Auf gutem Weg. Und noch viel zu tun.

Dankbar blicken wir auf ein arbeitsreiches Jahr zurück. 

Wir haben es geschafft, die Versandlogistik wieder in die eigenen Hände zu nehmen mit dem Ziel, den Kartonmüll zu reduzieren und die Lieferung ökologischer zu gestalten. Wir wussten, dass der Umzug, das Einrichten des Lagers und vor allem die Inbetriebnahme der neuen Prozesse eine grosse Herausforderung bedeutet. 

Der Kraftakt gelang. Aber natürlich nicht ohne Schwierigkeiten und Pannen. Besonders in den ersten Monaten des Jahres lief nicht alles rund. Sollten Sie das zu spüren bekommen haben, so bitten wir um Entschuldigung. Herzlichen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Geduld!

Schon jetzt kommen in der Schweiz über die Hälfte der robusten Versandkartons zur Wiederverwendung zurück. Langfristig streben wir 80% an. In Deutschland hat sich das System mit der DHL-Rückbox nicht bewährt. Wir suchen nach Alternativen und hoffen, bis Frühling ein Sammelsystem anbieten zu können. Bitte bewahren Sie die Kartons so lange auf. Vielen Dank, dass Sie diesen Kreislauf unterstützen. Und dass Sie Versandkartons mit Gebrauchsspuren tolerieren, das ist heute leider nicht selbstverständlich. 

Es freut mich, dass wir im 2019 unseren Kunden noch ein gutes Stück «näher gekommen» sind: In diesem Jahr haben nämlich über 2‘000 Weinfreunde einen unserer 150 Weinkurse besucht, ein neuer Rekord. Sie fanden in 30 Städten quer durch Deutschland und die Schweiz statt. Diesen Winter haben wir in Hamburg ausserdem unseren ersten Standort in Deutschland eröffnet. Im Frühling wird in München ein neuer Verkaufspunkt entstehen. Delinat-Kundinnen und -Kunden mögen den persönlichen Austausch, daher werden wir weitere Treffpunkte anstreben.

Vinya Laia, einer der beliebtesten Delinat-Weine, begeistert seit 20 Jahren seine Fans. Josep Maria Albet i Noya hat die Parzellen über all die Jahre mit zusätzlichen Bäumen, Hecken und Trockenmauern angereichert und seine langjährige Önologin Marga Torres, deren Tochter Laia Namensgeberin war, hat «ihren Wein» zum persönlichen Spitzenprodukt gemacht. Dadurch, aber auch durch das Alter der Reben, ist der Wein heute deutlich komplexer und tiefgründiger. Das Jubiläumspaket, bei dem man zu 12 bestellten Flaschen eine Magnum geschenkt bekommt, war innerhalb weniger Wochen ausverkauft. Wer leer ausging, bekommt im Februar den neuen Jahrgang, natürlich zu denselben Konditionen. Vinya Laia ist wahrscheinlich der erfolgreichste Biowein weltweit und auch dafür sind wir Ihnen und allen treuen Kundinnen und Kunden sehr dankbar!

In Extremsituationen zeigt sich die Wichtigkeit und Auswirkung der Delinat-Methode besonders deutlich. Mindestens zwei Winzern haben die Permakultur-Massnahmen in diesem Jahr entscheidend geholfen: Bei Pago Casa Gran in Südspanien wäre ohne diese Arbeiten wohl ein Grossteil der Reben von Starkregen weggeschwemmt worden. Dasselbe auf Château Duvivier in der Provence. Während die Schäden rundherum enorm sind, haben diese Weingüter das Wasser zurückhalten und einsickern lassen können. Ein wertvoller Schatz – denn die nächste Trockenperiode wird nicht lange auf sich warten lassen.

2021 treten unsere Energie-Anforderungen in Kraft. Dann müssen unsere Winzer mindestens 30% ihres Energiebedarfs selbst produzieren. Die meisten erzeugen den Strom mit Photovoltaik, oft deutlich über dem Minimum. Das aber ist erst der Anfang. Wir streben eine klimaneutrale Weinproduktion an. Dazu gehören ausser einer energieeffizienten Produktion auch Lösungen in Verpackung, Transport, Entsorgung usw. Die grösste Herausforderung wird sein, die Glasproduktion klimaneutral zu gestalten. Denn die Flaschenherstellung verschlingt hinter der Weinproduktion am meisten Energie. Am besten wäre, die Flaschen mehrmals zu nutzen. Das ist ein hehres Ziel, das uns noch ganz schön beschäftigen wird. Bis dahin verwenden wir vorzugsweise Leichtglas. Man glaubt es kaum – manche Weinflaschen wiegen glatt das Doppelte von anderen und dies ohne praktischen Nutzen.

Dann noch dies – ich kann es selbst kaum glauben: Delinat wird 40. Dass wir den Trend zum nachhaltigen Weinbau in Europa massgebend beeinflussen konnten, erfüllt mich mit Freude. Doch leider ist es nichts zu dem, was notwendig wäre, um die sich abzeichnenden Katastrophen zu vermeiden. Das stimmt mich traurig und ich bin sehr dankbar, dass mich meine Tochter mit ihrer jugendlichen Frische inzwischen tatkräftig unterstützt und meine trüben Gedanken zu vertreiben weiss. Doch auch sie ist sich bewusst, dass beherztes Handeln notwendig ist und wir nicht auf die Politik zählen dürfen, wenn wir die grossen Probleme lösen wollen.

Sie, liebe Kundin, lieber Kunde, haben bewiesen, dass Sie verstanden haben und Ihr Handeln konsequent ausrichten. Denn sonst würden Sie sich nicht für unsere Produkte interessieren. Dafür, dass Sie Delinat wählen, danken wir Ihnen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben auch im Namen unseres Teams und unserer Winzer und Imker/innen alles Gute im neuen Jahr und viele schöne Stunden mit Delinat-Weinen aus reicher Natur.

Alle fürs Klima

Die Jungen gehen auf die Strasse, verteidigen ihr Recht auf eine Zukunft. Und bringen damit Bewegung in Politik und Gesellschaft. Es ist ganz erstaunlich, was die Schulstreiks bewirken. Die Klimakrise ist in den Medien präsent wie nie – und doch ist es nicht genug. 

