Der Bio-Suisse-Vorstand sagt «Nein» zu mehr Bio

Am 13. Juni wird in der Schweiz über die «Initiative für sauberes Trinkwasser» abgestimmt. Damit hat die Schweizer Bevölkerung die historische Chance, die Landwirtschaft endlich in eine saubere Zukunft zu führen. Die steuersubventionierte Umweltverschmutzung wird beendet, Bio soll zum Standard werden.

Wie Delinat-Gründer Karl Schefer schon früh zu Ohren gekommen ist, empfiehlt jetzt ausgerechnet der Vorstand der Bio Suisse ein «Nein» zur Initiative. Dies mit einer haarsträubenden Begründung: Bei einem «Ja» würden zuviele Betriebe auf «Bio» umstellen und die Preise könnten sich dadurch reduzieren. Kurz: Die grösste Schweizer Bio-Organisation will nicht, dass «Bio» erschwinglich wird für jedermann. Das Schreiben der Bio Suisse sowie Karl Schefers Antwort darauf finden Sie unten. Ebenso den Kassensturz-Beitrag vom Schweizer Fernsehen.

Es ist zu hoffen, dass sich die Bio-Suisse-Delegierten anlässlich ihrer Versammlung vom 14. April gegen die Empfehlung aussprechen und klar und deutlich die Ja-Parole beschliessen. Alles andere wäre nicht erklärbar.

Weiterführende Links:

  • Den Briefwechsel zwischen Delinat-Gründer Karl Schefer und Urs Brändli (Präsident von Bio Suisse) finden Sie hier: ->Link auf PDF
  • Den Kassensturz-Beitrag des Schweizer Fernsehens können Sie sich hier ansehen: ->Link auf Video
  • Im WeinLese-Beitrag «Nach uns die Sintflut» erklärt Karl Schefer, weshalb ein «Ja» zur Initiative alternativlos ist: ->Link auf Beitrag

Honig verdient höchsten Respekt

Honigbiene auf Sonnenblume

Honig galt schon in der Antike als Quelle der Weisheit und Gesundheit. Heute weiss man mehr. Mit jedem Besuch bei einem Imker steigt meine Wertschätzung für Honig. Wild- und Honigbienen sorgen als Bestäuber für den Fortbestand vieler Kulturpflanzen. 200’000 Kilometer fliegen die Bienen, um den Nektar für 1 kg Honig zu sammeln. Im Honig stecken wertvolle Spurenelemente in ausgewogener Form, besser als in künstlich erzeugten Nahrungs-Ergänzungsmitteln. Er ist nicht nur Energiespender, er enthält auch wertvolle Enzyme, Vitamine, Mineralstoffe, Eiweisse, Botenstoffe, Gerbstoffe und er wirkt antibakteriell. Honig ist gesund – für Biene und Mensch. 

Honig braucht intakte Biodiversität

Honigbiene im Weinberg

Was für eine wunderbare Einrichtung der Natur: In intakter Biodiversität finden die Bienen genügend Nektar und Pollen, um damit den Winter zu überstehen, auch wenn der Imker einen Teil davon abzweigt. Unsere Produzenten verzichten auf sonst übliche Hilfsstoffe zur Behandlung kranker Völker, auch wenn sie damit ein grösseres Risiko eingehen und weniger ernten.

Die steigende Nachfrage nach Honig ruft aber auch zwielichtige Anbieter auf den Plan. Umso wichtiger ist es, die Imker persönlich zu kennen und ihre Arbeit zu begleiten. Ziel sind möglichst unbelastete, natürliche und schmackhafte Honige, so weit das in der zunehmend belasteten Umwelt überhaupt noch möglich ist.

Gefährdete Wildbienen

Die Bienen leiden an mangelndem Blütenangebot, an eingeschleppten Parasiten, an Pestiziden und Umweltgiften. Noch schlechter als den Honigbienen ergeht es den Wildbienen, um die sich niemand kümmert. Rund die Hälfte aller Wildbienenarten ist entweder schon ausgestorben oder kurz davor. Die Honigbienen stehen je nach Blütenangebot tatsächlich in Konkurrenz zu den Wildbienen.

Wildbiene auf dem Weingut Hirschhof

Auch das ist ein Grund, warum wir von Delinat-Imkern eine sorgfältige Auswahl der Standorte ihrer Bienen verlangen. Abseits von Industrie, intensiver Landwirtschaft und anderer Verschmutzung gibt es ein reichhaltiges Angebot für alle Insekten.

Nektar und Pollen ohne Umweltgifte sind nicht nur für Bienen überlebenswichtig, sondern auch Bedingung für gesunden Honig. Damit Sie qualitativ hochwertigen Honig geniessen können, wird Delinat-Honig zusätzlich zu den Biorichtlinien durch aufwendige Analysen geprüft. Lesen Sie mehr zu den Grundlagen der Delinat-Imkerei

Geniessen Sie unseren Honig mit Bedacht. Er ist ein ganz aussergewöhnliches Lebensmittel, das höchsten Respekt verdient.

-> Zu unserem Honig-Sortiment

Wein beschreiben leicht gemacht

Profis beschreiben Weine oft wortgewaltig – mit grenzenloser Fantasie. Normalen Weingeniessern hingegen fällt es meist schwer, einen Wein in Worte zu fassen. Wie schmeckt dir der Wein? «Hm, lecker.» Für eine ausführlichere Beschreibung braucht es bloss ein paar Anhaltspunkte.

