Der Klimawandel und die Weinlese 2020

In weiten Teilen Europas ist die Weinlese in vollem Gange. Nicht überall wirkt sich der Klimawandel gleich aus. Während in südlichen Region höhere Temperaturen zu deutlich früherem Erntebeginn führten, ist dies in nördlichen Regionen diesmal weniger der Fall. Wetterextreme wie Dürre oder Starkregen hielten sich 2020 bisher fast überall in Grenzen. Allgemein können Delinat-Winzer eine gute Traubenqualität bei eher unterdurchschnittlicher Menge einfahren.

Weinlese 2020

Spanien

Bei den Winzern in Spanien dominiert dieses Jahr ein Thema: Wasser und die damit verbundenen Folgen. «Im Norden haben regelmässige Niederschläge und erhöhte Temperaturen zu einem noch nie dagewesenen Krankheitsdruck geführt», sagt Raúl Ripa von der Bodega Quaderna Via in der Navarra.

Katalonien ist besonders stark vom Falschen Mehltau betroffen. Auf der Bodega Albet i Noya rechnet man mit Ernteausfällen zwischen 20 und 40 Prozent.

Gute Ernte auf dem Weingut Pago Casa Gran
Dank langjährigen Investitionen ins Wassermanagment konnten die Reben auf dem Weingut Pago Casa Gran auch während längeren Trockperioden auf genügend Wasserreserven zugreifen.

Carlos Laso vom Weingut Pago Casa Gran in Valencia war letztes Jahr stark von Wetterextremen (Frost, Starkregen, Dürre) betroffen. Damals zeigte sich, wie wichtig es in trockenen Gebieten ist, Wasser zurückhalten zu können, wenn es in grossen Mengen vom Himmel fällt. Durch umfassende Permakulturmassnahmen gelingt es Carlos heute, den Reben auch in grossen Trockenperioden jederzeit genügend Wasser zuzuführen, so dass eine optimale Traubenreife möglich ist. Heuer blieb er von Wetterxtremen mehr oder weniger verschont und kann zu einem normalen Zeitpunkt ernten. In südlichen Regionen Spaniens wurde heuer dagegen rund zehn Tage früher als üblich mit der Lese begonnen.

Frankreich

Weinlese auf der Domaine Lignères
Auf der Domaine Lignères ist die Ernte bereits in vollem Gange.

Das ist auch bei Jean und Anne Lignères in den Corbières (Südfrankreich) der Fall. Hier wird seit dem 24. August von Hand gelesen. Damit sind sie gegenüber anderen Winzer der Region um rund zehn Tage im Vorsprung. «Wir wollen frisches Traubengut mit weniger Alkohol ernten», begründet Jean Lignères. Weil die Trauben dank Biodynamik und anhaltender warmen Temperaturen ohne Wetterextreme schon früh optimal gereift sind, fällt die Ernte diesmal früher aus.

Italien

Gute Traubenqualität in Süditalien
Gute Traubenqualität trotz früher Ernte auf der Masseria Falvo.

Rund zehn Tage früherer Erntebeginn und eine gute Traubenqualität melden auch unsere Winzer aus Süditalien. «Wir begannen mit der Ernte nach Mitte August, sind also sehr früh dran, aber die Qualität stimmt», sagt Ermanno Falvo von der Masseria Falvo in Kalabrien. Die frühe Ernte ist auf drohenden Trockenstress zurückzuführen, der laut Ermanno klimabedingt ist. «Wir denken deshalb darüber nach, in Notbewässerungssysteme und in die Rodung und Neubepflanzung von Weinbergen mit dürreresistenteren Reben zu investieren.»

Noch weiter südlich, auf Sizilien, begann die Ernte auf dem Weingut Maggio bereits am 10. August, was laut Massimo Maggio aber nicht aussergewöhnlich ist. «Wir hatten keinen sehr heissen Sommer und nur einen Starkregen kurz vor Erntebeginn, sodass wir schöne und gesunde Trauben mit guter Weinperspektive ernten können.»

Im nördlichen Italien war der Sommer eher kühl. Von Klimawandel war hier in diesem Jahr wenig zu spüren, so dass der Erntebeginn im langjährigen Durchschnitt liegt. «Der Ertnezeitpunkt wird heuer weder durch atmosphärische Ereignisse noch durch den Klimawandel beeinflusst. Wir werden wie üblich Mitte September beginnen und die Ernte nach drei bis vier Wochen abschliessen», sagt Alberto Brini vom Weingut Il Conventino in der Toskana.

Auf der Azienda Poggio Ridente startet bald die Ernte der roten Trauben
Winzerin Cecilia Zucca zeigt sich erfreut sich ob der diesjährigen Traubenqualität.

Auf der Azienda Poggio Ridente im Piemont zeigt sich ein ähnliches Bild: «Die roten Trauben werden wir etwas früher ernten, aber nicht viel. Wir beginnen etwa ab 10. September», verrät Cecilia Zucca. Gleichwohl hat die Lese hier bereits am 17. August begonnen, denn für den Rosé müssen die Pinot-Nero-Trauben gelesen werden, bevor sie voll ausgereift sind.

Deutschland

Ein gutes Weinjahr für Tobias und Ellen Zimmer auf dem Weingut Hirschhof
Die Ernte auf dem Weingut von Tobias und Ellen Zimmer hat bereits Ende August begonnen.

