Prickelnde Begegnungen

In südlichen Regionen ist es durchaus üblich, mit einem Glas Champagner, Crémant, Cava oder Prosecco in den Feierabend zu steigen. Hierzulande sind derart prickelnde Begegnungen (noch) seltener, auch wenn Schaum- und Perlweine immer beliebter werden. Mitverantwortlich dafür ist die immer grössere Auswahl aus immer mehr Regionen. Sie reicht vom unkomplizierten Perlwein bis zum anspruchsvollen Schaumwein.

Eine gute Möglichkeit, die Unterschiede der Produktionsverfahren und der geografischen Herkunft direkt im Gaumen zu entdecken, bietet unser Probierpaket Schaumweine mit sechs verschiedenen Flaschen.

Der unkomplizierteste im Bund ist der DELSECCO vom Weingut Hirschhof in Rheinhessen. Die sanften Perlen erhält dieses fein duftende Vergnügen durch direkte Zugabe von Kohlensäure. Ein charmanter Perlwein zum unbeschwerten Zuprosten. Gerne trinke ich ihn auch mit einem Schuss Cassis oder Holundersirup.

Prosecco steht für Italianità. Der Prosecco Savian ist ein Frizzante, also ebenfalls ein Perlwein mit etwas weniger Kohlensäure als ein Schaumwein. Die prickelnden Perlen entstehen bei der zweiten Gärung im Drucktank. Mir schmeckt dieser aus hochwertigen Glera-Trauben erzeugte Prosecco aus dem Veneto am besten zu Gemüse- und Fisch-Antipasti oder einem feinen Risotto.

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Adiós, Cava – ¡Hola Penedès!

Ganz frisch ist der neue Espriu von Albet i Noya eingetroffen. Fast hätte der katalanische Biopionier Albet i Noya den erfolgreichsten und beliebtesten Schaumwein von Delinat gar nicht mehr produziert.  Doch Albet i Noya hat für ihn gekämpft und so ist es mitten in der Cava-Hochburg Katalonien zu einer kleinen Revolution gekommen: Nach jahrelangen Auseinandersetzungen um Qualitätsstandards und Tiefpreispolitik von Cava- Schaumweinen haben sich viele Produzenten von der Denomination Cava verabschiedet. knallender Korken Was ist geschehen? Die Appellation „Cava“ leidet seit Jahren an einem Renommee-Problem. Millionen Flaschen billiger Massenware haben die Märkte überschwemmt und dem Namen geschadet. Handwerklich hergestellter, hochstehender Qualitäts-Cava, so wie Albets Espriu, ist die Ausnahme geworden. Einen der besten Schaumweine Spaniens unter dem Namen „Cava“ verkaufen zu müssen, ist zur Belastung geworden. Von 220 Mio. Flaschen, die unter der geschützten Herkunftsbezeichnung DO Cava hergestellt werden, sind Freixenet, Codorniu und Segura y Viudas die drei dominierenden Kellereien. Diese Konzerne zwingen mit ihrer Marktdominanz kleinen Kellereien ihre teilweise ruinösen Preisdiktate auf. Darunter leiden auch reine Traubenproduzenten. Unzählige von ihnen liefern ausschliesslich an die Grossen und unterstehen damit deren Preisvorgaben. Das zwingt die Traubenlieferanten, möglichst grosse Mengen zu produzieren, um sich ihre Existenz zu sichern. Darunter leidet wiederum die Traubenqualität. Auf Qualität bedachte Kellereien wie Albet i Noya fordern seit Jahren ein grösseres Bewusstsein für das Terroir bei der Cava-Herstellung. Weil diese Forderung in der Denomination, die 160 Produktionsregionen in ganz Spanien unter einem Hut vereint, kein Gehör fand, ist nun vielen kleinen und mittelgrossen Betrieben der Kragen geplatzt: Sie sind aus der DO Cava ausgetreten, darunter renommierte Kellereien wie Raventós i Blanc, deren Gründer erster Präsident der DO Cava war, oder Albet i Noya, der erste Erzeuger von Bio-Cava.
Albet i Noya in seinem Keller
Josep Maria Albet i Noya kehrt der DO Cava den Rücken.

