Der Biodiversitäts-Motor

Für Leute, die den DegustierService, das Delinat-Weinabo, noch nicht kennen, klingt es seltsam. Aber es ist eine Tatsache, dass die beliebten Delinat-Weinpakete mehr Biodiversität in Europas Weinbergen geschaffen haben als alle Massnahmen von Regierungen und Naturschutzorganisationen zusammen. Wie ist das möglich?

Weinhändler, Detailhändler, Supermärkte, Discounter, Gastronomen – alle kaufen sie fertige Weine ein. An Messen, Auktionen, bei Winzern wird degustiert, verglichen, verschnitten, gefeilscht und gekauft. Ziel ist, möglichst gute Qualität zu möglichst tiefem Preis zu bekommen. Wie an der Börse ist viel Spekulation im Spiel: Wer zu früh ja sagt, bezahlt vielleicht einen Cent zu viel, wer zu lange zögert, geht vielleicht leer aus. Winzer, die zu hoch pokern, bleiben auf dem Wein sitzen und müssen ihn schliesslich zu ruinösen Preisen auf den Schnäppchen-Markt werfen. Da bekommt man sie dann auch deutlich unter 1 Euro pro Flasche.

Der andere Weg

Biodiversitäts-Motor

Einen völlig anderen Weg hat Delinat mit dem Weinabo Degustier-Service schon 1987 eingeschlagen: Dieses Weinpaket basiert auf einer langfristigen Planung. Winzer, deren Weine dafür in Frage kommen, werden Jahre im Voraus informiert. Die Aussicht, bei erfülltem Qualitätsniveau eine grössere Menge liefern zu können, motiviert sie, charakterstarke, authentische Weine von speziellen Lagen zu keltern.

Vorteile für alle Beteiligten

Dieses System hat massgeblich zum Delinat-Erfolg beigetragen. In 28 Jahren sind knapp 3000 Weine so produziert und in rund tausend Kombinationen verschickt worden. Millionen von Paketen haben Weinfreunde begeistert und eine eigene Welt geschaffen, die Welt des DegustierService. Nicht nur lernt man immer neue Weine kennen, sondern erfährt auch viel über Hintergründe und Kultur, bekommt häppchenweise Weinwissen und Ideen für passende Rezepte. Zwei von drei Stammkunden lassen sich vom DegustierService verwöhnen und wollen ihn nicht mehr missen.

Absatzsicherheit ermöglicht mehr Biodiversität

Wie aber soll dabei Biodiversität entstehen? Ganz einfach: Die Delinat-Richtlinien schreiben Artenvielfalt vor, definieren exakt Massnahmen und Methoden. Delinat-Winzer sind grundsätzlich vom Sinn überzeugt, kennen die Vorteile eines stabilen Ökosystems und sind eigentlich willig, in die Strukturen zu investieren. Doch ist die Schwelle hoch: Schliesslich bedeutet es, Reben auszureissen und Raum für Hecken, Bäume und Hotspots zu schaffen. Ohne die zuverlässige Planbarkeit des Weinabos würden viele wohl doch nicht den Mut für grosse Investitionen aufbringen. Da ihnen der Absatz der DegustierService-Weine aber so gut wie sicher ist, konzentrieren sie sich auf die Optimierung der Biodiversität in ihren Weinbergen. Sie ist nicht nur Garant für gute Weinqualität, sondern auch für Delinats Treue. Je grösser die Vielfalt, desto sicherer das Geschäft.

Dieser Treiber ist längst zum Selbstläufer geworden. Immer öfter stossen neue Winzer hinzu, die Delinat schon lange beobachtet, die Richtlinien umgesetzt und sich über Jahre vorbereitet haben, sodass wir bei unserem ersten Besuch von der hohen Systemreife überrascht werden. Das Delinat-Weinabo ist zum Motor für Biodiversität geworden, und jeder Weinabo-Kunde beschleunigt ihn. Ist das nicht grossartig?

«Unsere Winzer machen Platz für Bäume und Sträucher»

Jahr für Jahr sind die beiden Delinat-Winzerberater Rolf Kaufmann und Daniel Wyss auf über hundert Weingütern in ganz Europa unterwegs. Sie stehen den Winzern beratend bei der praxisgerechten Umsetzung der strengen Delinat-Richtlinien zur Seite und motivieren sie, die Biodiversität in den Rebbergen zu verbessern. In diesem Interview gibt Daniel Wyss Einblick in diese anspruchsvolle und schöne Tätigkeit.

Daniel Wyss in der Rioja
Winzerberater Daniel Wyss (rechts) im Weinberg mit Rioja-Winzer Francisco Ruiz.

Du bist oft in Europa unterwegs. Wie beurteilst du als Ökologe und Winzerberater generell den Zustand der Biodiversität? Wie vielfältig ist unsere Natur noch?
Daniel Wyss:
Es gibt sie noch, die schönen unberührten Landschaften in Europa. Orte, an denen sich Fauna und Flora mit oder neben der Nutzung durch den Menschen entfalten können und die Vielfalt noch gross ist. Dort, wo Menschen aber intensive Landwirtschaft betreiben, wo Industrie und Siedlung dicht sind, sind Zerstörung und Verarmung der Landschaft sehr gross.

Wie präsentiert sich die Situation in den Weinbergen Europas?
Die EU fördert leider noch immer den intensiven Rebbau. Alte Reben im Einzelstocksystem und in Mischkulturen mit Oliven und Fruchtbäumen werden ausgerissen. Stattdessen werden intensive Drahterziehungsanlagen mit Bewässerung unterstützt. Das Wasser wird teilweise aus über 150 Meter Tiefe gepumpt. Vorzeitliche Grundwasserseen werden dadurch irreversibel zerstört.

Delinat Consulting

Delinat Consulting unterstützt Winzer in ganz Europa durch ein umfassendes Beratungspaket bei der Umsetzung der strengen Delinat-Richtlinien. Neben jährlichen Seminaren, an denen die Winzer in den jeweiligen Ländern auf den neuesten Stand der Weinbau- und Ökologieforschung gebracht werden und gegenseitig Erfahrungen austauschen, besuchen die Winzerberater Rolf Kaufmann und Daniel Wyss die Weingüter mindestens einmal im Jahr. Ausserdem bieten sie übers ganze Jahr Beratungen per Telefon und Mail. Schwerpunkte sind der Biodiversitätsaufbau, Begleitflora, Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz und ökologische Hotspots. Bei der Weinbereitung stehen Themen wie Einsatz von Schwefeldioxid (SO2) und anderen kellereitechnischen Hilfsstoffen im Vordergrund.

Viele Rebberge von Delinat-Winzern kennst du wie deine Hosentasche. Was ist hier anders?
Unsere Winzer erhalten die natürliche Vielfalt mit Bäumen und Sträuchern in und um ihre Rebparzellen. Sie reissen sogar Reben aus, um Platz zu machen für Bäume und Sträucher. Ganzjährig begrünte Weinberge sind im Süden nur auf Delinat-Betrieben zu sehen.

