WeinLese 62: Kurz & bündig

Drohne statt Traktor

Auf dem Bioweingut von Roland und Karin Lenz in der Ostschweiz kommen schon heute nur geringe Mengen an biologischen Spritzmitteln zum Einsatz. Der Grund: Auf dem Gut dominieren pilzresistente Sorten (PIWIs), die nicht oder nur minimal gegen Krankheiten geschützt werden müssen. Gleichwohl geht Roland Lenz auch in diesem Bereich in die Offensive: Im vergangenen Herbst haben Versuche mit Drohnen stattgefunden. Statt mit Traktor und Spritzgerät durch die Rebgassen zu fahren, wurden Sprühtests aus der Luft gemacht. Für Roland Lenz liegen die Vorteile einer Drohne auf der Hand: «Weniger Traktorfahrten bedeuten weniger Bodenverdichtung und Einsparung von Treibstoff. Die Drohne ist ausserdem schnell und präzis, was nicht nur zu Zeiteinsparungen führt, sondern auch zu weniger Spritzmittelverbrauch.» Derzeit erfolgen erste Ernsteinsätze mit der Drohne. Vier Hektar PIWI-Reben werden mit Pflanzenextrakten, Tees und Backpulver sowie zwei Hektar konventionelle Sorten wie Pinot Noir und Zweigelt mit traditionellen Biospritzlösungen aus der Luft behandelt. Ausserdem hat Roland Lenz damit begonnen, seine Weinberge in Mischkulturen zu verwandeln. Zu den Reben gesellen sich neu Haselnüsse, Mandeln und Weinbergpfirsiche. Bis 2022 entsteht so vorerst auf einer Rebfläche von 0,7 Hektar eine Mischkultur mit verschiedenen Früchten.

Delinat daheim: die virtuelle Variante

Ein paar Freunde zusammentrommeln und den Delinat-Weinexperten buchen: Das ist der beliebte Event «Delinat daheim», bei dem bei Ihnen zu Hause ein spielerischer Einstieg in die Degustiertechnik geboten wird. Weil dies derzeit pandemiebedingt nicht möglich ist, gibt es neu auch die virtuelle Variante «Delinat daheim online». Der Kurs wird ab 10 Personen/Haushalt angeboten, dauert ca. 1,5 Stunden und bietet neben einer professionellen Einführung ins Degustieren einen Einblick in die faszinierende Delinat-Methode. Zur Wahl stehen zwei Weinpakete (Basis oder Barrique), die vor dem Anlass per Post zugestellt werden. Die Kurskosten belaufen sich pauschal auf CHF 120.– / € 100,–. Hinzu kommen die Kosten für die benötigten Weinpakete.

Weitere Infos und Buchung: www.delinat.com/online-weinkurs

Biodiversitätsoffensive auf dem Hirschhof

Nach guten Erfahrungen mit den bisher gepflanzten Bäumen, Sträuchern und Kräutern investiert Hirschhof-Winzer Tobias Zimmer in Rheinhessen weiter in die Biodiversität. Diesen Frühling legt er einen neuen biologischen Hotspot mit heimischen Bäumen und Sträuchern wie Mandelbaum, Weinbergpfirsich, Felsenbirne, Schneeball, Blasenstrauch und Hundsrose (Weinrose) an. Ergänzend kommen Stein- und Totholzhaufen hinzu, die Kleintieren Unterschlupf bieten.

Winzerseminare online

Auch in Zeiten der Pandemie finden die jährlichen länderspezifischen Delinat-Winzerseminare statt, und zwar in Form von Online-Konferenzen. Im Dezember vergangenen Jahres haben 25 französisch sprechende Winzer am Seminar zum Thema «Agroforst und Weinbau» teilgenommen. Konkret ging es um den Einfluss von Bäumen im Rebberg auf Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität. Bäume sind Lebensraum für viele verschiedene Vögel und Insekten. Fledermäusen dienen Bäume in den Reben als Orientierungshilfe bei der Jagd nach dem schädlichen Traubenwickler. Im Februar 2021 befassten sich 15 spanisch sprechende Winzer mit dem Thema «Erneuerbare Energie». Es ging darum aufzuzeigen, wo die Winzer im Keller und im Feld am meisten Energie einsparen können und welche Formen der erneuerbaren Energie auf einem Weinbaubetrieb installiert werden können. Weitere Online-Seminare zu Themen wie «Agrarökologie», «Agroforst » und «Schafe im Weinberg» sind in Planung.

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Mediterranes Traumpaar

Rebstöcke und Olivenbäume sind knorrige Gesellen, die leicht hundert und mehr Jahre alt werden können. Auf vielen Weingütern im Mittelmeerraum sorgen sie für Vielfalt und werden für die Erzeugung hochwertiger, genussvoller Produkte genutzt: Wein und Olivenöl. Zu Besuch bei vier Delinat-Winzern, deren Herz nicht nur für Wein, sondern auch für Olivenöl schlägt.

Olivenöl-Ernte auf dem Weingut Sangiovanni

Salustri und der tausendjährige Olivenbaum

Unweit der Azienda Salustri steht ein Riese in der wilden Landschaft der Maremma: ein über tausendjähriger Olivenbaum. Monumental, vom Wind gewunden und gedreht, eine lebende Skulptur mitten in der Toskana. Leonardo Salustri hätte den uralten, knorrigen Gesellen gerne auf seinem eigenen Terrain, doch ganz so weit reichen seine Weinberge nicht. Sein Wunsch ist verständlich, denn Leonardo gehört zu jenen Winzern, die für ein erstklassiges Olivenöl dieselbe Leidenschaft an den Tag legen wie für guten Wein. Seine Beziehung zu diesem «Mutter-Olivenbaum» ist aber auch so gegeben. In Zusammenarbeit mit der Universität Pisa wurde Pflanzenmaterial dieses Baumes für die Pflanzung neuer Olivenhaine verwendet – auch auf der Azienda Salustri.

Tausendjähriger Olivenbaum in der Toskana

Neben neueren Olivenbäumen betreut Leonardo solche, die bereits mehrere hundert Jahre auf dem Buckel haben. Insgesamt wachsen bei Salustri rund 6000 Bäume der Sorten Olivastra, Frantoio, Moraiolo und Leccino auf einer Fläche von etwa 30 Hektar. Die Oliven werden normalerweise von Anfang Oktober bis Anfang Dezember von Hand mithilfe mechanischer Hilfsmittel geerntet. Daraus erzeugt eine Ölmühle in der Region das mehrfach preisgekrönte Salustri-Olivenöl. «Wir haben jetzt ein Projekt für eine eigene, moderne Mühle. Wir hoffen, diese bald bauen zu können», verrät Leonardo Salustri.

Die Azienda ist ein vielfältiger Mischbetrieb mit Tieren und verschiedenen Kulturen. Die Rebberge sind wegen ihrer biologischen Vielfalt optisch eine Augenweide. Und sie sind mit einem hofeigenen Sangiovese-Klon bestockt, der den Rotweinen einen Hauch von Exklusivität verleiht.

