WeinLese 56: Kurz & bündig

Ruhekeller für edle Rieslinge

Die beiden Delinat-Weingüter Battenfeld Spanier und Kühling Gillot in Rheinhessen, die vom Ehepaar Oliver und Carolin Spanier-Gillot geführt werden, gehören zur deutschen Weinelite. Seit bald fünf Jahren besteht die Zusammenarbeit mit Delinat. Im September 2019 wurde ein neuer Reifekeller in Betrieb genommen. «Er dient ausschliesslich dazu, unseren Weinen eine ausgedehnte Reifephase und Lagerung unter perfekten Bedingungen zu ermöglichen», erklärt Oliver Spanier. Gerade die filigranen Rieslinge reagieren ungehalten auf zu warme Temperaturen oder wiederkehrende Lagerschwankungen. Naturfelsenkeller bieten ideale Bedingungen. Oliver Spanier: «Daher haben wir uns entschieden, nicht nur einen unterirdischen Reifekeller zu bauen, sondern die Eigenschaften eines Naturkellers zu simulieren und weitgehend auf Beton und Stahl zu verzichten.»

Lebensraum für Wildbienen

Das deutsche Weingut Hirschhof in Westhofen beteiligt sich am Projekt «Blühendes Rheinhessen» des Bundes für Umwelt und Naturschutz (kurz: BUND). Ziel ist die Schaffung von mehr Artenvielfalt und neuer Lebensräume für Wildbienen in der Kulturlandschaft Rheinhessens. «Wir haben uns als Modellpartner für dieses Projekt beworben, weil wir hoch motiviert sind, noch mehr zur biologischen Vielfalt in unseren Weinbergen beizutragen», sagt Hirschhof-Winzer Tobias Zimmer. Den BUND-Projektverantwortlichen ist es nach einer Begehung der Rebberge leicht gefallen, das Weingut Hirschhof als Modellpartner auszuwählen, wurde doch eine bereits reich vorhandene Pflanzen- und Tierwelt mit gegen 80 Pflanzenarten, 6 Arten von Wildbienen, 16 Arten Falter und 14 Arten anderer Lebewesen – vom Marienkäfer über Heuschrecken bis zum Rotmilan – gesichtet.

Gold-Diplome für Delinat-Weine

An der von der EXPOVINA veranstalteten 26. Internationalen Weinprämierung Zürich (IWPZ) wurde der Château Duvivier Les Mûriers 2014 mit einem Golddiplom und als bester Rotwein Frankreichs ausgezeichnet. Der Riesling Terra Rossa 2018 vom Weingut Hirschhof in Rheinhessen erhielt ebenfalls Gold und die Auszeichnung als bester Weisswein Europas. Insgesamt waren mehr als 2000 Weine aus den bedeutendsten Anbaugebieten der Welt zu diesem Wettbewerb eingereicht worden. An der MUNDUSvini Weinprämierung (Sommerverkostung 2019) in Deutschland gab es sogar sechsmal Gold für Delinat-Weine. Goldmedaillen gingen an Soave La Casetta 2018 (Azienda Fasoli, Veneto), Reserva Martí 2012 (Albet i Noya, Penedès), Valdega Reserva 2013 (Bodegas Quaderna Via, Navarra), Viña Llopis 2018 (Pago Casa Gran, Valencia), Espriu Brut 2016 (Albet i Noya, Penedès), Maison Coulon Sauvignon Blanc 2018 (Château Coulon, Languedoc), Château Coulon Sélection spéciale 2017 (Château Coulon, Languedoc) und La Colle des Lignères 2015 (Domaine Lignères, Languedoc).
Eine Übersicht aller mit Medaillen ausgezeichneten Delinat-Weine finden Sie hier.

Traubenlese mitten in der Nacht

Damit das Traubengut bei möglichst kühlen Temperaturen geerntet und in den Keller gebracht werden konnte, schwärmten die fleissigen Erntehelfer vom Weingut Vale de Camelos im Alentejo in diesem Jahr bereits nachts um drei Uhr aus, um die reifen Trauben von Hand zu lesen. So blieben Frische und Säure erhalten, ohne dass die Früchte im Keller mit viel Energie heruntergekühlt werden mussten. Die Frühschicht der Erntehelfer ist somit ein erheblicher Beitrag zu mehr Qualität auf allen Ebenen.

Pestizide vergiften Wasser

In der Schweiz zeigen zwei Studien im Auftrag des Bundesamts für Umwelt, dass die Gewässer in landwirtschaftlichen Gebieten stark mit Pestiziden belastet sind. In manchen Bächen hat es in der Vegetationszeit über Monate so hohe Konzentrationen davon, dass einzelne Pflanzen und Tiere, wie zum Beispiel der Bachflohkrebs, aber auch ganze Lebensgemeinschaften verschwinden. Pro Standort wurden zwischen 71 und 89 Pestizidwirkstoffe gefunden, insgesamt 145 Stoffe. Nicht nur einzelne Wirkstoffe, sondern auch deren Mischung gefährden die Biodiversität stark. Für Christian Stamm, Stellvertretender Abteilungsleiter Umweltchemie des Wasserforschungsinstituts Eawag, ist deshalb klar: «Wir müssen die Pestizidbelastung durch die Landwirtschaft wesentlich reduzieren.» 2020 stimmt das Schweizer Stimmvolk über die Initiative für sauberes Trinkwasser ab. Diese verlangt unter anderem, dass in der Schweiz nur noch diejenigen Landwirtschaftsbetriebe mit Direktzahlungen oder Subventionen unterstützt werden, die keine Pestizide einsetzen. Delinat unterstützt diese Volksinitiative.

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Die gefiederten Freunde der Domaine Lignères

Die Domaine Lignères im südfranzösischen Departement Aude ist nicht nur ein Wein-, sondern auch ein Vogelparadies: Gegen 60 Brutvogelarten tummeln sich zwischen den Rebstöcken und der vielfältigen Pflanzenwelt.

Anne und Jean Lignères’ Leidenschaft gehört dem Wein und der Natur. Diese Passion leben sie auf ihrer Domaine Lignères eindrücklich aus: Mitten in einer vielfältigen Reblandschaft steht ihr schmuckes Château La Baronne, im Hintergrund thront mächtig die Montagne d’Alaric. Eigentlich war ihnen längst bewusst, dass ihre Rebberge reich an biologischer Vielfalt sind. Doch sie wollten es genau wissen. 2018 wurde Aude Natur, ein Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Artenvielfalt im Department Aude zu fördern, mit einem Monitoring beauftragt. Es sollten alle auf dem Weingut vorkommenden Vogel-, Baum und Straucharten inventarisiert und gestützt darauf weitere Verbesserungen zugunsten der Tier- und Pflanzenwelt ins Auge gefasst werden.

Zwischen April und August 2018 wurde eine Hörpunkt-Studie durchgeführt. Konkret platzierten sich fünf Vogelbeobachter der Familie Lignères und von Aude Natur an verschiedenen Orten auf dem Weingut in einem Abstand von mindestens 500 Metern, um Doppelzählungen zu vermeiden. Einerseits ging es darum, die Anzahl der beobachteten Vögel zu eruieren, andererseits sollten auch Aufschlüsse über das Verhalten der Vögel (Flug, Beutetransport usw.) gewonnen werden. Insgesamt wurden auf der Domaine Lignères und in der Umgebung des Berges Alaric 59 Brutvogelarten festgestellt. Sechs davon befinden sich auf der Liste der bedrohten Arten.

Über 300 Nistkästen installiert

Zu dieser Vielfalt haben die über 300 Nistkästen beigetragen, die in den Vorjahren in und um die Rebberge installiert worden waren. In ihrem Schlussbericht kommen die Experten von Aude Natur zum Schluss, dass das alte und gut erhaltene Weingut der Familie Lignères über eine reiche Biodiversität und mehrere günstige Lebensräume für die Vogelwelt verfügt. Es wird angeregt, diese unbedingt zu erhalten und wo nötig mit dem Aufstellen weiterer Nistkästen und dem Schliessen von Vernetzungslücken durch Heckenpflanzungen noch zu stärken. Anne Lignères freut sich über jeden gefiederten Gast: «Gerade eben hat eine Zwergohreule einen Nistkasten beim Schuppen im Rebberg La Vals in Beschlag genommen. Wir sind sehr zufrieden», liess sie kürzlich verlauten.

Fast 60 Brutvogelarten tummeln sich auf der Domaine Lignères. Hier eine Auswahl von gefiederten Freunden, die sich hier wohl fühlen:

Delinat arbeitet seit bald zehn Jahren mit der Domaine Lignères zusammen und unterstützt das Gut bei der Förderung der Artenvielfalt. 2016 wurde Jean Lignères von Delinat zum Biodiversitätswinzer des Jahres gekürt.

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Kraftort Weinberg

Die Delinat-Biorichtlinien sind die strengsten Europas. Winzer, die danach arbeiten, verwandeln ihre Weinberge in bunte, lebendige Naturparadiese. Fünf Winzerinnen und Winzer aus verschiedenen Ländern stellen auf den folgenden Seiten ihren persönlichen Kraftort inmitten ihrer Reben vor.

Renate Schütz, La Luna del Rospo, Piemont
Wie die Goldmarie aus dem Märchen

Es gibt für mich nicht den Lieblingsort in meinen Reben. Mein kraftgebender Ort ändert sich, wandert mit Tages- und Jahreszeit, wird von Wind und Sonne, von Regen und Hitze mal hierhin und mal dorthin getragen. Das hängt auch mit der Kleinheit meiner unter Reben stehenden Fläche zusammen, die sich zusammenhängend um die Spitzenlage Bric Rocche schmiegt. Das ist wunderbar. Ich trete aus dem Haus und bin mittendrin in meinen Kraftorten.