Weshalb ist eine grosse Biodiversität im Weinberg so wichtig?
Die Vielfalt stärkt das Ökosystem Rebberg, wodurch Schadorganismen natürlicherweise nicht mehr so stark auftreten. Biodiversität erfreut nicht nur die Natur, sondern auch die Menschen.

Du versuchst, die Winzer von den Vorteilen einer grossen Artenvielfalt zu überzeugen. Gelingt das überall gleich gut?
Je weniger finanzielle Mittel dem Winzer zur Verfügung stehen und je trockener die Region, desto schwieriger ist es, ein System für die Zukunft aufzubauen. Oft sind die ökonomischen Zwänge gross. Investitionen sind nur im kleinen Rahmen möglich. Zum Glück sind unsere Winzer innovativ, zukunftsorientiert und umweltbewusst. So können wir gemeinsam angepasste Begrünungssysteme entwickeln, die wenig kosten, für die Fruchtbarkeit und die Artenvielfalt aber langfristig viel bringen.

Wo und weshalb gibt es am meisten Widerstand?
In den trockensten Regionen braucht es viel Zeit und Geduld. Es gilt Rückschläge zu verkraften. Ein gutes Resultat wird oft erst nach mehreren Einsaaten verschiedener Begleitkräuter erreicht. Deshalb ist es wichtig, dass ich als Berater die Winzer über Jahre begleite.

Schätzen die Winzer die hohen Anforderungen und die intensive Beratung durch Delinat überhaupt?
Wir können unsere Anforderungen bei den Richtlinien nur so hoch schrauben, weil die Zusammenarbeit mit unseren Winzern auf einer langjährigen Partnerschaft beruht. Dass wir die Winzer seit Jahren mit unseren Beratungsbesuchen und Winzerseminaren begleiten, ist ein wichtiger Pfeiler. Daraus ergeben sich eine vertrauensvolle Partnerschaft und gute Freundschaften über ganz Europa hinweg.

Daniel Wyss, 1966 geboren, Landwirt und Landschaftsarchitekt FH, seit über 30 Jahren mit der biologischen Landwirtschaft beschäftigt: in praktischer Tätigkeit am Forschungsinstitut für biologischen Landbau, bei bio.inspecta und seit 2002 bei Delinat. Hier ist er zuständig für Richtlinienentwicklung und Winzerberatung in Spanien, Frankreich, Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Auf ein Glas mit… Judith Schönenberger

Bunte Farbtupfer reihen sich traubenförmig aneinander: Mit dieser Idee hat Judith Schönenberger aus Bern den Etikettenwettbewerb für die Delinat-Biodiversitätsweine 2015 gewonnen. Bei einem Glas Wein im Weindepot Bern gab sie Einblick in ihre Arbeit und ihre Beziehung zu Wein und Natur.

Judith Schönenberger
Ein gutes Glas Wein gehört für Judith Schönenberger zu ihrem Kulturverständnis.

Der weisse Biodiversitätswein von Albet i Noya mit Ihrer Etikette ist abgefüllt. Haben Sie ihn schon probiert?
Ja, ich habe den Weisswein probiert. Er schmeckt sehr gut, ich habe grosse Freude daran. Albet i Noya gehört zu meinen Lieblingswinzern.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, an diesem Gestaltungswettbewerb mitzumachen?
Im Moment bin ich beruflich stark als Dozentin für Bildnerisches Gestalten engagiert, ich unterrichte relativ viel. Dieser Wettbewerb war für mich eine gute Abwechslung zu meiner Unterrichtstätigkeit.

Was bedeutet für Sie Biodiversität?
Vielfalt innerhalb und zwischen den Arten. Für mich steht Biodiversität für ein buntes Nebeneinander, für Heterogenität, für Variation, Verspieltheit, Kreativität…

Hat Sie das Thema besonders angesprochen?
Mich hat vor allem das Thema «Weinetiketten entwerfen» angesprochen. Biodiversität hat dann ein Bild ausgelöst. Etwas schwierig war, dass ich nicht wusste, für welche Winzer und Weine die Etiketten gedacht sind. Ich habe mich für abstrahierte, farblich unterschiedene Traubenbeeren entschieden. Die kühleren Farbtöne passen zum Weisswein, die wärmeren zum Rotwein.

Persönlich

Judith Schönenberger, geboren 1977 in Zürich, lebt und arbeitet als Künstlerin, freischaffende Fotografin und Dozentin für Bildnerisches Gestalten und Fotografie in Bern. Ihre Arbeiten wurden schon mehrfach mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet und von der Stadt Bern angekauft. Auch waren ihre fotografischen Werke an zahlreichen Einzelmund Gruppenausstellungen im In- und Ausland zu sehen. Derzeit ist sie hauptberuflich als Gymnasiallehrerin für Bildnerisches Gestalten am Gymnasium Muristalden in Bern tätig. Als Ausgleich zur Unterrichtstätigkeit beschäftigt sie sich mit Auftrags- und freien Arbeiten.

www.judithschönenberger.ch

Wären Ihre Entwürfe anders herausgekommen, wenn Sie vorher gewusst hätten, dass der weisse Biodiversitätswein von Albet i Noya und der rote von Massimo Maggio stammt?
Ja, ich glaube schon. Ich wäre spezifischer auf die Winzer eingegangen und hätte mich vom Land und der Region anregen lassen, aus denen die Weine kommen.

Waren Sie überrascht, dass die Delinat-Kunden Ihre Entwürfe in einer Online-Abstimmung auf den ersten Rang gesetzt haben?
Ich konnte meine Chancen nicht richtig einschätzen. Einerseits spricht die Aquarelltechnik viele Leute an. Sie ist zugänglich, die vielen Farben und das Zusammenspiel gefallen. Andererseits habe ich gesehen, dass viele gute Konkurrenzentwürfe mit im Rennen sind. Da ich niemandem erzählt habe, dass ich mitmache, dachte ich, es sei schwierig, ohne «Heimvorteil» zu gewinnen. Umso grösser war die Freude, dass es trotzdem zum Sieg gereicht hat.

Biodiversitätsweine
Die siegreichen Etiketten für den Biodiversitätswein: abstrahierte Trauben in kühlen Farbtönen für den Weisswein und in warmen für den Rotwein.

Gab es im Nachhinein viele Reaktionen?
Jemand aus meinem Freundeskreis hat zufällig gesehen, dass ich gewonnen habe, und hat das auf Facebook gepostet. Danach erhielt ich sehr viele positive Rückmeldungen.