Maggio – schöne Symbiose von der Sonneninsel

Auf dem Weingut von Massimo Maggio im Süden Siziliens wachsen rund 700 Olivenbäume auf roter Erde. Zusammen mit Kräutergärten, Orangen-, Mandarinen- und Maulbeerbäumen sorgen sie für Abwechslung und Vielfalt in einer ansonsten von Rebstöcken geprägten Landschaft. Massimo Maggio: «Der Olivenanbau hat auf Sizilien ein lange Tradition. Schon die Phönizier und die Griechen brachten die Früchte, aus denen das flüssige Gold entsteht, vor fast 3000 Jahren an unsere Küsten.»

Mischkultur auf dem Weingut Maggio: Oliven, Orangen und Reben

Massimos Olivenbäume sind im Durchschnitt etwa 50 Jahre alt. Aus den beiden für die Insel typischen Sorten Tonda Iblea und Moresca lässt er seine von Hand geernteten Oliven in einer nahegelegenen Ölmühle durch Kaltextraktion zu einem eher milden Extra Vergine verarbeiten. Das Öl trägt denselben Namen wie der exklusiv für Delinat gekelterte Rotwein Bonarossa. Damit hat Massimo Maggio eine schöne Symbiose von Wein und Olivenöl gefunden. Das Öl zeigt würzige Noten von Tomatenblättern, Gras und frischen Kräutern und verführt mit dezenter, ausgewogener Bitterkeit und Schärfe. Genau wie der Rotwein passt das Öl bestens zu Fisch-, Fleischund Gemüsegrilladen, Suppen, Bruschetta, Salat und rohem Gemüse.

Osoti – Spanien holt auf

Noch heute wird erstklassiges Olivenöl meist mit Italien in Verbindung gebracht. Spanien, mengenmässig weltweiter Spitzenreiter bei der Olivenölproduktion, hinkte da lange Zeit hinterher. Doch in der jüngeren Vergangenheit ist auch hier das Bewusstsein für den Wert des flüssigen Goldes gestiegen.

Oliven-Ernte auf dem Weingut Osoti

Francisco Ruíz vom Rioja-Weingut Osoti hat mit der Bewirtschaftung seiner 45 Hektar Reben eigentlich bereits alle Hände voll zu tun. Biologischer Weinbau, wie er ihn betreibt, ist zeitintensiv und aufwendig. Um die Biodiversität in und um seine Rebberge zu fördern, hat er unzählige Oliven- und Mandelbäume sowie fein duftende Kräuter gepflanzt. Francisco nimmt den zusätzlichen Aufwand, der durch die Bewirtschaftung der Olivenbäume anfällt, gerne in Kauf. Zumal er hier auf gute Freunde zählen kann. Mit einem versteht er sich besonders gut: Jesús Catalán Alonso. Jesús ist ein Weggefährte der ersten Biostunde. «Wir sind Seelenverwandte», sagt Francisco. Deshalb falle es ihm leicht, seine Olivenbäume in die Obhut von Jesús zu geben. «Er trägt die gesamte Verantwortung, vom Schnitt der Bäume bis zur Pressung der Oliven.»

Francisco ist vom Resultat begeistert: Sein erstklassiges, naturbelassenes Osoti-Öl erfüllt ihn mit Stolz und Befriedigung. Es wird aus den beiden autochthonen Sorten Arbequina und Royuela hergestellt und besticht durch eine deutliche Bitternote und leicht Schärfe. Die Oliven werden bei den ersten Anzeichen von Farbumschlag von Hand geerntet – sie sind zu diesem Zeitpunkt praktisch noch grün. Die Verarbeitung erfolgt innerhalb weniger Stunden. Das Öl wird in einer modernen Ölmühle im Dekanterverfahren gewonnen, heute die wohl beste und schonendste Methode der Olivenölherstellung.

Vale de Camelos – tausende Olivenbäume gepflanzt

Die Adega Vale de Camelos im Alentejo ist ein noch junges Weingut. 1981 hatte der deutsche Seefahrer Horst Zeppenfeld im Süden Portugals eine 1000 Hektar grosse Quinta mit Getreidefeldern, Schafweiden und Korkeichenwäldern gekauft. Im Jahr 2000 wurden erste Reben gepflanzt. Seither ist ein biologisches Weingut entstanden, das seinesgleichen sucht: In einer Region, die unter langen Trocken- und Dürreperioden und damit drohender Wüstenbildung leidet, wurde mithilfe von Permakultur-Massnahmen eine grüne, fruchtbare Oase geschaffen. Rund 350‘000 Pflanzen sind in den letzten 35 Jahren gesetzt worden. Neben Stein- und Korkeichen, Johannisbrotbäumen und Reben vor allem auch Olivenbäume.

Olivenbäume auf dem Weingut Vale de Camelos im Alentejo

In den Weinbergen wachsen heute autochthone und internationale Rebsorten wie Touriga Nacional, Alicante Bouschet und Aragonez (in Spanien als Tempranillo bekannt) sowie Syrah. Rund um die Rebberge gedeihen auf über 80 Hektar rund 18‘000 Olivenbäume unterschiedlichen Alters. «Es gibt einige sehr alte, fast hundertjährige Bäume und viele junge, die wir im Verlaufe der letzten 35 Jahre gepflanzt haben», sagt Antje Kreikenbaum, die 2012 gemeinsam mit ihrem Mann die Verantwortung für Vale de Camelos von ihrem Vater übernommen hat. Angepflanzt wurden die bekannteste autochthone portugiesischen Sorte Galega, aber auch Cobrançosa, Arbequina, Hojiblanca, Picual und Azeiteira. «Diese Sorten sowie das unterschiedliche Alter der Olivenbäume machen die Typizität und die Qualität unseres Olivenöls aus», sagt Antje. Wobei das A und O für die Qualität auch hier die Ernte- und Verarbeitungsmethoden sind. Die noch nicht voll ausgereiften Oliven werden sanft von den Bäumen geschüttelt und in grossen Netzen aufgefangen. Danach gelangen sie unverzüglich in eine nahegelegene Bio-Mühle, wo die Oliven in mehreren Schritten gereinigt, gewaschen, zerkleinert werden und das Öl schliesslich kalt aus der Olivenpaste extrahiert wird.


Alle Olivenöle in unserem Sortiment finden Sie hier: www.delinat.com/olivenoel

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Auf ein Glas mit … Annette Bongartz

Annette Bongartz verfügt über eine feine Nase und einen gut trainierten Gaumen. Wir sprachen mit der Profi-Sensorikerin von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) über die sensorische Beurteilung von Lebensmitteln wie Olivenöl und Wein.