Noch weiter nördlich ist der Klimawandel bei Delinat-Winzer diesmal ebenfall kaum ein Thema. «Ein sehr gut verlaufener Sommer ohne Wetterextreme wie Hitze, Trockenheit oder Starkregen», bilanziert Tobias Zimmer vom Weingut Hirschhof in Rheinhessen. Die Ernte begann am 27. August und damit eine gute Woche früher als im Durchschnitt. Grund dafür: milder Winter, früher Austrieb, harmonische Vegetationsperiode. Auf dem Hirschof wird sich die Ernte aber noch hinziehen. Tobias Zimmer: «Spätsorten wie Riesling und Spätburgunder benötigen noch Zeit.»

Österreich

Erst Mitte September und somit zu einem «normalen Zeitpunkt» beginnen Kathi und Daniel Bauer vom Weingut Bauer-Pöltl im österreichischen Mittelburgenland mit der Weinlese. Daniel Bauer: «2020 wird ein normaler Jahrgang, eher auf der trockenen Seite, aber ohne Hitze- oder Trockenstress. Beschatten der Traubenzone war dieses Jahr nicht notwendig, da weder zu heiss noch zu intensive Sonneneinstrahlung.»

Schweiz

Bio-Winzer Roland Lenz spricht von einem erfreulichen Weinjahr
Auf dem Weingut von Roland Lenz begann die Traubenernte Ende August.

Von einem «sehr erfreulichen Weinjahr» spricht Roland Lenz vom grössten Schweizer Bioweingut. Die befürchtete Trockenheit analog Vorjahr blieb aus, Ende August konnte mit der Ernte von gesundem Traubengut bei etwas geringerem Behang begonnen werden.

WeinLese 59: Editorial

Bio boomt. Das führt mitunter dazu, dass Bio heute viele Gesichter hat – leider nicht nur strahlende. Wer die Natur über Jahre mit der Chemiekeule gebeutelt hat und jetzt plötzlich vom Saulus zum Paulus mutiert, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er es aus Überzeugung tut, oder nicht doch eher als Trittbrettfahrer mit der Aussicht auf bessere Preise.

Industrie-Bio, kaum besser als konventionelle Landwirtschaft, oder Greenwashing, bei dem man sich in ein grünes Mäntelchen hüllt, verwässern die Bioszene heute im grossen Stil. Für überzeugte und echte Biowinzer ist es zu einer Herausforderung geworden, sich von Pseudo-Bio abzugrenzen.

Delinat-Winzer schaffen das immer wieder. Mit Innovation, Kreativität und unserer Unterstützung erneuern sie ständig ihre Pionierrolle, sei es bei der Förderung der Biodiversität, der Permakultur oder neuer Rebsorten, die so stark sind, dass sie kaum mehr gespritzt werden müssen. Um solchen resistenten Sorten zum Durchbruch zu verhelfen, lohnt sich eine kleine Rebellion im Weinberg. Wir wagen sie gemeinsam mit dem Schweizer Winzerpaar Roland und Karin Lenz. Unsere neuen, frechen Rebbel-Weine aus zukunftsträchtigen Sorten sind Weine von grosser Klasse. Gute Lektüre beim Entdecken einer neuen Genusswelt!

WeinLese 59: Kurz & bündig

Rebberg-Kartoffeln für Notleidende

Kartoffeln auf dem Weingut Volvoreta
Ein Herz für Bedürftige: Neben Trauben wachsen in den Weinbergen von Volvoreta in Spanien neuerdings auch Kartoffeln, mitunter mit schönem Symbolgehalt.

Weltweit sorgen gemeinnützige Organisationen mit Lebensmittelbanken dafür, Bedürftige gratis mit Lebensmitteln zu unterstützen. In Spanien hat die Corona-Krise fast zu einem Zusammenbruch der Lebensmittelbank geführt, weil die Zahl der Hungerleidenden stark gestiegen ist. María Alfonso vom Delinat-Partnergut Volvoreta in Sanzoles hat deshalb ein einzigartiges Projekt lanciert: In den Zwischengassen der Rebberge wurden 2500 Kilo Biokartoffeln gepflanzt. Rund die zehnfache Menge konnte geerntet und der spanischen Lebensmittelbank in Madrid gespendet werden. «Wir freuen uns, dass unsere erste Ernte von hundert Prozent biologischen Gourmet- Rebbergkartoffeln an Menschen in Not geht», schreibt María. Das Projekt mit Kartoffeln und anderen Zweitkulturen im Weinberg soll im Zuge der aktuellen Wirtschaftskrise und des Klimawandels weitergeführt werden.

ZDF dreht auf Vale de Camelos

Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) war Ende Juni für Dreharbeiten zu Gast auf dem Weingut Vale de Camelos im portugiesischen Alentejo. Im Zentrum des Dokumentarfilms stehen Fragen, wie ein Delinat-Weingut in einer von der Desertifikation bedrohten Region mit den Folgen des Klimawandels umgeht. Antje und Thorsten Kreikenbaum, die deutschen Besitzer von Vale de Camelos, haben in den vergangenen Jahrzehnten enorm viel in Wasserretention, Permakultur und Biodiversität investiert. Wir haben darüber ausführlich in der WeinLese-Ausgabe vom Mai 2020 berichtet. Durch diesen Bericht ist das ZDF auf das Weingut im Süden Portugals und die Delinat-Methode aufmerksam geworden. Der Beitrag wurde am 16. August im Rahmen der ZDF-Dokumentationsreihe «planet e» ausgestrahlt.

ZDF-Dreh im Tal der Kamele

Mit dem Doku-Format «planet e» bringt das ZDF wöchentlich spannende Reportagen zu aktuellen Themen des Umwelt- und Naturschutzes. Der Bericht «Nahe an der Natur» im Delinat-Magazin WeinLese vom Mai 2020 über Biodiversitäts- und Permakulturmassnahmen auf dem Weingut Vale de Camelos hat dazu geführt, dass das ZDF ein Filmteam in den vom Klimawandel arg gebeutelten Süden Portugals geschickt hat. Denn hier zeigt sich mit aller Deutlichkeit, worauf sich möglicherweise auch die Landwirtschaft in Deutschland und der Schweiz gefasst machen müssen.

Biodiversität auf dem Weingut Vale de Camelos

Im Alentjo, einer der trockensten Gegenden Europas, haben viele Bauern den Kampf gegen die Dürre bereits aufgegeben. Grossflächig versteppen brachliegende Felder. Ganz anders auf der 1000 Hektar grossen Farm, die der Bremer Reeder und Seefahrer Horst Zeppenfeld 1981 erstanden und vor knapp 10 Jahren an Tochter und Schwiegersohn Antje und Thorsten Kreikenbaum weitergegeben hat. Diese haben die Farm im Tal der Kamele mit Hilfe portugiesischer Fachkräfte auf Weinbau, Korkeichen, Johannisbrotbäume und Olivenanbau spezialisiert und sorgen seit einigen Jahren mit einfachen, aber wirkungsvollen Massnahmen dafür, dass mitten in einer wüstenähnlichen Region eine fruchtbare, grüne Oase entstanden ist.

Mit einer ausgeklügelten Bewässerungstechnik nach der Permakultur-Methode wird kein Tropfen des spärlich fallenden Regenwassers verschwendet. Steinwälle und Dämme zwischen den Weinreben halten das Wasser auf und geben es bei Bedarf an die Reben ab. Innerhalb der letzten zehn Jahre konnten der Wasserverbrauch auf dem Gut trotz Klimastress um die Hälfte reduziert und die Fruchtbarkeit gesteigert werden.

Keyline Design
Neue Rebberge wurden im Keyline-Design angelegt, um Erosion zu vermeiden und das spärliche Regenwasser optimal den Reben zur Verfügung zu stellen.

Ende Juni 2020 hat die ZDF-Filmcrew um Regisseur Berndt Welz während drei Drehtagen die Arbeitsweise auf Vale de Camelos (Kompostmanagement, Keyline-System, Biodiversität, nächtliche Bewässerung, Beweidung mit Schafen, Versuchsfeld mit Pflanzung autochthoner trockenresistenter Rebsorten) gefilmt und Interviews mit Antje und Thorsten Kreikenbaum sowie Betriebsleiterin Helena Manuel geführt. Entstanden ist ein rund zehnminütiger Beitrag, der im Rahmen des Dokumentarfilms «Diagnose Dürrestress» am 16. August 2020 in der Reihe «planet e» zu sehen ist. Hier geht es direkt zum Beitrag.

Die konsequent biologisch und nach der strengen Delinat-Methode wirtschaftende Adega Vale de Camelos wurde von Delinat aufgrund der langjährigen und intensiven Anstrengungen für eine reiche biologische Vielfalt zum «Biodiversitätsweingut 2020» gekürt. Die qualitativ hochwertigen und genussvollen Weine dieses Vorzeigeweinguts finden Sie hier.

Weitere Blog-Beiträge zum Weingut Vale de Camelos:

WeinLese 58: Editorial

Hans Wüst, WeinLese Redaktor

Am 20. Juli 2013 sind wir im Tal der Kamele im Süden Portugals bei schönstem Sommerwetter in den Korb eines Heissluftballons gestiegen. Mit an Bord: Antje und Thorsten Kreikenbaum, verantwortlich für das Weingut Vale de Camelos im Alentejo.

Ziel der Ballonfahrt: Antje und Thorsten wollten uns aus der Vogelperspektive zeigen, wie es dank jahrzehntelanger Anstrengungen gelungen ist, die Biodiversität in dieser wüstenähnlichen Umgebung zu fördern. Es war ein sehr eindrückliches Erlebnis, das Weingut von oben als grüne Oase mit fünf grossen Regenwasserteichen, unzähligen Rebstöcken, Oliven und Johannisbrotbäumen sowie Stein- und Korkeichen zu entdecken.

Würden wir heute die Ballonfahrt wiederholen, wäre das Bild noch eindrücklicher: In den vergangenen sieben Jahren wurden unter klimatisch extremen Bedingungen unermüdlich weitere Pinien- und Korkeichenwälder aufgeforstet und bei den Weinbergen nochmals viele Bäume und Sträucher gepflanzt. Für diese Anstrengungen und als Motivation, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzufahren, verlieh Delinat dem Weingut die Auszeichnung «Biodiversitätswinzer 2020».

Ich wünsche gute Lektüre, am besten bei einem Glas «Biodiversitätswein» von Vale de Camelos.

Alle Artikel der WeinLese 58

WeinLese 58: Kurz & bündig

Hälfte der Rebfläche in Gefahr

Weltweit ist mehr als die Hälfte der Rebfläche vom Klimawandel bedroht. Bei einer Erwärmung von 2 Grad, wie vom Pariser Abkommen vorgesehen, könnten 56 Prozent der aktuellen Weinregionen verschwinden. Zu diesem Schluss kommen amerikanische und französische Forscher vom Nationalen Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt, wie aus einem Bericht der amerikanischen Zeitschrift PNAS hervorgeht. Am stärksten betroffen wären Regionen mit bereits warmem Klima wie Italien und Spanien, wo 65 Prozent der Rebflächen gefährdet sind. Die Forscher weisen darauf hin, dass die Verluste durch Ausweichen auf hitzebeständigere Sorten gemildert werden können und gleichzeitig durch den Klimawandel an anderen Orten neue Weinbaugebiete entstehen könnten. Die Autoren der Studie gehen zum Beispiel davon aus, dass im Burgund der traditionelle Pinot Noir etwa durch Mourvèdre oder Grenache ersetzt werden könnte, Rebsorten, die Hitze mögen. Die Delinat-Winzer werden sich mit dem Thema im Rahmen eines Winzerseminars beschäftigen.

«Wasserschlange» im Piemont

Teich auf dem Weingut La Luna del Rospo

Auf der Azienda La Luna del Rospo im Piemont hat Winzerin Renate Schütz mithilfe von Permakultur-Spezialist Jens Kalkhof vor ihrem Weinkeller einen Teich ausgehoben, um anfallendes Regenwasser zu speichern und damit die neu geschaffene Gemüseterrasse sowie die angrenzenden Reben mit Bodenfeuchtigkeit zu versorgen. Von der Wirkung der neuen «Wasserschlange von La Luna del Rospo», wie die Winzerin ihren Teich nennt, ist sie ganz begeistert: «Auch bei starken Regenfällen bewährt sie sich fantastisch. Der Überlauf funktioniert wie geplant, auch wenn den Wirsingköpfen zuweilen das Wasser bis zum Hals steht …»

Barolo-Partnerwinzer für Delinat

Enrico Rivetto

Im Piemont ist der biologische Weinbau noch wenig verbreitet, erst recht im prestigeträchtigen Barolo-Gebiet. Einer, der seit 2009 konsequent auf ökologischen Anbau setzt und jetzt neu mit Delinat zusammenarbeitet, ist Enrico Rivetto in Serralunga d‘Alba. Er hat in der jüngeren Vergangenheit stark in die Biodiversität investiert und über 500 Bäume (Eichen, Eiben, Ahorn, Limetten, Birken, Kastanien, Kaki, Walnuss) sowie verschiedene Sträucher (Rosmarin, Salbei) gepflanzt. Ab dem Jahrgang 2019 tragen die Rivetto-Weine nun auch das Demeter-Label. Enrico ist damit der erste biodynamische Barolo-Winzer. Von der eigenen Wirtschaftsweise ist der neue Delinat-Partnerwinzer mittlerweile so überzeugt, dass er sagt: «Ich hoffe, dass sich der biologische und biodynamische Weinbau in den Langhe-Hügeln von Barolo und Barbaresco rasch ausbreitet.»

Beliebte Weinkurse

Die Delinat-Weinkurse, allen voran der Basiskurs, erfreuen sich weiterhin grosser Beliebtheit. Noch nie wurden in der Schweiz und in Deutschland so viele Kurse durchgeführt wie 2019. An den insgesamt 151 Weinkursen (Vorjahr: 127) nahmen 2145 Personen teil (Vorjahr: 1747). Besonders erfreulich: Es gelang, vermehrt auch ein jüngeres Publikum für die verschiedenen Weinthemen zu begeistern. Auch im laufenden Jahr hält die grosse Nachfrage an. Das Delinat- Kursangebot ist unter www.delinat.com/veranstaltungen zu finden.

Erneut schwieriges Honigjahr

2019 war für Imker ein schweres Jahr

Die schlechten Honigjahre halten europaweit an: 2019 war auch für die Delinat-Imker das dritte Jahr in Folge mit magerer Ernte. In Bulgarien war das Frühjahr regnerisch und kühl, was die Erntemenge von Akazienhonig drastisch reduzierte. In Kalabrien gab es wetterbedingte Probleme während der Zitronenblüte. In Spanien litten die Bienen bereits im Frühjahr unter starker Trockenheit. Diese hielt lange an und hatte Folgen für die Lavendelblüte, was wiederum zu einer sehr kleinen Lavendelhonigernte führte. Einzig in Norditalien fielen die Erntemengen halbwegs zufriedenstellend aus. Aufgrund langjähriger Beziehungen konnte sich Delinat die gewünschten Mengen an qualitativ hochwertigen, handwerklich hergestellten Biohonigen gleichwohl sichern, sodass keine Lücken im vielfältigen Sortiment entstanden.

Alle Artikel der WeinLese 58

Alentejo – Nahe an der Natur

Vollkommene Trockenheit und Temperaturen bis zu 50 Grad im Sommer: Weinbau im portugiesischen Alentejo ist im Sog des Klimawandels zu einer gewaltigen Herausforderung geworden. Das deutsch-portugiesische Team auf der Adega Vale de Camelos meistert diese mit Bravour. Die Auszeichnung als Delinat-Biodiversitätswinzer 2020 ist der Lohn für Innovationskraft im Einklang mit der Natur.

Wasserretentionsteich auf dem Weingut Vale de Camelos

Getreidefelder, Schafweiden und Korkeichenwälder so weit das Auge reicht. In diese Landschaft im Süden Portugals verliebte sich der Bremer Reeder und Seefahrer Horst Zeppenfeld 1981 und kaufte im «Tal der Kamele» tausend Hektar Land. Der Name «Vale de Camelos» erinnert an die Zeit der maurischen Besiedlung Portugals, als im Alentejo noch Kamele weideten. Heute sind es Schafe, Korkeichen, Pinien, Oliven, Johannisbrot und Reben, die das Anwesen der Familie Zeppenfeld prägen.

Klimawandel fordert heraus

Erste Reben wurden im Jahr 2000 gepflanzt. Es sind regionstypische Rebsorten wie Touriga Nacional (Portugals bekannteste Rotweintraube), Alicante Bouschet und Aragonez (in Spanien als Tempranillo bekannt), aber auch Syrah, die vorerst konventionell, seit 2007 aber biozertifiziert kultiviert werden. Schon immer war das Alentejo eine heisse und trockene Region ohne Niederschläge im Sommer. «Die Umstellung auf biologischen Anbau und später die Anwendung der Delinat-Methode waren grosse Herausforderungen und bedeuteten lange Zeit die grösste Veränderung auf unserem Gut», erklärt Antje Kreikenbaum, Tochter von Horst Zeppenfeld. Sie hat 2012 zusammen mit ihrem Mann, dem Landschaftsarchitekten Thorsten Kreikenbaum, die Verantwortung für Vale de Camelos übernommen. Vor Ort wird das Weingut von zwei starken portugiesischen Frauen geführt: Helena Manuel, ausgebildete Agraringenieurin, ist die Betriebsleiterin; Marta Pereira, studierte Önologin, zeichnet für die Weinbereitung verantwortlich. Ebenfalls mit an Bord ist der ausgebildete Winzer Jannes Kreikenbaum, Sohn von Antje und Thorsten.

Helena Manuel, Marta Pereira und Jannes Kreikenbaum
Helena Manuel und Marta Pereira sowie Jannes Kreikenbaum können sich nicht nur über prachtvolle Trauben aus reicher Biodiversität, sondern auch über ein Kirchlein freuen, das zum Weingut Vale de Camelos gehört.

Das deutsch-portugiesische Team ist enorm gefordert, denn in den letzten Jahren hat sich die Situation extrem verschärft. Klimawandel, Wassermangel, Dürren und Wüstenbildung sind im Alentejo keine düsteren Zukunftsvisionen mehr, sondern Teil der Gegenwart. «2017 war das Alentejo Dürreregion. Es wurde der Notstand ausgerufen, doch leider hat das kaum etwas bewirkt. Vieles entwickelte sich noch immer in die falsche Richtung», bedauert Antje Kreikenbaum. Sie erwähnt etwa den überdimensionierten Alqueva-Stausee, in den grossräumig die spärlichen Wasserreserven abgezogen werden, um damit riesige, mit Pestiziden «sauber» gehaltene Olivenplantagen zu bewässern. Antje: «Schon nach wenigen Jahren sind diese Böden völlig ausgezehrt und tot.»

Langer Weg zu reicher Biodiversität

Biodiversität auf dem Weingut Vale de Camelos

Gleichwohl gibt es Lichtblicke für «den andern Weg», wie er auf der Adega Vale de Camelos verfolgt wird. Neuerdings interessieren sich jedes Jahr zahlreiche Gruppen von Universitäten aus Städten der näheren Umgebung, aber auch internationale Forschungsgruppen dafür, wie den Herausforderungen des Klimawandels im Einklang mit der Natur begegnet werden kann. «Biodiversität ist für uns zur Überlebensstrategie geworden», sagt Antje Kreikenbaum. So sind in den letzten 35 Jahren auf der Herdade rund 350‘000 Pflanzen gesetzt worden. Neben Reben und Oliven vor allem Stein- und Korkeichen, Johannisbrotbäume und Pinien, in der direkten Umgebung der Weinberge auch Pistazien, Mandarinen, Orangen, Granatäpfel und anderes mehr. Durch gezielte Aufforstung sind mehr als 600 Hektar neue Waldflächen entstanden. Der Nutzen: Begrünung und Bewaldung bilden organische Materie und verbessern den Wasserhaushalt des Bodens, wodurch extreme Hitzegrade gepuffert werden.

Weingut Vale de Camelos aus der Luftperspektive

Gleichzeitig wurden fünf grosse Seen angelegt oder erweitert. Sie dienen als Reservoir für das sonst ungenutzt ablaufende Winterregenwasser. Da es in den Sommermonaten zwischen Juni und September keine Niederschläge gibt, dafür aber lange Trocken- und Dürreperioden mit Temperaturen bis zu 50 Grad, wird das gesammelte Regenwasser zur Bewässerung der vielfältigen Kulturen benötigt. Um das möglichst wirkungsvoll und effizient zu tun, kommen bewährte Methoden der Permakultur zur Anwendung. So wurde etwa 2019 ein neuer, 4,3 Hektar grosser Weinberg nach dem Keyline-System angelegt. Dabei wird beim Anpflanzen der Rebstöcke der Topografie des Bodens gefolgt, um so möglichst alles Wasser im Boden und auf dem Gelände zu halten.

Pakt mit der Sonne

Über die Jahre ist es mit umfassenden und aufwendigen Massnahmen gelungen, in einer wüstenähnlichen Umgebung eine grüne Oase mit biotopartigen Wasserflächen und reicher Biodiversität zu schaffen. Davon profitieren nicht nur die Kulturen, sondern auch verschiedene Vogelarten. Jedes Jahr versammeln sich an den Gewässern von Vale de Camelos bis zu 1500 Kraniche und andere Zugvögel im Winterquartier. Über die Jahre sind so im Tal der Kamele verschiedene Vogelschutzzonen und Naturschutzgebiete entstanden. Darüber hinaus liessen Antje und Thorsten Kreikenbaum nicht weniger als fünf Solaranlagen bauen, die heute mehr Strom produzieren, als auf dem Gut gebraucht wird.

Trotz langer Trockenperioden ohne Regenfälle in den Sommermonaten fühlt sich eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt im Naturparadies von Vale de Camelos im Süden Portugals wohl.

«Wir sind noch lange nicht am Ende. Wir gehen Schritt für Schritt voran, denn alles, was wir hier investieren, muss zuerst erwirtschaftet werden», resümiert Antje. «Dass wir mit Delinat einen Partner haben, der uns mit Beratung, Anregungen und langfristigen Weinkäufen unterstützt, ist für uns sehr wertvoll. Und die Auszeichnung zum Biodiversitätswinzer 2020 ist so etwas wie das Pünktchen auf dem i.»

Alle Artikel der WeinLese 58

Auf ein Glas mit … Oliver Hauser

Im Dezember 2019 gingen in Hamburg die Türen des ersten Delinat-Weinshops in Deutschland auf. Geleitet wird er vom Schweizer Oliver Hauser. Wir sprachen mit dem gelernten Werbefotografen über Nachhaltigkeit, Genuss und Wein im urbanen Umfeld einer deutschen Grossstadt.

Oliver Hauser im neuen Delinat-Shop in Hamburg
Der Schweizer Oliver Hauser ist Gastgeber im neuen Delinat-Weinshop in Hamburg.

Oliver Hauser, ein Schweizer als Leiter des Delinat-Weinshops in Hamburg – wie ist es dazu gekommen?
Oliver Hauser: Produkte, die handwerklich hergestellt und aus nachhaltiger Produktion sind, haben mich schon immer angezogen. Und da ich gerne Wein trinke, musste ich früher oder später bei Delinat landen. Als Kunde habe ich die Ausschreibung der Stelle in Hamburg gelesen und mich spontan beworben.

Wie reagieren die deutschen Gäste, wenn sie merken, dass sie von einem Schweizer bedient werden?
Das fällt erst mal nicht auf. Ich lebe schon seit sieben Jahren in Hamburg und habe einige Redewendungen und Feinheiten der hiesigen Sprache angenommen. Wenn der «Dialekt» dann doch durchschimmert, entstehen daraus oft spannende weitere Gespräche.

Welches war das bisher speziellste Erlebnis?
Das ganze Projekt als solches! Vom Rohbau des Ladens über den Innenausbau bis zur Eröffnung – das alles mitzuerleben und jetzt fast täglich im direkten Kontakt mit den Kunden zu stehen, das alles ist für mich sehr beeindruckend.

Wie erlebst du die Startphase?
Begeistert! Viele Kundinnen und Kunden zeigen sich erfreut, dass es nun in Hamburg einen Shop gibt, wo man Weine verkosten kann und einen direkten Ansprechpartner hat.

Persönlich
Oliver Hauser (Jahrgang 1979) ist im Zürcher Oberland aufgewachsen. Nach der Lehre zum Werbefotografen betätigte er sich zwischendurch als Drucker, Maler, Privatdetektiv und in der Gastronomie. Vor sieben Jahren wurde er als Food-Fotograf in Hamburg sesshaft. Seine vinologische Weiterbildung (WSET 3) mündete vorerst in einen Weinblog und dann 2019 in die Leitung des Delinat-Weinshops Hamburg. In der Freizeit ist er gerne zu Fuss auf alten Pfaden oder Weitwanderwegen unterwegs, er liebt es, zu campieren und im Freien zu kochen.

Was macht besonders Freude, und wo drückt (noch) der Schuh?
Immer intensiver die Delinat-Weine und die Arbeit unserer Winzer zu entdecken, zu spüren, mit welcher Überzeugung sie ihre Arbeit machen, wie sie die Natur respektieren und mit in die Arbeit einbeziehen, ist eine grosse Freude! Die Stadthöfe, wo wir untergebracht sind, sind als Treffpunkt noch neu. Viele Hamburger müssen die Gegend erst noch entdecken. Also, an alle Delinat-Weinliebhaber: Erzählt es rum, bringt jeden und jede in die Stadthöfe, sodass immer mehr Leute wissen, wo es guten Bio-Wein zu kaufen gibt.

Delinat-Shop Hamburg

Weshalb lohnt es sich, beim Delinat-Weinshop in Hamburg reinzuschauen?
Weine aus reicher Natur probieren, ständig neue Tropfen kennenlernen, fachsimpeln und sich von unserem kulinarischen Angebot von Bio-Erzeugern aus dem Umland von Hamburg zusammen mit einem Glas Wein aus dem Offenausschank verwöhnen lassen – alles in einem tollen Ambiente, das alles macht Lust, bei uns hereinzuschauen. Zusätzlich kann man hier viel Wissenswertes über den Weinbau der Zukunft erfahren. Und bei speziellen Anlässen wie dem Afterwork Tasting lassen sich themenbezogen neue Weine und Regionen entdecken.

Gibt es weitere Ideen, die du hier umsetzen möchtest?
Mein Ziel ist es, den Delinat-Shop zu einem Treffpunkt für Biowein-Liebhaber zu machen, wo direkt aus dem Glas erlebbar wird, wie grossartig Biodiversität schmeckt.

Du selber bist ein vielseitig interessierter Bonvivant. Welchen Stellenwert haben für dich Natur und Nachhaltigkeit?
Einen hohen. Bei Lebensmitteln und Kleidern will ich wissen, woher die Produkte kommen und wie sie hergestellt werden. Auf meinem Speisezettel steht viel Gemüse. Ich «kaufe» auch gerne mal nur mit den Augen.

Wenn mal nicht im Weinshop, wo bist du dann anzutreffen?
Vermutlich auf einem der vielen Fernwanderwege durch den Harz oder die Lüneburger Heide.

Château Duvivier Les Mûriers

Weintipp von Oliver Hauser
Jeder Schluck erinnert an meine Urlaube in der Provence. Der Duft der Garrigue, die flirrende Hitze und leuchtende Stechginsterbüsche. Durch die Kombination mit Cabernet Sauvignon bekommt dieser Wein für mich eine unergründliche Tiefe, etwas Magisches, Kräftiges. Tolle Frucht, ausgewogen und mit schönen Anklängen an Pfeffer und Leder.

Château Duvivier Les Mûriers
Coteaux Varois en Provence AOP 2017
www.delinat.com/3727.17

Alle Artikel der WeinLese 58

«Minimalisten treffe ich unter den Delinat-Winzern nicht an»

Wer kontrolliert eigentlich die Einhaltung der Delinat-Biorichtlinien? Wie spielen sich die Kontrollen ab? Seit 1998 arbeitet Delinat mit der unabhängigen Kontroll- und Zertifizierungsfirma bio.inspecta zusammen. Philipp Seitz, ein erfahrener Inspektor, gibt Auskunft.

Wie läuft eine Kontrolle der Delinat-Richtlinien beim Winzer konkret ab?
Philipp Seitz: In der Regel begegnen sich Betriebsleiter und Inspektor zuerst im Betriebsgebäude. Dort wird der Ablauf der Inspektion kurz umrissen, bevor die erste Dokumentenkontrolle erfolgt, die einen Über- und Einblick in den Betrieb gewährt. Anschliessend kommt es zu einer Feldbegehung, um die Informationen vor Ort zu verifizieren. Daran schliesst sich eine zweite, meist kürzere Phase der Dokumentkontrolle an, in der offene Fragen abschliessend geklärt werden. Zum Schluss wird das Inspektionsprotokoll ausgefüllt und von beiden Seiten unterzeichnet.

War der Weinbau schon immer Ihre Domäne?
Nein, meine Schwerpunkte lagen bis vor wenigen Jahren hauptsächlich bei tropischer Landwirtschaft und Feldbau, besonders Kaffee, Kakao, Tee, Zuckerrohr und Baumwolle. Durch bio.inspecta hatte ich die Möglichkeit, auch in der Landwirtschaft der gemässigten Zonen Fuss zu fassen. Mit Weinbau hatte ich in der Vergangenheit nur im Rahmen von Fairtrade Audits in Chile zu tun – da ging es aber mehr um soziale und ökonomische Fragen und weniger um Ökologie.

Philipp Seitz bei einer Kontrolle auf der Domaine Beaurenard
Philipp Seitz (links) bei einer Kontrolle auf der Domaine Beaurenard in Châteauneuf-du-Pape.

Wie gehen Sie bei den Kontrollen auf den Delinat-Gütern genau vor?
Inspektionen können sowohl angekündigt als auch unangekündigt erfolgen. Bei der Durchführung exklusiver Delinat-Kontrollen sind unangekündigte Kontrollen nicht bedeutsam, weil die Biodiversität immer offensichtlich ist, das heisst zu jedem Zeitpunkt kontrolliert werden kann. Ausserdem handelt es sich bei den Delinat-Betrieben um biozertifizierte Weingüter, die bereits durch die Mangel der Biokontrolle gegangen sind.

Wie reagieren die Delinat-Winzer auf Ihre Kontrollen?
Überraschenderweise waren bisher alle Betriebe sehr offen, auch wenn ich während der Erntezeit zu Besuch kam, was in der Regel die arbeitsintensivste Zeit des Jahres ist.

Was kontrollieren Sie genau?
Ein Schwerpunkt sind Kriterien, die einen Eindruck liefern von der Biodiversität, wie beispielsweise ökologische Hotspots, Baum- und Strauchwuchs usw. Diese werden quantitativ erfasst. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Einhaltung strikter Kupfer- und Schwefelobergrenzen, die strenger sind als im üblichen biologischen Anbau.

Philipp Seitz
Philipp Seitz wurde 1969 in Rio de Janeiro geboren. Er ist studierter Agraringenieur und arbeitet weltweit als Berater und Auditor für Nachhaltigkeitsstandards mit Schwerpunkt Tropen und Kleinbauern. Seit 2015 ist er für bio.inspecta tätig und kontrolliert hier unter anderem Delinat-Weingüter in verschiedenen europäischen Ländern. Er ist in Bonn wohnhaft und vierfacher Familienvater.

Die Delinat-Biorichtlinien gelten als die strengsten im Weinbau. Wie schwierig oder aufwendig ist die Kontrolle?
Anspruchsvoll für jeden Inspektor sind die Biodiversitätsrichtlinien, deren Vielseitigkeit und Abgrenzbarkeit sich nur demjenigen erschliessen, der Fachwissen mitbringt. Daher gehört ein jährliches Training zum Standardrepertoire eines jeden Delinat-Inspektors.

Stellen Sie bei den Winzern grosse Unterschiede bezüglich Umsetzung der Richtlinien fest?
Minimalisten treffe ich unter den Delinat-Winzer nicht an. Selbstverständlich gibt es jene, die aufgrund klimatischer Umstände gewisse Abstriche machen müssen, zum Beispiel bei der Dauerbegrünung und beim Pflanzenschutz. Nichtsdestotrotz: Auch diese Betriebe zeichnen sich durch grosse Motivation aus, ökologische und biodiverse Massnahmen umzusetzen.

Was passiert, wenn Sie Verstösse gegen einzelne Richtlinienpunkte oder generell Verfehlungen feststellen?
Kleinere Verstösse müssen vor Verlängerung des Zertifikats behoben werden. Bei gröberen Verstössen – normalerweise im Bereich des Pflanzenschutzes – muss der Betrieb plausibel darlegen, warum es zum Verstoss gekommen ist. Nur wenn der Verstoss für den Kontrolleur nachvollziehbar ist, kann eine Ausnahmebewilligung erteilt werden.

Wie oft kommt das vor?
Selten. In der Regel nur in sehr niederschlagsreichen Jahren.

Wo sehen Sie als professioneller Inspektor die Stärken und Schwächen der Delinat-Richtlinien?
Die Richtlinien zählen sicherlich zu den stärksten Biodiversitätstandards überhaupt. Die Herausforderung liegt in der Komplexität, die Biodiversitätsrichtlinien eigen ist. Deswegen ist es erforderlich, dass das gesamte Standardsystem, in das die Richtlinien eingefasst sind, stabil gebaut ist. Dazu gehört insbesondere auch eine gute Ausbildung von Inspektoren. Von aussen erkennt man die Stärke eines Standardsystems an der Art und Weise, wie die Zielgruppe die Richtlinien annimmt – die durchwegs positive Haltung aller Betriebe ist das, was mich am meisten überrascht hat.

Die bio.inspecta AG
Die bio.inspecta AG ist eine unabhängige, neutrale und weltweit tätige Schweizer Kontroll- und Zertifizierungsfirma mit Sitz in Frick AG. Das Angebot umfasst anerkannte Kontrollen und Zertifizierungen für Bio- und Labelprodukte sowie ISO-Standards und Lebensmittelsicherheit.
Die Zusammenarbeit mit Delinat besteht seit 1998. Konkret überprüfen unabhängige Inspektoren die Einhaltung der Delinat-Richtlinien in der Praxis und stellen bei der Erfüllung der Vorgaben das entsprechende Zertifikat aus. Kontrolle und Zertifizierung basieren auf dem vier-Augen-Prinzip, das heisst, nach der Kontrolle vor Ort wird die Zertifizierung der Weine von einer zweiten Person durchgeführt. bio.inspecta ist somit ein wichtiger Eckpfeiler in der Qualitätssicherung bei Delinat.

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Die Geburtsstunde des Bioweins: erste Richtlinien für Bio-Weinbau in Europa bereits 1983

Mit der EU-Öko-Verordnung wurden 1992 erstmals europaweit geltende Kontrollvorschriften für biologischen Landbau eingeführt. Diese galten auch für den Anbau von Weintrauben, nicht aber für deren Verarbeitung im Keller. Dafür gibt es in der EU erst seit 2012 rechtsverbindliche Bio-Richtlinien. Die Bezeichnung «Biowein» für ökologisch erzeugte Weine darf offiziell deshalb erst seit dem Jahrgang 2012 verwendet werden. 

Biowein Richtlinien

Schon viel früher, nämlich 1983, schuf Delinat eigene Biorichtlinien für Weinanbau und -bereitung in Europa, was damals nicht ganz einfach war.

«Das war eine harte Zeit …»

Delinat-Gründer Karl Schefer erinnert sich: «Das war gleichermassen eine harte, aber auch spannende Zeit. Es fehlte uns an Wissen, Geld, Infrastruktur und vor allem an Mitstreitern. Weinhandel und Behörden hatten sich geschlossen gegen uns gestellt. Genau genommen hatten wir nur eines: Die sichere Überzeugung, dass unsere Idee richtig ist. Dass natürlich gewachsener Wein besser sein muss. Beseelt von dieser Idee haben wir die notwendige Kraft geschöpft, die es brauchte, um einige Dutzend Abstürze zu überwinden. Kraft gaben uns die damaligen Winzer-Pioniere, die wie wir vom Grundgedanken überzeugt waren.

Schon 1982 trafen sich sieben charismatische Persönlichkeiten im appenzellischen Speicher, wo wir in drei Tagen die ersten Delinat-Richtlinien formuliert haben, die 1983 in Kraft traten. Das war die Geburtsstunde des Bioweins, weil diese Richtlinien, anders als alle anderen, auch die Weinbereitung und nicht nur die Traubenproduktion definiert hatten. Darauf waren wir sehr stolz.»

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