Die Sicht von aussen …

40 Jahre Delinat: Wie man bei der unabhängigen Kontroll- und Zertifizierungsfirma bio.inspecta, beim Fachmagazin Vinum und beim WWF Schweiz den Bioweinpionier Delinat beurteilt.

Ueli Steiner, Geschäftsführer bio.inspecta AG

Ueli Steiner,  Geschäftsführer bio.inspecta AG
Ueli Steiner, Geschäftsführer bio.inspecta AG

Karl Schefer und sein Team haben es geschafft, in der ökologischen Weinproduktion neue Massstäbe zu setzen. Die verlangte Begrünung der Weinberge, die strengen Auflagen in Bewässerung der Reben und auch in der Vinifikation sind nur einige Beispiele, bei denen die Delinat-Richtlinien weit über die generellen Anforderungen an den Biolandbau sowie andere Bio-Richtlinien (EU, Bio Suisse, Demeter) hinaus gehen. Delinat ist aus meiner Sicht damit eines der innovativsten Unternehmen überhaupt. Seit 1998 überprüft bio.inspecta als unabhängige Kontrollinstanz die Einhaltung der Delinat-Richtlinien bei den Winzern vor Ort. Diese jährliche Kontrolle und Zertifizierung erfolgt mehrstufig (Weingut und Weine) durch zwei unabhängig voneinander arbeitende Kontrolleure und wird in detaillierten Inspektionsberichten festgehalten.

Thomas Vaterlaus, Chefredaktor Vinum

Thomas Vaterlaus,  Chefredaktor Vinum
Thomas Vaterlaus, Chefredaktor Vinum

Im Juni 1998 ging die Zeitschrift «Vinum» neue Wege. Mit grün eingefärbtem Titel-Logo und einem 32-seitigen Special widmete man sich dem Bioweinbau, zu jener Zeit noch eine visionäre Leistung. Basis dieses «Extras» war ein Meeting von über 20 Winzern auf Château Duvivier, dem Biowein-Schlossgut von Delinat in der Provence. Von all den vielen Events, an die ich mich erinnern kann, war dieses Delinat-Meeting womöglich das befruchtendste und beflügelndste überhaupt: Der kontrolliert biologische Anbau stand damals unmittelbar vor dem Durchbruch, und wir waren Teil dieser pulsierenden Bewegung. Mit dabei war auch ein Radioreporter, der täglich in SRF 1 über diesen Bioweingipfel berichtete. «Vinum» und Radio SRF produzierten zudem ein Booklet, in dem die besten Bioweine im damaligen Markt vorgestellt wurden. Mit dieser gebündelten Power haben wir der Biowein-Bewegung spürbaren Schub gegeben. Auch spätere Delinat-Projekte, an denen ich beteiligt war, habe ich als innovativ und wegweisend in Erinnerung. Etwa das Projekt «Terre del Meridione», in dem das südliche Italien als ganzheitlicher Weinkulturraum vorgestellt wurde. Oder die Entwicklung und Lancierung des Weins «Canta Rasim», für den der Terroirgedanke auf die okzitanische Sprache, die Musik (inklusive Produktion einer CD mit Chansons und Folk), die Geschichte und natürlich die Küche erweitert wurde. Die grösste Leistung von Delinat ist, dass man sich nicht nur als Weinhändler definiert, sondern als Akteur und Mitgestalter einer Szene. Nirgends wird dies so deutlich wie bei den tiefgreifenden Delinat-Richtlinien für den biologischen Anbau. Vor allem die Entwicklung der sogenannten Hotspots (konzentrierte Biotope inmitten der Rebmonokultur) verfolge ich mit grossem Interesse. Es ist faszinierend zu sehen, wie die beteiligten Winzer diese Hotspot-Idee aufgreifen und auf ihre ureigene Weise interpretieren. So habe ich in Rueda mobile Hotspots auf Rädern gesehen. Und im Thurgau fahre ich manchmal am Weingut von Karin und Roland Lenz vorbei. Gleich neben dem Eingang steht eine eigenartige, mehrere Meter hohe Skulptur aus Steinen, Ästen, Gras und vielem mehr. Roland Lenz bezeichnet diese Hotspots als seine Insektenhotels. Vor allem nützliche Schlupfwespen steigen da gerne ab. Kein Wunder: Der «Late Check-in» ist ohne Voranmeldung jederzeit möglich …

Sofia Barth, Abteilung Politik, WWF Schweiz

Sofia Barth,  Abteilung Politik, WWF Schweiz
Sofia Barth, Abteilung Politik, WWF Schweiz

Delinat leistet ausgezeichnete Arbeit für eine nachhaltige Weinproduktion. Besonders lobenswert sind aus Sicht des WWF die umfassenden Födermassnahmen für die Naturvielfalt, insbesondere dort wo sie weitreichender sind als von BioSuisse verlangt. So ist etwa der Anteil an Biodiversitätsförderflächen höher und zu einem gewissen Anteil direkt neben oder innerhalb der Rebkulturen angesiedelt. Vorgeschrieben ist auch ein gewisser Blühanteil von Bäumen und Wildsträuchern, sowie weitere Elemente, die für Strukturvielfalt sorgen. Auch im Bereich Pflanzenschutzmittel sind die Richtlinien beachtlich. Neben dem Verbot von chemisch-synthetischen Pestiziden wird auch der Einsatz von Kupfer eingeschränkt. Wichtig wäre es, den Kupfergebrauch weiter zu reduzieren. Die Förderung resistenter, standortangepasster Rebsorten ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung und wird künftiger noch wichtiger werden. Im Bereich Klima strebt Delinat eine klimaneutrale Weinproduktion an. Die getroffenen Massnahmen, wie etwa die Förderung erneuerbarer Energien, sind wichtig und sollten unbedingt weiterverfolgt werden. Zuletzt ist noch die Produktion und Verwendung von Pflanzenkohle zu nennen, welche nicht nur im Sinne einer Kreislaufwirtschaft die Bodenfruchtbarkeit fördert, sondern auch dazu führt, dass CO2 in den Boden eingebunden wird. Alles in allem ist der Weinbau unter dem Zertifikat Delinat wegbereitend für eine nachhaltigere Landwirtschaft.

Das meinen Winzer der ersten Stunde …

40 Jahre Delinat: Fünf langjährige Partnerwinzer aus verschiedenen Weinländern Europas schildern, wie sie die Zusammenarbeit mit Delinat erleben.