Frau Bongartz, was macht eine Lebensmittel-Sensorikerin?
Annette Bongartz: Lebensmittel mit allen Sinnen prüfen, das heisst. beschreiben oder beurteilen. Aber natürlich tut man dies nicht allein, sondern immer, wenn es um objektive Betrachtungen geht, in einem Panel, bestehend aus produktspezifisch geschulten Prüfpersonen. Sobald es um die Konsumentensicht geht, wird eine grosse Zahl Laien benötigt, die Alter, Geschlecht, Konsumgewohnheiten usw. einer spezifisch definierten Zielgruppe repräsentieren.

Eine absolut objektive Verkostung ist sowohl beim Wein wie beim Olivenöl nur ohne Information und blind möglich.
Eine absolut objektive Verkostung ist sowohl beim Wein wie beim Olivenöl nur ohne Information und blind möglich.

Stimmt es, dass Frauen Männern in Sachen Sensorik überlegen sind?
Ganz pauschal und verallgemeinernd kann man das nicht sagen. Wie so oft steckt aber vielleicht doch ein Kern Wahrheit in der Aussage. In erster Linie sind es aber Ausbildung und regelmässige Trainings unserer Sinnesorgane, die uns zu guten Sensorikerinnen und Sensorikern machen – ganz unabhängig vom Geschlecht. Tatsache ist aber auch, dass rein biologische Grundvoraussetzungen – zumindest was das Riechen angeht – bei Frauen tatsächlich ein bisschen anders sind als bei Männern. Die Anzahl Riechrezeptoren ist bei beiden Geschlechtern etwa gleich, aber Frauen haben nach neueren Erkenntnissen mehr Zellstrukturen/Neuronen, die diese Informationen verarbeiten.

Wie wird man ein guter Weindegustator?
Üben, üben, üben … – wie es auch für jede andere Produktgruppe (Schokolade, Olivenöl, Bier, Tee, Kaffee) gilt. Neben dem intensiven Trainieren der individuellen Sinnesempfindungen ist auch der Austausch mit anderen Verkostern wichtig. Als guter Prüfer oder Weinverkoster muss man sich einen Referenzrahmen schaffen, um Produkte objektivanalytisch einordnen sowie Unterschiede erfassen und darstellen zu können. Gute Möglichkeiten, sich entsprechend aus- und weiterzubilden, sind etwa modulare Kursangebote, wie sie zum Beispiel die ZHAW anbietet (Sensorik-Lizenzen). Oder auch die Delinat-Weinkurse.

Merkt man als Profi-Sensorikerin einen Unterschied zwischen biologischem und konventionellem Wein?
Das ist eine «nette» Frage. Diplomatisch gesagt: Sofern die Weine qualitativ unterschiedlich, das heisst in ihrer geschmacklichen und aromatischen Ausprägung variieren, kann man als ausgebildeter Prüfer sicherlich Unterschiede feststellen und beschreiben. Es ist aber selten so, dass bio anders schmeckt als konventionell. Mögliche Unterschiede liegen wohl eher ausserhalb der Sensorik, das heisst in den Anforderungen an Anbau- und Verarbeitungsprozesse, verborgen.


Persönlich
Annette Bongartz wurde 1968 in Flein bei Heilbronn (Baden-Württemberg) unterhalb eines Weingartens geboren. Nach dem Studium der Ökotrophologie (Haushalts- und Ernährungswissenschaften) an der Technischen Universität München war sie im Bereich Qualitätsmanagement und Produktentwicklung in Deutschland und der Schweiz in Betrieben der Fleischindustrie tätig. 2001 übernahm sie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil den Aufbau der Forschungsgruppe Lebensmittel-Sensorik innerhalb des Studiengangs Lebensmitteltechnologie. Ihre produktbezogenen Schwerpunkte als Leiterin Fachstelle Sensorik am Institut für Lebensmittel- und Getränkeinnovation (ILGI) sind Olivenöl und Bier, darüber hinaus auch Schokolade, Kaffee, Tee, Wein. Sie ist verheiratet, wohnt in der Zürcher Weinbaugemeinde Freienstein und verbringt ihre Freizeit gerne mit Hund, Garten, Wandern und Golf.

Macht es einen Unterschied, ob man Wein oder andere Produkte sehend oder blind degustiert?
Oh ja, das Auge isst (und trinkt) mit. Wir kennen alle das Beispiel vom Rot- oder Weisswein, der in schwarzen Verkostungsgläsern gar nicht mehr so einfach unterscheidbar ist. Aber es ist nicht nur die Farbe, die einen Verkoster in seiner Wahrnehmung beeinflussen kann. Da gehören auch Aspekte wie die Form des Glases, die Flaschenform und die Gestaltung einer Etikette dazu, die ja vor allem Informationen zur Güte und zum Qualitätslevel eines Weines liefern und dadurch auch irritieren können. Weitere Aspekte sind Angaben zur Rebsorte, zum Ursprung usw. Eine absolut objektive Verkostung ist sowohl beim Wein wie auch beim Olivenöl nur ohne Information und blind möglich.

Worauf kommt es bei der Degustation von Olivenöl besonders an?
Wie beim Wein sind Ausbildung und regelmässiges Training auch hier das A und O! In der Regel wird bei der Verkostung von Olivenöl zunächst die Güteklasse eruiert. Dies erfolgt mittels eines sogenannten Paneltests (gemäss Vorgaben der EU). Dabei beurteilen mindestens acht ausgebildete Prüfer ein Öl und stellen zunächst fest, ob es fehlerfrei ist. Weiter wird eruiert, wie intensiv die drei Hauptattribute «Fruchtigkeit», «Bitterkeit » und «Schärfe» ausgeprägt sind. Liegt kein Fehler vor und weist ein Öl eine gewisse Fruchtigkeit auf, so ist dieses der höchsten Güteklasse «nativ extra» zuzuordnen. Gleichwohl sind noch grosse Qualitätsunterschiede möglich. Um diese deutlich zu machen, wenden wir an der ZHAW und beim Einsatz des Schweizer Olivenölpanels (SOP) die sogenannte Harmonie-Bewertung an. Dabei handelt es sich um eine validierte Methodik, um die Ausgewogenheit und die Komplexität der Geschmacks- und Aromaausprägung von Olivenölen zu bewerten.

Sind noch immer viele fehlerhafte Olivenöle auf dem Markt?
Das Schweizer Olivenölpanel (SOP), das ich leite, führt regelmässig sensorische Prüfungen von Marktölen durch. Leider können wir aus unserer Erfahrung nicht zu 100 Prozent bestätigen, dass sich keine fehlerhaften Öle auf dem Markt befinden.

Liegt man mit biologischen Olivenölen immer richtig?
Es ist wie beim Wein – es gibt qualitativ hochstehende Bio-Olivenöle ebenso wie schlechte, und es gibt qualitativ hochstehende konventionell hergestellte Olivenöle ebenso wie schlechte. Leider trennt sich aus Sicht der Sensorik die Spreu vom Weizen an anderer Stelle.

