Mein Favorit aus Norditalien: ein Valpolicella Ripasso

Mit vielen neuen Erfahrungen und einem Rucksack voller Weinwissen kam das Team des Kundenservice im Mai von der Weiterbildungsreise aus Italien zurück. Aus den vielen Degustationen haben die Bildungsreisenden ihre sechs Favoriten ausgewählt, die im neuen Probierpaket «Giro d’Italia» gebündelt erhältlich sind. Hier der Favorit von Robin Bazo, Depotleiter in Olten:

Die Brüder Fasoli arbeiten mit grosser Leidenschaft am Weinberg der Zukunft. Schon jetzt haben sie im Valpolicella ein kleines Paradies erschaffen. Mit dieser Motivation und ihren Erfolgen sind sie dabei, auch die konventionellen Nachbarn überzeugen: Ich habe den Eindruck gewonnen, dass diese schon bald mitmachen werden und einen Weinbau in reicher Biodiversität verfolgen.

Winzer und Depotleiter im Weinberg. Von links nach rechts: Amadio Fasoli, Pirmin Muoth und der Autor
Winzer und Depotleiter im Weinberg. Von links nach rechts: Amadio Fasoli, Pirmin Muoth und der Autor

Auf ihrem Weingut La Casetta erzeugen die Brüder eine grosse Vielfalt von Weinen, vom fruchtigen und leichten Valpolicella bis zum komplexen und wuchtigen Amarone. Was mich beeindruckt hat: Hier werden alle Weine gleich behandelt – mit viel Liebe nämlich! Zum Beispiel werden bei der Ernte die Trauben in mehreren Durchgängen gelesen und selektioniert, um nur reife Trauben zu ernten.

Ganz besonders fein finde ich den Ripasso La Casetta. Der Valpolicella Ripasso entsteht aus den gleichen Traubensorten wie der berühmte Amarone. Dem eher hellen Wein werden nach der Gärung ungepresste Traubenschalen aus der Amarone-Erzeugung beigefügt. So erhält er mehr Farbe, Tiefe und Dichte. Danach wird der Ripasso in grossen Holzfässern ausgebaut.  Mit seiner schönen Frucht und den würzigen Noten passt der Ripasso hervorragend zu frisch gemachter Pasta all’Arrabiata. Die hatten die Brüder Fasoli uns am Abend zu diesem Wein serviert. In der Nase und im Geschmack hat der Ripasso wirklich Ähnlichkeit mit dem Amarone, ist aber alltagstauglich: ein kräftiger Tropfen für jeden Tag, den man unkompliziert zu vielen (Pasta-)Gerichten kombinieren kann.

Weitere Empfehlungen der Bildungsreisenden:

Delinat-Team auf Weiterbildung in Italien: Ein Rucksack voller Wissen

Nur wer die Winzer persönlich kennt und vor Ort Einblick in deren Philosophie erhält, kann umfassend und kompetent beraten: Getreu diesem Motto war das Team des Delinat-Kundenservice im vergangenen Mai auf Weiterbildungsreise in Italien. Christina Bertoni, Leiterin des Delinat-Shops in Winterthur, öffnet ihr Reisetagebuch.

Anschauungsunterricht auf der Tenuta San Vito in den Hügeln um Florenz.
Anschauungsunterricht auf der Tenuta San Vito in den Hügeln um Florenz.

Dienstag, 17. Mai

St. Gallen, Dienstagmorgen. In Begleitung von Italien-Einkäuferin Martina Korak und Winzerberater Walter Fromm fahren wir los Richtung Piemont. Gegen Mittag erreichen wir das kleine Hügeldorf Cocconato im Monferrato, wo Cecilia Zucca das Weingut Poggio Ridente betreibt. Die Aussicht auf die umliegenden Hügel begeistert uns sofort. Noch mehr aber staunen wir über die steilen Rebhänge von Cecilia, in denen nicht nur gesunde, starke Rebstöcke der Sorten Barbera, Dolcetto, Albarossa, Ruché, Busanello, Viognier und Riesling prächtig gedeihen, sondern auch Getreide heranreift und Leguminosen blühen. Ein Bild, das uns bestätigt, dass Delinat-Weinberge mit reicher Biodiversität Wirklichkeit sind. Dass dies kein Einzelfall, sondern auf den Delinat-Weingütern die Regel ist, sollten uns die kommenden Besuche bestätigen.

Bunte Pflanzenvielfalt in den Reben von Cecilia Zucca.
Bunte Pflanzenvielfalt in den Reben von Cecilia Zucca.

Mittwoch, 18. Mai

Auf dem Weingut La Luna del Rospo, 50 Kilometer weiter südlich, tauchen wir in einen wilden Garten Eden ein. Wir begreifen sofort, dass Winzerin Renate Schütz die Natur über alles liebt. Ihr Biodiversitätsparadies ist mit sieben Hektar Reben, mehrheitlich Barbera, bestückt. Auf einer zwei Hektar grossen «Ökoinsel » wachsen spontan wilde Rosenarten, Steineichen, Pfirsich-, Kirsch- und Mandelbäume. Die ausgezeichnete Qualität ihrer Weine ist uns durch die regelmässigen Degustationen, die ebenfalls zum Weiterbildungsprogramm des Kundenservice-Teams gehören, bekannt. Die Verkostung der aktuellen Rotweinkollektion direkt vor Ort, begleitet von selbst gemachten Delikatessen, bringt eine eindrückliche Bestätigung.

Winzerin Renate Schütz in ihrem Biodiversitätsparadies.
Winzerin Renate Schütz in ihrem Biodiversitätsparadies.

Wir verlassen das Piemont und steuern südwärts Richtung Toskana. Unterwegs fachsimpeln wir mit Winzerberater Walter Fromm über Hefen, Klone und Glyphosat –Weiterbildung on the road! Gegen Abend erreichen wir die Tenuta San Vito in den Colli Fiorentini. Das ist nicht nur ein beeindruckendes Weingut, sondern auch eine idyllische Feriendestination mit eigenem Restaurant. Winzer Neri Gazulli empfängt uns beim Abendessen mit passenden Weinen zu jedem Gang. Mit Sangiovese, Cabernet Sauvignon, Merlot und Teroldego bei den Roten sowie Trebbiano, Malvasia, Verdicchio und Chardonnay bei den Weissen ist der Sortenspiegel auf San Vito äusserst abwechslungsreich. Eindrücklich erfahren wir interessante spezifische Einzelheiten über die verschiedenen Traubensorten und die daraus gekelterten Weine. Zu später Stunde begegnen uns auf dem Weg zu den Unterkünften Leuchtkäfer als tanzende Lichtpunkte in finsterer Nacht.

