Barcamp Bodensee -IT-Themen und der Wein

Das Klischeebild des Programmierers, der ganze Nächte vor dem Computer-Bildschirm verbringt und sich ausschliesslich von Cola und Pizza ernährt, ist überholt. Das zeigte sich am vergangenen Wochenende, als wir beim Barcamp Bodensee die erste Verkostung von Bioweinen auf einem Barcamp in Deutschland durchführten.

Kennen Sie den Begriff Barcamp? Barcamps sind offene, partizipative (Un-) Konferenzen, bei denen die Teilnehmer sich untereinander austauschen und durch Präsentationen und Diskussionen in „Sessions“ voneinander lernen können. Meist geht es dabei um IT- und Web-Themen. Hier ist das Barcamp-Format ausführlich erklärt.

Wein-Degustation beim Barcamp

Nun kommt der Wein zum Barcamp: Nachdem unser Delsecco und Pasión Delinat schon bei der Warmup-Party regen Anklang gefunden hatten, fand am Samstag die erste „Organic Wine Tasting Session“ statt (da international, war die offizielle Konferenzsprache englisch). Dieses Zitat eines Teilnehmers (natürlich via Twitter) spricht für sich: „Diese Session hat das Potential die Beste in meinen 4 Jahren Barcamp zu werden: Weintasting von ökologischen Weinen mit Delinat.

Ökologie und Nachhaltigkeit sind ein Thema

Was mich am meisten freute: Am Sonntag boten wir eine Session zu den Themen „Biodiversität und Klimafarming“ an; zwar konnten wir nicht ganz so viele Teilnehmer begrüssen wie am Vortag – aber selten habe ich auf einem Barcamp so viel Engagement und Diskussion erlebt! Es zeigte sich, dass das Barcamp-Publikum in Sachen Ökologie, Nachhaltigkeit und Genuss nicht nur interessiert, sondern eben auch engagiert ist.

Fazit: das Barcamp Bodensee bot spannende Sessions, gutes Wetter – und mit der Fachhochschule Konstanz direkt an Rhein und Bodensee gelegen – auch einen tollen Veranstaltungsort. Vielen Dank an das ehrenamtliche Organisationsteam und die engagierten Teilnehmer!

Jürgen von der Mark, Master of Wine, im Interview

Am 09. Juni 2010 laden Delinat und  Jürgen von der Mark ein ins Weindepot in Olten – zum kurzweiligen Genuss mit Referat und Degustation. Jürgen von der Mark eröffnet Ihnen seine Weinwelt mit seiner ganz eigenen Sicht auf Wein – unkompliziert, sympathisch und auf Augenhöhe. Sie erfahren viel über Weinaromen, Weingeschichten und Weinkultur. Hier können Sie sich für diesen kurzweiligen und genussreichen Abend anmelden und Näheres zum Abend erfahren. Wir führten schon einmal ein kurzes Interview mit Jürgen von der Mark.

Matthias Metze (Delinat): In Deutschland gibt es nur 3 „Masters of Wine“, weltweit sind es 280; was verbirgt sich hinter diesem Titel – wie kann man ein „Master of Wine“ werden?

Jürgen von der Mark: Der Titel „Master of Wine“ wird vom  „Institute Masters of Wine“ in London verliehen. Zwei Jahre intensiver Vorbereitung werden mit theoretischen und sensorischen Prüfungen abgeschlossen. Das ist ein hoher Aufwand – der mir aber einen Riesenspass gemacht und sich wirklich gelohnt hat.

Matthias Metze: Jürgen, du besitzt ein eigenes Weingut. Nun hast du auf biologische Bewirtschaftung umgestellt und wirst dieses Jahr deinen ersten zertifizierten Wein abfüllen. Wie kam es dazu?

