Auf ein Glas dem Erfinder des Cradle-to-Cradle-Konzepts

Ein wirtschaftliches Produktionssystem, das keinen Abfall produziert. Cradle to Cradle (von der Wiege zur Wiege) strebt den perfekten natürlichen Kreislauf an. Wir sprachen mit dem Erfinder Michael Braungart aus Hamburg über das revolutionäre Konzept, die Schwierigkeiten bei der Umsetzung und eine mögliche Anwendung im Weinbau.

Cradle to Cradle steht für den perfekten natürlichen Kreislauf ohne Abfall. Wie soll das funktionieren?
Michael Braungart: Cradle to Cradle steht für zwei Kreisläufe: einen biologischen Kreislauf für Verbrauchsprodukte und einen technischen Kreislauf für Gebrauchsprodukte. Die Natur kennt keinen Abfall. Trotz seiner Intelligenz ist der Mensch das einzige Lebewesen, das Müll produziert. Das müssen wir ändern. Deshalb muss alles nochmals neu erfunden werden.

Wie soll das gehen?
Eigentlich ist es ganz einfach. Man entwickelt alle Dinge so, dass sie ein biologisches System unterstützen. Alle Zutaten werden so ausgesucht, dass sie zu Kompost werden und in biologische Kreisläufe (Biosphäre) zurückgehen können. Oder aber, da wir ja nicht einfach nur wie Ameisen leben, sondern auch Waschmaschinen, Fernseher und Computer haben wollen, entwickelt man technische Geräte so, dass sie in einen technischen Kreislauf (Technosphäre) geführt werden können. Wir müssen unsere Intelligenz in die Produktgestaltung und nicht in nachgeschaltete Einrichtungen wie Klär- und Kehrrichtverbrennungsanlagen stecken. Dann werden die Produkte nicht nur besser, sondern auch kostengünstiger.

Cradle to Cradle Erfinder Michael Braungart
Geht es nach Professor Michael Braungart, leben wir 2050 in einer Welt ohne Abfall.

Existieren denn bereits solche Neuerfindungen?
Wir beschäftigen uns seit Anfang der 1990er mit der Neugestaltung von Produkten. Eines der ersten Cradle-to-Cradle-Produkte ist in Heerbrugg in der Nähe von St. Gallen entstanden. Das sind kompostierbare, quasi essbare Möbelbezüge, die bis heute erfolgreich auf dem Markt sind. Wir haben dafür nur ungiftige Zutaten verwendet, die man theoretisch auch essen könnte. Die Möbelbezüge kommen aber in ihrem zweiten Leben als Nährstoffe, zum Beispiel als Torfersatz in Gärtnereien, zum Einsatz.

«Wir müssen alles nochmals neu erfinden.»

Cradle to Cradle ist nur wenigen Leuten ein Begriff. Weshalb setzt sich Ihr Konzept nicht schneller durch?
Ich bin völlig überrascht, wie schnell es sich durchsetzt. Es gibt weltweit schon 11‘000 Cradle-to-Cradle-Produkte. In Ländern mit einer fast perfekten Müllindustrie setzt sich unser Konzept natürlich langsamer durch. Da hat man gar kein Interesse, weil dann die teure Kehrrichtverbrennungsanlage plötzlich überflüssig wird. Ich bin aber gleichwohl extrem optimistisch und glaube, dass vor 2050 alles Cradle to Cradle sein wird.

Verraten Sie uns noch ein paar andere gute Beispiele von Cradle-to-Cradle-Produkten?
2006 haben wir zusammen mit dem Bekleidungsartikelhersteller Trigema das erste kompostierbare T-Shirt entwickelt. Viele gute Beispiele gibt es auch aus dem Baubereich. In den 1960er Jahren begann man, gutes Handwerk durch schlechte Chemie zu ersetzen. Heute gibt es wieder Farben oder Teppichböden, die nicht nur nicht giftig sind, sondern aktiv die Luft reinigen.

Macht die Wirtschaft da wirklich mit? Die ist doch profitorientiert, will möglichst viel produzieren und verkaufen.
Jede Designschule, die etwas auf sich hält, lehrt inzwischen Cradle-to-Cradle-Design. Auf diese Weise entstehen viel schönere und bessere Produkte. In vielen Familienunternehmen stellt die Nachfolgegeneration heute das Mengen- und Umsatzdenken infrage. Was produziert wird, soll nützlich und nicht einfach nur weniger schädlich sein. Cradle to Cradle umzusetzen bedeutet, auf Effektivität statt auf Effizienz zu setzen. Effektivität zielt darauf ab, das Richtige zu produzieren, nicht das Bestehende zu optimieren. Der Ansatz, klimaneutral sein zu wollen, ist für mich falsch. Wir sollten klimapositiv sein.

«Alles, was im Leben schön ist, ist nicht effizient, sondern effektiv.»

Können Sie das anhand eines Beispiels erklären?
Das schönste Beispiel für den Unterschied zwischen Effizienz und Effektivität liefert der Wein. Ein effizienter Wein ist ein billiges, undefinierbares Mittelmeergemisch aus der Tetrapackung. Ein effektiver Wein ist ein schön komponierter Tropfen aus der Flasche, bei dem ich mich in geselliger Runde über die Welt und Cradle to Cradle unterhalte. Alles, was im Leben schön ist, ist nicht effizient, sondern effektiv.

Persönlich
Prof. Dr. Michael Braungart, Jahrgang 1958, studierte Chemie und Verfahrenstechnik in Konstanz und Darmstadt und promovierte an der Universität Hannover. Parallel dazu engagierte er sich bei Greenpeace. 1987 gründete er die EPEA Internationale Umweltforschung in Hamburg, die er heute noch leitet. Das Cradle-to-Cradle-Konzept entwickelte Braungart Ende der 1990er Jahre zusammen mit dem US-amerikanischen Architekten William McDonough. Es propagiert eine Welt ohne Abfall. Erreicht werden soll das, indem nur noch Produkte hergestellt werden, die in einen natürlichen oder einen technischen Kreislauf zurückgeführt werden können. Braungart lehrt an verschiedenen Universitäten und treibt konsequent die Entwicklung von Cradle-to-Cradle-Produkten voran, von denen es seinen Aussagen zufolge mittlerweile weltweit 11‘000 gibt. Jährlich findet in Berlin ein Cradle-to-Cradle-Kongress statt, für den Delinat den Wein sponsort.
Michael Braungart ist mit der deutschen SPD-Politikerin und Mitbegründerin von Greenpeace Deutschland, Monika Griefahn, verheiratet und hat drei Kinder.

Wie kann Cradle to Cradle im Weinbau konkret angewendet werden?
Bislang geht es beim Umweltschutz nur darum, Energie zu sparen, den Wasserverbrauch zu reduzieren oder weniger Müll zu produzieren. Doch das hat nichts mit dem Schutz der Umwelt zu tun, sie wird nur weniger belastet. Wir müssen aufhören, uns als Schädlinge zu begreifen, sondern wir müssen uns als Chance für diesen Planeten sehen. Der Weinbau ist eine schöne Übungsanlage, um zu zeigen, dass es darum geht, in Partnerschaft mit der Natur zu leben.

Die Delinat-Methode versucht, diesen Ansatz in der Praxis umzusetzen. Wie nahe ist sie an Cradle to Cradle?
Ich habe mich im Hinblick auf dieses Interview mit der Delinat-Methode beschäftigt. Sie geht tatsächlich in unsere Richtung, weil sie ein partnerschaftliches Verständnis mit der Natur propagiert. Die Weine, die daraus entstehen, überzeugen mich übrigens sehr. Einer besser als der andere.

Über 350 Delinat-Weine aus den artenreichsten Weinbergen Europas finden Sie in unserem Webshop.

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Auf ein Glas mit … Christoph Raffelt

Das Kochen stand am Anfang seiner Weinleidenschaft. Dann wurde der gebürtige Rheinländer Christoph Raffelt Weinblogger und etablierte in Hamburg sein Büro für Wein & Kommunikation. Wir trafen den bioaffinen Autor und Geniesser auf ein Glas Wein zum Interview.