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Prosecco, Amarone und veronesische Gastfreundschaft

Arnaldo Savian im Gespräch mit Walter Fromm

Die Norditalien-Reise des ganzen Teams bietet uns Kundenberatern nicht nur eine schöne Abwechslung, sondern auch einen vertieften, praxisnahen Einblick in die Philosophie unserer Winzer. Der letzte Tag führt uns ins Veneto:

Von der kühleren Maremma fahren wir in Richtung Veneto, wo uns sommerliches Wetter erwartet. Als erstes erreichen wir das Weingut Savian, wo uns Wiliam und sein Vater Arnaldo herzlich empfangen. Das Wetter hat gewechselt, aber auch die Landschaft hat sich verändert. Nach den Hügeln wie im Chianti ist es hier flach – und dementsprechend einfacher zu bearbeiten.

Hier im Veneto wird der bekannte Prosecco hergestellt, der durch Massenproduktion in Verruf geraten war. Als Schutzmassnahme heisst die Prosecco-Traube seit ein paar Jahren Glera (mehr dazu hier). Der frische und saftige Savian-Prosecco mit seinen floralen und würzigen Noten zeigt, wieviel Freude ein Prosecco machen kann!

Arnaldo Savian im Gespräch mit Walter Fromm
Arnaldo Savian im Gespräch mit Winzerberater Walter Fromm (Delinat, links)

Neben der Produktion von dieses italienischen Exportschlagers investiert Wiliam Savian zusammen mit einer Universität in die Erforschung neuer, pilzwiderstandsfähigen Rebsorten. Eine neue Merlot-Sorte wird dieses Jahr zum ersten Mal geerntet, Savian und auch wir sind gespannt auf den Wein.

Zum Abschluss unserer Reise werden wir nahe Verona von den Gebrüdern Amadio und Natalino Fasoli begrüsst. Nach vielen Stunden im Bus geniessen wir mit unseren Gastgebern ein wunderbares Abendessen in einem Restaurant hoch über den Weinbergen des Venetos.

Weinkeller Fasoli
Die Gebrüder Fasoli mit Delinat-Einkaufschefin Martina Korak (Mitte) im Weinkeller

Zum Antipasto gibt’s einen leichten Soave und einen den aussergewöhnlichen gereiften Pieve Vecchia, ein Spitzen-Wein aus der Garganega-Traube! Zum primo und secondo piatto kommen wir in den Genuss der drei  roten Top-Weine der Fasolis: Der unglaublich üppige, würzige «Alteo» ist ein wirklich grosser Amarone,  aber auch die ebenfalls im Amarone-Stil ausgebauten Pinot Noir Sande und der Merlot Orgno sind nicht zu verachten…

Amadio Fasoli (rechts) und sein Agronom zeigen uns Senf aus Schweizer Sativa-Samen

Nach einer intensiven Woche und mit viel neuem Wissen im Gepäck geht’s zurück in die Schweiz. Ab sofort sind die Kundenberater in St. Gallen und die Depotleiter in Bern, Basel, Olten, Zürich und Winterthur wieder für Sie da und gespannt auf Ihre Fragen.

 

 

Lago mio…

Fischen auf dem Gardasee

Weisswein zu Fisch ist die Regel – Rosé eine gute Alternative. Davon haben uns Natalino und Amadio Fasoli bei einem sommerlichen Abstecher an den Gardasee überzeugt. Ihr alter Freund Emilio, ein passionierter Fischer, hat uns nach wenig Petri Heil auf dem See in sein Lieblingsrestaurant in Bardolino entführt.

Fischen auf dem Gardasee
Emilio mit seinen Freunden Amadio (links) und Natalino Fasoli beim Fischen.

Die Begrüssung ist überaus herzlich: Emilio Fasoletti, Ehefrau Esther und Tochter Angela empfangen uns auf ihrem Agriturismo Al Vajo im kleinen Dorf Lazise mit einem Glas Hauswein. Emilio und Natalino Fasoli sind alte Freunde: «Wir kennen uns schon viele Jahre, hatten miteinander zu tun, als Emilio noch Direktor des Winzerkonsortiums Valpolicella war», erzählt Natalino.

Schon damals war Emilio ein passionierter Hobbyfischer. Doch seit er im Ruhestand ist, verbringt er manchmal fast den halben Tag auf dem nahegelegenen Gardasee. Zu früher Morgenstunde saust er auf seinem alten Fahrrad Richtung See. Manchmal, wenn er besonders gut gelaunt ist, nimmt er Gäste mit zum Fischen, so wie heute. Sein Boot liegt vertäut im kleinen Fischerhafen. «Pippuccia» steht vorne am Bug. «Der Name stammt vom Vorbesitzer des Boots, der seine Tochter so genannt hat», erklärt Emilio. Dann startet er den Motor. Unter strahlender Sonne fahren wir hinaus auf das ruhige Gewässer. Unterwegs erzählt Emilio Episoden aus seinem Fischerleben. Den bisher kapitalsten Fang hat er an einem Silvestertag gemacht. 13 Kilo wog der Hecht, den er nach langem Kampf ins Boot gezogen hatte. Meistens hat er carpione (Gardasee-Forellen) oder coregone (Felchen) an der Angel. Heute allerdings wollen sie nicht beissen. «Wir sind zu spät dran. Es ist ja schon fast Mittag. Normalerweise bin ich von sechs bis neun Uhr auf dem Wasser», findet Emilio eine halbwegs plausible Erklärung.

Frischen Fisch gibt es hier immer

Emilio Fasoletti
Jeden Morgen ist Emilio Fasoletti als Fischer auf dem Gardasee unterwegs.