Eine kurze Weinnotiz ermöglicht es dem Geniesser, Weine zu kategorisieren: «Dieser Rotwein ist unheimlich dunkel, beinahe schwarz, aber in der Nase überrascht er mit einer frischen Frucht, und am Gaumen ist er warm, beinahe süsslich, angenehm weich mit einer erfrischenden Säure. Ein harmonischer Wein, der mir sehr gefällt.»

Für eine einfache Beschreibung reicht es, sich auf vier Eigenschaften des Weins zu konzentrieren: Aromen, Süsse, Säure, Tannin. Gefragt ist Harmonie. Doch gerade Weine mit Lagerpotenzial fallen in ihrer Jugend auf durch Säure und Tannin. (Auf Bild Klicken zum Vergrössern)
Für eine einfache Beschreibung reicht es, sich auf vier Eigenschaften des Weins zu konzentrieren: Aromen, Süsse, Säure, Tannin. Gefragt ist Harmonie. Doch gerade Weine mit Lagerpotenzial fallen in ihrer Jugend auf durch Säure und Tannin. (Auf Bild Klicken zum Vergrössern.)

Wie gelangen wir zu dieser Degustationsnotiz? Um einen Wein beschreiben zu können, müssen wir uns konzentrieren. Ein, zwei ruhige Minuten sind schon nötig. Vor der eigentlichen Degustation sagt uns ein kurzer Blick ins Glas, ob der Wein optisch einwandfrei ist: Farbe, Glanz, Dichte und Klarheit – hier also «dunkles Rot, beinahe schwarz».

Riechen und schmecken

Die Aromen nehmen wir vielfältig wahr: Ein erstes Schnuppern am ungeschwenkten Glas lässt uns die feinflüchtigen Aromen entdecken. Nach kurzem Schwenk entströmen dem Glas weitere Düfte. Ob wir gleich die Früchte und Blumen benennen wollen, ist Ansichtssache; hier notieren wir «frische Frucht».

Den Geschmack eines Weines prüfen wir mit Zunge und Gaumen. Hier sind es vor allem Süsse, Säure und Tannin (herb-bitter), die auffallen. Die zwei anderen Geschmackseindrücke Salz und Umami spielen bei Wein eine untergeordnete Rolle. Umami ist ein fleischähnlicher Geschmack, bekannt auch aus asiatischen Gerichten (Glutamat).

Süsse muss nicht unbedingt Zucker bedeuten. Auch Alkohol, zum Beispiel Glyzerin, wirkt süsslich oder hier «warm, beinahe süsslich». «Angenehm weich» lässt auf feine, reife Gerbstoffe (Tannin) schliessen – im Gegensatz zu rauen Gerbstoffen von jungen Lagerweinen. Meist an den hinteren Zungenrändern spüren wir die Säure eines Weines: kaum merklich, frisch, rassig oder gar sauer? In unserem Beispiel stellen wir eine «erfrischende Säure» fest.

Wein weckt Gefühle

Am Gaumen registrieren wir auch Empfindungen, die nicht primär dem Geschmack zugeordnet werden: Temperatur und taktile Eindrücke wie kratziges Tannin, Feststoffe im Wein (Weinstein, ausgefällte Gerbstoffe). All dies fassen wir nun zum Gesamturteil zusammen: Dieser Rotwein ist unheimlich dunkel, beinahe schwarz, aber in der Nase überrascht er mit einer frischen Frucht, und am Gaumen ist er samtig weich mit einer angenehmen Säure. Die feinen Gerbstoffe spürt man erst nach ein paar Sekunden – ein harmonischer Wein, der mir sehr gefällt.

Aus dem «lecker» ist nun eine anschauliche kurze Beschreibung geworden. Sie hilft uns, Weine zu kategorisieren. Beispielsweise in dunkle Weine (Südeuropa oder dunkle Traubensorten wie Tempranillo, Nero d’Avola, Dornfelder, Tannat) und eher helle Rotweine (z. B. Pinot Noir). Frische Frucht lässt auf einen jungen, einwandfrei vinifizierten Wein schliessen. Samtig weich am Gaumen sind gehaltvolle Weine, meist schon ein paar Jahre gelagert – und sicher keine billigen Schnäppchen. Sind Süsse, Säure und Tannin im Gleichgewicht, sprechen wir von einem harmonischen Wein. Diese Degustationsnotiz speichern wir in unserem Hirn, zusammen mit dem Wein, hier könnte es ein guter Nero d’Avola aus Sizilien sein. Nach einem halben Dutzend solcher Weinbeschreibungen verfügen wir schon über ein Wissen, das uns die Weinauswahl wesentlich erleichtert: Wissen macht Spass.

Falls Ihnen dieser Artikel gefallen hat, legen wir Ihnen den Delinat-DegustierService ans Herzen. Dieses Weinabo bietet regelmässig neue Weine aus den ökologisch wertvollsten Rebbergen Europas. Die feinen Tropfen aus reicher Natur bieten nicht nur höchsten Genuss, sondern eignen sich dank mitgelieferten Hintergrundinfos zu Wein und Winzer sowie einem Kapitel zu unterschiedlichen Weinwissen-Themen auch hervorragend, um das gekonnte Beschreiben von Weinen regelmässig zu üben und den eigenen Weinhorizont zu erweitern. Alle Infos zu unseren verschiedenen Weinabos finden Sie unter: www.delinat.com/weinabo.