Ein bisschen wie diese engagierten Jugendlichen haben wir uns in all den Jahren gefühlt, in denen wir gegen Pestizide, aber auch gegen unsinnige Gesetze gekämpft haben. Man fühlt sich so machtlos. Wir verstehen die Demonstrierenden. Und wir unterstützen ihr Anliegen: Unsere Mitarbeiter/innen, die an Demos fürs Klima teilnehmen wollen, dürfen das in ihrer Arbeitszeit tun.

Wir hoffen, dass sich der Druck der Strasse auf die Klimapolitik auswirkt. Der Klimawandel ist real, wir erleben ihn hautnah. Alle Delinat-Winzer sind betroffen, Dürren und Extremwetter nehmen zu, von Portugal bis zur Mosel, von Bordeaux bis ins Burgenland. Und es bleibt nicht mehr viel Zeit.

Ganz erfreulich ist, dass nachhaltige Lösungen möglich und auch wirtschaftlich sind – das beweisen unsere Winzer auf eindrückliche Weise. Man muss nur wollen und ein bisschen Mut aufbringen. Es reicht allerdings nicht, wenn wir unser privates Konsumverhalten ändern: Auch auf wirtschaftlicher und politischer Ebene muss etwas passieren.

Wenn auch Sie zu den Demonstrierenden gehören, dann danken wir für Ihr Engagement. Wenn Sie die Schulstreiks nicht gutheissen, dann fragen wir Sie: Wie können wir noch das Ruder herumreissen und unseren Planeten retten? Vielen Dank für Ihre Kommentare unten.

Die Jungen vernetzen sich in den Sozialen Medien. Falls Sie dort unterwegs sind: Unter Hashtag #AllefürsKlima finden Sie Aktionen an Ihrem Wohnort – und unter #wine4future unsere Beiträge für Klimaschutz im Weinbau.

Lebensraum für Wildbienen

In Deutschland verfolgt der Bund für Umwelt und Naturschutz (kurz: BUND) Ziele des Natur- und Umweltschutzes, des Biodiversitäts- und Klimaschutzes sowie des Tier- und Landschaftsschutzes im Sinne einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Entwicklung. Der BUND Landesverband Rheinland-Pfalz e. V. hat für das Projekt «Blühendes Rheinhessen – Wein, Weizen, Wildbienen» Modellpartner gesucht, die bereit sind, die Artenvielfalt und die Lebensbedingungen für Wildbienen in der Agrarlandschaft Rheinhessens aufzuwerten. Denn Wildbienen sind für die biologische Vielfalt unerlässlich. Ohne die Bestäubungsleistung von Wildbienen und anderen Insekten müssten wir Menschen auf etliche Obst- und Gemüsesorten verzichten.

Weingut Hirschhof: Modellpartner für Biodiversität

«Wir haben uns als Modellpartner für dieses Projekt beworben, weil wir hoch motiviert sind, noch mehr zur biologischen Vielfalt in unseren Weinbergen beizutragen», sagt Hirschhof-Winzer Tobias Zimmer.

Neben der Liebe zur Natur steckt da durchaus auch Eigennutz dahinter. Tobias Zimmer: «Für die Produktion von gesunden, qualitativ hochwertigen Trauben sind wir auf ein gesundes Ökosystem angewiesen. Ausserdem führen Vielfalt und ein ökologisches Gleichgewicht erwiesenermassen auch zu verringertem Schädlingsdruck.»

Den Projektverantwortlichen ist es nach einer Begehung der Weinberge leicht gefallen, das Weingut Hirschhof als Modellpartner auszuwählen. Die fünf Spezialisten für Wildbienen und Kräuterkunde konnten einen Vormittag lang bei strahlendem Sonnenschein eine bereits reich vorhandene Pflanzen- und Tierwelt erfassen.

Fotos: Ursula Gönner

Gesichtet wurden gegen 80 Pflanzenarten, sechs verschiedene Arten von Wildbienen, 16 Arten Falter und 14 Arten andere Lebewesen – vom Marienkäfer über Heuschrecken bis zum Rotmilan.

Beeindruckende Artenvielfalt

«Es ist wirklich sehr beeindruckend, was es auf den Flächen des Hirschhofs schon alles gibt», lobte Projektleiterin Dr. Tatjana Schneckenburger. Dass die natürliche Vielfalt auf dem Hirschhof einen hohen Stellenwert hat, ist auch der langjährigen Zusammenarbeit mit Delinat geschuldet. Die Delinat-Richtlinien verlangen explizit eine Förderung der Biodiversität.

Weitere Massnahmen, die im Herbst 2019 beginnen, sollen diese Vielfalt nun noch erhöhen. Die Anlage zusätzlicher Blühstreifen, Untersaaten und Retentionsflächen sollen die Verfügbarkeit von Nahrung, Nistmaterial und Lebensraum für Wildbienen weiter verbessern.

«Alle Massnahmen werden gemeinsam mit den Experten vom BUND geplant. Es erfolgt eine wissenschaftliche Begleitung vor und nach den Massnahmen, um den Effekt auf die Wildbienen zu messen», erklärt Tobias Zimmer.

Zu Besuch im Tal der Kamele

Weingut Vale de Camelos mit Stausee «Monte»

Von Antje Kreikenbaum, Vale de Camelos. Klimawandel, Wassermangel und Dürre sind im Alentejo in Portugal keine düstere Zukunftsvision mehr, sie sind bereits Gegenwart. Sie gehören zu den drängenden Problemen mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, wenn wir Weinbau und Landwirtschaft in unserem «Tal der Kamele» betreiben wollen.

Klimawandel ist Gegenwart

Dies stellt uns vor Herausforderungen, denen wir in vielfältiger Weise begegnen. Wir, das ist ein deutsch-portugiesisches Team, das eng zusammenarbeitet: eine Agrar-Ingenieurin, zwei Önologen, acht feste MitarbeiterInnen für die tägliche Farmarbeit – und wir, die ganze Familie Kreikenbaum (Antje, Thorsten und Jannes ). Gemeinsam sind wir im ständigen kreativen Austausch und versuchen, das Beste aus den vorhanden Gegebenheiten zu machen.

Aussaaten im Frühjahr mit Solarzellen. Es wird mehr Strom produziert als verbraucht.