Der Plan, eigenhändig gefangene Forellen oder Felchen bei Gabriele Erbifori in der «Osteria Due Nani» in Bardolino frisch zubereiten zu lassen und zu einem Glas Bardolino Chiaretto der Fasolis zu geniessen, lässt sich nicht eins zu eins umsetzen. Doch das auf Fisch spezialisierte «Due Nani» hat natürlich noch ein paar andere Lieferanten, die an diesem Tag früh genug aufgestanden sind. So serviert uns Gabriele in der gemütlichen, meist von Einheimischen frequentierten Osteria nach ein paar leckeren Antipasti zum Hauptgang Felchen vom Grill mit Kartoffeln und Gemüse. Mit seiner leichten, würzigen Frische und dem dezent herben Abgang harmoniert der Bardolino Chiaretto der Fasolis hervorragend mit dem Geschmack des Fisches.

Rosé zu Fisch

Nicht jeder Rosé passt zu jedem Fisch. Helle, leichte und fruchtige Rosés ohne viel Tannin wie der Bardolino Chiaretto Fasoli, klassische Rosés aus Südfrankreich wie der Vidaux Célestine aus der Provence oder der Villa Veredus rosé aus dem Languedoc harmonieren perfekt zu feinfaserigem, eher geschmacksneutralem Fisch. Aus dem Süsswasser sind dies etwa Felchen, Egli und Forelle, aus dem Meerwasser gehören Seezunge und Wolfsbarsch dazu. Viele Meerwasserfische sind fester in der Textur und aromatischer als Süsswasserfische. Das verlangt in der Regel nach einem kräftigen Rosé, wie sie vor allem in Spanien und Süditalien zu finden sind. Dazu gehören der Pithoi Nero d’Avola aus Sizilien, der Albet i Noya Cabernet rosat aus dem Penedès, der Vale de Camelos rosé aus Portugal oder der Maison Coulon Rosé aus dem Languedoc.

Rosé mit sozialem Hintergrund

Rose und Fisch
Der Geschmack des Fisches passt gut zu einem Bardolino Chiaretto.

Auf die Herkunft der Trauben für diesen Chiaretto sind Amadio und Natalino besonders stolz. Sie reifen in den biologischen Weinbergen der Comunità dei Giovani in den Hügeln über Bardolino. «Wir arbeiten seit ein paar Jahren mit dieser gemeinnützigen Institution zusammen, die Jugendliche mit Suchtproblemen betreut », erklärt Amadio auf der Fahrt dorthin. Einige der Drogenabhängigen arbeiten im Gemüsegarten, andere in den Olivenhainen oder den Rebbergen, die noch im traditionellen Pergolasystem angelegt sind. Im Klangmeer eines Zykadenkonzerts führt uns Betriebsleiter Antonio Toffali hinauf auf den Hügelkamm. Das Panorama mit dem Gardasee und der Landzunge von Sirmione, die sich von Süden her ins Gewässer schiebt, ist gewaltig. Irgendwo da unten wird morgen in aller Herrgottsfrühe Emilio Fasoletti mit seinem Boot hinaustuckern und dann wohl wieder die schönsten Gardasee-Forellen und -Felchen aus dem Wasser ziehen…

Valpolicella – Pioniere im Tal der vielen Keller

Herrliche Aussicht auf das «Tal der vielen Keller».

Das Valpolicella ist eine reizvolle Rotweinregion im Veneto. Der Name bedeutet «Tal der vielen Keller». Einst reiften hier nur einfache Massenweine. Heute ist alles anders: Der Valpolicella ist ein begehrter Alltagswein. Der Amarone hat längst Kultstatus. Und der Ripasso befindet sich gerade im Steigflug. Rendez-vous mit drei Valpolicella-Pionieren.

Herrliche Aussicht auf das «Tal der vielen Keller».
Herrliche Aussicht auf das «Tal der vielen Keller».

Der Mann strahlt eine unwiderstehliche Autorität aus. Wir sitzen zur Mittagszeit im Ristorante «Due Nani» in Bardolino abseits vom Touristenstrom. «Hier essen die Einheimischen», sagt Emilio Fasoletti, gebürtiger Bardoliner und ehemaliger Direktor des Winzerkonsortiums Valpolicella. Mit am Tisch sitzen zwei alte Freunde: Natalino und Amadio Fasoli, Winzer aus dem Illasi-Tal. Es gehört zum erweiterten Valpolicella- Gebiet, das die Stadt Verona wie ein halboffener Mantel umgibt. Als der Wirt mit einer Auswahl schönster Primi statt den bestellten Antipasti anrückt, gibts bei Emilio kein Pardon: Obwohl uns ob der dampfenden Pasta schon das Wasser im Mund zusammenläuft, beordert er die «Fehllieferung» zurück in die Küche! «O dio», entfährt es dem Capo und weg ist er.

Delinat-Önologin Martina Korak am Mittagstisch mit den Valpolicella-Pionieren Emilio Fasoletti und den Gebrüdern Fasoli.
Delinat-Önologin Martina Korak am Mittagstisch mit den Valpolicella-Pionieren Emilio Fasoletti und den Gebrüdern Fasoli.

Emilio Fasoletti ist so etwas wie der «Mister Valpolicella». Seinen patriarchalischen Zug hat sich der ausgebildete Önologe als langjähriger Konsortiumsdirektor angeeignet. Als solcher betreute er gut 30 Jahre lang einen wilden Haufen von Winzern mit unterschiedlichsten Interessen und Anliegen. Da war ein führender Kopf mit klarer Linie und innovativem Konzept gefragt. Ansonsten hätte es der einst einfache, wenig beachtete Bauernwein aus dem Tal der vielen Keller (rund 400 sollen es sein) nie zu jenem Renommee geschafft, das er jetzt geniesst: Valpolicella, Valpolicella Superiore, Ripasso und Amarone gelten unter Liebhabern italienischer Weine heute als beliebte Tropfen mit hohem Ansehen, ganz besonders natürlich «König» Amarone.

Der Direttore und «La donna volante»

«Mister Valpolicella» Emilio Fasoletti.
«Mister Valpolicella» Emilio Fasoletti.

Dem ehemaligen Direttore gehört zweifelsohne eine Pionierrolle, wenn es um Vermarktung und Aufstieg dieses norditalienischen Weinbaugebiets geht. Als die Antipasti serviert werden, verweist er stolz auf ein altes Plakat des Consorzio, das hinter seinem Rücken an der Wand des Restaurants hängt. Es zeigt «La donna volante», eine attraktive Frau im wallenden Kleid, die für Valpolicella-Weine wirbt: «Das von Milo Manara gestaltete Plakat hat seinerzeit für viel Aufregung gesorgt, weil der Künstler den Rocksaum der Schönen ziemlich knapp gehalten hat», sagt Emilio grinsend. «Aber es hat uns geholfen, das Valpolicella bekannt und sympathisch zu machen.»