Und alle haben sich schon angemeldet, um mit Ihnen auf den Gewinn von 120 Flaschen Biodiversitätswein anzustossen…
Ja, vor allem meine Verwandtschaft. Diese freut sich schon auf das nächste Familienfest, weil ich allen eine Flasche versprochen habe. Und auch meine Schule werde ich mit einem Apéro überraschen.

Was ist Ihnen wichtig im Leben?
Ich liebe meinen Beruf. Ich liebe Gestaltung, Kunst und Kultur. Dazu gehört auch ein guter Wein. Alles geht ineinander über. Mir ist aber auch wichtig, dass man respektvoll umgeht mit der Natur, mit den Tieren und den Menschen, dass man nachhaltig arbeitet und konsumiert.

Trinken Sie ausschliesslich biologischen Wein?
Wenn ich eingeladen bin, trinke ich auch konventionelle Weine. Ich selber kaufe aus Überzeugung und aus Respekt vor der Natur aber nur biologische Weine. Das gilt auch für die Lebensmittel.

Persönlich

Ich liebe schwere, fruchtige Rotweine. Meine Favoriten sind Ribera del Duero, Amarone, die Weine von Albet i Noya und solche aus Südfrankreich. Der Roches d’Aric ist im Moment mein Lieblings-Delinatwein. Ich mag seinen beerigen, fruchtigen Geschmack und seinen kräftigen, komplexen Körper. Ganz besonders toll finde ich, dass er auf biodynamische Anbauweise erzeugt wird. Ich fände es toll, wenn Delinat noch mehr auf Demeter-Weine setzen würde.

Roches d’Aric
Corbières AOP 2011
Domaine Lignères
www.delinat.com/2338.11

Bei welchen Gelegenheiten trinken Sie Wein?
Meine Partnerin und ich haben eine Regelung, wonach wir erst ab Freitag Wein trinken dürfen. Am Sonntagabend öffnen wir jeweils extra noch eine Flasche, damit wir sie am Montag austrinken können. Und dann gibt es noch eine Ausnahme: Wenn es Pasta gibt, darf man trotzdem eine Flasche öffnen. Deshalb kochen wir von Dienstag bis Donnerstag oft Pasta … (lacht).

Gestaltung, Kunst und Kultur sind Ihre Welt. Gibt es noch ein Projekt, das Sie verwirklichen möchten?
Ich würde sehr gerne mal ein Kochbuch machen. Ich könnte mir das gut gemeinsam mit Delinat vorstellen. Ein Kochbuch mit feinen Gerichten und Delinat-Weinen, die dazu passen!

Josep Maria Albet i Noya und Massimo Maggio sind unsere Biodiversitätswinzer des Jahres 2015. Setzen Sie ein Zeichen für mehr Artenvielfalt im Weinberg und bestellen Sie unser spezielles Probierpaket zum Delinat-Tag der Biodiversität (22. Mai). Es enthält drei Flaschen Weisswein von Albet i Noya und drei Flaschen Rotwein von Maggio. Sie erhalten die Weine zum Sonderpreis von CHF 12.70 statt 13.50 / € 9.20 statt 9.90. ->Zum Angebot

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Anforderungen steigen

Die Delinat-Richtlinien basieren auf der langjährigen Erkenntnis, dass die besten und authentischen Weine in Rebbergen mit reicher Biodiversität entstehen. Die Richtlinien werden laufend den neusten Erkenntnissen angepasst. Auch 2015 steigen die Anforderungen an die Winzer wieder.

Die Richtlinien von Delinat für den biologischen Weinbau gehören zu den umfassendsten und strengsten in ganz Europa. Deshalb werden sie von unabhängigen Stellen wie WWF Schweiz und Stiftung für Konsumentenschutz von allen Schweizer Biolabels am höchsten bewertet. Doch selbst die besten Biorichtlinien lassen sich stets weiter verbessern. Delinat passt sie deshalb laufend den neusten Erkenntnissen an.

Noch mehr Vielfalt

Anforderungen steigen

Zu den wichtigsten Änderungen im Jahr 2015 gehört die Ausweitung der Begrünung in den Weinbergen. Dies erhöht die biologische Aktivität und die Fruchtbarkeit im Boden. Eine möglichst ganzjährige, vielfältige Bodenbedeckung mit Klee und anderen stickstoffbindenden Leguminosen führt dazu, dass die Reben keine zusätzliche Düngung brauchen und widerstandsfähiger gegen Schadorganismen werden. Um die Vielfalt weiter zu erhöhen und die Lebensbedingungen für Nützlinge zusätzlich zu verbessern, verlangen die Richtlinien ein noch grösseres Blütenangebot sowie mehr Bäume und Büsche im Weinberg.

Weniger Kupfer und Schwefel

Auch beim Pflanzenschutz baut Delinat seine Vorreiterrolle aus und senkt die zugelassenen Mengen von Kupfer und Schwefel. Je weniger dieser Stoffe in den Boden gelangen, desto besser entwickelt sich die biologische Aktivität des Ökosystems. Mit gutem Erfolg verwenden die Winzer bereits alternative Produkte wie Pflanzenextrakte und Backpulver.

Transparenz bei der Vinifikation

In der Weinbereitung toleriert Delinat schon lange keine Hilfsmittel mehr, die direkt von Tieren gewonnen werden (tierische Gelatine, Fischprodukte usw.). Zugelassen zur Klärung, Schönung und Stabilisierung von Weinen sind nur Hilfsstoffe aus tierischen Produkten wie Milch- und Hühnereiweiss. Für Veganer wurden diese Stoffe schon bisher deklariert. Neu gilt die Deklarationspflicht auch, wenn Horn- oder Knochenmehl als Düngemittel im Weinberg zum Einsatz kommt. Für Stallmist dagegen nicht.

Umfassende Ökologie

Bei der Betriebsführung werden von den Winzern Massnahmen zum Klimaschutz, zur Energieeffizienz und zur Ressourcenschonung verlangt. Dazu gehören die Produktion von erneuerbarer Energie, der Einsatz von grünem Strom, energiearme Kühlung, Wärmerückgewinnung, Reduktion und Wiederverwendung von Verpackungen, energiesparende Fahrzeuge und Maschinen sowie Bahn- anstelle von LKW-Transporten. Die Erfahrungen der Delinat-Winzer haben auch im letzten Jahr gezeigt, dass sich Biodiversität im Weinberg positiv auf Qualität und Erntemenge auswirkt. Weinreben in einem vielfältigen, intakten Ökosystem sind widerstandsfähiger und tragen gehaltvolle Trauben. Delinat beabsichtigt, diesen Effekt in einer wissenschaftlichen Studie zu belegen. Mit dem Ziel, weitere Winzer zu einer Umstellung auf das Delinat-System zu bewegen.