Ab 2018 nur noch biologische Trauben

Viele von ihnen haben mit ihren Schaumweinen in der DO Penedès eine neue Heimat gefunden. Diese hat die unerfreuliche Entwicklung in der DO Cava ebenfalls schon länger kritisch verfolgt und jetzt neu eine Kategorie «Schaumweine» in ihr Reglement aufgenommen. Besonders revolutionär: Ab 2018 müssen alle Schaumweine der DO Penedès ausschliesslich aus biologischen Trauben erzeugt werden. Mindestens 15 Monate Flaschenreife (statt 9 beim Cava) sowie die Verpflichtung, dass jede Flasche mit dem Jahrgang gekennzeichnet sein muss, sind weitere wichtige Qualitätskriterien, die sich vom Cava unterscheiden. Für die Liebhaber spanischer Schaumweine ist wichtig zu wissen, dass die Prickler der ausgetretenen Kellereien nicht mehr Cava heissen, sondern Vi Escumós. Offiziell lautet die Bezeichnung Vi Escumós DO Penedès. Auf den Etiketten steht je nach Platzverhältnissen einfach Brut Reserva DO Penedès mit dem Zusatz Mètode Tradicional.  

Albet i Noya im weltbesten Restaurant

Das englische Restaurant Magazine hat Celler de Can Roca in Girona (Katalonien) für 2013 zum besten Restaurant der Welt erkoren. Der spanische Biopionier Albet i Noya liefert dem Gourmettempel (3 Michelin- Sterne) seit Jahren den Haus-Cava. Jeder Gast wird im Celler de Can Roca mit einem Glas Albet-Cava willkommen geheissen. Der Schaumwein ist mit einer eigenen, goldenen Etikette versehen. «Wir liefern jedes Jahr 5000 Flaschen an diese Topadresse», freut sich Josep Maria Albet i Noya. Celler de Can Roca wird von Joan, Jordi und Josep Roca geführt. Die drei Brüder haben das Noma in Kopenhagen vom Thron gestossen, das in den vergangenen drei Jahren an der Spitze der weltbesten Restaurants stand.

Jetzt braucht es Nachschub…

Nicht gerade täglich, aber doch zwei- bis dreimal die Woche ist das Treppensteigen hinunter in den Weinkeller Bestandteil meines sportlichen Fitnessprogramms. Der Anblick, der mich hier jeweils erwartet, ist meist zwiespältig. Da lagern zwar durchaus wunderschöne Weinperlen – und zwar fast ausschliesslich aus biologischem Anbau – doch leider meist in recht bescheidener Flaschenzahl.

Weingenuss mit Schaumwein

Es finden sich offensichtlich doch mehr Gelegenheiten, mit einem feinperligen Schäumer anzustossen als gedacht.

Die Vernachlässigten…

Das Regal mit den feinperlenden Schaumweinen befindet sich in meinem Keller ganz unten links, etwa auf Kniehöhe und in einer ziemlich dunklen Ecke. Das sind zwar perfekte Lagerbedingungen für die lichtscheuen Schäumer. Aber bei meinen Kellerbesuchen bleiben sie aufgrund der etwas versteckten Lage regelmässig unbeachtet links liegen und werden so übers Jahr unverdientermassen etwas vernachlässigt. Hatte ich bisher wenigsten das Gefühl.

… haben unverhofft das Weite gesucht

Anfang Dezember war alles ein bisschen anders: Da ausgedehnte Festtage mit reichlich Gästen vor der Tür stehen, die natürlich mit dem einen oder andern prickelnden Tropfen rechnen, stieg ich mit entsprechendem Bewusstsein in den Keller. Als mein prüfender Blick in der Schaumwein-Abteilung hängen blieb, stellte ich mit Erstaunen fest: Ein paar Flaschen sind zwar noch da. Doch wo bleiben meine Lieblinge? Der Cava Espriu von Albet i Noya, der Crémant d’Alsace von Eugène Meyer, der Riesling-Winzersekt vom Hirschhof – alle nach der aufwändigen Champagner-Methode in Flaschengärung hergestellt. Und alle weg! Auch vom Prosecco der Gebrüder Fasoli, der seinen prickelnden Inhalt dem einfacheren Tankgärverfahren verdankt, hat die letzte Flasche unbemerkt das Weite gesucht. Habe ich die Schaumwein-Ecke doch nicht so arg vernachlässigt, wie mir schien? Wie auch immer: Es braucht Nachschub, und zwar subito…

PS: Wann haben Sie zum letzten Mal in Ihre Schaumwein-Ecke geschaut? Falls auch in Ihrem Keller Lücken klaffen, wo Sie eigentlich die persönlichen Lieblinge erwarten, bleibt jetzt gerade noch Zeit, diese rechtzeitig vor den Festtagen zu schliessen. Einige Schäumer sind momentan sogar zum günstigen DS-Preis erhältlich. Hier gehts zum Schaumweinangebot. Frohe Weihnachten und Prosit Neujahr!

Die Vielfalt der Schaumweine entdecken

Für den König unter den Schaumweinen – den Champagner – gelten rigorose Regeln. Die wichtigste: Es dürfen nur Trauben aus dem Weinbaugebiet Champagne verwendet werden. Für Schaumweine, die ausserhalb der Champagne mittels Flaschengärung hergestellt werden, darf heute nicht einmal mehr die Bezeichnung «Méthode champenoise» verwendet werden.

