Regenerative Landwirtschaft – die natürliche «Reparaturwerkstatt»

Regenerative Landwirtschaft – schon wieder so ein Begriff, der in Ökokreisen gerade die Runde macht. Was ist darunter zu verstehen? Kurz auf den Punkt gebracht: Regenerative oder aufbauende Landwirtschaft ist nichts anders als eine Reparaturwerktstatt für beeinträchtigte oder zerstörte Kulturflächen. Delinat-Winzerberater Daniel Wyss gibt einen vertieften Einblick ins Thema.

Permakultur, Agroforst, regenerative Landwirtschaft, worin unterscheiden sich diese nachhaltigen Methoden genau?
Daniel Wyss: Permakultur ist umfassend. Es geht darum, natürliche Ökosysteme und Kreisläufe aus der Natur nachzuahmen. Bei der Agroforstwirtschaft werden Elemente des Acker- und Gemüsebaus mit Elementen der Forstwirtschaft kombiniert, etwa mehrjährige (Obst-)Bäume und Sträucher mit einjährigen Nutzpflanzen. Die regenerative Landwirtschaft greift auf Konzepte der Permakultur, der Agrarökologie und des holistischen (ganzheitlichen) Weidemanagements zurück. Es geht darum, den Boden zu regenerieren und ein widerstandsfähiges Anbausystem zu schaffen.

Bäume und Sträucher fördern die ökologische Vernetzung und steigern die Artenvielfalt im Weinberg.
Bäume und Sträucher fördern die ökologische Vernetzung und steigern die Artenvielfalt im Weinberg.

Was kann mit der regenerativen Landwirtschaft konkret bewirkt werden?
Sie kommt dort zur Anwendung, wo Kulturlandflächen durch Menschenhand über Jahrzehnte durch intensive, pestizidunterstützte Bewirtschaftung stark beeinträchtigt oder gar zerstört wurden. In solchen Fällen ist eine nachhaltige, strukturerhaltende Landwirtschaft nicht zielführend. Es geht viel mehr darum, durch gezielte und konsequente Verknüpfung von Faktoren wie Standortklima, Humusaufbau, Biodiversität und Wasserretention die Bodenfruchtbarkeit wieder herzustellen oder zu verbessern. Ziel ist ein pestizidfreies, effizientes und resilientes Anbausystem mit geschlossen Stoffkreisläufen.

Eine vielfältige Begrünung zwischen den Rebzeilen bietet nicht nur Nahrung für Insekten, sondern baut auch Humus auf und fördert ein gesundes Bodenleben.
Eine vielfältige Begrünung zwischen den Rebzeilen bietet nicht nur Nahrung für Insekten, sondern baut auch Humus auf und fördert ein gesundes Bodenleben.

Weshalb ist die regenerative Landwirtschaft ein grosse Chance für den Weinbau?
Viele Rebflächen Europas sind durch die bisherige Art der Bewirtschaftung und die klimabedingten Wetterextreme beeinträchtigt. Die regenerative Landwirtschaft baut Humus auf und verbessert die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens. Letztlich ist sie ein Anbausystem, das sich durch hohe Widerstandskraft gegenüber klimatischen Extremsituationen, rasche Regenerierfähigkeit und hohe Pflanzengesundheit auszeichnet.

Welche Massnahmen kommen im Weinbau zur Anwendung?
Durch Einsaaten von vielfältigen Pflanzenmischungen, Zufuhr von Kompost oder Mulch sowie eine möglichst zurückhaltende und nur oberflächliche Bodenbearbeitung wird Humus aufgebaut und der Boden regeneriert. Dabei helfen auch weidende Schafe in den Rebflächen und das Pflanzen von Bäumen und Sträuchern.

Schafe weiden in den begrünten Weinbergen und helfen dabei beim Humusaufbau.
Schafe weiden in den begrünten Weinbergen und helfen dabei beim Humusaufbau.

Auf verschiedenen Delinat-Weingütern ist die regenerative Landwirtschaft schon länger ein Thema. Wie sind die Erfahrungen?
Besonders eindrücklich ist das Beispiel unseres Partnerweingutes Vale de Camelos im Alentejo. In der Kornkammer Portugals ist die Bodenfruchtbarkeit auf riesigen Flächen durch eine jahrzehntelange intensive Getreidewirtschaft mit massivem Pestizideinsatz stark dezimiert worden. Als die Adega Vale de Camelos um die Jahrtausendwende begann, auf solchen Böden Reben zu pflanzen, versprach nur eine regenerative Landwirtschaft Aussicht auf Erfolg. Mittels Förderung der Biodiversität durch grossflächige Aufforstungen mit einheimischen Bäumen und Sträuchern, einer holistischen Weidewirtschaft mit Schafen, der Anlage von grossen Regenwasserseen und einem gezielten Humusaufbau gelang es, einen zunehmend in sich selber funktionierenden ökologischen Kreislauf anzustossen. Durch die im Alentejo ausgeprägten Extreme des Klimawandels (Hitze, Trockenheit, Starkregen), wurde es zu einer ganz besonderen Herausforderung. Aber es hat funktioniert.

Wasser-Management hat in der Permakultur einen hohen Stellenwert: Das Regenwasser wird während den regnerischen Monaten gesammelt und vermindert im Sommer den Trockenstress der Reben.
Wasser-Management hat in der Permakultur einen hohen Stellenwert: Das Regenwasser wird während der regnerischen Monate gesammelt und vermindert im Sommer den Trockenstress der Reben.

Gibt es andere gelungene Beispiele?
Ja. Auf unserem eigenen Weingut Château Duvivier in der Provence konnten die durch lange Trockenperioden bedingten Ernterückgänge dank Massnahmen aus dem Bereich der regenerativen Landwirtschaft gestoppt werden. Und auf dem Weingut Pago Casa Gran in der Region Valencia gelang es, eine während Jahren versiegte Quelle wieder sprudeln zu lassen.

Wie Carlos Laso dem Klimawandel dank Permakultur trotzt

Es war vor ziemlich genau vier Jahren, als ich Carlos Laso bei einem Beraterbesuch auf seinem Weingut Pago Casa Gran im Hinterland von Valencia ein Bewässerungskonzept nach dem Konzept der Permakultur präsentiert habe. Carlos spürte in seinen Weinbergen schon damals die Auswirkungen des Klimawandels deutlich: Entweder herrschte während ausgedehnten Trockenperioden Wassermangel, was zu grossem Stress bei den Reben führte, oder es fiel sintflutartig Regen, der zu Überschwemmungen und Erosion im Weinberg führte.