Der Sprung zum Qualitätswein

Eine andere Pionierrolle gehört Natalino und Amadio Fasoli. Nach einer mehrjährigen Experimentierphase stellten die beiden Brüder als erste der Region ihr Weingut bereits 1984 ganz auf biologischen Anbau um. Gleichzeitig gehörten sie zu den Ersten, die mit radikalen Ertragsbeschränkungen und sanfter Vinifikation den Qualitätsweinbau im Valpolicella förderten. Das zahlt sich heute noch aus. Die Fasoli-Weine geniessen weit über die Bioszene hinaus einen ausgezeichneten Ruf.

Natalino Fasoli in seinem Barrique-Keller.
Natalino Fasoli in seinem Barrique-Keller.

Winzer, die gewillt waren, auf Qualität statt auf Menge zu setzen, das war ganz im Sinne von Emilio Fasoletti: «Qualitätssteigerung war für mich stets ein zentrales Anliegen», sagt er. Gleichwohl entwickelte sich der biologische Weinbau lange Zeit nur zögerlich. «Ich habe immer alle, die sich dafür interessierten, zu den Fasolis geschickt. Die waren lange die Einzigen und hatten am meisten Erfahrung», blickt Fasoletti zurück. Erst in den letzten Jahren seiner Amtszeit habe es einen kleinen Boom gegeben, weil Bio in Mode kam. Auf dem Papier sieht die Bilanz aber nach wie vor düster aus. Natalino Fasoli: «Neben uns gibt es im ganzen Valpolicella vielleicht noch ein halbes Dutzend andere zertifizierte Betriebe. Die kontrollierte Biofläche liegt bei rund 200 Hektar.» Überaus bescheiden bei einer Gesamtrebfläche von 7000 Hektar. Natalino und Amadio glauben zwar, dass es in Wirklichkeit heute viel mehr Winzer sind, die auf den Einsatz von Chemie verzichten. Nicht zuletzt, weil «viele Leute aufschreien, wenn sie das sehen». Manch einer aber scheue einfach den Aufwand, sich zertifizieren zu lassen. Und alleine mit dem Verzicht auf Chemie und Künstdünger sei es ja auch nicht getan. Natalino: «Wer geschlossene ökologische Kreisläufe anstrebt, braucht dafür Weinberge mit intakter Biodiversität. Das wiederum bedingt viel Handarbeit, Nähe zur Natur und Verzicht auf schwere Maschinen.»

L’ultima cena

Nachtessen bei den Fasolis
«In solchen Momenten wird einem gewahr, dass die Fasoli-Weine etwas Besonderes sind»

Nach dem Essen – den herrlich mundenden Antipasti folgte noch ein feiner Fisch aus dem Gardasee – verabschieden wir uns von «Mister Valpolicella» und lassen uns von Amadio und Natalino Fasoli durch die hügelige Landschaft des Valpolicella führen. San Giorgio ist ein kleines Hügeldorf, das einen umwerfenden Blick auf den Gardasee und die leuchtenden Rebberge des Valpolicella Classico bietet.

Kirche San Giorgio di Valpolicella
Die Kirche San Giorgio di Valpolicella gehört zu den schönsten romanischen Bauwerken im Veneto.

Hier lohnt sich auch ein Blick in die romanische Kirche. Ihre puristische, schnörkellose Schönheit ist überwältigend. Per Münzautomat geht für 50 Cent die Beleuchtung an. Über dem Eingang werden die Details des restaurierten Freskenbildes mit den zwölf Aposteln sichtbar: L’ultima cena. Auf uns wartet das letzte Abendessen dieser Valpolicella-Visite am nächsten Tag zu Hause bei Natalino Fasoli. Als wir an diesem lauen Sommerabend nach Einbruch der Dämmerung in seinem Garten eintreffen, sind schon die ganze Familie, Mitarbeiter und Freunde ums eingefeuerte Kamin versammelt. Über glühenden Holzkohlen brutzeln saftige Stücke vom Huhn und vom Kaninchen, feine Maisschnitten und allerhand Gemüse. Als alles angerichtet ist, wird dazu fast die ganze Palette der Fasoli-Rotweine kredenzt: Valpolicello, Ripasso und Amarone. Und wieder einmal wird einem auf wundersame Weise bewusst, dass die biologischen Gewächse aus dem Hause Fasoli auch heute noch ganz besondere Weine aus dem Tal der vielen Keller sind.

Valpolicella, Ripasso, Amarone

Die Anstrengungen des Consorzio Valpolicella für mehr Qualität begannen in den 1990er-Jahren Früchte zu tragen. Damals schlug die grosse Stunde des Amarone. Der dichte, gehaltvolle Wein aus rosinierten Trauben eroberte anspruchsvolle Gaumen in aller Welt und wurde zum Weinmonument des Valpolicella. Jeden Herbst opfern ihm die Winzer ihre besten Trauben. Die gesamte Rebfläche des Valpolicella beträgt 7000 Hektar. Pro Hektar dürfen maximal 4000 Kilo Trauben zu Amarone verarbeitet werden. Für eine gute Flasche Amarone braucht es bis zu vier Kilo frische Trauben, je nachdem, wie stark sie getrocknet werden. Den Amarone gibt es auch in einer süssen Variante unter dem Namen Recioto.

[caption id="attachment_10216" align="alignnone" width="570"]Der Königswein aus dem Valpolicella wird aus luftgetrockneten Trauben erzeugt. Der Königswein aus dem Valpolicella wird aus luftgetrockneten Trauben erzeugt.[/caption]

Der grosse Überflieger im Valpolicella ist im Moment der Ripasso, oft als kleiner Bruder des Amarone bezeichnet. Er entsteht aus einem Valpolicella- Jungwein, den man auf nassen Traubenhäuten des Amarone nochmals aufgären lässt. Die Nachfrage nach der preiswerten Alternative zum teuren Amarone ist weit grösser als das Angebot. Den Winzern sind allerdings auch hier die Hände gebunden: Gemäss Reglement darf höchstens doppelt so viel Ripasso produziert werden wie Amarone.