Alle Olivenöle in unserem Sortiment finden Sie hier: www.delinat.com/olivenoel

Weintipp Annette Bongartz

Ich bin ein Rotweinfan, mag kräftige Tropfen mit feinen Röstaromen. Ich empfehle den würzig-eleganten Valdega Reserva von der Bodega Quaderna Via aus der spanischen Navarra. Probieren Sie ihn doch mal in Kombination mit einem zartschmelzenden Weichkäse wie Brie de Meaux oder Bresse bleu.

Valdega Reserva
Navarra DO 2015
www.delinat.com/1771.15

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Spargel – bio oder konventionell?

Kulinarisch gehört Spargel für mich zu den sehnlichst erwarteten Frühlingsboten. Schon im März hätte ich die Möglichkeit, Spargel aus Peru, Spanien oder Griechenland zu kaufen. Auch wenn es zuweilen schwerfällt: Als umweltbewusster Liebhaber von möglichst frischem Spargel warte ich bis Mitte oder gar Ende April zu. Gerade aus Peru eingeflogener Spargel hat nicht nur eine miserable CO2-Bilanz, der Anbau in den trockenen Regionen verbraucht auch enorme Mengen an Wasser, das den Einheimischen fehlt. Vor diesem Hintergrund lohnt sich das Warten auf Spargel aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, zumal alle drei Länder über Regionen verfügen, die von April bis Juni hervorragende Qualität auf den Markt bringen. Ob weisser, grüner oder gar violetter Spargel ist mir einerlei. Bei der Farbe zählt die Abwechslung.

Lohnt sich der Mehrpreis für Bio-Spargel?

Spargel

Wichtig neben der regionalen Herkunft ist für mich der Anbau. Ich kaufe wenn immer möglich Spargel aus biologischem Anbau. Der ist zwar teurer als konventionell angebaute Stangen. Diesem Nachteil stehen aber lauter Vorteile gegenüber. Biobauern verzichten beim Spargelanbau genauso wie im Weinbau auf chemisch-synthetische Dünger und Spritzmittel. Unerwünschtes «Unkraut» wird von Hand entfernt. Um Pilzbefall vorzubeugen, werden die Spargelpflanzen weiter auseinander gesetzt – Mindererträge werden in Kauf genommen. Sind Spritzmittel gleichwohl nötig, kommen Kupferlösungen oder noch besser Pflanzen stärkende Kräutertees zum Einsatz.
Solche Massnahmen rechtfertigen den Mehrpreis, weil sie Boden, Wasser und Umwelt schonen, aber auch garantieren, dass nur Spargel ohne Pestizidrückstände auf den Tisch kommt.
Mein persönliches Fazit: Wer Umwelt, Klima und Menschen nicht schaden möchte, sollte Spargel aus fernen Ländern meiden, sich in Geduld üben und dann während der kurzen Saison auf regionalen Bio-Spargel setzen

Biodiversität auf dem Teller und im Glas

Dieses Jahr freue ich mich noch aus einem anderen Grund auf vielfältige Spargelgerichte. Mein bevorzugter Wein zu diesem herrlichen Frühlingsgemüse ist der Grüne Veltliner. Andreas Harm, der in der Wachau und im Kremstal Weissweintrauben kultiviert, ist von Delinat für seine grossen Anstrengungen zugunsten artenreicher Rebberge zum Biodiversitätswinzer 2021 gewählt worden. Er revanchiert sich dafür mit einer Spezialabfüllung. Bei seinem Biodiversitätswein mit bunter, frühlingshafter Etikette handelt es sich um einen Grünen Veltliner aus der Lage Goldbühel über dem Ort Krustetten im Kremstal. Ein Glas «Harm Biodiversität» und frischer Spargel von der Donau, aus Baden oder dem Schweizer Mittelland in Bioqualität, und die Welt ist für mich auch in pandemiebedingt schwierigen Zeiten schwer in Ordnung.

WeinLese 61: Editorial

Delinat-Winzer sind den meisten anderen Weingütern in Bezug auf die Ökologie meilenweit voraus. Genauso wie in die Weinqualität investieren sie mit der Unterstützung von Delinat ständig in fruchtbare Böden, reiche Biodiversität und erneuerbare Energien. Damit sind sie Vorreiter eines zukunftstauglichen Weinbaus. Am Ziel sind aber auch wir und unsere Winzer noch lange nicht.

«Schöner, als Visionen zu haben, ist,
sie zu verwirklichen.»

Lisz Hirn, Philosophin und Künstlerin

Wie sieht aus heutiger Sicht das ökologisch perfekte Weingut aus? Delinat-Winzerberater Daniel Wyss und die Hamburger Illustratorin Barbara Dziadosz skizzieren es anschaulich in dieser Ausgabe. Lebendige Böden, reiche Biodiversität, robuste Traubensorten, sanfte Vinifikation, erneuerbare Energie, vermeiden von Abfall und CO2-neutrale Transporte sind zentrale Elemente dieser Vision. Teile davon sind auf den rund hundert Weingütern, mit denen wir europaweit zusammenarbeiten, bereits Realität. Voller Elan wird der eingeschlagene Weg gemeinsam weiterverfolgt. Zum Wohle von Natur und nachfolgenden Generationen.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und freue mich, wenn Sie uns mit dem Genuss von Delinat-Wein auf dem Weg zum perfekten Weingut begleiten.

WeinLese 61: Kurz & bündig

Weinshops in München und Romanshorn

Weinshop Romanshorn

Nach Hamburg 2019 ist am 5. November 2020 in München der zweite Delinat-Weinshop Deutschlands eröffnet worden. Auch hier können seither rund hundert Bioweine aus reicher Natur entdeckt und im angegliederten Bistro degustiert werden. Zuwachs gab es auch in der Schweiz. In Romanshorn am Bodensee ist am 7. Dezember 2020 im neuen Kornhaus ein weiterer Delinat-Shop mit Bistro eröffnet worden. Das Kornhaus ist in über zweijähriger Bauzeit zum neuen Wahrzeichen am Hafen von Romanshorn umgebaut worden. Neben der Delinat-Weinbar gibt es hier ein Restaurant mit Festsaal und grosszügige Ausstellungsräume.

Pestizide in der Luft

Sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland zeigen neue Untersuchungen, dass Pestizide nicht nur über Lebensmittel und Trinkwasser in den menschlichen Körper gelangen, sondern auch über die Luft. Das Umweltinstitut München hat in seiner bisher umfassendsten Studie zur Pestizidbelastung der Luft nachgewiesen, dass sich die Giftstoffe kilometerweit verbreiten und praktisch überall in Deutschland anzutreffen sind. In der Schweiz hat die Umweltorganisation Greenpeace bei Pestizidmessungen an vier verschiedenen Standorten insgesamt 25 verschiedene Pestizide in der Luft festgestellt – darunter sogar ein Abbauprodukt von DDT, einem Pestizid, das in der Schweiz seit 1972 verboten ist. Die höchste Pestizidkonzentration wurde über einem Walliser Weinberg gemessen. Festgestellt wurde in diesem Zusammenhang auch, dass Pestizide nicht nur am Zielort verbleiben, sondern über die Luft auch Nachbarfelder und somit Biowinzer treffen.