Die Schaffung von Wasser-Retentionsflächen in Verbindung mit Keyline-Management ist dabei vielleicht der wichtigste Baustein. Wir haben im Laufe der letzten 35 Jahre fünf grosse Stauseen angelegt bzw. erweitert, die als Wasserreservoirs für das sonst ungenutzt ablaufende Winter-Regenwasser dienen. Regelmässig kommt es in den Hitzemonaten Juni bis September zu vollkommener Trockenheit bei Temperaturen bis zu 50°C. Deshalb wird das Wasser zur Bewässerung von Oliven und Wein in diesen Trockenzeiten benötigt.

Stauseen versorgen die Pflanzen und Tiere mit Wasser

Die Wasserflächen bilden zudem reichhaltige Biotope im sonst völlig ausgetrockneten Umland. Jedes Jahr versammeln sich an den Stauseen von Vale de Camelos bis zu 1500 Kraniche und andere Zugvögel im Winterquartier. Andere Vogelarten wie z.B. den fast ausgestorbenen Grosstrappen bieten die Seen und die daraus entstandenen Rückzugsgebiete eine Heimat, so dass sich auf dem Gebiet von Vale de Camelos mittlerweile verschiedene Vogelschutzzonen und Naturschutzgebiete wie das NATURA 2000-Gebiet überlappen.

See im Morgenlicht

Ohne unsere Stauseen wäre ein Weinbau kaum möglich. Daher sind die Seen auch Namensgeber für einige unserer Weine, die Sie bei Delinat beziehen können: Der Rotwein Vale de Camelos Organim Tinto erhält seinen Namen vom Stausee Organim, der inmitten unserer Johannisbrot- , Korkeichen und Olivenanpflanzungen liegt. Unsere Solaranlagen produzieren dort Strom für eine nachhaltige Energieversorgung. Ihm ist eine fruchtige, gehaltvolle Cuvée aus Touriga Nacional, Aragonez und Syrah gewidmet.

Permakultur und Biodiversität

Permakultur und Biodiversität sind für diese Wirtschaftsweise die grundlegenden Stichworte. Ehemalige ausgetrocknete Getreideflächen wurden von uns mit autochthonen Gehölzen bepflanzt, z.B. Johannisbrotbäume, Steineichen, Pinien, Korkeichen, Oliven. So wurden im Laufe der Jahre mehr als 600 Hektar neue Waldflächen geschaffen.

Reiche Biodiversität im Weinberg

Ein weiterer Baustein, mit dem wir uns dem Klimawandel entgegen stellen, ist die Aufforstung, Anpflanzung und Aussaat autochthoner Pflanzenarten. Lebendige Böden sind eine Heimat nicht nur für Trauben und Oliven, sondern auch für Blumen, Gräser, Kräuter, Schmetterlinge, Vögel, Insekten, Reptilien und unzählige Bodenlebewesen. Da die Gesamtfläche der Farm sich über 1000 Hektar (davon ca. 30 Hektar Weinanbau) erstreckt, hat sich im Laufe der Jahre eine grüne Oase inmitten der durch den Getreideanbau der 70iger Jahre ausgebeuteten Landschaft gebildet.

Aufforstung verbessert den Wasserhaushalt

Wir forsten nach wie vor weitere Flächen auf, die letzte Neupflanzung von 33 Hektar Korkeichen und Pinien ist im Jahr 2016 fertig gestellt worden. Begrünung und Bewaldung bilden organische Materie und verbessern den Wasserhaushalt des Bodens (Melioration). So können extreme Hitzegrade abgepuffert werden. Durch diese Massnahmen hat sich das Mikroklima und die Biodiversität in den letzten Jahren nachhaltig und nachweislich verändert.

Flamingos über dem Stausee – die Farm ist Vogelschutzgebiet

Neue Anpflanzungen werden nach den Grundsätzen der Permakultur angepflanzt. Der Boden wird vorbereitet, indem wir unseren sorgfältig vorbereiteten Kompost einbringen, den wir über die Jahre vor allem aus Schafsdung unser eigener Schafe, eigenem Grünschnitt und Humus aus Ausbaggerung unserer Seen gewonnen haben.

Wo immer möglich arbeiten wir nach dem Prinzip des «Keyline Management» , einem Grundsatz der Permakultur. Vereinfacht gesagt, wird hierbei der Topografie des Bodens gefolgt, um möglichst alles Wasser im Boden und auf dem Gelände zu halten. So wird der Wasserverbrauch minimiert und bei Regen das Wasser direkt den Pflanzen verfügbar gemacht.

Schafe für nachhaltige Bewirtschaftung

In Vale de Camelos weiden ca. 1200 Merino-Schafe. Die Schafe bilden einen wertvollen Bestandteil der nachhaltigen Bewirtschaftung. Sie weiden in den verschiedenen Anbauflächen und sorgen so für eine natürliche Düngung, Durchlüftung des Bodens und Eindämmung von Unkraut, die so nicht maschinell gemacht werden muss. Zudem wird der Schafsdung der gepferchten Schafe gesammelt und kompostiert. Der Kompost wird wiederum zur Bodenverbesserung eingesetzt.

Schafe unter den Korkeichen

Die Farm wirkt mittlerweile als Modell für internationale Forschung. Regelmäßig bekommen wir Besuch von Studenten- und Dozentengruppen, die unsere Weinberge besichtigten. Sie sind beeindruckt von den Biodiversitäts-Projekten, den neuen Anpflanzungen und den verschiedenen Massnahmen zur Wasserrückhaltung im Boden.

Auf der Farm haben wir schon heute mit Problemen des Klimawandels zu kämpfen. Die Desertifikation der Landschaft wird auch in anderen Ländern in Zukunft zum Problem werden, auch in der Schweiz und in Deutschland wurde das in den heissen Sommermonaten 2018 spürbar.

Helena Manuel, Betriebsleiterin (links) und Marta Pereira, Önologin engagieren sich für eine reichhaltige Biodiversität – und authentische Weine mit Terroircharakter

Wir konnten zeigen, wie unsere Massnahmen helfen, sich dieser Entwicklung entgegen zu stemmen. Die Humusschicht hat sich in den letzten Jahren nachweisbar erhöht, die Wasserstände fallen nicht mehr so dramatisch wie noch vor den Anpflanzungen nach den Grundprinzipien der Permakultur. Die Pflanzen sind insgesamt gesünder, besser mit Wasser aus dem Boden versorgt und resistenter gegen Schädlinge.