Gemacht hat sich auch der Basiswein: Aus dem einst rustikalen Bauernwein Valpolicella ist ein leichter, angenehmer Tropfen mit dezentem Nussgeschmack geworden. Ein gefälliger Wein für jeden Tag, der zu einem breiten Spektrum an Speisen passt. Zusätzlich gibt es noch den Valpolicella Superiore. Er wird in der Regel aus Trauben von besseren Lagen und alten Rebstöcken gekeltert.

Corvina, Rondinella, Molinara
Alle diese Rotweine werden aus denselben autochthonen Traubensorten erzeugt: Corvina Veronese, Rondinella und Molinara. Sie sind die typischen Traubensorten im Valpolicella. Mit einem Anteil von gegen 70 Prozent ist die Corvina die wichtigste. Die sehr aromatischen Beeren der Rondinella werden vor allem für den Recioto (die süsse Variante des Amarone) verwendet. Die Molinara wird oft für junge, frische und helle Weine verwendet. Sie muss, im Gegensatz zu den beiden andern Sorten, nicht zwingend enthalten sein in einem Wein aus dem Valpolicella.

Mehr zum Weingut Fasoli und seinen Weinen: www.delinat.com/fasoli

Begegnung mit «Mister Valpolicella»

Geniessen Essen und Bardolino: Natalino Fasoli, Emilio Fasoletti, Martina Korak (Delinat) und Amdio Fasoli (v.l.).

Die Winzerbrüder Fasoli und Emilio Fasoletti sind alte Freunde. Für eine Valpolicella-Reportage in der WeinLese 36 (erscheint im November 2014) verabredeten wir uns mit dem Trio am Gardasee. Emilio ist als ehemaliger Direktor der Winzervereinigung Consorzio Valpolicella noch heute so etwas wie der «Mister Valpolicella». Und Amadio und Natalino Fasoli kennen als Biowein-Pioniere das Valpolicella ebenfalls wie die eigene Westentasche.

Landschaft im Valpolicella
Die Weinregion Valpolicella liegt in den Hügeln nördlich von Verona zwischen Bardolino am Gardasee und dem Städtchen Soave.

Wir sitzen im Ristorante Due Nani in Bardolino an einem massiven Holztisch. Hinten an der Wand hängt ein altes Plakat des Consorzio Valpolicella. Eine attraktive Frau im wallenden Rock wirbt für die Weine aus dem «Tal der vielen Keller», wie das Valpolicella übersetzt heisst. «La donna volante. Das Plakat hat seinerzeit für viel Aufregung gesorgt, weil der Künstler den Rocksaum der Schönen ziemlich knapp gehalten hat», grinst Emilio.

«La Donna Volante» warb einst für die Region Valpolicella.
«La Donna Volante» warb einst für die Region Valpolicella.

Während in der Küche die bestellte Platte mit allerlei Antipasti zubereitet wird, unterhalten wir uns über die Entwicklung dieses aufstrebenden Weinbaugebietes im Umland von Verona. Emilio Fasoletti entpuppt sich rasch als wandelndes Google. «Das Valpolicella stand früher für einfache Massenweine, die in Fiascos (bauchige Flaschen im Strohmantel) abgefüllt wurden. Die Qualitätssteigerung war für mich stets ein zentrales Anliegen», erzählt der seit 2010 pensionierte Direttore.

Das sei auch gelungen, bestätigen die Gebrüder Fasoli. Das gilt selbst für den als Valpolicella bezeichneten Basiswein. Doch es ist der aus rosinierten, hochkonzentrierten Trauben erzeugte Amarone, der das Valpolicella in aller Welt bekannt und begehrt gemacht hat. Grosser Valpolicella-Star ist im Moment indes der Ripasso, oft als kleiner Bruder des Amarone bezeichnet. Ripasso entsteht aus einem jungen Valpolicella, den man auf nassen Traubenhäuten des Amarone nochmals aufgären lässt. «Ripasso ist eine überaus begehrte, preiswerte Alternative zum teuren Amarone. Die Nachfrage ist viel grösser als das Angebot», weiss Emilio. Den Winzern sind allerdings die Hände gebunden: Gemäss Reglement darf höchstens doppelt so viel Ripasso produziert werden wie Amarone. Und für den Amarone gilt ein Kontingent, an dem nicht zu rütteln ist: Die gesamte Rebfläche des Valpolicella beträgt 7000 Hektar. Pro Hektar dürfen maximal 4000 Kilo Trauben zu Amarone verarbeitet werden.

Geniessen Essen und Bardolino: Natalino Fasoli, Emilio Fasoletti, Martina Korak (Delinat) und Amadio Fasoli (v.l.).
Geniessen Essen und Bardolino: Natalino Fasoli, Emilio Fasoletti, Martina Korak (Delinat) und Amadio Fasoli (v.l.).

Potenzial gibt es im Valpolicella dafür noch beim biologischen Weinbau. Die Entwicklung in diesem Bereich lief lange sehr zögerlich. «Ich habe immer alle zu den Fasolis geschickt, die sich dafür interessiert haben», sagt Emilio. Erst in den letzten Jahren habe es einen kleinen Boom gegeben, weil Bio in Mode kam. Auf dem Papier sieht die Bilanz aber nach wie vor trist aus. Natalino Fasoli: «Neben uns gibt es im ganzen Valpolicella vielleicht noch eine Handvoll zertifizierte Produzenten. Die kontrollierte Biofläche dürfte 200 Hektar nicht überschreiten.» Er glaubt zwar, dass heute viel mehr Winzer auf den Einsatz von Chemie verzichten, nicht zuletzt, weil «viele Leute aufschreien, wenn sie das sehen». Manch einer aber scheue den Aufwand, sich zertifizieren zu lassen.

