Wassermassen gebändigt

Drei Jahre nach den grossen Permakultur-Erdarbeiten auf Château Duvivier gab es im Oktober 2021 den ersten Härtetest. Ohne die Wasserretentions-Massnahmen wäre es vermutlich zu grossen Schäden gekommen.

Um die aktuellen Herausforderungen des Klimawandels mit langen Trockenperioden und sturzflutartigen Starkregen bewältigen zu können, wurde 2018 auf dem Delinat-Modellweingut Château Duvivier in der Provence ein Grossprojekt zur Wasserretention umgesetzt. Nicht nur sollen damit Überschwemmungen und Erosion, sondern vor allem auch das Wegfliessen des kostbaren Regens vermieden werden. Abgeschlossen wurden die Erdarbeiten mit dem Pflanzen von hunderten von Bäumen und Büschen, die der Biodiversität noch einmal einen Schub verliehen haben. Auch der Humusaufbau wurde dadurch gefördert – ein weiterer Schritt in Richtung regenerativer Landwirtschaft.

Wasserretentionsbecken auf dem Delinat-Weingut Château Duvivier

Nach dem Konzept der beiden österreichischen Permakultur-Spezialisten Josef Andreas Holzer und Jens Kalkhof wurden Seen, Teiche, Kanäle und Gräben angelegt, die verhindern, dass bei starken Niederschlägen das Regenwasser einfach abfliesst, sondern aufgefangen wird. Nach und nach kann das Wasser so im Boden versickern, den Grundwasserspiegel erhöhen und trotz kleiner Jahresmengen stabil halten. Auch in langen Trockenperioden finden die tiefen Wurzeln der Reben so genügend Feuchtigkeit.

Katastrophe verhindert

Der Herbst 2021 wurde für das neue Konzept zu einem ersten Härtetest. Nach zwei trockenen Jahren kam es Anfang Oktober auf Château Duvivier zu einem Starkregen. Innerhalb von 24 Stunden fielen 200 mm Regen, die Hälfte davon in nur einer Stunde – eine ausserordentliche Menge! Das führte in der Umgebung zu Überschwemmungen und Erosionsschäden auf den Feldern. Auf Château Duvivier hingegen konnte der grösste Teil der Wassermassen auf den Versickerungsflächen, den Kanälen, Teichen und im See zurückgehalten werden. Weil der Boden kaum bearbeitet und die Begrünung nur gewalzt statt geschnitten wird, war er durch trockene Wurzeln stabilisiert. Selbst diese Sturzflut konnte im Boden versickern und hat nur auf einigen Wegen kleine Erosionsfurchen hinterlassen. Die neuen Konzepte im Kampf gegen die zunehmenden Folgen des Klimawandels haben sich bestens bewährt.

Weil wegen der Corona-Pandemie schon das zweite Jahr kein wirtschaftlicher Ferienbetrieb möglich war, wurden die Delinat-Winzer aus ganz Europa auf Château Duvivier eingeladen, um ein paar Tage auszuspannen und sich von den Konzepten der Permakultur, des Agroforsts und der regenerativen Landwirtschaft zu überzeugen. Davon haben etwa zwanzig Winzer Gebrauch gemacht, und sie alle waren begeistert vom Fortschritt seit ihrem letzten Besuch. Voller Ideen und mit viel Mut und Motivation sind sie abgereist, und wir sind gespannt, wie sie die Anregungen zu Hause nutzen werden.

Ab März 2022 sollen für Delinat-Kunden wieder Ferienwochen auf Château Duvivier angeboten werden. Alle Informationen dazu unter: www.chateau-duvivier.com

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Klimawandel im Weinbau – Feuer und Wasser

2021 geht in Europa als Jahr der Wetterextreme mit zum Teil verheerenden Folgen in die Annalen ein. Feuer, Wasser, Frost und Hagel machten vielen Winzern zu schaffen und führten zu grossen Ertragsausfällen. Während in Südfrankreich der Feuerteufel wütete, verursachte in Deutschland Hochwasser gewaltige Schäden.

Waldbrände und zerstörte Reben (Frankreich)
Wind und Feuer in Frankreich, …

«Es ist ein Desaster. Im April hatten wir auf 40 Hektar Reben im Flachland grosse Frostschäden. Im Juli waren es Brände, die viele unserer Reben und wertvolle Garrigue- und Waldlandschaft in und um unsere Weinberge zerstörten.» Anne Lignères, die gemeinsam mit ihrem Mann Jean die Domaine Lignères im Languedoc bewirtschaftet und Delinat mit zahlreichen Weinen beliefert, spricht von einem «sehr komplizierten Jahr 2021». Wie viel es letztlich noch zu ernten gab, war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht klar.

Gewiss ist: Die Spuren der verheerenden Brände, die Südfrankreich im Juli heimgesucht haben, werden rund um die Domaine Lignères noch lange sichtbar sein. Glücklicherweise blieben das Château und die Reben in der Ebene von der Feuersbrunst verschont. Vom Feuer betroffen waren aber bis zu acht Hektar in höheren Lagen, ausgerechnet jene Parzellen, die aufgrund ihrer Exposition im April vor Frostschäden verschont geblieben waren.

Hochwasser in Deutschland

Überschwemmungen im Weinberg (Deutschland)
… Erdreich und Wasser in Deutschland.

Während im Süden der Feuerteufel wütete, wurden Teile von West- und Mitteleuropa im Juli von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht, die über 200 Todesopfer forderte. Besonders stark betroffen waren Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen in Deutschland. Die Katastrophe hatte sich schon im Juni angebahnt, als etwa in der Pfalz bis zu fünf Mal höhere Niederschlagsmengen niedergingen als in einem normalen Jahr. «Der Juni war für die deutschen Winzer ein katastrophaler Monat», sagt Delinat-Winzer Alex Pflüger vom gleichnamigen Weingut in der Pfalz. In den Weinbergen war es feucht und warm wie in einem Treibhaus, was zu einer überaus wuchsfreudigen Vegetation führte. «Es war unmöglich, mit der Laubarbeit nachzukommen. Dies wiederum führte zu Staunässe und starkem Krankheitsbefall in den Reben», erklärt Alex Pflüger.