(Hinweis: Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der 37. Ausgabe der «WeinLese». Das Delinat-Kundenmagazin erscheint 4x pro Jahr und ist Bestandteil des Weinabos «DegustierService Rotwein».)

Die unterschätzte Bedrohung

Um es vorweg zu nehmen: Das verrückte Pandemie-Jahr hat auch Dinge in Bewegung gebracht, die man sich zuvor kaum vorstellen konnte. Ja, das Virus hat viele Opfer gefordert und die Menschheit in Schranken gewiesen. Aber eben auch mobilisiert und mutige Entscheidungen erzwungen. Plötzlich wurde möglich, was bisher undenkbar war.

Das ist der positive Aspekt dieses schwierigen Jahres. Politik, Gesellschaft und Wirtschaft haben bewiesen, dass sehr schnelle Veränderungen möglich sind, wenn der Druck gross genug ist. Wenn die Katastrophe vor der Tür steht, wenn die Zeichen sicht- und spürbar werden.

Natürlich löst ein tödliches Virus, das unmittelbar jeden befallen kann, grössere Ängste aus als z.B. die Folgen des Klimawandels. Und natürlich stehen Politiker stärker unter Handlungszwang, wenn die eigene Bevölkerung direkt und unmittelbar bedroht wird, als wenn in X Jahren Dürren und Stürme drohen, deren Ausmass man sich noch nicht einmal annähernd vorstellen kann. Dass wir aber fähig sind zu handeln, Entbehrungen auf uns zu nehmen und Vorschriften zu akzeptieren, die man nur aus Geschichtsbüchern oder von Diktaturen kennt, das ist schon eine erstaunliche Erfahrung.

Nun sollten wir aber aus dem Staunen erwachen und überlegen, wie die viel grösseren Gefahren für die Menschheit sichtbar gemacht werden könnten, so dass vorstellbar wird, was uns droht, wenn wir weiterhin das Sterben der Arten untätig hinnehmen. Wenn wir weitere Jahrzehnte Kohle und Öl verbrennen, Wälder abholzen und unbeschwert durch die Welt jetten. Die Vorstellung dessen, was passiert, wenn die Systeme kippen, ist offenbar bei nur sehr wenigen Menschen vorhanden. Man sagt, über 90% nähmen an, dass das Wetter «lediglich ein bisschen mehr verrückt spielen und das Meer ein paar cm steigen wird…, na und?».

Vergleicht man die Massnahmen gegen die Pandemie mit jenen gegen Artensterben und Klimawandel, so müsste das Verhältnis genau umgekehrt sein. Mit jedem Jahr, das ohne harte Einschnitte vergeht, wird der Aufwand, um künftige Katastrophen zu überleben, grösser. Und zwar exponentiell, so wie beim Virus, wenn es sich ungebremst verbreiten kann. Ich hatte im Frühling schon einmal angeregt, darüber nachzudenken.

Nun will ich aber wie Ende Jahr üblich einen kurzen Rück- und Ausblick zu Delinat geben:

Die Pandemie traf zusammen mit dem 40. Delinat-Geburtstag – ein Zufall, der uns doppelt gefordert hat. Trotz vieler Hindernisse wurden zwei weitere Standorte in München und Romanshorn eröffnet, die natürlich nur auf Sparflamme laufen und auf bessere Zeiten warten. Ganz anders war es beim Versand, der auch infolge geschlossener Restaurants mehr als üblich verschickte. Zum Glück, denn dadurch konnten wir Winzern, die auf Gastro-Weinen sitzen blieben, helfen und in einer «Solidaritätsaktion» 25 zusätzliche Weinsorten absetzen.

Weinshop Romanshorn
Trotz Hindernissen konnte der neue Weinshop in Romanshorn im Dezember eröffnet werden.

Sehr erfolgreich verlief die Einführung der neuen Marke «Rebbel» mit 5 Weinen von resistenten Rebsorten des Thurgauer Weinguts Karin und Roland Lenz. Leider waren die Mengen zu gering, so dass schon drei Monate nach Einführung Schluss war. Da aber immer mehr Delinat-Winzer neue Rebsorten anbauen, werden wir bald über deutlich mehr «PIWIs» verfügen.

Der Ausbau des Mehrweg-Kreislaufs mit Kartonagen und Flaschen in Deutschland blieb infolge der Pandemie weitgehend auf der Strecke. Nur einzelne kleine Tests waren möglich. Der Ausblick hingegen ist gut, denn inzwischen konnten wir eine neue Halle beziehen, in der später die Flaschenwaschanlage untergebracht werden kann. Die Kartonrücknahme in der Schweiz läuft inzwischen hervorragend. Die Kartons gehen bis zu 6 Mal auf die Reise.

Auf unserem Weg zur Klimaneutralität kommen wir Schritt für Schritt voran. Ab 2021 produzieren alle Delinat-Weingüter mindestens 30% der benötigten Energie selbst. Diese Quote wird fortlaufend angehoben, so dass die Betriebe in einigen Jahren energieneutral wirtschaften werden. Parallel dazu bauen wir die Elektrifizierung im Vertrieb aus und binden Flaschen und Verpackungen in ein Mehrwegsystem ein. Ziel ist Klimaneutralität und wo immer möglich Kreislaufwirtschaft.

erneuerbare Energien sind ab 2021 in den Richtlinien verankert.
Die Delinat-Richtlinien schreiben ab 2021 vor, dass mindestens 30% der benötigten Energie eines Weinguts selbst produziert wird.