Josep Maria Albet i Noya, Bodega Albet i Noya, Penedès

Josep Maria Albet i Noya
Josep Maria Albet i Noya, Bodega Albet i Noya, Penedès

Den allerersten Kontakt mit Karl Schefer hatte ich, als er auf seiner Fahrradtour durch den Süden Kataloniens einen Zwischenstopp bei uns einlegte. Wir waren 1978 wahrscheinlich das erste und einzige Bioweingut Spaniens. Bioweine waren damals also noch kaum erhältlich, geschweige denn nachgefragt, aber dieser radelnde Schweizer hatte die verrückte Idee, einen Weinhandel ausschliesslich mit Bioweinen zu eröffnen. Ich war begeistert von Karls Enthusiasmus, seiner Zielstrebigkeit und Hartnäckigkeit. Und so lieferten wir schliesslich 1983 unsere ersten Weine in die Schweiz. Der Erfolg von Delinat hat auch uns Auftrieb gegeben. Delinat und Albet i Noya sind quasi zusammen gross geworden. In dieser Zeit sind nicht nur viele wunderbare Weine entstanden, sondern auch enge Freundschaften geknüpft worden. Etwa auch mit Pierre Basler, einem PIWI-Pionier aus der Schweiz. Gemeinsam mit ihm und Delinat begannen wir bereits 1999 damit, resistente Sorten anzubauen – und das obwohl der Anbau solcher Sorten in Spanien verboten war. Was irrsinnigerweise bis heute der Fall ist. Heute werden in ganz Katalonien 20 000 Hektar Reben biologisch bewirtschaftet. Die intensive Zusammenarbeit mit Delinat hat wesentlich dazu beigetragen.

Tobias Zimmer, Weingut Hirschhof, Rheinhessen

Tobias Zimmer, Weingut Hirschhof, Rheinhessen
Tobias Zimmer,
Weingut Hirschhof, Rheinhessen

Es war 1992 als wir unseren allerersten Weisswein – einen 91er Kerner Kabinett trocken – an Delinat liefern konnten. Mein Vater Walter hatte ein Jahr zuvor Peter Hilden, damals Leiter von Delinat Deutschland, kennengelernt und war sofort Feuer und Flamme für eine Zusammenarbeit. Wahrscheinlich hätte damals keiner der beiden gedacht, dass diese 30 Jahre andauern würde. Heute sind wir stolz, mit dem Riesling Terra Rossa und dem Schäumer DELSECCO zwei der beliebtesten Weine für Delinat keltern zu dürfen. In all den Jahren konnten wir nicht nur viele Weinfreunde für unsere Tropfen begeistern, sondern auch viele andere Weingüter für den biologischen Anbau motivieren. Alleine in unserer Gemeinde Westhofen haben mittlerweile sechs andere Weingüter umgestellt. Kein Wunder: Denn wer einmal verstanden hat, welche Vorteile ein in schönster Biodiversität blühender Weinberg nach der Delinat-Methode hat, wird sich die Frage stellen, warum er nicht schon immer so angebaut hat.

Louis Fabre, Château Coulon, Corbières

Louis Fabre, Château Coulon, Corbières
Louis Fabre,
Château Coulon, Corbières

Seit über 20 Jahren arbeiten wir nun schon mit Delinat zusammen. Dabei pflegt Delinat eine Beziehung, die weit über das Lieferantenverhältnis hinausgeht. Das zeigt sich beispielsweise besonders an den jährlichen Winzerseminaren. Dieser länderübergreifende Erfahrungsaustausch ist nicht nur äusserst lehrreich, sondern liefert auch faszinierende Geschichten und Erfolgserlebnisse von Winzer-Kollegen – und damit viele Inspirationen für meine eigene Arbeit. Diese Anregungen geben mir Auftrieb für meine eigene Vision: Über alle Weinberge ein verbundenes Ökosystem zu schaffen, das echte biologische Vielfalt ermöglicht, aus dem unverfälschte Terroir-Weine entstehen. Die Delinat-Richtlinien sind sehr anspruchsvoll und mit unserer heutigen Struktur sind wir leider noch nicht in der Lage einen Delinat-Wein in der höchsten Stufe, also drei Schnecken, zu erzeugen. Die Winzerseminare, aber auch die Erkenntnisse aus der Weinbauforschung und die Hilfe von Delinat-Berater Daniel Wyss werden uns helfen, auch dieses Ziel zu erreichen.

François Meyer, Domaine Eugène Meyer, Bergholtz

François Meyer, Domaine Eugène Meyer, Bergholtz
François Meyer,
Domaine Eugène Meyer, Bergholtz

Unser gemeinsames Abenteuer begann im Jahr 2000. Delinat war damals auf der Suche nach einem Bio-Crémant und die Qualität unserer Weine hat überzeugt. Allerdings erfüllten wir im Weinbau damals gerademal die damals gängigen Bio-Standards. Das hat sich in der Zusammenarbeit mit Delinat grundlegend verändert. Mit der Schaffung von ökologischen Hotspots mit dem Pflanzen von Bäumen, Sträuchern, Hecken und Rosenbüschen sowie dem Installieren von Nistkästen haben sich unsere Parzellen wieder in Naturparadiese verwandelt. Und auch dank der standortgerechten Begrünung ist es uns gelungen, unseren Boden zu beleben und den Schwefel- und Kupfereinsatz auf ein Minimum zu reduzieren. Noch heute ist das Elsass ein Meer von Reben in Monokultur – mit dem Pflanzen von Bäumen und Büschen mittem im Weinberg gelten wir immer noch als Exoten. Aber wir arbeiten gemeinsam mit Delinat weiter daran, dass unsere Art des Weinbaus zur Norm wird.

Natalino Fasoli, Azienda Fasoli Gino, Veneto

Natalino Fasoli, Azienda Fasoli Gino, Veneto
Natalino Fasoli,
Azienda Fasoli Gino, Veneto

Es war an einer Vinitaly-Messe vor 30 Jahren, als da ein Schweizer Betrieb namens Delinat eifrig nach Bioweinen suchte. Wir hatten damals zwar bereits mit dem biologischen Anbau begonnen, aber ein Markt für solche Weine gab es praktisch nicht. Ein Unternehmen kennenzulernen, das ausschliesslich Biowein vertrieb, kam für uns deshalb fast einem Wunder gleich. In der Folge entstand eine sehr konstruktive Zusammenarbeit, die uns erlaubte, sowohl unseren biologischen Weinbau als auch die Weinqualität weiterzuentwickeln. Rasch konnten wir Delinat alle bekannten Veneto-Weine (Amarone, Ripasso, Soave & Co.) in bester Bio-Qualität liefern. Ich arbeite auch nach 30 Jahren gerne mit Delinat zusammen. Die in immer höherem Detaillierungsgrad formulierten Delinat-Richtlinien helfen bei der Weiterentwicklung unseres Betriebes. Auch wenn gewisse Richtlinienpunkte so anspruchsvoll sind, dass es nicht immer möglich ist, in allen Bereichen das Maximum von drei Delinat-Schnecken zu erreichen.