Zur eigentlichen Katastrophe kam es dann Mitte Juli, als ganze Dörfer überflutet wurden, viele Menschen starben oder ihr ganzes Hab und Gut verloren. An der Ahr sind gleich mehrere Weingüter um die Existenz gekommen. Vergleichsweise kamen die Delinat-Winzer an der Mosel, in der Pfalz und in Rheinhessen mit einem blauen Auge davon. «Wegen den hohen Niederschlagsmengen und den völlig durchnässten Böden konnten die Rebberge vielerorts nicht mehr mit dem Traktor befahren werden, um den Pflanzenschutz durchzuführen. Wir mussten wie zu Grossvaters Zeiten auf alte Geräte wie den Solo Minor zurückgreifen», erzählt Pfalz-Winzer Alex Pflüger. Bei diesem Gerät handelt es sich um eine von Hand geführte, mit einem Motor angetriebene Weinbergspritze. Pflügers Weinberge blieben dank natürlicher Begrünung aller Gassen von Erosion und Überschwemmungen weitgehend verschont. Der Ernteausfall hielt sich in Grenzen. Alex Pflüger spricht von durchschnittlich 15 bis 20 Prozent, beim Merlot von einem Totalausfall.

Schaden hat auch eine drei Meter hohe Trockensteinmauer im Ungsteiner Herrenberg genommen. Der hohe Wasserdruck im Boden hat dazu geführt, dass sie auf einer Länge von rund vier Metern durchgebrochen ist. Das bedeutete eine Woche Reparaturarbeiten für das ganze Pflüger-Team. «Alles in allem hatten wir aber Glück in diesem Unglücksjahr», so Alex Pflüger.

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Delinat-Winzer und das verrückte Weinjahr 2021

Nicht nur im Languedoc und in Deutschland kämpften unsere Winzer mit Wetterkapriolen, wie eine Nachfrage bei verschiedenen Weingütern in ganz Europa zeigt.

Schweiz

Roland Lenz, Winzer im Thurgau
Rolanz Lenz, Thurgau

Viele Winzer haben die diesjährigen Wetterextreme besonders heftig zu spüren bekommen. Sie reden von einem der schlimmsten Jahre der Vergangenheit mit sehr hohen Ernteausfällen. Auf Frühjahrsfrost folgten ein nasser, schwüler Sommer und damit ein immenser Krankheitsdruck durch den Falschen Mehltau. In der Westschweiz, im Tessin und in der Ostschweiz machten besonders Starkregen und Hagelstürme zu schaffen. Winzer Roland Lenz: «14 von 21 Hektar unserer Rebfläche waren vom Hagelsturm betroffen, der am 13. Juli über Zürich und die Ostschweiz fegte. Wir haben auch 1999 und 2016 zwei schlimme, nasse Jahre erlebt. Aber 2021 schlägt alle Rekorde. Sturmböen, extreme Kälte oder Wärme, Hagel, Frost oder tropische Verhältnisse zwingen uns, neue Wege zu gehen. Deshalb haben wir entschieden, ab Jahrgang 2021 nur noch PIWI-Weine anzubieten. Diese robusten Sorten trotzen dem Klimawandel am besten.»

Österreich

Etwas weniger dramatisch war es in Österreich. Winzer Andreas Harm, der Weinberge in der Wachau und im Kremstal bewirtschaftet, spricht von sehr trockenen Wintermonaten, welche die Blüte hinauszögerten und das Keimen der ausgebrachten Begrünungssaat verhinderten. Die natürlich im Weinberg vorkommenden Gräser und Kräuter entwickelten sich dagegen hervorragend. Im Sommer gab es ein paar Starkregen- und Hagelereignisse, die aber keine gravierenden Schäden zur Folge hatten. Der Krankheitsdruck durch Mehltau blieb gering.

Spanien

Josep Maria Albet i Noya
Josep Maria Albet i Noya, Penedès

Der Frühling war einer der trockensten seit 1961. Ausnahmen bildeten südöstliche Regionen wie Valencia und Alicante, die überdurchschnittliche Regenmengen verzeichneten. In Kastilien und León gab es im März und April Frost. Im Sommer erreichten die Temperaturen im Süden Spaniens Rekordwerte von 47,2 ° Grad. Ebenfalls extreme Trockenheit und hohe Temperaturen vermelden unsere Winzer in der Rioja und in Navarra, worunter die Reben aber dank ökologisch intaktem Umfeld nur wenig gelitten haben. Ohne grosse Probleme kam man auch in Katalonien über die Runden: Winzer Josep Maria Albet i Noya: «Weil es weniger geregnet hat als letztes Jahr, verzögerte sich die Ernte um einige Tage.»

Portugal

Erfreulich der Bericht von der Adega Vale de Camelos. Antje Kreikenbaum: «Allgemein war das Jahr 2021 im Alentejo eher kühl und verhältnismässig regenreich. Endlich einmal ein Jahr ohne Wetterextreme. Über den Sommer blieben sogar die gefürchteten Hitzewellen von 40 ° Grad und mehr aus. Auch erlitten die Trauben weder Sonnenbrand noch Trockenstress. Starkniederschläge waren keine zu verzeichnen, wenn es regnete, dann gleichmässig und lang anhaltend. Dank der guten und gleichmässigen Wasserversorgung über die gut gefüllten Stauseen und der gemässigten Temperaturen bis maximal 30 ° Grad fanden die Reben, die Begrünung und die Neuanpflanzungen optimale Wachstumsbedingungen. Die im Winter ausgebrachte Begrünung, die normalerweise Anfang Sommer vertrocknet, musste aufgrund der grossen Wüchsigkeit gewalzt werden. Dies begünstigte den Feuchtigkeitshaushalt und die Vielfalt der Mikroorganismen im Boden, die Bodenfruchtbarkeit konnte dieses Jahr gesteigert werden: ein Schritt in Richtung regenerative Landwirtschaft.»

Italien

Hagel auf dem Weingut Poggio Ridente im Piemont
Hagel auf dem Weingut Poggio Ridente im Piemont.

Cecilia Zucca vom Weingut Poggio Ridente im Piemont hatte ein schwieriges Jahr: «Es begann mit Frost im März und April. Wir hatten Glück, aber um uns herum waren alle Nachbarn stark betroffen. Danach folgten heftige Regenfälle in Verbindung mit Hagelstürmen im Juni und Juli, wobei die Trauben beschädigt wurden. Perioden intensiver Niederschläge und Dürreperioden und überdurchschnittlich hohe Temperaturen wechselten sich ab, was zu Stress bei den Reben führte. Die Ernteeinbussen halten sich aber bei uns in Grenzen.»

Winzer Neri Gazulli von der Tenuta San Vito in der Toskana meldet, dass sich einige klimabedingte Probleme, die es seit mehreren Jahren gibt, 2021 weiter zugespitzt haben. Uneinheitliche Temperaturen im Winter mit sprunghaften Anstiegen und Rückgängen von 10 bis 15 ° Grad, Rückgang der Niederschläge während der Vegetationsperiode sowie mehrere Hitzetage im Sommer von über 40 ° Grad machen den Reben zu schaffen und stellen die Winzer in der Toskana vor grosse Herausforderungen. Auf San Vito konnten diese mehrheitlich gut gemeistert werden. Die Ertragseinbussen hielten sich im Rahmen, die Traubenqualität ist gut.