Jürgen von der Mark: Das habe ich tatsächlich Delinat zu verdanken! Ursprünglich wollte ich nur guten Wein machen und glaubte, dafür nicht auf den Einsatz von Chemie verzichten zu können. Schnell aber kam die Erkenntnis: So funktioniert das nicht. In dieser Phase entstand zufällig ein Kontakt zu Delinat. Die intensiven fachlichen und auch emotionalen Diskussionen animierten mich, neue Wege zu gehen.

Ich erkannte, dass die Rebe ein lebender Organismus ist, mit dem man in Kontakt treten und kommunizieren kann – und dem man Respekt bezeugen muss. Heute weiss ich: Wenn ich den Weinberg als Partner sehe, ist „bio“ eine zwangsläufige Folge. „Bio“ ist für mich Kultur und Emotion – die Reben selbst haben mich dazu bekehrt.

Matthias Metze: Die neuen Delinat-Richtlinien legen einen Schwerpunkt auf die Biodiversität. Dass das für den Boden und die Artenvielfalt ein Gewinn ist, leuchtet jedem ein. Aber wie verändert sich die Qualität der Trauben und des Weins?

Jürgen von der Mark: Ökologische Produktion ist eine Qualität an sich. Ein Weinberg in Biodiversität ist von der kulturellen Wertigkeit her unschlagbar. Ich vergleiche das mal mit einer Opernsängerin, die eine wunderschöne Arie live singt: da ist vielleicht mal ein leichtes Zittern in der Stimme zu hören, vielleicht ist nicht alles ganz perfekt – aber es ist ein wunderbares Erlebnis, ganz anders als die gleiche Arie im Studio aufgenommen. Der Wein bekommt eine subtile, innere Qualität.

Matthias Metze: Ein weiterer Trend ist der biodynamische Anbau. Ist die Biodynamie das bessere Bio?

Jürgen von der Mark: Ich sagte schon, dass ich den Weinberg als Partner ansehe. Biodynamischer Anbau ist die konsequente Fortsetzung dieser Sichtweise. Viele meiner Lieblingsweine kommen aus biodynamischem Anbau. Ich habe grossen Respekt vor dieser Wirtschaftsweise – das ist weit mehr als eine Anbaumethode: Es ist eine radikale kulturelle Entscheidung.

Matthias Metze: Viele meinen, ein guter Biowein habe seinen Preis. Muss Top-Qualität teuer sein?

Jürgen von der Mark: Die Frage ist: Was bezeichnet man als Top-Qualität? Der Preis ist als Qualitäts-Parameter oft völlig ungeeignet! Es gibt Weine, die in ihrer Art auch für kleines Geld einfach perfekt sind. Hier sehe ich übrigens eine der Stärken von Delinat: Weine mit einer hochwertigen Alltags-Qualität anzubieten – der Vinya Laia ist hier ein tolles Beispiel.

Matthias Metze: Welche Weine wirst du bei der Veranstaltung in Olten mit unseren Kunden degustieren?

Jürgen von der Mark: Das möchte ich hier noch nicht verraten. So viel sei gesagt: einer meiner eigenen Weine wird dabei sein. Dann Weine von Delinat mit eben der hochwertigen Alltagsqualität, von der ich gerade sprach, und auch einer der für mich glaubhaftesten, und authentischsten Weine aus biodynamischem Anbau.

Matthias Metze: Jürgen – vielen Dank für dieses Interview!

Wein aus Portugal – Caruma ist wieder verfügbar

Viel Spass für wenig Geld“ titelte das Weinmagazin Vinum in der aktuellen Ausgabe seines WeinGuide. Und, so schrieb das Autoren-Team Barbara Schroeder und Rolf Bichsel weiter: „Nirgends auf der Welt gibt es Kreszenzen mit einem besseren Preis-Spass-Verhältnis als in Portugal. Hier findet man Alltagsweine, die zu allem und jedem passen, weil sie saftig, fruchtig, frisch und vollmundig sind und viel Persönlichkeit haben“.