Langjährige Wegbegleiter und Mitarbeiter erinnern sich …

40 Jahre Delinat: Langjährige Mitarbeiter und Wegbegleiter von Karl Schefer plaudern aus dem Nähkästchen.

Hans Schefer, älterer Bruder

Hans Schefer
Hans Schefer, älterer Bruder

Ich erinnere mich noch gut, wie alles angefangen hat. Eines Tages hat mich mein Bruder Karl aus Frankreich, wo er eine Ausbildung in Homöopathie machte, angerufen. Er sagte, er habe in einem Reformhaus Wein aus biologischem Anbau gesehen, und fragte mich, ob ich mal schauen könne, ob dafür in der Schweiz Interesse bestehe. Ich war damals als Aussendienstmitarbeiter einer Büromaschinenfirma unterwegs. So habe ich auf meinen Reisen in Reformhäusern, Restaurants und bei Privaten nachgefragt. Etliche waren erstaunt, aber auch interessiert, sodass Karl begann, Weingüter zu suchen, die gute biologische Weine erzeugten. Als er fündig geworden war, fuhren wir mehrmals mit einem Kombi oder einem VW-Bus nach Frankreich und holten ein paar hundert Flaschen. Da Karl damals noch studierte, hatte er nicht viel Geld. Ich selber hatte dagegen einen guten Lohn und konnte meinen Bruder finanziell unterstützen. Als das Ganze begann, grössere Dimensionen anzunehmen, stellte sich jedoch das Problem der Finanzierung. Wir zogen von Bank zu Bank, doch überall hat man uns belächelt. Wir sollten wiederkommen, wenn es uns gut gehe, das waren ihre Sprüche. Aber es gab eine Ausnahme: Ein Banker aus Wil, dem ich einen Kopierer verkauft hatte, glaubte an unser Projekt und fragte: Wie viel Geld braucht ihr? 20 000? Ihr könnt auch 50 000 Franken haben.

Karl, seine Frau Astrid und ich gründeten schliesslich 1980 die Biologische Produkte Schefer & Co. und kauften in Reute (Appenzell) ein kleines Haus. Wir begannen, die Garage mit Wein zu füllen, die Stube war übersät mit Kartons, mit denen wir den Wein verschickten. Das Interesse an unseren Bioweinen wuchs ständig, gleichzeitig wurden uns von Behörden und Ämtern immer mehr Steine in den Weg gelegt. Wörter wie «Bio», «Natur» oder «natürlich» waren im Zusammenhang mit Weinhandel nicht zugelassen, eine Weinhandelsbewilligung wurde uns lange verweigert. Es gab unglaublich viele Widerstände, und ich staune noch heute, mit welch unbändigem Willen sich mein Bruder dagegen gewehrt und schliesslich durchgesetzt hat. Ich selber hatte die dafür nötigen Nerven und die Geduld nicht. Während ich mich langsam zurückgezogen habe, hat Karl das Ding durchgezogen und 1983 die Delinat AG gegründet. Unglaublich, dieser Wille, den er auch heute noch an den Tag legt. Obwohl er sich längst zur Ruhe setzen könnte, lassen ihn seine Visionen nicht los, und er reisst immer noch neue Projekte an. Kompliment!

Arthur Schefer, jüngerer Bruder

Arthur Schefer, jüngerer Bruder von Karl Schefer
Arthur Schefer, jüngerer Bruder

Mir sind vor allem die ersten Degustationen aus der Gründerzeit im Familien- und Freundeskreis in Erinnerung geblieben. Karl hat bewusst keine Fachleute, sondern «Normalsterbliche » dazu eingeladen. Auf meinen Notizblättern fand man Wörter wie «sauer», «erdig» oder «moderig». Die ersten ungefilterten Weine mussten nach dem Transport lange liegen gelassen werden. Schon beim Einschenken wurden sie wieder trübe, also Notiz: «trübe, undefinierbare Farbe». Es ist ein Wahnsinn, was bei der Qualität von Bioweinen in den vergangenen 40 Jahren abgegangen ist.

Hubert Lämmler, Verwaltungsrat

Hubert Lämmler, Verwaltungsrat
Hubert Lämmler, Verwaltungsrat

Mit Karl Schefer verbindet mich eine langjährige Freundschaft, die vor die Zeit von Delinat zurückreicht. Ich erinnere mich noch gut an eine der ersten Degustationen mit ihm im Freundeskreis. Er hatte verschiedene Bioweine aus Paris mitgebracht. Es waren aus meiner Sicht ungeniessbare Weine. Als er mich fragte, was ich von den Weinen halte, wollte ich ihn durch meine ehrliche Meinung nicht enttäuschen und sagte stattdessen: «Der Weisse ist kühler als der Rote.» Diese Verlegenheitsantwort hat er mir noch jahrelang lachend vorgehalten. Gleichwohl hat mich seine Überzeugung, dass Biowein doch nicht schlechter sein müsse als konventioneller Wein, schwer beeindruckt. Das war zu Beginn der 80er-Jahre eine völlig visionäre Haltung. Wirklich daran geglaubt, dass aus dem Geschäft mit Biowein etwas werden könnte, habe ich damals aber nicht. Trotzdem habe ich Karl wo möglich unterstützt. So etwa beim Start von Château Duvivier in der Provence, wo wir von den Franzosen als «Zürcher Spinner» bezeichnet wurden, weil wir mit verschiedenen Versuchen den Weinbau revolutionieren wollten. Auch der damals für Château Duvivier zuständige französische Winzer wollte davon nichts wissen und sabotierte einen Versuch zur Reduktion des Kupfereinsatzes im Rebberg. Ich bin tief beeindruckt von den grossen Investitionen und den vielen unentgeltlichen Leistungen, die Astrid und Karl Schefer zugunsten dieses Modellweinguts bisher geleistet haben und somit anderen Winzern eine Inspirationsquelle und vielen Delinat-Kunden unvergessliche Ferienaufenthalte ermöglichen.