Süditalien litt im Juni unter aussergewöhnlicher Hitze von bis zu 45 °C, gefolgt von einer langen Dürreperiode. Das stresse ein paar wenige Rebsorten ziemlich stark, andere trugen früh reife Trauben, sodass früher geerntet wurde. «Für uns hatte das aber weder bezüglich Ertrag noch in Bezug auf die Qualität negative Konsequenzen. Wir gehen von einem weiteren sehr guten Jahrgang aus», sagt unser Winzer Massimo Maggio aus Sizilien.

Griechenland

Trockenheit und die Hitze haben zu verheerenden Bränden geführt. Auch auf der Halbinsel Peloponnes sind Waldbrände ausgebrochen. Glücklicherweise blieb das Weingut Spiropoulos davon verschont. Konstantina Spiropoulos meldete im August: «Die Situation in weiten Teilen Griechenlands ist wirklich schlimm. Bei uns ist der Gesundheitszustand der Trauben sehr gut, da wir eine niedrige Luftfeuchtigkeit haben.»

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WeinLese 60: Kurz & bündig

Dem Klimawandel getrotzt

Genügend Wasser dank Wassermanagment nach dem Konzept der Permakultur auf dem Weingut Pago Casa Gran

Carlos Laso spürt auf seiner Bodega Pago Casa Gran im Hinterland von Valencia den Klimawandel schon seit Jahren. Ausgedehnte Trockenperioden mit Wassermangel wechseln ab mit sintflutartigen Regengüssen, die für Überschwemmungen und Erosion sorgen. Vor vier Jahren begann er ein von Delinat-Winzerberater Daniel Wyss entwickeltes Bewässerungskonzept nach dem Konzept der Permakultur umzusetzen. Er legte Teiche und Versickerungsgräben an, die das Regenwasser speichern und nach und nach an die Reben abgeben. Nach einigen Rückschlägen funktioniert das Bewässerungskonzept jetzt gut und hat diesen Sommer sogar für eine freudige Überraschung gesorgt: Eine alte, während Jahren versiegte Grundwasserquelle sprudelt jetzt plötzlich wieder. Für Carlos ist klar, dass das Grundwasserreservoir einerseits durch die ausgehobenen Retentionsbecken und Gräben sowie durch die ausgiebigen Regenfälle in diesem Frühjahr aufgefüllt wurde.

Gold für Delinat-Wein

An der diesjährigen Sommerverkostung der Internationalen Weinprämierung MUNDUS VINI gab es für Delinat sieben Gold- und vier Silbermedaillen. Mit Gold prämiert wurden die Rotweine Albet i Noya Reserva Martí 2014 (Penedès); der Alagea 2018 von der Bodega Pago Casa Gran (Valencia); der Barbera La Luna del Rospo Bric Rocche 2017 von Renate Schütz (Piemont); der Mignechi Nero d’Avola 2017 von Massimo Maggio (Sizilien) und der Vale de Camelos Reserva 2017 vom gleichnamigen Weingut (Alentejo). Ebenfalls Gold gab es für den Weisswein Carcabo Blanco 2014 von Alberto Ramírez von der Bodega Las Cepas (Rioja) sowie für den Schaumwein Albet i Noya Espriu Brut 2017 (Penedès).
-> Hier finden Sie alle Medaillen-Weine aus unserem Sortiment.

Beharrlichkeit zahlt sich aus

Anne und Jean Lignières pflanzen Bäume zur Förderung der Biodiversität

In einer Welt, die wettermässig oft verrückt spielt, brauchen Winzer oft Geduld, bis sich Massnahmen zugunsten der Biodiversität auszahlen. Das ging auch Anne und Jean Lignières im südfranzösischen Languedoc nicht anders. Auf Anregung von Delinat haben sie 2012 rund um ihre Rebparzellen Bäumchen und Sträucher gepflanzt. Wildtiere, Schafe und Ziegen haben das als Einladung zu einem Festmahl betrachtet und sich mit grossem Appetit auf die jungen Schösslinge gestürzt. Übrig gebliebene junge Pflänzchen fielen später einer Dürreperiode zum Opfer. Doch die Familie Lignières hat nicht aufgegeben, Neupflanzungen vorgenommen und kann sich heute über viele prächtige und gut sichtbare Pflanzen freuen, die eine echte Bereicherung für Flora und Fauna rund um die Weinberge darstellen.

Nanas Bioladen bei Sepp Moser

Bioladen auf dem Weingut Sepp Moser

Das Weingut Sepp Moser in Rohrendorf im Kremstal wird von Andrea und Nikolaus (Niki) Moser biodynamisch und nach den strengen Delinat-Richtlinien geführt. Neben feinen Weinen gibt es hier seit Ende Mai 2020 auch ein Sortiment an liebevoll ausgewählten Bio-Lebensmitteln rund um Milch, Brot, Eier, Obst, Gemüse, Fleisch und Getreide. Tochter Mariana (Nana) Moser hat als Jungunternehmerin auf dem Familienweingut einen Bioladen eröffnet, mit dem die ökologische Produktion und die regionale Wertschöpfung gefördert werden. Die Produkte stammen grösstenteils direkt von Bio-Bauern aus der Umgebung. Geöffnet hat Nanas Bioladen am Dienstag und Freitag von 15 bis 19 Uhr sowie am Samstag von 9 bis 12 Uhr.

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Der Klimawandel und die Weinlese 2020

In weiten Teilen Europas ist die Weinlese in vollem Gange. Nicht überall wirkt sich der Klimawandel gleich aus. Während in südlichen Region höhere Temperaturen zu deutlich früherem Erntebeginn führten, ist dies in nördlichen Regionen diesmal weniger der Fall. Wetterextreme wie Dürre oder Starkregen hielten sich 2020 bisher fast überall in Grenzen. Allgemein können Delinat-Winzer eine gute Traubenqualität bei eher unterdurchschnittlicher Menge einfahren.

Weinlese 2020

Spanien

Bei den Winzern in Spanien dominiert dieses Jahr ein Thema: Wasser und die damit verbundenen Folgen. «Im Norden haben regelmässige Niederschläge und erhöhte Temperaturen zu einem noch nie dagewesenen Krankheitsdruck geführt», sagt Raúl Ripa von der Bodega Quaderna Via in der Navarra.

