Auf ein Glas mit … Ruth Fleuchaus

Dr. Ruth Fleuchaus beschäftigt sich als Professorin im Studiengang Weinbetriebswirtschaft an der Hochschule Heilbronn intensiv mit Marktforschung und Marketing. Wir sprachen mit der Weinmarktexpertin über die Bedeutung und die Zukunft des biologischen Weinbaus und PIWI-Rebsorten.

Weinmarktexpertin Ruth Fleuchaus glaubt, dass nachhaltiger Weinbau dereinst zur Regel wird.

Vor 30 Jahren haben Sie an der Hochschule Geisenheim Weinbau und Önologie studiert. War damals «Bio» ein Thema?
Ruth Fleuchaus: Biologischen Weinbau gab es schon damals, aber nicht in der Form und der Breite wie heute. Während meines Studiums in Geisenheim lag der Schwerpunkt auf dem integrierten Weinbau. Im ökologischen Bereich beschäftigten wir uns höchstens mit Fragen zur Begrünung, zu den Vor- und Nachteilen und zur Biodiversität im Weinberg.

Verbindliche Anforderungen an Begrünung, Artenvielfalt und nachhaltigkeit gab es damals noch nicht. Delinat hat deshalb schon in den 1980er Jahren eigene Richtlinien erlassen und diese ständig weiterentwickelt. Wie wichtig sind strenge ökologische Richtlinien für den zukünftigen Weinbau?
Sehr wichtig. Die Probleme mit unbekannten Schädlingen nahmen in den letzten Jahren massiv zu, ebenso akzentuierte sich die Schädlichkeit des Pilzbefalls. Wenn man sich nun die riesigen Mengen Pflanzenschutzmittel, die zur Behandlung dieser Krankheiten eingesetzt werden, vor Augen führt, dann wird augenfällig, dass die Zukunft des Weinbaus in einem anderen Bereich liegt. Er muss wieder viel naturnaher betrieben werden können.

Persönlich

Ruth Fleuchaus wurde 1963 in Gerlachsheim, einem kleinen Ort im Taubertal in Nordbaden, geboren, wo sie in einer Winzerfamilie aufwuchs. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Winzerlehre. Danach studierte sie in Geisenheim Weinbau und Önologie. Zwischen 1990 und 1994 promovierte sie im Fachgebiet Betriebswirtschaft und Marktforschung der Forschungsanstalt Geisenheim und am Institut für Agrarpolitik und Marktforschung der Justus- Liebig-Universität in Giessen.

Seit 2004 ist sie Professorin an der Hochschule Heilbronn im Studiengang Weinbetriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing, Marktforschung und Betriebswirtschaftslehre. Seit 2008 ist sie auch Prorektorin der Hochschule Heilbronn. Sie ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Ludwigsburg. Energie tankt sie am liebsten bei einem guten Buch und einem feinen Glas Wein.

Wo sehen Sie die grossen Herausforderungen im biologischen Weinbau?
Ich sehe diese vorab im Bereich der Kupferreduktion und der Wirkung der biologischen Behandlungsmittel. Wie kann man zum Beispiel der Kirschessigfliege wirkungsvoll mit biologischen Mitteln begegnen? Antworten auf solche Fragen müssen auch betriebswirtschaftlichen Perspektiven standhalten, sonst stagniert die Ausdehnung der Bio-Rebfläche.

«Immer mehr Winzer glauben, dass ein weiterer Qualitätsanstieg
nur mit dem biologischen Weinbau möglich ist.»
Ruth Fleuchaus

Was sagen sie zum Argument, biologische Bewirtschaftung sei im Vergleich zum konventionellen Anbau viel teurer und aufwendiger?
Die biologische Produktion ist nur vordergründig teurer als die konventionelle. Wenn man sich all die indirekten Umweltkosten der konventionellen Produktion vor Augen führt, dann bietet die biologische Produktionsweise deutliche Vorteile.

Sie arbeiten derzeit am Projekt «novisys – Weinbau mit Zukunft». Worum geht es da?
Es geht darum, Lösungen zu finden, wie man den Weinbau generell zukunftsfähiger gestalten kann. Eine der Fragen ist: Wie kann man dem hohen Bedarf an Pflanzenschutz, der auch durch klimatische Veränderungen verursacht ist, entgegenwirken?