Permakultur und Wassermanagment

Planung des ersten Retentionsbecken nach den Prinzipien der Permakultur.
Das Beobachten und Planen sind zwei zentrale Aspekte der Permakultur. Delinat-Winzerberater Daniel Wyss (Mitte) unterstützt Carlos Laso (rechts) bei der Umsetzung des Wassermanagements.

Carlos Laso ist ein innovativer Winzer mit einer unglaublichen Offenheit für neue Ideen. Innert kürzester Zeit setzte er das vorgeschlagene Bewässerungskonzept nach den Prinzipien der Permakultur um, legte Teiche und Versickerungsgräben an, die das Regenwasser speichern und dann nach und nach an die Reben abgeben. Das Ganze schien bestens zu funktionieren, bis sich im Herbst 2019 das spanische Wetterphänomen «La Gota Fría» über seinen Reben entlud: Sintflutartige Regenfälle, wie sie in den letzten drei Jahrzehnten nie vorgekommen waren, überfluteten die neu geschaffenen Rückhaltebecken, füllten sie mit Sedimenten und beschädigten sie teilweise erheblich. Carlos liess alles wieder instand stellen und hob weitere Becken und Gräben aus. Kaum war alles wieder im Lot, folgte im Januar dieses Jahres bereits der nächste Härtetest. Sturm Gloria, unüblich für diese Jahreszeit, füllte wiederum alle Becken. Dieses mal ohne Beschädigungen.

Retentionsbecken verhindern den Trockenheitsstress auf dem Weingut Pago Casa Gran
Verschiedene Retentionsbecken helfen dabei, dass Wasser langfristig auf dem Gelände zu speichern.

In Sommer dann eine freudige Überraschung: Eine Grundwasserquelle, die auf dem Familienbetrieb bis in die 1960er Jahre intakt war, dann aber versiegte, sprudelt jetzt wieder. Für Carlos ist klar, dass das Grundwasserreservoir einerseits durch die in den letzten Jahren ausgehobenen Retentionsbecken und Gräben sowie durch die ausgiebigen Regenfälle in diesem Frühjahr aufgefüllt wurde. Selbst jetzt im Hochsommer sprudelt noch Wasser aus der alten Quelle. Motiviert durch diesen Erfolg, treibt Carlos den Ausbau der Permakultur-Massnahmen immer weiter. Er verfügt jetzt über total neun Teiche, der grösste misst 30 x 60 m.

Üppige Vegetation dank Permakultur-Massnahmen
Die üppige Vegetation in den Weinbergen von Pago Casa Gran beweist, dass nicht nur die Reben von den den angelegten Retentionsbecken profitieren.

Das Beispiel von Pago Casa Gran zeigt, wie wichtig es ist, Wasser dann zurückzuhalten, wenn es verfügbar ist. Die Verfügbarkeit von Wasser in trockenen Regionen ist essenziell für die optimale Reifung der Trauben. Bei zu grossem Trockenstress zeigen sich überreife Aromen, zu tiefe Säurewerte und unreife Tannine. Kann kein Wasser zugeführt werden, bleibt oft nur die vorzeitige Ernte noch nicht optimal reifer Trauben. Die Verfügbarkeit von Wasser ist aber auch im Frühjahr von grosser Bedeutung für die gesamte Entwicklung der Rebe während des Vegetationszyklus.

Ein Zehntel

Eigentlich sollte der 22. Mai als Tag der Biodiversität an den armseligen Zustand der Natur erinnern. Diese Botschaft aber wird wie alles andere, was wirklich wichtig wäre, im seit Wochen anhaltenden Lärm um das Virus ungehört verhallen.

«Corona, Corona, Corona! Hände waschen, Abstand halten, Mund- und Nasenschutz! Wir haben begriffen und wir bemühen uns weiter. Corona hat die Gesellschaft gelähmt, die Wirtschaft abstürzen lassen und die Zahl der Arbeitslosen nach oben getrieben. Das alles darf aber doch nicht dazu führen, dass Politik und Journalismus sich nur noch mit diesem einen Thema beschäftigen.» Danke, Franz Alt, für diese klaren Worte!

Was die Pandemie ausgelöst hat, ist erstaunlich. Die Vehemenz, mit der agiert wird und die Bereitschaft, schier unbeschränkte Mittel einzusetzen, hätte noch vor wenigen Monaten niemand für möglich gehalten. Aktuell wird die Summe auf 15 Billionen Dollar geschätzt, die weltweit zur Linderung der Pandemie eingesetzt werden wird. Das sind 15 Millionen Millionen. Eine Summe, die niemand sich vorstellen kann, selbst das Vermögen der Reichsten sieht daneben wie Taschengeld aus.

Auch wenn die Frage unbequem ist, muss sie gestattet sein: «Lohnt» sich das? Und darauf gibt es keine Antwort, so lange man sich an die allgemein gültigen Regeln der Ethik hält. Denn wie viel ist ein Menschenleben wert?

Was aber mit Sicherheit gesagt werden kann: Im Verhältnis zu anderen Risiken wird Corona überbewertet. Die Probleme, die das Sterben der Arten auslösen wird, sind um ein Vielfaches grösser. Dasselbe gilt für den Klimawandel. Die Szenarien, die auf uns warten, wenn wir es nicht schaffen, diesen tödlichen Trend in sehr kurzer Zeit zu stoppen, kann sich niemand richtig vorstellen. Es wird schlimmer sein, es kommt schleichend und wenn wir es realisieren, kann es nicht mehr gestoppt oder gar umgedreht werden. Den Dürren und Seuchen folgen Hungersnöte und Öko-Kriege. Schon heute sterben jährlich Millionen Menschen an schlechter Luft, Hunger und am Kampf um Ressourcen. Das ist erst ein kleiner Vorgeschmack, über den es kaum Statistiken gibt.

Im Unterschied zu Corona aber ist der «Impfstoff» gegen Artensterben und Klimawandel bereits vorhanden. Die Wissenschaft ist sich einig: Wir kennen die Ursachen und wir kennen die Heilmittel. Es fehlt nur am Willen. Die Politik ist mit sich selbst beschäftigt und die Konzerne streben noch immer nach dem schnellen Profit. Braucht es vielleicht eine Revolution, um die alten Akteure abzulösen? Warum kommt nicht mehr Widerstand aus der Gesellschaft?

Positiv an der Corona-Krise ist, dass jetzt sichtbar wird, wozu die Menschheit in der Lage ist. Obwohl die Massnahmen viele Menschen existenziell einschränken, haben wir uns brav daran gehalten, sind bereit, zu verzichten, Geduld zu üben und Unmengen an Steuergeld auszugeben. Warum tun wir das nicht für die Natur und fürs Klima?