In der Schweiz stimmt das Volk in diesem Jahr über die sogenannte Trinkwasser-Initiative ab. Diese verlangt, dass Landwirtschaftsbetriebe, die Pestizide verwenden, keine staatlichen Subventionen und Fördergelder mehr bekommen sollen. Delinat unterstützt diese Volksinitiative.

COVID-19 macht erfinderisch

Nachdem der Pariser Weinsalon pandemiebedingt ausgefallen ist, hat sich der Club des Vignerons Lauréats, eine Vereinigung von 40 Familiengütern aus ganz Frankreich, dem auch das Delinat-Partnerweingut Domaine Lignères angehört, etwas Besonderes einfallen lassen. Anstelle der Weinmesse wurde der Kundschaft in Paris eine gemeinsame Weinlieferung angeboten. Die Kunden hatten die Möglichkeit, Weine ihrer bevorzugten Güter zu einem interessanten Preis zu bestellen und direkt nach Hause liefern zu lassen. Insgesamt kamen so 570 Bestellungen mit fast 16‘000 Flaschen Wein zusammen. «Das ist fast gleich viel, wie jeweils am Weinsalon verkauft wird», freut sich Anne Lignères über die erfolgreiche Aktion. «Das ist ein grossartiger Beweis für die Anpassungsfähigkeit, Dynamik und Solidarität der Winzer dieses Clubs!»

Green statt Black Friday

Green Friday bei Delinat

Man stelle sich am Tag eines Black Friday die Schlagzeile vor: Nur heute: Alles 10 % teurer! Genau das hat Delinat am 27. November 2020 gemacht – und anstelle des Black Friday den Green Friday ausgerufen. Dies als Protest gegen die weltweite Rabattschlacht um Schnäppchenjäger, die den Black Friday zu einem rabenschwarzen Tag für die Umwelt macht. Neben gewaltigen Mobilitätsströmen verursacht er riesige Müllberge in Form von Verpackungsmaterial und überflüssiger Ware. Der Aufpreis von zehn Prozent, den die Kunden auf ihre Weineinkäufe bezahlt haben, wurde von Delinat verdoppelt und an zwei Initiativen überwiesen, die sich für eine ökologische Landwirtschaft ohne Pestizide einsetzen. An den Schweizer Verein «Initiative für sauberes Trinkwasser» gingen gut 16‘500 Franken; an die europäische Bürgerinitiative «Bienen und Bauern retten!» 8700 Euro.

Auf ein Glas mit Hans-Peter Dreier

Delinat legt nicht nur im Weinberg, sondern auch beim Transport grossen Wert auf Ökologie und Nachhaltigkeit. Für die Weintransporte aus den wichtigsten Weinländern Europas besteht eine Zusammenarbeit mit der Dreier AG. Bei einem Glas Wein am Firmensitz in Suhr verriet CEO Hans-Peter Dreier seine Vision von einem nachhaltigen Transport.

Hans-Peter Dreier, welche Beziehung haben Sie zum Wein?
Hans-Peter Dreier: Bei uns hiess es immer: Wer trinkt, fährt nicht! Und weil ich schon in jungen Jahren viel gefahren bin, habe ich zwar schon früh Wein transportiert, aber nicht getrunken. Das hat mir einst bei den französischen und spanischen Fahrern den Spitznamen «Mister Seven Up» eingetragen. Erst etwa mit 40 Jahren habe ich dann angefangen, gelegentlich Wein zu trinken. Heute schätze ich ein Glas guten Wein. Etwas Alltägliches ist es für mich aber auch heute nicht.

Als grosser Transport- und Logistikunternehmer sind Sie wohl oft mit dem Image eines Umweltverpesters konfrontiert. Wie gehen Sie damit um?
Der umweltfreundlichste Transport ist der Nichttransport. Nur hat in diesem Fall der Konsument nichts auf dem Tisch. Wir transportieren ja nur, was verlangt wird, und das möglichst ökologisch. Bereits 1988 haben wir mit dem kombinierten Verkehr Strasse/Schiene begonnen, deshalb trifft uns kein negatives Image.

Dreier AG: Transport auf der Schiene

Sie betonen, Dreier sei ökologisch unterwegs. Was heisst das konkret?
Wir verwenden gerne das Wort «ökologistisch». Wir arbeiten nach dem Grundsatz: kurze Strecken auf der Strasse, lange Strecken auf der Schiene! Wo immer möglich und machbar setzen wir auf die Bahn. Das gilt auch auf relativ kurzen Strecken innerhalb der Schweiz. Gleichzeitig achten wir bei unseren Fahrzeugen auf neuste Technologie. Da sind in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte gemacht worden. Ökologie ist für uns kein Marketing-Gag, wir haben sie seit 1988 in unserer DNA.

«Bis 2025 dürften in der Schweiz über
1000 Wasserstoff-LKWs unterwegs sein.»

Delinat hat die Dreier AG als Transporteur ausgewählt, weil das Unternehmen für die wichtigsten Weinländer auf den kombinierten Verkehr setzt. Heute funktioniert diese Art des Transports international nur noch mit Italien und Deutschland. Weshalb mit Spanien und Frankreich nicht mehr?
Früher hatten wir Bahnverbindungen über Frankreich nach Spanien. Das ist seit Jahren leider nicht mehr der Fall. Es begann mit einem Lokführer- oder Lokmangel in Frankreich. Dann brachen mit der Finanzkrise 2009 Volumen weg. Es hat aber auch mit dem geänderten Warenfluss zu tun. Von der Schweiz wird nur noch wenig Ware nach Spanien exportiert, was dazu geführt hat, dass der kombinierte Verkehr plötzlich nicht mehr angeboten wurde. In Deutschland und Italien ist dieses Angebot viel besser ausgebaut und die Qualität stimmt.

Hans-Peter Dreier, CEO Dreier AG
Transportunternehmer Hans-Peter Dreier setzt auf den kombinierten Verkehr Strasse/Schiene. Für lange Transporte auf der Strasse sieht er die Zukunft bei Wasserstofffahrzeugen.

Persönlich
Hans-Peter Dreier (Jahrgang 1960) ist in Suhr AG geboren und aufgewachsen. Nach einer kaufmännischen Lehre und mehreren Auslandaufenthalten hat er in Olten Betriebswirtschaft studiert.

1985 ist er ins Familienunternehmen eingestiegen. Seit 1994 führt er die Dreier AG. Für das ökologisch ausgerichtete Transport- und Logistikunternehmen aus Suhr sind an verschiedenen Standorten in Europa und Nordafrika über 600 Mitarbeitende sowie 290 LKW und 650 Wechselbrücken im Einsatz. Für Delinat transportiert das Unternehmen Weine von Winzern in Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland via Schiene und Strasse ins Zentrallager in Grenzach.