Katalonien ist besonders stark vom Falschen Mehltau betroffen. Auf der Bodega Albet i Noya rechnet man mit Ernteausfällen zwischen 20 und 40 Prozent.

Gute Ernte auf dem Weingut Pago Casa Gran
Dank langjährigen Investitionen ins Wassermanagment konnten die Reben auf dem Weingut Pago Casa Gran auch während längeren Trockperioden auf genügend Wasserreserven zugreifen.

Carlos Laso vom Weingut Pago Casa Gran in Valencia war letztes Jahr stark von Wetterextremen (Frost, Starkregen, Dürre) betroffen. Damals zeigte sich, wie wichtig es in trockenen Gebieten ist, Wasser zurückhalten zu können, wenn es in grossen Mengen vom Himmel fällt. Durch umfassende Permakulturmassnahmen gelingt es Carlos heute, den Reben auch in grossen Trockenperioden jederzeit genügend Wasser zuzuführen, so dass eine optimale Traubenreife möglich ist. Heuer blieb er von Wetterxtremen mehr oder weniger verschont und kann zu einem normalen Zeitpunkt ernten. In südlichen Regionen Spaniens wurde heuer dagegen rund zehn Tage früher als üblich mit der Lese begonnen.

Frankreich

Weinlese auf der Domaine Lignères
Auf der Domaine Lignères ist die Ernte bereits in vollem Gange.

Das ist auch bei Jean und Anne Lignères in den Corbières (Südfrankreich) der Fall. Hier wird seit dem 24. August von Hand gelesen. Damit sind sie gegenüber anderen Winzer der Region um rund zehn Tage im Vorsprung. «Wir wollen frisches Traubengut mit weniger Alkohol ernten», begründet Jean Lignères. Weil die Trauben dank Biodynamik und anhaltender warmen Temperaturen ohne Wetterextreme schon früh optimal gereift sind, fällt die Ernte diesmal früher aus.

Italien

Gute Traubenqualität in Süditalien
Gute Traubenqualität trotz früher Ernte auf der Masseria Falvo.

Rund zehn Tage früherer Erntebeginn und eine gute Traubenqualität melden auch unsere Winzer aus Süditalien. «Wir begannen mit der Ernte nach Mitte August, sind also sehr früh dran, aber die Qualität stimmt», sagt Ermanno Falvo von der Masseria Falvo in Kalabrien. Die frühe Ernte ist auf drohenden Trockenstress zurückzuführen, der laut Ermanno klimabedingt ist. «Wir denken deshalb darüber nach, in Notbewässerungssysteme und in die Rodung und Neubepflanzung von Weinbergen mit dürreresistenteren Reben zu investieren.»

Noch weiter südlich, auf Sizilien, begann die Ernte auf dem Weingut Maggio bereits am 10. August, was laut Massimo Maggio aber nicht aussergewöhnlich ist. «Wir hatten keinen sehr heissen Sommer und nur einen Starkregen kurz vor Erntebeginn, sodass wir schöne und gesunde Trauben mit guter Weinperspektive ernten können.»

Im nördlichen Italien war der Sommer eher kühl. Von Klimawandel war hier in diesem Jahr wenig zu spüren, so dass der Erntebeginn im langjährigen Durchschnitt liegt. «Der Ertnezeitpunkt wird heuer weder durch atmosphärische Ereignisse noch durch den Klimawandel beeinflusst. Wir werden wie üblich Mitte September beginnen und die Ernte nach drei bis vier Wochen abschliessen», sagt Alberto Brini vom Weingut Il Conventino in der Toskana.

Auf der Azienda Poggio Ridente startet bald die Ernte der roten Trauben
Winzerin Cecilia Zucca zeigt sich erfreut sich ob der diesjährigen Traubenqualität.

Auf der Azienda Poggio Ridente im Piemont zeigt sich ein ähnliches Bild: «Die roten Trauben werden wir etwas früher ernten, aber nicht viel. Wir beginnen etwa ab 10. September», verrät Cecilia Zucca. Gleichwohl hat die Lese hier bereits am 17. August begonnen, denn für den Rosé müssen die Pinot-Nero-Trauben gelesen werden, bevor sie voll ausgereift sind.

Deutschland

Ein gutes Weinjahr für Tobias und Ellen Zimmer auf dem Weingut Hirschhof
Die Ernte auf dem Weingut von Tobias und Ellen Zimmer hat bereits Ende August begonnen.

Noch weiter nördlich ist der Klimawandel bei Delinat-Winzer diesmal ebenfall kaum ein Thema. «Ein sehr gut verlaufener Sommer ohne Wetterextreme wie Hitze, Trockenheit oder Starkregen», bilanziert Tobias Zimmer vom Weingut Hirschhof in Rheinhessen. Die Ernte begann am 27. August und damit eine gute Woche früher als im Durchschnitt. Grund dafür: milder Winter, früher Austrieb, harmonische Vegetationsperiode. Auf dem Hirschof wird sich die Ernte aber noch hinziehen. Tobias Zimmer: «Spätsorten wie Riesling und Spätburgunder benötigen noch Zeit.»

Österreich

Erst Mitte September und somit zu einem «normalen Zeitpunkt» beginnen Kathi und Daniel Bauer vom Weingut Bauer-Pöltl im österreichischen Mittelburgenland mit der Weinlese. Daniel Bauer: «2020 wird ein normaler Jahrgang, eher auf der trockenen Seite, aber ohne Hitze- oder Trockenstress. Beschatten der Traubenzone war dieses Jahr nicht notwendig, da weder zu heiss noch zu intensive Sonneneinstrahlung.»

Schweiz

Bio-Winzer Roland Lenz spricht von einem erfreulichen Weinjahr
Auf dem Weingut von Roland Lenz begann die Traubenernte Ende August.

Von einem «sehr erfreulichen Weinjahr» spricht Roland Lenz vom grössten Schweizer Bioweingut. Die befürchtete Trockenheit analog Vorjahr blieb aus, Ende August konnte mit der Ernte von gesundem Traubengut bei etwas geringerem Behang begonnen werden.

Wie Carlos Laso dem Klimawandel dank Permakultur trotzt

Es war vor ziemlich genau vier Jahren, als ich Carlos Laso bei einem Beraterbesuch auf seinem Weingut Pago Casa Gran im Hinterland von Valencia ein Bewässerungskonzept nach dem Konzept der Permakultur präsentiert habe. Carlos spürte in seinen Weinbergen schon damals die Auswirkungen des Klimawandels deutlich: Entweder herrschte während ausgedehnten Trockenperioden Wassermangel, was zu grossem Stress bei den Reben führte, oder es fiel sintflutartig Regen, der zu Überschwemmungen und Erosion im Weinberg führte.