Die kurze Antwort: Weil wir Egoisten sind. Corona bedroht uns hier und jetzt. Wer brav ist, kann sich schützen. Wenn wir aufs Fliegen verzichten, um das Klima zu schützen, dann haben wir keinen direkten Vorteil davon.

Würden wir nur einen Zehntel des Aufwands gegen Corona in Artenschutz und Klima investieren, wäre das mehr als alles bisher dagewesene und wahrscheinlich genügend, beide Risiken abwenden zu können. Wir könnten eine Million Menschen 10 Jahre lang mit guten Gehältern beschäftigen, sie endlich die längst bekannten Massnahmen für Klima- und Artenschutz umsetzen lassen und zusätzlich noch viel Geld für Innovationen und Technik ausgeben. 10% der Corona-Gelder würden reichen.

Biodiversität dank Schafen im Weinberg

Ein kleines Beispiel, wie mit klugen Strategien und ganz ohne Mehraufwand dem Artenschwund entgegen gewirkt werden kann, zeigt das aktuelle Bild der Schafherde im Weinberg von Quaderna Via in Navarra. Auch wenn es schwer zu glauben ist, erhöhen die Schafe mit ihrem Grasen im Weinberg die Vitalität des Bodens, die Pflanzenvielfalt, die Fruchtbarkeit, vermindern Erosion und beugen Pilzkrankheiten vor. Den Schafen wiederum tun die Kräuter gut, die in artenreichen Delinat-Weinbergen in grosser Vielfalt wachsen. Solche und tausende anderer Beispiele zeigen, dass Lösungen vorhanden wären, viele sogar zum Nulltarif.

Die Geburtsstunde des Bioweins: erste Richtlinien für Bio-Weinbau in Europa bereits 1983

Mit der EU-Öko-Verordnung wurden 1992 erstmals europaweit geltende Kontrollvorschriften für biologischen Landbau eingeführt. Diese galten auch für den Anbau von Weintrauben, nicht aber für deren Verarbeitung im Keller. Dafür gibt es in der EU erst seit 2012 rechtsverbindliche Bio-Richtlinien. Die Bezeichnung «Biowein» für ökologisch erzeugte Weine darf offiziell deshalb erst seit dem Jahrgang 2012 verwendet werden. 

Biowein Richtlinien

Schon viel früher, nämlich 1983, schuf Delinat eigene Biorichtlinien für Weinanbau und -bereitung in Europa, was damals nicht ganz einfach war.

«Das war eine harte Zeit …»

Delinat-Gründer Karl Schefer erinnert sich: «Das war gleichermassen eine harte, aber auch spannende Zeit. Es fehlte uns an Wissen, Geld, Infrastruktur und vor allem an Mitstreitern. Weinhandel und Behörden hatten sich geschlossen gegen uns gestellt. Genau genommen hatten wir nur eines: Die sichere Überzeugung, dass unsere Idee richtig ist. Dass natürlich gewachsener Wein besser sein muss. Beseelt von dieser Idee haben wir die notwendige Kraft geschöpft, die es brauchte, um einige Dutzend Abstürze zu überwinden. Kraft gaben uns die damaligen Winzer-Pioniere, die wie wir vom Grundgedanken überzeugt waren.

Schon 1982 trafen sich sieben charismatische Persönlichkeiten im appenzellischen Speicher, wo wir in drei Tagen die ersten Delinat-Richtlinien formuliert haben, die 1983 in Kraft traten. Das war die Geburtsstunde des Bioweins, weil diese Richtlinien, anders als alle anderen, auch die Weinbereitung und nicht nur die Traubenproduktion definiert hatten. Darauf waren wir sehr stolz.»

Bio-Honig aus reicher Natur: die Delinat-Imker

Europa ist der zweitgrösste Honigproduzent weltweit und kann seinen Bedarf trotzdem nur zu 60% decken. Importe aus China, Südamerika und anderswo decken den Rest. Europa ist damit auch einer der grössten Importeure von Honig.

Das begehrte Produkt schürt die Versuchung, mit unlauteren Methoden die Mengen zu erhöhen. Kaum bekannt ist die Tatsache, dass Honig das am dritthäufigsten gefälschte Lebensmittel ist. Das ZDF hat am 14.10.2019 eine bemerkenswerte Doku ausgestrahlt: «Fake Honig».

Eine Biene auf der Suche nach Nektar, welcher zu kostbarem Honig wird.
Die Grundsätze der Delinat-Imkerei
Die Richtlinien definieren Standort (Umwelt), Behausung, Fütterung, Honiggewinnung, Bienen-Behandlung und analytische Kontrolle. Die Details dazu finden Sie unter: www.delinat.com/imkerei

Die Delinat-Imker

Unsere kleinen Imkereien produzieren authentischen Honig in naturbelassenen Regionen Europas. Dank ihrer langjährigen Erfahrung und dem Wissen über die besten Weideplätze gewinnen sie köstliche Honige von höchster Qualität. Doch Umweltverschmutzung und Klimawandel machen das immer schwieriger.

Hier stellen wir Ihnen unsere engagierten Bio-Imker aus Bulgarien, Italien und Spanien einmal vor:

Nureitin Nieziew, Bulgarien
Gerada

Imker Nureitin Nieziew aus Bulgarien überlässt seinen Bienen genügend Honig

Der 48-jährige Nureitin Nieziew strahlt eine wohltuende Ruhe aus. Diese schöpft er wohl aus der kaum besiedelten Region am Rusenski Lom-Naturpark. Es gibt für eine Imkerei kaum einen besseren Ort auf Erden. Die Bienenhäuser stehen weit abseits von Industrie und anderer Verschmutzung.

Für Bienen ist das ein Schlaraffenland. Ausgedehnte Linden- und Robinienwälder (Scheinakazie) laden zum Schlemmen ein. Nureitin ist sichtlich stolz auf seine gesunden Völker. 1994 hat er das Handwerk von seinem Onkel gelernt. Die Imkerei spielt eine wichtige Rolle in der Familiengeschichte.

Nureitin hält seine Völker sehr naturnah. So verwendet er ausschliesslich eigenes Bienenwachs für die Herstellung der Waben. Zur Überwinterung der Bienen lässt er genügend eigenen Honig in den Stöcken, eine Fütterung mit Zucker oder Sirup kommt für ihn nicht in Frage. Seiner Meinung nach ebenso wichtig für die Gesundheit der Völker ist die Wahl der Königinnen. Seine stammen von den eigenen Völkern und werden gezielt auf Robustheit gezüchtet.