Eine sehr schöne Erfahrung in diesem Jahr durften wir vor wenigen Wochen erleben, als wir uns der inzwischen normal gewordenen November-Rabattschlacht verweigert hatten und anstelle des Black Friday den Green Friday gefeiert haben. An diesem Tag waren alle Delinat-Produkte 10% teurer als normal. Den Aufpreis haben wir wohltätigen Institutionen gespendet und noch einmal den gleichen Betrag aus eigener Tasche oben drauf gelegt. So erhielten diese beiden Initiativen ein nettes Überraschungsgeschenk:

  • Bienen und Bauern retten, Deutschland: 8 708,84 Euro
  • Initiative für sauberes Trinkwasser, Schweiz: 16 540.80 Franken

Wir haben zwar gehofft, dass unsere Kundinnen und Kunden uns diese unkonventionelle Aktion nicht übel nehmen und ihren Einkauf vielleicht einfach einen Tag später zu normalen Bedingungen durchführen würden. Doch das Gegenteil ist eingetreten – man hat uns gratuliert und erst recht eingekauft. Das Verständnis und die Solidarität hat uns wahnsinnig gefreut und bestätigt, dass viele Menschen genug vom Konsumwahn und zweifelhaften Rabatten haben.

Wie immer gehört unser aufrichtiger Dank Ihnen. Ohne Sie und die vielen anderen Weinfreunde, die Delinat-Wein bevorzugen und damit Genuss und Naturverbundenheit zu verbinden wissen, würden wir scheitern. Es ist schön zu sehen, dass 40 lange Delinat-Jahre eine Gemeinschaft im Denken entstehen liess, die weit mehr bedeutet als der Begriff «Kundentreue» auszudrücken vermag. Vielen Dank, dass Sie ein Teil davon sind!

Auch im Namen des ganzen Teams, aller Delinat-Winzerinnen und Produzenten und natürlich auch und insbesondere der Milliarden von kleinen, kleinsten und grösseren Lebewesen, die im Delinat-Paradies eine Heimat finden, wünsche ich Ihnen alles Gute!

Green Friday: Herzlichen Dank

Die Resonanz auf unsere «Green Friday»-Spendenaktion hat unsere Erwartungen übertroffen. Herzlichen Dank für all die Zuschriften und ermutigenden Worte! Sie bestärken uns, den Weg konsequent weiter zu gehen.

Trotz höheren Verkaufspreisen sind am «grünen Freitag» sogar mehr Bestellungen als üblich eingegangen. Ganz herzlichen Dank für diese grossartige Unterstützung!

Aus dem 10%-Aufpreis ist ein Mehrerlös von 8’270.40 Franken respektive 4’354.42 Euro entstanden. Wie angekündigt werden wir diesen Betrag verdoppeln. Wir freuen uns sehr, nächste Woche im Namen der Delinat-Kundinnen und Kunden folgende Spendenbeträge überweisen zu können:

Schweiz: Initative für Sauberes Trinkwasser CHF 16’540.80

Deutschland «Bienen und Bauern retten!» EUR 8’708.84

Green Friday: Alles 10% teurer!

Am Freitag, 27. November ist es wieder so weit: Tausende Geschäfte und Online-Händler buhlen mit knalliger Werbung und nervös blinkenden Online-Bannern um die Gunst des Schnäppchen-Jägers: Endlich wieder Black Friday! Endlich können wir wieder all die Dinge kaufen, die wir nicht brauchen.

Der Kampf wird in diesem von der Corona-Krise gebeutelten Jahr neue Dimensionen annehmen. Händler überbieten sich mit Preisnachlässen, Schnäppchen und Rabatten, die Logistik wird Rekorde brechen. Dass dabei nicht jedes Schnäppchen auch wirklich eines ist, liegt auf der Hand.

Black Friday ist vor allem aber eines: ein rabenschwarzer Tag für die Umwelt. Allein die Verpackung der Waren macht fast die Hälfte des Mülls aus. Ein Drittel der Waren wird zurück geschickt und zum Teil vernichtet. Was für eine respektlose Vergeudung wertvoller Ressourcen!

Natürlich ist auch Delinat auf Verkaufserfolg angewiesen. Wenn wir weiterhin Weinberge in blühende Paradiese verwandeln wollen, müssen wir möglichst viel verkaufen. Punkt. Dazu ordnen wir uns auch gewissen Markt-Mechanismen unter. Allerdings mit Grenzen und ökologischer Weitsicht.

Deshalb machen wir aus dem Black Friday einen Green Friday. Am Freitag, 27. November bezahlen Sie für jedes Produkt, das Sie bei uns bestellen, 10% mehr.

Ohne Ausnahme. In der Schweiz spenden wir den Erlös aus dem Aufpreis der Initiative für sauberes Trinkwasser. Und legen aus eigener Tasche noch einmal die gleiche Summe hinzu. Die Initiative kommt nächstes Jahr vors Schweizer Volk und hat das Zeug, die Landwirtschaft endlich in eine saubere Zukunft zur führen.