Hans-Peter Dreier ist mit seiner langjährigen Partnerin verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. In seiner Freizeit unternimmt er gerne Reisen in unterschiedliche Länder oder ist in den Schweizer Bergen unterwegs.

Die Ansprüche von Delinat an Logistik und Transport wachsen ständig. Wohin geht die Reise in diesen Bereichen?
Die Motorentechnologie für den Strassentransport ist schon weit fortgeschritten, geht aber noch weiter. Die zulässigen Schadstoffwerte werden immer stärker gesenkt, aber irgendwann ist das Potenzial bei Verbrennungsmotoren ausgeschöpft. Als Alternativen gibt es heute zwei Tendenzen. Zum einen kommen Elektrofahrzeuge auf den Markt. Die Herausforderung sind hier die derzeit eher bescheidenen Reichweiten. Elektro-LKWs werden sich in den nächsten Jahren vor allem im Bereich der Citylogistik mit Tagesdistanzen bis zu 300 Kilometern durchsetzen. Im Langstreckenbereich sehe ich einen Durchbruch bis Ende Jahrzehnt eher bei der Wasserstofftechnologie. Diese erlaubt einen CO2-neutralen Transport. Der Start in der Schweiz ist mit ersten immatrikulierten LKWs gelungen. Bis 2025 dürften über 1000 Wasserstoff-LKWs unterwegs sein.

Ist ein Umstieg der ganzen Fahrzeugflotte auf diese neuen Technologien für eine Transport- und Logistikfirma überhaupt verkraftbar?
Bei uns ist es so, dass wir jedes Jahr mindestens 30 Fahrzeuge ersetzen müssen. Das geschieht immer durch Fahrzeuge, die ökologische Bestwerte erzielen. Eine Flottenerneuerung geschieht nicht von einem Tag auf den andern, sondern ist ein ständiger Prozess. Wichtig ist aber auch, dass zum Beispiel Wasserstofffahrzeuge, deren Technologie heute noch sehr teuer ist, vorderhand von Schwerverkehrsabgaben befreit bleiben, damit sich ein Umstieg finanzieren lässt, bis es Standardfahrzeuge sind.

Eine Vision, wie die Delinat-Weine im Jahr 2030 von den Winzern zu den Konsumenten gelangen könnten?
Persönlich hoffe ich, dass der kombinierte Verkehr zu einem adäquaten Preis so vielfältig ist, dass alle Länder Europas miteinander verbunden sind. Sollte diese Vision nicht klappen, streben wir mit Wasserstofffahrzeugen einen CO2-neutralen Transport an.

Bei welchen Gelegenheiten öffnen Sie eine gute Flasche?
Im Freundeskreis, in genussvollen Momenten, bei einem schönen Essen im privaten Kreis.

Wo liegen Ihre Präferenzen?
Ich mag vor allem gehaltvolle spanische Rotweine.

Wie gut kennen Sie die Delinat-Weine und wie gefallen sie Ihnen?
Mein Vater ist mehr Weinkenner als ich. Er kennt das Delinat-Sortiment gut und nutzt es auch gerne für Kundengeschenke. Die Feedbacks sind immer sehr positiv. Also greifen wir selber ebenfalls gerne auf solche Tropfen zurück.

Weintipp von Hans-Peter Dreier

Albet i Noya Reserva Marti

Durch meine früheren LKW-Fahrten nach Spanien ist eine spezielle Beziehung zu diesem Land und seinen Weinen geblieben. Der Reserva Martí ist samtig weich und überzeugt durch schöne Fruchtnoten. Dieser Wein harmoniert für mich auch gut mit einem Stück Schweizer Schokolade. Eine wunderbare Symbiose Spanien/Schweiz. Was will man mehr?

Albet i Noya Reserva Martí
Penedès DO 2015
www.delinat.com/albet-i-noya-reserva-marti

WeinLese 60: Editorial

Es gab eine Zeit, als der Papst nicht in Rom, sondern in Avignon residierte. Das war im 14. Jahrhundert, als die französische Krone dies so bestimmte. Johannes XXII., ein dem Wein verbundener Papst, war einer von ihnen. Er liess sich in Castrum Novum Calcernerii eine Sommerresidenz bauen und einen eigenen Weinberg anlegen. Daran erinnert der heutige Ortsname Châteauneuf-du-Pape. Optisches Wahrzeichen des Dorfes ist die noch bestehende päpstliche Schlossruine.

Alles andere als eine Ruine ist die Domaine de Beaurenard. Das Weingut wird seit 1695 von der Familie Coulon geführt und steht heute in schönster Blüte da. Seit 2014 arbeiten wir mit diesem Biobetrieb zusammen, dessen Weine immer wieder prämiert werden und entsprechend begehrt sind. Soeben hat auf dem Weingut die achte Generation das Zepter übernommen. Mit Respekt vor der Natur und der Tradition, aber mit neuen Ideen und Visionen wollen die beiden Brüder Victor und Antonin Coulon den Familienbetrieb mit jugendlichem Elan ganz im Sinne der Delinat-Methode noch mehr zum Blühen bringen.

In unserer Reportage stellen wir Ihnen die steinige Weinbauregion Châteauneuf-du-Pape sowie die Domaine de Beaurenard und ihre Weine, die sich hervorragend für die Festtage zum Jahresende eignen, näher vor. Ich wünsche gute Lektüre.

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WeinLese 60: Kurz & bündig

Dem Klimawandel getrotzt

Genügend Wasser dank Wassermanagment nach dem Konzept der Permakultur auf dem Weingut Pago Casa Gran

Carlos Laso spürt auf seiner Bodega Pago Casa Gran im Hinterland von Valencia den Klimawandel schon seit Jahren. Ausgedehnte Trockenperioden mit Wassermangel wechseln ab mit sintflutartigen Regengüssen, die für Überschwemmungen und Erosion sorgen. Vor vier Jahren begann er ein von Delinat-Winzerberater Daniel Wyss entwickeltes Bewässerungskonzept nach dem Konzept der Permakultur umzusetzen. Er legte Teiche und Versickerungsgräben an, die das Regenwasser speichern und nach und nach an die Reben abgeben. Nach einigen Rückschlägen funktioniert das Bewässerungskonzept jetzt gut und hat diesen Sommer sogar für eine freudige Überraschung gesorgt: Eine alte, während Jahren versiegte Grundwasserquelle sprudelt jetzt plötzlich wieder. Für Carlos ist klar, dass das Grundwasserreservoir einerseits durch die ausgehobenen Retentionsbecken und Gräben sowie durch die ausgiebigen Regenfälle in diesem Frühjahr aufgefüllt wurde.