Zwei Winzer – eine Philosophie

Ihre Weingüter liegen 1200 Kilometer Luftlinie auseinander. Doch Josep Maria Albet i Noya im Hinterland von Barcelona und Massimo Maggio im sizilianischen Vittoria haben eine gemeinsame Philosophie: Sie unternehmen alles, damit ihre Weinberge in bunter Vielfalt blühen. Sie sind unsere Biodiversitätswinzer des Jahres 2015.

Albet i Noya
Josep Maria Albet i Noya legt grossen Wert auf die Erhaltung von Trockensteinmauern.

Die Artenvielfalt auf unserem Planeten nimmt Tag für Tag weiter ab. Daran erinnert seit dem Jahr 2000 der Internationale Tag der biologischen Vielfalt, der jeweils am 22. Mai begangen wird. Um diesem Tag mehr Beachtung zu verschaffen, lancierte Delinat im Frühling 2014 einen Kundenwettbewerb. Gefragt waren Vorschläge, wie Delinat den Tag der Biodiversität wirkungsvoll feiern soll. Die zündende kam von Fritz Aebi aus Lützelflüh im Emmental: «Küren Sie jedes Jahr die besten Winzer, die am meisten für Biodiversität unternommen haben.» Voilà, hier sind sie – die ersten Delinat-Biodiversitätswinzer des Jahres. Die Wahl für 2015 fiel auf zwei langjährige Partnerwinzer, die in der Vergangenheit nicht nur enorm viel zugunsten einer grossen Vielfalt in ihren Rebbergen unternommen haben, sondern mit ihren Weinen auch durchwegs überzeugen: Josep Maria Albet i Noya aus dem spanischen Penedès und Massimo Maggio von der italienischen Sonneninsel Sizilien. Im Gespräch geben sie Einblick in ihre Weinbau-Philosophie.

Weshalb ist Ihnen Biodiversität im Weinberg wichtig?
Josep Maria Albet i Noya: Weil wir festgestellt haben, dass die Biodiversität für ein ökologisches Gleichgewicht sorgt. Monokulturen bewirken gerade das Gegenteil. Ein Beispiel: Früher hatten wir grosse Probleme beim Chardonnay. Dieser wurde regelmässig von Blattkäfern befallen. Dieses Problem haben wir nicht mehr.
Massimo Maggio: Biodiversität ist lebendige Natur. Sie ist nicht nur im und auf dem Boden wichtig, wo sie dafür sorgt, dass sich die Reben besser entwickeln und weniger krankheitsanfällig sind. Vielfalt gilt es auch bei den Reben selber aufrechtzuerhalten. Im Weinberg sollten möglichst viele unterschiedliche Klone vorhanden sein.

Massimo Maggio
Massimo Maggios Weinberge zeichnen sich durch schöne Bestände alter Fruchtbäume aus.

Wodurch unterscheiden sich Ihre Rebberge von andern?
Albet: Wir passen unsere Begrünungsstrategie von Jahr zu Jahr an, je nach Wetterverhältnissen und Nährstoffverfügbarkeit im Boden. Wir ergänzen die Spontanbegrünung gezielt mit Leguminosen und Blühpflanzen, tief und weniger tiefwurzelnden Pflanzen. Auf diese Weise entsteht eine vielfältige Begrünung fast das ganze Jahr über.
Maggio: Wir haben verschiedene Reben, die fast 50 Jahre alt sind. Sie sind unser Kapital für eine reiche Biodiversität. Neben der Rebenvielfalt zeichnen sich unsere Weinberge durch Obstbäume alter Sorten und durch aromatische Pflanzen- und Kräutergärten aus, die Schmetterlinge und Bienen anlocken.

Welche Vor- und Nachteile bringt eine grosse Artenvielfalt im Rebberg für den Winzer mit sich?
Albet: Ein biodiverser Weinberg verlangt viel Aufmerksamkeit, bietet im Gegenzug aber durch eine intensive Auseinandersetzung mit der Natur schöne Erfolgserlebnisse. So sind zum Beispiel unsere Versuche mit den Fledermäusen äusserst positiv ausgefallen. Sie halten tatsächlich die Schädlinge in Schach. Dies führt zu gesunden und auch resistenteren Reben. Was noch bleibt, ist die Herausforderung, die Fledermäuse permanent und ganzflächig anzusiedeln. Sobald nicht genügend Futter vorhanden ist, wechseln sie ihr Revier.
Maggio: Der Vorteil der Biodiversität liegt auf der Hand: Sie macht den Rebberg zu einem funktionierenden Ökosystem. Nachteile gibt es höchstens am Anfang, wenn es gilt, Massnahmen für mehr Biodiversität zu ergreifen. Diese verursachen Mehrarbeit, verlangen Geduld, denn es braucht Zeit, bis eine beeinträchtigte Natur ihr Gleichgewicht wiedergefunden hat.

Wo sehen Sie noch Verbesserungspotenzial?
Albet: Es gibt noch viele Möglichkeiten. Eines unserer längerfristigen Projekte sind die Restaurierung und die Errichtung von Trockensteinmauern. Ausserdem beteiligen wir uns am Projekt Biodivine, das alleine in diesem Jahr die Pflanzung von 200 Büschen und Bäumen vorsieht.
Maggio: Ich träume von einem Rebberg, in dem alle Rebsorten vorkommen, die ursprünglich in Sizilien angebaut wurden. Auch zusätzliche Gemüse- und Kräutergärten innerhalb unserer Rebparzellen sind ein erklärtes Ziel.

Josep Maria Albet i Noya und Massimo Maggio sind unsere Biodiversitätswinzer des Jahres 2015. Setzen Sie ein Zeichen für mehr Artenvielfalt im Weinberg und bestellen Sie unser spezielles Probierpaket zum Delinat-Tag der Biodiversität (22. Mai). Es enthält drei Flaschen Weisswein von Albet i Noya und drei Flaschen Rotwein von Maggio. Sie erhalten die Weine zum Sonderpreis von CHF 12.70 statt 13.50 / € 9.20 statt 9.90. ->Zum Angebot

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Vielfalt statt Einfalt

Als Delinat vor fünf Jahren die zweite Biorevolution ausrief, stiess dies selbst in der Biobranche auf Unverständnis. Seither hat sich viel geändert. Inzwischen wachsen von Sizilien bis an die Mosel Tausende neuer Bäume, Obststauden und Hecken in den Rebbergen. Wildblumen locken Schmetterlinge, Vögel nisten, Aromakräuter duften, Echsen sonnen sich auf Steinhaufen. Neues Leben ist eingekehrt, Rebberge sind zu Weingärten geworden.

illustration-biodiversität

Delinat ist damit zum bewunderten Vorreiter im europäischen Weinbau geworden. Während in den Einöden der konventionellen Weingüter die Aromenqualität der Trauben abnimmt und zugleich die Krankheitsanfälligkeit der Reben nach stets neuen Pestiziden ruft, schauen die Winzer renommierter Weinlagen nach Orientierung zu den Delinat-Winzern auf. Langsam tritt ins Bewusstsein, dass Terroir eben nicht eine magische Mischung aus Staub und Stein ist, sondern der lebende Zusammenhang von Pflanzen, Wurzeln, Insekten, Würmern und Milliarden Mikroorganismen, die untereinander in engem funktionellem Zusammenhang stehen.