Das wissen viele Delinat-Kunden bereits: Unser Caruma war im letzten Jahr einer der heimlichen Stars im Sortiment und viel zu schnell vergriffen. Nun ist endlich der neue Jahrgang da, den Vinum zu den besten Weinen unter 15 Euro in Portugal rechnet. Der Caruma kommt aus dem Dão, einer hügeligen Region, die im Gegensatz zum Alentejo eher kühl ist; die Temperaturen zwischen Tag und Nacht schwanken stark – das gibt den Trauben die frischen, von einer saftigen Säure getragenen Fruchtaromen.

Autochthone Rebsorten

Über den engagierten Weinmacher António Lopez berichteten wir bereits im März und freuten uns über seinen alr Azinho aus dem Alentejo. Wie beim Azinho legt António auch beim Caruma einen besonderen Akzent auf die Weinbautradition seines Heimatlandes – er verwendet ausschliesslich autochthone Rebsorten für diesen Wein: Tinta Roriz, Jean de Dão, Touriga Nacional, Alfrocheiro, Água Santa sind ausserhalb Portugals gänzlich unbekannt.

Traditioneller Anbau im gemischten Satz

Und wie früher erfolgt die Bestockung der Weingärten traditionell – also im gemischten Satz. Das Vermischen der verschiedenen Rebsorten im gleichen Weingarten erhöht die Biodiversität und die Widerstandskraft der Reben. Diese Bestockungsart ist aber auch mit mehr Arbeit bei der Ernte verbunden: Da die Reben zu unterschiedlichen Zeitpunkten die optimale Reife erreichen, kann die Lese im Herbst nur von Hand und durch speziell geschultes Personal durchgeführt werden.

Spontanvergärung und Pinienduft

Auch im Keller ist António ein Purist: die Trauben vergären spontan, ohne Zusatz von künstlichen, sondern einzig mit den traubeneigenen natürlichen Hefen. Der Caruma besticht denn auch durch frische, mineralische Noten und viel Tiefgang – und seine einzigartigen Pinienaromen lassen sich eigentlich nur durch Antónios Weingärten erklären, die von alten Pinien und Fichten umgeben sind.

Der Caruma 2008 mag jetzt noch jugendlich erscheinen, birgt aber ein grosses Entwicklungspotenzial in sich. Und auch der „Caruma Selecção 2007“  ist jetzt wieder verfügbar – der wurde übrigens beim Decanter World Wine Award 2009 mit einer Silbermedaille ausgezeichnet.

Zirkus und Wein…

… eine gelungene Kombination?

Das kommt darauf an. In diesem Fall aber sind wir uns ganz sicher: Denn es handelt sich um Delinat-Wein – und um den Schweizer Zirkus Monti. Das ist kein Nummernzirkus. Monti ist Poesie pur, gekonnt vermischt mit Akrobatik, Tanz und Humor.  „Die Manege ist eine Bühne für die Artistik, die Zeltkuppel ein Ort fürs Fliegen, und die Musiker legen einen funkelnden Klangteppich, auf welchem das schillernde Spektakel springend, jonglierend, schwebend und tanzend zu einem Gesamtkunstwerk verwoben wird.“ So war es im art-tv.ch zu lesen.

Eine Vorstellung des Zirkus Monti ist ein Ereignis mit artistischen Höchstleistungen, einzigartigen circensischen Künsten, pulsierenden Rhythmen und mitreissenden Tänzen; vollführt von einer Artistentruppe, die vor Lebensfreude nur so sprüht. Das Artistenteam erzählt eine Geschichte, ähnlich einem Theater. So treten die einzelnen Artisten mehrmals auf – und servieren in der Pause sogar Getränke und Snacks. Mit dabei sind auch die zwei älteren Söhne von Zirkusdirektor Johannes Muntwyler: Mario bezaubert das Publikum mit rasanten Diabolo-Kunststücken und Tobias jongliert mit seinem Vater oder tritt mit Ziegen auf.