Gold für Delinat-Wein

An der diesjährigen Sommerverkostung der Internationalen Weinprämierung MUNDUS VINI gab es für Delinat sieben Gold- und vier Silbermedaillen. Mit Gold prämiert wurden die Rotweine Albet i Noya Reserva Martí 2014 (Penedès); der Alagea 2018 von der Bodega Pago Casa Gran (Valencia); der Barbera La Luna del Rospo Bric Rocche 2017 von Renate Schütz (Piemont); der Mignechi Nero d’Avola 2017 von Massimo Maggio (Sizilien) und der Vale de Camelos Reserva 2017 vom gleichnamigen Weingut (Alentejo). Ebenfalls Gold gab es für den Weisswein Carcabo Blanco 2014 von Alberto Ramírez von der Bodega Las Cepas (Rioja) sowie für den Schaumwein Albet i Noya Espriu Brut 2017 (Penedès).
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Beharrlichkeit zahlt sich aus

Anne und Jean Lignières pflanzen Bäume zur Förderung der Biodiversität

In einer Welt, die wettermässig oft verrückt spielt, brauchen Winzer oft Geduld, bis sich Massnahmen zugunsten der Biodiversität auszahlen. Das ging auch Anne und Jean Lignières im südfranzösischen Languedoc nicht anders. Auf Anregung von Delinat haben sie 2012 rund um ihre Rebparzellen Bäumchen und Sträucher gepflanzt. Wildtiere, Schafe und Ziegen haben das als Einladung zu einem Festmahl betrachtet und sich mit grossem Appetit auf die jungen Schösslinge gestürzt. Übrig gebliebene junge Pflänzchen fielen später einer Dürreperiode zum Opfer. Doch die Familie Lignières hat nicht aufgegeben, Neupflanzungen vorgenommen und kann sich heute über viele prächtige und gut sichtbare Pflanzen freuen, die eine echte Bereicherung für Flora und Fauna rund um die Weinberge darstellen.

Nanas Bioladen bei Sepp Moser

Bioladen auf dem Weingut Sepp Moser

Das Weingut Sepp Moser in Rohrendorf im Kremstal wird von Andrea und Nikolaus (Niki) Moser biodynamisch und nach den strengen Delinat-Richtlinien geführt. Neben feinen Weinen gibt es hier seit Ende Mai 2020 auch ein Sortiment an liebevoll ausgewählten Bio-Lebensmitteln rund um Milch, Brot, Eier, Obst, Gemüse, Fleisch und Getreide. Tochter Mariana (Nana) Moser hat als Jungunternehmerin auf dem Familienweingut einen Bioladen eröffnet, mit dem die ökologische Produktion und die regionale Wertschöpfung gefördert werden. Die Produkte stammen grösstenteils direkt von Bio-Bauern aus der Umgebung. Geöffnet hat Nanas Bioladen am Dienstag und Freitag von 15 bis 19 Uhr sowie am Samstag von 9 bis 12 Uhr.

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«Rolling Stones» in Châteauneuf-du-Pape

Die grossen, runden Kieselsteine (galets roulés) sind ein Markenzeichen von in den Weinbergen von Châteauneuf-du-Pape.

In den Weinbergen von Châteauneuf-du-Pape sorgen die «Rolling Stones» für die Musik. Die grossen, runden Kieselsteine (galets roulés) speichern Sonnenwärme und lassen die Trauben harmonisch reifen. Auf der Domaine de Beaurenard kommt eine grosse natürliche Vielfalt hinzu. Die edlen Tropfen der Familie Coulon sind von grosser Klasse und genau das Richtige für lange Winterabende und festliche Menüs.

«Manchmal frage ich mich, ob sich diese Mühe lohnt. Die Pflege der alten Rebstöcke, zu denen man sich hinunterbücken muss. Knorrige Gesellen, die mit Trauben geizen. Die vielen eigenwilligen Sorten. Der steinige Boden. Wenn ich dann aber eine Flasche Anthémis öffne, in grosse Weinkelche ausschenke, wir einander zuprosten und ich wenig später all die glücklichen Gesichter sehe, dann weiss ich die Antwort.» Frédéric Coulon, der zusammen mit seinem Bruder Daniel in siebter Generation die Domaine de Beaurenard führt, weiss, wovon er spricht. Seit 2008 bewirtschaftet die Familie die 32 Hektar Reben in Châteauneuf-du-Pape und nochmals so viel Fläche in den angrenzenden Appellationen Rasteau und Côtes du Rhône biologisch und seit 2014 ganz im Sinne der Delinat-Methode.

In den besten Lagen der Domaine de Beaurenard kommen statt Traktoren Pferde zum Einsatz.

In den besten Lagen kommen statt Traktoren Pferde zum Einsatz. Die bis zu 100-jährigen Rebstöcke geben nur wenig Ertrag, die Trauben sind aber hochwertig und werden alle von Hand gelesen. Eine Knochenarbeit auf den mit grossen, runden Kieselsteinen übersäten Rebbergböden. Aber es sind gerade diese «Rolling Stones», in Frankreich «galets roulés» genannt, welche die Musik in den Beaurenard-Weinen ausmachen. Alles ist hier zwar sehr aufwendig und zeitraubend. Aber es lohnt sich. Davon zeugen auch die über 400 Medaillen, welche die Familie Coulon mit ihren Weinen bisher eingeheimst hat.

Eine reiche Tier- und Pflanzenwelt gehört neben den steinigen Böden zum Markenzeichen der Weinberge von Beaurenard.
Eine reiche Tier- und Pflanzenwelt gehört neben den steinigen Böden zum Markenzeichen der Weinberge von Beaurenard. Der Naturreichtum spiegelt sich in den Weinen in Form von Charakter und intensiven Aromen wider.

Das Vermächtnis der Päpste

Das kleine Weinbaugebiet im südlichen Rhonetal hat eine lange Tradition und eine spannende Geschichte. Wie alle Päpste des 14. Jahrhunderts residierte Johannes XXII. in Avignon statt in Rom. Zwischen 1318 und 1334 liess er in Châteauneuf-du-Pape eine päpstliche Sommerresidenz bauen und einen eigenen Weinberg anlegen. Damals bevorzugten die Päpste noch den Wein aus Beaune (Burgund). Doch später wurden in Châteauneuf-du-Pape Traubensorten aus anderen Regionen heimisch, und die Weine gewannen an Renommee.

Auf der Domaine de Beaurenard sind sämtliche Bodenarten und Traubensorten zu finden.

Gut 200 Jahre nach den Päpsten liess sich die Familie Coulon auf der Domaine de Beaurenard in Châteauneuf-du-Pape nieder. Ihre Weine gereichen der Region zu Ehren und führen das Vermächtnis der Päpste würdig weiter. Ähnlich wie im Burgund werden auch in Châteauneuf-du-Pape Rot- und Weissweine auf hohem Niveau erzeugt. Hier sind es aber nicht sortenreine Gewächse aus Pinot Noir und Chardonnay, sondern Assemblagen aus bis zu 13 verschiedenen Traubensorten, die auf unterschiedlichen Böden gedeihen. Auf der Domaine de Beaurenard sind sämtliche Bodenarten und Traubensorten zu finden. Gerade der rote Anthémis de Beaurenard zeichnet sich durch eine grosse Vielfalt bezüglich Böden und Sorten aus und ist somit ein Symbol des Weinguts.