Ein Lösungsansatz könnte im Anbau von pilzwiderstandsfähigen Traubensorten (PIWI) liegen …
Ja, zahlreiche PIWI-Sorten befinden sich ja schon im Anbau, leider noch auf sehr kleinen Flächen, aber sie zeigen grosses Potenzial, und sie müssen nicht oder nur sehr wenig gespritzt werden; das spart Zeit und Geld und schont dazu die Umwelt. Aufgrund des geringeren Traktoreinsatzes im Weinberg werden dazu Bodenbelastung und CO2-Ausstoss deutlich reduziert.

Das Problem ist, dass sich PIWI-Weine nur schwer vermarkten lassen …
Wir versuchen in der Marktforschung durch Konsumentenbefragungen herauszufinden, weshalb das so ist, welche Kaufmotive für solche Weine bestehen und wie man diese den Weinkonsumenten näherbringt. Ich glaube, ein grosser Teil des Problems liegt bei der Namensgebung der PIWI-Sorten. Viele Namen wirken abstrakt, nichtssagend und machen keine Lust, diese Weine zu probieren. Es gibt aber auch gute Beispiele wie Souvignier Gris oder Cabernet Blanc. Diese Namen ähneln denjenigen klassischer Rebsorten und werden von den Konsumenten akzeptiert.

PIWI-Weine überzeugten früher oft geschmacklich nicht. Wie sehen Sie das heute?
Da es sich um genetisch andere Traubensorten handelt, entsprachen sie oft nicht den gängigen Geschmacksprofilen. Die neueren PIWI-Sorten wurden züchterisch deutlich weiterentwickelt und können geschmacklich problemlos mit den etablierten Traubensorten mithalten. Ich finde PIWI-Weine jedenfalls sehr spannend und probiere mich gerne durch.

Wie beurteilen Sie die Chancen, dass biologischer und nachhaltiger Weinbau zur Regel wird?
Langfristig wird das der Fall sein. Je nachdem, welche Auswirkungen der Klimawandel mittelfristig zeigt und welche Lösungen wir seitens der Forschung auf offene Fragen der Bewirtschaftung und des Pflanzenschutzes liefern können, ist diese Transformation früher oder etwas später abgeschlossen. Grundsätzlich spüre ich eine grosse Dynamik in der Weinbranche. Immer mehr Winzer glauben, dass ein weiterer Qualitätsanstieg nur mit dem biologischen Weinbau möglich ist.

Weintipp Ruth Fleuchaus
Mein Lieblingswein von Delinat ist der Casa Benasal von Pago Casa Gran aus Valencia. Mich begeistern an diesem Rotwein die beerige Aromatik, der feine, gehaltvolle Geschmack und das überragende Preis-Leistungs-Verhältnis.

Casa Benasal
Valencia DO 2016
www.delinat.com/3675.16

Forschungsarbeit live bei Albet i Noya

Höhepunkt einer jeden Katalonien-Reise ist der Besuch bei Josep Maria Albet i Noya, dem erfolgreichsten Biowinzer Spaniens. Viele Kundinnen und Kunden kennen seine Weine seit vielen Jahren und freuen sich auf ein persönliches Kennenlernen. Josep weiss das zu schätzen: «Wenn Gäste von Delinat hier sind, führe ich die Gruppe persönlich durch die Weingärten».

Gäste von Delinat geniessen eine persönliche Weinbergs-Führung durch Josep Albet i Noya.
Gäste von Delinat geniessen eine persönliche Führung durch die Weinberge (vorne im Bild: Josep Maria Albet i Noya).

Als charismatisches Energiebündel hat der Chef  viel zu erzählen. Sein Weingut entwickelt sich stetig weiter, zahlreiche Programme und Projekte sind in Umsetzung: Ansiedlung von Fledermäusen, Erhöhung der Biodiversität, der «neue Cava», Trockensteinmauern, Verbesserung des Wasserhaushaltes und die Forschungsarbeiten für neue Traubensorten.