Wein ist Poesie – wie der Zirkus

Poesie, Tanz und Humor – all das können wir auch im Wein finden. Daher pflegen der Zirkus Monti und Delinat seit über 10 Jahren eine anregende Partnerschaft – Delinat lädt ihre Kundinnen und Kunden jeweils in den Zirkus Monti zur Première an verschiedenen Orten ein – zum ermässigten Preis, versteht sich. Ein Glas Delinat-Wein zum Auftakt eines unvergesslichen Abends ist inklusive.

Zum ersten Mal gastiert der Zirkus Monti in diesem Jahr auch in Deutschland – am 10. Juni steht ein Gastspiel in Freiburg auf dem Programm. Die weiteren Termine und Spielorte finden Sie auf der Veranstaltungs-Seite.

Zeigen Sie uns Ihren Weinkeller?

Ob wir mal einen Blick in Ihren Weinkeller werfen dürfen? Nicht nur aus Neugier, sondern wir möchten einmal in der WeinLese darüber berichten, wo unsere Weine denn wohl gelagert werden. Dabei interessieren uns weniger die Prestige- oder Repräsentationsobjekte – die wenigsten Weinliebhaber verfügen über einen geeigneten Kellerraum und sind gezwungen zu improvisieren. Und wir sind überzeugt davon, dass es da ganz viele kreative Lösungen gibt.

Raum ist in der kleinsten Hütte …

Unter einer Treppe kann für eine kleine Wein-Auswahl Platz sein oder im Schlafzimmer –  vielleicht haben Sie dort sogar eine Ecke zum „Weinkeller“ umfunktioniert?  Das Schlafzimmer  jedenfalls ist oft der kühlste Raum einer Wohnung.

Als ich noch in einer Mietswohnung in Hamburg wohnte, gab es dort zwar keinen Keller, aber einen Zwischenboden über der Garage – der kühlste Raum, der verfügbar war, da er keine Fenster hatte. Dort hatte ich meine Weine gelagert – der Nachteil: die Höhe von nur 80 cm… Einen Wein aus dem „Keller“ zu holen, erforderte Engagement, denn man musste weit hinein kriechen. Aber schlecht war der Raum nicht: erst kürzlich öffnete ich eine 1994er Weissburgunder Spätlese, die dort einige Jahre verbracht hatte – geschadet hatte ihr das nicht!

Menschen und Geschichten

Wir sind sicher: Da gibt es noch mehr solcher Geschichten. Gerne würden wir dann auch mehr über Sie, die Besitzer/innen dieses Kellers erfahren, mit Ihnen über Weine und Genuss reden – vielleicht dürfen wir Sie sogar in der WeinLese vorstellen? Eine kleine Belohnung gibt es natürlich auch: Wir bringen genau das mit, was sich zum Lagern in Ihrem Keller eignet – und später dann zum Geniessen.

Sizilien-Reise (2): Nero d’Avola – eine erstaunliche Karriere

Nero d'Avola: Wein aus Sizilien
Nero d’Avola: Wein aus Sizilien

„Principe Siciliano“  – sizilianischer Prinz wird sie auch genannt: die „Schwarze von Avola“. Nicht immer wurde sie so hoch geschätzt. Lange Zeit  diente die Nero d’Avola vor allem dazu, schwachbrüstige Rotweine aus Mitteleuropa durch die intensive, dunkle Farbe und den vollmundigen Geschmack aufzupeppen.