Artenvielfalt im WeinbergDie Rebe ist keine Maschine, die chemische Dünger in lieblichen Wein verwandelt, sondern ein lebender Organismus, dessen Gesundheit und Kraft davon abhängen, dass im und auf dem Boden eine lebende Vielfalt herrscht, die verhindert, dass irgendein Schädling, seien es Traubenwickler, Mehltaupilze oder Wurzelnematoden, zur alles gefährdenden Plage wird. Während Monokulturen quasi Zuchtanstalten für Schädlinge sind, da alle natürlichen Feinde ausgerottet werden und die eingesetzten Pestizide eine Zuchtwahl der Stärksten begünstigen, stellen ausgewogene Ökosysteme den stabilsten natürlichen Zustand dar. Hier herrscht nicht nur ein Gleichgewicht zwischen Nützlingen und Schädlingen, sondern Schädlinge werden sogar zum Nützling von Nützlingen und tragen damit ihrerseits zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit des gesamten Systems bei.

Im Idealfall würde ein Weinberg wohl gar kein Weinberg sein, sondern ein Garten mit Reben. Doch auch in der Landwirtschaft sind Ideale vor allem ein fruchtbarer Anstoss zum Hinterfragen und Überdenken von Prinzipien, an die man sich schon so lang gewöhnt hat, dass man sie für unantastbar hält. Ein Garten mit Reben ist natürlich herrlich zum Naschen und für Hochglanzprospekte, aber leider völlig ungeeignet, um Trauben für einen bezahlbaren Wein herzustellen. Die Ökologie ist Teil eines ökonomischen Systems und umgekehrt. Die Optimierung des einen darf also nicht zur Schwächung des anderen führen. Diesen ursprünglichen Zusammenhang von ökologischer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit hat Delinat von Beginn an verinnerlicht, und genau das war auch der Garant für das Vertrauen der Winzer, die gemeinsam mit Delinat diesen Weg beschritten haben und nun als Vorbilder für den europäischen Weinbau gelten.

Biologische Hotspots

MarienkäferBei Delinat rückte die Biodiversität bereits mit den ersten Richtlinien 1983 in den Vordergrund und war für die meisten Delinat-Winzer schon immer eine Herzensangelegenheit. Trotzdem war im Frühjahr 2009, als wir unseren Winzern die Pläne zur noch viel intensiveren Förderung der Biodiversität unterbreiteten, die Reaktion zunächst zwiespältig. Zum einen waren die Winzer natürlich begeistert von der Vorstellung blühender Weinberge im ökologischen Gleichgewicht. Zum anderen waren sie aber auch skeptisch, was den erhöhten Arbeitsaufwand und die Risiken für den Wasserstress und die Produktivität der Reben betraf. Zum Schlüsselerlebnis sowohl für die Winzer als auch für Delinat wurde hier die Anlage von biologischen Hotspots inmitten der Reben.

Im Seminar erklärten wir zunächst, wie bedeutsam für das Klima des gesamten Weinbergs solche Inseln der Biodiversität sind, wo Aromakräuter und Wildblumen blühen, Steinhaufen als Habitat für Eidechsen aufgeschichtet sind, ein Wildbienenhotel steht, Beerensträucher und ein Obstbaum die vertikale Diversität aufbessern. Gerade ein solcher Baum inmitten einer niederwüchsigen und kaum strukturierten Kulturfläche hat sowohl für Vögel als auch Insekten und andere Tiergruppen eine enorm hohe Anziehungskraft und fördert dauerhaft die Wiederbesiedlung des ökologischen Lebensraums. Biologische Hotspots fungieren wie ein Brückenkopf, der die Verbindung zum natürlichen Habitat rund um die Weinberge wiederherstellt und damit die Ausbreitung einer grossen biologischen Vielfalt im Weinberg fördert. Die Winzer hörten zweifelnd zu und überlegten, wie so etwas denn funktionieren soll, wenn Traktoren zur Bodenbearbeitung oder zum Spritzen durch die Reihen fahren. Nach der Theorie gingen wir hinaus in den Weinberg von Château Duvivier und legten gemeinsam mit den Winzern genau einen solchen Hotspot an. Als wir zeigen konnten, wie sich der Hotspot mit dem geschickten Anlegen von Fahrspuren und der Integration eines Fahrspurwechsels problemlos umfahren lässt, ohne die Mechanisierung der Weinbergsarbeit zu beeinträchtigen, hellten sich die skeptischen Mienen auf. Ein Lächeln trat auf die Lippen der Winzer: Das funktioniert! Und das, genau das ist das Entscheidende, es muss funktionieren, und nicht nur auf dem Papier.

GänseblümchenHeute finden sich auf jedem Delinat-zertifizierten Weingut Dutzende solcher biologischen Hotspots. Die Winzer haben sich nicht nur daran gewöhnt, sondern sie können sich ihre Weinberge gar nicht mehr anders vorstellen. Stolz zeigt der Winzer sie seinen Besuchern und freut sich, wenn sein Auge über die Weinberge schweift und die Bäume das Auge fesseln. Der Schlüssel zum Erfolg der zweiten Biorevolution war die praktische Umsetzung jeder einzelnen Massnahme. Es war keine Bürorevolution, sondern eine, die in enger Partnerschaft mit den Winzern und der Forschung unmittelbar auf dem Feld entwickelt und genau dort auch stets verbessert wurde. Wir haben keine Biologen angestellt, die Wildblumenarten nach einer Biodiversitätsklassifizierung zählen und von Computern in schicke Diagramme übersetzen lassen, sondern wissenschaftliche Praktiker und praktische Wissenschaftler engagiert, um mit den Winzern die Praxis zu verändern.

Das Bodenleben als Grundlage

Die Rebe herrscht über die Mikroorganismen in ihrer Wurzelsphäre wie über einen Kleinstaat. Damit sich dieser Kleinstaat jedoch herausbilden kann, müssen im gesamten Bodensystem die Voraussetzungen für einen stabilen Nährstoffzyklus gegeben sein. Regenwürmer, Arthropoden, Bakterien und Pilze brauchen zu ihrer Ernährung einen stetigen Nachschub an organischer Materie (Blätter, Halme, Zweige, Äste, Wurzeln, Knochen, Exkremente, Exsudate), die sie zersetzen, speichern und im Boden verteilen. Wo diese Nahrungsgrundlage fehlt, weil der Boden blank gespritzt, gepflügt, gebürstet, verdichtet und/oder abgewaschen ist, beginnt der Motor des Bodenlebens zu stottern.