Natürlich gibt es da die Flecken, die ich besonders liebe, wo es eine ganz besondere Freude ist, zu arbeiten. Aber immer auch je nachdem: Wenn es schon recht heiss werden kann bei der Arbeit im Weinberg, dann ist eine kleine Rast unter den weit ausladenden Zweigen des längst nicht mehr für die Seidenraupenzucht beschnittenen weissen Maulbeerbaums wie eine sanfte, kühlende Umarmung. Ein wenig von den leicht süsslichen Früchten zu naschen, gibt Kraft und Durchhaltelust im ganz direkten Sinne. Ein wenig Kost, ein wenig Logis im schattigen Grün – das stärkt und erfreut. Und wenn das Sonnenlicht smaragdgrün gefiltert herabrieselt, fühle ich mich wie die Goldmarie aus dem Märchen.

Besonders glücklich fühle ich mich auch oberhalb des Weinbergtürmchens. Hier, am höchsten Punkt meiner Lagen, beginne ich im Januar den Rebschnitt, geniesse den weiten Blick über die sanften Hügel des Astigiano und lausche verzückt den vielfältigen Vogelstimmen aus dem umkränzenden Wald. Hier jubiliert als Erstes die Nachtigall, und eine Eulenkolonie beeindruckt mit ihren lautlosen Flugkünsten. Da singt mein Herz gemeinsam mit den Vögeln, und meine Laune schraubt sich auf den Schwingen der Greifvögel in höchste Höhen.

Pfeift allerdings der Wind empfindlich kalt über Hügel- und Menschenrücken, zieht es mich in die geschützte Lage rund um den mächtigen Kirschbaum, der nicht nur zur Blütezeit ein Inbegriff prachtvoller Grösse ist. Seine weiche Majestät und die verschwenderische Überfülle sind ein eigener kleiner Kosmos: Hier zu verweilen, lehrt die heilsame Kraft von (Bio-)Diversität auf munterste Weise.

Überall gibt es Dramen, Luststücke und komische Opern zu entdecken: aufgebrachte Winz-Vögel, die sich im Flug auf einen Bussard stürzen, Wühler, die riesige, kunstvolle Wabengebilde aus der Erde graben, Schmetterlinge, die scheinbar unendlich lange um Blüten und Partner taumeln und sich in der Sonne spreizen, Eidechsen, die mit blitzendem Auge die Hunde narren.

Allseits glücklich macht mich das dichte Netz der wild bewachsenen Ränge, die sich nach nunmehr 25 Jahren Pflege und Seinlassen üppig durch die Anlagen ziehen: Die grosse Vielfalt aus Büschen, Bäumen, Sträuchern, Gräsern und Blumen erfreut und überrascht täglich mit neuen Formen, Farben, Düften und Unbekanntem.

Eine ganz besondere Freude ist es mir, wenn die Natur eigentliche «Schandflecken» erobert und neu «designt». Wenn die fleissige Ramblerrose in verschwenderischem Wuchs die ehemals hässliche Fassade meiner Cantina mit abertausenden Blüten und glänzendem Blattgrün überwölkt und den langweiligen Industriebau mit ihren filigranen Kletterkünsten in ein geradezu verwunschen anmutendes Gartenhaus verzaubert. Wenn Geissblatt, Jasmin und wilde Rose die hässliche Sicherheitstreppe des Büroeingangs so delikat umranken, dass man plötzlich wie durch in eine romantische Illustration eines zauberhaften Märchenbuchs tritt.

Das Auge freuts, die Nase jubelt, die Lunge weitet sich, die Luft ist frisch und weich, und das Ohr lauscht entzückt dem Summen, Tirilieren, Rascheln und Gewese der Unzahl von sichtbaren und unsichtbaren Tieren, die hier glücklich aufs Schönste Kost und Logis finden.

Martí Albet i Noya, Penedès
Kraft tanken im «Schwarzwald»

Wenn ich oben auf unserem höchstgelegen Weinberg Bosc Negre stehe, fühle ich mich wie im Paradies. Die Lage heisst «Schwarzwald», weil die vielen kleinen Weinbergsterrassen von dichtem Wald umgeben sind. Vom höchsten Punkt aus liegt mir das Penedès in seiner ganzen Pracht zu Füssen: im Westen die zentrale Senke mit weitläufigen Rebbergen und kleinen Siedlungen, im Osten die Muntanyes d’Ordal, ein reich bewaldetes Naturschutzgebiet mit steilem Kalksteingebirge.

Obwohl der Boden karg ist und an einigen Stellen sogar das Muttergestein an die Oberfläche tritt, gedeihen hier unsere 40-jährigen Xarel.lo-Reben prächtig. Aus diesen Trauben keltern wir unsere besten Schaumweine. Aufgrund der Nähe zum Wald lassen sich Füchse, die in kleinen Höhlen in einem offenen Hang Unterschlupf finden, aber auch viele andere Tiere beobachten. Die Vegetation ist artenreich und typisch mediterran: Pinien, Eichen und Gebüsch mit wilden Kräutern wie Thymian und Rosmarin prägen das Bild.

Die grosse Artenvielfalt und die klimatischen Bedingungen machen diese Lage zu einem optimalen Standort für Qualitätsweine. Durch die Weinbergsterrassen weht oft ein laues Lüftchen, das Blätter und Trauben trocken hält und so mögliche Pilzkrankheiten abhält. Durch die hohe Lage von bis zu 400 m ü. M. sind die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht gross, was eine langsame und harmonische Reife der Trauben begünstigt. Das ist wichtig für die Bildung von Säure und Aromen.

Bosc Negre ist für mich ein Ort, wo nicht nur grossartiger Wein entsteht. Dank seiner intakten Natur fernab von Häusern und stark befahrenen Strassen vermittelt er mir auch Ruhe, Kraft und Frieden. Hier fühle ich mich als Teil eines funktionierenden Ökosystems!


Die Delinat-Richtlinien
Die Delinat-Richtlinien verwandeln Weinberge in Naturparadiese, denn sie gehen viel weiter als andere Biorichtlinien. Neben einem Verbot von chemischsynthetischen Pflanzenschutzmitteln, Kunstdünger und Gentechnologie verpflichten sie zur Förderung der Biodiversität und der Polykultur anstelle von Monokultur. Die Verwendung von Kupfer und Schwefel gegen Pilzkrankheiten im Weinberg ist stark limitiert. Im Keller dürfen Eingriffe nur sehr beschränkt vorgenommen werden. Der Einsatz tierischer Hilfsstoffe wie Hühnereiweiss, Milchprodukte, Fischblase zur Schönung oder Stabilisierung der Weine ist nicht erlaubt.

Die Delinat-Richtlinien wurden bereits mehrmals von unabhängigen Stellen wie WWF Schweiz, Stiftung für Konsumentenschutz und Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz (Pusch) mit dem Prädiktat «sehr empfehlenswert» ausgezeichnet und von allen Schweizer Biolabeln mit der höchsten Punktzahl bewertet. Sie basieren auf einem Modell mit drei Qualitätsstufen, das den Weingütern eine sukzessive Weiterentwicklung bis auf Stufe 3 (drei Schnecken) ermöglicht. www.delinat.com/richtlinien

Daniel Coulon, Domaine de Beaurenard, Châteauneuf-du-Pape
Wo die Vögel um die Wette zwitschern

Der kleine Hügel, auf dem unsere Familie seit eh und je Kraft tankt, heisst La Croix. Für uns ist das ein stiller, magischer Ort: Nur schon der Panoramablick auf die Rhone, den Mont Ventoux, unser Dorf Châteauneuf-du- Pape, das Natur- und Vogelparadies der Île d’Oiselet und unseren Weinberg Bois de la Vieille ist grossartig.

Schon als Kinder sind mein Bruder Frédéric und ich hier hinaufgeklettert und haben Lagerfeuer entfacht. Die Île d’Oiselet, eine von Seitenarmen der Rhone umschlungene Insel, war unser viel besuchter Abenteuerspielplatz mit idyllischem Flussbad. Später verbrachten wir hier auch mit meinen Söhnen Victor und Antonin viel Zeit.

Es ist ein traumhafter Ort für ein Picknick, eine kleine Tour auf dem Mountainbike oder eine Rast unter den schattenspendenden Bäumen, durch die der Wind rauscht und wo die Vögel um die Wette zwitschern. Das seichte Wasser, die vielen Bäume und Büsche sind nicht nur ein Paradies für uns Menschen, sondern auch für eine reiche Tierwelt. Wir lieben es, vom Hügel aus, auf dem ein Kreuz steht, mit Fernrohr und Feldstecher die reiche Vogelwelt zu beobachten.

Bestandteil dieses Naturparadieses ist auch unser historischer Weinberg Bois de la Vieille. Wie andere berühmte Lagen von Châteauneuf-du-Pape ist er von grossen Kieselsteinen übersät. Wir pflegen die alten, knorrigen Rebstöcke mit grosser Hingabe. Wenn mal einer abstirbt, ersetzen wir ihn mit einer unserer autochthonen Sorten, die wir nach alter Väter Sitte direkt auf dem Feld auf eine amerikanische Unterlagsrebe aufpfropfen. Hier reifen in einem ökologisch intakten Umfeld die Trauben, aus denen unsere komplexen und authentischen Châteauneuf-du-Pape-Weine entstehen.