Permakultur und Wassermanagment

Planung des ersten Retentionsbecken nach den Prinzipien der Permakultur.
Das Beobachten und Planen sind zwei zentrale Aspekte der Permakultur. Delinat-Winzerberater Daniel Wyss (Mitte) unterstützt Carlos Laso (rechts) bei der Umsetzung des Wassermanagements.

Carlos Laso ist ein innovativer Winzer mit einer unglaublichen Offenheit für neue Ideen. Innert kürzester Zeit setzte er das vorgeschlagene Bewässerungskonzept nach den Prinzipien der Permakultur um, legte Teiche und Versickerungsgräben an, die das Regenwasser speichern und dann nach und nach an die Reben abgeben. Das Ganze schien bestens zu funktionieren, bis sich im Herbst 2019 das spanische Wetterphänomen «La Gota Fría» über seinen Reben entlud: Sintflutartige Regenfälle, wie sie in den letzten drei Jahrzehnten nie vorgekommen waren, überfluteten die neu geschaffenen Rückhaltebecken, füllten sie mit Sedimenten und beschädigten sie teilweise erheblich. Carlos liess alles wieder instand stellen und hob weitere Becken und Gräben aus. Kaum war alles wieder im Lot, folgte im Januar dieses Jahres bereits der nächste Härtetest. Sturm Gloria, unüblich für diese Jahreszeit, füllte wiederum alle Becken. Dieses mal ohne Beschädigungen.

Retentionsbecken verhindern den Trockenheitsstress auf dem Weingut Pago Casa Gran
Verschiedene Retentionsbecken helfen dabei, dass Wasser langfristig auf dem Gelände zu speichern.

In Sommer dann eine freudige Überraschung: Eine Grundwasserquelle, die auf dem Familienbetrieb bis in die 1960er Jahre intakt war, dann aber versiegte, sprudelt jetzt wieder. Für Carlos ist klar, dass das Grundwasserreservoir einerseits durch die in den letzten Jahren ausgehobenen Retentionsbecken und Gräben sowie durch die ausgiebigen Regenfälle in diesem Frühjahr aufgefüllt wurde. Selbst jetzt im Hochsommer sprudelt noch Wasser aus der alten Quelle. Motiviert durch diesen Erfolg, treibt Carlos den Ausbau der Permakultur-Massnahmen immer weiter. Er verfügt jetzt über total neun Teiche, der grösste misst 30 x 60 m.

Üppige Vegetation dank Permakultur-Massnahmen
Die üppige Vegetation in den Weinbergen von Pago Casa Gran beweist, dass nicht nur die Reben von den den angelegten Retentionsbecken profitieren.

Das Beispiel von Pago Casa Gran zeigt, wie wichtig es ist, Wasser dann zurückzuhalten, wenn es verfügbar ist. Die Verfügbarkeit von Wasser in trockenen Regionen ist essenziell für die optimale Reifung der Trauben. Bei zu grossem Trockenstress zeigen sich überreife Aromen, zu tiefe Säurewerte und unreife Tannine. Kann kein Wasser zugeführt werden, bleibt oft nur die vorzeitige Ernte noch nicht optimal reifer Trauben. Die Verfügbarkeit von Wasser ist aber auch im Frühjahr von grosser Bedeutung für die gesamte Entwicklung der Rebe während des Vegetationszyklus.

Besuch auf Vale de Camelos

Meine Frau und ich trinken bevorzugt gute Rotweine. Zwar sind wir keine Experten, können Rotweine also auch nicht expertenhaft beurteilen, aber wir wissen genau, was uns schmeckt und warum. So sind wir vor einigen Jahren mehr und mehr zuerst auf spanische, dann auf portugiesische Weine übergegangen. Und hier ist die Reihe der «Vale de Camelos»-Weine zu unserem klaren Favoriten geworden. Es sind kräftige Rotweine mit komplexem Charakter und vielfältigen Geschmacksnoten.

Für unseren Urlaub 2019 hatten wir uns vorgenommen, Portugal besser kennenzulernen. Eine mindestens 14-tägige Reise durch alle Gebiete Portugals sollte es sein. Als wir dann mit der Planung so weit waren, dass auch das Alentejo als ein Ziel auf unserer Liste stand, war uns klar, dass wir auch die Heimat unseres Lieblingsweines besuchen wollten!

Durch Vermittlung von Delinat gelang es uns, die Verbindung zum Weingut herzustellen. Der Kontakt über E-Mail war einfach, und schnell hatten wir für Montag, den 11. Juni einen Termin vereinbart. Es sollte eine Besichtigung des Weingutes mit Führung und einer Weinverkostung werden.

Am vereinbarten Tag machten wir uns von Albufeira aus auf den Weg. Nach über zwei Stunden Fahrt durch die Landschaft des Alentejo fanden wir schließlich zum Ziel, drei weiße Gebäude auf einer Anhöhe inmitten des Agrargebietes. Dort wurden wir vom Juniorchef, Herrn Kreikenbaum, sehr freundlich empfangen. Er führte uns kurz in die Geschichte des Gutes ein, wie vor über dreissig Jahren sein Großvater auf über 1.000 ha Brachland begann, seinen Traum von einem Paradies in die Realität umzusetzen. Es ist ein Traum, den seine Nachkommen heute immer weiter verwirklichen.

Dann erhielten wir eine zweistündige Führung über das ganze Gut. Auch den Weiler «Vale de Camelos», bei dem der gleichnamige Wein aufwächst, konnten wir besichtigen.

Herr Kreikenbaum zeigt Brigitte Frommwieser die Aufzucht der jungen Reben in Schutzröhren

Wir sahen

  • die Weinberge («Die Reben-Reihen werden nicht traditionell parallel zur Gefällelinie gepflanzt, sondern quer. Das hält das Regenwasser länger zwischen den Reben!») mit den blühenden Kräutern zwischen den Reben
  • zwischen den Weinbergen weiträumige Eukalyptus-Felder («.. sind genügsam, zwischen den Weinbergen gepflanzt geben sie dem Wein eine eigene Geschmacksnote..»)
  • grosse Anbauflächen mit Johannisbrot («Die Pflanzen vertragen Hitze und Wasserknappheit bestens und die Früchte sind vielseitig verwendbar, sogar als Kakao-Ersatz»).

Wir folgten den etwa tausend Schafen, die unter den Olivenbäumen weiden. Und wir sahen die Überlebensgaranten des Gutes, vier große Photovoltaik-Stationen und, vor allem, fünf große Wasser-Reservoire. 