Daniel Wyss, Winzerberater

Daniel Wyss, Winzerberater bei Delinat
Daniel Wyss, Winzerberater

Als Mitarbeiter der bio.inspecta habe ich vor rund 20 Jahren die Kontrolle und Zertifizierung der Delinat-Betriebe organisiert. 2001 wurde ich angefragt, an der Überarbeitung der Delinat- Richtlinien mitzuarbeiten. Daraus ist ein Traumjob geworden. Seit 2002 bin ich als Delinat-Mitarbeiter für die Überarbeitung, Weiterentwicklung und Umsetzung der Richtlinien zuständig. Später entwickelte sich daraus meine heutige Beratertätigkeit, in der ich allen Delinat-Winzern mit Rat und Tat zur Verfügung stehe, Winzertreffen organisiere und Innovationen ankurble. Karl Schefer und Hans-Peter Schmidt, der damalige Leiter des Delinat- Instituts, wollten die Richtlinien stark ausweiten und wirkungsvoller gestalten. So stiegen die Anforderungen an die Biodiversität enorm, und es wurde das Stufenmodell mit den drei Schnecken eingeführt. Die damals lancierte Idee, die Monokultur der Weinberge mit ökologischen Hotspots in Form von Kräuterinseln, Lebenstürmen, Insektenhotels oder Sekundärkulturen aufzubrechen, taten einige unserer Winzer zuerst als «Spinnerei» ab. Heute überbieten sie sich in Sachen Kreativität, wenn es darum geht, mit solchen Hotspots die Artenvielfalt zu fördern. Damit alle Weingüter die Richtlinien erfüllen können, bietet Delinat eine kostenlose Winzerberatung an. Auf den Weingütern kann ich erstaunliche Entwicklungen feststellen. Eines von vielen positiven Beispielen: Daniel Coulon von der Domaine Beaurenard in Châteauneuf- du-Pape hatte in einer seiner Rebparzellen Mangelerscheinungen an Kalium. Er bat mich um Hilfe. Um das Problem zu lösen, stellte ich eine Gründüngung aus einer Mischung von Buchweizen, Wicken, Erbsen, Ackerbohnen, Raps, Ölrettich und Dinkel zusammen und empfahl, den Boden für die Einsaat künftig nur noch auf eine Tiefe von 7 bis 10 Zentimeter zu bearbeiten. Im Herbst 2017 und 2018 wurde diese Mischung eingesät. Im Sommer 2018 hat Daniel Coulon zwar noch keine Veränderung festgestellt, aber schon ein Jahr später zeigte die neue Saatmischung deutliche Wirkung. Der Winzer ist hoch erfreut und hat die Mischung im vergangen Herbst nochmals eingesät. Nun ist er guten Mutes, das Problem definitiv gelöst zu haben. Ähnlich positive Erfahrungen gibt es mit von uns initiierten Wasserretentionsmassnahmen.

Monika Schiess, langjährige Grafikerin

Monika Schiess, langjährige  Grafikerin
Monika Schiess, langjährige Grafikerin

Anstelle meiner selbst lasse ich lieber Klara und Hugo sprechen, die zwei steinalten, aber noch immer höchst vitalen, weil nur mit Brennnessel und Baldriantee gewässerten, Zimmerlinden, die ich aus dem Büro mit in Pension genommen habe. Die haben nämlich so einiges mitbekommen, auch über unsern Chef!
«Erinnerst du dich noch an das Drama, als es darum ging, einen neuen, wiederverwendbaren Karton für den DegustierService zu entwickeln?»
«Ui, ui, ui, ja, das sollte doch dieses absolut perfekte Superding werden, so perfekt, dass der Chef himself bis tief in die Nacht mit dem Teppichmesser daran herumschnitzte, um es noch perfekter zu machen …»
«Nun ja, so ganz schlecht war die Box dann doch nicht.»
«Stimmt, aber er kann manchmal schon ganz schön nerven mit seinem Anspruch an Perfektion und mit seiner Pedanterie.»
«Und sobald er was erfunden hat, stellt er es gleich wieder infrage und will es noch besser machen …»
«Hmmm, aber ein eigentlicher Goldschatz ist er dafür im Umgang mit den Kunden …»
«Ja, die dürfen einfach alles! Selbst wenn einer mit noch so abenteuerlichen Reklamationen dasteht, kriegt er dafür noch eine Flasche Wein geschenkt.»
«Tja, darum sollten wir eben ganz viel Delinat-Wein kaufen, dann würde er uns vielleicht auch mit dieser rosa Kundenbrille betrachten …»
«Was denkst du, wie viele gute Ideen hatte unser Capo wohl in den letzten 40 Jahren so ungefähr?»
«Hmmm, so an die 3000 sicher!»
«Und was ist davon geblieben?»
«Einiges schon. In das Delinat-Logo etwa, das unsere Grafikerin und ihr Team vor Urzeiten kreierten, hat er sich so verliebt, dass dieses mystische Ding zwischen Schnecke und Spirale längst ein Teil seines Selbst geworden ist.»
«Auch die Weinlese, das 2006 lancierte Kundenmagazin, erscheint nun schon seit 57 Ausgaben.»
«Was denkst du, was war wohl die beste Idee, die unser Chef je hatte?»
«Nun, da bin ich mir ganz, ganz sicher: Die allerbeste seiner Ideen hatte er vor exakt 40 Jahren …»

Karin Schweizer, Kundenservice

Karin Schweizer, Kundenservice
Karin Schweizer, Kundenservice

Vor 15 Jahren bekam ich die Chance, bei Delinat im Laden und im Kundenservice in St. Gallen zu arbeiten. Aus der Anfangszeit ist mir ein schönes Erlebnis bis heute in Erinnerung geblieben. Eines Tages kam ein Ehepaar in den Laden und wollte Amarone kaufen. Es hat mich mit Fragen bezüglich Traubensorten, Herstellungsmethode usw. gelöchert. Als Quereinsteigerin konnte ich nach lediglich drei Monaten noch nicht sehr fundiert Auskunft geben. Also habe ich dem Ehepaar vorgeschlagen, einfach ein Flasche zu öffnen und den Wein gemeinsam zu degustieren. Die Leute reagierten begeistert und kamen in der Folge regelmässig zu mir in den Laden, um Wein zu kaufen. Es kam so weit, dass sie mich mehrmals zum Essen eingeladen haben. Es entstand eine sehr schöne, über Jahre dauernde Freundschaft mit angeregten Gesprächen. Kulante Haltung unseren Kunden gegenüber wurde uns von Karl Schefer von allem Anfang an eingeimpft. Grosszügig und ohne Umschweife auf Fehler oder fehlerhafte Weine reagieren zu können, erleichtert unsere Arbeit im Kundenservice sehr.

Martina Korak, Önologin, Leiterin Einkauf

Martina Korak, Önologin, Leiterin Einkauf
Martina Korak, Önologin, Leiterin Einkauf

Vor der Bio-Fach in Nürnberg kontaktierte mich ein Winzer aus Sizilien, um an eben dieser Messe einen Termin zu vereinbaren. Ich weiss nicht mehr, was da genau schieflief, aber ich hatte mir die Standnummer nicht korrekt aufgeschrieben, und den Namen des Winzers hatte ich bereits wieder vergessen. Und da stand ich nun und dachte mir: Diesen Termin musst du wohl sausen lassen. Beim Herumschlendern weckte ein Stand meine Aufmerksamkeit. Weil ich die Weine degustieren wollte, stellte ich mich vor. «Ach, wie schön, Frau Korak, dass Sie so pünktlich sind!», sagte Massimo Maggio. Ich weiss nicht, ob Schicksal oder Zufall, aber auf jeden Fall bin ich sehr froh, dass dieser Termin geklappt hat, denn auch mit diesem Weingut verbindet uns mittlerweile eine langjährige Zusammenarbeit. Solche gib es sehr viele, obwohl Delinat ständig neue und höhere Anforderungen an die Winzer stellt. Diese sind zwar nicht immer glücklich darüber, und manchmal gibt es sogar schlaflose Nächte. So etwa auf dem Weingut Felline in Apulien, wo die flüssigen Mittel für eine Solaranlage fehlten, um den von Delinat geforderten Umstieg auf erneuerbare Energien zu bewerkstelligen. Nach einem kurzen Telefon mit Karl Schefer war das Problem gelöst: Er stellte die Finanzierung mit einem entsprechenden Darlehen sicher.