Beatriz Izquierdo, Osoti Viñedos Ecológicos, Rioja
Die Zeit scheint stillzustehen

Im Jahr 2012 begann meine berufliche Laufbahn als Önologin und Kellermeisterin auf dem Weingut von Francisco Ruiz in der Rioja. In genau diesem Jahr wurde auch der weiträumige Weinberg Plana de Turras in Autol angepflanzt. Es sind also noch sehr junge Rebstöcke, aber sie erzählen bereits viele Geschichten und versprühen zusammen mit der reichhaltigen Natur Frieden, Ruhe und Glück. Hier scheint die Zeit stillzustehen. Alles, was ich bisher auf diesem Weingut erlebt habe, spiegelt sich auf diesem Flecken Erde: Arbeit, Inspiration und Veränderung.

Wenn ich durch die Plana de Turras schlendere, wird mir bewusst, was man mit Beharrlichkeit und harter Arbeit alles erreichen kann, manchmal sogar das vermeintlich Unmögliche. Ich sehe all die Früchte, die unsere Arbeit im Einklang mit der Natur trägt. Die Weissweintrauben Garnacha Blanca, Maturana Blanca, Tempranillo Blanco und Viura, die sich genauso prächtig entwickeln wie die roten Garnacha Tinta und Tempranillo Tinto. Oliven- und Mandelbäume, ein ganzjähriger Pflanzenteppich unter den Rebstöcken, stolze Pinien und fein duftende Kräuter wie Rosmarin, Salbei, Wacholder, Thymian und Lavendel tragen ebenso zur biologischen Vielfalt bei wie die Insektenhotels, Fledermausbehausungen und Sitzstangen für Greifvögel, die wir hier installiert haben. Mittelpunkt des Weinbergs ist ein Teich, den wir als Wasserrückhaltebecken angelegt haben. Allmählich entwickelt er sich zu einem lebendigen Biotop.

Begegnungen mit Habichtsadlern, Uhus, Rebhühnern, Zwergtrappen, Würgern, Wildschweinen, Rehen oder Kaninchen zeigen, wie wohl sich die Tierwelt in diesem weiträumigen Refugium fühlt. Ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter – dieser Ort vermittelt durch seine Stimmung stets positive Sinneseindrücke. Diese übertragen sich nicht nur auf uns Menschen, sondern auch auf die Rebstöcke und damit auf unsere Weine. Dieser Ort ist so magisch, dass wir hier sogar unsere biodynamischen Präparate herstellen.

Erik Bergmann, Château Duvivier, Provence
Die Natur als Tankstelle

Es gibt im Moment unheimlich viel zu tun auf Château Duvivier. Neben den üblichen Arbeiten im Rebberg und im Keller verlangt die Umsetzung des Permakulturprojekts seit geraumer Zeit einen grossen zusätzlichen Effort. Es geht darum, mit der Anlage von Teichen und Versickerungsgräben das Ökosystem so zu optimieren, dass Regenwasser nicht ungenutzt abfliesst, sondern in trockenen Perioden den Reben über die Bodenfeuchtigkeit länger zur Verfügung steht. Für meine Partnerin Lolita und mich ist es schön, zu sehen, wie sich die Natur langsam die kahlen Flächen zurückerobert, die durch Erdverschiebungen entstanden sind und jeden einzelnen Teich nach und nach in ein kleines Biotop verwandelt.

Auf unserem Weingut gibt es schon lange zahlreiche Orte mit Biodiversitätsinseln, auf denen man zwischendurch Kraft tanken kann. Wir tun dies am liebsten auf der höchstgelegenen Lage von Château Duvivier. Der Weinberg heisst Sainte-Catherine und liegt am unteren Hang des Gros Bessillon, unseres Hausbergs. Um die Monokultur, die ein Rebberg ja ist, etwas aufzubrechen, haben wir hier auf 50 Quadratmetern überalterte Reben ausgerissen und stattdessen einheimische Pflanzen, Bäume und Sträucher angepflanzt, Steinhaufen aufgetürmt und Insektenhotels installiert. Entstanden ist so mitten im Weinberg ein buntes, lebendiges Naturparadies. Reich ist auch die Traubenvielfalt. Hier reifen Weissweintrauben, aus denen wir unseren Amandier keltern, aber auch rote Sorten, die im Les Mûriers zu finden sind.

Wir lieben es, von Sainte-Catherine aus die Aussicht aufs Château, die südlichen Alpen und den Eingang zur Verdon- Schlucht zu geniessen. Was gibt es Faszinierenderes, als auf dem Boden zu sitzen und den Abertausenden von Insekten, Schmetterlingen, Vögeln und was sonst noch alles kreucht und fleucht zuzuschauen? An diesem Ort spüren wir eine fast vollkommene Harmonie. Weinberg und Natur verschmelzen zu einem Ganzen – eine Tankstelle, die uns stets mit der nötigen Energie versorgt, um die täglichen Herausforderungen auf unserem Weingut mit Freude in Angriff zu nehmen und zu meistern.

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Lebensraum für Wildbienen

In Deutschland verfolgt der Bund für Umwelt und Naturschutz (kurz: BUND) Ziele des Natur- und Umweltschutzes, des Biodiversitäts- und Klimaschutzes sowie des Tier- und Landschaftsschutzes im Sinne einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Entwicklung. Der BUND Landesverband Rheinland-Pfalz e. V. hat für das Projekt «Blühendes Rheinhessen – Wein, Weizen, Wildbienen» Modellpartner gesucht, die bereit sind, die Artenvielfalt und die Lebensbedingungen für Wildbienen in der Agrarlandschaft Rheinhessens aufzuwerten. Denn Wildbienen sind für die biologische Vielfalt unerlässlich. Ohne die Bestäubungsleistung von Wildbienen und anderen Insekten müssten wir Menschen auf etliche Obst- und Gemüsesorten verzichten.

Weingut Hirschhof: Modellpartner für Biodiversität

«Wir haben uns als Modellpartner für dieses Projekt beworben, weil wir hoch motiviert sind, noch mehr zur biologischen Vielfalt in unseren Weinbergen beizutragen», sagt Hirschhof-Winzer Tobias Zimmer.

Neben der Liebe zur Natur steckt da durchaus auch Eigennutz dahinter. Tobias Zimmer: «Für die Produktion von gesunden, qualitativ hochwertigen Trauben sind wir auf ein gesundes Ökosystem angewiesen. Ausserdem führen Vielfalt und ein ökologisches Gleichgewicht erwiesenermassen auch zu verringertem Schädlingsdruck.»

Den Projektverantwortlichen ist es nach einer Begehung der Weinberge leicht gefallen, das Weingut Hirschhof als Modellpartner auszuwählen. Die fünf Spezialisten für Wildbienen und Kräuterkunde konnten einen Vormittag lang bei strahlendem Sonnenschein eine bereits reich vorhandene Pflanzen- und Tierwelt erfassen.

Fotos: Ursula Gönner

Gesichtet wurden gegen 80 Pflanzenarten, sechs verschiedene Arten von Wildbienen, 16 Arten Falter und 14 Arten andere Lebewesen – vom Marienkäfer über Heuschrecken bis zum Rotmilan.

Beeindruckende Artenvielfalt

«Es ist wirklich sehr beeindruckend, was es auf den Flächen des Hirschhofs schon alles gibt», lobte Projektleiterin Dr. Tatjana Schneckenburger. Dass die natürliche Vielfalt auf dem Hirschhof einen hohen Stellenwert hat, ist auch der langjährigen Zusammenarbeit mit Delinat geschuldet. Die Delinat-Richtlinien verlangen explizit eine Förderung der Biodiversität.

Weitere Massnahmen, die im Herbst 2019 beginnen, sollen diese Vielfalt nun noch erhöhen. Die Anlage zusätzlicher Blühstreifen, Untersaaten und Retentionsflächen sollen die Verfügbarkeit von Nahrung, Nistmaterial und Lebensraum für Wildbienen weiter verbessern.

«Alle Massnahmen werden gemeinsam mit den Experten vom BUND geplant. Es erfolgt eine wissenschaftliche Begleitung vor und nach den Massnahmen, um den Effekt auf die Wildbienen zu messen», erklärt Tobias Zimmer.

Zu Besuch im Tal der Kamele

Weingut Vale de Camelos mit Stausee «Monte»

Von Antje Kreikenbaum, Vale de Camelos. Klimawandel, Wassermangel und Dürre sind im Alentejo in Portugal keine düstere Zukunftsvision mehr, sie sind bereits Gegenwart. Sie gehören zu den drängenden Problemen mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, wenn wir Weinbau und Landwirtschaft in unserem «Tal der Kamele» betreiben wollen.

Klimawandel ist Gegenwart

Dies stellt uns vor Herausforderungen, denen wir in vielfältiger Weise begegnen. Wir, das ist ein deutsch-portugiesisches Team, das eng zusammenarbeitet: eine Agrar-Ingenieurin, zwei Önologen, acht feste MitarbeiterInnen für die tägliche Farmarbeit – und wir, die ganze Familie Kreikenbaum (Antje, Thorsten und Jannes ). Gemeinsam sind wir im ständigen kreativen Austausch und versuchen, das Beste aus den vorhanden Gegebenheiten zu machen.

Aussaaten im Frühjahr mit Solarzellen. Es wird mehr Strom produziert als verbraucht.