Weinreisen und Winzerberatung

Die Delinat-Winzerberater stehen uns bei unserer Arbeit mit Rat und Tat zur Seite und besuchen uns regelmässig, um die anstehenden Aufgaben zu besprechen und sich über neue Erkenntnisse auszutauschen. Auch die anderen Delinat-Winzer beim Winzerseminar und die Gäste der Delinat-Weinreisen sind willkommene Besucher, die sich bei uns über unsere Wirtschaftsweise informieren.

Delinat-Weinreisen zu Besuch: Degustation und lokale Spezialitäten auf der Terrasse (links im Vordergrund Emil Hauser, Einkäufer bei Delinat)

Natürlich soll bei aller Auseinandersetzung mit den Problemen des Klimawandels der Genuss und die Lebensfreude nicht zu kurz kommen. Der Blick in den Weinberg von der kühlen Terrasse mit einem Gläschen Wein in der Hand, ein Spaziergang am See und in den Rebzeilen mit blühenden Aussaaten: Das entschädigt für alle Mühe!

Beim einem Besuch im «Tal der Camele» stehen für die Delinat-Reisegruppen eine Weingutsführung, Mittagessen mit lokalen Spezialitäten, unserem Olivenöl und Honig und natürlich eine Weinprobe auf dem Programm. Beim letzten Besuch einer Reisegruppe im Juni hatte Marta Pereira, die als studierte Önologin die Weinbereitung betreut, regionale Leckereien gekocht, die sie im familieneigenen Restaurant vorbereitet hatte.

Weinversand im Wandel: Umzug des Delinat-Warenlagers

Nachhaltigkeit und Ökologie sind bei Delinat nicht auf den Weinbau beschränkt. Vielmehr dominieren sie sämtliche Prozesse und Entscheidungen. Das fängt im Kleinen an, zum Beispiel mit dem Gebrauch von Recycling-Papier und konsequenter Mülltrennung. Die Vermeidung von Flugreisen hat bereits grössere Wirkung, die Herstellung des eigenen PV-Stroms und die Verwendung von Elektroautos erst recht. Einer der grössten Hebel ist die Verpackung für einen sicheren Versand und die Logistik im Allgemeinen.

Am 2. Januar 2019 machen wir den nächsten grossen Schritt: Wir nehmen ein neues, eigenes Versandlager im zentral gelegenen Grenzach bei Basel in Betrieb. Unser Ziel ist kein Geringeres als Weine sicher, schnell und ohne Verpackungsmaterial in ganz Europa auszuliefern. Wir wollen der ökologisch vorbildlichste und zuverlässigste Versandhändler in Europa werden. Schon seit einiger Zeit war klar, dass externe Dienstleister unseren Ansprüchen nicht gerecht werden können, weshalb wir vor einem Jahr entschieden haben, das Delinat-Lager wieder in die eigenen Hände zu nehmen.

Dank einer modernen und vollständig auf unsere Bedürfnisse ausgerichteten Infrastruktur werden wir künftig schneller und zuverlässiger ausliefern können. Auch aus ökologischer Sicht soll das Gebäude zum Vorzeigeobjekt werden. Das Dach ist bereits mit einer grosszügigen PV-Anlage ausgestattet. Zusätzlich wird eine neue Anlage die Südfassade bedecken, die gleichzeitig wertvollen Schatten spendet, um die Sommerhitze zu reduzieren. Die Nord- und Westfassaden werden begrünt, um zusätzlich zu isolieren.

Wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, werden wir das Gebäude gebührend einweihen. Natürlich bekommen Sie rechtzeitig eine Einladung und wir hoffen schon jetzt, dass Sie uns besuchen werden.

Es freut uns sehr, dass wir nach langer Abhängigkeit von externen Dienstleistern nun in der Lage sind, die Logistik künftig selbst und besser zu machen.

Hinweis: Aufgrund des Lagerumzuges, werden wir Bestellungen, die nach dem 19. Dezember 2018 eingehen, erst im neuen Jahr verschicken können. Wir danken für Ihr Verständnis.

Permakultur: Château Duvivier in neuer Vorreiterrolle

Schon zwei Jahrzehnte arbeitet Delinat auf Château Duvivier am Weinberg der Zukunft. Viele Versuche finden und fanden statt: Bepflanzung zwischen den Reben, Mehltau-Prognosemodelle, reduzierte Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz ohne Kupfer und vieles mehr. Die Erkenntnisse daraus bringen wir in die eigenen, strengen Delinat-Richtlinien ein und vermitteln sie in Seminaren den Delinat-Winzern in ganz Europa.

Naturparadies Château Duvivier – bald auch im Sinne der Permakultur

In den letzten Jahren haben wir den Forschungs-Schwerpunkt zunehmend auf Permakultur-Methoden verlegt. Unter «Permakultur» versteht man ein Konzept, durch das Ökosysteme gestärkt, Bodenfruchtbarkeit erhöht, Bodenbearbeitung vereinfacht und der Ertrag gesteigert werden kann. Vorbild ist die Natur mit einem geschlossenen Nährstoffkreislauf. Mehr zum Thema Permakultur im Delinat-Weinwissen ->

Der österreichische Agrar-Rebell und Öko-Visionär Sepp Holzer hat eine Variante von Permakultur auf seinem Krameterhof südlich von Salzburg über viele Jahre entwickelt und europaweit verbreitet. Jetzt ist sein Sohn Josef am Ruder, der nicht nur den Krameterhof führt, sondern auch als begehrter Berater weltweit Projekte begleitet. Zurzeit arbeitet er zusammen mit seinem Partner Jens Kalkhof und einem Team von drei Bagger-Experten auf Château Duvivier an der lange geplanten Permakultur-Umsetzung.

Permakultur-Projekt auf Château Duvivier

Ziel der Massnahmen ist, durch sanfte Umgestaltung die Gewalt des Wassers zu zügeln, um auch bei intensiven Niederschlägen Erosion zu verhindern und möglichst das gesamte Wasser auf dem Grundstück zurück zu halten (Wasserretention). So soll auch in den immer trockeneren Sommern die Erde feucht bleiben und Reben, Obstbäume und Gemüse gesund halten.