In diesen Tagen bin ich auf Sizilien unterwegs und besuchte gerade Rosario Cicazzo und Corrado Gurrieri von der Kooperative Elorina. Corrado ist in fünfter Generation Weinbauer und erzählte uns von der „alten“ Zeit: Bis in die 80er Jahre wurden die Trauben auf einer grossen Steinfläche mit den Füssen gestampft, der Saft floss ab in darunterliegende offene Behälter, und die Traubenhäute wurden dazu”geschaufelt”. Die Gärung erfolgte bei hohen Temperaturen recht stürmisch,  während maximal zwei Tagen. Das Ziel war nicht, vielschichtige, elegante Weine zu erzeugen, sondern farbintensive mit hohen Alkoholgehalten. Es ist ja längst kein Geheimnis mehr, sagte er, dass viele Weine aus Norditalien oder Bordeaux mit sizilianischem Nero d’Avola aufgebessert wurden. In der Nähe steht sogar noch eine verlassene Kellerei, die eine Standleitung bis zum Hafen hat, um den Wein direkt auf die Schiffe zu befördern.

Auszeichnungen für Nero d’Avola

Setzt auf Nero d'Avola: Rosario Cicazzo
Setzt auf Nero d’Avola: Rosario Cicazzo

Zum Glück erfolgte ein Umdenken auf Sizilien. Man merkte, dass sich mit dieser Rebsorte durch Ertragsreduzierung und moderne Verarbeitungsmethoden nicht nur Alltagsweine, sondern sogar Spitzenweine erzeugen lassen: Regelmässig wird im Gambero Rosso ein Nero d’Avola zu den besten Weinen Italiens gezählt. Nero d’Avola ergibt farbintensive, fruchtig-würzige Weine mit Noten von Pflaumen und Schokolade. Corrado liess uns einen gereiften Nero d’Avola des Jahrgangs 2002 verkosten: Der präsentierte sich erstaunlich frisch am Gaumen mit angenehm reifen und fruchtigen Noten im Bukett.

Nero d’Avola: ideal für biologischen Anbau

Wir sind froh, dass die sizilianischen Weinbauern das Potential ihrer alten einheimischen Sorten wieder entdeckt haben: Die weisse Cataratto und die rote Nero d’Avola. Die Sorten gelten heute als die besten Siziliens; fast ausschliesslich hier werden sie kultiviert. Das beste Terroir ist das Gebiet am südöstlichen Zipfel der Insel: Sonne, Wärme und geringe Niederschläge sind ideal für das Wachstum der Reben und bestens geeignet für den biologischen Anbau. Die Weinberge ziehen sich teilweise bis auf 900 Meter Höhe; hier sind die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht beträchtlich, was wiederum der harmonischen Reife der Trauben zu Gute kommt.

Gehört zusammen: Caponata und Nero d’Avola

Nero d’Avola-Weine sind ideale Essensbegleiter. Die einfacheren, frisch-fruchtigen Weine passen gut zur typischen sizilianischen Küche: Caponata, gedünstete Auberginen  mit Rosinen, Pinienkernen, Tomaten und Kapern, gewürzt mit etwas Zucker und Essig. Man geniesst die Caponata kalt, lauwarm oder heiss, als Beilage zu Fisch oder Fleisch. Gehaltvolle Weine, die oft im Holzfass ausgebaut wurden, harmonieren gut mit Kastanienrisotto (risu che pastìgghi), gebratenem Lamm oder geschmortem Kaninchen.

Eine Auswahl der Nero d’Avola-Weine von Delinat finde Sie hier.

Sizilien-Reise (1): Regen und sizilianische Gastfreundschaft

Keiner von uns hatte das erwartet – wir waren auf sommerliche Temperaturen eingestellt, aber Sizilien empfing uns am Montag mit Regen. Unser erster Besuch galt Massimo de Gregorio auf dem Weingut Villa Dorata, rund 50 Kilometer südwestlich von Palermo. Auch Sizilien hat unter einem nassen Frühling zu leiden, erzählte er: Wegen der Nässe auf den Feldern konnte er in diesem Jahr keinen Weizen anbauen.