Die Schaffung von Wasser-Retentionsflächen in Verbindung mit Keyline-Management ist dabei vielleicht der wichtigste Baustein. Wir haben im Laufe der letzten 35 Jahre fünf grosse Stauseen angelegt bzw. erweitert, die als Wasserreservoirs für das sonst ungenutzt ablaufende Winter-Regenwasser dienen. Regelmässig kommt es in den Hitzemonaten Juni bis September zu vollkommener Trockenheit bei Temperaturen bis zu 50°C. Deshalb wird das Wasser zur Bewässerung von Oliven und Wein in diesen Trockenzeiten benötigt.

Stauseen versorgen die Pflanzen und Tiere mit Wasser

Die Wasserflächen bilden zudem reichhaltige Biotope im sonst völlig ausgetrockneten Umland. Jedes Jahr versammeln sich an den Stauseen von Vale de Camelos bis zu 1500 Kraniche und andere Zugvögel im Winterquartier. Andere Vogelarten wie z.B. den fast ausgestorbenen Grosstrappen bieten die Seen und die daraus entstandenen Rückzugsgebiete eine Heimat, so dass sich auf dem Gebiet von Vale de Camelos mittlerweile verschiedene Vogelschutzzonen und Naturschutzgebiete wie das NATURA 2000-Gebiet überlappen.

See im Morgenlicht

Ohne unsere Stauseen wäre ein Weinbau kaum möglich. Daher sind die Seen auch Namensgeber für einige unserer Weine, die Sie bei Delinat beziehen können: Der Rotwein Vale de Camelos Organim Tinto erhält seinen Namen vom Stausee Organim, der inmitten unserer Johannisbrot- , Korkeichen und Olivenanpflanzungen liegt. Unsere Solaranlagen produzieren dort Strom für eine nachhaltige Energieversorgung. Ihm ist eine fruchtige, gehaltvolle Cuvée aus Touriga Nacional, Aragonez und Syrah gewidmet.

Permakultur und Biodiversität

Permakultur und Biodiversität sind für diese Wirtschaftsweise die grundlegenden Stichworte. Ehemalige ausgetrocknete Getreideflächen wurden von uns mit autochthonen Gehölzen bepflanzt, z.B. Johannisbrotbäume, Steineichen, Pinien, Korkeichen, Oliven. So wurden im Laufe der Jahre mehr als 600 Hektar neue Waldflächen geschaffen.

Reiche Biodiversität im Weinberg

Ein weiterer Baustein, mit dem wir uns dem Klimawandel entgegen stellen, ist die Aufforstung, Anpflanzung und Aussaat autochthoner Pflanzenarten. Lebendige Böden sind eine Heimat nicht nur für Trauben und Oliven, sondern auch für Blumen, Gräser, Kräuter, Schmetterlinge, Vögel, Insekten, Reptilien und unzählige Bodenlebewesen. Da die Gesamtfläche der Farm sich über 1000 Hektar (davon ca. 30 Hektar Weinanbau) erstreckt, hat sich im Laufe der Jahre eine grüne Oase inmitten der durch den Getreideanbau der 70iger Jahre ausgebeuteten Landschaft gebildet.

Aufforstung verbessert den Wasserhaushalt

Wir forsten nach wie vor weitere Flächen auf, die letzte Neupflanzung von 33 Hektar Korkeichen und Pinien ist im Jahr 2016 fertig gestellt worden. Begrünung und Bewaldung bilden organische Materie und verbessern den Wasserhaushalt des Bodens (Melioration). So können extreme Hitzegrade abgepuffert werden. Durch diese Massnahmen hat sich das Mikroklima und die Biodiversität in den letzten Jahren nachhaltig und nachweislich verändert.

Flamingos über dem Stausee – die Farm ist Vogelschutzgebiet

Neue Anpflanzungen werden nach den Grundsätzen der Permakultur angepflanzt. Der Boden wird vorbereitet, indem wir unseren sorgfältig vorbereiteten Kompost einbringen, den wir über die Jahre vor allem aus Schafsdung unser eigener Schafe, eigenem Grünschnitt und Humus aus Ausbaggerung unserer Seen gewonnen haben.

Wo immer möglich arbeiten wir nach dem Prinzip des «Keyline Management» , einem Grundsatz der Permakultur. Vereinfacht gesagt, wird hierbei der Topografie des Bodens gefolgt, um möglichst alles Wasser im Boden und auf dem Gelände zu halten. So wird der Wasserverbrauch minimiert und bei Regen das Wasser direkt den Pflanzen verfügbar gemacht.

Schafe für nachhaltige Bewirtschaftung

In Vale de Camelos weiden ca. 1200 Merino-Schafe. Die Schafe bilden einen wertvollen Bestandteil der nachhaltigen Bewirtschaftung. Sie weiden in den verschiedenen Anbauflächen und sorgen so für eine natürliche Düngung, Durchlüftung des Bodens und Eindämmung von Unkraut, die so nicht maschinell gemacht werden muss. Zudem wird der Schafsdung der gepferchten Schafe gesammelt und kompostiert. Der Kompost wird wiederum zur Bodenverbesserung eingesetzt.

Schafe unter den Korkeichen

Die Farm wirkt mittlerweile als Modell für internationale Forschung. Regelmäßig bekommen wir Besuch von Studenten- und Dozentengruppen, die unsere Weinberge besichtigten. Sie sind beeindruckt von den Biodiversitäts-Projekten, den neuen Anpflanzungen und den verschiedenen Massnahmen zur Wasserrückhaltung im Boden.

Auf der Farm haben wir schon heute mit Problemen des Klimawandels zu kämpfen. Die Desertifikation der Landschaft wird auch in anderen Ländern in Zukunft zum Problem werden, auch in der Schweiz und in Deutschland wurde das in den heissen Sommermonaten 2018 spürbar.

Helena Manuel, Betriebsleiterin (links) und Marta Pereira, Önologin engagieren sich für eine reichhaltige Biodiversität – und authentische Weine mit Terroircharakter

Wir konnten zeigen, wie unsere Massnahmen helfen, sich dieser Entwicklung entgegen zu stemmen. Die Humusschicht hat sich in den letzten Jahren nachweisbar erhöht, die Wasserstände fallen nicht mehr so dramatisch wie noch vor den Anpflanzungen nach den Grundprinzipien der Permakultur. Die Pflanzen sind insgesamt gesünder, besser mit Wasser aus dem Boden versorgt und resistenter gegen Schädlinge.

Weinreisen und Winzerberatung

Die Delinat-Winzerberater stehen uns bei unserer Arbeit mit Rat und Tat zur Seite und besuchen uns regelmässig, um die anstehenden Aufgaben zu besprechen und sich über neue Erkenntnisse auszutauschen. Auch die anderen Delinat-Winzer beim Winzerseminar und die Gäste der Delinat-Weinreisen sind willkommene Besucher, die sich bei uns über unsere Wirtschaftsweise informieren.

Delinat-Weinreisen zu Besuch: Degustation und lokale Spezialitäten auf der Terrasse (links im Vordergrund Emil Hauser, Einkäufer bei Delinat)

Natürlich soll bei aller Auseinandersetzung mit den Problemen des Klimawandels der Genuss und die Lebensfreude nicht zu kurz kommen. Der Blick in den Weinberg von der kühlen Terrasse mit einem Gläschen Wein in der Hand, ein Spaziergang am See und in den Rebzeilen mit blühenden Aussaaten: Das entschädigt für alle Mühe!

Beim einem Besuch im «Tal der Camele» stehen für die Delinat-Reisegruppen eine Weingutsführung, Mittagessen mit lokalen Spezialitäten, unserem Olivenöl und Honig und natürlich eine Weinprobe auf dem Programm. Beim letzten Besuch einer Reisegruppe im Juni hatte Marta Pereira, die als studierte Önologin die Weinbereitung betreut, regionale Leckereien gekocht, die sie im familieneigenen Restaurant vorbereitet hatte.

Biodiversitätswinzer 2019: Der Weinberg als Kraftort

Eigentlich sollte Carlos Laso in die Fussstapfen seines Vaters treten und die Möbelfabrik im Hinterland von Valencia übernehmen. Doch die familieneigenen Weinberge faszinierten ihn stärker, und so überliess er die Möbelfabrik seinen Schwestern. Dank seiner grossen Anstrengungen für Naturvielfalt im Weinberg ist er von Delinat zum Biodiversitätswinzer des Jahres 2019 gekürt worden.

Schon bei meinem allerersten Besuch vor zehn Jahren zeigte sich, dass das Verständnis von Carlos Laso für biologischen Weinbau weit über das hinausgeht, was ein Biozertifikat verlangt. Es bestanden schon damals grosse Übereinstimmungen mit den anspruchsvollen Delinat-Richtlinien. Und weil auch die Weine überzeugten, stand einer Zusammenarbeit nichts im Wege. Einzigartig war dann, wie sich Carlos Laso auf die Delinat-Philosophie von Weinbergen mit reicher Biodiversität einliess.

Mit grosser Begeisterung und innert kürzester Frist setzte er Massnahmen um, die mehr Leben in seine Rebberge brachten. Die Idee, die Rebflächen mittels Sekundärkulturen aufzulockern, schien ihm logisch. Er pflanzte Olivenbäume zwischen die Reben. Später folgten Granatäpfel und mit Steinen ausgekleidete Kräuterrabatten. Die Blüten und der feine Duft von Lavendel und Rosmarin locken seither Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten an. Parallel dazu optimierte Carlos die Begrünungsstrategie. Es galt, den Reben durch optimale Einsaaten natürliche Nährstoffe zuzuführen, ohne dass die Begrünungspflanzen der Rebe die oftmals bescheidenen Wasserreserven streitig machen.