So sind der Valpolicella La Casetta, der Ripasso La Casetta und der Amarone Alteo aus dem Hause Fasoli auch heute noch ganz besondere Weine aus dem «Tal der vielen Keller». Zu den mittlerweile aufgetischten Antipasti haben wir uns angesichts der hochsommerlichen Temperaturen und der Lage knapp ausserhalb des Valpolicella-Gebietes aber einen Bardolino Chiaretto, ebenfalls aus dem Hause Fasoli, einschenken lassen. Auch der hat eine äusserst gute Falle gemacht …

Soave La Casetta

Weinberg La Casetta

Weinberg La Casetta

Das tolle an diesem Soave ist seine Vielseitigkeit. Mit seinem angenehm fruchtigwürzigen Bukett und seiner Harmonie am Gaumen ist er ein Kombinationsgenie: Er passt er zu vielen verschiedenen Speisen ohne auch nur den Hauch von Langeweile zu verströmen – für mich ein rundum guter Wein, der von Jahrgang zu Jahrgang seine hohe Qualität hält. Die Fasolis ragen mit dieser Perle heraus aus einem Meer von unzähligen belanglosen Soaves, die den Ruf dieser italienischen Weissweinspezialität ramponiert haben.

SoaSoave La Casettave La Casetta
Soave DOC 2012
www.delinat.com/5357.12

Harmonie auch in der Flasche

Die Familie Fasoli

Auch wenn zuweilen diskutiert, manchmal sogar auch gestritten wird – im Grossen und Ganzen zeichnen sich auf den besuchten Delinat-Weingütern harmonische Generationenwechsel ab. Diese Harmonie kommt auch in den Weinen dieser Familienbetriebe zum Ausdruck. Viele von ihnen gehören zu den beliebtesten im Delinat- Sortiment. Etwa der Conterocca aus dem Hause Salustri, fast gänzlich aus der toskanischen Königstraube Sangiovese erzeugt: «Ich keltere hier einfach einen Wein, wie er mir selber besonders gut gefällt: elegant, frisch, mit einem schönen Säuregehalt», sagt Marco Salustri.

Die Familie Fasoli
Gut aufgestellt für die Zukunft: das Fasoli-Quartett.

Leuchtender Stern auf dem Weingut Fasoli ist der weisse Soave. Der Ruf dieses allgemein beliebten italienischen Weissweins hat wegen Massenproduktion und Verwendung von untypischen Traubensorten wie Chardonnay, Pinot Bianco oder Trebbiano arg gelitten. «Unser Soave besteht zu 100 Prozent aus der einheimischen, für diesen Wein typischen Garganega-Traube. Und weil wir den Ertrag grosszügig beschränken, haben wir nicht nur einen authentischen, sondern auch einen wunderbar aromatischen Soave zu bieten», sagt Kellermeister Natalino Fasoli. Seit Jahren viele begeisterte Anhänger hat auch der rote Valpolicella La Casetta. Mit Sonne vollgetankte Trauben der regionstypischen Sorten Corvina, Rondinella und Molinara verleihen diesem Wein reife Fruchtaromen, feine Tannine und einen sanften Schmelz am Gaumen.

Harmonie und Ausgewogenheit sind bei den Weinen von Albet i Noya schon fast legendär. Aus der breiten Palette dieses spanischen Pionierweinguts ragen zwei Flaggschiffe heraus: Die Reserva Martí birgt mit ihrer wechselnden Assemblage Jahr für Jahr etwas Geheimnisvolles. Ein komplexer, eleganter Wein, der dank subtilem Barriqueausbau auch durch feine, fruchtige Aromen besticht. «In diesen Wein habe ich am meisten Energie gesteckt», sagt Josep Maria Albet i Noya. Die Nummer eins unter den preisgünstigeren Albet-Weinen ist und bleibt der Vinya Laia, eine Cuvée, bei der einheimische und internationale Traubensorten Jahr für Jahr perfekt harmonieren.

Wer Rodolphe Gauthier von der Domaine du Bel Air nach seinen Weinvorlieben fragt, bekommt eine klare Antwort: «Ich mag am liebsten elegante, fruchtbetonte Weine mit Struktur und wenig Tannin. Glück gehabt: Genau so kommt nämlich sein Les Perrons daher. Ein eleganter Tropfen aus der Loire, gekeltert aus der für die Region typischen, leider vielfach aber etwas unterschätzten Traubensorte Cabernet Franc.

Bestellen Sie das vielseitige Probierpaket «Neue Generation» mit je 3 Flaschen für CHF 163.20/ € 119.40.

Weinlese Angebot

Neue Generation – in den Fussstapfen der Väter

Salustri

Generationenwechsel? Der ist bei uns seit 26 Jahren im Gang», lacht Winzer Leonardo Salustri (67). So lange arbeitet er schon mit seinem Sohn Marco (43) zusammen. «Bereits als 17-jähriger Jüngling packte ich auf unserem kleinen Familienweingut mit an und wusste, dass auch ich Weinbauer werden wollte», blickt Marco zurück. Seit ein paar Jahren führt er das Weingut in der wilden Hochmaremma im Hinterland von Grosseto gemeinsam mit seinem Vater. «Klar, gibt es manchmal unterschiedliche Meinungen und lebhafte Diskussionen. Aber wir sind ein Team, finden uns und treffen alle Entscheidungen gemeinsam», erzählt Leonardo am grossen Stubentisch bei einem guten Tropfen.

Bei Marco (links) und Leonardo Salustri hat der Generationenwechsel schon vor über 20 Jahren begonnen.
Bei Marco (links) und Leonardo Salustri hat der Generationenwechsel schon vor über 20 Jahren begonnen.

Marco betont, dass man grundsätzlich das Heu auf derselben Bühne habe: «Mein Vater und ich sind grosse Traditionalisten. Unsere Rebberge gehören zu den ältesten in der Toskana. Wir setzen auf autochthone Reben. Unsere Sangiovese-Varietät haben wird selber selektioniert und vermehrt.» Biologische Landwirtschaft sei für die ganze Familie eine Lebensart. «Etwas anderes können wir uns gar nicht vorstellen. Deshalb werde ich den von meinen Eltern eingeschlagenen Weg unbeirrt weitergehen. Immer mit dem Ziel, unsere Weine weiter zu verbessern.» Neben Wein ist Olivenöl für Marco zu einer grossen Leidenschaft geworden. «Mein Traum ist ein eigenes Familiengut, auf dem Wein, Öl und Früchte angebaut werden und ganz viele Tiere leben.» Viel davon ist bei den Salustris bereits Realität. Die Zusammenarbeit mit Delinat sei ihm ebenso wichtig wie seinem Vater, beteuert Marco. «Die strengen Richtlinien fordern heraus, treiben uns an und ermöglichen einen Gedankenaustausch mit andern Weingütern aus ganz Europa.»