Blumen im Weinberg

Um die Bodenaktivität zu fördern, braucht es eine Vielfalt an verschiedenen Pflanzen, deren unterschiedliche Inhaltsstoffe und Lebenszyklen den Boden das ganze Jahr über mit Nährstoffen versorgen und stimulieren. Aus diesem Grund sind neben der Hauptkulturpflanze (Rebe) zahlreiche Begleitpflanzen nötig, die nicht nur den Boden bedecken und oberflächlich schützen, sondern zahlreiche weitere Funktionen wie Humusaufbau, Bodendurchlüftung, Erosionsschutz und Abbau von Toxinen übernehmen.

Die artenvielfältige Begrünung

Entsprechend diesen Kriterien wurden 2009 im Auftrag von Delinat verschiedene Saatmischungen je nach Bodentyp und Klima entwickelt. Für jede Klimaregion sind die Saatmischungen aus je 40 bis 50 verschiedenen Pflanzenarten zusammengesetzt. Neben zahlreichen Nektarblütenpflanzen, die zum einen Schmetterlinge, Bienen, Käfer und andere Insekten anziehen, zum anderen aber auch die Bodenvielfalt durch sekundäre Pflanzenstoffe bereichern, besteht der Hauptanteil der Mischungen aus Leguminosen verschiedener Wurzeltiefe und Wuchskraft. Dank des hohen Anteils an Leguminosen fördert die Begrünung nicht nur die Biodiversität, sondern versorgt zudem die Reben mit natürlichem Stickstoff, wodurch Düngemittel eingespart werden.

Weitere Massnahmen zur Biodiversifizierung

EidechseAuch bei der verpflichtenden Einführung der Begrünung galt es, viel Flexibilität und Geschick zu zeigen. Zu viel Begrünung droht den Reben insbesondere Wasser und manchmal auch Nährstoffe streitig zu machen. Jeder Biowinzer kennt die Anzeichen, wenn eine Rebe wegen falscher oder zu üppiger Begrünung zu leiden beginnt. Mit Blühstreifen, alternierenden Begrünungen, Wintereinsaaten und neuen Bodenbearbeitungsmaschinen hat das Delinat-Beraterteam für jeden Winzer individuelle Lösungen geschaffen, sodass es heute von Sizilien und Andalusien bis an die Mosel keinen Delinat-Weinberg mehr ohne Begrünungssystem gibt.

Neben der Pflege artenvielfältiger Begrünung zwischen den Reben und der Anlage von biologischen Hotspots umfasst die Delinat-Charta für Biodiversität im Weinberg noch weitere Massnahmen wie die Anpflanzung von Sträuchern an den Zeilenenden, die Pflanzung von Hecken als Zwischenlinie in den Reben, die Anlage von Teichen, Brutkästen für Fledermäuse, Sitzstangen für Greifvögel und eine Vielzahl weiterer innovativer Elemente.

Wie kommt Biodiversität im Wein zum Ausdruck?

Schmetterling

Einen wissenschaftlichen Beweis, dass Reben, die in hoher Biodiversität heranwachsen, eine spürbar höhere Weinqualität ergeben, gibt es bisher nicht. Biodiversität kann man nicht kleinparzelliert einmal hoch und gleich daneben niedrig halten, um den Einfluss auf den Wein zu untersuchen. Schliesslich handelt es sich bei der zweiten Biorevolution um die Reorganisation des gesamten Ökosystems Weinberg. Allein schon ein Baum beeinflusst die Biodiversität im Umkreis von über 500 Metern und ein Blühstreifen die Hefepopulation vieler Zeilen. Ich bin der Überzeugung, dass die Delinat- Weine in den letzten fünf Jahren noch besser geworden sind, und die Weine jener Güter, die die höchsten Anforderungen an die Biodiversität erfüllen, die Aushängeschilder sind. Aber es könnte ja auch sein, dass die Winzer, die sich für hohe Biodiversität in ihren Weingärten entscheiden, einfach sensibler und näher an der Seele ihrer Weine sind und so stärker den Charakter und die Nuancen ihrer Weine formen. Für die Natur und damit uns alle hat es sich auf jeden Fall gelohnt.

Josep Maria Albet i Noya und Massimo Maggio sind unsere Biodiversitätswinzer des Jahres 2015. Setzen Sie ein Zeichen für mehr Artenvielfalt im Weinberg und bestellen Sie unser spezielles Probierpaket zum Delinat-Tag der Biodiversität (22. Mai). Es enthält drei Flaschen Weisswein von Albet i Noya und drei Flaschen Rotwein von Maggio. Sie erhalten die Weine zum Sonderpreis von CHF 12.70 statt 13.50 / € 9.20 statt 9.90. ->Zum Angebot

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Wir setzen ein Zeichen!

Anfang März hat die Europäische Umweltagentur (EUA) ihren neusten Bericht «Die Umwelt in Europa: Zustand und Ausblick 2015» veröffentlicht. Die Quintessenz zum Thema Biodiversität: «Europa befindet sich in Bezug auf das Ziel, den Biodiversitätsverlust bis 2020 aufzuhalten, nicht auf Kurs. Die biologische Vielfalt nimmt immer weiter ab.»

Tag der Biodiversität

Der Verlust der biologischen Vielfalt gehört also nach wie vor zu den wesentlichen Bedrohungen für unsere Umwelt. Hauptursache für die ökologischen Probleme sind die heutigen Produktions- und Konsumsysteme. Diese gilt es grundlegend zu verändern, um die Herausforderungen zu bewältigen.

Seit Jahrzehnten kämpft Delinat europaweit für einen Weinbau mit grosser Biodiversität. Mit beachtlichem Erfolg: Viele Rebberge von Delinat-Winzern gleichen heute dank artenreicher Begrünung, ökologischen Ausgleichsflächen, Hecken, Frucht- und Olivenbäumen eigentlichen Naturparadiesen. Doch leider sind solch vielfältige Weingärten nicht die Regel. Auch der aktuelle Bio-Boom reduziert die öde und schädliche Monokultur nicht. Gleichwohl wird sie von der EU weiterhin gefördert. Das ist skandalös.

Deshalb setzen wir zusammen mit unseren Winzern und Ihnen, liebe Kundinnen und Kunden, ein zusätzliches, starkes Zeichen für mehr Biodiversität. Der Internationale Tag der biologischen Vielfalt vom 22. Mai ist dafür wie geschaffen. Wir machen ihn mit Ihrer Hilfe zum Delinat-Tag der Biodiversität! Am 22. Mai 2015 werden überall im deutschsprachigen Raum Biodiversitätsfeste gefeiert, mit Weinen, die unsere beiden «Biodiversitätswinzer des Jahres», Josep Maria Albet i Noya und Massimo Maggio, speziell für diesen Anlass gekeltert haben. Machen Sie mit! Organisieren Sie eine Feier zum Tag der Biodiversität. Stossen Sie mit Ihren Freunden um Punkt 18 Uhr an – gemeinsam mit einigen Tausend Gleichgesinnten in ganz Europa. Setzen wir ein starkes Zeichen!