Vanco Ivanov, Haustechnik und Logistik

Vanco Ivanov, Haustechnik und Logistik
Vanco Ivanov, Haustechnik und Logistik

Vor über 30 Jahren bin ich zu Delinat gestossen. Meine Tätigkeit war immer sehr vielseitig. Am Anfang war ich für das Lager zuständig und lieferte Wein aus. Das waren noch Zeiten, als wir in grossen Mengen eingekauften Honig mit einem kleinen Elektroofen leicht erwärmten, um ihn in Halblitergläser abzufüllen und diese von Hand zu etikettieren. Was für ein Aufwand! Zusammen mit meiner Frau habe ich in den 1990er-Jahren auch zurückgeführtes Leergut sortiert und zum Waschen und zur Neuabfüllung weitergeleitet. Altkartons kamen gebündelt zurück und mussten für die Wiederverwertung sortiert werden. Es war eine echte Pionierphase, alles war Handarbeit, wir arbeiteten wie verrückt, oft auch am Wochenende. Heute ist fast alles anders. Was aber unverändert geblieben ist: Delinat steht nicht nur für Bio und Umwelt, sondern auch für soziales Engagement. Ich erinnere mich, dass sowohl Mitarbeitern wie Winzern immer wieder geholfen wurde, wenn etwa finanzielle Not da war.

Motiviertes Päckli-Team

Seit einem Jahr werden die DegustierService-Pakete von der Lebenshilfe Lörrach gefertigt. Damit haben 26 Personen mit geistigen oder psychischen Defiziten eine sinnvolle Arbeit gefunden.

Lebenshilfe Lörrach zu Besuch beim Weingut Lenz

Die Lebenshilfe Lörrach wurde 1964 von engagierten Eltern geistig behinderter Kinder als Selbsthilfeorganisation gegründet. Neben Förderangeboten für Kinder und ihre Familien bietet der gemeinnützige Verein auch Arbeitsplätze und Betreuung für Erwachsene mit geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen an. Als Delinat 2019 den Weinversand wieder in die eigenen Hände nahm und in Grenzach ein neues Zentrallager eröffnete, kam Karl Schefer auf die Idee, mit der nahe gelegenen Lebenshilfe Lörrach zusammenzuarbeiten und ihr die Fertigung der DegustierService-Pakete zu übertragen. «Einerseits passen wir von der Philosophie her sehr gut zusammen, andererseits erscheint mir das eine geeignete Aufgabe für Leute mit derartigen Behinderungen», so Karl Schefer.

Mit Freude bei der Arbeit

Lebenshilfe Lörrach beim Einpacken der DegustierService-Pakete
Karl Schefer besucht immer wieder gerne das Päckli-Team der Lebenshilfe Lörrach. Dabei wird er immer wieder begeistert auf den Ausflug auf das Weingut Lenz angesprochen.

Bei der Lebenshilfe war man dankbar für das Angebot. Schon bald danach, im Oktober 2018, wurde ein Probelauf in der Logistikhalle der Firma Reissner in Lörrach durchgeführt. Dieser verlief erfolgreich, sodass die neue Aussenarbeitsgruppe «Delinat» ins Leben gerufen wurde und seit Januar 2019 sämtliche DegustierService-Pakete fertigt. Das Team ist mittlerweile auf 26 Personen angewachsen. Tagein, tagaus geht es emsig zu und her in der Lagerhalle. Mit dem DegustierService ist die 26-köpfige Arbeitsgruppe das ganze Jahr über ausgelastet. Die bisherigen Erfahrungen beurteilen die beiden Gruppenleiter Franz Link und Andreas Gassmann als «sehr positiv». Natürlich gebe es auch mal Stimmungsschwankungen, «aber die Leute haben sich erstaunlich schnell gefunden und harmonieren gut.» Um die Mitarbeitenden nicht unter Druck zu setzen, werden an allen Arbeitsstationen genügend Puffer eingebaut. «Geschwindigkeit ist bei diesem Auftrag zum Glück kein Kriterium. Für die Paketfertigung bleibt genügend Zeit, sodass die Leute das Tempo mehr oder weniger selber vorgeben können», erklärt Andreas Gassmann.

Erwartungen übertroffen

Team-Mitglieder der Lebenshilfe Lörrach

Wie gut es funktioniert und wie locker die Stimmung im Team ist, erlebten Delinat-Chef Karl Schefer, seine Tochter Arina und Marketingchef Michel Fink anlässlich eines Besuchs im vergangenen November. Das ganze Team war gut gelaunt an der Arbeit, gab gerne Auskunft über die Arbeit, und alle posierten mit Freude für den Fotografen. «Nach einem Jahr können wir feststellen, dass alles viel besser läuft, als wir es erwarten durften. Es gibt weniger Fehler, und das Team ist viel zufriedener als bei unserem vorherigen Dienstleister. Das gibt auch uns ein deutlich besseres Gefühl.» Nach den ersten sechs Monaten hat Karl Schefer das Lebenshilfe-Team zu einem eintägigen Besuch auf dem Weingut Lenz in Iselisberg im Thurgau (CH) eingeladen und persönlich gezeigt, wie Delinat-Wein angebaut wird. Der Besuch im Juli 2019 bei strahlendem Wetter hat die Leute begeistert und wirkt noch heute nach. Sobald der Delinat-Chef sich in der Halle blicken lässt, wird er freudig begrüsst und in Erinnerung an den Ausflug verstrickt. Es ist augenfällig, dass das Packen der Weine seit dem Besuch im Thurgau doppelt Spass macht.

WeinLese 56: Editorial

Guter Wein preist sich selbst, will uns obiges Sprichwort sagen. Vor über 20 Jahren haben Josep Maria Albet i Noya, mittlerweile der erfolgreichste Biowinzer Spaniens, und seine Kellermeisterin Marga Torres in Katalonien mit dem Vinya Laia eine neue Weinstilistik begründet.

Sie haben schon damals ihren Reben ein ökologisch intaktes Umfeld mit reicher Biodiversität geboten, haben sich bei der Assemblage alle Freiheiten genommen, haben auf in Spanien gängige Standards wie Crianza oder Reserva verzichtet und stattdessen eigene Massstäbe für den Ausbau im Barrique gesetzt.