Kein Permakultur-Projekt ohne detaillierte Planung

Bereits vor einem Jahr startete das Permakultur-Projekt: Bis zu 2,80 m tief hatten die Experten gegraben, um ein genaues Bild des Bodenaufbaus zu bekommen. Permakultur-Projekte beginnen stets mit Beobachtung, Analysen und dem Design der künftigen Landschaft.

Umgestaltung im Sinne der  Permakultur: Teiche und Sickergräben

Im Bereich von Garten- und Baumanlagen wurden sechs kaskadenartig auf Terrassen angelegte Teiche in unterschiedlicher Grösse erstellt. Diese alimentieren künftig Gemüse und Obstbäume mit gesammeltem Regenwasser. Die Teichböden haben wir nicht mit Folien oder Beton versiegelt, sondern durch präzise Aufschichtung von Feinerde und Lehm abgedichtet. Dabei haben wir ausschliesslich Erde vom Gelände verwendet.

Die Wasserretentions-Teiche unterhalb des Château sind nach dem ersten Regen bereits gut gefüllt.

Nach Abschluss der Erdarbeiten werden Mischkulturen angepflanzt und eingesät, welche das Château schon bald in ein noch stärker blühendes Naturparadies mit hohem Frucht- und Gemüseertrag verwandeln werden.

Nach der diesjährigen Traubenernte sind die Bagger aufgefahren und haben in den Reben unterhalb des Gros Bessillon Sickerteiche und -gräben ausgehoben. Diese sorgen dafür, dass bei starken Niederschlägen das Regenwasser nicht abfliesst, sondern kanalisiert wird und innerhalb des Weinbergs versickert.

Parallel zur Erstellung der Sickergräben gewinnt der Bagger Schotter für die Drainage.

Zudem haben Josef Holzer und sein Partner Jens Kalkhof einen kleinen Wasserlauf im oberen Bereich des Geländes gestaut und so umgeleitet, dass das kostbare Nass nun in den neu geschaffenen Gräben und Teichen aufgefangen wird. Nach und nach versickert es im Boden und versorgt die Reben auch in langen Trockenperioden mit genügend Wasser.

Bei den Aushubarbeiten für den Sickerteich sind die einzelnen Erdschichten gut zu erkennen. Lehm und Steine wurden an anderer Stelle verwendet und das 5 m tiefe Loch mit dem Erdreich der Sickergräben wieder aufgefüllt.
Das Wasser wird im Auffangbecken gesammelt, wo es langsam versickert. Dadurch steigt die Bodenfeuchtigkeit und Wasserverfügbarkeit in der unmittelbaren Umgebung merklich an.

Als Versuch wurden bei den steilsten Lagen kleine Sickergruben direkt zwischen den Reben angelegt: Immer vier Reihen mit und vier Reihen ohne. Schon nächstes Jahr werden wir prüfen können, ob die Massnahmen greifen. Bei Erfolg werden die bearbeiteten Reihen keine Erosion aufweisen und kräftigere Reben haben, weil der Boden feuchter bleibt.

In der bestehenden Rebanlage erfüllen kleine Sickergruben dieselbe Aufgabe wie die grossen in freiem Gelände.

Einer der Grundsätze der Permakultur ist der schonende Umgang mit Ressourcen. Für die Umsetzung dieses Wasserretention-Konzepts im Sinne der Permakultur haben wir kaum Material zugekauft oder zugeführt. Verwendet wurde, was vor Ort vorhanden ist: fruchtbarer Boden, Lehm, Schotter, Steine, Wasser. Den Lehm hob der Bagger aus, an passender Stelle haben wir ihn für die Sickergruben und -teiche wieder eingesetzt. Der Schotter wurde vor Ort erzeugt: Mit Hilfe einer speziellen Baggerschaufel wird die Erde ausgestochen, gesiebt und der so gewonnene grobe Schotter direkt nebenan in die Sickergräben eingefüllt.

Im Rahmen eines Permakultur-Seminars, das Josef Holzer in der ersten Oktober-Woche mit 35 Teilnehmern auf dem Château durchgeführt hat, wurde beispielhaft die Umgestaltung der Lage «Beau Mulé» geplant. Dazu wurde am liebevoll gestalteten Modell (oben) das Wassermanagement geübt. Die Gruppe, die aus unterschiedlichsten Berufsgruppen und Ländern zusammengewürfelten Teilnehmern bestand, hat das Château und seine herrliche Natur sichtlich genossen.

22. Mai – wirklich ein Tag der Biodiversität?

1992 hat die UN sich auf einen Text zum Schutz der biologischen Vielfalt einigen können. Das war am 22. Mai, der heute als «Tag der Biodiversität» gilt. Das Übereinkommen gab Grund zur Hoffnung. Erstens, weil 195 Staaten die Notwendigkeit sahen, Vielfalt zu schützen. Und zweitens, weil Ziele und Handlungsfelder festgelegt wurden.

Biodiversität: eine blühende Wiese
Wie viele solcher blühenden Wiesen kennen Sie noch?

Blickt man heute zurück auf das inzwischen verstrichene Vierteljahrhundert, dann ist Optimismus allerdings fehl am Platz: Die Welt ist um tausende Arten ärmer geworden, aber statt dass sich die Staaten an die Vereinbarung erinnern und die Kräfte verstärken, scheint es, dass man sich ans grosse Aussterben gewöhnt. Über den Tod der letzten Breitmaulnashörner erscheinen in den Medien noch Randnotizen, die meisten Arten jedoch sterben im Stillen, kaum bemerkt und nicht wichtig genug für eine Meldung. Viele Arten sterben aus, noch bevor sie entdeckt wurden.

In Mitteleuropa, wo man glaubt, im Vergleich zu anderen Weltteilen eher nachhaltig zu leben und vernünftig zu handeln, sterben in nur 30 Jahren oder einer Menschengeneration 70% aller Insekten – und was passiert? Nach kurzem Erstaunen folgen Spekulationen, Schuldzuweisungen und schliesslich Resignation. Noch nicht einmal zu einem Verbot der schlimmsten Pestizide konnte sich die EU entscheiden, obwohl diese zu den bewiesenen Ursachen für das grosse Insektensterben gehören.