Schaumwein

In Champagnerflûtes lassen sich die aufsteigenden Bläschen schön beobachten und die Aromen kommen gut zur Geltung. Sektschalen dagegen sollten Sie meiden – das Bukett verfliegt schnell!

Dabei ist die klassische Champagner-Methode weit verbreitet. So werden Schaumweine aus anderen Regionen Frankreichs (Crémant, Blanquette), aus Spanien (Cava) und Deutschland (Winzersekt) stets nach diesem aufwändigen Verfahren hergestellt. Die im Schaumwein vorhandene Kohlensäure entsteht bei der zweiten Gärung in der Flasche. Über Monate oder gar Jahre bleibt der Wein auf der Hefe. Dadurch erhält er sein spezielles Aroma und die individuelle Perlage.

Es geht auch bescheidener

Einfacher ist das Tankgärverfahren. Mit dieser Methode werden die meisten Schäumer wie Spumante, Prosecco und deutsche Sekte hergestellt. Der Wein durchläuft die zweite Gärung nicht in der Flasche, sondern in grossen Edelstahltanks, wo sich auch die Kohlensäure bildet. Dieses Verfahren ist wesentlich kostengünstiger, schneller und weniger aufwändig als die Méthode classique. Die Qualität einer Flaschengärung mit hoher Perlfähigkeit schafft man damit in der Regel aber nicht.

Die einfachste und kostengünstigste Methode ist das Kohlensäureverfahren. So erhält beispielsweise unser Perlwein Delsecco seine feine Perlage ohne zweite Gärung durch direkte Zugabe von Kohlensäure.

Die Unterschiede entdecken

Das Probierpaket Schaumweine bietet jetzt eine gute Möglichkeit, anhand sechs verschiedener Flaschen die Unterschiede der Produktionsverfahren und der geografischen Herkunft direkt im Gaumen zu entdecken. Und es ist eine gute Gelegenheit, echte Alternativen zu den oft recht teuren Champagnern zu testen. Mehr zum Thema und ein paar Tipps, wie Schaum- und Perlweine über den Apéro hinaus viel Freude machen, finden Sie in der WeinLese 22.

Wie halten Sie es mit den Schäumern?

Welche Art von Schaumwein ziehen Sie persönlich vor? Stehen Sie ausschliesslich auf Champagner oder darfs auch mal ein anderer Schäumer sein? Bei welcher Gelegenheit lassen Sie die Korken knallen? Nur zum festlichen Apéro oder auch, wenn sie einen prickelnden Begleiter für eine ganze Mahlzeit suchen? Vielen Dank für Ihren Kommentar.

Neues vom Canta Rasim

Schon vor einigen Monaten haben wir mit Ihrer Hilfe das Etikett des Canta Rasim festgelegt. Erst vor wenigen Wochen wurde er in Flaschen gefüllt und schlummert jetzt im idealen Kellerklima seiner Reife entgegen, um die DegustierService-Kunden im August mit höchstem Trinkgenuss zu verwöhnen. Die Cuvée aus Syrah, Merlot und Cabernet Sauvignon ist auf gutem Weg, ihre verführerischen Düfte wirken jugendlich, mit klarer und frischer Frucht, kräftig und würzig im Gaumen.

Weinmacher Gilles Louvet (rechts) der immer wieder herausragende Languedoc-Weine produziert, ist jetzt schon überzeugt, dass der Canta Rasim bei Wettbewerben prämiert wird (in der Mitte Weinjournalist Thomas Vaterlaus, links Emil Hauser).

Canta Rasim ist okzitanische Kultur

Die CD mit okzitanischen Liedern, modern und doch eng mit der Tradition der Region verknüpft, wird zurzeit produziert. Ein Exemplar erhalten Rotwein-DegustierService-Mitglieder gratis im August-Paket. Hören Sie hier schon einmal hinein – ein kleiner Vorgeschmack auf Okzitanien, seine Weine und seine Küche:

La Camba Me Fa Mau (MP3)

Vielleicht fahren Sie gar nach Südfrankreich in den Urlaub? Lassen Sie sich von der okzitanischen Kultur begeistern – jetzt ist die Zeit der Festivals mit Musik, Wein und gutem Essen. In zwei Wochen werde auch ich dort sein, um mit Gilles Louvet und dem Musiker Patric durch die Weingärten zu gehen, das mediterrane Languedoc zu erleben und ein letztes Mal den Canta Rasim zu verkosten, bevor er in die Welt entlassen wird. Und wenn Sie dann wieder zu Hause sind, steht er schon bald für Sie bereit: Canta Rasim – die “singenden Trauben”.