«Ich werde den vorgegebenen Weg weitergehen. Immer mit dem Ziel, unsere Weine weiter zu verbessern.»
Marco Salustri

Während Kellerarbeit und Vinifikation heute Marcos Domäne sind, sorgt der Vater draussen in den Rebbergen für gesundes und reifes Traubengut. «Das ist das Allerwichtigste für die Weinerzeugung. Wenn du gute Trauben im Keller hast, ist die Vinifikation kein Problem. Da ist schon fast kontrolliertes Nichtstun gefragt, auf Hilfsmittel kannst du fast gänzlich verzichten», sagt Marco. Bis ein Wein perfekt ausgereift ist, braucht er Zeit. Diese lassen sich die Salustris auch bei der Wachablösung. «Ich möchte noch möglichst lange aktiv dabei sein. Ohne Arbeit im Weinberg würde mir etwas ganz Wichtiges fehlen», sagt Leonardo. Und auch Marco ist froh über den langsamen Ablösungsprozess: «So bleibt mir etwas mehr Zeit für meine kleine Tochter und meine Hobbys Fussball, Hunde und Poker.»

Aus dem Duo Fasoli wird ein Quartett

Weiter nördlich, im Veneto, ist auf dem Weingut Fasoli der Generationenwechsel ebenfalls im Gang. Zwar denken die beiden Brüder Amadio (62) und Natalino Fasoli (58) noch lange nicht ans Aufhören. Doch die Söhne Giordano (31) und Matteo (33) sind bereits im Geschäft. Sie kümmern sich vorab um den Export, um interne Betriebsabläufe und die ökologische Weiterentwicklung des Betriebs.

Familie Fasoli
Gut aufgestellt für die Zukunft: das Fasoli-Quartett Giordano, sein Vater Amadio, Natalino und Sohn Matteo.

Die junge Fasoli-Generation nimmt die Zukunft derzeit also gemeinsam mit ihren Vätern in Angriff. Und zwar ziemlich konfliktfrei, wenn man den vier Männern bei einem guten Glas Wein so zuhört: «Unser Lauf ist definiert. Wir sind Pioniere im biologischen Weinbau. Das ist auch heute noch für uns alle die einzig denkbare Art, Wein zu erzeugen», sagt Matteo, der Sohn von Natalino. Er und sein Cousin Giordano profitieren vom reichen Erfahrungsschatz ihrer Väter. «Auf diesem bauen wir auf und richten unseren Fokus noch stärker auf Weine aus gesunder Natur mit Terroircharakter.»

«Mein Ziel ist es, unseren Betrieb klimaneutral zu machen.»
Giordano Fasoli

Laut Matteo bedeutet das: sich ständig weiterentwickeln, im Weinberg schädliche Stoffe wie Kupfer und Schwefel noch zurückhaltender einsetzen und im Keller möglichst auf alle unnatürlichen Hilfsmittel verzichten. Giordano treibt gleichzeitig den Einsatz erneuerbarer Energien voran. «Mein Ziel ist es, unseren Betrieb klimaneutral zu machen.» Solche Worte aus dem Mund der jungen Generation sind Balsam auf die Seele ihrer Väter: «Ich glaube, wir könnten wirklich langsam etwas zurücklehnen», sagt Amadio augenzwinkernd zu Natalino. «Ja schon, aber die Arbeit und das Weingut – das gehört doch zu unserer Art zu leben. Ach, loslassen ist so verdammt schwierig…»

Albet i Noya: frühestens in zehn Jahren

Auf dem spanischen Pioniergut Albet i Noya unweit von Barcelona zeichnet sich die Wachablösung erst am fernen Horizont ab: Josep Maria Albet i Noya (56) ist noch voll im Saft und strotzt weiterhin vor Tatendrang. Immerhin: Sein Sohn Martí (20) ist in den Startlöchern. Er studiert im zweiten Jahr Önologie und legt in den Ferien Hand auf dem Familienweingut an. Dabei hatte es bis vor Kurzem nicht danach ausgesehen, als ob er in die grossen Fussstapfen seines Vaters treten wolle. «Ich habe lieber Bier als Wein», hatte er noch vor zwei Jahren als Maschineningenieur-Student erklärt. Dieses Studium hat ihn aber nie gefesselt. Deshalb hat er abgebrochen. «Stattdessen fand ich immer mehr Gefallen an der Arbeit im Weinberg», begründet er seinen Kurswechsel. Martí rechnet damit, dass er frühestens etwa in acht bis zehn Jahren auf dem Weingut seines Vaters und seines Onkels Toni voll einsteigt. Bis dann wird sich möglicherweise auch zeigen, ob Tonis noch kleine Söhne Adria und Lluc ebenfalls auf diesen Zug aufspringen.

Nach einem kleinen Umweg tritt Martí nun doch in die Fussstapfen seines Vaters Josep Maria Albet i Noya.
Nach einem kleinen Umweg tritt Martí nun doch in die Fussstapfen seines Vaters Josep Maria Albet i Noya.

Martí will die Zeit nach dem Studium (noch drei Jahre) für Praktika im Ausland nutzen, um Erfahrungen auf andern Weingütern zu sammeln. «Burgund, Bordeaux, Napa Valley und Australien reizen mich», sagt er. Vieles, was danach kommt, ist noch offen. «Biologischer Weinbau ist für mich aber eine Selbstverständlichkeit. Da hat mein Vater derart viel Vorarbeit geleistet, dass es dumm wäre, nicht in seinem Sinn weiterzumachen.» Ansonsten gibt sich der angehende Önologe experimentierfreudig: «Ich bin dabei, in meiner Freizeit einen alkoholarmen, aromatischen Wein zu keltern.»

«Biologischer Weinbau ist für mich eine Selbstverständlichkeit.»
Martí Albet i Noya

Auch mit Weisswein und Rosé hat er schon experimentiert. Eine besondere Beziehung hat er zum Reserva Martí: Der Wein trägt nicht nur seinen Namen, die Etikette ist auch mit Abdrücken seiner Kinderhände verziert. Er kann sich gut vorstellen, das Spitzencrus seines Vaters dereinst selbst zu keltern. Dieser freut sich natürlich darüber, dass sein Sohn doch noch den Weg zum Weinbau gefunden hat. «Das Wichtigste ist immer die Freude an der Arbeit», sagt Josep Maria. Bei ihm ist sie noch immer uneingeschränkt vorhanden. «Ich kann mir vorstellen, mit vielleicht 62 Jahren langsam kürzerzutreten und die Verantwortung fliessend abzugeben.»