In Deutschland spenden wir den Erlös an die Europäische Bürgerinitiative «Bienen und Bauern retten!», welche sich unter anderem für eine ökologische Landwirtschaft ohne Pestizide und eine konsequente Förderung der Biodiversität einsetzt. Auch hier werden wir den zusätzlichen Erlös aus eigener Tasche verdoppeln.

Wir hoffen, mit dieser Massnahme den schwarzen Freitag zumindest ein wenig nachhaltiger zu machen.

Ab Samstag, 28. November gelten wieder die gewohnten Preise.

-> Zum Webshop

Regenerative Landwirtschaft – die natürliche «Reparaturwerkstatt»

Regenerative Landwirtschaft – schon wieder so ein Begriff, der in Ökokreisen gerade die Runde macht. Was ist darunter zu verstehen? Kurz auf den Punkt gebracht: Regenerative oder aufbauende Landwirtschaft ist nichts anders als eine Reparaturwerkstatt für beeinträchtigte oder zerstörte Kulturflächen. Delinat-Winzerberater Daniel Wyss gibt einen vertieften Einblick ins Thema.

Permakultur, Agroforst, regenerative Landwirtschaft, worin unterscheiden sich diese nachhaltigen Methoden genau?
Daniel Wyss: Permakultur ist umfassend. Es geht darum, natürliche Ökosysteme und Kreisläufe aus der Natur nachzuahmen. Bei der Agroforstwirtschaft werden Elemente des Acker- und Gemüsebaus mit Elementen der Forstwirtschaft kombiniert, etwa mehrjährige (Obst-)Bäume und Sträucher mit einjährigen Nutzpflanzen. Die regenerative Landwirtschaft greift auf Konzepte der Permakultur, der Agrarökologie und des holistischen (ganzheitlichen) Weidemanagements zurück. Es geht darum, den Boden zu regenerieren und ein widerstandsfähiges Anbausystem zu schaffen.

Bäume und Sträucher fördern die ökologische Vernetzung und steigern die Artenvielfalt im Weinberg.
Bäume und Sträucher fördern die ökologische Vernetzung und steigern die Artenvielfalt im Weinberg.

Was kann mit der regenerativen Landwirtschaft konkret bewirkt werden?
Sie kommt dort zur Anwendung, wo Kulturlandflächen durch Menschenhand über Jahrzehnte durch intensive, pestizidunterstützte Bewirtschaftung stark beeinträchtigt oder gar zerstört wurden. In solchen Fällen ist eine nachhaltige, strukturerhaltende Landwirtschaft nicht zielführend. Es geht viel mehr darum, durch gezielte und konsequente Verknüpfung von Faktoren wie Standortklima, Humusaufbau, Biodiversität und Wasserretention die Bodenfruchtbarkeit wieder herzustellen oder zu verbessern. Ziel ist ein pestizidfreies, effizientes und resilientes Anbausystem mit geschlossen Stoffkreisläufen.

Eine vielfältige Begrünung zwischen den Rebzeilen bietet nicht nur Nahrung für Insekten, sondern baut auch Humus auf und fördert ein gesundes Bodenleben.
Eine vielfältige Begrünung zwischen den Rebzeilen bietet nicht nur Nahrung für Insekten, sondern baut auch Humus auf und fördert ein gesundes Bodenleben.

Weshalb ist die regenerative Landwirtschaft ein grosse Chance für den Weinbau?
Viele Rebflächen Europas sind durch die bisherige Art der Bewirtschaftung und die klimabedingten Wetterextreme beeinträchtigt. Die regenerative Landwirtschaft baut Humus auf und verbessert die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens. Letztlich ist sie ein Anbausystem, das sich durch hohe Widerstandskraft gegenüber klimatischen Extremsituationen, rasche Regenerierfähigkeit und hohe Pflanzengesundheit auszeichnet.

Welche Massnahmen kommen im Weinbau zur Anwendung?
Durch Einsaaten von vielfältigen Pflanzenmischungen, Zufuhr von Kompost oder Mulch sowie eine möglichst zurückhaltende und nur oberflächliche Bodenbearbeitung wird Humus aufgebaut und der Boden regeneriert. Dabei helfen auch weidende Schafe in den Rebflächen und das Pflanzen von Bäumen und Sträuchern.

Schafe weiden in den begrünten Weinbergen und helfen dabei beim Humusaufbau.
Schafe weiden in den begrünten Weinbergen und helfen dabei beim Humusaufbau.

Auf verschiedenen Delinat-Weingütern ist die regenerative Landwirtschaft schon länger ein Thema. Wie sind die Erfahrungen?
Besonders eindrücklich ist das Beispiel unseres Partnerweingutes Vale de Camelos im Alentejo. In der Kornkammer Portugals ist die Bodenfruchtbarkeit auf riesigen Flächen durch eine jahrzehntelange intensive Getreidewirtschaft mit massivem Pestizideinsatz stark dezimiert worden. Als die Adega Vale de Camelos um die Jahrtausendwende begann, auf solchen Böden Reben zu pflanzen, versprach nur eine regenerative Landwirtschaft Aussicht auf Erfolg. Mittels Förderung der Biodiversität durch grossflächige Aufforstungen mit einheimischen Bäumen und Sträuchern, einer holistischen Weidewirtschaft mit Schafen, der Anlage von grossen Regenwasserseen und einem gezielten Humusaufbau gelang es, einen zunehmend in sich selber funktionierenden ökologischen Kreislauf anzustossen. Durch die im Alentejo ausgeprägten Extreme des Klimawandels (Hitze, Trockenheit, Starkregen), wurde es zu einer ganz besonderen Herausforderung. Aber es hat funktioniert.

