Klimawandel im Weinbau – Feuer und Wasser

2021 geht in Europa als Jahr der Wetterextreme mit zum Teil verheerenden Folgen in die Annalen ein. Feuer, Wasser, Frost und Hagel machten vielen Winzern zu schaffen und führten zu grossen Ertragsausfällen. Während in Südfrankreich der Feuerteufel wütete, verursachte in Deutschland Hochwasser gewaltige Schäden.

Waldbrände und zerstörte Reben (Frankreich)
Wind und Feuer in Frankreich, …

«Es ist ein Desaster. Im April hatten wir auf 40 Hektar Reben im Flachland grosse Frostschäden. Im Juli waren es Brände, die viele unserer Reben und wertvolle Garrigue- und Waldlandschaft in und um unsere Weinberge zerstörten.» Anne Lignères, die gemeinsam mit ihrem Mann Jean die Domaine Lignères im Languedoc bewirtschaftet und Delinat mit zahlreichen Weinen beliefert, spricht von einem «sehr komplizierten Jahr 2021». Wie viel es letztlich noch zu ernten gab, war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht klar.

Gewiss ist: Die Spuren der verheerenden Brände, die Südfrankreich im Juli heimgesucht haben, werden rund um die Domaine Lignères noch lange sichtbar sein. Glücklicherweise blieben das Château und die Reben in der Ebene von der Feuersbrunst verschont. Vom Feuer betroffen waren aber bis zu acht Hektar in höheren Lagen, ausgerechnet jene Parzellen, die aufgrund ihrer Exposition im April vor Frostschäden verschont geblieben waren.

Hochwasser in Deutschland

Überschwemmungen im Weinberg (Deutschland)
… Erdreich und Wasser in Deutschland.

Während im Süden der Feuerteufel wütete, wurden Teile von West- und Mitteleuropa im Juli von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht, die über 200 Todesopfer forderte. Besonders stark betroffen waren Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen in Deutschland. Die Katastrophe hatte sich schon im Juni angebahnt, als etwa in der Pfalz bis zu fünf Mal höhere Niederschlagsmengen niedergingen als in einem normalen Jahr. «Der Juni war für die deutschen Winzer ein katastrophaler Monat», sagt Delinat-Winzer Alex Pflüger vom gleichnamigen Weingut in der Pfalz. In den Weinbergen war es feucht und warm wie in einem Treibhaus, was zu einer überaus wuchsfreudigen Vegetation führte. «Es war unmöglich, mit der Laubarbeit nachzukommen. Dies wiederum führte zu Staunässe und starkem Krankheitsbefall in den Reben», erklärt Alex Pflüger.

Zur eigentlichen Katastrophe kam es dann Mitte Juli, als ganze Dörfer überflutet wurden, viele Menschen starben oder ihr ganzes Hab und Gut verloren. An der Ahr sind gleich mehrere Weingüter um die Existenz gekommen. Vergleichsweise kamen die Delinat-Winzer an der Mosel, in der Pfalz und in Rheinhessen mit einem blauen Auge davon. «Wegen den hohen Niederschlagsmengen und den völlig durchnässten Böden konnten die Rebberge vielerorts nicht mehr mit dem Traktor befahren werden, um den Pflanzenschutz durchzuführen. Wir mussten wie zu Grossvaters Zeiten auf alte Geräte wie den Solo Minor zurückgreifen», erzählt Pfalz-Winzer Alex Pflüger. Bei diesem Gerät handelt es sich um eine von Hand geführte, mit einem Motor angetriebene Weinbergspritze. Pflügers Weinberge blieben dank natürlicher Begrünung aller Gassen von Erosion und Überschwemmungen weitgehend verschont. Der Ernteausfall hielt sich in Grenzen. Alex Pflüger spricht von durchschnittlich 15 bis 20 Prozent, beim Merlot von einem Totalausfall.

Schaden hat auch eine drei Meter hohe Trockensteinmauer im Ungsteiner Herrenberg genommen. Der hohe Wasserdruck im Boden hat dazu geführt, dass sie auf einer Länge von rund vier Metern durchgebrochen ist. Das bedeutete eine Woche Reparaturarbeiten für das ganze Pflüger-Team. «Alles in allem hatten wir aber Glück in diesem Unglücksjahr», so Alex Pflüger.

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Emil Hauser
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