Diese Stauseen speichern in einer normalen Regenperiode genug Regenwasser, um notfalls den Wasserverbrauch des Gutes für den Rest des Jahres abdecken zu können. Diese Stauseen bieten mittlerweile auch wichtigen Lebensraum für Schildkröten, Störche und eine ganze Reihe seltener Vögel. 

Bei der anschließenden Weinverkostung trafen wir noch auf Helena Manuel. Sie ist Agrar-Ingenieurin und Betriebsleiterin. Und wir unterhielten uns natürlich ausführlich mit Marta Pereira, seit drei Jahren die Önologin des Gutes und Erschafferin all der herrlichen Rotwein-Kreationen, die wir zu einer landestypischen Brotzeit und heimischem Olivenöl verkosten durften. 

Es waren wunderbare Stunden, sehr interessant. Wir haben dabei auch sehr viel über ressourcenschonenden biologisch-orientierten Weinbau gelernt.

Ein Zehntel

Eigentlich sollte der 22. Mai als Tag der Biodiversität an den armseligen Zustand der Natur erinnern. Diese Botschaft aber wird wie alles andere, was wirklich wichtig wäre, im seit Wochen anhaltenden Lärm um das Virus ungehört verhallen.

«Corona, Corona, Corona! Hände waschen, Abstand halten, Mund- und Nasenschutz! Wir haben begriffen und wir bemühen uns weiter. Corona hat die Gesellschaft gelähmt, die Wirtschaft abstürzen lassen und die Zahl der Arbeitslosen nach oben getrieben. Das alles darf aber doch nicht dazu führen, dass Politik und Journalismus sich nur noch mit diesem einen Thema beschäftigen.» Danke, Franz Alt, für diese klaren Worte!

Was die Pandemie ausgelöst hat, ist erstaunlich. Die Vehemenz, mit der agiert wird und die Bereitschaft, schier unbeschränkte Mittel einzusetzen, hätte noch vor wenigen Monaten niemand für möglich gehalten. Aktuell wird die Summe auf 15 Billionen Dollar geschätzt, die weltweit zur Linderung der Pandemie eingesetzt werden wird. Das sind 15 Millionen Millionen. Eine Summe, die niemand sich vorstellen kann, selbst das Vermögen der Reichsten sieht daneben wie Taschengeld aus.

Auch wenn die Frage unbequem ist, muss sie gestattet sein: «Lohnt» sich das? Und darauf gibt es keine Antwort, so lange man sich an die allgemein gültigen Regeln der Ethik hält. Denn wie viel ist ein Menschenleben wert?

Was aber mit Sicherheit gesagt werden kann: Im Verhältnis zu anderen Risiken wird Corona überbewertet. Die Probleme, die das Sterben der Arten auslösen wird, sind um ein Vielfaches grösser. Dasselbe gilt für den Klimawandel. Die Szenarien, die auf uns warten, wenn wir es nicht schaffen, diesen tödlichen Trend in sehr kurzer Zeit zu stoppen, kann sich niemand richtig vorstellen. Es wird schlimmer sein, es kommt schleichend und wenn wir es realisieren, kann es nicht mehr gestoppt oder gar umgedreht werden. Den Dürren und Seuchen folgen Hungersnöte und Öko-Kriege. Schon heute sterben jährlich Millionen Menschen an schlechter Luft, Hunger und am Kampf um Ressourcen. Das ist erst ein kleiner Vorgeschmack, über den es kaum Statistiken gibt.

Im Unterschied zu Corona aber ist der «Impfstoff» gegen Artensterben und Klimawandel bereits vorhanden. Die Wissenschaft ist sich einig: Wir kennen die Ursachen und wir kennen die Heilmittel. Es fehlt nur am Willen. Die Politik ist mit sich selbst beschäftigt und die Konzerne streben noch immer nach dem schnellen Profit. Braucht es vielleicht eine Revolution, um die alten Akteure abzulösen? Warum kommt nicht mehr Widerstand aus der Gesellschaft?

Positiv an der Corona-Krise ist, dass jetzt sichtbar wird, wozu die Menschheit in der Lage ist. Obwohl die Massnahmen viele Menschen existenziell einschränken, haben wir uns brav daran gehalten, sind bereit, zu verzichten, Geduld zu üben und Unmengen an Steuergeld auszugeben. Warum tun wir das nicht für die Natur und fürs Klima?

Die kurze Antwort: Weil wir Egoisten sind. Corona bedroht uns hier und jetzt. Wer brav ist, kann sich schützen. Wenn wir aufs Fliegen verzichten, um das Klima zu schützen, dann haben wir keinen direkten Vorteil davon.

Würden wir nur einen Zehntel des Aufwands gegen Corona in Artenschutz und Klima investieren, wäre das mehr als alles bisher dagewesene und wahrscheinlich genügend, beide Risiken abwenden zu können. Wir könnten eine Million Menschen 10 Jahre lang mit guten Gehältern beschäftigen, sie endlich die längst bekannten Massnahmen für Klima- und Artenschutz umsetzen lassen und zusätzlich noch viel Geld für Innovationen und Technik ausgeben. 10% der Corona-Gelder würden reichen.

Biodiversität dank Schafen im Weinberg

Ein kleines Beispiel, wie mit klugen Strategien und ganz ohne Mehraufwand dem Artenschwund entgegen gewirkt werden kann, zeigt das aktuelle Bild der Schafherde im Weinberg von Quaderna Via in Navarra. Auch wenn es schwer zu glauben ist, erhöhen die Schafe mit ihrem Grasen im Weinberg die Vitalität des Bodens, die Pflanzenvielfalt, die Fruchtbarkeit, vermindern Erosion und beugen Pilzkrankheiten vor. Den Schafen wiederum tun die Kräuter gut, die in artenreichen Delinat-Weinbergen in grosser Vielfalt wachsen. Solche und tausende anderer Beispiele zeigen, dass Lösungen vorhanden wären, viele sogar zum Nulltarif.

WeinLese 58: Kurz & bündig

Hälfte der Rebfläche in Gefahr

Weltweit ist mehr als die Hälfte der Rebfläche vom Klimawandel bedroht. Bei einer Erwärmung von 2 Grad, wie vom Pariser Abkommen vorgesehen, könnten 56 Prozent der aktuellen Weinregionen verschwinden. Zu diesem Schluss kommen amerikanische und französische Forscher vom Nationalen Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt, wie aus einem Bericht der amerikanischen Zeitschrift PNAS hervorgeht. Am stärksten betroffen wären Regionen mit bereits warmem Klima wie Italien und Spanien, wo 65 Prozent der Rebflächen gefährdet sind. Die Forscher weisen darauf hin, dass die Verluste durch Ausweichen auf hitzebeständigere Sorten gemildert werden können und gleichzeitig durch den Klimawandel an anderen Orten neue Weinbaugebiete entstehen könnten. Die Autoren der Studie gehen zum Beispiel davon aus, dass im Burgund der traditionelle Pinot Noir etwa durch Mourvèdre oder Grenache ersetzt werden könnte, Rebsorten, die Hitze mögen. Die Delinat-Winzer werden sich mit dem Thema im Rahmen eines Winzerseminars beschäftigen.