Autochthone Rebsorten

Auch die Wege und Strassen sind in Mitleidenschaft gezogen – die Fahrt durch die Weinberge mit seinem Allradfahrzeug geriet eher abenteuerlich. Die Reben aber gedeihen sehr gut – gerade hat Massimo einen Versuchs-Weinberg angelegt, um weitere autochthone sizilianische Rebsorten, z.B. Grillo oder Nerello Mascalese anzupflanzen.

Neben der Verkostung des Jahrgangs 2009 (die Weine überzeugten übrigens durch schöne Frucht und sind ausgesprochen harmonisch am Gaumen) war der Höhepunkt unseres Besuchs kulinarischer Art: zu Mittag gab es eine frische, noch warme Ricotta aus Schafsmilch, am gleichen Morgen hergestellt!

Wie eine Oase: Biodiversität im Weinberg

Am nächsten Tag fuhren wir zum nächsten Massimo: das Weingut von Massimo Maggio befindet sich in der Nähe von Vittoria – umgeben von Industriezonen und Treibhäusern. Es ist eine wahre Freude für die Augen, wenn man dann endlich bei Massimos Weinbergen ankommt – wie eine Oase in der Wüste. Jede Parzelle ist umsäumt von Bäumen: Oliven, Orangen, Mandarinen…Die Mischkultur gehört einfach in dieses Land. Auf grosszügig bemessenen freien Flächen kann die ursprüngliche Flora gedeihen, und im Frühjahr hat Massimo zwei Hotspots mit aromatischen Kräutern bepflanzt. So sind das ganze Jahr hindurch Blüten im Weinberg zu finden. Man spürt, wie Massimo sein Land liebt.

Man darf ihm aber nicht trauen, wenn es ums Essen geht: das angekündigte leichte Mittagessen erwies sich als ein Gelage von sizilianischen Köstlichkeiten: So gab es Arancini (gefüllte, frittierte Reisbällchen), Caponata (eine süßsauer zubereitete Speise aus Paprika, Auberginen, Kapern und Zwiebeln) und eine Focaccia Siciliana. Die Krönung aber war ein Riesen-Cannolo, dem wir einfach nicht widerstehen konnten. Die Gastfreundschaft der Sizilianer kann überwältigend sein…

Kennen Sie Porquerolles?

Porquerolles ist kein neuer Delinat-Wein, Porquerolles ist auch kein französisches Schweineschnitzel – nein, es ist der südlichste Punkt der Provence. Eine kleine, der Küste vorgelagerte Insel, die dem Bild vom Paradies auf Erden schon recht nahe kommt: die Ile de Porquerolles. Mit einer Fähre setzen Sie über und gelangen in eine andere Welt. Empfangen von dem kleinen Hafenort, einem früheren Piraten- und Schmugglerparadies, nehmen Sie vielleicht erst einmal einen Kaffee auf der schattigen Place Principale mit ihren kleinen, typischen Restaurants und lassen den mediterranen Charme der Insel auf sich wirken.

Und dann sollten Sie überlegen, wie Sie den Tag verbringen möchten: gut 50 km Wanderwege locken mit Routen durch die duftende Garrigue, mit mittelalterlichen Festungen, mit den schroffen Küstenlinien im Süden der Insel. Es bietet sich auch an, ein Fahrrad zu leihen – auf der nahezu autofreien Insel ist das ein besonderes Vergnügen. Oder Sie besuchen noch einmal den Hafen, gehen zum Quai des Pècheurs und sehen den Fischern bei der Arbeit zu. Und vergessen Sie nicht die malerischen Strände im geschützten Norden der Insel.

Gratis-Ausflug nach Porquerolles

Warum schreiben wir im Delinat-Blog über dieses Kleinod? Es ist nur etwa eine Stunde vom Château Duvivier entfernt, dem Delinat-Weingut, wo Sie herrliche  Ferien beim Winzer verbringen können, vom Ehepaar Fahs mit köstlichen provencalischen Menüs und Delinat-Weinen verwöhnt. Im Juli und August sind nun einige Ausflüge zur Ile de Porquerolles geplant – gratis im Buchungspreis enthalten!

