheit und Dürre geprägten Landschaft geworden ist.

Im Tal der Kamele erhalten wir auf dem Delinat-Weingut Vale de Camelos Einblick in einen Weinbaubetrieb, der mit Massnahmen der Permakultur und Förderung der Biodiversität erfolgreich den Herausforderungen des Klimawandels begegnet. Wer gerne abhebt, kann auf einer Fahrt mit dem Heissluftballon aus der Vogelperspektive eindrücklich erleben, wie hier eine grüne Oase mit fünf grossen Seen in einem wüstenähnlichen Umfeld entstanden ist.

Eindrückliche Erlebnisse bieten ferner die Besuche einer Korkeichenfarm, der Städtchen Mértola und Évora sowie natürlich der Stadt Lissabon, wo die Reise nicht nur beginnt, sondern auch wieder endet. Portugals Hauptstadt bietet derart viel, dass sich hier eine individuelle Verlängerung von ein paar Tagen lohnt.

Detaillierte Informationen und Anmeldung unter: www.delinat.com/weinreisen

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Biodiversität aus der Flasche

Zwei starke Frauen zeichnen sich verantwortlich für den Delinat-Biodiversitätswein 2020: Weil es im Alentejo bis in den September hinein schier unerträglich heiss sein kann, haben Betriebsleiterin Helena Manuel und ihr Team die vollreifen Trauben nachts im Lichte von Mondschein und Stirnlampe von Hand gelesen. So kamen sie vor Hitze geschützt frisch in den Keller, wo sie von Önologin Marta Pereira sofort sanft und schonend verarbeitet wurden. Die verschiedenen Traubensorten wurden im Stahltank vergoren. Danach reiften die Jungweine während sechs Monaten teilweise im Stahltank, teilweise in französischen Barriques. Erst dann bestimmten die beiden Frauen gemeinsam die definitive Assemblage mit 80 Prozent Syrah und je 10 Prozent Touriga Nacional und Alicante Bouschet.

Entstanden ist eine geschmeidige, aber kräftige Cuvée mit intensiven Fruchtaromen nach Cassis und Waldbeeren sowie Anklängen von Eukalyptus und schwarzem Pfeffer. Wir empfehlen, den Wein aus grossen Gläsern zu geniessen. Er harmoniert ausgezeichnet zur Küche des Alentejo, aber auch zu Gemüse- und Kartoffelgratin, Rollbraten und Geflügel.

-> Zum Wein

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«Hirschhof» schafft Lebensraum für Wildbienen

Tobias Zimmer vom Weingut Hirschhof beteiligt sich am Projekt «Blühendes Rheinhessen – Wein, Weizen, Wildbienen». Ziel ist die Schaffung von mehr Artenvielfalt und neuer Lebensräume für Wildbienen in der Kulturlandschaft Rheinhessens.

Wildbiene auf dem Weingut Hirschhof

In Deutschland verfolgt der Bund für Umwelt und Naturschutz (kurz: BUND) Ziele des Natur- und Umweltschutzes, des Biodiversitäts- und Klimaschutzes sowie des Tier- und Denkmalschutzes im Sinne einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Entwicklung. Der BUND Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. hat für das von 2018 bis 2020 laufende Projekt «Blühendes Rheinhessen – Wein, Weizen, Wildbienen» Modellpartner gesucht, die bereit sind, die Artenvielfalt und die Lebensbedingungen für Wildbienen in der Agrarlandschaft Rheinhessens aufzuwerten. Denn Wildbienen sind für die biologische Vielfalt unerlässlich. Durch die Bestäubung tragen sie zur Fortpflanzung von Blütenpflanzen bei.

Ein idealer Partner

«Wir haben uns als Modellpartner für dieses Projekt beworben, weil wir hoch motiviert sind, noch mehr zur biologischen Vielfalt beizutragen», sagt Hirschhof-Winzer Tobias Zimmer. Neben der Liebe zur Natur steckt da durchaus auch Eigennutz dahinter. Tobias Zimmer: «Für die Produktion von gesunden, qualitativ hochwertigen Trauben sind wir auf ein gesundes Ökosystem angewiesen. Ausserdem führen Vielfalt und ein ökologisches Gleichgewicht erwiesenermassen auch zu verringertem Schädlingsdruck.»

Tobias und Ellen Zimmer schaffen auf ihrem Weingut ein Blütenparadies für Wildbienen.
Tobias und Ellen Zimmer schaffen auf ihrem Weingut ein Blütenparadies für Wildbienen.

Den Projektverantwortlichen ist es nach einer Begehung der Weinberge leicht gefallen, das Weingut Hirschhof als Modellpartner auszuwählen. Die fünf Spezialisten für Wildbienen und Kräuterkunde konnten eine bereits reich vorhandene Pflanzen- und Tierwelt erfassen. Gesichtet wurden gegen 80 Pflanzenarten, sechs verschiedene Arten von Wildbienen, 16 Arten Falter und 14 Arten anderer Lebewesen – vom Marienkäfer über Heuschrecken bis zum Rotmilan. «Es ist wirklich sehr beeindruckend, was es auf den Flächen des Hirschhofs schon alles gibt», lobte Projektleiterin Dr. Tatjana Schneckenburger. Dass die natürliche Vielfalt auf dem Hirschhof einen hohen Stellenwert hat, ist auch den Delinat-Richtlinien geschuldet. Diese verlangen explizit eine Förderung der Biodiversität.

Wissenschaftliche Begleitung

Weitere Massnahmen, die seit Herbst 2019 umgesetzt werden, sollen diese Vielfalt noch erhöhen. Die Anlage zusätzlicher Blühstreifen, Untersaaten und Retentionsflächen verbessern die Verfügbarkeit von Nahrung, Nistmaterial und Lebensraum weiter. Das Projekt wird gemeinsam mit den Experten vom BUND umgesetzt. Es erfolgt eine wissenschaftliche Begleitung vor und nach den Massnahmen, um den Effekt auf die Wildbienen zu messen.

Bio-Pioniere in Rheinheissen

Neben den Wildbienen ist auch der 40. Geburtstag von Delinat ein aktuelles Thema auf dem Weingut Hirschhof: Tobias Zimmer gehört zu den vier langjährigen Partnerwinzern, die einen Jubiläumswein beisteuern.

Walter und Annette Zimmer begannen 1991, auf ihrem traditionsreichen «Hirschhof» ihre Weine biologisch zu erzeugen. Damit gehören sie zu den Pionieren in Rheinhessen. Bereits ein Jahr später begann die Zusammenarbeit mit Delinat, die von der Nachfolgegeneration Tobias und Ellen Zimmer bis heute erfolgreich fortgeführt wird. Das Weingut verfügt über ökologisch intakte Rebberge und einen vielfältigen Sortenspiegel. Aus der grossen Traubenvielfalt werden Rot-, Weiss-, Rosé- und Schaumweine mit ausgezeichnetem Preis-Genuss-Verhältnis erzeugt. Seit etlichen Jahren finden auf dem Hirschhof im Frühling und im Herbst Weintage statt, an denen Delinat-Kunden praxisnahen Einblick in einen Weinbau mit reicher Biodiversität erhalten und die ganze Palette der Weine verkosten können. Informationen dazu: www.delinat.com/weintage

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