Tag der Biodiversität? Klingt irgendwie zynisch.

Meine persönliche Stimmung kann ich nur damit aufhellen, wenn ich das bunte Treiben in den Weinbergen unserer Winzer beobachten und Jahr für Jahr Fortschritte erleben darf (mehr dazu hier). Doch selbst in den schönsten Momenten ist mir bewusst, dass es weltweit Millionen von «Delinats» und Bauern brauchen würde, die in allen Landwirtschafts-Bereichen entschlossen und kompromisslos vorangehen und damit beweisen, dass es Lösungen gibt. Dass Vielfalt, Produktivität, Qualität und wirtschaftlicher Erfolg sich nicht ausschliessen, sondern sich im Gegenteil langfristig bedingen.

Timo Dienhart
Timo Dienhart ist Biodiversitätswinzer des Jahres 2018

Ich hoffe, dass auch Sie Inseln von reicher Vielfalt kennen, in denen Sie Kraft schöpfen können. Und dass Sie zu den Botschaftern zählen, die die Natur braucht, um die Wichtigkeit des Themas zu verbreiten. Dafür danke ich Ihnen.

Ganz besonders für die Biodiversität eingesetzt hat sich unser Winzer Timo Dienhart vom Weingut zur Römerkelter an der Mosel. Er gewinnt damit den Delinat-Biodiversitätspreis 2018. Timo, wir gratulieren dir ganz herzlich und danken für deinen unermüdlichen Einsatz!

Geniales Bewässerungskonzept

Als Delinat-Winzerberater erlebe ich immer wieder, wie sich unsere Winzer für ökologische Massnahmen zugunsten eines Weinbaus im Einklang mit der Natur begeistern lassen. Ein Paradebeispiel liefert Carlos Laso vom Weingut Pago Casa Gran in der Region Valencia.

Seit 8 Jahren arbeiten wir mit Carlos zusammen. In dieser kurzen Zeit haben sich seine Weinberge in ein Naturparadies verwandelt. Mit der Anpflanzung von Fruchtbäumen, Sträuchern und Kräutern wurden Monokulturen aufgebrochen und die Biodiversität gefördert. Eine besonders grosse Herausforderung aber blieb: Die immer längeren Trockenperioden und immer intensiveren Starkregen und Wetterextreme machen wie allen anderen Winzern auch Carlos und seinen Reben schwer zu schaffen.  Ohne Bewässerung können die Pflanzen kaum überleben.  Doch woher das Wasser nehmen in einem derart trockenen Gebiet, ohne den Grundwasserspiegel weiter zu senken?

Carlos Laso (rechts) und der Autor in den trotz Trockenheit reichhaltig blühenden Weinbergen von Pago Casa Gran.

Die Folgen des Klimawandels sind im Weinbau bereits erschreckend sichtbar. In den letzten 10 Jahren hat die Geschwindigkeit deutlich zugenommen. Alle Delinat-Winzer berichten über Trockenstress der Reben, frühere Reife der Trauben, höheren Zucker- und damit Alkoholgehalt usw. Schon vor Jahren war uns bewusst, dass die Probleme, die auf den Weinbau zukommen, eine völlig neue Dimension haben. Die üblichen Massnahmen helfen da wenig. Deshalb haben wir Strategien entworfen, die grösseres Potenzial zur Lösung haben.

Die vielversprechendste war die Permakultur. Sie entstand in den 1970er in den Halbwüsten Australiens, mit dem Ziel, das wenige Regenwasser möglichst optimal zu nutzen. Im Laufe der Jahre haben Bill Mollison und seine Begleiter viele weitere Aspekte in ein umfassendes System eingewoben, das sie «Permakultur» nannten. Noch immer staunt die ganze Welt darüber, wie es möglich ist, in so trockenen Regionen bestens funktionierende Farmen zu betreiben, mit hohen Erträgen, wenig Aufwand und ohne Gift.

Natürliches Wassermanagement als Lösung im Weinbau

Ein natürliches Wassermanagement ist die zentrale Bedingung für das Funktionieren der Permakultur. Es stärkt gleichzeitig das Ökosystem und erhöht die Bodenfruchtbarkeit. Als ich im April 2016 bei Carlos auf Beraterbesuch war, hatte ich ein innovatives Bewässerungskonzept mit im Gepäck. Es brauchte nicht viel, um den dynamischen Winzer zu überzeugen, dass die topografischen Verhältnisse auf Pago Casa Gran ideal sind, um das System ohne teure Investitionen umzusetzen. Mit einem Wasserrückhaltebecken und mehreren horizontal verlaufenden Gräben entlang der Parzellenränder sollte Regenwasser vom Wegfliessen gehindert werden, so dass es langsam versickern und den Grundwasserspiegel auf hohem Niveau halten kann. Dann können die tiefen Wurzeln der Reben auch in langen Trockenzeiten genug Feuchtigkeit schöpfen.

Draussen auf dem Feld schauen wir uns mögliche Standorte für dezentrale Wasserrückhalteflächen an.

Als Carlos im vergangenen Frühling an unserem internationalen Winzerseminar zum Thema Permakultur in Spanien und Portugal mit eigenen Augen sah, dass dieses ausgeklügelte Bewässerungssystem in der Praxis so gut funktioniert, dass innerhalb von wüstenähnlichen Gebieten Oasen mit saftigem Grün, Blumen, Büschen und Früchten möglich werden, zögerte er keinen Moment mehr. Kaum wieder zu Hause, setzte er das von uns vorgeschlagene Bewässerungskonzept in kürzester Zeit um. Nur drei Monate später waren die Massnahmen zugunsten einer natürlichen Wasserretention abgeschlossen. Ob alles wie erhofft funktioniert, wird sich beim ersten grossen Regen zeigen. Bis das Rückhaltebecken ganz gefüllt ist, dürften allerdings etwa drei Jahre vergehen. In dieser Zeit sollte auch der Grundwasserspiegel langsam wieder ansteigen. Dann dürften auch lange, trockene Sommer den Reben auf Pago Casa Gran nicht mehr mehr viel anhaben können.