«Biodiversität vermittelt
Frieden, Ausgleich und
Harmonie.»

Carlos Laso, Biodiversitätswinzer 2019

Immer einen Schritt voraus

Wasser ist im landschaftlich reizvollen Valles de les Alcusses, wo die Weinberge von Pago Casa Gran liegen, ein rares Gut. Die Trockenperioden werden immer länger. Ohne Bewässerung können die Reben kaum noch überleben. Doch woher das Wasser nehmen, ohne dem Grundwasserspiegel Schaden zuzufügen? Als Delinat-Winzerberater Daniel Wyss vor zwei Jahren Carlos Laso ein innovatives Bewässerungskonzept im Sinne der Permakultur vorstellte, war er sofort Feuer und Flamme. Dieses einfache, aber wirkungsvolle Konzept sah vor, Wasserrückhaltebecken und Gräben entlang der Parzellenränder auszuheben. Darin wird Regenwasser zurückgehalten, das bislang ungenutzt abfloss, oder im Fall von Starkregen sogar für Erosion sorgte. Mit dem neuen, natürlichen Wassermanagement versickert das Regenwasser langsam im Boden und steht den Reben auch in langen Trockenzeiten bis in den Sommer hinein zur Verfügung. Carlos Laso hat damit auch innerhalb der Delinat-Winzer eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung der Permakultur übernommen. Diese bereits in den 1970er-Jahren in Australien begründete Bewirtschaftungsform ist sehr nachhaltig und zukunftsträchtig. Das Ökosystem wird gestärkt, die Bodenfruchtbarkeit erhöht, die Bodenbearbeitung vereinfacht, die Ressourcen werden effizient genutzt, und die Erträge können trotz Klimawandel gesichert werden.

Seit Carlos Laso die biologische Vielfalt in seinen Weinbergen bewusst fördert, sind diese für ihn zum Kraftort geworden. «Biodiversität vermittelt Frieden, Ausgleich und Harmonie. Davon profitiert meine Familie und das ganze Team von Pago Casa Gran», betont er.

22. Mai – Tag der Biodiversität
Im Jahr 2000 hat die UNO den 22. Mai zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt erklärt. Der Tag der Biodiversität soll aufzeigen, wie wichtig die Artenvielfalt für den Erhalt unseres Lebensraums ist, aber wie stark sie unter Druck und in Gefahr ist. Biodiversität ist ein Kernanliegen von Delinat. Seit 2015 wird deshalb alljährlich der «Biodiversitätswinzer des Jahres» gekürt. Ausgezeichnet werden Winzer, die sich über die strengen Delinat-Biorichtlinien hinaus in besonderer Weise für die Förderung der Artenvielfalt einsetzen. Die ausgezeichneten Winzer keltern jeweils im Hinblick auf den 22. Mai einen speziellen Biodiversitätswein. Die bisherigen Delinat-Biodiversitätswinzer sind:
2015: Josep Maria Albet i Noya, Penedès, Spanien und Massimo Maggio, Sizilien, Italien
2016: Jean und Anne Lignères, Languedoc, Frankreich 2017: María Barrena und Dani Sánchez, Azul y Garanza, Navarra, Spanien
2018: Timo Dienhart, Weingut zur Römerkelter, Mosel, Deutschland
2019: Carlos Laso, Pago Casa Gran, Valencia, Spanien

Pago Casa Gran Biodiversidad: Der Wein zum Tag der Biodiversität

Die Böden der Bodega Pago Casa Gran bestehen aus Sand und kalkhaltigem Lehm. Diese Kombination lässt Weine entstehen, die extraktreich und stoffig sind und durch ihre saftige Struktur am Gaumen eine schöne Spannung aufbauen. Carlos Laso hat sich entschieden, den Biodiversidad aus den regionalen Sorten Monastrell und Garnacha Tintorera sowie aus Syrah, einer seiner internationalen Favoriten, zu keltern. Die Trauben stammen von durchschnittlich 30-jährigen Reben. 12 Monate Reife in französischen Eichenholzbarriques verleihen dem herrlich fruchtigen Wein dezente, gut eingebundene Röstaromen. Der Wein passt bestens zu einer Paella mit Gemüse und Fleisch.
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Leben ist Vielfalt, Vielfalt ist Qualität

Am Anfang war es nur ein Gedanke. Er entstand 1979 in den totgespritzten Walliser Weinbergen. Wie sollen in so einer Wüste gute Weine wachsen? Wie unterscheiden sie sich von solchen, die in blühender Biodiversität reifen?

Es folgte eine Zeit intensiver Beobachtung. Aus dem Gedanken reifte eine These, die heute als bewiesen gilt: Komplexe, aromatische Weine entstehen in reicher Vielfalt, in gesunder Natur. Wenn die Wurzeln im Wasser- und Nahrungswettbewerb stehen, wenn Blumen, Kräuter, Pilze und Reben in Symbiose leben. Wenn Würmer, Bakterien, Nematoden, Hefen den Stoffwechsel im Boden in Gang halten, den Kreislauf schliessen, die unverdaulichen Stoffe aufbrechen und den Wurzeln als Nahrung zur Verfügung stellen.

Milliarden Organismen leben in einer Handvoll gesunder Weinbergserde. Damit das möglich ist, braucht es allerdings auch oberirdisch eine reiche Vielfalt. Denn es gibt auch einen vertikalen Kreislauf: Luftstickstoff und Photosynthese erzeugen Nährstoffe, die schliesslich in die Erde gelangen. Insekten, Vögel und Kleintiere leben in und von den blühenden Kräutern zwischen den Reben, und zum Kreislauf tragen ihre Ausscheidungen bei, die den Boden düngen. Zur vertikalen Biodiversität gehören aber auch Bäume, Hecken und Büsche, ohne die sich Vögel und Kleintiere nicht nachhaltig ansiedeln.

So entstand in der Entwicklung der Delinat-Methode eine zunehmende Fokussierung auf eine reiche Vielfalt im Weinberg. Alles andere ergibt sich fast von selbst – das Ökosystem ist stabil, der Winzer hat weniger Arbeit, der Traktor fährt seltener. Dass davon nicht nur die Weinqualität profitiert, sondern vor allem auch die Natur, macht die Biodiversität doppelt interessant. Auch das gehörte am Anfang zur Delinat-These, und auch das gilt heute als bewiesen: Ökonomie und Ökologie stehen nicht im Widerspruch zueinander, im Gegenteil! Delinat-Winzer liefern sich heute einen Wettstreit um möglichst grosse biologische Vielfalt im Weinberg. Die aktivsten haben Aussicht, zum Biodiversitätswinzer des Jahres gewählt zu werden.

Jedes Weingut hat sein eigenes Konzept

Weinberge sind eine Dauerkultur. Für Jahrzehnte wachsen Reben auf der gleichen Parzelle. Eine Fruchtfolge wie bei Ackerkulturen, durch die sich der Boden regenerieren kann, ist nicht möglich. Damit die Natur im Weinberg trotzdem im Gleichgewicht ist, muss ein Ökosystem auf den Rebflächen geschaffen werden. Die Basis dafür ist eine vielfältige Begrünung, die den Boden lockert und das Bodenleben aufbaut. Damit wird Humus gebildet, und die Reben werden mit Nährstoffen versorgt. Diese Nährstoffe werden auf wunderbare Weise durch Würmer, Pilze, Bakterien und Mikroorganismen aus dem Boden und der Luft mobilisiert und den Reben zur Verfügung gestellt. Je vielfältiger die Begrünung, umso vielfältiger das Bodenleben und umso besser die Nährstoffversorgung der Reben. Die Begrünung hat zudem noch eine wichtige Funktion als Erosionsschutz. Steile Weinberge sind tendenziell stärker erosionsgefährdet als flachere Lagen.

Um das Ökosystem Reben noch vielfältiger zu gestalten, pflanzen kreative Winzer an Zeilenenden oder angrenzend an die Reben Sträucher wie Wildrosen, Rosmarin, Lavendel und vieles mehr. Wichtig sind auch grosse Bäume, sie dienen als Trittbrett für Insekten und Vögel. Ebenfalls wertvoll sind Totholzhaufen, Steinhaufen, Trockenmauern und Insektenhotels. Das sind willkommene Unterschlupfmöglichkeiten für Kleintiere und Insekten.

Für jeden Winzer stellt sich die Herausforderung, die Artenvielfalt im Weinberg zu fördern, ein bisschen anders. In südlichen Gebieten (Südfrankreich, Italien, Spanien, Portugal) wachsen in der Nähe von Reben meistens noch Oliven- und Mandelbäume. Das alleine ist schon eine schöne Bereicherung der Landschaft. Oftmals hat es in solchen Gebieten auch noch genügend Freiflächen, um zusätzliche Bäume und Sträucher zu pflanzen. Allerdings brauchen diese Pflanzen hier lange, um gross zu werden, da es oft sehr trocken ist.

Vielfalt bei deutschen Winzern

In nördlichen Gebieten ist vielfach weniger Platz vorhanden. Parzelle zwängt sich hier oft an Parzelle, ergo gibt es nur wenig Freiflächen, um zusätzliche Bäume zu pflanzen oder ökologische Brachen auszuscheiden. Dass es aber auch in intensiv genutzten Kulturlandschaften möglich ist, einen Weinberg als funktionierendes Ökosystem zu gestalten, zeigen unsere deutschen Winzer. Einer von ihnen, Timo Dienhart vom Weingut zur Römerkelter, wurde zum Biodiversitätswinzer 2018 gewählt. Er und unsere anderen deutschen Winzer legen auf den nachfolgenden Seiten dar, wie sich die Biodiversität in ihren Rebbergen präsentiert und welchen Einfluss sie auf die Weine hat.