Wasser-Management hat in der Permakultur einen hohen Stellenwert: Das Regenwasser wird während den regnerischen Monaten gesammelt und vermindert im Sommer den Trockenstress der Reben.
Wasser-Management hat in der Permakultur einen hohen Stellenwert: Das Regenwasser wird während der regnerischen Monate gesammelt und vermindert im Sommer den Trockenstress der Reben.

Gibt es andere gelungene Beispiele?
Ja. Auf unserem eigenen Weingut Château Duvivier in der Provence konnten die durch lange Trockenperioden bedingten Ernterückgänge dank Massnahmen aus dem Bereich der regenerativen Landwirtschaft gestoppt werden. Und auf dem Weingut Pago Casa Gran in der Region Valencia gelang es, eine während Jahren versiegte Quelle wieder sprudeln zu lassen.

Wein & Schokolade – Empfehlungen der Delinat-Kursleiterin im ZDF-Fernsehgarten

Die Anfrage aus der ZDF-Fernsehgarten-Redaktion kam überraschend. Man sei bei Recherchen im Internet auf einen Artikel gestossen, in dem ich über Wein-und Schokolade-Degustationen spreche, und man würde mich gerne als Expertin zu diesem Thema in die Livesendung auf dem Mainzer Lerchenberg einladen.

Delinat-Kursleiterin Dorit Schmitt gibt im ZDF-Fernsehgarten Wein & Schokolade Empfehlungen.
© Dorit Schmitt, private Aufnahmen

Der Sendetermin war für den 23. August geplant, und ich schlug eine Sommeredition Wein & Schokolade vor, mit dem Fokus auf Sommerweinen. Zu diesen wählte ich anschliessend die passenden Schokoladen aus. Und danach begann der spannende Teil, mich für einen Live-Auftritt im Fernsehen vorzubereiten, wohl wissend, dass über eine Million Zuschauer vor dem TV-Gerät sitzen würden. Die fachliche Expertise meinerseits machte mir dabei keine Sorgen, eher die Frage, die wohl jede Frau umtreibt: Was ziehe ich bloss an?! Ein paar Outfits später war auch dieses «Problem» gelöst.

Von den sechs Weinen und Schokoladen wurden drei ausgewählt, die eine grosse Bandbreite abdeckten: ein Crémant zu weisser Schokolade mit roten Früchten, ein Riesling zu einer Vollmilchschokolade mit Zitrusfrüchten und Meersalz und ein Rosé zu einer bolivianischen Wildpflückung mit 70% Cacao. Eine Cuvée aus Gewürztraminer und Moscatel fand aus Zeitmangel leider keine Platz mehr in der Sendung. Wie die Degustation vor laufender Kamera schliesslich ablief, kann im Video angeschaut werden.

Die Delinat-Wein & Schokolade-Paarungen

Drei spannende Kombinationen von Wein & Schokolade wurden ausprobiert.
© Dorit Schmitt, private Aufnahmen

Crémant de Limoux, Delmas Cuvée des Sacres Brut aus Frankreich & weisse Schokolade mit roten Früchten (Cranberries, Erdbeeren, Preiselbeeren)

Gewürztraminer-Cuvée Viña Lopis aus Valencia & weisse Schokolade mit Rosen

Rosé aus Valencia, Pago Casa Gran Brisamar rosado & Zartbitterschokolade (70%), Wildpflückung aus Bolivien
(Hinweis: Der Pago Casa Gran Brismar rosado ist aktuell nicht verfügbar, als Alternative empfehlen wir Ihnen den Cantarana von Albet i Noya)

Alle, die neugierig geworden sind, wann Wein & Schokolade im Zusammenspiel harmoniert, können sich bereits zu den Delinat-Kursterminen im Herbst anmelden. Die Wein & Schokolade-Tour führt mich dieses Mal nach: Köln, Braunschweig, Bremen, Berlin, Hamburg, Stuttgart, Nürnberg, Frankfurt sowie nach Zürich, St. Gallen, Bern, Basel und Olten.


Die Wein & Schokolade-Expertin
Dorit Schmitt wurde 1968 in Neumarkt in der Oberpfalz geboren. Heute lebt sie in der Nähe von Karlsruhe. Nach dem Abschluss des Studiums zur Diplom- Kommunikationsdesignerin arbeitet sie seit 1997 bis auf wenige Ausnahmen als selbstständige Unternehmerin. 2006 verschrieb sie sich beruflich komplett dem Genuss, wobei sie sich zuerst auf die Kombination von edlen Weinen und feiner Schokolade spezialisierte. 2006 genoss sie an der Weinakademie Krems eine sensorische Ausbildung. 2007 eröffnete sie in ihrer Heimatstadt Neumarkt das Feinkostgeschäft CHATEAU et CHOCOLAT, das sie 2011 aus privaten Gründen wieder aufgab. Heute gibt sie das Onlinemagazin «Aromenspiele» heraus und arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin, Bloggerin und Sommelière.