Du beschäftigst dich schon lange mit dem Thema Wein, warst einer der ersten Weinblogger. Wie kam es dazu?
Christoph Raffelt: Die Ursache dafür war, dass ich mir eine Datenbank mit Notizen zerschossen hatte. Da damals Blogs insgesamt populär wurden und ein Freund von mir, mit dem ich heute den Live- Podcast WRINT Flaschen herausgebe, auch damit angefangen hatte, dachte ich, ich probiere das mal aus.

Christoph Raffel, Weinblogger
Christoph Raffelt: «Für mich findet Genuss im Kleinen statt. Zum Beispiel, wenn ich mit meinen Kindern Pasta selber produziere aus Eiern von glücklichen Hühnern.»

Welchen Weinblogger liest du gern, wen kannst du den Delinat-Kundinnen und -Kunden empfehlen?
Ich glaube, dass sich das Thema Blog weitestgehend überholt hat. Oft sind Blogs einfach noch Deckmantel für sogenannte Influencer. In Deutschland lese ich eigentlich nur noch professionelle Blogger wie Schnutentunker oder Chezmatze, in UK Jamie Goodes The Wineanorak.

In diesen Tagen ist viel die Rede von virtuellen Weinproben, da man sich nicht zu echten Degustationen treffen und auch keine Weinkurse besuchen kann. Was hältst du davon?
Ich finde das eine gute Möglichkeit, Menschen zusammenzubringen, wenn sie für ein Thema schwärmen oder zumindest daran interessiert sind. Es gibt viele verschiedene Formen, wie man so etwas machen kann. Tatsächlich bieten wir mit dem angesprochenen Podcast WRINT Flaschen genau so etwas an. Allerdings schon seit 2012. Das läuft bei uns nicht über Video, sondern über Audio und Chat, aber alle können sich daran beteiligen und im Vorfeld die Weine beim jeweiligen Händler oder Winzer kaufen.

Weine von Delinat waren aber noch nicht dabei, oder?
Nein, tatsächlich nicht, aber was nicht ist, sollte vielleicht noch werden.

Persönlich
Christoph Raffelt arbeitet und lebt mit seiner Familie seit 2012 in Hamburg. Bereits 2007 begann er mit Bloggen. Sein Blog originalverkorkt.de gehört zu den frühen Wein-Blogs und ist einer der wenigen, die auch heute noch existieren. Allerdings ist er in den letzten Jahren viel mehr eine Plattform für Podcasts geworden, während sich Raffelt mittlerweile mit seinem Büro für Wein & Kommunikation als Journalist, Autor und Texter etabliert hat. Mit seiner Frau, die an der Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg lehrt, seinem Sohn und seiner Tochter trifft er sich oft und gerne in der Küche, wo gemeinsam gekocht und gegessen wird.

Von Anfang an war für dich nachhaltige und/oder biologische Erzeugung wichtig. Warum?
Weil ich so aufgewachsen bin. Zu Hause gab es schon in meiner Kindheit im Wesentlichen Produkte vom Biostand auf dem Wochenmarkt, vom Bioladen und aus dem Reformhaus. Dann will man sich auch beim Wein eigentlich nichts anderes auf den Tisch stellen. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich kein Dogmatiker bin. Aber ich würde sagen, zu 97 Prozent kaufe ich ausschliesslich Bioweine, die auch so deklariert sind. Das hat allerdings auch damit zu tun, dass viele der wirklich guten Betriebe längst biologisch arbeiten, weil für sie klar ist, dass der Wein einfach besser wird.

Was bedeutet Genuss für dich?
Genuss ist für mich ein Teil der Kultur. Genussfähigkeit haben wir uns errungen, und ich bin ein grosser Verfechter davon, dass wir Genuss intensiv leben. Und das meine ich überhaupt nicht snobistisch. Für mich ist Genuss nicht Kaviar mit ultrararem Champagner. Für mich findet Genuss vor allem im Kleinen statt. Zum Beispiel, wenn ich mit meinen Kindern Pasta selber produziere aus sehr gutem Mehl und vielen Eiern von glücklichen Hühnern, diese nur in Butter und gereiftem Parmesan schwenke und dazu einen Barbera d’Asti aufmache. Das kann vollendeter Genuss sein. Wer nur konsumieren will, sollte zum Discounter gehen. Wer aber geniessen will, sollte sich bewusst sein, was er zu sich nimmt und wie es entstanden ist. So kann Genussfähigkeit meiner Ansicht nach auch zu mehr Nachhaltigkeit führen.

Für welche Weine schlägt dein Herz besonders, und hat sich das im Laufe der Zeit verändert?
Oh ja, das hat es. Der erste Wein, den ich mir im Alter von 19 Jahren gekauft habe, war ein Zinfandel aus Kalifornien mit viel Frucht und viel Holz. Dann gab es viel Wein aus Spanien und dem Süden Frankreichs, irgendwann dann aus Bordeaux. Schliesslich wurden es immer mehr Weissweine, Schaumweine und Burgunder. Seit langer Zeit schlägt mein Herz besonders für Weine von der Loire, doch ansonsten, so glaube ich, bin ich sehr offen und probiere bis heute ständig Neues wie beispielsweise PIWIs bzw. Altes, was wiederentdeckt wurde. Denn auch das gehört ja zum modernen Weinbau dazu: die Gegenbewegung vieler kleiner Winzer, die der üblichen Handvoll Rebsorten alte Sorten entgegenstellen, die wieder neu kultiviert werden.

Weintipp von Christoph Raffelt

La Luna del Rospo Bric Rocche

Barbera ist eine sehr komplette Rebsorte mit viel Kraft und viel seidiger Eleganz, vor allem aber mit satter dunkler Frucht und zudem mit einer Erdigkeit, die wohl allen roten Piemonteser Rebsorten zu eigen ist. Barbera Superiore Bric Rocche vom Weingut La Luna del Rospo stammt aus einem 50 Jahre alten Rebberg bei Monferrato und bringt eine ganz eigene Würze mit.

La Luna del Rospo Bric Rocche
Barbera Superiore DOCG 2017
www.delinat.com/luna-del-rospo-bric-rocche-barbera-asti

Auf ein Glas mit … Oliver Hauser

Im Dezember 2019 gingen in Hamburg die Türen des ersten Delinat-Weinshops in Deutschland auf. Geleitet wird er vom Schweizer Oliver Hauser. Wir sprachen mit dem gelernten Werbefotografen über Nachhaltigkeit, Genuss und Wein im urbanen Umfeld einer deutschen Grossstadt.

Oliver Hauser im neuen Delinat-Shop in Hamburg
Der Schweizer Oliver Hauser ist Gastgeber im neuen Delinat-Weinshop in Hamburg.

Oliver Hauser, ein Schweizer als Leiter des Delinat-Weinshops in Hamburg – wie ist es dazu gekommen?
Oliver Hauser: Produkte, die handwerklich hergestellt und aus nachhaltiger Produktion sind, haben mich schon immer angezogen. Und da ich gerne Wein trinke, musste ich früher oder später bei Delinat landen. Als Kunde habe ich die Ausschreibung der Stelle in Hamburg gelesen und mich spontan beworben.

Wie reagieren die deutschen Gäste, wenn sie merken, dass sie von einem Schweizer bedient werden?
Das fällt erst mal nicht auf. Ich lebe schon seit sieben Jahren in Hamburg und habe einige Redewendungen und Feinheiten der hiesigen Sprache angenommen. Wenn der «Dialekt» dann doch durchschimmert, entstehen daraus oft spannende weitere Gespräche.

Welches war das bisher speziellste Erlebnis?
Das ganze Projekt als solches! Vom Rohbau des Ladens über den Innenausbau bis zur Eröffnung – das alles mitzuerleben und jetzt fast täglich im direkten Kontakt mit den Kunden zu stehen, das alles ist für mich sehr beeindruckend.

Wie erlebst du die Startphase?
Begeistert! Viele Kundinnen und Kunden zeigen sich erfreut, dass es nun in Hamburg einen Shop gibt, wo man Weine verkosten kann und einen direkten Ansprechpartner hat.