Alles Weitere zum Delinat-Tag der Biodiversität erfahren Sie unter www.tag-der-biodiversität.com.

Josep Maria Albet i Noya und Massimo Maggio sind unsere Biodiversitätswinzer des Jahres 2015. Setzen Sie ein Zeichen für mehr Artenvielfalt im Weinberg und bestellen Sie unser spezielles Probierpaket zum Delinat-Tag der Biodiversität (22. Mai). Es enthält drei Flaschen Weisswein von Albet i Noya und drei Flaschen Rotwein von Maggio. Sie erhalten die Weine zum Sonderpreis von CHF 12.70 statt 13.50 / € 9.20 statt 9.90. ->Zum Angebot

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Vielfalt weit über den Weinberg hinaus

Die Delinat-Richtlinien verlangen eine gezielte Förderung der Biodiversität. Partnerweingüter in ganz Europa haben sich eine möglichst grosse Artenvielfalt in ihren Rebbergen zum Ziel gesetzt. In loser Folge stellen wir Betriebe mit ausserordentlicher Biodiversität vor. Diesmal das Weingut Meinklang von Angela und Werner Michlits im Burgenland (Österreich).

Solche Pflanzeninseln mit Königskerzen, Wicken, Minzen, wilden Möhren und vielen anderen Pflanzen sorgen für eine bunte Vielfalt in den Meinklang-Weingärten.
Solche Pflanzeninseln mit Königskerzen, Wicken, Minzen, wilden Möhren und vielen anderen Pflanzen sorgen für eine bunte Vielfalt in den Meinklang-Weingärten.

Angela und Werner MichlitsBurgenland, hart an der Grenze zu Ungarn: Hier erstrecken sich die ausgedehnten Rebgärten des Weinguts Meinklang in der flachen Ebene des Seewinkels. Geprägt wird diese Landschaft zwischen dem Neusiedlersee und dem Hanság, einem Feuchtgebiet mit vielen seltenen Vogelarten, von einem grosszügigen Nationalpark und über 40 Salzlaken – salzhaltige Gewässer, die im Wechsel der Jahreszeiten zwischen 70 Zentimeter Tiefe und völliger Austrocknung variieren.

In der Vergangenheit sind viele Bäume und Hecken verschwunden, und so wirkt die flache Landschaft optisch etwas ausgeräumt und monoton. Bäume und Sträucher sind in dieser steppenartigen Landschaft aber wichtige Strukturelemente, die Insekten und anderen Tieren wertvolle Lebensräume bieten. Das Winzerpaar Angela und Werner Michlits unternimmt viel, um die Artenvielfalt zu fördern. Insgesamt wurden in den letzten drei Jahren 400 Bäume und 1000 Sträucher angepflanzt. Ein grosser Teil davon in Pflanzeninseln, die als ökologische Hotspots mitten in grossflächigen Weinbergen für Abwechslung sorgen.

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Ein Pfirsichbaum, den Werner Michlits mitten in den Weinberg gepflanzt hat.

Leider mussten immer wieder Rückschläge hingenommen werden. Wegen des kargen Bodens und extremer Sommerhitze ging ein Grossteil der Bäume und Sträucher ein, bevor sie richtig angewachsen waren. Die ökologischen Hotspots entwickeln sich so nur ganz langsam und werten die Biodiversität erst langfristig richtig auf.

Vorbildlicher Mischbetrieb

Neben Reben spielen Tiere eine wichtige Rolle auf dem Hof: Lukas Michlits mit Aubrac-Rindern
Neben Reben spielen Tiere eine wichtige Rolle auf dem Hof: Lukas Michlits mit
Aubrac-Rindern

Was bei Meinklang aber besonders wertvoll ist, ist die enorme Vielfalt am Hof. Es handelt sich um einen gemischtwirtschaftlichen Demeter-Hof, der durchwegs nach biodynamischen Kriterien geführt wird. Neben dem Weinbau sorgen Ackerbau, Obstbau und Tierhaltung (Angus und Aubrac-Rinder, Mangalizza-Schweine, Schafe, Hühner, Bienen) für einen geschlossenen Kreislauf, aus dem sich die Grossfamilie, in der heute drei Generationen zusammenleben, selber versorgen kann. Alle biodynamischen Präparate werden selber hergestellt. Gleiches gilt für den Kompost aus Rindermist, der im Wein-, Getreide- und Obstbau zum Einsatz kommt.

Aus dem Mist der Rinder wird Kompost, der im Wein- und im Getreidebau zum Einsatz kommt.
Aus dem Mist der Rinder wird Kompost, der im Wein- und im Getreidebau zum Einsatz kommt.

Die Familie Michlits engagiert sich auch stark für die Waldorfschule in ihrem Wohnort Pamhagen. Sie stellte als Schulraum ein Hofgebäude, eine Scheune und den Garten zur Verfügung. Kinder aus Österreich und Ungarn werden in dieser Schule schon früh mit einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und einer gesunden Ernährung vertraut gemacht. Alles in allem: Biodiversität, die weit über die Weinberge hinausgeht.

Unverfälschte Heurigenkultur

Österreichs Heurigenkultur lebt – treibt aber da und dort seltsame Blüten. Gerade in der Hochburg Wien entpuppen sich viele dieser Buschenschenken als Touristenfallen. Einer der schönsten und authentischsten Heurigen steht in der Wachau – bei der Winzerfamilie Harm.

Kaiser Joseph II. erlaubt 1784 den Weinbauern, Lebensmittel und Wein aus eigener Erzeugung zu verkaufen. Damit war die Grundlage für die Heurigenkultur geschaffen. Sie hat sich bis heute in den Bundesländern Wien, Niederösterreich, Burgenland, Kärnten und Steiermark gehalten und erfreut sich bei Einheimischen wie Touristen grosser Beliebtheit.

Bach-Sonaten satt Schrammelmusik: Johanna Harm ist schon mit zehn Jahren eine kleine Geigenvirtuosin. Hans Wüst
Bach-Sonaten satt Schrammelmusik: Johanna Harm ist schon mit zehn Jahren eine kleine Geigenvirtuosin.