Der Klimawandel und die Weinlese 2020

In weiten Teilen Europas ist die Weinlese in vollem Gange. Nicht überall wirkt sich der Klimawandel gleich aus. Während in südlichen Region höhere Temperaturen zu deutlich früherem Erntebeginn führten, ist dies in nördlichen Regionen diesmal weniger der Fall. Wetterextreme wie Dürre oder Starkregen hielten sich 2020 bisher fast überall in Grenzen. Allgemein können Delinat-Winzer eine gute Traubenqualität bei eher unterdurchschnittlicher Menge einfahren.

Weinlese 2020

Spanien

Bei den Winzern in Spanien dominiert dieses Jahr ein Thema: Wasser und die damit verbundenen Folgen. «Im Norden haben regelmässige Niederschläge und erhöhte Temperaturen zu einem noch nie dagewesenen Krankheitsdruck geführt», sagt Raúl Ripa von der Bodega Quaderna Via in der Navarra.

Katalonien ist besonders stark vom Falschen Mehltau betroffen. Auf der Bodega Albet i Noya rechnet man mit Ernteausfällen zwischen 20 und 40 Prozent.

Gute Ernte auf dem Weingut Pago Casa Gran
Dank langjährigen Investitionen ins Wassermanagment konnten die Reben auf dem Weingut Pago Casa Gran auch während längeren Trockperioden auf genügend Wasserreserven zugreifen.

Carlos Laso vom Weingut Pago Casa Gran in Valencia war letztes Jahr stark von Wetterextremen (Frost, Starkregen, Dürre) betroffen. Damals zeigte sich, wie wichtig es in trockenen Gebieten ist, Wasser zurückhalten zu können, wenn es in grossen Mengen vom Himmel fällt. Durch umfassende Permakulturmassnahmen gelingt es Carlos heute, den Reben auch in grossen Trockenperioden jederzeit genügend Wasser zuzuführen, so dass eine optimale Traubenreife möglich ist. Heuer blieb er von Wetterxtremen mehr oder weniger verschont und kann zu einem normalen Zeitpunkt ernten. In südlichen Regionen Spaniens wurde heuer dagegen rund zehn Tage früher als üblich mit der Lese begonnen.

Frankreich

Weinlese auf der Domaine Lignères
Auf der Domaine Lignères ist die Ernte bereits in vollem Gange.

Das ist auch bei Jean und Anne Lignères in den Corbières (Südfrankreich) der Fall. Hier wird seit dem 24. August von Hand gelesen. Damit sind sie gegenüber anderen Winzer der Region um rund zehn Tage im Vorsprung. «Wir wollen frisches Traubengut mit weniger Alkohol ernten», begründet Jean Lignères. Weil die Trauben dank Biodynamik und anhaltender warmen Temperaturen ohne Wetterextreme schon früh optimal gereift sind, fällt die Ernte diesmal früher aus.

Italien

Gute Traubenqualität in Süditalien
Gute Traubenqualität trotz früher Ernte auf der Masseria Falvo.

Rund zehn Tage früherer Erntebeginn und eine gute Traubenqualität melden auch unsere Winzer aus Süditalien. «Wir begannen mit der Ernte nach Mitte August, sind also sehr früh dran, aber die Qualität stimmt», sagt Ermanno Falvo von der Masseria Falvo in Kalabrien. Die frühe Ernte ist auf drohenden Trockenstress zurückzuführen, der laut Ermanno klimabedingt ist. «Wir denken deshalb darüber nach, in Notbewässerungssysteme und in die Rodung und Neubepflanzung von Weinbergen mit dürreresistenteren Reben zu investieren.»

Noch weiter südlich, auf Sizilien, begann die Ernte auf dem Weingut Maggio bereits am 10. August, was laut Massimo Maggio aber nicht aussergewöhnlich ist. «Wir hatten keinen sehr heissen Sommer und nur einen Starkregen kurz vor Erntebeginn, sodass wir schöne und gesunde Trauben mit guter Weinperspektive ernten können.»

Im nördlichen Italien war der Sommer eher kühl. Von Klimawandel war hier in diesem Jahr wenig zu spüren, so dass der Erntebeginn im langjährigen Durchschnitt liegt. «Der Ertnezeitpunkt wird heuer weder durch atmosphärische Ereignisse noch durch den Klimawandel beeinflusst. Wir werden wie üblich Mitte September beginnen und die Ernte nach drei bis vier Wochen abschliessen», sagt Alberto Brini vom Weingut Il Conventino in der Toskana.

Auf der Azienda Poggio Ridente startet bald die Ernte der roten Trauben
Winzerin Cecilia Zucca zeigt sich erfreut sich ob der diesjährigen Traubenqualität.

Auf der Azienda Poggio Ridente im Piemont zeigt sich ein ähnliches Bild: «Die roten Trauben werden wir etwas früher ernten, aber nicht viel. Wir beginnen etwa ab 10. September», verrät Cecilia Zucca. Gleichwohl hat die Lese hier bereits am 17. August begonnen, denn für den Rosé müssen die Pinot-Nero-Trauben gelesen werden, bevor sie voll ausgereift sind.

Deutschland

Ein gutes Weinjahr für Tobias und Ellen Zimmer auf dem Weingut Hirschhof
Die Ernte auf dem Weingut von Tobias und Ellen Zimmer hat bereits Ende August begonnen.