Nureitin hält seine Völker sehr naturnah. So verwendet er ausschliesslich eigenes Bienenwachs für die Herstellung der Waben. Zur Überwinterung der Bienen lässt er genügend eigenen Honig in den Stöcken, eine Fütterung mit Zucker oder Sirup kommt für ihn nicht in Frage. Seiner Meinung nach ebenso wichtig für die Gesundheit der Völker ist die Wahl der Königinnen. Seine stammen von den eigenen Völkern und werden gezielt auf Robustheit gezüchtet.

Leider ist die Varroa-Milbe trotz Abgeschiedenheit auch hier eingeschleppt worden und macht den Bienen zu schaffen. Regelmässige Behandlungen mit Ameisensäure halten den gefährlichen Blutsauger in Schach, so dass Nureitins Völker trotz der Plage gesund und kräftig sind.

Angela Ronca & Francesco Apicella, Italien
La Bottega delle Api

Imker Francesco Apicella aus Italien produzieren seit vielen Jahren Honig für Delinat

Alles begann vor 30 Jahren in Cava dei Tirreni im Hinterland der bezaubernden Amalfi-Küste. Das hügelige Gebiet wird von Einheimischen auch «kleine Schweiz» genannt. Aus Freude an den Bienen und im Bewusstsein um ihren Stellenwert in der Natur haben Francesco Apicella und seine Frau Angela Ronca damals einem alten Imker vier Bienenbeuten abgekauft.

Anders als ausgebildete Profis mussten die Roncas die Imkereikunst von Grund auf erlernen, was ein steiniger Weg war. Die Freude an der Arbeit mit den Bienen überwog und die vielen Schwierigkeiten traten in den Hintergrund. «Noch heute stellt uns die anspruchsvolle Arbeit mit den Bienen immer wieder vor Herausforderungen. Mit den Jahren haben wir durch Beobachtung aber viel von der Natur gelernt». So kennen sie inzwischen die genaue Blütezeit der besten Trachten, um die Bienen genau zum richtigen Zeitpunkt an optimale Weideplätze zu bringen.

Vor allem im Winter bietet das milde mediterrane Klima grosse Vorteile. Es gibt immer genügend Trachtpflanzen, von welchen sich die Bienen ernähren können. Zum Beispiel der immergrüne Erdbeerbaum (Arbutus) und andere Heidekraut-Gewächse. Eine Fütterung der Bienen kommt für die überzeugten Bio-Imker natürlich nicht in Frage.

Die wohl grösste gesundheitliche Belastung für Roncas Bienen ist die Varroa-Milbe. Oxalsäure hilft, doch die Behandlungen sind aufwändig und können den Befall nicht verhindern, nur mindern. Die Gesundheit der Völker hängt jedoch von vielen anderen Faktoren ab. Zentral ist die Wahl der Königin. «Wir legen Wert auf unsere eigene Zucht, um die Genetik von robusten Bienen zu fördern». Wichtig ist den Roncas auch die Weitergabe ihres hart erarbeiteten Wissens. Ihre Imkerei ist deshalb auch eine Bienenschule, welche Kurse für Schüler und Erwachsene anbietet.

Flavio Piovesan, Italien
Apicoltura Piovesan

Imker Flavio Piovesan aus Italien besitzt 700 Bienenvölker und produziert klimaneutralen und biologischen Honig

Flavio Piovesan stammt aus einer Bauernfamilie und setzte sich schon früh für eine nachhaltige Landwirtschaft ein. «Man nannte uns Alternative», sagt der 63-jährige Imker. Es gab eine kleine Gruppe, die vor der Zeit der Zertifizierungen schon nach biologischen Grundsätzen arbeitete. In einem solchen Betrieb übernahm Flavio die Verantwortung für die Bienen. Daraus entstand die erste zertifizierte Bio-Imkerei Italiens. Seine Frau Alessandra ist Biologin und arbeitete 15 Jahre lang in der Bienenforschung am Institut in Legnaro. Heute umfasst die Imkerei 700 Völker.

Flavio hat keine gravierenden Probleme mit der Varroa-Milbe. Er beugt mit Thymol und Oxalsäure vor, was sich sehr bewährt. Die Rahmen der Waben stammen aus eigener Produktion. Wie in der Delinat-Imkerei vorgeschrieben, werden die Bienen nicht gefüttert, was für Flavio kein Problem ist. Es gibt Pflanzen, die bis spät in den Herbst hinein blühen und Nahrung bieten. Und natürlich lässt Flavio seinen emsigen Insekten bei der Honigentnahme genügend eigenen Vorrat. Im Frühjahr blühen Hartriegel und Löwenzahn schon sehr früh, sodass die «Durststrecke» nur wenige Wochen dauert. Den Frühlingshonig überlässt der weise Imker dann ganz den Bienen, damit die Völker kräftig in die Saison starten.

Flavio ist in all seinem Handeln sehr konsequent. Nachhaltigkeit ist für ihn Grundlage für alle Entscheidungen. So deckt er den gesamten Energiebedarf für seine Imkerei durch die eigene Solaranlage ab. Flavios Honig ist also nicht nur bio und gesund, sondern auch klimaneutral.

Luisa Fernández Alonso, Spanien
Olaya

Luisa Fernández aus Spanien produziert mit ihrer Imkerei Olaya seit 2004 biologischen Honig

Die 54-jährige Luisa Fernández wirkt eher wie eine Unternehmerin als eine Imkerin – und tatsächllich ist sie studierte Betriebswirtin. Was 1997 aus Bewunderung für die Bienen als Hobby begann, hat sich zu einer Berufung entwickelt. Es ging Luisa nicht nur um die Bienenhaltung, sondern um einen Beitrag an die nachhaltige Entwicklung wirtschaftlich bedrohter Regionen im ländlichen Asturien.

Schon wenige Jahre nach Beginn ihrer Imkerei (Olaya S.L.) wurde Luisa klar, dass die traditionellen Methoden zu sehr von der Natur abgerückt sind. Sie entschloss sich 2004 zur Umstellung auf biologische Imkerei: «Wir erachten es als unsere Pflicht, alles für eine nachhaltige Entwicklung in dieser Region zu tun. Insbesondere die Bienenhaltung kann viel für eine artenreiche und gesunde Natur tun. Antibiotika und Akarizide haben hier keinen Platz».

Um Verunreinigungen zu vermeiden, verwendet Luisa nur eigenes Wachs für die Waben. «Wir setzen auf eigene Königinnen. Milben und andere Parasiten begegnen wir mit natürlichen Mitteln wie Ameisen-, Essig-, Milch- und Oxalsäure, sowie ätherischen Ölen». Gegen die Widrigkeiten der Natur kann Luisa die Bienen leider nicht schützen. Trockenheit, Nässe und Waldbrände, die in den letzten Jahren häufiger auftreten, stellen sie immer wieder vor grosse Herausforderungen.