Persönlich
Oliver Hauser (Jahrgang 1979) ist im Zürcher Oberland aufgewachsen. Nach der Lehre zum Werbefotografen betätigte er sich zwischendurch als Drucker, Maler, Privatdetektiv und in der Gastronomie. Vor sieben Jahren wurde er als Food-Fotograf in Hamburg sesshaft. Seine vinologische Weiterbildung (WSET 3) mündete vorerst in einen Weinblog und dann 2019 in die Leitung des Delinat-Weinshops Hamburg. In der Freizeit ist er gerne zu Fuss auf alten Pfaden oder Weitwanderwegen unterwegs, er liebt es, zu campieren und im Freien zu kochen.

Was macht besonders Freude, und wo drückt (noch) der Schuh?
Immer intensiver die Delinat-Weine und die Arbeit unserer Winzer zu entdecken, zu spüren, mit welcher Überzeugung sie ihre Arbeit machen, wie sie die Natur respektieren und mit in die Arbeit einbeziehen, ist eine grosse Freude! Die Stadthöfe, wo wir untergebracht sind, sind als Treffpunkt noch neu. Viele Hamburger müssen die Gegend erst noch entdecken. Also, an alle Delinat-Weinliebhaber: Erzählt es rum, bringt jeden und jede in die Stadthöfe, sodass immer mehr Leute wissen, wo es guten Bio-Wein zu kaufen gibt.

Delinat-Shop Hamburg

Weshalb lohnt es sich, beim Delinat-Weinshop in Hamburg reinzuschauen?
Weine aus reicher Natur probieren, ständig neue Tropfen kennenlernen, fachsimpeln und sich von unserem kulinarischen Angebot von Bio-Erzeugern aus dem Umland von Hamburg zusammen mit einem Glas Wein aus dem Offenausschank verwöhnen lassen – alles in einem tollen Ambiente, das alles macht Lust, bei uns hereinzuschauen. Zusätzlich kann man hier viel Wissenswertes über den Weinbau der Zukunft erfahren. Und bei speziellen Anlässen wie dem Afterwork Tasting lassen sich themenbezogen neue Weine und Regionen entdecken.

Gibt es weitere Ideen, die du hier umsetzen möchtest?
Mein Ziel ist es, den Delinat-Shop zu einem Treffpunkt für Biowein-Liebhaber zu machen, wo direkt aus dem Glas erlebbar wird, wie grossartig Biodiversität schmeckt.

Du selber bist ein vielseitig interessierter Bonvivant. Welchen Stellenwert haben für dich Natur und Nachhaltigkeit?
Einen hohen. Bei Lebensmitteln und Kleidern will ich wissen, woher die Produkte kommen und wie sie hergestellt werden. Auf meinem Speisezettel steht viel Gemüse. Ich «kaufe» auch gerne mal nur mit den Augen.

Wenn mal nicht im Weinshop, wo bist du dann anzutreffen?
Vermutlich auf einem der vielen Fernwanderwege durch den Harz oder die Lüneburger Heide.

Château Duvivier Les Mûriers

Weintipp von Oliver Hauser
Jeder Schluck erinnert an meine Urlaube in der Provence. Der Duft der Garrigue, die flirrende Hitze und leuchtende Stechginsterbüsche. Durch die Kombination mit Cabernet Sauvignon bekommt dieser Wein für mich eine unergründliche Tiefe, etwas Magisches, Kräftiges. Tolle Frucht, ausgewogen und mit schönen Anklängen an Pfeffer und Leder.

Château Duvivier Les Mûriers
Coteaux Varois en Provence AOP 2017
www.delinat.com/3727.17

Alle Artikel der WeinLese 58

Auf ein Glas mit … Jakob Nielsen

Vom kleinen, selbstständigen Paketzusteller in Dänemark zum Leiter Paketservice beim grössten Schweizer Transportunternehmen: Jakob Nielsen ist bei der Planzer AG für die Zustellung der Delinat-Weinlieferungen in der Schweiz zuständig. Wir trafen ihn bei einem Glas Wein im Delinat-Shop in Zürich zum Gespräch.

Jakob Nielsen, wie stark interessiert Sie das Thema Wein?
Jakob Nielsen: Extrem stark. Ich war in Dänemark fast zehn Jahre lang an einem kleinen Weinunternehmen beteiligt. Ähnlich wie bei Delinat war unsere Auswahl auf etwa 200 Qualitätsweine beschränkt.

Pfarrerssohn Jakob Nielsen transportiert Wein nicht nur, er trinkt ihn auch gerne.

Waren da Bioweine dabei?
Das war damals im Norden kein grosses Thema. Wir hatten zwar Bioweine, aber nicht, weil sie biologisch waren. Unser Auswahlkriterium war immer die Qualität. Einige unserer besten Weine wurden aber tatsächlich biologisch erzeugt.

Delinat verkauft ausschliesslich Weine, die nach den strengsten Biorichtlinien Europas erzeugt werden. Können Sie damit was anfangen?
Ich schaue primär noch immer auf die Qualität, finde aber, dass heute viele Bioweine zu den sehr guten Produkten gehören. Mein erster Biowein war ein nach biodynamischen Kriterien hergestellter Italiener aus Montalcino. Ein abartig guter Wein!

Als Leiter Paketservice der Transportfirma Planzer sind Sie seit einiger Zeit für die Delinat-Weinlieferungen an Schweizer Kunden verantwortlich. Welches sind die besonderen Herausforderungen?
Die Belieferung von Privatkunden ist eine Herausforderung per se. Unser Ziel ist es, die Kunden persönlich zu bedienen. Das ist nicht immer ganz einfach, weil wir auf ganz unterschiedliche Gewohnheiten treffen. Aber aus meiner Sicht darf der Start als gelungen bezeichnet werden. Eine unserer Stärken ist, dass wir ausschliesslich mit eigenen Fahrzeugen und eigenen Fahrern arbeiten. Es sind keine Subunternehmen beteiligt.


Persönlich
Jakob Nielsens Familie kommt von den Färöer-Inseln. Als Sohn eines Pfarrers wuchs er in Dänemark auf, wo er 1975 auch geboren wurde. Er hat eine Lehre als Fotograf begonnen, diese aber abgebrochen, weil er zur Erkenntnis kam, dass ihm das «fotografische Auge» fehlt. Stattdessen hat er in Kopenhagen einen kleinen Paketzustelldienst gegründet und diesen sieben Jahre lang betrieben. Danach hat er sein MBA-Studium (Master of Business Administration) absolviert und anschliessend für die schwedische Post in Dänemark gearbeitet. Vor acht Jahren kam er in die Schweiz. Er wohnt mit seiner Familie (zwei Töchter) in Üerkheim (AG). Seit vier Jahren arbeitet er bei der Planzer Transport AG. Hier hat er Anfang 2018 die Leitung des neu geschaffenen Paketservices übernommen.

Delinat stellt hohe Ansprüche an die Ökologie, nicht nur bei der Weinerzeugung, sondern auch beim Transport und Vertrieb. Was macht Planzer in diesem Bereich besser als die Konkurrenz?
Über die längeren Distanzen transportieren wir in der Schweiz alles mit der Bahn. Nur die Vorholung letzte Meile zum Zielort wird mit Nutzfahrzeugen gemacht. Im letzten Berichtsjahr konnten wir so über 40 000 Lastwagenfahrten vermeiden. Das entspricht ungefähr 7400 Tonnen CO2-Emissionen, die der Umwelt erspart geblieben sind. Für die Nutzfahrzeuge auf der letzten Meile prüfen wir auch laufend den Einsatz von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben wie Elektro-LKW. Einer ist bereits versuchsweise im Einsatz. Unser Fahrzeugpark ist generell sehr modern, die meisten Fahrzeuge gehören zur Euro-Klasse 6, sind also emissionsarm. Mit unseren eigenen Garagen und regelmässigen Wartungen achten wir zudem auf eine lange Lebensdauer der Fahrzeuge. Auch unternehmen wir grosse ökologische Anstrengungen in Bereichen wie Logistik und Immobilien.

Wie sieht aus Sicht der Firma Planzer ein nachhaltiger Transport- und Lieferdienst in Zukunft aus?
Langfristig wird es eine Umstellung auf Elektrofahrzeuge geben. Aber heute ist die Technologie leider noch nicht so weit. Es gibt kaum serienmässig produzierte Elektro-LKW. Dass es nur langsam vorwärtsgeht, hängt meiner Meinung nach auch damit zusammen, dass bezüglich Nachhaltigkeit zwar ein Umdenken stattfindet, aber noch viel zu wenig konsequent danach gehandelt wird.