In der Zeit zwischen dem 17. Juli und dem 27. August fährt Sie jede Woche ein eigens gecharteter Bus am Morgen vom einen Paradies ins andere – und bringt Sie am Abend wieder zurück. Einige Zimmer sind noch frei – sehen Sie einmal in der Wochenübersicht des Château Duvivier nach! Im Juli werde ich selbst mit meiner Familie Château Duvivier und die Ile de Porquerolles besuchen – vielleicht sehen wir uns dort?

Weitere Informationen über die Insel finden Sie auf Wikipedia.

Bio ohne Artenvielfalt?

In Bio-Weinbergen sei die Artenvielfalt nicht grösser als in konventionellen, so folgert eine aktuelle Studie der Universtät Fribourg und schockiert damit überzeugte Bio-Konsumenten und -Produzenten. Wie viel Wahrheit ist daran und ist das gezeichnete Bild vollständig?

Die erschreckende Feststellung, dass die Biodiversität in vielen Biobetrieben mittlerweile derart verkommen ist, dass sie nicht höher ist als in gut wirtschaftenden IP-Betrieben, stand am Ausgangspunkt der Zweiten Biorevolution, die Delinat vor einiger Zeit ausrief. Denn der bloße Verzicht auf Chemie bedeutet noch längst keine nachhaltige Landkultur (siehe Beitrag im Ithaka-Journal).

Monokultur führt zum Zusammenbruch der Ökosysteme

Die Hauptursache für das Zusammenbrechen der landwirtschaftlichen Ökosysteme und der damit einhergehende Zwang zum Einsatz von Pestiziden liegen in der katastrophalen Anlage von Monokulturen und der Ignoranz gegenüber dem Ablauf natürlicher Prozesse. Nicht, dass wir damit synthetische Pestizide harmlos sprechen wollen, aber wir sind uns durchaus bewusst, dass die entscheidenden Faktoren für die Stabilität von Ökosystem in der gezielten Förderung der Biodiversität liegen. Zur Erreichung dieses Zieles hat Delinat nicht nur ein eigenes Forschungsinstitut gestiftet, sondern eine umfassende Charta für Biodiversität erstellt und tiefgreifend neue Bio-Richtlinien für alle Delinat-Winzer erlassen.

Biodiversität auch in IP-Betrieben

Zum Vergleich mit den Bio-Weinbergen hat die Studie nicht kahlgespritzte herkömmliche herangezogen, sondern IP-Weinberge. IP steht für „Integrierte Produktion“, die chemische Pestizide zwar nicht verbietet, aber versucht, mit so wenig wie möglich und so viel wie notwendig auszukommen. IP-Weinberge sind in der Regel begrünt, ähnlich wie Bio-Weinberge. Die Maßnahmen, die wir in der Charta für Biodiversität aufgestellt haben, sind daher nicht nur für Biobetriebe, sondern auch für IP-Betriebe geeignet und empfohlen. In seiner Beratungstätigkeit arbeitet das Delinat-Institut häufig für IP-Betriebe, um dort, trotz des Einsatzes bestimmter synthetischer Produkte, die Biodiversität entscheidend zu erhöhen und das Ökosystem Weinberg zu stabilisieren.

IP-Betriebe, die nach der Delinat-Charta für Biodiversität arbeiten, zeigen eine wesentlich höhere Biodiversität als viele der traditionellen Biobetriebe, in denen Monokultur herrscht und die Begrünung weggepflügt wird. Wer je seinen Fuß in einen Weinberg setzt, der nach der Delinat-Charta für Biodiversität gepflegt wird, der wird auf den ersten Blick die Kraft und Harmonie der biologischen Vielfalt erkennen und verstehen. Die Methoden, die auf fortschrittlichen Bioweingütern eingesetzt werden, haben die höchste Weinqualität in gesunden Ökosystemen zum Ziel.