Es ist die Ironie des Schicksals: Luisa hat über die Jahre eine Allergie auf Bienengift entwickelt. Dank Aufteilung der Arbeiten funktioniert der kleine Familienbetrieb trotzdem tadellos. Die Unterstützung durch Luisas Schwester, ihrer Tochter und zwei Gehilfen lässt zu, dass Luisa selbst sich mehr mit dem Honig beschäftigt. Trotzdem lässt sie es sich nicht nehmen, Besucher persönlich zu betreuen und ihnen die Bienen – in gebührendem Abstand – zu zeigen.

Sylvia & Christoph Gaupp, Spanien
Imkerei Gaupp-Berghausen

Christoph Gaupp (Imkerei Gaupp-Berghausen) aus Spanien verzichtet wie alle Delinat-Imker auf die Fütterung im Winter und lässt seinen Bienen genügend eigenen Honig

Vor 40 Jahren wanderte das österreichische Paar nach Spanien aus. Ein Zuhause fand es in Torronteras, einem verlassenen Dorf auf 1030 Metern über Meer, in der Sierra de Guadalajara. Die letzten Einwohner verliessen Torronteras Anfang der 1960er und überliessen das Dorf dem Zerfall.

Sylvia und Christoph Gaupp lebten 15 Jahre lang ohne Strom, bauten ihr Haus auf den Ruinen selbst auf und lebten vom Verkauf selbst hergestellter Produkte aus biologischer Produktion. Eines Tages befand sich ein fremdes Rind unter Gaupps Herde. Vergeblich suchten sie nach dem Besitzer des Tieres und so nahmen sie es auf. Nach einiger Zeit tauchte ein Bauer in Torronteras auf, der von dieser Geschichte gehört hatte und eine Kuh vermisste. Es war tatsächlich sein Tier, das nach einer Odyssee von 60 Kilometern bei Gaupps eine «zweite Weide» gefunden hatte.

Und wie das Leben so spielt, war dieser Bauer Imker und weckte so bei den Gaupps das Interesse für die Bienen. Heute führen Tochter Malva und ihr Partner David die Imkerei und Honig ist auch ihr Haupterwerb. Aber die Imkerei ist schwierig in dieser immer trockener werdenden Region. Wenn das Wasser ausbleibt, blüht es nicht richtig und die Bienen hungern. Das ist in den letzten Jahren zum generellen Problem geworden. Gegen die Varroa-Milbe gehen die Gaupps erfolgreich mit Thymol und Oxalsäure vor. Trotzdem verenden Jahr für Jahr ein paar Völker.

Die Gaupps vermehren ihre Völker über die Zucht eigener Könniginnen und verzichten wie alle Delinat-Imker auf Fütterung im Winter. Es wird genügend eigener Honig in den Stöcken gelassen, so dass die Bienen dank gesunder, natürlicher Nahrung mit viel Energie in den Frühling starten können.

Unser Honig-Sortiment

Eine Biene auf der Suche nach Nektar auf einer Sonnenblume

Um Ihnen einen ungetrübten Genuss zu garantieren, werden unsere Honige in umfassenden Analysen auf Qualität, Ursprung, Pestizidrückstände und vieles mehr geprüft.

Die Honigsorten stammen von Kleinbetrieben und oft sind nur sehr kleine Mengen verfügbar. Doch genau das macht Delinat-Honig attraktiv und authentisch – höchste Qualität, individuell und keine Massenware.

Auch dieses Jahr finden Sie ein sorgfältig ausgewähltes Angebot an handwerklich hergestellten Sortenhonigen. Besonders attraktiv sind die beliebten Probierpakete dunkler, heller und bunt gemischter Sorten.

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Auf gutem Weg. Und noch viel zu tun.

Dankbar blicken wir auf ein arbeitsreiches Jahr zurück. 

Wir haben es geschafft, die Versandlogistik wieder in die eigenen Hände zu nehmen mit dem Ziel, den Kartonmüll zu reduzieren und die Lieferung ökologischer zu gestalten. Wir wussten, dass der Umzug, das Einrichten des Lagers und vor allem die Inbetriebnahme der neuen Prozesse eine grosse Herausforderung bedeutet. 

Der Kraftakt gelang. Aber natürlich nicht ohne Schwierigkeiten und Pannen. Besonders in den ersten Monaten des Jahres lief nicht alles rund. Sollten Sie das zu spüren bekommen haben, so bitten wir um Entschuldigung. Herzlichen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Geduld!

Schon jetzt kommen in der Schweiz über die Hälfte der robusten Versandkartons zur Wiederverwendung zurück. Langfristig streben wir 80% an. In Deutschland hat sich das System mit der DHL-Rückbox nicht bewährt. Wir suchen nach Alternativen und hoffen, bis Frühling ein Sammelsystem anbieten zu können. Bitte bewahren Sie die Kartons so lange auf. Vielen Dank, dass Sie diesen Kreislauf unterstützen. Und dass Sie Versandkartons mit Gebrauchsspuren tolerieren, das ist heute leider nicht selbstverständlich. 

Es freut mich, dass wir im 2019 unseren Kunden noch ein gutes Stück «näher gekommen» sind: In diesem Jahr haben nämlich über 2‘000 Weinfreunde einen unserer 150 Weinkurse besucht, ein neuer Rekord. Sie fanden in 30 Städten quer durch Deutschland und die Schweiz statt. Diesen Winter haben wir in Hamburg ausserdem unseren ersten Standort in Deutschland eröffnet. Im Frühling wird in München ein neuer Verkaufspunkt entstehen. Delinat-Kundinnen und -Kunden mögen den persönlichen Austausch, daher werden wir weitere Treffpunkte anstreben.

Vinya Laia, einer der beliebtesten Delinat-Weine, begeistert seit 20 Jahren seine Fans. Josep Maria Albet i Noya hat die Parzellen über all die Jahre mit zusätzlichen Bäumen, Hecken und Trockenmauern angereichert und seine langjährige Önologin Marga Torres, deren Tochter Laia Namensgeberin war, hat «ihren Wein» zum persönlichen Spitzenprodukt gemacht. Dadurch, aber auch durch das Alter der Reben, ist der Wein heute deutlich komplexer und tiefgründiger. Das Jubiläumspaket, bei dem man zu 12 bestellten Flaschen eine Magnum geschenkt bekommt, war innerhalb weniger Wochen ausverkauft. Wer leer ausging, bekommt im Februar den neuen Jahrgang, natürlich zu denselben Konditionen. Vinya Laia ist wahrscheinlich der erfolgreichste Biowein weltweit und auch dafür sind wir Ihnen und allen treuen Kundinnen und Kunden sehr dankbar!