Ein grosses Thema bei den Delinat-Kunden ist die Rückgabemöglichkeit der leeren Weinkartons zur Wiederverwendung. Wie genau funktioniert das jetzt in der Schweiz?
Seit 1. Juni 2019 werden leere Kartons, die vor die Haustüre gestellt werden, von uns bei einer Weinlieferung automatisch zurückgenommen und anschliessend von Delinat wiederverwendet. Es ist auch möglich, uns per Mail oder Telefon aufzufordern, leere Kartons abzuholen, ohne dass damit eine Weinlieferung verbunden ist. Aus ökologischer Sicht ist aber die erste Variante, also Rücknahme der Leerkartons bei einer Weinlieferung, viel besser.


Weintipp
Jakob Nielsen Diese südfranzösische Cuvée der Familie Lignères aus autochthonen Traubensorten ist durch das leuchtende Kirschrot nicht nur optisch sehr ansprechend, sie garantiert dank aromatischer Fülle und subtile Finessen auch viel Trinkspass.

Roches d’Aric
Corbières AOP 2015
www.delinat.com/2338.15

Weitere Artikel der WeinLese 55

Auf ein Glas mit … Fredy Hiestand

Als einfacher Bäcker-Konditor hat sich Alfred «Fredy» Hiestand zum «Bäcker der Nation» und zum «Gipfelikönig der Schweiz» hochgearbeitet. Auch mit 75 Jahren ist er noch voller Tatendrang. Wir trafen ihn im Delinat-Weinshop in Zürich zu einem Gespräch bei einem Glas Wein.

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie «Wein und Brot» hören?
Fredy Hiestand: Für mich gehören Wein, Brot und Käse zusammen und haben eines gemeinsam: Sie brauchen Zeit und müssen reifen, um wirklich gut zu sein.

Fredy Hiestand im Delinat-Weinshop Zürich City.

Waren Sie schon immer dieser Meinung, oder ist diese Erkenntnis im Laufe Ihrer langen Bäckerkarriere gewachsen?
Die Erkenntnis ist gewachsen. Früher setzte man Backmittel ein, um Zeit zu sparen. Heute geht es wieder in Richtung Slow Baking. Langsames, natürliches Backen wirkt sich durchwegs positiv auf den Geschmack aus. Bei uns gibt es deshalb kein Brot mit künstlichen Zusätzen. Ausserdem verwenden wir ab Ernte 2019 ausschliesslich Getreide, das ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel angebaut, gewachsen und verarbeitet wurde.

Sie sprechen von der Fredy’s AG, einem Bäckereiunternehmen, das Sie ab 2003 aufgebaut haben. Zuvor waren Sie Patron der Grossbäckerei Hiestand AG, die sie gegründet, dann aber aufgegeben haben. Wie ist es dazu gekommen?
Nach einer Bäcker-Konditorlehre habe ich mich bereits mit 24 Jahren selbstständig gemacht und eine kleine Bäckerei geführt. Als ich begann, Cafés und Restaurants mit selbst kreierten Buttergipfeln zu beliefern, ging es vorerst langsam, später ziemlich schnell und steil aufwärts. 2002 beschäftigte die Hiestand AG 1800 Mitarbeitende und machte einen Umsatz von 300 Millionen Franken.

Dann sind Sie ausgestiegen. Weshalb?
Mit dem Börsengang der Hiestand AG im Jahr 1997 hielt im Unternehmen ein Management mit Gewinnmaximierungszielen Einzug, mit dem ich mich nie anfreunden konnte. Diese neue Konzernstruktur machte mich zum Bauernopfer, es gab für mich mit meinem Führungsstil keinen Platz mehr. Deshalb zog ich mich 2002 zuerst von der operativen Leitung und später auch aus dem Verwaltungsrat zurück. Im Verwaltungsrat hätten sie mich allerdings gerne noch weiter beschäftigt, aber ohne jegliche Kompetenzen.

Dann wagten Sie mit der Fredy’s AG einen Neuanfang. Was macht gutes Brot aus?
Das sind verschiedene Faktoren. Etwas vom Wichtigsten ist die Liebe zum Beruf. Ich bin Bäcker mit Leib und Seele. Ich habe festgestellt, dass der Weizenkeim, der vor vielen Jahrzehnten aus der Broterzeugung verbannt wurde, das Wertvollste am Getreide überhaupt ist. Weizenkeim enthält über 70 Vitamine, Spurenelemente und Vitalstoffe. Deshalb verwenden wir seit rund 16 Jahren wieder frische Weizenkeime für alle unsere Backwaren. Und wir arbeiten seit vielen Jahren mit gereiften Vorteigen.

Persönlich
Alfred «Fredy» Hiestand wurde am 10. März 1943 in Hittnau ZH geboren. Er absolvierte in Zürich eine Bäcker- und Konditorlehre. Schon mit 24 Jahren machte er sich selbstständig. Als kreativer Kopf entwickelte er einen Buttergipfel, der länger feucht blieb und besser schmeckte als die aus Margarine hergestellten Gipfel. Seit 2002 führt der ehemalige Patron der Grossbäckerei Hiestand AG die Fredy‘s AG in Baden. Dieser Bäckereibetrieb hat inzwischen 140 Mitarbeitende und erzielt einen Umsatz von rund 30 Millionen Franken. Fredy Hiestand setzt sich für eine pestizidfreie Landwirtschaft ein und hat in Afrika mit Fredy’s Plantation ein Mischkulturprojekt nach biologischen Anbaumethoden lanciert. Aus früherer Ehe hat er drei Kinder. Heute wohnt er mit seiner Frau Tina in Geroldswil ZH. Diese führt zusammen mit ihrer Tochter Lucia an der Bahnhofstrasse 2 in Schlieren den Laden «Fredy dä Beck».

Und was macht für Sie einen guten Wein aus?
Es war ein Zufall, dass ich im Zusammenhang mit der Trinkwasserinitiative, die eine pestizidfreie Schweizer Landwirtschaft verlangt, Delinat-Chef Karl Schefer persönlich kennengelernt habe. Schon vorher habe ich mich unabhängig davon aufgrund mehrerer Berichte über Pestizidrückstände im Wein entschieden, in Zukunft nur noch biologische Weine zu trinken. Ich bin erstaunt, wie gut Bioweine geworden sind. Auch das überdurchschnittliche Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt. Für mich gibt es deshalb keinen Grund mehr, Wein zu kaufen, der nicht biologisch erzeugt wird.

Fredy Hiestand – vom «Gipfelikönig» zum «Mischulturen-Gärtner» an der Elfenbeinküste.

Bei welchen Gelegenheiten trinken Sie Wein?
Am Mittag mögen meine Frau und ich gerne ein Glas Weisswein; am Abend zum Essen ziehen wir dann ein Glas Rotwein vor. Für das Tüpfelchen auf dem i nach einem arbeitsreichen, erfreulichen Tag.

Sie haben an der Elfenbeinküste ein eigenes Ökoprojekt lanciert. Wie ist es dazu gekommen?
In jungen Jahren gehörte neben Bäcker auch Gärtner zu meinen Traumberufen. Zusammen mit dem Schweizer «Ananaskönig » Johann Dähler konnte ich vor vier Jahren an der Elfenbeinküste 470 Hektar Land erwerben. Auf 100 Hektar entwickle ich seither mein eigenes biologisches Mischkultur-Projekt mit verschiedensten Fruchtbäumen, Kakao, Kautschuk, mit über 31 000 Moringa-Bäumen sowie einer Fischzucht. Die Bio-Moringa verkaufen wir auch in der Schweiz auf www.fredys.ch. Durch die Bewirtschaftung der Plantage sind für die einheimische Bevölkerung wertvolle Arbeitsplätze entstanden.

Sie nehmen sich zusammen mit Ihrer Frau Tina auch Zeit, im kommenden Juni an der Delinat-Wein- und Permakulturreise nach Portugal teilzunehmen. Was hat Sie gereizt, diese Reise zu buchen?
Mich fasziniert das Thema Permakultur, entsprechende Ansätze gibt es auch bei unserem Projekt an der Elfenbeinküste. Deshalb freuen wir uns sehr auf diese Reise und den damit verbundenen Einblick in die Permakultur nach der Lehre des österreichischen Ökovisionärs Josef Holzer.