Weingut zur Römerkelter, Mosel

Timo Dienhart …

Wir arbeiten schon sehr lange an artenreichen Weinbergen. Mein Vater begann diesen Weg bereits 1977, weil er genug hatte von den Schäden, die die Agrarchemie und die damalige Lehrmeinung anrichteten. In all den Jahren haben wir ein vorbildliches Begrünungskonzept und Artenschutzzonen (Bio-Hotspots) inmitten der Weinberge geschaffen. Unsere Begrünung beruht auf einer eigenen, vielfältigen Saatmischung mit zahlreichen Leguminosen. Der blühende Pflanzenteppich lockert mit seinem vielfältigen Wurzelwerk den Boden, reduziert Verdunstung und verhindert Erosion. Die Leguminosen versorgen die Reben zudem mit Nährstoffen und binden grosse Mengen CO2 aus der Atmosphäre. Wir stellen auch selber hochwertigsten Kompost und Pflanzenkohle her, sodass wir auf zugekaufte Dünger verzichten können.

«Unser Begrünungskonzept beruht auf einer
eigenen, vielfältigen Saatgutmischung.»
Timo Dienhart

Durch die Pflanzenvielfalt und die Bio-Hotspots, zu denen auch hohe Stangen und Nistkästen für Vögel und Fledermäuse gehören, entstehen ganzjährige Refugien für Nützlinge, die uns helfen, Krankheiten und Schädlinge im Griff zu halten. Natürlich ist das Ganze mit Mehrarbeit verbunden, und eine üppige Begrünung kann in einem trockenen Sommer auch rasch mal zur Konkurrenz für die Reben werden. In solchen Fällen gehen wir pragmatisch vor und walzen oder mulchen die Begrünung.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Weine durch sinnvolle Artenschutzkonzepte besser werden. Immer, wenn ich mit der Hacke arbeite, fällt mir auf, wie fantastisch die Erde duftet. Die vom Boden und von Kräutern angereicherten Aromen sind später auch im Weinglas wahrnehmbar.

… und der Wein zum Tag der Biodiversität

Der von Delinat zum Biodiversitätswinzer 2018 gekürte deutsche Mosel-Winzer Timo Dienhart überrascht uns zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt vom 22. Mai mit einer Riesling-Spezialabfüllung. Die Trauben für den bee Biodiversitäts-Riesling stammen aus den Lagen Honigberg und Römerpfad im Urstromtal der Mosel.

Die beiden Steillagen sind ein Sinnbild für Artenvielfalt. Schon vor etlichen Jahren hat Timo Dienhart eine vielfältige Saatgutmischung entwickelt, die speziell auf die Böden seiner Rebberge abgestimmt ist. Bis zu 50 verschiedene Pflanzen, darunter viele nährstoffspendende Leguminosen, machen die Mischung aus, die für eine üppige Begrünung in den Weinbergen sorgt und zu einem natürlich funktionierenden Ökosystem beiträgt.

Erst kurz vor Ostern hat Timo Dienhart den bee Biodiversitäts-Riesling auf die Flasche gezogen. Die von Hand gelesenen Trauben vergärten durch natürliche Hefen bei kühlen 14 bis 16 Grad langsam und regelmässig. Bis Mitte Februar lagerte der Wein auf der Feinhefe. In dieser Zeit bildeten sich komplexe Aromen und elegante Fülle. Jetzt ist der Biodiversitätswein trinkbereit. Er begeistert durch komplexe Fruchtaromen, elegante Stilistik und erfrischende, gut eingebundene Säure, die mit der leichten Restsüsse bestens harmoniert.

bee Biodiversitäts Riesling
Weingut zur Römerkelter
Deutscher Qualitätswein, Mosel 2017


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Weingut Battenfeld-Spanier, Rheinhessen

Oliver Spanier

Biodiversität hat auf unserem Weingut eine hohe Bedeutung. Wir sehen den Weinberg und seine nächste Umgebung als natürliches Ökosystem, von dem die Rebe ein Teil ist. In einem natürlichen Weinberg-Ökosystem gehen Reben, Bakterien, Pilze, Hefen, Bodenlebewesen, Insekten, Vögel, Begrünung und Gehölze eine mehr oder weniger symbiotische Verbindung ein. Je artenreicher so ein System ist, desto stabiler ist auch das Verhältnis von Antagonisten und Protagonisten.

«Artenreichtum bedeutet gesunde Reben und spiegelt sich in ausdrucksstarken Weinen wider.»
Oliver Spanier

Dank unserer langjährigen ökologischen Bewirtschaftung zeichnen sich unsere Rebberge durch gesundes, vielfältiges Bodenleben, zahlreiche angrenzende Hecken und Bäume, vielfältige Begrünung mit Kräutern und Blühpflanzen sowie einen hohen Anteil an tierischen Nützlingen aus. Dieser Artenreichtum bedeutet gesunde Reben und spiegelt sich in ausdrucksstarken Weinen wider.

Leider fehlt noch vielen Winzerkollegen und Landwirten ein entsprechendes Bewusstsein. Die Förderung von Biodiversität wäre effektiver und für alle auch einfacher, wenn jeder seinen Teil beitragen würde. Die Umstellung auf ökologischen Weinbau und das gemeinsame Anlegen von Rückzugsflächen wären bereits ein guter Anfang.

Weingut Hirschhof, Rheinhessen

Tobias Zimmer

Wir kultivieren und pflegen unsere Weinberge so, dass sich das natürliche Ökosystem weitgehend entfalten kann. Das bedingt eine intakte biologische Vielfalt. Diese erreichen wir unter anderem mit artenreicher Begrünung und aktivem Artenschutz wildlebender Tier- und Pflanzenarten. Besonders stolz bin ich auf die vielen Natursteinmauern in unseren Weinbergen. Dort lebt und tummelt sich eine Vielzahl an Tieren und Insekten jeglicher Art.

In den letzten Jahren haben wir altersschwache Rebstöcke gerodet und dort diverse Hotspots angelegt. Für Greifvögel wurden Sitzstangen aufgestellt. Die Vögel nutzen diese gerne, vor allem, um Mäuse zu jagen. Auch haben wir Nistkästen für diverse Vogelarten im Weinberg verteilt. In naher Zukunft sollen die Insekten, speziell Wildbienen, mehr gefördert werden.

«Wir haben Sitzstangen aufgestellt, von
denen aus Greifvögel Mäuse jagen.»
Tobias Zimmer

Die Förderung der Biodiversität erachten wir als konstanten Auftrag, der uns derzeit keine grösseren Probleme bereitet und den wir gerne wahrnehmen, weil sich die biologische Vielfalt auch positiv auf unsere Weine auswirkt. Sie werden gehaltvoller, extraktreicher und dadurch auch langlebiger.

Weingut Ökonomierat Rebholz, Pfalz

Hansjörg Rebholz

Eine reiche Biodiversität ist für uns eine tragende Säule des ökologischbiodynamischen Weinbaus, nach dessen Richtlinien unser Familienweingut seit mehr als einem Jahrzehnt wirtschaftet. Sie steht für ein intaktes Ökosystem, das die Rebe bei der Bildung herausragender Traubenqualitäten, die den Grundstock für grosse Weine legen, unterstützt. Um diese natürliche Vielfalt zu erhalten, wird viel getan, aber auch einiges vermieden (Bodenbearbeitung im Winter, Bienen gefährdende Pflanzenschutzmittel, unnötige Traktorfahrten).

«Biodiversität bedeutet für den Winzer Mehraufwand
und Mehrkosten. Aber das lohnt sich in jedem Fall.»
Hansjörg Rebholz

Biodiversität präsentiert sich in unserem Weingut in allen Farben und Formen. Bei einem Blick in unsere Weinberge erkennt man neben Reben auch eine Vielzahl verschiedener Begrünungspflanzen. Bei einem Blick unter die Erde erkennt man, dass sich Biodiversität nicht nur an bunten Blühpflanzen widerspiegelt. Unsere lockeren Böden, die von unzähligen Lebewesen bewohnt und gepflegt werden, sind für uns eines der wertvollsten Biodiversitätsmerkmale. Nur ein gesundes Ökosystem ermöglicht vitale Böden, die den Rebstöcken geben, was sie benötigen, und unseren Weinen einen solch ausdrucksstarken Charakter verleihen.

Der Erhalt der Biodiversität bedeutet für den Winzer einen erheblichen Mehraufwand, der die entsprechenden Kosten nach sich zieht. Aber das lohnt sich in jedem Fall.

Weingut Pflüger, Pfalz

Alex Pflügers Lebensturm mitten im Weinberg ist Habitat für viele Kleintiere.

Alexander Pflüger

Die Artenvielfalt von Pflanzen und Nützlingen im Weinberg spielt eine zentrale Rolle für die Vitalität unserer Reben und Weinbergsböden. Es ist unsere Aufgabe als Delinat-Winzer, durch artenreiche, sorgfältig zusammengestellte Begrünungen die Bodengesundheit, die Bodenstruktur und das Bodenleben zu fördern. Eine vielfältige Weinbergsflora und -fauna bieten ausserdem Lebensraum für wichtige Nützlinge, wie Raubmilben oder Schlupfwespen. Diese sind als natürliche Gegenspieler zu Schädlingen im Weinbau wichtig. Durch die hohe Biodiversität kommt das System Weinberg in ein besseres Gleichgewicht und erfordert weniger Eingriff von aussen durch Pflanzenschutzmassnahmen und Düngung.