In Extremsituationen zeigt sich die Wichtigkeit und Auswirkung der Delinat-Methode besonders deutlich. Mindestens zwei Winzern haben die Permakultur-Massnahmen in diesem Jahr entscheidend geholfen: Bei Pago Casa Gran in Südspanien wäre ohne diese Arbeiten wohl ein Grossteil der Reben von Starkregen weggeschwemmt worden. Dasselbe auf Château Duvivier in der Provence. Während die Schäden rundherum enorm sind, haben diese Weingüter das Wasser zurückhalten und einsickern lassen können. Ein wertvoller Schatz – denn die nächste Trockenperiode wird nicht lange auf sich warten lassen.

2021 treten unsere Energie-Anforderungen in Kraft. Dann müssen unsere Winzer mindestens 30% ihres Energiebedarfs selbst produzieren. Die meisten erzeugen den Strom mit Photovoltaik, oft deutlich über dem Minimum. Das aber ist erst der Anfang. Wir streben eine klimaneutrale Weinproduktion an. Dazu gehören ausser einer energieeffizienten Produktion auch Lösungen in Verpackung, Transport, Entsorgung usw. Die grösste Herausforderung wird sein, die Glasproduktion klimaneutral zu gestalten. Denn die Flaschenherstellung verschlingt hinter der Weinproduktion am meisten Energie. Am besten wäre, die Flaschen mehrmals zu nutzen. Das ist ein hehres Ziel, das uns noch ganz schön beschäftigen wird. Bis dahin verwenden wir vorzugsweise Leichtglas. Man glaubt es kaum – manche Weinflaschen wiegen glatt das Doppelte von anderen und dies ohne praktischen Nutzen.

Dann noch dies – ich kann es selbst kaum glauben: Delinat wird 40. Dass wir den Trend zum nachhaltigen Weinbau in Europa massgebend beeinflussen konnten, erfüllt mich mit Freude. Doch leider ist es nichts zu dem, was notwendig wäre, um die sich abzeichnenden Katastrophen zu vermeiden. Das stimmt mich traurig und ich bin sehr dankbar, dass mich meine Tochter mit ihrer jugendlichen Frische inzwischen tatkräftig unterstützt und meine trüben Gedanken zu vertreiben weiss. Doch auch sie ist sich bewusst, dass beherztes Handeln notwendig ist und wir nicht auf die Politik zählen dürfen, wenn wir die grossen Probleme lösen wollen.

Sie, liebe Kundin, lieber Kunde, haben bewiesen, dass Sie verstanden haben und Ihr Handeln konsequent ausrichten. Denn sonst würden Sie sich nicht für unsere Produkte interessieren. Dafür, dass Sie Delinat wählen, danken wir Ihnen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben auch im Namen unseres Teams und unserer Winzer und Imker/innen alles Gute im neuen Jahr und viele schöne Stunden mit Delinat-Weinen aus reicher Natur.

Alle fürs Klima

Die Jungen gehen auf die Strasse, verteidigen ihr Recht auf eine Zukunft. Und bringen damit Bewegung in Politik und Gesellschaft. Es ist ganz erstaunlich, was die Schulstreiks bewirken. Die Klimakrise ist in den Medien präsent wie nie – und doch ist es nicht genug. 

Ein bisschen wie diese engagierten Jugendlichen haben wir uns in all den Jahren gefühlt, in denen wir gegen Pestizide, aber auch gegen unsinnige Gesetze gekämpft haben. Man fühlt sich so machtlos. Wir verstehen die Demonstrierenden. Und wir unterstützen ihr Anliegen: Unsere Mitarbeiter/innen, die an Demos fürs Klima teilnehmen wollen, dürfen das in ihrer Arbeitszeit tun.

Wir hoffen, dass sich der Druck der Strasse auf die Klimapolitik auswirkt. Der Klimawandel ist real, wir erleben ihn hautnah. Alle Delinat-Winzer sind betroffen, Dürren und Extremwetter nehmen zu, von Portugal bis zur Mosel, von Bordeaux bis ins Burgenland. Und es bleibt nicht mehr viel Zeit.

Ganz erfreulich ist, dass nachhaltige Lösungen möglich und auch wirtschaftlich sind – das beweisen unsere Winzer auf eindrückliche Weise. Man muss nur wollen und ein bisschen Mut aufbringen. Es reicht allerdings nicht, wenn wir unser privates Konsumverhalten ändern: Auch auf wirtschaftlicher und politischer Ebene muss etwas passieren.

Wenn auch Sie zu den Demonstrierenden gehören, dann danken wir für Ihr Engagement. Wenn Sie die Schulstreiks nicht gutheissen, dann fragen wir Sie: Wie können wir noch das Ruder herumreissen und unseren Planeten retten? Vielen Dank für Ihre Kommentare unten.

Die Jungen vernetzen sich in den Sozialen Medien. Falls Sie dort unterwegs sind: Unter Hashtag #AllefürsKlima finden Sie Aktionen an Ihrem Wohnort – und unter #wine4future unsere Beiträge für Klimaschutz im Weinbau.

Lebensraum für Wildbienen

In Deutschland verfolgt der Bund für Umwelt und Naturschutz (kurz: BUND) Ziele des Natur- und Umweltschutzes, des Biodiversitäts- und Klimaschutzes sowie des Tier- und Landschaftsschutzes im Sinne einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Entwicklung. Der BUND Landesverband Rheinland-Pfalz e. V. hat für das Projekt «Blühendes Rheinhessen – Wein, Weizen, Wildbienen» Modellpartner gesucht, die bereit sind, die Artenvielfalt und die Lebensbedingungen für Wildbienen in der Agrarlandschaft Rheinhessens aufzuwerten. Denn Wildbienen sind für die biologische Vielfalt unerlässlich. Ohne die Bestäubungsleistung von Wildbienen und anderen Insekten müssten wir Menschen auf etliche Obst- und Gemüsesorten verzichten.

Weingut Hirschhof: Modellpartner für Biodiversität

«Wir haben uns als Modellpartner für dieses Projekt beworben, weil wir hoch motiviert sind, noch mehr zur biologischen Vielfalt in unseren Weinbergen beizutragen», sagt Hirschhof-Winzer Tobias Zimmer.

Neben der Liebe zur Natur steckt da durchaus auch Eigennutz dahinter. Tobias Zimmer: «Für die Produktion von gesunden, qualitativ hochwertigen Trauben sind wir auf ein gesundes Ökosystem angewiesen. Ausserdem führen Vielfalt und ein ökologisches Gleichgewicht erwiesenermassen auch zu verringertem Schädlingsdruck.»