Der Verzicht auf Chemie allein reicht nicht

Es ist ein großer Fehler vieler Biobetriebe, sich lediglich über den Verzicht auf Chemie zu definieren, anstatt allumfassend nachhaltig und mit Methoden der Biodiversifizierung zu arbeiten. Auf diese Weise kommt es zu so erschreckenden Studien, dass es Bio-Weingüter gibt, deren Biodiversität geringer ist als die von konventionellen Gütern. Daraus aber wiederum zu schließen, dass Bio grundsätzlich schlecht für die Biodiversität sei, hieße freilich die Fakten hässlich zu verkehren.

Studie ist mangelhaft

Die Gesamtaussage der zitierten Studie ist allerdings trotzdem tendenziös und ungenau formuliert. Über 95% der in einer landwirtschaftlichen Parzelle vorkommenden Arten sind mit bloßem Auge unsichtbar. Wenn nur Blumen, Heuschrecken und Spinnen als Maßstab der Biodiversität herangezogen werden, ergibt dies nur ein sehr unvollständiges Bild. Gerade die Mikroflora und –fauna reagieren besonders sensibel auf Pestizide und gefährden insbesondere die funktionale Biodiversität. Aber auch hier gilt, dass eine ökologisch durchdachte Bewirtschaftungsmethode (artenvielfältige Begrünung, Humuswirtschaft, strukturelle Diversität durch Bäume und Sträucher, genetische Diversität …) mehr Einfluss auf die insgesamt im Weinberg herrschende Biodiversität hat, als die Wahl des biologischen oder synthetischen Pestizids.

Der Weinberg der Zukunft

Unser Engagement gegen synthetische Pestizide erklärt sich vor allem aus der Tatsache, dass wir die Folgen der synthetischen Pestizide und ihrer Interaktionen nur sehr unvollständig kennen und Persistenzen sowohl im menschlichen als auch im tierischen und pflanzlichen Organismus sowie im Ökosystem überhaupt konstatieren müssen. Unser Kampf um den ökologisch nachhaltigen Weinberg der Zukunft bleibt aber nicht bei der Frage der Pestizide stehen, sondern definiert sich ebenso über die tatsächliche Biodiversität im Weinbau, die Reinheit und Qualität des Weines und nicht zuletzt die Klimabilanz.

Quelle:
Effects of vineyard management on biodiversity at three trophic levels
Veröffentlicht in: Biological Conservation
Odile T. Bruggisser, Martin H. Schmidt-Entling, Sven Bach
er

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Für die, die sie nicht kennen: die WeinLese ist die Delinat-Kundenzeitschrift; sie erscheint vierteljährlich und wird jeweils mit dem DegustierService Rotwein oder per Post zugestellt.

Als ich im Jahr 2006 – damals noch nicht als Delinat-Mitarbeiter – den Rotwein-DegustierService bestellte, machte ich grosse Augen, als ich die WeinLese das erste Mal durchblätterte. Natürlich ist sie eine Kundenzeitschrift und stellt die Delinat-Weine im rechten Licht dar. Aber zusätzlich ist sie nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam: weinspezifische Themen, Ökologie im Weinberg, Speisenempfehlungen und Rezepte sorgen für einen bunten Mix, der von Delinat-Mitarbeitern und namhaften Wein-Journalisten (und –innen) geschrieben wird.

In einer Zeit, in der Print totgesagt wird, freue ich mich jedes Mal auf die neue WeinLese – auch jetzt noch als Delinat-Mitarbeiter! Ein gutes Produkt kann aber immer noch besser werden – dazu bitten wir Sie um Ihre Unterstützung: Welche Artikel haben Ihnen in der letzten WeinLese Nr. 18 am besten gefallen?

Falls Sie die WeinLese nicht zur Hand haben oder (noch) kein Delinat-Kunde sind, können Sie sie hier als PDF am Bildschirm ansehen.

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