«Wasserschlange» im Piemont

Teich auf dem Weingut La Luna del Rospo

Auf der Azienda La Luna del Rospo im Piemont hat Winzerin Renate Schütz mithilfe von Permakultur-Spezialist Jens Kalkhof vor ihrem Weinkeller einen Teich ausgehoben, um anfallendes Regenwasser zu speichern und damit die neu geschaffene Gemüseterrasse sowie die angrenzenden Reben mit Bodenfeuchtigkeit zu versorgen. Von der Wirkung der neuen «Wasserschlange von La Luna del Rospo», wie die Winzerin ihren Teich nennt, ist sie ganz begeistert: «Auch bei starken Regenfällen bewährt sie sich fantastisch. Der Überlauf funktioniert wie geplant, auch wenn den Wirsingköpfen zuweilen das Wasser bis zum Hals steht …»

Barolo-Partnerwinzer für Delinat

Enrico Rivetto

Im Piemont ist der biologische Weinbau noch wenig verbreitet, erst recht im prestigeträchtigen Barolo-Gebiet. Einer, der seit 2009 konsequent auf ökologischen Anbau setzt und jetzt neu mit Delinat zusammenarbeitet, ist Enrico Rivetto in Serralunga d‘Alba. Er hat in der jüngeren Vergangenheit stark in die Biodiversität investiert und über 500 Bäume (Eichen, Eiben, Ahorn, Limetten, Birken, Kastanien, Kaki, Walnuss) sowie verschiedene Sträucher (Rosmarin, Salbei) gepflanzt. Ab dem Jahrgang 2019 tragen die Rivetto-Weine nun auch das Demeter-Label. Enrico ist damit der erste biodynamische Barolo-Winzer. Von der eigenen Wirtschaftsweise ist der neue Delinat-Partnerwinzer mittlerweile so überzeugt, dass er sagt: «Ich hoffe, dass sich der biologische und biodynamische Weinbau in den Langhe-Hügeln von Barolo und Barbaresco rasch ausbreitet.»

Beliebte Weinkurse

Die Delinat-Weinkurse, allen voran der Basiskurs, erfreuen sich weiterhin grosser Beliebtheit. Noch nie wurden in der Schweiz und in Deutschland so viele Kurse durchgeführt wie 2019. An den insgesamt 151 Weinkursen (Vorjahr: 127) nahmen 2145 Personen teil (Vorjahr: 1747). Besonders erfreulich: Es gelang, vermehrt auch ein jüngeres Publikum für die verschiedenen Weinthemen zu begeistern. Auch im laufenden Jahr hält die grosse Nachfrage an. Das Delinat- Kursangebot ist unter www.delinat.com/veranstaltungen zu finden.

Erneut schwieriges Honigjahr

2019 war für Imker ein schweres Jahr

Die schlechten Honigjahre halten europaweit an: 2019 war auch für die Delinat-Imker das dritte Jahr in Folge mit magerer Ernte. In Bulgarien war das Frühjahr regnerisch und kühl, was die Erntemenge von Akazienhonig drastisch reduzierte. In Kalabrien gab es wetterbedingte Probleme während der Zitronenblüte. In Spanien litten die Bienen bereits im Frühjahr unter starker Trockenheit. Diese hielt lange an und hatte Folgen für die Lavendelblüte, was wiederum zu einer sehr kleinen Lavendelhonigernte führte. Einzig in Norditalien fielen die Erntemengen halbwegs zufriedenstellend aus. Aufgrund langjähriger Beziehungen konnte sich Delinat die gewünschten Mengen an qualitativ hochwertigen, handwerklich hergestellten Biohonigen gleichwohl sichern, sodass keine Lücken im vielfältigen Sortiment entstanden.

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Zu Besuch im Tal der Kamele

Weingut Vale de Camelos mit Stausee «Monte»

Von Antje Kreikenbaum, Vale de Camelos. Klimawandel, Wassermangel und Dürre sind im Alentejo in Portugal keine düstere Zukunftsvision mehr, sie sind bereits Gegenwart. Sie gehören zu den drängenden Problemen mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, wenn wir Weinbau und Landwirtschaft in unserem «Tal der Kamele» betreiben wollen.

Klimawandel ist Gegenwart

Dies stellt uns vor Herausforderungen, denen wir in vielfältiger Weise begegnen. Wir, das ist ein deutsch-portugiesisches Team, das eng zusammenarbeitet: eine Agrar-Ingenieurin, zwei Önologen, acht feste MitarbeiterInnen für die tägliche Farmarbeit – und wir, die ganze Familie Kreikenbaum (Antje, Thorsten und Jannes ). Gemeinsam sind wir im ständigen kreativen Austausch und versuchen, das Beste aus den vorhanden Gegebenheiten zu machen.

Aussaaten im Frühjahr mit Solarzellen. Es wird mehr Strom produziert als verbraucht.

Die Schaffung von Wasser-Retentionsflächen in Verbindung mit Keyline-Management ist dabei vielleicht der wichtigste Baustein. Wir haben im Laufe der letzten 35 Jahre fünf grosse Stauseen angelegt bzw. erweitert, die als Wasserreservoirs für das sonst ungenutzt ablaufende Winter-Regenwasser dienen. Regelmässig kommt es in den Hitzemonaten Juni bis September zu vollkommener Trockenheit bei Temperaturen bis zu 50°C. Deshalb wird das Wasser zur Bewässerung von Oliven und Wein in diesen Trockenzeiten benötigt.

Stauseen versorgen die Pflanzen und Tiere mit Wasser

Die Wasserflächen bilden zudem reichhaltige Biotope im sonst völlig ausgetrockneten Umland. Jedes Jahr versammeln sich an den Stauseen von Vale de Camelos bis zu 1500 Kraniche und andere Zugvögel im Winterquartier. Andere Vogelarten wie z.B. den fast ausgestorbenen Grosstrappen bieten die Seen und die daraus entstandenen Rückzugsgebiete eine Heimat, so dass sich auf dem Gebiet von Vale de Camelos mittlerweile verschiedene Vogelschutzzonen und Naturschutzgebiete wie das NATURA 2000-Gebiet überlappen.