Der erste Vinya Laia, mitinitiiert von Delinat und benannt nach der Tochter von Marga Torres, trägt den Jahrgang 1996. Seither überzeugt der elegante Tropfen mit seinem unvergleichlichen mediterranen Charme eine grosse Fangemeinde. Lesen Sie in unserer Reportage, wie es in enger Zusammenarbeit gelungen ist, diesen beliebten Wein über all die Jahre immer noch einen Tick besser zu machen und ihm beim Jubiläumsjahrgang 2016 die Krone aufzusetzen.

Ich wünsche Ihnen viel Lese- und Trinkspass, vielleicht bei einem Glas Vinya Laia.

Alle Artikel der WeinLese 56:

WeinLese 56: Kurz & bündig

Ruhekeller für edle Rieslinge

Die beiden Delinat-Weingüter Battenfeld Spanier und Kühling Gillot in Rheinhessen, die vom Ehepaar Oliver und Carolin Spanier-Gillot geführt werden, gehören zur deutschen Weinelite. Seit bald fünf Jahren besteht die Zusammenarbeit mit Delinat. Im September 2019 wurde ein neuer Reifekeller in Betrieb genommen. «Er dient ausschliesslich dazu, unseren Weinen eine ausgedehnte Reifephase und Lagerung unter perfekten Bedingungen zu ermöglichen», erklärt Oliver Spanier. Gerade die filigranen Rieslinge reagieren ungehalten auf zu warme Temperaturen oder wiederkehrende Lagerschwankungen. Naturfelsenkeller bieten ideale Bedingungen. Oliver Spanier: «Daher haben wir uns entschieden, nicht nur einen unterirdischen Reifekeller zu bauen, sondern die Eigenschaften eines Naturkellers zu simulieren und weitgehend auf Beton und Stahl zu verzichten.»

Lebensraum für Wildbienen

Das deutsche Weingut Hirschhof in Westhofen beteiligt sich am Projekt «Blühendes Rheinhessen» des Bundes für Umwelt und Naturschutz (kurz: BUND). Ziel ist die Schaffung von mehr Artenvielfalt und neuer Lebensräume für Wildbienen in der Kulturlandschaft Rheinhessens. «Wir haben uns als Modellpartner für dieses Projekt beworben, weil wir hoch motiviert sind, noch mehr zur biologischen Vielfalt in unseren Weinbergen beizutragen», sagt Hirschhof-Winzer Tobias Zimmer. Den BUND-Projektverantwortlichen ist es nach einer Begehung der Rebberge leicht gefallen, das Weingut Hirschhof als Modellpartner auszuwählen, wurde doch eine bereits reich vorhandene Pflanzen- und Tierwelt mit gegen 80 Pflanzenarten, 6 Arten von Wildbienen, 16 Arten Falter und 14 Arten anderer Lebewesen – vom Marienkäfer über Heuschrecken bis zum Rotmilan – gesichtet.

Gold-Diplome für Delinat-Weine

An der von der EXPOVINA veranstalteten 26. Internationalen Weinprämierung Zürich (IWPZ) wurde der Château Duvivier Les Mûriers 2014 mit einem Golddiplom und als bester Rotwein Frankreichs ausgezeichnet. Der Riesling Terra Rossa 2018 vom Weingut Hirschhof in Rheinhessen erhielt ebenfalls Gold und die Auszeichnung als bester Weisswein Europas. Insgesamt waren mehr als 2000 Weine aus den bedeutendsten Anbaugebieten der Welt zu diesem Wettbewerb eingereicht worden. An der MUNDUSvini Weinprämierung (Sommerverkostung 2019) in Deutschland gab es sogar sechsmal Gold für Delinat-Weine. Goldmedaillen gingen an Soave La Casetta 2018 (Azienda Fasoli, Veneto), Reserva Martí 2012 (Albet i Noya, Penedès), Valdega Reserva 2013 (Bodegas Quaderna Via, Navarra), Viña Llopis 2018 (Pago Casa Gran, Valencia), Espriu Brut 2016 (Albet i Noya, Penedès), Maison Coulon Sauvignon Blanc 2018 (Château Coulon, Languedoc), Château Coulon Sélection spéciale 2017 (Château Coulon, Languedoc) und La Colle des Lignères 2015 (Domaine Lignères, Languedoc).
Eine Übersicht aller mit Medaillen ausgezeichneten Delinat-Weine finden Sie hier.

Traubenlese mitten in der Nacht

Damit das Traubengut bei möglichst kühlen Temperaturen geerntet und in den Keller gebracht werden konnte, schwärmten die fleissigen Erntehelfer vom Weingut Vale de Camelos im Alentejo in diesem Jahr bereits nachts um drei Uhr aus, um die reifen Trauben von Hand zu lesen. So blieben Frische und Säure erhalten, ohne dass die Früchte im Keller mit viel Energie heruntergekühlt werden mussten. Die Frühschicht der Erntehelfer ist somit ein erheblicher Beitrag zu mehr Qualität auf allen Ebenen.

Pestizide vergiften Wasser

In der Schweiz zeigen zwei Studien im Auftrag des Bundesamts für Umwelt, dass die Gewässer in landwirtschaftlichen Gebieten stark mit Pestiziden belastet sind. In manchen Bächen hat es in der Vegetationszeit über Monate so hohe Konzentrationen davon, dass einzelne Pflanzen und Tiere, wie zum Beispiel der Bachflohkrebs, aber auch ganze Lebensgemeinschaften verschwinden. Pro Standort wurden zwischen 71 und 89 Pestizidwirkstoffe gefunden, insgesamt 145 Stoffe. Nicht nur einzelne Wirkstoffe, sondern auch deren Mischung gefährden die Biodiversität stark. Für Christian Stamm, Stellvertretender Abteilungsleiter Umweltchemie des Wasserforschungsinstituts Eawag, ist deshalb klar: «Wir müssen die Pestizidbelastung durch die Landwirtschaft wesentlich reduzieren.» 2020 stimmt das Schweizer Stimmvolk über die Initiative für sauberes Trinkwasser ab. Diese verlangt unter anderem, dass in der Schweiz nur noch diejenigen Landwirtschaftsbetriebe mit Direktzahlungen oder Subventionen unterstützt werden, die keine Pestizide einsetzen. Delinat unterstützt diese Volksinitiative.

Alle Artikel der WeinLese 56:

Auf ein Glas mit … Dorit Schmitt

Seit 2018 führt die Sommelière und Food-Journalistin Dorit Schmitt aus Karlsruhe für Delinat in verschiedenen Städten Deutschlands und der Schweiz den Kurs «Wein und Schokolade» durch. Wir unterhielten uns mit ihr über diese aussergewöhnliche Kombination, aber auch generell über das Thema «Genuss».

Was bedeutet Genuss für Sie persönlich?
Dorit Schmitt: Genuss bedeutet für mich, mir Zeit nehmen zu können und Dinge bewusst zu tun. Das beginnt beim Einkauf mit der Wahl der Lebensmittel, der sorgfältigen Zubereitung, einem schön gedeckten Tisch und endet bei der passenden Getränkewahl.