Achtung Touristenfalle

Es sind hofeigene Weine und hausgemachte, kalte Speisespezialitäten, in geselliger Stimmung und in Begleitung von Schrammelmusik in einem gemütlichen Lokal genossen, die die echte Heurigenstimmung ausmachen. Mancherorts, gerade an touristisch stark frequentierten Orten, wird diese oft nur vorgegaukelt. «Viele Heurigenbetreiber machen es sich heute einfach und servieren einfach zugekaufte Massenware. Manchmal stammt nicht einmal der Wein vom eignen Betrieb», weiss David Harm. Er führt im kleinen Ort Krustetten in der Wachau zusammen mit seiner Frau Kathi und seiner Mutter Walpurga die Weinschwärmerei Harm und den dazugehörigen Heurigen. Seine Weine aus den Sorten Grüner Veltliner, Riesling, Weissburgunder und Zweigelt setzt er zu einem grossen Teil über seine Buschenschenke ab.

Ein Heuriger der besonderen Art

Essen im Heurigen
Edel hergerichtete kalte Speisen aus biologischen Produkten sind neben feinen Weinen vom Hof das Markenzeichen im Heurigen der Familie Harm.

Nicht nur optisch gehört der Heurige der Familie Harm mit dem gemütlichen Lokal und dem phantastischen Innenhof unter freiem Himmel zu den schönsten von ganz Österreich. Hier wird auch die ganze Heurigentradition unverfälscht hochgehalten. «Wir ernähren uns selber nur von biologischen Lebensmitteln. Was wir nicht selber produzieren, beziehen wir ausschliesslich von Biobetrieben aus der näheren und weiteren Region», erklärt Kathi, die zusammen mit Schwiegermutter Walpurga alle Gerichte mit viel Liebe zubereitet. «Der Harm-Heurige ist einer der wenigen authentischen, die es noch gibt», bestätigt Robert Paget, der in der Nähe einen Biobauernhof und eine Käserei für Büffel- und Ziegenkäsespezialitäten führt und bei Harms einkehrt, wenn ihm nach Heurigenstimmung zumute ist.

Die magischen Klänge der Johanna Harm

Wir erleben diese spezielle Stimmung an einem kühlen Augustabend in Begleitung von Andreas Harm, dem Bruder von David. Mit dabei ist auch Andreas zehnjährige Tochter Johanna. Auf sie wartet ein ganz besonderer Auftritt. Die kleine Virtuosin verzaubert mit gefühlvoll gespielten Bach-Sonaten auf ihrer Geige nicht nur uns, sondern gleich sämtliche Gäste im ausgebuchten Lokal. Niemand vermisst die in solchen Lokalen oft gespielte Schrammelmusik. Es ist Johannas erster Auftritt im familieneigenen Heurigen vor Publikum. Weitere dürften folgen, ehe sie vielleicht auf der ganz grossen Bühne landet. Denn die Intentionen der ältesten Tochter von Andreas und Maria sind klar: «Ich will Geigenspielerin werden.» Ein Vorbild, dem sie mit fast täglichem Üben nacheifert, hat sie auch schon: Anne-Sophie Mutter.

Ausg’steckt

Weinschwärmerei Harm

Der Heurige der Familie Harm ist in der warmen Jahreszeit während zehn Tagen im Monat ab 16 Uhr geöffnet (jeweils Donnerstag bis Sonntag). Wie bei allen echten Heurigen üblich, zeigen ein Buschen aus Tannenreisig und eine Tafel mit der Aufschrift «Ausg’steckt» an, dass die Buschenschenke geöffnet ist.

Im Lokal der Harms haben 60 Personen Platz, bei schönem und warmem Wetter stehen im Innenhof unter freiem Himmel weitere 120 Plätze zur Verfügung.

Bienenparadies Amalfiküste

Wenn im milden Klima der spektakulären Amalfiküste die Zitronenbäume blühen, summen bei Angela Ronca die Bienen. Sie sammeln mitunter aromatischen Nektar für einen zartduftenden Zitronenblütenhonig. Eine Neuheit bei Delinat!

Zitronenblüten
Die Zitronenblüten ergeben einen zartduftenden Honig.

Das Leben eines Bienenzüchters ist kein einfaches: Nach der mageren Honigernte 2013 war das Wetterglück Bienen und Imkern in weiten Teilen Europas auch 2014 nicht hold. Doch dadurch lässt sich eine geerdete Naturfreundin wie Angela Ronca nicht verdriessen. Auch bei ihr ist die jüngste Honigernte alles andere als üppig ausgefallen. Doch ein Leben ohne ihre 300 Bienenvölker kann sie sich im wilden Hinterland der berühmten Amalfiküste gar nicht mehr vorstellen: «Die Arbeit mit den Bienen bereitet uns viel Freude, fordert uns aber auch täglich heraus. Bienen sind anspruchsvoll, das Wissen um die besten Weideplätze ist für sie von unschätzbarem Wert», weiss die Bioimkerin. Dieses Wissen hat sie sich beharrlich während 30 Jahren erarbeitet. Angefangen hat alles damit, dass sie aus Freude an den Bienen und im Bewusstsein um ihren hohen Nutzen für die Natur einem alten Imker vier Bienenbeuten abgekauft hatte. «Damals hielten wir auch Geflügel, Rinder und Kaninchen. Doch fiel es uns zunehmend schwerer, die Tiere zum Metzger zu bringen», erzählt Angela Ronca. So kam es, dass sie sich bald nur noch um Bienenzucht kümmerte und die Bioimkerei La Bottega delle Api aufbaute.

Bienenparadies Amalfiküste

AmalfiküsteDie reichhaltige mediterrane Flora in den Milchbergen (Monti Lattari) Kampaniens, in nahen Gebieten der Amalfiküste und der angrenzenden Region Basilikata bietet paradiesische Bedingungen für Bienen. Angela Ronca sorgt mit optimaler Standortwahl der Bienenstöcke dafür, dass die fleissigen Nektarsammler hier ihre Futterplätze finden. «Bei uns sagen die Leute: Je besser es den Bienen geht, umso besser geht es den Imkern. In diesem Bewusstsein lassen wir den Bienen immer auch ausreichend eigenen Honig, damit sie die strengen Wintermonate gesund überstehen», erklärt Angela Ronca.

Erstmalig: Zitronenhonig

Für Delinat hat sie nun erstmals drei köstliche Honige reserviert: einen aromatischen Tausendblütenhonig mit dem kräftigen Geschmack von Klee, Disteln, Thymian und vielen andern Pflanzen, einen zartduftenden Zitronenhonig von der Amalfiküste sowie einen wohlschmeckenden Süsskleehonig aus der Basilikata. Die Honige von Angela Ronca ergänzen das bisherige Honigsortiment. Dank guten und langjährigen Beziehungen zu allen Imkern kann praktisch die ganze Angebotsvielfalt aus Bulgarien, Italien und Spanien trotz mickrigen Ernten aufrechterhalten werden.

Interessante Links:
Alle Delinat-Honigsorten finden Sie unter: www.delinat.com/honig.
Im Artikel «Die Hoffnungen ruhen auf den Bio-Imkern» beschreibt Bio-Imker Dr. Marc-Wilhelm Kohfink anschaulich die Probleme der Imkerei.