Noch weiter nördlich ist der Klimawandel bei Delinat-Winzer diesmal ebenfall kaum ein Thema. «Ein sehr gut verlaufener Sommer ohne Wetterextreme wie Hitze, Trockenheit oder Starkregen», bilanziert Tobias Zimmer vom Weingut Hirschhof in Rheinhessen. Die Ernte begann am 27. August und damit eine gute Woche früher als im Durchschnitt. Grund dafür: milder Winter, früher Austrieb, harmonische Vegetationsperiode. Auf dem Hirschof wird sich die Ernte aber noch hinziehen. Tobias Zimmer: «Spätsorten wie Riesling und Spätburgunder benötigen noch Zeit.»

Österreich

Erst Mitte September und somit zu einem «normalen Zeitpunkt» beginnen Kathi und Daniel Bauer vom Weingut Bauer-Pöltl im österreichischen Mittelburgenland mit der Weinlese. Daniel Bauer: «2020 wird ein normaler Jahrgang, eher auf der trockenen Seite, aber ohne Hitze- oder Trockenstress. Beschatten der Traubenzone war dieses Jahr nicht notwendig, da weder zu heiss noch zu intensive Sonneneinstrahlung.»

Schweiz

Bio-Winzer Roland Lenz spricht von einem erfreulichen Weinjahr
Auf dem Weingut von Roland Lenz begann die Traubenernte Ende August.

Von einem «sehr erfreulichen Weinjahr» spricht Roland Lenz vom grössten Schweizer Bioweingut. Die befürchtete Trockenheit analog Vorjahr blieb aus, Ende August konnte mit der Ernte von gesundem Traubengut bei etwas geringerem Behang begonnen werden.

Wie Carlos Laso dem Klimawandel dank Permakultur trotzt

Es war vor ziemlich genau vier Jahren, als ich Carlos Laso bei einem Beraterbesuch auf seinem Weingut Pago Casa Gran im Hinterland von Valencia ein Bewässerungskonzept nach dem Konzept der Permakultur präsentiert habe. Carlos spürte in seinen Weinbergen schon damals die Auswirkungen des Klimawandels deutlich: Entweder herrschte während ausgedehnten Trockenperioden Wassermangel, was zu grossem Stress bei den Reben führte, oder es fiel sintflutartig Regen, der zu Überschwemmungen und Erosion im Weinberg führte.

Permakultur und Wassermanagment

Planung des ersten Retentionsbecken nach den Prinzipien der Permakultur.
Das Beobachten und Planen sind zwei zentrale Aspekte der Permakultur. Delinat-Winzerberater Daniel Wyss (Mitte) unterstützt Carlos Laso (rechts) bei der Umsetzung des Wassermanagements.

Carlos Laso ist ein innovativer Winzer mit einer unglaublichen Offenheit für neue Ideen. Innert kürzester Zeit setzte er das vorgeschlagene Bewässerungskonzept nach den Prinzipien der Permakultur um, legte Teiche und Versickerungsgräben an, die das Regenwasser speichern und dann nach und nach an die Reben abgeben. Das Ganze schien bestens zu funktionieren, bis sich im Herbst 2019 das spanische Wetterphänomen «La Gota Fría» über seinen Reben entlud: Sintflutartige Regenfälle, wie sie in den letzten drei Jahrzehnten nie vorgekommen waren, überfluteten die neu geschaffenen Rückhaltebecken, füllten sie mit Sedimenten und beschädigten sie teilweise erheblich. Carlos liess alles wieder instand stellen und hob weitere Becken und Gräben aus. Kaum war alles wieder im Lot, folgte im Januar dieses Jahres bereits der nächste Härtetest. Sturm Gloria, unüblich für diese Jahreszeit, füllte wiederum alle Becken. Dieses mal ohne Beschädigungen.

Retentionsbecken verhindern den Trockenheitsstress auf dem Weingut Pago Casa Gran
Verschiedene Retentionsbecken helfen dabei, dass Wasser langfristig auf dem Gelände zu speichern.

In Sommer dann eine freudige Überraschung: Eine Grundwasserquelle, die auf dem Familienbetrieb bis in die 1960er Jahre intakt war, dann aber versiegte, sprudelt jetzt wieder. Für Carlos ist klar, dass das Grundwasserreservoir einerseits durch die in den letzten Jahren ausgehobenen Retentionsbecken und Gräben sowie durch die ausgiebigen Regenfälle in diesem Frühjahr aufgefüllt wurde. Selbst jetzt im Hochsommer sprudelt noch Wasser aus der alten Quelle. Motiviert durch diesen Erfolg, treibt Carlos den Ausbau der Permakultur-Massnahmen immer weiter. Er verfügt jetzt über total neun Teiche, der grösste misst 30 x 60 m.

Üppige Vegetation dank Permakultur-Massnahmen
Die üppige Vegetation in den Weinbergen von Pago Casa Gran beweist, dass nicht nur die Reben von den den angelegten Retentionsbecken profitieren.

Das Beispiel von Pago Casa Gran zeigt, wie wichtig es ist, Wasser dann zurückzuhalten, wenn es verfügbar ist. Die Verfügbarkeit von Wasser in trockenen Regionen ist essenziell für die optimale Reifung der Trauben. Bei zu grossem Trockenstress zeigen sich überreife Aromen, zu tiefe Säurewerte und unreife Tannine. Kann kein Wasser zugeführt werden, bleibt oft nur die vorzeitige Ernte noch nicht optimal reifer Trauben. Die Verfügbarkeit von Wasser ist aber auch im Frühjahr von grosser Bedeutung für die gesamte Entwicklung der Rebe während des Vegetationszyklus.

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