Weintipp Fredy Hiestand
Ich mag Merlot. Als Schweizer sind mir vor allem Weine aus dem Tessin vertraut. Albet i Noyas Merlot aus Katalonien überzeugt mit viel Gehalt, frischer Frucht, samtener Geschmeidigkeit und lange nachhallendem Abgang. Genau das Richtige zu einem feinen Abendessen.

Albet i Noya Núria
Penedès DO 2015
www.delinat.com/1650.15

Auf ein Glas mit … Claudio Del Principe

Seine Lehrer trauten Claudio Del Principe nicht viel zu. Doch heute ist der gebürtige Italiener aus Basel ein begnadeter Texter und Kochbuchautor, der auch leidenschaftlich gerne in den Kochtöpfen rührt. Bei einem Glas Wein im Delinat-Weindepot Basel unterhielten wir uns mit ihm über gute Küche und feine Tropfen. Wie sieht ein normaler Arbeitstag im Leben des Claudio Del Principe aus? Claudio Del Principe: Ich arbeite zu Hause, bin also sehr privilegiert. Mein erster Gedanke nach dem Aufstehen: Was koche ich heute? Und dann mischt sich alles und fliesst ineinander: Texten, Einkaufen, Kochen, Telefonieren und wieder zurück in die Küche. Sie schreiben also nicht nur, sondern kochen auch oft? Wir kochen in unserer Familie zweimal pro Tag. Meine Frau und ich teilen uns das auf. Unsere beiden 15- und 18-jährigen Söhne freuen sich immer, zu Hause einen gedeckten Tisch vorzufinden. Auch alles, was in meinen Kochbüchern vorkommt, rezeptiere, koche und fotografiere ich selber. Meine Bücher sind von A bis Z aus eigener Hand.
Claudio Del Principe – Kochen und Schreiben sind seine beiden Leidenschaften, die er zum Beruf gemacht hat.
Woher kommt denn diese Passion für das Kochen? Als Italiener wurde mir das irgendwie in die Wiege gelegt. Später hat sich das stark entwickelt und auch aufs Schreiben übertragen. Als Partner in einer Werbeagentur habe ich zusammen mit einem befreundeten Grafiker den Blog «Anonyme Köche» gegründet, so quasi als Pendant zur Gruppe «Anonyme Alkoholiker ». Das hat sofort riesigen Anklang gefunden. Wodurch unterscheiden sich Ihre Kochbücher von anderen? Einerseits durch das sehr Persönliche, andererseits durch die textliche Qualität. Es steckt sehr viel von mir selber drin, es sind eigentliche Lesebücher. Ich erzähle gerne kleine Anekdoten, versuche, humorvoll zu schreiben, aber auch nachdenklich, befasse mich mit Gesellschaft, Kultur und Trends. Das sind alles Sachen, die ich in meine Bücher reinpacke. Irgendwo haben wir gelesen, Sie seien ein schlechter Schüler gewesen. Woher kommt denn Ihre Schreibkunst? Vielleicht wollte ich einfach beweisen, dass ich es trotzdem kann. Ich hatte meist Lehrer, die nicht an mich geglaubt haben. Zum Texten bin ich allerdings erst relativ spät als Quereinsteiger gekommen. Mein Ziel war es immer, frei schreiben zu können. Diesbezüglich kam mir der Blog sehr entgegen, da er einem viel Narrenfreiheit lässt. Was macht für Sie eine gute Küche aus? Die Sorgfalt. Das beginnt schon beim Einkaufen. Wenn ich bewusst ein gutes Produkt kaufe, habe ich bereits sehr viel richtig gemacht. Und wenn ich es dann noch sorgfältig, mit dem nötigen Knowhow und handwerklich gekonnt zubereite, stimmt vieles. Ihr neustes Kochbuch «A Casa» verstehen Sie als Gegenentwurf zur schnellen Küche. Was haben Sie gegen die schnelle Küche? Sie lügt uns an. Ich empfinde es als Beschiss, wenn uns Medien und TV-Sendungen sagen, kochen sei total easy, und man könne ganz schnell etwas Gutes herbeizaubern. Kochen ist Handwerk, bei dem Zeit die wichtigste Zutat ist. Wo Zeit gespart wird, bleibt der Geschmack auf der Strecke. Ist ein gutes Essen ohne Wein für Sie vorstellbar? Ja. Tagsüber trinke ich eher selten Wein. Aber grundsätzlich ist es natürlich ideal, wenn man ein feines Essen mit einem guten Wein kombinieren kann.
Beim Backen kommt der Maestro in Schwung.
Welche Ansprüche haben Sie an Wein? Ich lasse mich gerne überraschen von der Geschichte, die hinter einem Wein steckt, und bevorzuge Wein von kleinen Gütern, die handwerklich nach biologischen oder biodynamischen Kriterien arbeiten. Wie beim Essen versuche ich auch hier, die Massenprodukte zu meiden. Wo liegen Ihre Vorlieben? Sicherlich Italien, weil diese Weine halt ausgezeichnet zu dem passen, was ich koche. Weisswein mag ich zum Aperitif, aber beim Essen schreit es dann bei mir nach Rotwein. Sehen Sie Gemeinsamkeiten zwischen Delinat-Wein und der Küche, die Sie propagieren? Wir teilen das Credo, Sorge zu tragen zum Boden, zu den Pflanzen, zu jedem einzelnen Schritt. Auch bei Delinat versucht man ja nicht, irgendwelche Abkürzungen zu nehmen, um den Wein billiger und schneller zu produzieren. Wohin geht die nächste kulinarische Reise des Claudio Del Principe? Im Herbst erscheint bereits wieder ein neues Kochbuch. Es heisst «Al Forno». Alles tolle Gerichte aus dem Ofen. Angefangen von kleinen Snacks über Gemüse, Fisch, Fleisch bis hin zu süssen Gebäcken. Für mich ist der Ofen etwas Magisches. Alles, was aus dem Ofen kommt, ist irgendwie immer gut. In der Pfanne ist die Chance, dass auch mal was misslingt, grösser. Was steht sonst noch auf Ihrer Löffelliste? Ich möchte den Anteil an freien Schreibarbeiten, der jetzt etwa 50 Prozent ausmacht, noch erhöhen. Ich träume davon, eines Tages als Schriftsteller spannende Romane zu schreiben. Ein schönes Vorbild ist Martin Suter, der ja wie ich ursprünglich auch Werbetexter war.
Weintipp Claudio Del Principe Eine Rebsorte, die ich besonders mag, ist die Nero d’Avola aus Sizilien. Mit Sorgfalt gekeltert entstehen aus ihr gleichzeitig kraftvolle wie elegante Tropfen von bezaubernder Fruchtfülle. Bestes Beispiel ist der Mignechi von Massimo Maggio. Der im Barrique ausgebaute Wein passt vorzüglich zu herzhafter Pasta, rotem Fleisch und würzigen Saucen. Mignechi Nero d’Avola Sicilia IGT 2015 www.delinat.com/3308.15
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10 Fragen an Delinat-Kundin Christine Jordi

Christine Jordi lebt in Belp in der Nähe der Aare, einem schönen Berner Naherholungsgebiet. Die kontaktfreudige Versicherungsberaterin ist in ihrer Freizeit oft sportlich unterwegs (Joggen, Biken, Skifahren und Segeln). So richtig Fan von Delinat-Weinen wurde sie letztes Jahr, als sie auf der Spanienreise mit dabei war und etwa auf dem Weingut Albet i Noya im Penedès die feinen Tropfen direkt vor Ort degustieren konnte.

Bei welchen Gelegenheiten trinken Sie Wein?
Zur Feier des Tages … Zu einem feinen Essen mit Freunden. Zum Entschleunigen am Cheminéefeuer – ein gutes Buch lesen und ein schönes Glas Rotwein geniessen.

Was hat Wein mit Kultur zu tun?
Die Herstellung von Wein ist ein sehr altes Handwerk. Leider gab es Zeiten, wo Quantität vor Qualität gestellt wurde. Zum Glück gibt es heute sehr viele Weinbauern auf der ganzen Welt, die mit viel Herzblut, Leidenschaft und Arbeit versuchen, aus ihren Trauben jedes Jahr ein neues Kunstwerk herzustellen.