Artenschutz in den Delinat-Richtlinien

Weinberge von einst glichen Naturparadiesen. Zwischen Reben wurden Obstbäume, Beeren und Gemüse gepflanzt, Hühner und Schafe hielten das «Unkraut» in Schach. Erst Monokulturen brachten die grossen Probleme, an denen noch heute der Weinbau krankt: Die Rebe als alleinige Pflanze ist Eindringlingen hilflos ausgeliefert. Stabilität kann nur durch Vielfalt erreicht werden. Dieser Grundsatz, der schon seit Beginn den Kern der Delinat-Methode bildet, ist mit der Ausgabe der Richtlinien 2017 um zwei Aspekte präziser geworden.

Wiedehopf
Wenige Jahre nach grosszügiger Pflanzung von Büschen und Bäumen, dem Anlegen von Stein- und Holzhaufen zwischen und um die Reben ist beim Weingut Roland Lenz im Thurgau der Wiedehopf zurück gekehrt.

Zum einen müssen Delinat-Winzer neu Buch führen über seltene Arten, die in ihrer Region eine Chance für die Wiederansiedlung und Vermehrung haben. Die Weinbauern müssen Massnahmen unternehmen, diese Arten in und um ihre Weinberge zu fördern. Zum Beispiel können gezielt Pflanzen gesät werden, deren Nachbarschaft die seltenen Kräuter, Blumen oder Sträucher mögen oder die als Nahrung von seltenen Insekten, Vögeln, Reptilien dienen. Massnahmen und Fortschritte werden notiert, einfach und unbürokratisch.

Neophyten bedrohen die Biodiversität

Der zweite Aspekt des neuen Artenschutz-Kapitels in den Delinat-Richtlinien regelt den Umgang mit eingeschleppten, invasiven Arten. Pflanzen nennt man «Neophyten», Tiere «Neozoen». Sie verursachen mehr Schäden, als bislang angenommen wurde und die Plage nimmt rapide zu. Auch wenn es darunter giftige Arten wie den Riesen-Bärenklau gibt, der bei Hautkontakt schwere Verbrennungen auslösen kann, so ist das Hauptproblem ein anderes: Die extrem rasche Ausbreitung der «Einwanderer». Wenn der Mensch nicht eingreift, können invasive Arten die einheimischen innerhalb weniger Jahre verdrängen. Das bringt eine Reihe von Problemen mit sich: Wenn eine Art zurück gedrängt wird, fehlt es spezialisierten Insekten an Nektar und Pollen, Kleintieren an Beute, in Symbiose lebenden Partnern an der Lebensgrundlage. Mit jeder von Invasoren zurück gedrängten einheimischen Art folgt ein grosses Sterben weiterer Arten und eine Verarmung der Biodiviersität.

Ambrosia
Das Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) wurde unbeabsichtigt aus Nordamerika eingeführt und wächst nun bei uns in Gärten, an Strassenrändern oder Bahndämmen. Es verursacht erhebliche Schäden in der Landwirtschaft, da es die Pflanzen konkurrenziert und die Ernte erschwert. Seine Pollen wirken stark allergisierend und können Asthmaanfälle auslösen (Quelle: Neophyt.ch).

Die Delinat-Richtlinien 2017 schreiben daher vor, dass Winzer die in ihrer Region bekannten invasiven Arten kennen und Vorkehrungen gegen ihre Verbreitung in und um die Weinberge treffen müssen.

Laubholzbockkäfer
Der Asiatische Laubholzbockkäfer wurde durch den Holzhandel und Bonsais aus Ostasien eingeschleppt. Er befällt und schädigt viele Laubbäume und wird so zum Problem für das Ökosystem. Er wird zu den hundert schädlichsten Invasoren gezählt und verursachte in den USA bereits Schäden in Höhe von 150 Millionen Dollar. Seit 2015 werden Freilandbefälle in Deutschland, Österreich und der Schweiz registriert (Quelle: Wikipedia).

Beide neuen Richtlinien-Punkte präzisieren das Delinat-Kernthema. Denn Vielfalt ist nicht gleich Vielfalt. Wichtig ist die Qualität der Artenvielfalt. Im Fall von Neophyten bedeutet eine auftauchende neue Art fast immer einen darauf folgenden Schwund einheimischer Arten und somit eine ärmere Biodiversität.

Die Delinat-Richtlinien-Entwicklung

Jahr für Jahr gibt es neue Anforderungen, die in die Delinat-Richtlinien aufgenommen werden. Diese schreibt Delinat aber nicht einfach vor. Sie werden zuerst von Experten beurteilt. Wenn diese den Nutzen anerkennen, dann werden als nächstes die Delinat-Winzer befragt. Sie haben stets einige Monate Zeit, Stellung dazu zu nehmen, Einwände vorzubringen und allfällige spezifische Problemfälle aufzuzeigen. Im Zweifel wird die Aufnahme der neuen Punkte in die Richtlinien um ein Jahr verschoben. Erst wenn wir sicher sind, dass die meisten Delinat-Winzer keine gravierenden Probleme mit den neuen Anforderungen bekommen und der Nutzen unbestritten ist, werden die Punkte in die Richtlinien aufgenommen. Es ist also ein demokratischer Prozess, der allerdings oft etwas Druck braucht, damit die Entwicklung weiter geht und das Regelwerk sich laufend verbessern kann.

Bienenhonig – eine rare Delikatesse

Für ein einziges Kilogramm Honig legen Bienen Zehntausende von Kilometern zurück. Mit dem Einbringen des Nektars ist es aber nicht getan. Dann erst beginnt der aufwändige Prozess des Trocknens und Einlagerns des Honigs in die Waben. Und parallel dazu will die Königin versorgt und die Brut ernährt werden.

Die naturnahe Imkerei

Biene in der Blüte

Aber nicht nur die Bienen arbeiten hart. Auch der Aufwand der naturnah arbeitenden Imker ist enorm. Mit der Aufzucht gesunder eigener Königinnen wirken sie der Schwächung ihrer Völker entgegen. Sie verzichten auf den Einsatz chemischer Produkte gegen Krankheiten und Seuchen. Parasiten dämmen sie mit natürlichen Mitteln wie Ameisensäure und ätherischen Ölen ein. Sie lassen ihre Bienen nur an entlegenen Standorten ausfliegen, fernab von Industrie, Strassen und anderer Umweltverschmutzung. Und ein Punkt ist besonders wichtig: Im Unterschied zur konventionellen Imkerei lassen Delinat-Imker den Bienen genügend eigenen Honig als Winterfutter im Stock. Dieser stärkt ihre Widerstandskraft und sichert den Fortbestand der Bienenvölker.