«Ein vielfältiger Weinberg bietet
Lebensraum für wichtige Nützlinge.»
Alexander Pflüger

Die alten Trockenmauern in unseren terrassierten Lagen Michelsberg und Herrenberg sind unser ganzer Stolz. Sie sind Rückzugsort und Lebensraum für Eidechsen, Spinnen und Wildbienen. Auch die rege Nutzung unseres über zwei Meter hohen Lebensturms am Dürkheimer Herrenberg beobachten wir immer wieder mit Begeisterung. Der Aufbau aus den verschiedensten Materialien wie Reisig, Hölzern, Steinen, Stroh und Lehm (Nistkästen) lockt Wildbienen, Wespen, heimische Singvögel, Echsen und Schlangen an. Die Förderung der Biodiversität bringt mit sich, dass unsere Weinberge sich zu einem funktionierenden Ökosystem entwickeln. Die Vitalität und die Balance dieses Systems spiegeln sich auch in unseren Reben wider. Gesunde Trauben und moderate Erträge sind die Basis unserer Weine. Sie sind natürlich, kraftvoll und in sich ruhend.

edition bee – Biodiversitäts-Riesling

Timo Dienharts Biodiversitäts-Riesling ist genau der richtige Wein, um mit Ihren Freunden und Bekannten auf den Internationalen Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai anzustossen. Die Trauben für diesen Wein stammen von artenreichen Steillagen im Urstromtal der Mosel.

Das Paket enthält 6 Flaschen bee Biodiversitäts-Riesling 2017 und eine kleine Samentüte, die Ihren Garten zum Blühen bringt. Der Wein überzeugt durch Eleganz, ausgeprägte, saftige Fruchtaromen und ein harmonisches Süsse-Säure-Spiel.

Das Paket mit 6 Flaschen kostet CHF 91.20 / € 71,40. Lieferung portofrei!

bee Biodiversitäts Riesling
Weingut zur Römerkelter
Deutscher Qualitätswein, Mosel 2017


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Unerwünschte Exoten

Aus fremden Gebieten eingeschleppte Neophyten, die sich invasiv verhalten, verdrängen einheimische Pflanzen und stören oder zerstören die Biodiversität. Die Delinat-Richtlinien verlangen deshalb neu, dass die Winzer dagegen vorgehen und diese an der Ausbreitung in den und um die Weinberge hindern. Seltene einheimische Arten dagegen müssen gefördert werden.

Die Goldrute ist ein aus Nordamerika eingeschleppter Neophyt, der sich invasiv verhält und einheimische Pflanzen verdrängt.

Weinberge von einst glichen Naturparadiesen. Zwischen Reben wurden Obstbäume, Beeren und Gemüse gepflanzt, Hühner und Schafe hielten das «Unkraut » in Schach. Erst Monokulturen brachten die grossen Probleme, an denen noch heute der Weinbau krankt: Die Rebe als alleinige Pflanze ist Eindringlingen hilflos ausgeliefert. Stabilität kann nur durch Vielfalt erreicht werden.

Keine Kamille, sondern unerwünschtes Berufkraut, das sich ohne Bekämpfung massiv vermehrt und die einheimische Flora verdrängt.

Dieser Grundsatz, der schon seit Beginn den Kern der Delinat-Methode bildet, ist mit der Ausgabe der Richtlinien 2017 um zwei Aspekte präziser geworden: Aus fremden Gebieten eingeschleppte Neophyten, die sich invasiv verhalten, verdrängen einheimische Pflanzen und stören oder zerstören die Biodiversität. Die Delinat-Richtlinien verlangen deshalb neu, dass die Winzer dagegen vorgehen und diese an der Ausbreitung in und um die Weinberge hindern. Der zweite neue Punkt verlangt, dass seltene einheimische Arten gefördert werden.

Konkret müssen die Delinat-Winzer Buch führen über seltene Arten, die in ihrer Region eine Chance für die Wiederansiedlung und Vermehrung haben. Sie müssen Massnahmen ergreifen, diese Arten in und um ihre Weinberge zu fördern. Zum Beispiel können gezielt Pflanzen gesät werden, deren Nachbarschaft die seltenen Kräuter, Blumen oder Sträucher mögen oder die als Nahrung für seltene Insekten, Vögel, Reptilien dienen. Massnahmen und Fortschritte werden notiert, einfach und unbürokratisch.

Richtlinien-Entwicklung
Jahr für Jahr gibt es neue Anforderungen, die in die Delinat-Richtlinien aufgenommen werden. Diese schreibt Delinat aber nicht einfach vor. Sie werden zuerst von Experten beurteilt. Wenn diese den Nutzen anerkennen, dann werden als Nächstes die Delinat-Winzer befragt. Sie haben stets einige Monate Zeit, Stellung dazu zu nehmen, Einwände vorzubringen und allfällige spezifische Problemfälle aufzuzeigen. Im Zweifelsfall wird die Aufnahme der neuen Punkte in die Richtlinien um ein Jahr verschoben. Erst wenn wir sicher sind, dass die meisten Delinat-Winzer keine gravierenden Probleme mit den neuen Anforderungen bekommen und der Nutzen unbestritten ist, werden die Punkte in die Richtlinien aufgenommen. Es ist also ein demokratischer Prozess, der allerdings oft etwas Druck braucht, damit die Entwicklung weitergeht und das Regelwerk sich laufend verbessern kann.

Invasive Exoten bekämpfen

Der giftige Riesenbärklau stammt ursprünglich aus dem Kaukasus und ist in Europa ein invasiver Neophyt. Bei Hautkontakt drohen Verbrennungen.

Gleichzeitig gilt es, gegen eingeschleppte, invasive Arten vorzugehen. Solche Pflanzen nennt man Neophyten, Tiere Neozoen. Sie verursachen mehr Schäden, als bislang angenommen wurde, und die Plage nimmt rapide zu. Obwohl es darunter auch giftige Arten wie den Riesenbärklau gibt, der bei Hautkontakt schwere Verbrennungen auslösen kann, ist das Hauptproblem ein anderes: die extrem rasche Ausbreitung der Einwanderer. Wenn der Mensch nicht eingreift, können invasive Arten wie Goldrute, Drüsiges Springkraut, Erdmandelgras, Fuchsschwanz oder Schmalblättriges Greiskraut einheimische Pflanzen innerhalb weniger Jahre verdrängen. Jede Art, die zurückgedrängt wird, zieht eine Reihe von Folgeproblemen mit sich: Spezialisierten Insekten fehlt es an Nektar und Pollen, Kleintieren an Beute usw. Mit jeder von Invasoren zurückgedrängten einheimischen Art folgt ein grosses Sterben weiterer Arten.

Winzer müssen handeln

Die Delinat-Richtlinien 2017 schreiben daher vor, dass Winzer die in ihrer Region bekannten invasiven Arten kennen und Vorkehrungen gegen ihre Verbreitung in und um die Weinberge treffen müssen. Neophyten sollten möglichst sofort nach dem Entdecken mechanisch entfernt werden. Manche müssen ausgegraben werden, bei anderen reicht ein wiederholtes Jäten und/oder Mähen. Wichtig ist, dass der Eingriff vor der Blüte geschieht, weil man sonst durch die Manipulation der Saat hilft, sich zu verbreiten.

Die auf Getreideschiffen aus Nordamerika als blinder Passagier nach Europa gelangte Ambrosia konkurrenziert nicht nur einheimische Nutzpflanzen, sie kann auch der menschlichen Gesundheit schaden.

Pflanzen lassen sich in Weinbergen relativ gut kontrollieren. Bei Insekten und Kleintieren (Neozoen) ist das schwieriger. Hier gilt der Grundsatz, dem Eindringling möglichst wenig Lebensgrundlage zu bieten (Wohnräume, Nahrung usw.). Dazu braucht es Kenntnisse der Biologie der Spezies, gute Beobachtung und viel Geduld.

Viele Exoten sind unproblematisch

Beide neuen Richtlinien-Punkte präzisieren das Delinat-Kernthema «Biodiversität». Denn Vielfalt ist nicht gleich Vielfalt. Wichtig ist die Qualität der Artenvielfalt. Im Fall von invasiven Neophyten bedeutet eine auftauchende neue Art fast immer einen darauffolgenden Schwund einheimischer Arten und somit eine ärmere Biodiversität. Zu erwähnen bleibt, dass längst nicht alle Neophyten problematisch sind. Hierzulande zählt die Flora heute ungefähr 500 bis 600 Neophyten. Davon verhalten sich lediglich etwa 10 Prozent invasiv und müssen kontrolliert und bekämpft werden.

Grandiose Vielfalt am Rand der Halbwüste

Kaum ein anderes Weingut liegt so nahe an einer Halbwüste wie Azul y Garanza in der Navarra. Artenvielfalt im Weinberg ist hier eine Herausforderung. Doch María Barrena und Daniel Sánchez haben es geschafft, die höchsten Delinat-Anforderungen zu erfüllen. Sie sind die Biodiversitätswinzer 2017.

María Barrena und Dani Sánchez sind von Delinat als Biodiversitätswinzer 2017 ausgezeichnet worden.