«Bio» bedeutet für Sie?
Viel Arbeit, Wertschätzung für die Natur, Gesundheit für die Menschen, Innovation der Bauern, nicht nur der Weinbauern. Zusammenspiel mit der Natur und dem Wetter.

Weshalb trinken Sie Delinat-Weine?
Ich bin durch Zufall zu Delinat-Wein gekommen. Eine Kollegin hat mich zu einer Weinreise nach Spanien überredet. Es war ein super Erlebnis mit vielen Eindrücken und Degustationen auf verschiedenen Weingütern. Unglaublich die Arbeit, die hinter diesen Weinen steckt. Delinat stellt hohe Anforderungen an ihre Winzer, deshalb brauchen diese viel Leidenschaft, das kann man im Wein schmecken.

Ihr Lieblingstropfen?
Ich habe noch keinen Lieblingstropfen gefunden. Aber sehr gerne mag ich zwei Weine vom spanischen Weingut Albet i Noya, das wir auf besagter Reise besucht haben. Weisswein: Macabeu, Rotwein: Reserva Martí.

Verraten Sie uns ein spezielles Erlebnis im Zusammenhang mit Delinat?
Auf unserer Reise haben wir unter anderem ein Weingut besucht, wo wir mithelfen konnten, einen Tank mit Trester zu leeren. Auch auf dem Feld konnten wir etwas Hand anlegen. Am Abend gab es ein super gemütliches Barbecue mit regionalen Produkten, feinen Weinen und einem sehr eindrücklichen Sonnenuntergang.

Was bedeutet für Sie Glück?
Gesundheit, gute Freunde, schöne Wanderungen in den Bergen, Freude am Beruf, Frieden und Freiheit, wie wir es in der Schweiz kennen und schätzen.

Ihre Helden der Gegenwart?
Leute, die mit ihrer Tätigkeit anderen Menschen zu mehr Lebensqualität verhelfen, zum Beispiel in der Altenpflege, in der Arbeit mit Behinderten oder Kindern aus schwierigen Verhältnissen.

Mit welcher berühmten Person würden Sie gerne einmal ein glas Wein trinken?
Bode Miller oder George Clooney. Ich denke, das sind beides Genussmenschen mit einem guten Herz und spannendem Alltag.

Wofür soll sich Delinat Ihrer Meinung nach noch stärker einsetzen?
Das Konzept von Delinat finde ich sehr beeindruckend, die Weingüter, die ich gesehen habe, sind sehr gepflegt, die Winzer innovativ, auch alte Rebsorten werden wieder neu entdeckt. Vielleicht sollten auch kleinere Winzer eine Chance erhalten, falls das noch nicht so ist. Leider habe ich zu wenig Wissen, um hier eine klare Meinung zu vertreten.

Auf ein Glas mit … Ruth Fleuchaus

Dr. Ruth Fleuchaus beschäftigt sich als Professorin im Studiengang Weinbetriebswirtschaft an der Hochschule Heilbronn intensiv mit Marktforschung und Marketing. Wir sprachen mit der Weinmarktexpertin über die Bedeutung und die Zukunft des biologischen Weinbaus und PIWI-Rebsorten.

Weinmarktexpertin Ruth Fleuchaus glaubt, dass nachhaltiger Weinbau dereinst zur Regel wird.

Vor 30 Jahren haben Sie an der Hochschule Geisenheim Weinbau und Önologie studiert. War damals «Bio» ein Thema?
Ruth Fleuchaus: Biologischen Weinbau gab es schon damals, aber nicht in der Form und der Breite wie heute. Während meines Studiums in Geisenheim lag der Schwerpunkt auf dem integrierten Weinbau. Im ökologischen Bereich beschäftigten wir uns höchstens mit Fragen zur Begrünung, zu den Vor- und Nachteilen und zur Biodiversität im Weinberg.

Verbindliche Anforderungen an Begrünung, Artenvielfalt und nachhaltigkeit gab es damals noch nicht. Delinat hat deshalb schon in den 1980er Jahren eigene Richtlinien erlassen und diese ständig weiterentwickelt. Wie wichtig sind strenge ökologische Richtlinien für den zukünftigen Weinbau?
Sehr wichtig. Die Probleme mit unbekannten Schädlingen nahmen in den letzten Jahren massiv zu, ebenso akzentuierte sich die Schädlichkeit des Pilzbefalls. Wenn man sich nun die riesigen Mengen Pflanzenschutzmittel, die zur Behandlung dieser Krankheiten eingesetzt werden, vor Augen führt, dann wird augenfällig, dass die Zukunft des Weinbaus in einem anderen Bereich liegt. Er muss wieder viel naturnaher betrieben werden können.

Persönlich

Ruth Fleuchaus wurde 1963 in Gerlachsheim, einem kleinen Ort im Taubertal in Nordbaden, geboren, wo sie in einer Winzerfamilie aufwuchs. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Winzerlehre. Danach studierte sie in Geisenheim Weinbau und Önologie. Zwischen 1990 und 1994 promovierte sie im Fachgebiet Betriebswirtschaft und Marktforschung der Forschungsanstalt Geisenheim und am Institut für Agrarpolitik und Marktforschung der Justus- Liebig-Universität in Giessen.

Seit 2004 ist sie Professorin an der Hochschule Heilbronn im Studiengang Weinbetriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing, Marktforschung und Betriebswirtschaftslehre. Seit 2008 ist sie auch Prorektorin der Hochschule Heilbronn. Sie ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Ludwigsburg. Energie tankt sie am liebsten bei einem guten Buch und einem feinen Glas Wein.

Wo sehen Sie die grossen Herausforderungen im biologischen Weinbau?
Ich sehe diese vorab im Bereich der Kupferreduktion und der Wirkung der biologischen Behandlungsmittel. Wie kann man zum Beispiel der Kirschessigfliege wirkungsvoll mit biologischen Mitteln begegnen? Antworten auf solche Fragen müssen auch betriebswirtschaftlichen Perspektiven standhalten, sonst stagniert die Ausdehnung der Bio-Rebfläche.

«Immer mehr Winzer glauben, dass ein weiterer Qualitätsanstieg
nur mit dem biologischen Weinbau möglich ist.»
Ruth Fleuchaus

Was sagen sie zum Argument, biologische Bewirtschaftung sei im Vergleich zum konventionellen Anbau viel teurer und aufwendiger?
Die biologische Produktion ist nur vordergründig teurer als die konventionelle. Wenn man sich all die indirekten Umweltkosten der konventionellen Produktion vor Augen führt, dann bietet die biologische Produktionsweise deutliche Vorteile.

Sie arbeiten derzeit am Projekt «novisys – Weinbau mit Zukunft». Worum geht es da?
Es geht darum, Lösungen zu finden, wie man den Weinbau generell zukunftsfähiger gestalten kann. Eine der Fragen ist: Wie kann man dem hohen Bedarf an Pflanzenschutz, der auch durch klimatische Veränderungen verursacht ist, entgegenwirken?

Ein Lösungsansatz könnte im Anbau von pilzwiderstandsfähigen Traubensorten (PIWI) liegen …
Ja, zahlreiche PIWI-Sorten befinden sich ja schon im Anbau, leider noch auf sehr kleinen Flächen, aber sie zeigen grosses Potenzial, und sie müssen nicht oder nur sehr wenig gespritzt werden; das spart Zeit und Geld und schont dazu die Umwelt. Aufgrund des geringeren Traktoreinsatzes im Weinberg werden dazu Bodenbelastung und CO2-Ausstoss deutlich reduziert.

Das Problem ist, dass sich PIWI-Weine nur schwer vermarkten lassen …
Wir versuchen in der Marktforschung durch Konsumentenbefragungen herauszufinden, weshalb das so ist, welche Kaufmotive für solche Weine bestehen und wie man diese den Weinkonsumenten näherbringt. Ich glaube, ein grosser Teil des Problems liegt bei der Namensgebung der PIWI-Sorten. Viele Namen wirken abstrakt, nichtssagend und machen keine Lust, diese Weine zu probieren. Es gibt aber auch gute Beispiele wie Souvignier Gris oder Cabernet Blanc. Diese Namen ähneln denjenigen klassischer Rebsorten und werden von den Konsumenten akzeptiert.