Den Projektverantwortlichen ist es nach einer Begehung der Weinberge leicht gefallen, das Weingut Hirschhof als Modellpartner auszuwählen. Die fünf Spezialisten für Wildbienen und Kräuterkunde konnten einen Vormittag lang bei strahlendem Sonnenschein eine bereits reich vorhandene Pflanzen- und Tierwelt erfassen.

Fotos: Ursula Gönner

Gesichtet wurden gegen 80 Pflanzenarten, sechs verschiedene Arten von Wildbienen, 16 Arten Falter und 14 Arten andere Lebewesen – vom Marienkäfer über Heuschrecken bis zum Rotmilan.

Beeindruckende Artenvielfalt

«Es ist wirklich sehr beeindruckend, was es auf den Flächen des Hirschhofs schon alles gibt», lobte Projektleiterin Dr. Tatjana Schneckenburger. Dass die natürliche Vielfalt auf dem Hirschhof einen hohen Stellenwert hat, ist auch der langjährigen Zusammenarbeit mit Delinat geschuldet. Die Delinat-Richtlinien verlangen explizit eine Förderung der Biodiversität.

Weitere Massnahmen, die im Herbst 2019 beginnen, sollen diese Vielfalt nun noch erhöhen. Die Anlage zusätzlicher Blühstreifen, Untersaaten und Retentionsflächen sollen die Verfügbarkeit von Nahrung, Nistmaterial und Lebensraum für Wildbienen weiter verbessern.

«Alle Massnahmen werden gemeinsam mit den Experten vom BUND geplant. Es erfolgt eine wissenschaftliche Begleitung vor und nach den Massnahmen, um den Effekt auf die Wildbienen zu messen», erklärt Tobias Zimmer.

Zu Besuch im Tal der Kamele

Weingut Vale de Camelos mit Stausee «Monte»

Von Antje Kreikenbaum, Vale de Camelos. Klimawandel, Wassermangel und Dürre sind im Alentejo in Portugal keine düstere Zukunftsvision mehr, sie sind bereits Gegenwart. Sie gehören zu den drängenden Problemen mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, wenn wir Weinbau und Landwirtschaft in unserem «Tal der Kamele» betreiben wollen.

Klimawandel ist Gegenwart

Dies stellt uns vor Herausforderungen, denen wir in vielfältiger Weise begegnen. Wir, das ist ein deutsch-portugiesisches Team, das eng zusammenarbeitet: eine Agrar-Ingenieurin, zwei Önologen, acht feste MitarbeiterInnen für die tägliche Farmarbeit – und wir, die ganze Familie Kreikenbaum (Antje, Thorsten und Jannes ). Gemeinsam sind wir im ständigen kreativen Austausch und versuchen, das Beste aus den vorhanden Gegebenheiten zu machen.

Aussaaten im Frühjahr mit Solarzellen. Es wird mehr Strom produziert als verbraucht.

Die Schaffung von Wasser-Retentionsflächen in Verbindung mit Keyline-Management ist dabei vielleicht der wichtigste Baustein. Wir haben im Laufe der letzten 35 Jahre fünf grosse Stauseen angelegt bzw. erweitert, die als Wasserreservoirs für das sonst ungenutzt ablaufende Winter-Regenwasser dienen. Regelmässig kommt es in den Hitzemonaten Juni bis September zu vollkommener Trockenheit bei Temperaturen bis zu 50°C. Deshalb wird das Wasser zur Bewässerung von Oliven und Wein in diesen Trockenzeiten benötigt.

Stauseen versorgen die Pflanzen und Tiere mit Wasser

Die Wasserflächen bilden zudem reichhaltige Biotope im sonst völlig ausgetrockneten Umland. Jedes Jahr versammeln sich an den Stauseen von Vale de Camelos bis zu 1500 Kraniche und andere Zugvögel im Winterquartier. Andere Vogelarten wie z.B. den fast ausgestorbenen Grosstrappen bieten die Seen und die daraus entstandenen Rückzugsgebiete eine Heimat, so dass sich auf dem Gebiet von Vale de Camelos mittlerweile verschiedene Vogelschutzzonen und Naturschutzgebiete wie das NATURA 2000-Gebiet überlappen.

See im Morgenlicht

Ohne unsere Stauseen wäre ein Weinbau kaum möglich. Daher sind die Seen auch Namensgeber für einige unserer Weine, die Sie bei Delinat beziehen können: Der Rotwein Vale de Camelos Organim Tinto erhält seinen Namen vom Stausee Organim, der inmitten unserer Johannisbrot- , Korkeichen und Olivenanpflanzungen liegt. Unsere Solaranlagen produzieren dort Strom für eine nachhaltige Energieversorgung. Ihm ist eine fruchtige, gehaltvolle Cuvée aus Touriga Nacional, Aragonez und Syrah gewidmet.

Permakultur und Biodiversität

Permakultur und Biodiversität sind für diese Wirtschaftsweise die grundlegenden Stichworte. Ehemalige ausgetrocknete Getreideflächen wurden von uns mit autochthonen Gehölzen bepflanzt, z.B. Johannisbrotbäume, Steineichen, Pinien, Korkeichen, Oliven. So wurden im Laufe der Jahre mehr als 600 Hektar neue Waldflächen geschaffen.

Reiche Biodiversität im Weinberg

Ein weiterer Baustein, mit dem wir uns dem Klimawandel entgegen stellen, ist die Aufforstung, Anpflanzung und Aussaat autochthoner Pflanzenarten. Lebendige Böden sind eine Heimat nicht nur für Trauben und Oliven, sondern auch für Blumen, Gräser, Kräuter, Schmetterlinge, Vögel, Insekten, Reptilien und unzählige Bodenlebewesen. Da die Gesamtfläche der Farm sich über 1000 Hektar (davon ca. 30 Hektar Weinanbau) erstreckt, hat sich im Laufe der Jahre eine grüne Oase inmitten der durch den Getreideanbau der 70iger Jahre ausgebeuteten Landschaft gebildet.

Aufforstung verbessert den Wasserhaushalt

Wir forsten nach wie vor weitere Flächen auf, die letzte Neupflanzung von 33 Hektar Korkeichen und Pinien ist im Jahr 2016 fertig gestellt worden. Begrünung und Bewaldung bilden organische Materie und verbessern den Wasserhaushalt des Bodens (Melioration). So können extreme Hitzegrade abgepuffert werden. Durch diese Massnahmen hat sich das Mikroklima und die Biodiversität in den letzten Jahren nachhaltig und nachweislich verändert.