Bel Air: Wo Arbeit Freude macht

Pierre Gauthier (55) ist ein Winzer wie aus dem Bilderbuch: sympathisch, bescheiden und erdverbunden, keltert er auf seiner Domaine du Bel Air am Nordufer der Loire seit Jahrzehnten elegante, authentische Weine aus einer einzigen Traubensorte: Cabernet Franc. Seine Passion für die Arbeit im Weinberg, für die Erzeugung hochwertiger Weine im Einklang mit der Natur ist ungebrochen. Gleichwohl denkt er daran, den Betrieb Schritt für Schritt seinem Sohne Rodolphe (28) zu übergeben. Vater Pierre ist es ein Anliegen, ihm das weiterzugeben, was er selber schon von seinem Vater vermittelt bekam: «Aufblühen in einem Metier, das harte Bauernarbeit, aber auch viel Freude in freier Natur und anspruchsvolle, aber zufriedene Kunden mit sich bringt.» Er wolle seinem Sohn ein Weingut übergeben, auf dem sich alle wohlfühlen, auch die angestellten Mitarbeiter. Pierre: «Es gibt ja so viele Leute, die sich bei ihrer Arbeit langweilen. Dabei ist Freude an der Arbeit und an der Natur etwas vom Wichtigsten im Leben.»

Belair
Stossen auf eine erfolgreiche Zukunft an: Rodolphe und Pierre Gauthier aus der Loire.

Die Domaine du Bel Air steht auf solidem Fundament und ist den meisten andern Betrieben an der Loire bezüglich eines nachhaltigen und fortschrittlichen Weinbaus um Meilen voraus. Kein Wunder, sieht Rodolphe keinen Bedarf für grosse Veränderungen. Es sind Details, bei denen er Verbesserungen anstrebt. Etwa eine pfluglose Bodenbewirtschaftung in den begrünten Weinbergen und zusätzliche Massnahmen zugunsten der Artenvielfalt. «Auch die Herstellung eines hofeigenen Komposts habe ich mir zum Ziel gesetzt.»

«Besonders beeindruckt mich bei Delinat die konsequente Förderung der Biodiversität.»
Rodolphe Gauthier

Dass er mit dem biologischen Weinbau auf dem richtigen Weg ist, weiss er schon lange. Aktuelle Beobachtungen in der direkten Umgebung bestätigen es zusätzlich: «Seit ein paar Jahren stelle ich fest, dass auch Nachbarn umstellen.» Er selber interessiert sich neuerdings vermehrt für biodynamischen Anbau. «Das wäre einerseits eine gute Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Andererseits bedingt diese Methode wegen der Berücksichtigung von Mondphase und Gestirnskonstellationen eine Anpassung aller Betriebsabläufe und noch mehr Handarbeit. Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, ob sich das lohnt.» Vorerst stehen für Rodolphe Optimierungen im Feld und im Keller im Vordergrund, die einfacher umzusetzen sind. «Dafür liefert uns Delinat wichtige Grundlagen. Besonders beeindruckt bin ich von der konsequenten Förderung der Biodiversität. Ein Konzept, das in unserer Region vollkommen unbekannt ist.»

Timo Dienhart – mit Elan in die Zukunft

«Meine Motivation auf dem Betrieb mitzuwirken ist nach wie vor sehr gross. Nur wollen die Knochen leider nicht mehr so wie früher», lacht Hans Dienhart (67) vom Weingut Römerkelter in der Mosel. Bereits 2007 haben er und seine Frau Maria den Betrieb offiziell ihrem Sohn Timo (32) übergeben. Und der gibt seither Vollgas: «Ich führe den eingeschlagenen Weg meiner Eltern mit viel neuem Wissen aus langer Ausbildung und zahlreichen Reisen weiter. Dabei unterstützen mich die beiden mit ihrer ganzen Erfahrung wo es nur geht», antwortet Timo auf die Frage wie er das familiäre Erbe weiterführt. «Tradition ist mir sehr wichtig. Ich verstehe darunter aber nicht das Aufbewahren der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers». In diesem Sinn ist der Jungwinzer dabei, sein Traumweingut zu verwirklichen. Angefangen hat er damit in den Weinbergen, die über schönste Lagen im Urstromtal der Mosel erstrecken. Ein Meisterstück ist seine selbst komponierte Saatgutmischung, die nicht nur seine Weinberge zum Blühen bringt, sondern auch die Böden schützt und lebendig hält. Da klopfen immer wieder auch benachbarte Winzer für ein paar Kilo Saatgut an. Und Vater Hans Dienhart kann seither seinem speziellen Hobby, der Kräuter- und Bodenkunde noch intensiver frönen.

Tradition ist mir sehr wichtig. Ich verstehe darunter aber nicht das Aufbewahren der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.
Tradition ist mir sehr wichtig. Ich verstehe darunter aber nicht das Aufbewahren der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.

«Tradition ist mir sehr wichtig. Ich verstehe darunter aber nicht das Aufbewahren der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.»
Timo Dienhart

Timos ökologischer Perfektionismus im Rebberg hat sich längst auch auf den Weinhof und den Keller übertragen. Mit grossem finanziellem und persönlichem Einsatz baut er seinen Betrieb um: Die neue Feldscheune ist mit einer Solaranlage ausgestattet. Ebenso Wohnhaus und Keller. Zusammen mit einer Eisspeicherheizung wird so ein autarker, geschlossener Energiekreislauf erreicht. «Ich möchte jeden Tag ein klein bisschen besser werden. Massstäbe setzen in puncto Weinqualität und Nachhaltigkeit», umschreibt Timo seinen Weg in die Zukunft. Vater Hans und Mutter Maria unterstützen ihn dabei nach Kräften: «Wichtig ist, dass Qualität, Ökologie und Ökonomie Hand in Hand gehen», mahnt der Senior-Chef.

Harmonie auch in der Flasche – erfahren Sie mehr zu den Weinen der neuen Generation.