Überraschender Besuch aus der Schweiz

Bei der letzten Reise erlebte die Delinat-Gruppe eine Überraschung: Bereits auf dem Weingut sorgte ein Auto mit Schweizer Nummernschild für ein Raunen im Bus. Im Versuchsweingarten löste sich dann das Rätsel: Der bekannte Schweizer Rebenzüchter Valentin Blattner selektioniert bei Albet die widerstandsfähigsten und stärksten Traubenstöcke neugezüchteter Traubensorten. Die jetzt drei Jahre alten Reben wurden in diesem Jahr auf eine harte Probe gestellt – 2016 wird in Katalonien als extrem trockenes Jahr in die Geschichte eingehen. Bei unserem Besuch am 5. September kletterte das Thermometer immer noch auf über 40 °C. Die selektionierten Rebstöcke scheinen besonders hitze- und trockenresistent zu sein, im Hinblick auf eine Klimaerwärmung eine sehr gefragte Eigenschaft. Im nächsten Jahr soll erstmals Wein von diesen Stöcken gekeltert werden. Dann wird sich zeigen, ob die geernteten Trauben auch mit guten sensorischen Eigenschaften überzeugen.

PIWI-Experte und Forscher

Seit vielen Jahren arbeitet Valentin Blattner mit der Schweizer Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil und PIWI International zusammen. Viele seiner Rebsorten tragen noch gar keine Namen und werden als Zuchtnummer mit seinen Initialen «VB» gehandelt, z.B. VB 91-26-19. Vor allem bei pilzwiderstandsfähigen Sorten (PIWI) hat er sich einen Namen gemacht. Viele heute etablierte Rebsorten, wie beispielsweise Birstaler Muskat, Cabernet Blanc, Réselle, Pinotin oder Cabernet Jura, gehen auf Blattners Zuchterfolge zurück.

Der Schweizer Rebenzüchter Valentin Blattner (rechts) hilft auf dem Weingut Albet i Noya bei der Selektion widerstandsfähiger Traubensorten.
Der Schweizer Rebenzüchter Valentin Blattner (rechts) hilft auf dem Weingut Albet i Noya bei der Selektion widerstandsfähiger Traubensorten.

Der Forschungsweingarten bei Albet i Noya ist eines von Blattners Lieblingsprojekten. Forscher und Winzer arbeiten seit Jahrzehnten zusammen und verstehen sich bestens. Ihr gemeinsames Ziel ist es, alte, fast vergessene Sorten und Neuzüchtungen zu finden, die resistent gegen verschiedene Krankheiten und Pilzbefall sind. So können die Reben natürlicher und gesünder bearbeitet werden.

Diskussionen beim Abendessen

Mit diesen Informationen in Deutsch und aus erster Hand verzog sich die Gruppe mit Josep Maria Albet i Noya in den kühleren Keller. Derweil der Rebenzüchter noch weitere vier Stunden an der Sonne weiter arbeitete… Beim Abendessen auf dem schattigen Plaça del Rei (Königsplatz) im sympathischen Römerstädtchen Tarragona kam dann auch Valentin Blattner zur wohlverdienten Abkühlung und zur königlichen Stärkung aus der Slow Food-Küche des Restaurants Llagut.

Beim gemeinsamen Abendessen mit dem Winzer entstanden interessante Diskussionen.
Beim gemeinsamen Abendessen mit Albet i Noya und dem Schweizer Rebenzüchter Valentin Blattner entstanden interessante Diskussionen.

Zusammen mit Josep Maria Albet i Noya erzählte er weiter von diesem zukunftsträchtigen Projekt, dessen Weine wir wohl frühestens in 10 Jahren im Glas haben werden. Oder auch nicht: Sollte der Wein aus den neuen Rebsorten sensorisch durchfallen, war die ganze Arbeit war für die Katz. Hoffentlich nicht!

Den erfolgreichen Bio-Pionier Albet i Noya können Sie 2017 auf zwei verschiedenen Delinat-Weinreisen besuchen und auf der Plaça del Rei in Tarragona entspannt kennenlernen:

Wein- und Genussreise Albet i Noya und Mas Igneus. 14. bis 17. Mai 2017. Ausgehend von der beschaulichen Küstenstadt Tarragona (80km südwestlich von Barcelona) besuchen wir den Biopionier Albet i Noya und das aufstrebende Weingebiet Mas Igneus im Priorat. Diese Reise eignet sich vorzüglich als Anschlussprogramm zu Ihrem individuellen Aufenthalt im quirligen Barcelona.