Flamingos über dem Stausee – die Farm ist Vogelschutzgebiet

Neue Anpflanzungen werden nach den Grundsätzen der Permakultur angepflanzt. Der Boden wird vorbereitet, indem wir unseren sorgfältig vorbereiteten Kompost einbringen, den wir über die Jahre vor allem aus Schafsdung unser eigener Schafe, eigenem Grünschnitt und Humus aus Ausbaggerung unserer Seen gewonnen haben.

Wo immer möglich arbeiten wir nach dem Prinzip des «Keyline Management» , einem Grundsatz der Permakultur. Vereinfacht gesagt, wird hierbei der Topografie des Bodens gefolgt, um möglichst alles Wasser im Boden und auf dem Gelände zu halten. So wird der Wasserverbrauch minimiert und bei Regen das Wasser direkt den Pflanzen verfügbar gemacht.

Schafe für nachhaltige Bewirtschaftung

In Vale de Camelos weiden ca. 1200 Merino-Schafe. Die Schafe bilden einen wertvollen Bestandteil der nachhaltigen Bewirtschaftung. Sie weiden in den verschiedenen Anbauflächen und sorgen so für eine natürliche Düngung, Durchlüftung des Bodens und Eindämmung von Unkraut, die so nicht maschinell gemacht werden muss. Zudem wird der Schafsdung der gepferchten Schafe gesammelt und kompostiert. Der Kompost wird wiederum zur Bodenverbesserung eingesetzt.

Schafe unter den Korkeichen

Die Farm wirkt mittlerweile als Modell für internationale Forschung. Regelmäßig bekommen wir Besuch von Studenten- und Dozentengruppen, die unsere Weinberge besichtigten. Sie sind beeindruckt von den Biodiversitäts-Projekten, den neuen Anpflanzungen und den verschiedenen Massnahmen zur Wasserrückhaltung im Boden.

Auf der Farm haben wir schon heute mit Problemen des Klimawandels zu kämpfen. Die Desertifikation der Landschaft wird auch in anderen Ländern in Zukunft zum Problem werden, auch in der Schweiz und in Deutschland wurde das in den heissen Sommermonaten 2018 spürbar.

Helena Manuel, Betriebsleiterin (links) und Marta Pereira, Önologin engagieren sich für eine reichhaltige Biodiversität – und authentische Weine mit Terroircharakter

Wir konnten zeigen, wie unsere Massnahmen helfen, sich dieser Entwicklung entgegen zu stemmen. Die Humusschicht hat sich in den letzten Jahren nachweisbar erhöht, die Wasserstände fallen nicht mehr so dramatisch wie noch vor den Anpflanzungen nach den Grundprinzipien der Permakultur. Die Pflanzen sind insgesamt gesünder, besser mit Wasser aus dem Boden versorgt und resistenter gegen Schädlinge.

Weinreisen und Winzerberatung

Die Delinat-Winzerberater stehen uns bei unserer Arbeit mit Rat und Tat zur Seite und besuchen uns regelmässig, um die anstehenden Aufgaben zu besprechen und sich über neue Erkenntnisse auszutauschen. Auch die anderen Delinat-Winzer beim Winzerseminar und die Gäste der Delinat-Weinreisen sind willkommene Besucher, die sich bei uns über unsere Wirtschaftsweise informieren.

Delinat-Weinreisen zu Besuch: Degustation und lokale Spezialitäten auf der Terrasse (links im Vordergrund Emil Hauser, Einkäufer bei Delinat)

Natürlich soll bei aller Auseinandersetzung mit den Problemen des Klimawandels der Genuss und die Lebensfreude nicht zu kurz kommen. Der Blick in den Weinberg von der kühlen Terrasse mit einem Gläschen Wein in der Hand, ein Spaziergang am See und in den Rebzeilen mit blühenden Aussaaten: Das entschädigt für alle Mühe!

Beim einem Besuch im «Tal der Camele» stehen für die Delinat-Reisegruppen eine Weingutsführung, Mittagessen mit lokalen Spezialitäten, unserem Olivenöl und Honig und natürlich eine Weinprobe auf dem Programm. Beim letzten Besuch einer Reisegruppe im Juni hatte Marta Pereira, die als studierte Önologin die Weinbereitung betreut, regionale Leckereien gekocht, die sie im familieneigenen Restaurant vorbereitet hatte.

Weinversand im Wandel: Umzug des Delinat-Warenlagers

Nachhaltigkeit und Ökologie sind bei Delinat nicht auf den Weinbau beschränkt. Vielmehr dominieren sie sämtliche Prozesse und Entscheidungen. Das fängt im Kleinen an, zum Beispiel mit dem Gebrauch von Recycling-Papier und konsequenter Mülltrennung. Die Vermeidung von Flugreisen hat bereits grössere Wirkung, die Herstellung des eigenen PV-Stroms und die Verwendung von Elektroautos erst recht. Einer der grössten Hebel ist die Verpackung für einen sicheren Versand und die Logistik im Allgemeinen.

Am 2. Januar 2019 machen wir den nächsten grossen Schritt: Wir nehmen ein neues, eigenes Versandlager im zentral gelegenen Grenzach bei Basel in Betrieb. Unser Ziel ist kein Geringeres als Weine sicher, schnell und ohne Verpackungsmaterial in ganz Europa auszuliefern. Wir wollen der ökologisch vorbildlichste und zuverlässigste Versandhändler in Europa werden. Schon seit einiger Zeit war klar, dass externe Dienstleister unseren Ansprüchen nicht gerecht werden können, weshalb wir vor einem Jahr entschieden haben, das Delinat-Lager wieder in die eigenen Hände zu nehmen.

Dank einer modernen und vollständig auf unsere Bedürfnisse ausgerichteten Infrastruktur werden wir künftig schneller und zuverlässiger ausliefern können. Auch aus ökologischer Sicht soll das Gebäude zum Vorzeigeobjekt werden. Das Dach ist bereits mit einer grosszügigen PV-Anlage ausgestattet. Zusätzlich wird eine neue Anlage die Südfassade bedecken, die gleichzeitig wertvollen Schatten spendet, um die Sommerhitze zu reduzieren. Die Nord- und Westfassaden werden begrünt, um zusätzlich zu isolieren.

Wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, werden wir das Gebäude gebührend einweihen. Natürlich bekommen Sie rechtzeitig eine Einladung und wir hoffen schon jetzt, dass Sie uns besuchen werden.

Es freut uns sehr, dass wir nach langer Abhängigkeit von externen Dienstleistern nun in der Lage sind, die Logistik künftig selbst und besser zu machen.

Hinweis: Aufgrund des Lagerumzuges, werden wir Bestellungen, die nach dem 19. Dezember 2018 eingehen, erst im neuen Jahr verschicken können. Wir danken für Ihr Verständnis.

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