PIWI-Weine überzeugten früher oft geschmacklich nicht. Wie sehen Sie das heute?
Da es sich um genetisch andere Traubensorten handelt, entsprachen sie oft nicht den gängigen Geschmacksprofilen. Die neueren PIWI-Sorten wurden züchterisch deutlich weiterentwickelt und können geschmacklich problemlos mit den etablierten Traubensorten mithalten. Ich finde PIWI-Weine jedenfalls sehr spannend und probiere mich gerne durch.

Wie beurteilen Sie die Chancen, dass biologischer und nachhaltiger Weinbau zur Regel wird?
Langfristig wird das der Fall sein. Je nachdem, welche Auswirkungen der Klimawandel mittelfristig zeigt und welche Lösungen wir seitens der Forschung auf offene Fragen der Bewirtschaftung und des Pflanzenschutzes liefern können, ist diese Transformation früher oder etwas später abgeschlossen. Grundsätzlich spüre ich eine grosse Dynamik in der Weinbranche. Immer mehr Winzer glauben, dass ein weiterer Qualitätsanstieg nur mit dem biologischen Weinbau möglich ist.

Weintipp Ruth Fleuchaus
Mein Lieblingswein von Delinat ist der Casa Benasal von Pago Casa Gran aus Valencia. Mich begeistern an diesem Rotwein die beerige Aromatik, der feine, gehaltvolle Geschmack und das überragende Preis-Leistungs-Verhältnis.

Casa Benasal
Valencia DO 2016
www.delinat.com/3675.16

Auf ein Glas mit… Martin Walker

Der schottische Krimiautor Martin Walker mag gutes Essen und biologische Weine. Im Sommer können Delinat-Kunden ihm auf der Wein- und Genussreise im Périgord bei einem literarischen Diner begegnen. Wir trafen den prominenten Schriftsteller vor einer Lesung in Stuttgart zu einem Gespräch bei einem Glas Wein.

Als «love wine» bezeichnet Martin Walker den Châteauneuf-du-Pape von Delinat.

Martin Walker, als Schotte, worauf würden Sie eher verzichten: Whiskey oder Wein?
Martin Walker: Auf Wein. Whiskey ist für mich ein sehr spezielles Getränk, das ich gerne in Gesellschaft trinke.

Wein mögen Sie aber auch. Wie sind Sie zum Weinliebhaber geworden?
Schon als Student habe ich Wein getrunken, allerdings nur billige Massenware. Rosé aus Portugal und Cabernet Sauvignon aus Bulgarien, das waren meine ersten Erfahrungen mit Wein.

Und trotzdem sind Sie zum Weinliebhaber geworden?
Ja. Meine Frau Julia und ich haben später oft Ferien in Frankreich gemacht. Da bin ich auf den Geschmack gekommen, vor allem dank der Bordeaux-Weine. Die guten waren aber schon vor 20 Jahren sehr teuer. Als wir dann ins Périgord gezogen sind, habe ich die Bergerac-Weine entdeckt. Das sind heute immer noch meine Lieblingsweine.

Persönlich

Martin Walker, geboren 1947 in Schottland, ist Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist. 25 Jahre war er als Journalist der britischen Tageszeitung «The Guardian» in der ganzen Welt unterwegs. 1999 ist er mit seiner Familie nach Frankreich ins Périgord gezogen. Hier begann seine Karriere als Krimiautor. Seine mittlerweile neun Kriminalromane um den Dorfpolizisten Bruno erscheinen in 17 Sprachen und erzielen eine Millionenauflage.

Martin Walker lebt mit seiner Frau Julia vier Monate im Jahr in Washington und fünf Monate im Périgord. Die restliche Zeit ist er auf Buchtour oder in Schottland und England unterwegs. Martin Walkers «Bruno»-Romane erscheinen im Schweizer Verlag Diogenes.
www.diogenes.ch

Weshalb sind Sie überhaupt ins Périgord ausgewandert?
1970 war ich für «The Guardian» als Kriegsberichterstatter im Libanon. Hier habe ich mit einem französischen Journalisten zusammengearbeitet. Er hat uns mehrmals eingeladen, Ferien bei sich zu Hause im Périgord zu machen. Das Essen hat uns hier so begeistert, dass meine Frau unbedingt ein eigenes Haus im Périgord wollte.

Und da haben Sie sofort eingewilligt?
Ich habe gesagt: Okay, schauen wir mal. Dann war ich in Washington im Weissen Haus, um den damaligen Präsidenten Bill Clinton zu interviewen. Ich wartete im Vorraum des Oval Office auf den Präsidenten, als mein Handy klingelte. Es war Julia, meine Frau. Sie sagte: Du musst sofort ins nächste Flugzeug steigen, ich habe unser Haus gefunden. Ein paar Tage später war ich in Frankreich, und wir haben das Haus gekauft.

Martin Walker beim Büchersignieren.

Und dann sind Sie hier zum Krimiautor geworden …
Ich habe schon vorher politische, eher ein bisschen langweilige Bücher geschrieben. Das Périgord als Schlaraffenland mit den weltberühmten prähistorischen Höhlen von Lascaux hat mich dann zu spannenderen Büchern inspiriert. Auf die Idee, Kriminalromane zu schreiben, hat mich mein Tennispartner Pierrot gebracht. Er ist gleichzeitig Dorfpolizist, Feinschmecker und ein sehr guter Koch. Ein ideales Vorbild für meine Romanfigur Bruno, Chef de police.

Ihre Krimis haben das Périgord in der ganzen Welt bekannt gemacht, sodass Sie von den Winzern der Region zu einer Art Ehrenbotschafter ernannt worden sind.
Ja, es sind immer mehr Touristen ins Périgord gekommen, sodass ich als erster Schotte zum Grand Consul ernannt wurde.

Wie viel von der Romanfigur Bruno steckt in Martin Walker?
Nicht so viel. Aber ich möchte gerne so gut kochen können wie Bruno.

Aber Sie können doch sicher gut kochen.Sie haben ja auch ein Kochbuch geschrieben.
Ja, ich kann kochen. Jedes Rezept, das in meinem Kochbuch und in den Romanen vorkommt, habe ich selber gekocht, aber mit der Hilfe meiner Frau Julia, sie ist die Expertin.

Ist es Ihnen als Weinliebhaber wichtig, ob Wein ökologisch erzeugt wird?
Ich kenne viele ältere Winzer im Bordeaux und in Bergerac, die sind sehr krank, weil sie immer mit Chemie und Kunstdünger gearbeitet haben. Dann denke ich: Oh mein Gott, was haben wir da getrunken? Ich bin deshalb sehr froh, dass immer mehr Weine biologisch erzeugt werden.

Finden Sie solche Weine auch gut?
Das Wichtigste für einen guten Wein ist das Terroir. Und wenn dieses Terroir nicht mit Pestiziden beeinträchtigt wird, umso besser. Ich kenne viele Biowinzer, die machen wunderschöne Weine.

Wo liegen Ihre persönlichen Vorlieben beim Wein?
Ich habe Wein auf der ganzen Welt getrunken. Wenn ich nur Wein aus einer Region trinken könnte, würde ich Bergerac wählen. Für mich stimmt hier das Verhältnis Qualität-Preis am besten. Aber ich mag auch Weine aus Deutschland und Österreich, zum Beispiel Grünen Veltliner.

Inspiriert Sie der Wein auch für Ihre Kriminalromane?
Ja, ich habe oft ein Glas Wein auf dem Schreibtisch, wenn ich schreibe. In meinen Bruno-Romanen «Grand Cru» und «Eskapaden» spielt Wein eine wichtige Rolle. Auch in meinem nächsten Roman, der 2019 auf Deutsch erscheint, geht es um eine Kochschule und Wein.

Lernen Sie Martin Walker auf unserer Wein- und Krimireise Bordeaux/Périgord persönlich kennen: www.delinat.com/weinreisen

Weintipp Martin Walker

Wir haben zum Interview eine Flasche Anthémis de Beaurenard aus dem Delinat-Sortiment kredenzt. «Ein love wine», schwärmt Martin Walker schon nach dem ersten Schluck. «Ich wusste gar nicht, dass es einen Châteauneuf-du-Pape aus biologischem Anbau gibt. Ein wunderschöner Wein, der das mediterrane Klima, in dem er reift, wunderbar ausdrückt.»