Die Kombination von Wein und Schokolade ist die grosse Leidenschaft von Dorit Schmitt.

Sie beschäftigen sich beruflich seit Langem mit dem Thema «Genuss». Wie ist es dazu gekommen?
Wahrscheinlich wurde bei mir das Interesse bereits in meiner Kindheit geweckt. Wir hatten einen Schrebergarten, und es gab immer frisches Gemüse, Beeren und Salat. Später kamen die vielen Reisen nach Frankreich dazu, die mich prägten.

Bieten im Einklang mit der Natur produzierte Bioprodukte mehr Genuss? Sobald man sich bewusst darüber wird, wie Lebensmittel auf konventionelle Art weltweit produziert werden, kann man diese nicht mehr reinen Gewissens geniessen. Wer den Geschmack von Lebensmitteln kennt, die aus dem eigenen Garten oder von Biobetrieben stammen, merkt schnell die Unterschiede.

Worauf achten Sie beim Kauf von Lebensmitteln? Wo kaufen Sie ein?
Hauptsächlich im Supermarkt. Hier achte ich bei Geflügel auf das Label-Rouge-Siegel, bei Eiern auf Bruderhahn-Betriebe, bei Obst und Gemüse möglichst auf Regionales und Saisonales. Viele Spezialitäten oder Gewürze bringe ich mir auch von Reisen mit.

Welches ist die grösste Sünde, die beim Geniessen begangen wird?
Das kann ich so pauschal nicht beantworten, da ja jeder Mensch «Genuss» für sich anders definiert. Man sollte aber ein Bewusstsein dafür entwickelt haben, wie etwas produziert wird und woher es stammt.

Wein und Schokolade erscheint auf den ersten Blick als seltsame Kombination. Weshalb passen die beiden Produkte zusammen?
Nicht jeder Wein passt zu jeder Schokolade, aber es gibt durchaus Gemeinsamkeiten, die sich zu neuen, aufregenden Geschmackswelten verbinden lassen. Eine wichtige Rolle spielen dabei Aromen, Tannine und Säure.


Persönlich
Dorit Schmitt wurde 1968 in Neumarkt in der Oberpfalz geboren. Heute lebt sie in der Nähe von Karlsruhe. Nach dem Abschluss des Studiums zur Diplom- Kommunikationsdesignerin arbeitet sie seit 1997 bis auf wenige Ausnahmen als selbstständige Unternehmerin. Sie gründete die Werbeagentur Do(r)it advertising, mit der sie Werbekonzepte und Corporate Designs für zahleiche Firmen entwickelte. 2006 verschrieb sie sich beruflich komplett dem Genuss, wobei sie sich zuerst auf die Kombination von edlen Weinen und feiner Schokolade spezialisierte. 2006 genoss sie an der Weinakademie Krems eine sensorische Ausbildung. 2007 eröffnete sie in ihrer Heimatstadt Neumarkt das Feinkostgeschäft CHATEAU et CHOCOLAT, das sie 2011 aus privaten Gründen wieder aufgab. Heute gibt sie das Online-Magazin «Aromenspiele» heraus und arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin, Bloggerin und Sommelière.

Worauf gilt es speziell zu achten, wenn Wein zusammen mit Schokolade genossen wird?
Das Erste muss sein, dass man bei Schokolade nicht mehr ans Naschen denkt, sondern sie eher als edles Fingerfood betrachtet. Ich lasse in meinen Kursen zunächst den Wein probieren, danach die Schokolade, am Schluss die Kombination. So bekommen die Teilnehmer ein Gefühl dafür, was sich gut kombinieren lässt.

Was erwartet einen sonst noch beim Kurs «Wein und Schokolade – eine süsse Versuchung»?
Grundsätzlich ein genussvoller Abend. Die Gäste erfahren viel über Gemeinsamkeiten von Wein und Schokolade. Es ist keine Schulstunde, sondern ein erfahrbares Geschmackserlebnis. Zu Crémant bis hin zu Süsswein werden Schokoladen vorgestellt, die man so eher noch nicht zusammen probiert hat.

Gibt es einen Weintyp, der speziell gut zu Schokolade passt?
Rotweine mit gut eingebundenen Tanninen und etwas Barrique sind am einfachsten zu kombinieren. Mein persönliches Highlight ist es, Portwein mit einer sehr hochprozentigen Schokolade zu kombinieren.

Worauf würden Sie eher verzichten: Wein oder Schokolade?
Auf die Schokolade.

Weintipp Dorit Schmitt

Den Weisswein Viña Llopis finde ich sehr ansprechend. Es handelt sich um eine trockene Gewürztraminer-Cuvée mit Moscatel. In der Nase blumig, fruchtig frisch – im Mund erfrischend, schlank, fruchtig und mit einer schönen Muskatnote. Das ist ein vielseitig einsetzbarer Essensbegleiter: zur mediterranen Fischküche ebenso wie zur aromatischen, vegetarischen indischen Küche. Ausserdem kann man ihn wunderbar zu Käse oder gar weisser Schokolade anbieten.

Viña Llopis
Valencia DOP 2018
www.delinat.com/7615.18

Alle Artikel der WeinLese 56:

Die gefiederten Freunde der Domaine Lignères

Die Domaine Lignères im südfranzösischen Departement Aude ist nicht nur ein Wein-, sondern auch ein Vogelparadies: Gegen 60 Brutvogelarten tummeln sich zwischen den Rebstöcken und der vielfältigen Pflanzenwelt.

Anne und Jean Lignères’ Leidenschaft gehört dem Wein und der Natur. Diese Passion leben sie auf ihrer Domaine Lignères eindrücklich aus: Mitten in einer vielfältigen Reblandschaft steht ihr schmuckes Château La Baronne, im Hintergrund thront mächtig die Montagne d’Alaric. Eigentlich war ihnen längst bewusst, dass ihre Rebberge reich an biologischer Vielfalt sind. Doch sie wollten es genau wissen. 2018 wurde Aude Natur, ein Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Artenvielfalt im Department Aude zu fördern, mit einem Monitoring beauftragt. Es sollten alle auf dem Weingut vorkommenden Vogel-, Baum und Straucharten inventarisiert und gestützt darauf weitere Verbesserungen zugunsten der Tier- und Pflanzenwelt ins Auge gefasst werden.

Zwischen April und August 2018 wurde eine Hörpunkt-Studie durchgeführt. Konkret platzierten sich fünf Vogelbeobachter der Familie Lignères und von Aude Natur an verschiedenen Orten auf dem Weingut in einem Abstand von mindestens 500 Metern, um Doppelzählungen zu vermeiden. Einerseits ging es darum, die Anzahl der beobachteten Vögel zu eruieren, andererseits sollten auch Aufschlüsse über das Verhalten der Vögel (Flug, Beutetransport usw.) gewonnen werden. Insgesamt wurden auf der Domaine Lignères und in der Umgebung des Berges Alaric 59 Brutvogelarten festgestellt. Sechs davon befinden sich auf der Liste der bedrohten Arten.