Wein- und Genussreise Von Barcelona bis Bilbao. Montag, 25. September bis Sonntag, 1. Oktober 2017. Das pulsierende Barcelona und seine kulinarischen Spezialitäten. Zu Besuch bei Albet i Noya im Penedès, dem erfolgreichsten Biowinzer Spaniens. Zu Gast bei Delinat-Winzern in der Rioja und Navarra. Küstenfahrt nach Bilbao. Auf den Spuren des Weissweins Txakoli.

Mehr Infos: www.delinat.com/weinreisen

Eine neue Dimension im biologischen Weinbau

1990 hat Delinat zusammen mit 5000 Kunden in der Provence das Weingut Château Duvivier gekauft und systematisch zu einem ökologischen Vorzeigebetrieb ausgebaut. Die bisher gut 20-jährige Forschungs- und Versuchstätigkeit brachte viele neue Erkenntnisse für den biologischen Weinbau. Davon profitieren heute viele Weingüter in ganz Europa.

Versuchs- und Modellweingut Château Duvivier in der Provence.
Versuchs- und Modellweingut Château Duvivier in der Provence.

Erklärtes Ziel auf dem 30 Hektar grossen Weingut war von Anfang an die Weiterentwicklung des biologischen Weinbaus über Versuchs- und Forschungstätigkeit. Dabei wurde die Zusammenarbeit mit ausgewiesenen Forschungsanstalten wie EFA (heute Agroscope) Wädenswil, dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und französischen Anstalten gesucht. Ab 1995 begann die Versuchstätigkeit in den Bereichen Weinbergsbegrünung, Pflanzenschutz und Anbau pilzwiderstandsfähiger Rebsorten. 1998 übernahm Antoine Kaufmann als diplomierter Önologe die Führung des Weinguts. Er war damit auch zuständig für die korrekte Durchführung und Auswertung aller Versuche in den Reben. Unter seiner fachkundigen Führung wurde das Forschungsprogramm um die Bereiche Pflanzenkohle und Biodynamie erweitert.

Die Traubenvernichter

Die grosse Herausforderung für den biologischen Weinbau sind die Pilzkrankheiten, insbesondere der Falsche Mehltau, gegen den einzig Kupferspritzmittel eine einigermassen sichere Wirkung haben. Kupfer ist jedoch ein Schwermetall, das in bestimmten Böden und bei starker Anreicherung nachteilige Wirkung auf Bodenlebewesen haben kann. Seit Jahrzehnten wird deswegen international geforscht, um Kupfer als Pflanzenschutzmittel zu ersetzen. Bis heute ist hier noch kein Durchbruch gelungen. Die Praxis des biologischen Weinbaus ist deswegen darauf ausgerichtet, Strategien zu entwickeln, die den Kupferaustrag möglichst tief halten. Die Delinat-Richtlinien geben sehr tiefe Kupferwerte vor, der Bioweinbauer steht – vor allem in gewissen Klimazonen – vor einer sehr grossen Herausforderung.

Kupfereinsatz sinkt

Hier hakte das Versuchsprogramm zur Kupferreduktion auf Château Duvivier ein. Alle bekannten Hilfsmittel wurden miteinbezogen und auf ihre Wirksamkeit überprüft: Eine Wetterstation liess neue Infektionsschübe frühzeitig erkennen und gezielt bekämpfen. Tonerdemehl wurde alternativ als bekanntes Kupferersatzmittel eingesetzt. Die Spritztechnik wurde optimiert, und das rechtzeitige Arbeiten an den Rebstöcken erlaubte eine bestmögliche Benetzung aller Pflanzenteile und somit grösstmöglichen Schutz vor Pilzbefall. Die Resultate der über drei Jahre praktizierten Versuchsreihen sind beeindruckend. Auf Château Duvivier konnte der Kupferaustrag um rund 75 Prozent gesenkt werden. Statt 6 kg Kupfer werden heute im Mittel der Jahre noch rund 1,5 kg pro Hektar Rebfläche ausgebracht.

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Spannender Weintag auf dem Hirschhof

In zahlreichen Kursen und Seminaren erhalten Kundinnen und Kunden neben unterhaltsam und kompetent vermitteltem Weinwissen auch einen Einblick in den biologischen Weinbau nach der Delinat-Methode. Bei den regelmässig durchgeführten Weintagen auf ausgewählten Weingütern erlebt man hautnah, wie Weine in hoher Biodiversität entstehen – und mit welchen Problemen der Winzer konfrontiert werden kann.