See im Morgenlicht

Ohne unsere Stauseen wäre ein Weinbau kaum möglich. Daher sind die Seen auch Namensgeber für einige unserer Weine, die Sie bei Delinat beziehen können: Der Rotwein Vale de Camelos Organim Tinto erhält seinen Namen vom Stausee Organim, der inmitten unserer Johannisbrot- , Korkeichen und Olivenanpflanzungen liegt. Unsere Solaranlagen produzieren dort Strom für eine nachhaltige Energieversorgung. Ihm ist eine fruchtige, gehaltvolle Cuvée aus Touriga Nacional, Aragonez und Syrah gewidmet.

Permakultur und Biodiversität

Permakultur und Biodiversität sind für diese Wirtschaftsweise die grundlegenden Stichworte. Ehemalige ausgetrocknete Getreideflächen wurden von uns mit autochthonen Gehölzen bepflanzt, z.B. Johannisbrotbäume, Steineichen, Pinien, Korkeichen, Oliven. So wurden im Laufe der Jahre mehr als 600 Hektar neue Waldflächen geschaffen.

Reiche Biodiversität im Weinberg

Ein weiterer Baustein, mit dem wir uns dem Klimawandel entgegen stellen, ist die Aufforstung, Anpflanzung und Aussaat autochthoner Pflanzenarten. Lebendige Böden sind eine Heimat nicht nur für Trauben und Oliven, sondern auch für Blumen, Gräser, Kräuter, Schmetterlinge, Vögel, Insekten, Reptilien und unzählige Bodenlebewesen. Da die Gesamtfläche der Farm sich über 1000 Hektar (davon ca. 30 Hektar Weinanbau) erstreckt, hat sich im Laufe der Jahre eine grüne Oase inmitten der durch den Getreideanbau der 70iger Jahre ausgebeuteten Landschaft gebildet.

Aufforstung verbessert den Wasserhaushalt

Wir forsten nach wie vor weitere Flächen auf, die letzte Neupflanzung von 33 Hektar Korkeichen und Pinien ist im Jahr 2016 fertig gestellt worden. Begrünung und Bewaldung bilden organische Materie und verbessern den Wasserhaushalt des Bodens (Melioration). So können extreme Hitzegrade abgepuffert werden. Durch diese Massnahmen hat sich das Mikroklima und die Biodiversität in den letzten Jahren nachhaltig und nachweislich verändert.

Flamingos über dem Stausee – die Farm ist Vogelschutzgebiet

Neue Anpflanzungen werden nach den Grundsätzen der Permakultur angepflanzt. Der Boden wird vorbereitet, indem wir unseren sorgfältig vorbereiteten Kompost einbringen, den wir über die Jahre vor allem aus Schafsdung unser eigener Schafe, eigenem Grünschnitt und Humus aus Ausbaggerung unserer Seen gewonnen haben.

Wo immer möglich arbeiten wir nach dem Prinzip des «Keyline Management» , einem Grundsatz der Permakultur. Vereinfacht gesagt, wird hierbei der Topografie des Bodens gefolgt, um möglichst alles Wasser im Boden und auf dem Gelände zu halten. So wird der Wasserverbrauch minimiert und bei Regen das Wasser direkt den Pflanzen verfügbar gemacht.

Schafe für nachhaltige Bewirtschaftung

In Vale de Camelos weiden ca. 1200 Merino-Schafe. Die Schafe bilden einen wertvollen Bestandteil der nachhaltigen Bewirtschaftung. Sie weiden in den verschiedenen Anbauflächen und sorgen so für eine natürliche Düngung, Durchlüftung des Bodens und Eindämmung von Unkraut, die so nicht maschinell gemacht werden muss. Zudem wird der Schafsdung der gepferchten Schafe gesammelt und kompostiert. Der Kompost wird wiederum zur Bodenverbesserung eingesetzt.

Schafe unter den Korkeichen

Die Farm wirkt mittlerweile als Modell für internationale Forschung. Regelmäßig bekommen wir Besuch von Studenten- und Dozentengruppen, die unsere Weinberge besichtigten. Sie sind beeindruckt von den Biodiversitäts-Projekten, den neuen Anpflanzungen und den verschiedenen Massnahmen zur Wasserrückhaltung im Boden.

Auf der Farm haben wir schon heute mit Problemen des Klimawandels zu kämpfen. Die Desertifikation der Landschaft wird auch in anderen Ländern in Zukunft zum Problem werden, auch in der Schweiz und in Deutschland wurde das in den heissen Sommermonaten 2018 spürbar.

Helena Manuel, Betriebsleiterin (links) und Marta Pereira, Önologin engagieren sich für eine reichhaltige Biodiversität – und authentische Weine mit Terroircharakter

Wir konnten zeigen, wie unsere Massnahmen helfen, sich dieser Entwicklung entgegen zu stemmen. Die Humusschicht hat sich in den letzten Jahren nachweisbar erhöht, die Wasserstände fallen nicht mehr so dramatisch wie noch vor den Anpflanzungen nach den Grundprinzipien der Permakultur. Die Pflanzen sind insgesamt gesünder, besser mit Wasser aus dem Boden versorgt und resistenter gegen Schädlinge.

Weinreisen und Winzerberatung

Die Delinat-Winzerberater stehen uns bei unserer Arbeit mit Rat und Tat zur Seite und besuchen uns regelmässig, um die anstehenden Aufgaben zu besprechen und sich über neue Erkenntnisse auszutauschen. Auch die anderen Delinat-Winzer beim Winzerseminar und die Gäste der Delinat-Weinreisen sind willkommene Besucher, die sich bei uns über unsere Wirtschaftsweise informieren.

Delinat-Weinreisen zu Besuch: Degustation und lokale Spezialitäten auf der Terrasse (links im Vordergrund Emil Hauser, Einkäufer bei Delinat)

Natürlich soll bei aller Auseinandersetzung mit den Problemen des Klimawandels der Genuss und die Lebensfreude nicht zu kurz kommen. Der Blick in den Weinberg von der kühlen Terrasse mit einem Gläschen Wein in der Hand, ein Spaziergang am See und in den Rebzeilen mit blühenden Aussaaten: Das entschädigt für alle Mühe!

Beim einem Besuch im «Tal der Camele» stehen für die Delinat-Reisegruppen eine Weingutsführung, Mittagessen mit lokalen Spezialitäten, unserem Olivenöl und Honig und natürlich eine Weinprobe auf dem Programm. Beim letzten Besuch einer Reisegruppe im Juni hatte Marta Pereira, die als studierte Önologin die Weinbereitung betreut, regionale Leckereien gekocht, die sie im familieneigenen Restaurant vorbereitet hatte.