Über 300 Nistkästen installiert

Zu dieser Vielfalt haben die über 300 Nistkästen beigetragen, die in den Vorjahren in und um die Rebberge installiert worden waren. In ihrem Schlussbericht kommen die Experten von Aude Natur zum Schluss, dass das alte und gut erhaltene Weingut der Familie Lignères über eine reiche Biodiversität und mehrere günstige Lebensräume für die Vogelwelt verfügt. Es wird angeregt, diese unbedingt zu erhalten und wo nötig mit dem Aufstellen weiterer Nistkästen und dem Schliessen von Vernetzungslücken durch Heckenpflanzungen noch zu stärken. Anne Lignères freut sich über jeden gefiederten Gast: «Gerade eben hat eine Zwergohreule einen Nistkasten beim Schuppen im Rebberg La Vals in Beschlag genommen. Wir sind sehr zufrieden», liess sie kürzlich verlauten.

Fast 60 Brutvogelarten tummeln sich auf der Domaine Lignères. Hier eine Auswahl von gefiederten Freunden, die sich hier wohl fühlen:

Delinat arbeitet seit bald zehn Jahren mit der Domaine Lignères zusammen und unterstützt das Gut bei der Förderung der Artenvielfalt. 2016 wurde Jean Lignères von Delinat zum Biodiversitätswinzer des Jahres gekürt.

Alle Artikel der WeinLese 56:

10 Fragen an die Delinat-Kunden Ursula und Robert Filli

Bei welchen Gelegenheiten trinken Sie Wein?
Wenn es etwas zu feiern gibt, zum Apéro, mit Freunden und vor allem zum Abendessen.

Was hat Wein mit Kultur zu tun?
In unserer westlichen Welt ist Wein Kulturgut. Persönlich gehört er zu unseren Ritualen, zum Genuss. Dabei bleibt es nicht beim Degustationsmodus.

«Bio» bedeutet für Sie?
Nicht bloss ungiftige Lebensmittel für uns Menschen, sondern auch Achtsamkeit im Umgang mit den Böden und allen Lebewesen. Regionale Produkte, wenn auch nicht biozertifiziert, ziehen wir aber Bioprodukten mit unsinnigen Zulieferdistanzen vor.

Weshalb und seit wann trinken Sie Delinat-Weine?
Seit 1994 kaufen wir Wein bei Delinat. Es gibt ein grosses Angebot, das uns anspricht.

Ihre Lieblingstropfen?
Pasión, Gli Storni, Bric Rocche, Duvivier Les Cigales und Duvivier Cuvée des Amis.

Verraten Sie uns ein spezielles Erlebnis in Zusammenhang mit dem DegustierService oder allgemein mit Delinat?
In jungen Jahren haben wir, statt eine Ferienreise zu machen, eine Aktie vom Château Duvivier gekauft. Die Piemont-Frühlingsreise 2019 hat tiefe Eindrücke hinterlassen. Wir sahen, wie breit das Spektrum beim Bio-Weinbau ist und was im Vergleich dazu der konventionelle Anbau anrichtet. Auch der Besuch beim Bio-Reisbauer war ein besonderes Erlebnis.

Was bedeutet für Sie Glück?
Zu sehen, dass auch positive Kräfte am Wirken sind. Die schöne Beziehung zu unseren erwachsenen Kindern. Den Insekten im Garten zuzuschauen, wie sie unsere Himbeeren bestäuben.

Ihre Helden der Gegenwart?
Toni el Suizo Rüttimann (Brückenbauer in Lateinamerika), Lea Wyler (Initiantin des Hilfswerks Rokpa International, das sich den Strassenkindern in Tibet und Nepal verschrieben hat), Renate Schütz (Winzerin von La Luna del Rospo, Piemont), Leute mit grossem sozialem und nachhaltigem Engagement.

Mit welcher berühmten Person würden Sie gerne mal ein Glas Wein trinken?
Ursula: Mit Terence Hill, meiner imaginären Jugendliebe, würde ich gerne über das Leben, die Illusionen und die Wahrheit reden.
Robert: Mit Bruce Willis, einfach, weil ich ein Fan von ihm bin.

Was stört oder vermissen Sie bei Delinat?
Gar nichts, wir sind schon seit 25 Jahren dabei.


In Celerina, einem Vorort des mondänen St. Moritz, führen Robert und Ursula Filli in der einzigartigen Engadiner Berglandschaft seit 1988 das B&B Hotel Trais Fluors. Bereits die Grossmutter von Robert Filli führte im grossen, 300-jährigen Haus eine Pension mit 20 Zimmern. Robert und Ursula Filli bieten heute noch sieben gemütliche Zimmer und eine Ferienwohnung an. Zu ihrer Betriebsphilosophie gehört der Einsatz von umweltverträglichen Produkten in allen Bereichen. Die Produkte für das reichhaltige Frühstück stammen wenn möglich aus der Region, und es wird Wert auf Bioqualität und Fair Trade gelegt. Ein Grossteil der benötigten Energie zur Warmwasseraufbereitung und Heizung wird von einer Solaranlage auf dem Dach erzeugt.

Alle Artikel der WeinLese 56:

WeinLese 55: Editorial

Die Anforderungen, die wir an unsere Biowinzer stellen, sind europaweit einzigartig. Neutrale Stellen wie WWF Schweiz oder Stiftung für Konsumentenschutz haben das schon mehrmals bestätigt und sie mit Bestnoten gewürdigt. Zusammengefasst in einem Katalog von über 100 Richtlinien, haben diese verbindlichen Vorgaben ein Ziel: In artenreichen, ökologisch intakten Rebbergen sollen unverfälschte, vom Terroir geprägte Weine höchster Güte heranreifen.

Schon oft haben wir uns darüber den Kopf zerbrochen, wie wir Ihnen das trockene «Richtlinienthema» und dessen Wirkung anschaulich vor Augen führen könnten. In dieser Ausgabe wagen wir einen Versuch: Wir haben fünf Winzerinnen und Winzer gebeten, uns ihren Lieblingsort im Weinberg zu zeigen und ihn aus persönlicher Optik zu beschreiben.

Herausgekommen ist eine bild- und wortstarke Reportage, die zeigt, dass Winzer, die nach den Delinat-Richtlinien arbeiten, eigentliche Naturparadiese schaffen, aus denen grossartige Weine kommen. Für die Winzer selber sind diese Rebberge eigentliche Kraftorte, die sie motivieren, immer noch ein bisschen enger mit der Natur zu kooperieren.

Ich wünsche Ihnen viel Lese- und Trinkspass bei einem Glas Wein aus reicher Natur.

Weitere Artikel der WeinLese 55