Weingut Hirschhof Weinberg
Tobias Zimmer mit Kundinnen und Kunden in den Reben

Delinat-Winzer Tobias Zimmer führt in Westhofen das traditionsreiche Weingut Hirschhof mit innovativem Geist und grosser Leidenschaft. Im Juni fand hier bereits der zehnte Weintag statt – eine schöne Tradition. Neben Besichtigung des Weinkellers und einer spannenden Degustation stand natürlich ein Rundgang durch die Weinberge im Mittelpunkt des Weintages. Dabei konnten die 17 Teilnehmer «live» miterleben, was den Winzer aktuell beschäftigt:

Im letzten Jahr erlebte Westhofen einen extrem heissen und trockenen Sommer. In diesem Jahr hingegen sind die Niederschlagsmengen in Rheinhessen  enorm. Zuletzt gab es im Jahr 1965 solche Mengen! Nicht nur in Rheinhessen, sondern auch an der Mosel und in der Ostschweiz kämpfen die Winzer mit diesem Problem. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete bereits von ersten Totalausfällen bei Biowinzern, deren Möglichkeiten gegenüber konventionell arbeitenden Kollegen beschränkt sind.

Auf dem Hirschhof konnte Winzer Tobias Zimmer der Lage auch positive Seiten abgewinnen: Auf Grund der hohen Niederschläge ist die Begrünung in den Weingärten auch in den Sommermonaten üppig. Die Böden können das Wasser gut aufnehmen – dies ist die gute Nachricht. Die schlechte: Die anhaltende Feuchtigkeit führt zur Infektion und somit zu enormen Pilzdruck (Peronospora, falscher Mehltau).

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Hurra, der Lenz ist da!

Dass der Beginn der Partnerschaft mit Delinat just auf das 20-Jahr-Jubiläum des Weinguts fällt, kommt Roland Lenz (44) gerade recht: «Es ist ein weiterer Meilenstein in unserer abwechslungsreichen Geschichte. Wir teilen die Philosophie von Delinat, Trauben in Weinbergen mit grosser Biodiversität und möglichst ohne Pflanzenschutzmittel zu kultivieren, voll und ganz.» Alleine schon der Sortenspiegel macht deutlich, dass das keine leeren Worte sind: Neben den in der Ostschweiz verbreiteten Trauben Pinot Noir (rot) und Müller-Thurgau (weiss) wachsen auf einem Drittel der 14 Hektar umfassenden Rebflächen verschiedene pilzresistente Sorten, sogenannte Piwi-Trauben. Tendenz zunehmend: «Wir machen mit diesen Rebsorten, die keinen oder nur wenig Pflanzenschutz brauchen, sehr gute Erfahrungen. Unsere Weine stossen auf Begeisterung. Am liebsten würde ich nur noch Piwis anbauen», sagt Roland Lenz. Doch da hat Ehefrau Karin auch noch ein Wörtchen mitzureden: «Pinot Noir gehört einfach zu unserer Gegend.»

Karin und Roland Lenz
Delinat arbeitet neu mit Karin und Roland Lenz zusammen.

Rückschlag weggesteckt

Die ersten Kontakte zwischen Delinat und dem innovativen Winzerpaar liegen gut zwei Jahre zurück. Damals degustierte Einkäufer David Rodriguez an der Ostschweizer Weinmesse die Lenz-Gewächse: «Die Weine sind mir sofort durch ihre klare Linie und die aussergewöhnliche Qualität aufgefallen.» Weil auch Philosophie in Weinberg und Keller stimmen, kam man rasch ins Geschäft. «Jetzt sind wir das allererste Schweizer Weingut, das nach den besonders anspruchsvollen Delinat-Richtlinien zertifiziert ist», freut sich Roland Lenz. Dass die Familie Lenz dem biologischen Weinbau heute aus Überzeugung die Stange hält, ist nicht selbstverständlich. Schon kurz nach der Gründung des Weinguts 1994 setzten Roland und Karin Lenz auf biologischen Anbau. «1999 war dann aber wettermässig ein derart schlimmes Jahr, dass wir finanziell nicht überlebt hätten, wenn wir beim Pflanzenschutz nicht umgestellt hätten.» Der Schock war so gross, dass sie noch im selben Jahr in Chile ein zweites Weingut eröffneten. «Wir kannten dieses Land von Reisen vor unserer aktiven Winzerzeit und sind seither begeistert davon», erklärt Karin Lenz. Hier ist biologischer Weinbau kein Problem.