Doch die Umstände, einen reinen, naturbelassenen Honig zu gewinnen, werden immer schwieriger. Krankheiten, Wetterkapriolen, Umweltverschmutzung, Pestizide und eingeschleppte Parasiten schwächen und dezimieren die Bienenvölker. Kumulieren sich diese Faktoren, können massive Ernteausfälle entstehen.

Geeignete Bienenstandorte

Wie wichtig der Standort der Bienenvölker ist, musste ich als Freizeitimker in der Lüneburger Heide im letzten Herbst selbst erleben: Meine zwei Völker waren im Frühjahr und Sommer  prächtig gediehen. Häufig freute ich mich – auf der Terrasse sitzend – am emsigen Treiben vor den Bienenstöcken. Dabei hatten die fleissigen Immen reichlich Honig eingetragen. Der reichte für den Wintervorrat der Bienen und den Jahresvorrat meiner Familie.

Bienen in der Einraumbeute
Reges Treiben schon in der Märzsonne

Im Herbst bei der letzten Kontrolle vor dem Winter, machte ich eine schockierende Entdeckung: Beide Völker waren eingegangen! Da genügend Futter vorhanden war, auch kaum Varroabefall zu verzeichnen, stand ich zunächst vor einem Rätsel. Ein befreundeter Bio-Landwirt konnte es auflösen: Im heissen September 2016 flogen die Bienen – anders als in normalen Jahren bei uns im Norden – fleissig weiter aus, um Futter einzutragen. Ebenfalls im September bringen konventionelle Landwirte auf ihren Feldern bestimmte Pestizide aus. Im letzen Jahr haben diese Pestizide auf den umliegenden Feldern meinen Bienen wohl den Garaus gemacht. Auch im Imkerverein hatten viele Imker ähnliche Erfahrungen gemacht. Eine Imkerfreundin hingegen lebt auf einem grossen Bio-Hof in der Nähe und hatte keine Verluste zu beklagen…

Wo kommt der Delinat-Honig her?

Anders als wir Hobbyimker müssen die Profis natürlich mehr tun, um ihre Völker zu schützen und die Ernte zu sichern. Die nach strengen biologischen Richtlinien arbeitenden Delinat-Imker stehen aber immer wieder vor neuen Herausforderungen, z.B. möglichst unbelastete Reviere für ihre Bienen zu finden. Darin sind sie wahre Meister. Dank langjähriger Erfahrung kennen sie unberührte Weideplätze, wo die Bienen ungestört ihre süsse Nahrung finden.

Der abgelegene nordbulgarische Naturpark Russenski Lom ist so eine Gegend. Von hier kommt unser aromatischer Blütenhonig. Oder das noch ursprüngliche westbulgarische Stara-Gebirge, wo milder Akazienhonig aus dichten Robinienwäldern gewonnen wird.

An Spaniens nördlicher Atlantikküste sind es blühende Strauch-Landschaften, die einen herrlich würzigen Heidehonig hergeben. Der ebenfalls würzige Kastanienhonig kommt aus den urigen Wäldern der abgelegenen Bergregionen Asturiens.

Bienestand in Asturien
Bienenstand in der unberührten Natur Asturiens

Auch in Italien kennen unsere Imker hervorragende Standorte für ihre Bienen. Aus der wildromantischen Landschaft zwischen Ionischem Meer und Apennin in der Basilikata kommt der köstliche Süsskleehonig. Und im benachbarten Kampanien wird der zartduftende Zitronenhonig gewonnen.

2016 – ein weiteres schwieriges Imkerjahr

Auch im Jahr 2016 waren die Erntemengen in weiten Teilen Europas gering. Davon blieben auch die Delinat-Imker nicht verschont, trotz geeigneter Standorte (ohne Pestizidbelastung), umsichtiger Pflege und sorgfältiger Betreuung ihrer Völker. Dank langjähriger Erfahrung kennen sie zwar viele unberührte Weideplätze, wo Bienen ungestört ihre süsse Nahrung finden. Falls diese aber witterungsbedingt fehlt, sind auch sie machtlos.

In Bulgarien haben Regenfälle bis im Frühsommer die Bienen am Ausfliegen gehindert, so dass Akazien- und Korianderhonig komplett ausgefallen sind. In Spanien waren Trockenheit und hohe Temperaturen das Problem. Bei Silvia und Christoph Gaupp-Berghausen fiel die Ernte so klein aus, dass der Honig gerade für die Winterfütterung der Bienen reichte. Etwas besser erging es den Imkern in Italien, doch auch sie melden aufgrund verbreiteter Trockenheit kleine Erntemengen.

Weil sich schwierige Jahre mit kleinen Ernten häufen, halten wir es wie die Bienen und lagern von den jeweils verfügbaren Erträgen immer etwas auf Vorrat ein, so dass wir bisher Jahr für Jahr eine breite Auswahl an feinsten Delinat-Honigen anbieten können.

Die Hoffnungen ruhen auf den Bio- (und Freizeit-)Imkern

Engagierte Imker sorgen mit viel Aufwand und Liebe zur Natur für reine, naturbelassene Honige erster Güte. Nachdem die Imkerei lange rückläufig war, ist unter den Freizeitimkern das so genannte «Urban Beekeeping»  in den letzten Jahren ein richtiger Trend geworden. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Stadt ein hervorragender Bienen-Standort ist: Begrünte Dachterrassen, Parks, Kleingärten und Brachflächen sorgen für ein vielfältiges Blütenangebot – mit nur geringem Pestizideinsatz. Wer es einmal in die Imkerei reinschnuppern möchte: Ich bin gern mit Adressen behilflich.

Auf den engagierten Bio- und Freizeit-Imkern ruhen die Hoffnungen, dass die Bienen auch in Zukunft fliegen und uns weiterhin mit dieser süssen und gesunden Delikatesse verwöhnen.

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