Anthémis de Beaurenard
Châteauneuf-du-Pape AOP 2014
www.delinat.com/2474.14

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Auf ein Glas mit… Ubbo de Witt

Unternehmer Ubbo de Witt gehört zu den Pionieren der Windenergie in Deutschland. Als Inhaber und Geschäftsführer der Projekt Firmengruppe entwickelt und realisiert er Windparks im In- und Ausland. Neben Wind gehört Wein zu seinen Leidenschaften. Wir trafen ihn auf ein Glas im Café Blätterteich in Oldenburg.

Ubbo de Witt schätzt Delinat-Wein. Winzer und Philosophie, die dahinterstecken, lernte er auf der Schiffreise mit der Sea Cloud II näher kennen.

Persönlich
Der gebürtige Ostfriese Ubbo de Witt lebt gemeinsam mit seiner Lebens- und Geschäftspartnerin Heike Kröger in Oldenburg, wo das Unternehmerpaar vier Kinder grossgezogen hat. Nach dem Abitur absolvierte Ubbo de Witt an der Universität Oldenburg ein Physikstudium. 1993 gründet er die Projekt GmbH, die sich mit der Projektierung und Realisierung von Windenergieanlagen befasst. Die Projekt GmbH figuriert heute zusammen mit mehreren Tochterfirmen unter dem Dach der Projekt Firmengruppe. Domizil ist seit 2011 ein Bürogebäude im Passivhaus-Standard in Oldenburg. In seiner Freizeit geniesst Ubbo de Witt am liebsten Aktivitäten in freier Natur im Kreis der Familie: Fahrradfahren, Segeln, Teetrinken und Strandspaziergänge in Brasilien, wo Ubbo de Witt und Heike Kröger seit über zehn Jahren über eine Tochterfirma Windenergieprojekte entwickeln und auf über 200 Hektar nachhaltige Forstwirtschaft und Aufforstung betreiben.

Ubbo de Witt, Sie gehören zu den Windenergie-Pionieren, Delinat nimmt für sich eine solche Rolle beim biologischen Weinbau in Anspruch – eine Art Seelenverwandtschaft?
Pioniere verbindet ja oft die Vorstellung von einer besseren Welt, und zum Zeitpunkt der Entwicklung dieser Vision müssen sie sich oft die Frage stellen lassen, ob sie «nichts Sinnvolleres» im Kopf hätten, da ihre Mitmenschen die Realität nicht wie sie wahrnehmen. Ja, ich fühle eine Art Seelenverwandtschaft.

Sie beschäftigen sich seit bald 30 Jahren mit Windenergie. Wie ist es dazu gekommen?
Heinrich Timm, einer der letzten alten Emsfischer, hatte seinen Fischkutter nach meinem im Krieg gefallenen Opa, Ubbo de Witt, benannt. Gemeinsam mit meiner Oma hatte ich das Glück, viele Tage mit ihm auf dem Wasser zu verbringen, Tag und Nacht den Elementen ausgesetzt. Als Segler habe ich diese Passion fortgesetzt. So war es nur konsequent, in der Arbeitsgruppe Physik regenerativer Energiequellen in Oldenburg das Physikstudium aufzunehmen und gemeinsam mit vielen fortschrittlichen Professoren an der Carl von Ossietzky Universität diese Berufung für eine bessere Welt auch auf anderer Ebene fortzusetzen.

Wie viele Windparkanlagen haben Sie bisher realisiert?
Die technische Entwicklung der Windenergie hat mir hier den Weg vorgegeben. Anfänglich waren es erste Hofanlagen zur Mitnutzung des erzeugten Stroms in der Landwirtschaft. Zwischenzeitlich sind viele Windparks in Deutschland, Frankreich, Polen und Brasilien mit über 1000 MW dazugekommen.

Welches ist der wichtigste?
Auf einer Sandbank in der Nordsee haben wir 2001 die Planung für unseren ersten Offshore-Windpark begonnen. Hier sollte 24 Stunden am Tag umweltfreundlicher Strom produziert werden. Der Name des Projekts war geboren: Sandbank 24. Heute ist der Windpark gebaut und produziert mit 72 Windenergieanlagen der 4-Megawatt-Klasse (288 MW) genug Strom, um mehr als 400 000 Haushalte zu versorgen.

Deutsche Windenergie-Pioniere: Ubbo de Witt und Partnerin Heike Kröger.

Sie entwickeln On- und Offshore-Windparks. Welches sind die Vor- und Nachteile der beiden Varianten?
Unsere Kulturlandschaft ist einem stetigen Veränderungsprozess unterworfen. Landwirte sind heute auch (dezentrale) Energiewirte. Sowohl Offshore-Anlagen an der Küste mit «dem Fuss im Wasser» wie auch Onshore-Anlagen an Land können nach Ablauf ihrer Betriebszeit rückstandsfrei zurückgebaut werden. Die Kosten dafür sind kalkulierbar und müssen vom Betreiber vor Baubeginn in Form von Bürgschaften hinterlegt werden. Der Teufel steckt jedoch wie immer im Detail, zum Beispiel einer naturverträglichen Planung unter Einbindung der Anwohner auf dem Festland oder der umfangreichen Abwägung möglicher Auswirkungen auf die See- und Zugvögel sowie die Schweinswale während der Bauphase und des Betriebs offshore.

Die grossen Offshore-Windparks haben den Vorteil, dass sie unseren unmittelbar wahrgenommenen Lebens- und Erholungsraum nicht so stark beeinträchtigen wie die Onshore-Windparks, an deren Erscheinung im Landschaftsbild viele Menschen sich erst noch gewöhnen müssen. Offshore ist die Energieerzeugung zudem wesentlich verlässlicher, der Wind weht nahezu immer, der Ertrag ist mehr als doppelt so hoch wie onshore.

Welche Bedeutung kommt der Windenergie in Zukunft zu?
Die Windenergie ist die kostengünstigste erneuerbare Energie und wird weiterhin einen grossen Anteil an der Stromerzeugung und zur Erreichung der Klimaziele wahrnehmen. Persönlich würde ich es begrüssen, wenn es gelingen würde, den grünen Strom direkt an die Steckdosen der Verbraucher abzugeben.

Worauf legen Sie als Weinliebhaber wert?
Es ist für mich wie bei einem guten Musikstück: Der Text und die Noten müssen zusammenpassen. Deshalb habe ich mich gefreut, Delinat kennenzulernen, und damit so überzeugende Winzer wie den Katalanen Josep Maria Albet i Noya, der die gemeinsame Überzeugung und Vision ebenfalls lebt.

Wann und wie haben Sie Bekanntschaft mit Delinat gemacht?
Eine Zugfahrt und ein zufällig gefundener Flyer haben mich auf Delinat aufmerksam gemacht. Die lieben Menschen und Überzeugungstäter hinter Delinat habe ich auf einer gemeinsamen Segelreise kennengelernt.

Das war 2016. Sie waren mit Ihrer Familie an Bord der Sea Cloud II, die als Delinat-Weinschiff im Mittelmeer unterwegs war. Wie ist Ihnen diese Reise in Erinnerung geblieben?
Windstärke neun, ein grosses Erlebnis gemeinsam mit weiteren Weinbegeisterten und meiner Familie, nicht nur wegen des gemeinsam erlebten und überstandenen Extremereignisses. Eine grandiose Annäherung an schöne Hafenstädte im Mittelmeer und an Weingüter der Delinat-Familie.

Weintipp Ubbo de Witt
Auf der Reise mit der Sea Cloud II haben wir den katalanischen Winzer Josep Maria Albet i Noya kennengelernt. Er lebt seine Überzeugung und Vision beim Wein genau so, wie wir das beim Wind tun. Sein Spitzenwein Reserva Martí ist im Geschmack kräftig, aber zugleich samtig und leicht fruchtig mit der richtigen Abstimmung des Geschmacks nach Kräutern.

Albet i Noya Reserva Martí
Penedès DO 2011
www.delinat.com/1643.11