Wiese mit hoher Biodiversität
«Wenn wir uns weiterentwickeln wollen, müssen wir zurück zur Natur.»
Roland Lenz

Dieses zweite Standbein, das von ihrem Partner Ruedi Rüesch geführt wird, gab ihnen Mumm, es auch in der Schweiz nochmals zu versuchen. Roland Lenz: «Für mich war immer klar: Wenn wir uns weiterentwickeln wollen, müssen wir zurück zur Natur.» 2006 wurde die schwierigste Parzelle wieder umgestellt, um zu schauen, ob es funktioniert. Es klappte: Nach und nach wurden alle andern Parzellen ebenfalls biologisch bewirtschaftet, sodass seit 2010 der ganze Hof biozertifiziert ist. «2010 und 2012 waren ähnlich schwierige Jahre wie 1999. Doch dank zusätzlichem Know-how und mehr Erfahrung sind wir nie mehr in ernsthafte Schwierigkeiten geraten», erklärt Roland Lenz.

Dachs als Namenspatron

Im vergangenen Februar wurde der erste Lenz-Wein für Delinat abgefüllt. Der Weisswein mit dem kurligen Namen Grimbart ist eine Cuvée aus Pinot Noir, Müller-Thurgau und der Piwi- Sorte Solaris. Die roten Pinot-Noir-Trauben wurden als Blanc de Noirs, also ohne Traubenhäute, zu einem Federweissen vergoren. Entstanden ist eine charmante, fruchtig-süffige Cuvée mit moderatem Alkoholgehalt. Der Name Grimbart ist eine Reminiszenz an den Dachs in Goethes Fabel «Reinecke Fuchs». Eine Parzelle mit Müller-Thurgau-Reben liegt in der Nähe eines Waldes, aus dem sich Füchse und Dachse jeweils kurz vor der Erntezeit anschleichen und sich an den zuckersüssen Trauben gütlich tun.

PIWI Sorten
Pilzresistente Traubensorten (Piwi) brauchen kaum Pflanzenschutz.

Mit dem Lenz Grimbart 2013 hat erstmals seit vielen Jahren wieder ein Schweizer Wein die hohen Hürden für die Aufnahme in den Delinat-DegustierService (DS) geschafft. Auch wer nicht zur Gilde der DS-Kunden gehört, muss nicht verzichten. Ein paar Flaschen sind noch übrig!

Zu Besuch beim Biowinzer

Weingut Roland und Karin Lenz, Iselisberg bei Frauenfeld:

Donnerstag, 19. Juni 2014. Bei einer Führung durch die Weinberge steht die Bedeutung der Biodiversität im Vordergrund. Weitere Höhepunkte sind der Rundgang durch den Keller und die Degustation der Lenz-Weine.

Weingut Hirschhof in Westhofen, Rheinhessen:

Samstag, 14. Juni 2014 (1. Teil), und Samstag, 6. September 2014 (2. Teil). Weinseminar mit Winzer Tobias Zimmer und Diplom-Sommelier Dirk Wasilewski.

Mehr zu allen Delinat-Veranstaltungen unter www.delinat.com/veranstaltungen

Immun gegen Krankheiten

Der spanische Biopionier Josep Maria Albet i Noya glaubt an die Zukunft pilzwiderstandsfähiger Rebsorten (PIWI).
Der spanische Biopionier Josep Maria Albet i Noya glaubt an die Zukunft pilzwiderstandsfähiger Rebsorten (PIWI).

Der spanische Biopionier Josep Maria Albet i Noya glaubt an die Zukunft neuer, pilzwiderstandsfähiger Rebsorten (PIWI). Gemeinsam mit andern namhaften Kellereien hat er im Penedès ein Projekt lanciert, das zum Ziel hat, marktfähige Sorten zu züchten, die keine (oder fast keine) Behandlungen gegen Pilzkrankheiten mehr benötigen. Geleitet wird das Projekt vom Schweizer Winzer und PIWI-Spezialisten Valentin Blattner. Ob die Trauben der neuen Rebsorten für die Weinbereitung taugen, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen