WeinLese 61: Editorial

Delinat-Winzer sind den meisten anderen Weingütern in Bezug auf die Ökologie meilenweit voraus. Genauso wie in die Weinqualität investieren sie mit der Unterstützung von Delinat ständig in fruchtbare Böden, reiche Biodiversität und erneuerbare Energien. Damit sind sie Vorreiter eines zukunftstauglichen Weinbaus. Am Ziel sind aber auch wir und unsere Winzer noch lange nicht.

«Schöner, als Visionen zu haben, ist,
sie zu verwirklichen.»

Lisz Hirn, Philosophin und Künstlerin

Wie sieht aus heutiger Sicht das ökologisch perfekte Weingut aus? Delinat-Winzerberater Daniel Wyss und die Hamburger Illustratorin Barbara Dziadosz skizzieren es anschaulich in dieser Ausgabe. Lebendige Böden, reiche Biodiversität, robuste Traubensorten, sanfte Vinifikation, erneuerbare Energie, vermeiden von Abfall und CO2-neutrale Transporte sind zentrale Elemente dieser Vision. Teile davon sind auf den rund hundert Weingütern, mit denen wir europaweit zusammenarbeiten, bereits Realität. Voller Elan wird der eingeschlagene Weg gemeinsam weiterverfolgt. Zum Wohle von Natur und nachfolgenden Generationen.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und freue mich, wenn Sie uns mit dem Genuss von Delinat-Wein auf dem Weg zum perfekten Weingut begleiten.

WeinLese 61: Kurz & bündig

Weinshops in München und Romanshorn

Weinshop Romanshorn

Nach Hamburg 2019 ist am 5. November 2020 in München der zweite Delinat-Weinshop Deutschlands eröffnet worden. Auch hier können seither rund hundert Bioweine aus reicher Natur entdeckt und im angegliederten Bistro degustiert werden. Zuwachs gab es auch in der Schweiz. In Romanshorn am Bodensee ist am 7. Dezember 2020 im neuen Kornhaus ein weiterer Delinat-Shop mit Bistro eröffnet worden. Das Kornhaus ist in über zweijähriger Bauzeit zum neuen Wahrzeichen am Hafen von Romanshorn umgebaut worden. Neben der Delinat-Weinbar gibt es hier ein Restaurant mit Festsaal und grosszügige Ausstellungsräume.

Pestizide in der Luft

Sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland zeigen neue Untersuchungen, dass Pestizide nicht nur über Lebensmittel und Trinkwasser in den menschlichen Körper gelangen, sondern auch über die Luft. Das Umweltinstitut München hat in seiner bisher umfassendsten Studie zur Pestizidbelastung der Luft nachgewiesen, dass sich die Giftstoffe kilometerweit verbreiten und praktisch überall in Deutschland anzutreffen sind. In der Schweiz hat die Umweltorganisation Greenpeace bei Pestizidmessungen an vier verschiedenen Standorten insgesamt 25 verschiedene Pestizide in der Luft festgestellt – darunter sogar ein Abbauprodukt von DDT, einem Pestizid, das in der Schweiz seit 1972 verboten ist. Die höchste Pestizidkonzentration wurde über einem Walliser Weinberg gemessen. Festgestellt wurde in diesem Zusammenhang auch, dass Pestizide nicht nur am Zielort verbleiben, sondern über die Luft auch Nachbarfelder und somit Biowinzer treffen.

In der Schweiz stimmt das Volk in diesem Jahr über die sogenannte Trinkwasser-Initiative ab. Diese verlangt, dass Landwirtschaftsbetriebe, die Pestizide verwenden, keine staatlichen Subventionen und Fördergelder mehr bekommen sollen. Delinat unterstützt diese Volksinitiative.

COVID-19 macht erfinderisch

Nachdem der Pariser Weinsalon pandemiebedingt ausgefallen ist, hat sich der Club des Vignerons Lauréats, eine Vereinigung von 40 Familiengütern aus ganz Frankreich, dem auch das Delinat-Partnerweingut Domaine Lignères angehört, etwas Besonderes einfallen lassen. Anstelle der Weinmesse wurde der Kundschaft in Paris eine gemeinsame Weinlieferung angeboten. Die Kunden hatten die Möglichkeit, Weine ihrer bevorzugten Güter zu einem interessanten Preis zu bestellen und direkt nach Hause liefern zu lassen. Insgesamt kamen so 570 Bestellungen mit fast 16‘000 Flaschen Wein zusammen. «Das ist fast gleich viel, wie jeweils am Weinsalon verkauft wird», freut sich Anne Lignères über die erfolgreiche Aktion. «Das ist ein grossartiger Beweis für die Anpassungsfähigkeit, Dynamik und Solidarität der Winzer dieses Clubs!»

Green statt Black Friday

Green Friday bei Delinat

Man stelle sich am Tag eines Black Friday die Schlagzeile vor: Nur heute: Alles 10 % teurer! Genau das hat Delinat am 27. November 2020 gemacht – und anstelle des Black Friday den Green Friday ausgerufen. Dies als Protest gegen die weltweite Rabattschlacht um Schnäppchenjäger, die den Black Friday zu einem rabenschwarzen Tag für die Umwelt macht. Neben gewaltigen Mobilitätsströmen verursacht er riesige Müllberge in Form von Verpackungsmaterial und überflüssiger Ware. Der Aufpreis von zehn Prozent, den die Kunden auf ihre Weineinkäufe bezahlt haben, wurde von Delinat verdoppelt und an zwei Initiativen überwiesen, die sich für eine ökologische Landwirtschaft ohne Pestizide einsetzen. An den Schweizer Verein «Initiative für sauberes Trinkwasser» gingen gut 16‘500 Franken; an die europäische Bürgerinitiative «Bienen und Bauern retten!» 8700 Euro.

Auf ein Glas mit Hans-Peter Dreier

Delinat legt nicht nur im Weinberg, sondern auch beim Transport grossen Wert auf Ökologie und Nachhaltigkeit. Für die Weintransporte aus den wichtigsten Weinländern Europas besteht eine Zusammenarbeit mit der Dreier AG. Bei einem Glas Wein am Firmensitz in Suhr verriet CEO Hans-Peter Dreier seine Vision von einem nachhaltigen Transport.

Hans-Peter Dreier, welche Beziehung haben Sie zum Wein?
Hans-Peter Dreier: Bei uns hiess es immer: Wer trinkt, fährt nicht! Und weil ich schon in jungen Jahren viel gefahren bin, habe ich zwar schon früh Wein transportiert, aber nicht getrunken. Das hat mir einst bei den französischen und spanischen Fahrern den Spitznamen «Mister Seven Up» eingetragen. Erst etwa mit 40 Jahren habe ich dann angefangen, gelegentlich Wein zu trinken. Heute schätze ich ein Glas guten Wein. Etwas Alltägliches ist es für mich aber auch heute nicht.

Als grosser Transport- und Logistikunternehmer sind Sie wohl oft mit dem Image eines Umweltverpesters konfrontiert. Wie gehen Sie damit um?
Der umweltfreundlichste Transport ist der Nichttransport. Nur hat in diesem Fall der Konsument nichts auf dem Tisch. Wir transportieren ja nur, was verlangt wird, und das möglichst ökologisch. Bereits 1988 haben wir mit dem kombinierten Verkehr Strasse/Schiene begonnen, deshalb trifft uns kein negatives Image.

Dreier AG: Transport auf der Schiene

Sie betonen, Dreier sei ökologisch unterwegs. Was heisst das konkret?
Wir verwenden gerne das Wort «ökologistisch». Wir arbeiten nach dem Grundsatz: kurze Strecken auf der Strasse, lange Strecken auf der Schiene! Wo immer möglich und machbar setzen wir auf die Bahn. Das gilt auch auf relativ kurzen Strecken innerhalb der Schweiz. Gleichzeitig achten wir bei unseren Fahrzeugen auf neuste Technologie. Da sind in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte gemacht worden. Ökologie ist für uns kein Marketing-Gag, wir haben sie seit 1988 in unserer DNA.

«Bis 2025 dürften in der Schweiz über
1000 Wasserstoff-LKWs unterwegs sein.»

Delinat hat die Dreier AG als Transporteur ausgewählt, weil das Unternehmen für die wichtigsten Weinländer auf den kombinierten Verkehr setzt. Heute funktioniert diese Art des Transports international nur noch mit Italien und Deutschland. Weshalb mit Spanien und Frankreich nicht mehr?
Früher hatten wir Bahnverbindungen über Frankreich nach Spanien. Das ist seit Jahren leider nicht mehr der Fall. Es begann mit einem Lokführer- oder Lokmangel in Frankreich. Dann brachen mit der Finanzkrise 2009 Volumen weg. Es hat aber auch mit dem geänderten Warenfluss zu tun. Von der Schweiz wird nur noch wenig Ware nach Spanien exportiert, was dazu geführt hat, dass der kombinierte Verkehr plötzlich nicht mehr angeboten wurde. In Deutschland und Italien ist dieses Angebot viel besser ausgebaut und die Qualität stimmt.

Hans-Peter Dreier, CEO Dreier AG
Transportunternehmer Hans-Peter Dreier setzt auf den kombinierten Verkehr Strasse/Schiene. Für lange Transporte auf der Strasse sieht er die Zukunft bei Wasserstofffahrzeugen.

Persönlich
Hans-Peter Dreier (Jahrgang 1960) ist in Suhr AG geboren und aufgewachsen. Nach einer kaufmännischen Lehre und mehreren Auslandaufenthalten hat er in Olten Betriebswirtschaft studiert.

1985 ist er ins Familienunternehmen eingestiegen. Seit 1994 führt er die Dreier AG. Für das ökologisch ausgerichtete Transport- und Logistikunternehmen aus Suhr sind an verschiedenen Standorten in Europa und Nordafrika über 600 Mitarbeitende sowie 290 LKW und 650 Wechselbrücken im Einsatz. Für Delinat transportiert das Unternehmen Weine von Winzern in Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland via Schiene und Strasse ins Zentrallager in Grenzach.

Hans-Peter Dreier ist mit seiner langjährigen Partnerin verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. In seiner Freizeit unternimmt er gerne Reisen in unterschiedliche Länder oder ist in den Schweizer Bergen unterwegs.

Die Ansprüche von Delinat an Logistik und Transport wachsen ständig. Wohin geht die Reise in diesen Bereichen?
Die Motorentechnologie für den Strassentransport ist schon weit fortgeschritten, geht aber noch weiter. Die zulässigen Schadstoffwerte werden immer stärker gesenkt, aber irgendwann ist das Potenzial bei Verbrennungsmotoren ausgeschöpft. Als Alternativen gibt es heute zwei Tendenzen. Zum einen kommen Elektrofahrzeuge auf den Markt. Die Herausforderung sind hier die derzeit eher bescheidenen Reichweiten. Elektro-LKWs werden sich in den nächsten Jahren vor allem im Bereich der Citylogistik mit Tagesdistanzen bis zu 300 Kilometern durchsetzen. Im Langstreckenbereich sehe ich einen Durchbruch bis Ende Jahrzehnt eher bei der Wasserstofftechnologie. Diese erlaubt einen CO2-neutralen Transport. Der Start in der Schweiz ist mit ersten immatrikulierten LKWs gelungen. Bis 2025 dürften über 1000 Wasserstoff-LKWs unterwegs sein.

Ist ein Umstieg der ganzen Fahrzeugflotte auf diese neuen Technologien für eine Transport- und Logistikfirma überhaupt verkraftbar?
Bei uns ist es so, dass wir jedes Jahr mindestens 30 Fahrzeuge ersetzen müssen. Das geschieht immer durch Fahrzeuge, die ökologische Bestwerte erzielen. Eine Flottenerneuerung geschieht nicht von einem Tag auf den andern, sondern ist ein ständiger Prozess. Wichtig ist aber auch, dass zum Beispiel Wasserstofffahrzeuge, deren Technologie heute noch sehr teuer ist, vorderhand von Schwerverkehrsabgaben befreit bleiben, damit sich ein Umstieg finanzieren lässt, bis es Standardfahrzeuge sind.

Eine Vision, wie die Delinat-Weine im Jahr 2030 von den Winzern zu den Konsumenten gelangen könnten?
Persönlich hoffe ich, dass der kombinierte Verkehr zu einem adäquaten Preis so vielfältig ist, dass alle Länder Europas miteinander verbunden sind. Sollte diese Vision nicht klappen, streben wir mit Wasserstofffahrzeugen einen CO2-neutralen Transport an.

Bei welchen Gelegenheiten öffnen Sie eine gute Flasche?
Im Freundeskreis, in genussvollen Momenten, bei einem schönen Essen im privaten Kreis.

Wo liegen Ihre Präferenzen?
Ich mag vor allem gehaltvolle spanische Rotweine.

Wie gut kennen Sie die Delinat-Weine und wie gefallen sie Ihnen?
Mein Vater ist mehr Weinkenner als ich. Er kennt das Delinat-Sortiment gut und nutzt es auch gerne für Kundengeschenke. Die Feedbacks sind immer sehr positiv. Also greifen wir selber ebenfalls gerne auf solche Tropfen zurück.

Weintipp von Hans-Peter Dreier

Albet i Noya Reserva Marti

Durch meine früheren LKW-Fahrten nach Spanien ist eine spezielle Beziehung zu diesem Land und seinen Weinen geblieben. Der Reserva Martí ist samtig weich und überzeugt durch schöne Fruchtnoten. Dieser Wein harmoniert für mich auch gut mit einem Stück Schweizer Schokolade. Eine wunderbare Symbiose Spanien/Schweiz. Was will man mehr?

Albet i Noya Reserva Martí
Penedès DO 2015
www.delinat.com/albet-i-noya-reserva-marti

WeinLese 60: Editorial

Es gab eine Zeit, als der Papst nicht in Rom, sondern in Avignon residierte. Das war im 14. Jahrhundert, als die französische Krone dies so bestimmte. Johannes XXII., ein dem Wein verbundener Papst, war einer von ihnen. Er liess sich in Castrum Novum Calcernerii eine Sommerresidenz bauen und einen eigenen Weinberg anlegen. Daran erinnert der heutige Ortsname Châteauneuf-du-Pape. Optisches Wahrzeichen des Dorfes ist die noch bestehende päpstliche Schlossruine.

Alles andere als eine Ruine ist die Domaine de Beaurenard. Das Weingut wird seit 1695 von der Familie Coulon geführt und steht heute in schönster Blüte da. Seit 2014 arbeiten wir mit diesem Biobetrieb zusammen, dessen Weine immer wieder prämiert werden und entsprechend begehrt sind. Soeben hat auf dem Weingut die achte Generation das Zepter übernommen. Mit Respekt vor der Natur und der Tradition, aber mit neuen Ideen und Visionen wollen die beiden Brüder Victor und Antonin Coulon den Familienbetrieb mit jugendlichem Elan ganz im Sinne der Delinat-Methode noch mehr zum Blühen bringen.

In unserer Reportage stellen wir Ihnen die steinige Weinbauregion Châteauneuf-du-Pape sowie die Domaine de Beaurenard und ihre Weine, die sich hervorragend für die Festtage zum Jahresende eignen, näher vor. Ich wünsche gute Lektüre.

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WeinLese 60: Kurz & bündig

Dem Klimawandel getrotzt

Genügend Wasser dank Wassermanagment nach dem Konzept der Permakultur auf dem Weingut Pago Casa Gran

Carlos Laso spürt auf seiner Bodega Pago Casa Gran im Hinterland von Valencia den Klimawandel schon seit Jahren. Ausgedehnte Trockenperioden mit Wassermangel wechseln ab mit sintflutartigen Regengüssen, die für Überschwemmungen und Erosion sorgen. Vor vier Jahren begann er ein von Delinat-Winzerberater Daniel Wyss entwickeltes Bewässerungskonzept nach dem Konzept der Permakultur umzusetzen. Er legte Teiche und Versickerungsgräben an, die das Regenwasser speichern und nach und nach an die Reben abgeben. Nach einigen Rückschlägen funktioniert das Bewässerungskonzept jetzt gut und hat diesen Sommer sogar für eine freudige Überraschung gesorgt: Eine alte, während Jahren versiegte Grundwasserquelle sprudelt jetzt plötzlich wieder. Für Carlos ist klar, dass das Grundwasserreservoir einerseits durch die ausgehobenen Retentionsbecken und Gräben sowie durch die ausgiebigen Regenfälle in diesem Frühjahr aufgefüllt wurde.

Gold für Delinat-Wein

An der diesjährigen Sommerverkostung der Internationalen Weinprämierung MUNDUS VINI gab es für Delinat sieben Gold- und vier Silbermedaillen. Mit Gold prämiert wurden die Rotweine Albet i Noya Reserva Martí 2014 (Penedès); der Alagea 2018 von der Bodega Pago Casa Gran (Valencia); der Barbera La Luna del Rospo Bric Rocche 2017 von Renate Schütz (Piemont); der Mignechi Nero d’Avola 2017 von Massimo Maggio (Sizilien) und der Vale de Camelos Reserva 2017 vom gleichnamigen Weingut (Alentejo). Ebenfalls Gold gab es für den Weisswein Carcabo Blanco 2014 von Alberto Ramírez von der Bodega Las Cepas (Rioja) sowie für den Schaumwein Albet i Noya Espriu Brut 2017 (Penedès).
-> Hier finden Sie alle Medaillen-Weine aus unserem Sortiment.

Beharrlichkeit zahlt sich aus

Anne und Jean Lignières pflanzen Bäume zur Förderung der Biodiversität

In einer Welt, die wettermässig oft verrückt spielt, brauchen Winzer oft Geduld, bis sich Massnahmen zugunsten der Biodiversität auszahlen. Das ging auch Anne und Jean Lignières im südfranzösischen Languedoc nicht anders. Auf Anregung von Delinat haben sie 2012 rund um ihre Rebparzellen Bäumchen und Sträucher gepflanzt. Wildtiere, Schafe und Ziegen haben das als Einladung zu einem Festmahl betrachtet und sich mit grossem Appetit auf die jungen Schösslinge gestürzt. Übrig gebliebene junge Pflänzchen fielen später einer Dürreperiode zum Opfer. Doch die Familie Lignières hat nicht aufgegeben, Neupflanzungen vorgenommen und kann sich heute über viele prächtige und gut sichtbare Pflanzen freuen, die eine echte Bereicherung für Flora und Fauna rund um die Weinberge darstellen.

Nanas Bioladen bei Sepp Moser

Bioladen auf dem Weingut Sepp Moser

Das Weingut Sepp Moser in Rohrendorf im Kremstal wird von Andrea und Nikolaus (Niki) Moser biodynamisch und nach den strengen Delinat-Richtlinien geführt. Neben feinen Weinen gibt es hier seit Ende Mai 2020 auch ein Sortiment an liebevoll ausgewählten Bio-Lebensmitteln rund um Milch, Brot, Eier, Obst, Gemüse, Fleisch und Getreide. Tochter Mariana (Nana) Moser hat als Jungunternehmerin auf dem Familienweingut einen Bioladen eröffnet, mit dem die ökologische Produktion und die regionale Wertschöpfung gefördert werden. Die Produkte stammen grösstenteils direkt von Bio-Bauern aus der Umgebung. Geöffnet hat Nanas Bioladen am Dienstag und Freitag von 15 bis 19 Uhr sowie am Samstag von 9 bis 12 Uhr.

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«Rolling Stones» in Châteauneuf-du-Pape

Die grossen, runden Kieselsteine (galets roulés) sind ein Markenzeichen von in den Weinbergen von Châteauneuf-du-Pape.

In den Weinbergen von Châteauneuf-du-Pape sorgen die «Rolling Stones» für die Musik. Die grossen, runden Kieselsteine (galets roulés) speichern Sonnenwärme und lassen die Trauben harmonisch reifen. Auf der Domaine de Beaurenard kommt eine grosse natürliche Vielfalt hinzu. Die edlen Tropfen der Familie Coulon sind von grosser Klasse und genau das Richtige für lange Winterabende und festliche Menüs.

«Manchmal frage ich mich, ob sich diese Mühe lohnt. Die Pflege der alten Rebstöcke, zu denen man sich hinunterbücken muss. Knorrige Gesellen, die mit Trauben geizen. Die vielen eigenwilligen Sorten. Der steinige Boden. Wenn ich dann aber eine Flasche Anthémis öffne, in grosse Weinkelche ausschenke, wir einander zuprosten und ich wenig später all die glücklichen Gesichter sehe, dann weiss ich die Antwort.» Frédéric Coulon, der zusammen mit seinem Bruder Daniel in siebter Generation die Domaine de Beaurenard führt, weiss, wovon er spricht. Seit 2008 bewirtschaftet die Familie die 32 Hektar Reben in Châteauneuf-du-Pape und nochmals so viel Fläche in den angrenzenden Appellationen Rasteau und Côtes du Rhône biologisch und seit 2014 ganz im Sinne der Delinat-Methode.

In den besten Lagen der Domaine de Beaurenard kommen statt Traktoren Pferde zum Einsatz.

In den besten Lagen kommen statt Traktoren Pferde zum Einsatz. Die bis zu 100-jährigen Rebstöcke geben nur wenig Ertrag, die Trauben sind aber hochwertig und werden alle von Hand gelesen. Eine Knochenarbeit auf den mit grossen, runden Kieselsteinen übersäten Rebbergböden. Aber es sind gerade diese «Rolling Stones», in Frankreich «galets roulés» genannt, welche die Musik in den Beaurenard-Weinen ausmachen. Alles ist hier zwar sehr aufwendig und zeitraubend. Aber es lohnt sich. Davon zeugen auch die über 400 Medaillen, welche die Familie Coulon mit ihren Weinen bisher eingeheimst hat.

Eine reiche Tier- und Pflanzenwelt gehört neben den steinigen Böden zum Markenzeichen der Weinberge von Beaurenard.
Eine reiche Tier- und Pflanzenwelt gehört neben den steinigen Böden zum Markenzeichen der Weinberge von Beaurenard. Der Naturreichtum spiegelt sich in den Weinen in Form von Charakter und intensiven Aromen wider.

Das Vermächtnis der Päpste

Das kleine Weinbaugebiet im südlichen Rhonetal hat eine lange Tradition und eine spannende Geschichte. Wie alle Päpste des 14. Jahrhunderts residierte Johannes XXII. in Avignon statt in Rom. Zwischen 1318 und 1334 liess er in Châteauneuf-du-Pape eine päpstliche Sommerresidenz bauen und einen eigenen Weinberg anlegen. Damals bevorzugten die Päpste noch den Wein aus Beaune (Burgund). Doch später wurden in Châteauneuf-du-Pape Traubensorten aus anderen Regionen heimisch, und die Weine gewannen an Renommee.

Auf der Domaine de Beaurenard sind sämtliche Bodenarten und Traubensorten zu finden.

Gut 200 Jahre nach den Päpsten liess sich die Familie Coulon auf der Domaine de Beaurenard in Châteauneuf-du-Pape nieder. Ihre Weine gereichen der Region zu Ehren und führen das Vermächtnis der Päpste würdig weiter. Ähnlich wie im Burgund werden auch in Châteauneuf-du-Pape Rot- und Weissweine auf hohem Niveau erzeugt. Hier sind es aber nicht sortenreine Gewächse aus Pinot Noir und Chardonnay, sondern Assemblagen aus bis zu 13 verschiedenen Traubensorten, die auf unterschiedlichen Böden gedeihen. Auf der Domaine de Beaurenard sind sämtliche Bodenarten und Traubensorten zu finden. Gerade der rote Anthémis de Beaurenard zeichnet sich durch eine grosse Vielfalt bezüglich Böden und Sorten aus und ist somit ein Symbol des Weinguts.

Lob vom Krimiautor

Weinkeller der Domaine de Beaurenard

Der schottische Krimiautor Martin Walker («Bruno, Chef de Police»), bezeichnete den Anthémis de Beaurenard bei einem WeinLese-Interview als «LoveWine». Darunter verstehen englischsprachige Weinliebhaber Tropfen, in die man sich schon beim ersten Schluck verliebt. Martin Walker: «Ein wunderschöner Wein, der das mediterrane Klima, in dem er reift, wunderbar ausdrückt.» Das Pendant in Weiss, der Anthémis de Beaurand blanc, ist eine filigrane Komposition aus den weissen Sorten Clairette Blanche, Grenache Blanc, Bourboulenc, Roussanne, Picpoul und Picardan. Für Neugierige: Der Name Anthémis erinnert an die Griechen und Römer, welche die Hundskamille so bezeichneten. Die von Juni bis September blühende Pflanze gehört zu den auffälligen Erscheinungen in den artenreichen Rebbergen der Domaine de Beaurenard, wo in den vergangenen Jahren Hunderte von Bäumen und Sträuchern angepflanzt wurden, um die Biodiversität zu verbessern. Der rote La Tradition de Beaurenard ist eine preiswerte Alternative aus der benachbarten Appellation Rasteau. Hier gedeihen Grenache, Syrah und Mourvèdre an bester Sonnenlage.

Frischer Wind

Die Komposition der Weine auf Beaurenard ist Familiensache.
13 Traubensorten stehen zur Wahl: Die Komposition der Weine auf Beaurenard ist Familiensache. Die junge Generation bestimmt im Keller am Fusse der päpstlichen Schlossruine mit.

Die Traubenzusammensetzung der Beaurenard-Weine kann von Jahr zu Jahr etwas variieren. Die Assemblage ist stets Familiensache. Dabei spielt die junge Generation mit Victor und Antonin, den beiden Söhnen von Daniel Coulon, zunehmend eine wichtige Rolle. Beide sind soeben als Mitbesitzer und neue Taktgeber ins Weingut eingestiegen. In achter Generation führen sie die Domaine mit Respekt vor der Familientradition und der Natur, aber auch mit neuen Ideen und Visionen weiter. Der dreissigjährige Victor ist studierter Agraringenieur und zeichnet als Kellermeister für die Vinifikation und den Export verantwortlich. Sein jüngerer Bruder Antonin (28), der ein MBA-Diplom in Management und Handel in der Tasche hat, ist für die Weinberge und den Handel in Frankreich zuständig. Die beiden Jungwinzer haben klare Vorstellungen, wie sie ihr Familienweingut noch stärker zum Leuchten bringen wollen: «Mit grosser Leidenschaft und Hingabe, aber demütig gegenüber der Natur, wollen wir auf dem Weg der grossen Weine weiter voranschreiten», sagt Victor. Die Vision von einem grossräumigen Weinbau mit reicher Biodiversität packen die beiden Brüder mit unkonventionellen Ideen an. Als Mitglieder der Vereinigung junger Winzer von Châteauneuf-du-Pape (Victor ist der Vorsitzende) haben sie den Marathon des arbustes initiiert. Dieses einzigartige Projekt sieht vor, dass im kommenden Jahr auf einer Marathondistanz von 42,195 Kilometern quer durch die Reben von Châteauneuf-du-Pape Bäumchen und Sträucher gepflanzt werden. Damit erhält die Naturvielfalt in diesem Weinbaugebiet, in dem bereits rund ein Drittel der Reben biologisch bewirtschaftet wird, einen schönen Schub über die Domaine de Beaurenard hinaus. Victor und Antonin Coulon erfreuen sich übrigens nicht nur an artenreichen Weinbergen mit den galets roulés, sie mögen auch die Musik der Rolling Stones. Victor: «Fantastisch, zeitlos, voller Energie – wie unsere Weine!»

Die Traubensorten von Châteauneuf-du-Pape

Rote Rebsorten, die für einen Châteauneuf-du-Pape zugelassen sind.

Seit 1936 sind für einen Châteauneuf-du-Pape 13 Rebsorten zugelassen (14, wenn zwischen Grenache Noir und Grenache Blanc unterschieden wird). Für Rotweine dominieren vier Sorten: Grenache, Syrah, Mourvèdre und Cinsault. Ergänzt werden sie durch Counoise, Muscardin, Terret Noir und Vaccarèse. Die Weissweine werden aus den Sorten Clairette, Roussanne, Bourboulenc, Grenache Blanc, Picardan und Picpoul erzeugt. In einem Châteauneuf- du-Pape können, müssen aber nicht alle Sorten enthalten sein.

Weisse Rebsorten, die für einen Châteauneuf-du-Pape zugelassen sind.

Probierpaket «Châteauneuf-du-Pape und Rasteau»

Die Domaine de Beaurenard erzeugt rote und weisse Châteauneuf-du-Pape- Weine auf hohem Niveau. Neben je zwei Flaschen Rot- und Weisswein aus dieser berühmten Appellation enthält das Probierpaket zwei Flaschen Rotwein aus der aufstrebenden Nachbarregion Rasteau. Alle Weine zeichnen sich durch eigenständigen Charakter und Raffinesse aus.

Anthémis de Beaurenard
Welche Eleganz, welche Kraft und Harmonie! Dieser Châteauneuf- du-Pape ist wie geschaffen für festliche Momente und stellt so manchen teureren Wein in den Schatten. Eine rote Cuvée, gekeltert aus allen 13 zugelassenen Sorten. Während 15 Monaten im grossen und kleinen Holzfass ausgebaut.
-> Zum Wein

Anthémis de Beaurenard blanc
Ein weisser Châteauneuf-du- Pape wie aus dem Bilderbuch: in der Nase floral-würzig, am Gaumen komplex und aromatisch. Der Name Anthémis erinnert an die Hundskamille, die in den artenreichen Rebbergen der Familie Coulon zahlreich blüht.
-> Zum Wein

La Tradition de Beaurenard
Aus der Appellation Rasteau stammen kraftvolle Rotweine, die einen willkommenen Kontrast zu den Gewächsen von Châteauneuf-du-Pape bilden. Die fruchtige, konzentrierte Cuvée aus Grenache, Syrah und Mourvèdre zeichnet sich durch Frische und Charakter aus. Ein Jahr im grossen Holzfass gereift.
-> Zum Wein

Das Probierpaket mit 6 Flaschen kostet CHF 175.00 / € 145,00 und enthält je zwei Flaschen: Anthémis de Beaurenard, Anthémis de Beaurenard blanc und La Tradition de Beaurenard (Angebot solange Vorrat).
-> Jetzt bestellen

Im WeinLese-Beitrag «Edle Tafel» finden Sie einige Rezeptideen zu den Weinen der Domaine de Beaurenard.

Über 350 Weine aus den artenreichsten Weinbergen Europas finden Sie übrigens in unserem Webshop.

Hier finden Sie alle Beiträge der WeinLese 60:

Auf ein Glas dem Erfinder des Cradle-to-Cradle-Konzepts

Ein wirtschaftliches Produktionssystem, das keinen Abfall produziert. Cradle to Cradle (von der Wiege zur Wiege) strebt den perfekten natürlichen Kreislauf an. Wir sprachen mit dem Erfinder Michael Braungart aus Hamburg über das revolutionäre Konzept, die Schwierigkeiten bei der Umsetzung und eine mögliche Anwendung im Weinbau.

Cradle to Cradle steht für den perfekten natürlichen Kreislauf ohne Abfall. Wie soll das funktionieren?
Michael Braungart: Cradle to Cradle steht für zwei Kreisläufe: einen biologischen Kreislauf für Verbrauchsprodukte und einen technischen Kreislauf für Gebrauchsprodukte. Die Natur kennt keinen Abfall. Trotz seiner Intelligenz ist der Mensch das einzige Lebewesen, das Müll produziert. Das müssen wir ändern. Deshalb muss alles nochmals neu erfunden werden.

Wie soll das gehen?
Eigentlich ist es ganz einfach. Man entwickelt alle Dinge so, dass sie ein biologisches System unterstützen. Alle Zutaten werden so ausgesucht, dass sie zu Kompost werden und in biologische Kreisläufe (Biosphäre) zurückgehen können. Oder aber, da wir ja nicht einfach nur wie Ameisen leben, sondern auch Waschmaschinen, Fernseher und Computer haben wollen, entwickelt man technische Geräte so, dass sie in einen technischen Kreislauf (Technosphäre) geführt werden können. Wir müssen unsere Intelligenz in die Produktgestaltung und nicht in nachgeschaltete Einrichtungen wie Klär- und Kehrrichtverbrennungsanlagen stecken. Dann werden die Produkte nicht nur besser, sondern auch kostengünstiger.

Cradle to Cradle Erfinder Michael Braungart
Geht es nach Professor Michael Braungart, leben wir 2050 in einer Welt ohne Abfall.

Existieren denn bereits solche Neuerfindungen?
Wir beschäftigen uns seit Anfang der 1990er mit der Neugestaltung von Produkten. Eines der ersten Cradle-to-Cradle-Produkte ist in Heerbrugg in der Nähe von St. Gallen entstanden. Das sind kompostierbare, quasi essbare Möbelbezüge, die bis heute erfolgreich auf dem Markt sind. Wir haben dafür nur ungiftige Zutaten verwendet, die man theoretisch auch essen könnte. Die Möbelbezüge kommen aber in ihrem zweiten Leben als Nährstoffe, zum Beispiel als Torfersatz in Gärtnereien, zum Einsatz.

«Wir müssen alles nochmals neu erfinden.»

Cradle to Cradle ist nur wenigen Leuten ein Begriff. Weshalb setzt sich Ihr Konzept nicht schneller durch?
Ich bin völlig überrascht, wie schnell es sich durchsetzt. Es gibt weltweit schon 11‘000 Cradle-to-Cradle-Produkte. In Ländern mit einer fast perfekten Müllindustrie setzt sich unser Konzept natürlich langsamer durch. Da hat man gar kein Interesse, weil dann die teure Kehrrichtverbrennungsanlage plötzlich überflüssig wird. Ich bin aber gleichwohl extrem optimistisch und glaube, dass vor 2050 alles Cradle to Cradle sein wird.

Verraten Sie uns noch ein paar andere gute Beispiele von Cradle-to-Cradle-Produkten?
2006 haben wir zusammen mit dem Bekleidungsartikelhersteller Trigema das erste kompostierbare T-Shirt entwickelt. Viele gute Beispiele gibt es auch aus dem Baubereich. In den 1960er Jahren begann man, gutes Handwerk durch schlechte Chemie zu ersetzen. Heute gibt es wieder Farben oder Teppichböden, die nicht nur nicht giftig sind, sondern aktiv die Luft reinigen.

Macht die Wirtschaft da wirklich mit? Die ist doch profitorientiert, will möglichst viel produzieren und verkaufen.
Jede Designschule, die etwas auf sich hält, lehrt inzwischen Cradle-to-Cradle-Design. Auf diese Weise entstehen viel schönere und bessere Produkte. In vielen Familienunternehmen stellt die Nachfolgegeneration heute das Mengen- und Umsatzdenken infrage. Was produziert wird, soll nützlich und nicht einfach nur weniger schädlich sein. Cradle to Cradle umzusetzen bedeutet, auf Effektivität statt auf Effizienz zu setzen. Effektivität zielt darauf ab, das Richtige zu produzieren, nicht das Bestehende zu optimieren. Der Ansatz, klimaneutral sein zu wollen, ist für mich falsch. Wir sollten klimapositiv sein.

«Alles, was im Leben schön ist, ist nicht effizient, sondern effektiv.»

Können Sie das anhand eines Beispiels erklären?
Das schönste Beispiel für den Unterschied zwischen Effizienz und Effektivität liefert der Wein. Ein effizienter Wein ist ein billiges, undefinierbares Mittelmeergemisch aus der Tetrapackung. Ein effektiver Wein ist ein schön komponierter Tropfen aus der Flasche, bei dem ich mich in geselliger Runde über die Welt und Cradle to Cradle unterhalte. Alles, was im Leben schön ist, ist nicht effizient, sondern effektiv.

Persönlich
Prof. Dr. Michael Braungart, Jahrgang 1958, studierte Chemie und Verfahrenstechnik in Konstanz und Darmstadt und promovierte an der Universität Hannover. Parallel dazu engagierte er sich bei Greenpeace. 1987 gründete er die EPEA Internationale Umweltforschung in Hamburg, die er heute noch leitet. Das Cradle-to-Cradle-Konzept entwickelte Braungart Ende der 1990er Jahre zusammen mit dem US-amerikanischen Architekten William McDonough. Es propagiert eine Welt ohne Abfall. Erreicht werden soll das, indem nur noch Produkte hergestellt werden, die in einen natürlichen oder einen technischen Kreislauf zurückgeführt werden können. Braungart lehrt an verschiedenen Universitäten und treibt konsequent die Entwicklung von Cradle-to-Cradle-Produkten voran, von denen es seinen Aussagen zufolge mittlerweile weltweit 11‘000 gibt. Jährlich findet in Berlin ein Cradle-to-Cradle-Kongress statt, für den Delinat den Wein sponsort.
Michael Braungart ist mit der deutschen SPD-Politikerin und Mitbegründerin von Greenpeace Deutschland, Monika Griefahn, verheiratet und hat drei Kinder.

Wie kann Cradle to Cradle im Weinbau konkret angewendet werden?
Bislang geht es beim Umweltschutz nur darum, Energie zu sparen, den Wasserverbrauch zu reduzieren oder weniger Müll zu produzieren. Doch das hat nichts mit dem Schutz der Umwelt zu tun, sie wird nur weniger belastet. Wir müssen aufhören, uns als Schädlinge zu begreifen, sondern wir müssen uns als Chance für diesen Planeten sehen. Der Weinbau ist eine schöne Übungsanlage, um zu zeigen, dass es darum geht, in Partnerschaft mit der Natur zu leben.

Die Delinat-Methode versucht, diesen Ansatz in der Praxis umzusetzen. Wie nahe ist sie an Cradle to Cradle?
Ich habe mich im Hinblick auf dieses Interview mit der Delinat-Methode beschäftigt. Sie geht tatsächlich in unsere Richtung, weil sie ein partnerschaftliches Verständnis mit der Natur propagiert. Die Weine, die daraus entstehen, überzeugen mich übrigens sehr. Einer besser als der andere.

Über 350 Delinat-Weine aus den artenreichsten Weinbergen Europas finden Sie in unserem Webshop.

Hier finden Sie alle Beiträge der WeinLese 60:

Bewegung an der Energiefront – Delinat-Winzer setzen auf erneuerbare Energie

Delinat-Winzer legen nicht nur Wert auf eine grosse natürliche Vielfalt in ihren Weinbergen. Für eine nachhaltige Wirtschaft ist auch der Umgang mit der Energie zentral. Im Bestreben, Delinat-Weine in einigen Jahren klimaneutral zu produzieren, treten ab 2021 Richtlinien bezüglich erneuerbarer Energie in Kraft. Strom soll mithilfe von Sonne, Wind oder Wasser möglichst auf dem Weingut oder in der unmittelbaren Umgebung erzeugt werden. Langfristig soll grüner Strom die fossilen Energieträger vollständig ersetzen und Heizung, Kühlung, Maschinen, Traktoren und andere Transportmittel antreiben. Delinat strebt diese Transformation bis zirka 2030 an.

Die neuen Energie-Richtlinien sehen vor, dass Delinat-Weingüter ab 2021 mindestens 30 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus eigenen oder regionalen erneuerbaren Quellen beziehen. Dieser Anteil soll kontinuierlich bis auf 100 Prozent ansteigen. Fossile Brennstoffe können vorübergehend durch die Produktion von grünem Strom kompensiert werden.

Zahlreiche Weingüter sind bei der Verwendung von erneuerbarer Energie schon sehr weit. Winzer-Berater Daniel Wyss stellt fünf Betriebe vor, die innovative Projekte umgesetzt haben oder diese demnächst realisieren und damit eine Vorbildfunktion übernehmen.

Weingut Lenz, Schweiz

Auf dem Weingut Lenz setzt man auf Erdwärme

Roland und Karin Lenz haben es in den vergangenen Jahren geschafft, ihr 14 Hektar grosses Weingut in Iselisberg bei Frauenfeld bis auf das Wasser zu 100% energieautark zu machen. Mittels Solaranlagen wird mehr Naturstrom produziert, als auf dem Betrieb gebraucht wird. Eine ganze Tagesproduktion kann in einem Batteriespeicher zwischengelagert werden. Überschüssiger Strom (rund 30%) wird jeweils abends ins öffentliche Netz eingespeist. Mittels Erdsonden wird genügend Erdwärme zur Beheizung aller Räumlichkeiten gewonnen. Durch Kühlanlagen entstehende Abwärme wird in die Erdsonden zurückgeführt, damit diese nie zu stark auskühlen. Dieses System funktioniert bereits seit 2015. Als nächster Schritt wird versucht, fossile Brennstoffe wie Diesel zu substituieren. Bereits sind 3 Elektrolieferfahrzeuge im Einsatz. «Jetzt hoffen wir, dass bald ein geeigneter Elektrotraktor auf den Markt kommt», erklärt Roland Lenz. Da man mit der Nutzung von grüner Energie schon sehr weit ist, wird auch an anderen CO₂-Faktoren geschraubt: leichtere Weinflaschen, Mehrwegflaschen, unbeschriftete Kartons und anderes mehr …

Albet i Noya, Spanien

Windpark in der Nähe des Weinguts Albet i Noya

Die Bodega Albet i Noya im Penedès ist am Kooperationsprojekt Viure de l’Aire beteiligt, wo mittels Windenergie Strom erzeugt wird. Seit zwei Jahren bezieht Albet i Noya über 80 Prozent der benötigten Elektrizität über diesen gut 50 Kilometer entfernt gelegenen Windpark. Zusätzlich waren für 2020 Investitionen in eine Solaranlage auf dem Dach des neuen Weinkellers geplant. Durch die durch Covid-19 verursachte Krise musste das Projekt zurückgestellt werden. Josep Maria Albet i Noya: «Wir hoffen, die Anlage 2021 oder 2022 realisieren zu können.» Danach wird der Betrieb punkto Elektrizität dank Wind und Sonne energieautark sein. In weiteren Schritten soll nach und nach auf fossile Brennstoffe verzichtet werden, indem Elektrofahrzeuge angeschafft werden. Dafür ist ein weiterer Ausbau der Solaranlage nötig. Der Winzer rechnet damit, dass bis spätestens 2030 auf dem Markt ein Elektrotraktor verfügbar sein wird, der die Anforderungen für eine Bearbeitung der Weinberge erfüllt.

Vale de Camelos, Portugal

Photovoltaikanlage auf dem Weingut Vale de Camelos

Antje und Thorsten Kreikenbaum, die deutschen Besitzer der Adega Vale de Camelos im Alentejo, haben ihr Weingut im Bereich der Elektrizität zu 100 Prozent unabhängig gemacht. Auf dem Gut sorgen vier grosse Solaranlagen für mehr Strom, als für Betrieb, Bewässerung, Kühlung und anderes gebraucht wird. Überschüssige Sonnenenergie wird ins öffentliche Netz eingespeist. Erste Solarpanels wurden bereits 2005 installiert, was damals in Portugal als Pionierleistung galt. 2018 wurde zusätzlich in Isolation und Modernisierung des Weinlagers investiert, um den Energieverbrauch für Kühlung in den heissen Sommermonaten zu senken. Fahrzeuge und Traktoren werden derzeit noch mit Diesel betrieben. «Unser Gesamtbetrieb umfasst 1000 Hektar. Aufgrund der langen Fahrdistanzen und der erheblichen Investitionen ist eine Umstellung auf solarbetriebene Fahrzeuge kurzfristig nicht möglich», erklärt Antje Kreikenbaum. Es ist aber geplant, weitere Solaranlagen in Betrieb zu nehmen und so fossile Energieträger noch mehr zu kompensieren. Das Alentejo ist eine der Regionen in Europa mit den meisten Sonnenstunden. Da liegt die Nutzung von Solaranlagen nahe, denn hier kann die Sonnenenergie sehr effizient genutzt werden.

Domaine Mon Rêve, Frankreich

Auf der Domaine Mon Rêve wird mit Wasserkraft gearbeitet

Vom Gesamtenergieverbrauch auf der Domaine Mon Rêve im Languedoc stammen derzeit erst knapp 30 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Diese grüne Energie kommt in Form von Strom vom Wasserkraftwerk eines unmittelbar beim Weingut gelegenen Stausees. Dieses ist mit einer ökologisch vorbildlichen Fischtreppe ausgestattet. Spätestens bis zum Jahr 2023 will Sébastien Rouve den Anteil erneuerbarer Energie stark steigern und zu 100 Prozent grünen Strom verwenden. Gelingen soll dies mit einer Solaranlage, die auf dem Dach seines neuen Weinkellers entsteht. Zusätzlich investiert der Winzer in Massnahmen, die den Energiebedarf verringern. «Die Schwierigkeit, eine klimaneutrale Energiebilanz zu erreichen, sind vor allem finanzieller Natur. Für mich als Kleinbetrieb bedeutet das Investitionen in der Höhe von 125‘000 Euro.» Darin noch nicht enthalten sind Investitionen für den Umstieg von Diesel- auf Elektrotraktoren. Für Sébastien Rouve sind solche Fahrzeuge noch zu teuer und zu wenig leistungsfähig. Er geht aber davon aus, dass dies in ein paar Jahren anders sein wird.

Azienda Le Contrade, Italien

William Savian hat setzt seit 2007 auf Solarkraft

Mit dem Neubau seiner Kellerei im Jahr 2007 hat William Savian auf seinem Weingut Le Contrade unweit von Venedig einen Pakt mit der Sonne geschlossen. Verschiedene Solaranlagen machen den Betrieb vollständig stromunabhängig. Zudem werden Wohnhaus, Büros und Degustierraum mithilfe eines artesischen Brunnens beheizt. Die Quelle liegt in einer Tiefe von 600 Metern und hat eine Wassertemperatur von 28 °C. Für die Brauerei (William Savian erzeugt auch Bier) und das Sterilisieren von Geräten wird 100-grädiges Wasser benötigt, das derzeit noch mit Flüssiggas (LPG) erzeugt wird. William Savian: «Im Augenblick schaffen wir es noch nicht, den Heizkessel zu ersetzen. Wir haben elektrische Tauchsieder getestet. Jedoch dauert die Aufheizzeit zu lang.»

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Regenerative Landwirtschaft – die natürliche «Reparaturwerkstatt»

Regenerative Landwirtschaft – schon wieder so ein Begriff, der in Ökokreisen gerade die Runde macht. Was ist darunter zu verstehen? Kurz auf den Punkt gebracht: Regenerative oder aufbauende Landwirtschaft ist nichts anders als eine Reparaturwerkstatt für beeinträchtigte oder zerstörte Kulturflächen. Delinat-Winzerberater Daniel Wyss gibt einen vertieften Einblick ins Thema.

Permakultur, Agroforst, regenerative Landwirtschaft, worin unterscheiden sich diese nachhaltigen Methoden genau?
Daniel Wyss: Permakultur ist umfassend. Es geht darum, natürliche Ökosysteme und Kreisläufe aus der Natur nachzuahmen. Bei der Agroforstwirtschaft werden Elemente des Acker- und Gemüsebaus mit Elementen der Forstwirtschaft kombiniert, etwa mehrjährige (Obst-)Bäume und Sträucher mit einjährigen Nutzpflanzen. Die regenerative Landwirtschaft greift auf Konzepte der Permakultur, der Agrarökologie und des holistischen (ganzheitlichen) Weidemanagements zurück. Es geht darum, den Boden zu regenerieren und ein widerstandsfähiges Anbausystem zu schaffen.

Bäume und Sträucher fördern die ökologische Vernetzung und steigern die Artenvielfalt im Weinberg.
Bäume und Sträucher fördern die ökologische Vernetzung und steigern die Artenvielfalt im Weinberg.

Was kann mit der regenerativen Landwirtschaft konkret bewirkt werden?
Sie kommt dort zur Anwendung, wo Kulturlandflächen durch Menschenhand über Jahrzehnte durch intensive, pestizidunterstützte Bewirtschaftung stark beeinträchtigt oder gar zerstört wurden. In solchen Fällen ist eine nachhaltige, strukturerhaltende Landwirtschaft nicht zielführend. Es geht viel mehr darum, durch gezielte und konsequente Verknüpfung von Faktoren wie Standortklima, Humusaufbau, Biodiversität und Wasserretention die Bodenfruchtbarkeit wieder herzustellen oder zu verbessern. Ziel ist ein pestizidfreies, effizientes und resilientes Anbausystem mit geschlossen Stoffkreisläufen.

Eine vielfältige Begrünung zwischen den Rebzeilen bietet nicht nur Nahrung für Insekten, sondern baut auch Humus auf und fördert ein gesundes Bodenleben.
Eine vielfältige Begrünung zwischen den Rebzeilen bietet nicht nur Nahrung für Insekten, sondern baut auch Humus auf und fördert ein gesundes Bodenleben.

Weshalb ist die regenerative Landwirtschaft ein grosse Chance für den Weinbau?
Viele Rebflächen Europas sind durch die bisherige Art der Bewirtschaftung und die klimabedingten Wetterextreme beeinträchtigt. Die regenerative Landwirtschaft baut Humus auf und verbessert die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens. Letztlich ist sie ein Anbausystem, das sich durch hohe Widerstandskraft gegenüber klimatischen Extremsituationen, rasche Regenerierfähigkeit und hohe Pflanzengesundheit auszeichnet.

Welche Massnahmen kommen im Weinbau zur Anwendung?
Durch Einsaaten von vielfältigen Pflanzenmischungen, Zufuhr von Kompost oder Mulch sowie eine möglichst zurückhaltende und nur oberflächliche Bodenbearbeitung wird Humus aufgebaut und der Boden regeneriert. Dabei helfen auch weidende Schafe in den Rebflächen und das Pflanzen von Bäumen und Sträuchern.

Schafe weiden in den begrünten Weinbergen und helfen dabei beim Humusaufbau.
Schafe weiden in den begrünten Weinbergen und helfen dabei beim Humusaufbau.

Auf verschiedenen Delinat-Weingütern ist die regenerative Landwirtschaft schon länger ein Thema. Wie sind die Erfahrungen?
Besonders eindrücklich ist das Beispiel unseres Partnerweingutes Vale de Camelos im Alentejo. In der Kornkammer Portugals ist die Bodenfruchtbarkeit auf riesigen Flächen durch eine jahrzehntelange intensive Getreidewirtschaft mit massivem Pestizideinsatz stark dezimiert worden. Als die Adega Vale de Camelos um die Jahrtausendwende begann, auf solchen Böden Reben zu pflanzen, versprach nur eine regenerative Landwirtschaft Aussicht auf Erfolg. Mittels Förderung der Biodiversität durch grossflächige Aufforstungen mit einheimischen Bäumen und Sträuchern, einer holistischen Weidewirtschaft mit Schafen, der Anlage von grossen Regenwasserseen und einem gezielten Humusaufbau gelang es, einen zunehmend in sich selber funktionierenden ökologischen Kreislauf anzustossen. Durch die im Alentejo ausgeprägten Extreme des Klimawandels (Hitze, Trockenheit, Starkregen), wurde es zu einer ganz besonderen Herausforderung. Aber es hat funktioniert.

Wasser-Management hat in der Permakultur einen hohen Stellenwert: Das Regenwasser wird während den regnerischen Monaten gesammelt und vermindert im Sommer den Trockenstress der Reben.
Wasser-Management hat in der Permakultur einen hohen Stellenwert: Das Regenwasser wird während der regnerischen Monate gesammelt und vermindert im Sommer den Trockenstress der Reben.

Gibt es andere gelungene Beispiele?
Ja. Auf unserem eigenen Weingut Château Duvivier in der Provence konnten die durch lange Trockenperioden bedingten Ernterückgänge dank Massnahmen aus dem Bereich der regenerativen Landwirtschaft gestoppt werden. Und auf dem Weingut Pago Casa Gran in der Region Valencia gelang es, eine während Jahren versiegte Quelle wieder sprudeln zu lassen.

Der Klimawandel und die Weinlese 2020

In weiten Teilen Europas ist die Weinlese in vollem Gange. Nicht überall wirkt sich der Klimawandel gleich aus. Während in südlichen Region höhere Temperaturen zu deutlich früherem Erntebeginn führten, ist dies in nördlichen Regionen diesmal weniger der Fall. Wetterextreme wie Dürre oder Starkregen hielten sich 2020 bisher fast überall in Grenzen. Allgemein können Delinat-Winzer eine gute Traubenqualität bei eher unterdurchschnittlicher Menge einfahren.

Weinlese 2020

Spanien

Bei den Winzern in Spanien dominiert dieses Jahr ein Thema: Wasser und die damit verbundenen Folgen. «Im Norden haben regelmässige Niederschläge und erhöhte Temperaturen zu einem noch nie dagewesenen Krankheitsdruck geführt», sagt Raúl Ripa von der Bodega Quaderna Via in der Navarra.

Katalonien ist besonders stark vom Falschen Mehltau betroffen. Auf der Bodega Albet i Noya rechnet man mit Ernteausfällen zwischen 20 und 40 Prozent.

Gute Ernte auf dem Weingut Pago Casa Gran
Dank langjährigen Investitionen ins Wassermanagment konnten die Reben auf dem Weingut Pago Casa Gran auch während längeren Trockperioden auf genügend Wasserreserven zugreifen.

Carlos Laso vom Weingut Pago Casa Gran in Valencia war letztes Jahr stark von Wetterextremen (Frost, Starkregen, Dürre) betroffen. Damals zeigte sich, wie wichtig es in trockenen Gebieten ist, Wasser zurückhalten zu können, wenn es in grossen Mengen vom Himmel fällt. Durch umfassende Permakulturmassnahmen gelingt es Carlos heute, den Reben auch in grossen Trockenperioden jederzeit genügend Wasser zuzuführen, so dass eine optimale Traubenreife möglich ist. Heuer blieb er von Wetterxtremen mehr oder weniger verschont und kann zu einem normalen Zeitpunkt ernten. In südlichen Regionen Spaniens wurde heuer dagegen rund zehn Tage früher als üblich mit der Lese begonnen.

Frankreich

Weinlese auf der Domaine Lignères
Auf der Domaine Lignères ist die Ernte bereits in vollem Gange.

Das ist auch bei Jean und Anne Lignères in den Corbières (Südfrankreich) der Fall. Hier wird seit dem 24. August von Hand gelesen. Damit sind sie gegenüber anderen Winzer der Region um rund zehn Tage im Vorsprung. «Wir wollen frisches Traubengut mit weniger Alkohol ernten», begründet Jean Lignères. Weil die Trauben dank Biodynamik und anhaltender warmen Temperaturen ohne Wetterextreme schon früh optimal gereift sind, fällt die Ernte diesmal früher aus.

Italien

Gute Traubenqualität in Süditalien
Gute Traubenqualität trotz früher Ernte auf der Masseria Falvo.

Rund zehn Tage früherer Erntebeginn und eine gute Traubenqualität melden auch unsere Winzer aus Süditalien. «Wir begannen mit der Ernte nach Mitte August, sind also sehr früh dran, aber die Qualität stimmt», sagt Ermanno Falvo von der Masseria Falvo in Kalabrien. Die frühe Ernte ist auf drohenden Trockenstress zurückzuführen, der laut Ermanno klimabedingt ist. «Wir denken deshalb darüber nach, in Notbewässerungssysteme und in die Rodung und Neubepflanzung von Weinbergen mit dürreresistenteren Reben zu investieren.»

Noch weiter südlich, auf Sizilien, begann die Ernte auf dem Weingut Maggio bereits am 10. August, was laut Massimo Maggio aber nicht aussergewöhnlich ist. «Wir hatten keinen sehr heissen Sommer und nur einen Starkregen kurz vor Erntebeginn, sodass wir schöne und gesunde Trauben mit guter Weinperspektive ernten können.»

Im nördlichen Italien war der Sommer eher kühl. Von Klimawandel war hier in diesem Jahr wenig zu spüren, so dass der Erntebeginn im langjährigen Durchschnitt liegt. «Der Ertnezeitpunkt wird heuer weder durch atmosphärische Ereignisse noch durch den Klimawandel beeinflusst. Wir werden wie üblich Mitte September beginnen und die Ernte nach drei bis vier Wochen abschliessen», sagt Alberto Brini vom Weingut Il Conventino in der Toskana.

Auf der Azienda Poggio Ridente startet bald die Ernte der roten Trauben
Winzerin Cecilia Zucca zeigt sich erfreut sich ob der diesjährigen Traubenqualität.

Auf der Azienda Poggio Ridente im Piemont zeigt sich ein ähnliches Bild: «Die roten Trauben werden wir etwas früher ernten, aber nicht viel. Wir beginnen etwa ab 10. September», verrät Cecilia Zucca. Gleichwohl hat die Lese hier bereits am 17. August begonnen, denn für den Rosé müssen die Pinot-Nero-Trauben gelesen werden, bevor sie voll ausgereift sind.

Deutschland

Ein gutes Weinjahr für Tobias und Ellen Zimmer auf dem Weingut Hirschhof
Die Ernte auf dem Weingut von Tobias und Ellen Zimmer hat bereits Ende August begonnen.

Noch weiter nördlich ist der Klimawandel bei Delinat-Winzer diesmal ebenfall kaum ein Thema. «Ein sehr gut verlaufener Sommer ohne Wetterextreme wie Hitze, Trockenheit oder Starkregen», bilanziert Tobias Zimmer vom Weingut Hirschhof in Rheinhessen. Die Ernte begann am 27. August und damit eine gute Woche früher als im Durchschnitt. Grund dafür: milder Winter, früher Austrieb, harmonische Vegetationsperiode. Auf dem Hirschof wird sich die Ernte aber noch hinziehen. Tobias Zimmer: «Spätsorten wie Riesling und Spätburgunder benötigen noch Zeit.»

Österreich

Erst Mitte September und somit zu einem «normalen Zeitpunkt» beginnen Kathi und Daniel Bauer vom Weingut Bauer-Pöltl im österreichischen Mittelburgenland mit der Weinlese. Daniel Bauer: «2020 wird ein normaler Jahrgang, eher auf der trockenen Seite, aber ohne Hitze- oder Trockenstress. Beschatten der Traubenzone war dieses Jahr nicht notwendig, da weder zu heiss noch zu intensive Sonneneinstrahlung.»

Schweiz

Bio-Winzer Roland Lenz spricht von einem erfreulichen Weinjahr
Auf dem Weingut von Roland Lenz begann die Traubenernte Ende August.

Von einem «sehr erfreulichen Weinjahr» spricht Roland Lenz vom grössten Schweizer Bioweingut. Die befürchtete Trockenheit analog Vorjahr blieb aus, Ende August konnte mit der Ernte von gesundem Traubengut bei etwas geringerem Behang begonnen werden.

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