Lob vom Krimiautor

Weinkeller der Domaine de Beaurenard

Der schottische Krimiautor Martin Walker («Bruno, Chef de Police»), bezeichnete den Anthémis de Beaurenard bei einem WeinLese-Interview als «LoveWine». Darunter verstehen englischsprachige Weinliebhaber Tropfen, in die man sich schon beim ersten Schluck verliebt. Martin Walker: «Ein wunderschöner Wein, der das mediterrane Klima, in dem er reift, wunderbar ausdrückt.» Das Pendant in Weiss, der Anthémis de Beaurand blanc, ist eine filigrane Komposition aus den weissen Sorten Clairette Blanche, Grenache Blanc, Bourboulenc, Roussanne, Picpoul und Picardan. Für Neugierige: Der Name Anthémis erinnert an die Griechen und Römer, welche die Hundskamille so bezeichneten. Die von Juni bis September blühende Pflanze gehört zu den auffälligen Erscheinungen in den artenreichen Rebbergen der Domaine de Beaurenard, wo in den vergangenen Jahren Hunderte von Bäumen und Sträuchern angepflanzt wurden, um die Biodiversität zu verbessern. Der rote La Tradition de Beaurenard ist eine preiswerte Alternative aus der benachbarten Appellation Rasteau. Hier gedeihen Grenache, Syrah und Mourvèdre an bester Sonnenlage.

Frischer Wind

Die Komposition der Weine auf Beaurenard ist Familiensache.
13 Traubensorten stehen zur Wahl: Die Komposition der Weine auf Beaurenard ist Familiensache. Die junge Generation bestimmt im Keller am Fusse der päpstlichen Schlossruine mit.

Die Traubenzusammensetzung der Beaurenard-Weine kann von Jahr zu Jahr etwas variieren. Die Assemblage ist stets Familiensache. Dabei spielt die junge Generation mit Victor und Antonin, den beiden Söhnen von Daniel Coulon, zunehmend eine wichtige Rolle. Beide sind soeben als Mitbesitzer und neue Taktgeber ins Weingut eingestiegen. In achter Generation führen sie die Domaine mit Respekt vor der Familientradition und der Natur, aber auch mit neuen Ideen und Visionen weiter. Der dreissigjährige Victor ist studierter Agraringenieur und zeichnet als Kellermeister für die Vinifikation und den Export verantwortlich. Sein jüngerer Bruder Antonin (28), der ein MBA-Diplom in Management und Handel in der Tasche hat, ist für die Weinberge und den Handel in Frankreich zuständig. Die beiden Jungwinzer haben klare Vorstellungen, wie sie ihr Familienweingut noch stärker zum Leuchten bringen wollen: «Mit grosser Leidenschaft und Hingabe, aber demütig gegenüber der Natur, wollen wir auf dem Weg der grossen Weine weiter voranschreiten», sagt Victor. Die Vision von einem grossräumigen Weinbau mit reicher Biodiversität packen die beiden Brüder mit unkonventionellen Ideen an. Als Mitglieder der Vereinigung junger Winzer von Châteauneuf-du-Pape (Victor ist der Vorsitzende) haben sie den Marathon des arbustes initiiert. Dieses einzigartige Projekt sieht vor, dass im kommenden Jahr auf einer Marathondistanz von 42,195 Kilometern quer durch die Reben von Châteauneuf-du-Pape Bäumchen und Sträucher gepflanzt werden. Damit erhält die Naturvielfalt in diesem Weinbaugebiet, in dem bereits rund ein Drittel der Reben biologisch bewirtschaftet wird, einen schönen Schub über die Domaine de Beaurenard hinaus. Victor und Antonin Coulon erfreuen sich übrigens nicht nur an artenreichen Weinbergen mit den galets roulés, sie mögen auch die Musik der Rolling Stones. Victor: «Fantastisch, zeitlos, voller Energie – wie unsere Weine!»

Die Traubensorten von Châteauneuf-du-Pape

Rote Rebsorten, die für einen Châteauneuf-du-Pape zugelassen sind.

Seit 1936 sind für einen Châteauneuf-du-Pape 13 Rebsorten zugelassen (14, wenn zwischen Grenache Noir und Grenache Blanc unterschieden wird). Für Rotweine dominieren vier Sorten: Grenache, Syrah, Mourvèdre und Cinsault. Ergänzt werden sie durch Counoise, Muscardin, Terret Noir und Vaccarèse. Die Weissweine werden aus den Sorten Clairette, Roussanne, Bourboulenc, Grenache Blanc, Picardan und Picpoul erzeugt. In einem Châteauneuf- du-Pape können, müssen aber nicht alle Sorten enthalten sein.

Weisse Rebsorten, die für einen Châteauneuf-du-Pape zugelassen sind.

Probierpaket «Châteauneuf-du-Pape und Rasteau»

Die Domaine de Beaurenard erzeugt rote und weisse Châteauneuf-du-Pape- Weine auf hohem Niveau. Neben je zwei Flaschen Rot- und Weisswein aus dieser berühmten Appellation enthält das Probierpaket zwei Flaschen Rotwein aus der aufstrebenden Nachbarregion Rasteau. Alle Weine zeichnen sich durch eigenständigen Charakter und Raffinesse aus.

Anthémis de Beaurenard
Welche Eleganz, welche Kraft und Harmonie! Dieser Châteauneuf- du-Pape ist wie geschaffen für festliche Momente und stellt so manchen teureren Wein in den Schatten. Eine rote Cuvée, gekeltert aus allen 13 zugelassenen Sorten. Während 15 Monaten im grossen und kleinen Holzfass ausgebaut.
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Anthémis de Beaurenard blanc
Ein weisser Châteauneuf-du- Pape wie aus dem Bilderbuch: in der Nase floral-würzig, am Gaumen komplex und aromatisch. Der Name Anthémis erinnert an die Hundskamille, die in den artenreichen Rebbergen der Familie Coulon zahlreich blüht.
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La Tradition de Beaurenard
Aus der Appellation Rasteau stammen kraftvolle Rotweine, die einen willkommenen Kontrast zu den Gewächsen von Châteauneuf-du-Pape bilden. Die fruchtige, konzentrierte Cuvée aus Grenache, Syrah und Mourvèdre zeichnet sich durch Frische und Charakter aus. Ein Jahr im grossen Holzfass gereift.
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Das Probierpaket mit 6 Flaschen kostet CHF 175.00 / € 145,00 und enthält je zwei Flaschen: Anthémis de Beaurenard, Anthémis de Beaurenard blanc und La Tradition de Beaurenard (Angebot solange Vorrat).
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Im WeinLese-Beitrag «Edle Tafel» finden Sie einige Rezeptideen zu den Weinen der Domaine de Beaurenard.

Über 350 Weine aus den artenreichsten Weinbergen Europas finden Sie übrigens in unserem Webshop.

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