Die zierliche María Barrena träumt nicht nur gerne, sie setzt ihre Träume auch um. Das war schon im Jahr 2000 so, als sie nach einem Önologiestudium in Tarragona zusammen mit ihrem Studienkollegen Daniel Sánchez die Bodega der Kooperative von Carcastillo übernahm. Die beiden nannten das Weingut fortan Azul y Garanza und setzten kompromisslos auf ökologischen Weinbau. Der ungewöhnliche Name bedeutet «Blau und Karminrot » und steht für die intensive Farbe ihrer Rotweine.

Von der Vision …

Die Zusammenarbeit mit Delinat begann 2005. «Von Anfang an teilten wir den Geist von Delinat, die Biodiversität zu fördern und die Weinberge in ein intaktes Ökosystem zu verwandeln», sagt María. Fünf Jahre später präsentierte das innovative Duo von Azul y Garanza am Winzertreffen 2010 auf Château Duvivier Pläne und Skizzen, wie man sich das eigene Traumweingut vorstellt: kleine Parzellen, durchmischt mit Oliven-, Mandel- und Fruchtbäumen, Kräutern, Wildsträuchern und vielen Blumen. Dazu Stein- und Holzhaufen, Nistkästen und Bienenhotels, sodass die Rebberge zu einem Refugium für Insekten, Vögel und Reptilien werden. Angesichts der Lage am Rande der trockenen, steppenartigen Landschaft Bardenas Reales mit ihren bizarren Felsformationen hielten damals viele Winzerkollegen diese Pläne für utopische Wunschträume.

… zur Realität

Doch María Barrena und Daniel Sánchez haben alle Skeptiker eines Besseren belehrt. Mit Kreativität und Ausdauer sind sie ihrem Ziel von einem Weingut mit funktionierendem Ökosystem schon ziemlich nahe gekommen. «Durch die Verwendung von Traubenstielen, zerkleinertem Schnittholz und der Einsaat von Leguminosen ist es uns gelungen, das Bodenleben zu aktivieren, die Wasserspeicherung zu verbessern und die Reben mit natürlichen Nährstoffen zu versorgen », freut sich María. Blühende Pflanzen, Kräuter, Bäume und Hecken wurden angepflanzt. Diese wirken als natürliche Barrieren gegen Pilzkrankheiten und locken Vögel und Insekten an, die mithelfen, Schädlinge fernzuhalten. Ein ausgehobenes Rückhaltebecken dient in Trockenzeiten als Wasserquelle für die Reben, aber auch als Tränke und Lebensraum für Insekten, Vögel und Amphibien. Und nicht zu vergessen: Die vielen Wildhefen, die sich in derart reicher Biodiversität bilden, sorgen für eine harmonische Spontangärung der Weine.

Herausforderung Klimawandel

Azul y Garanza hat schon 2014 den höchstmöglichen Delinat-Status als Drei-Schnecken-Betrieb erreicht. Doch damit geben sich María und Dani nicht zufrieden. Die Vermehrung von Wildbienen ist ihnen ein wichtiges Anliegen. Deshalb ist die Installation von weiteren Bienennistplätzen geplant. Vor eine besondere Herausforderung wird Azul y Garanza durch den Klimawandel gestellt. Starkregen und Trockenperioden werden immer häufiger und intensiver. Es müssen neue Methoden entwickelt werden, die Erosion und Austrocknung verhindern. Ziel ist es, bei Gewittern alles Regenwasser aufzufangen, zu speichern und später fein dosiert den Reben zugänglich zu machen. Wichtige Inputs diesbezüglich erhoffen sich María Barrena und Daniel Sánchez vom diesjährigen Delinat-Winzerseminar von Ende Mai in Portugal und Spanien, das dem Thema Permakultur gewidmet ist.

Ein Wasserrückhaltebecken hilft, Trockenperioden zu überstehen.

Der Wein zum Tag der Biodiversität 2017

«Es ist für uns eine grosse Ehre, von Delinat als Biodiversitätswinzer 2017 ausgezeichnet zu werden», sind sich María Barrena Belzunegui und Dani Sánchez einig. «Das spornt uns an, auf dem eingeschlagenen Weg fortzu fahren.»

Wie ihre Vorgänger (Albet i Noya und Massimo Maggio 2015; Jean und Paul Lignères 2016) hat das Winzer-Duo von Azul y Garanza zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt vom 22. Mai einen speziellen Biodiversitätswein gekeltert. «Der Biodiversidad de Azul y Garanza drückt für uns die Einzig artigkeit der Lagen aus. Die Merlot- und Graciano-Trauben stammen von kleinen Parzellen, allesamt reich an Biodiversität», erklärt Dani Sánchez. Beide Sorten wurden separat vinifiziert. Nach der Gärung reiften die verschiedenen Partien acht Monate in Barriques aus französischer und ungarischer Eiche. Danach wurden die Weine nochmals verkostet und zu einer ausgewogenen Cuvée assembliert.

Entstanden ist so ein lebhafter, fruchtiger und harmonischer Wein, der auch den Geschmack der Erde in sich trägt. Ein Wein, der von der Liebe zur Rebe, zur Natur und von der Passion des Weinmachens erzählt.

Biodiversidad de Azul y Garanza
Navarra DO 2015, Spanien
www.delinat.com/1818.15

Artenschutz in den Delinat-Richtlinien

Weinberge von einst glichen Naturparadiesen. Zwischen Reben wurden Obstbäume, Beeren und Gemüse gepflanzt, Hühner und Schafe hielten das «Unkraut» in Schach. Erst Monokulturen brachten die grossen Probleme, an denen noch heute der Weinbau krankt: Die Rebe als alleinige Pflanze ist Eindringlingen hilflos ausgeliefert. Stabilität kann nur durch Vielfalt erreicht werden. Dieser Grundsatz, der schon seit Beginn den Kern der Delinat-Methode bildet, ist mit der Ausgabe der Richtlinien 2017 um zwei Aspekte präziser geworden.

Wiedehopf
Wenige Jahre nach grosszügiger Pflanzung von Büschen und Bäumen, dem Anlegen von Stein- und Holzhaufen zwischen und um die Reben ist beim Weingut Roland Lenz im Thurgau der Wiedehopf zurück gekehrt.

Zum einen müssen Delinat-Winzer neu Buch führen über seltene Arten, die in ihrer Region eine Chance für die Wiederansiedlung und Vermehrung haben. Die Weinbauern müssen Massnahmen unternehmen, diese Arten in und um ihre Weinberge zu fördern. Zum Beispiel können gezielt Pflanzen gesät werden, deren Nachbarschaft die seltenen Kräuter, Blumen oder Sträucher mögen oder die als Nahrung von seltenen Insekten, Vögeln, Reptilien dienen. Massnahmen und Fortschritte werden notiert, einfach und unbürokratisch.

Neophyten bedrohen die Biodiversität

Der zweite Aspekt des neuen Artenschutz-Kapitels in den Delinat-Richtlinien regelt den Umgang mit eingeschleppten, invasiven Arten. Pflanzen nennt man «Neophyten», Tiere «Neozoen». Sie verursachen mehr Schäden, als bislang angenommen wurde und die Plage nimmt rapide zu. Auch wenn es darunter giftige Arten wie den Riesen-Bärenklau gibt, der bei Hautkontakt schwere Verbrennungen auslösen kann, so ist das Hauptproblem ein anderes: Die extrem rasche Ausbreitung der «Einwanderer». Wenn der Mensch nicht eingreift, können invasive Arten die einheimischen innerhalb weniger Jahre verdrängen. Das bringt eine Reihe von Problemen mit sich: Wenn eine Art zurück gedrängt wird, fehlt es spezialisierten Insekten an Nektar und Pollen, Kleintieren an Beute, in Symbiose lebenden Partnern an der Lebensgrundlage. Mit jeder von Invasoren zurück gedrängten einheimischen Art folgt ein grosses Sterben weiterer Arten und eine Verarmung der Biodiviersität.

Ambrosia
Das Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) wurde unbeabsichtigt aus Nordamerika eingeführt und wächst nun bei uns in Gärten, an Strassenrändern oder Bahndämmen. Es verursacht erhebliche Schäden in der Landwirtschaft, da es die Pflanzen konkurrenziert und die Ernte erschwert. Seine Pollen wirken stark allergisierend und können Asthmaanfälle auslösen (Quelle: Neophyt.ch).

Die Delinat-Richtlinien 2017 schreiben daher vor, dass Winzer die in ihrer Region bekannten invasiven Arten kennen und Vorkehrungen gegen ihre Verbreitung in und um die Weinberge treffen müssen.

Laubholzbockkäfer
Der Asiatische Laubholzbockkäfer wurde durch den Holzhandel und Bonsais aus Ostasien eingeschleppt. Er befällt und schädigt viele Laubbäume und wird so zum Problem für das Ökosystem. Er wird zu den hundert schädlichsten Invasoren gezählt und verursachte in den USA bereits Schäden in Höhe von 150 Millionen Dollar. Seit 2015 werden Freilandbefälle in Deutschland, Österreich und der Schweiz registriert (Quelle: Wikipedia).

Beide neuen Richtlinien-Punkte präzisieren das Delinat-Kernthema. Denn Vielfalt ist nicht gleich Vielfalt. Wichtig ist die Qualität der Artenvielfalt. Im Fall von Neophyten bedeutet eine auftauchende neue Art fast immer einen darauf folgenden Schwund einheimischer Arten und somit eine ärmere Biodiversität.

Die Delinat-Richtlinien-Entwicklung

Jahr für Jahr gibt es neue Anforderungen, die in die Delinat-Richtlinien aufgenommen werden. Diese schreibt Delinat aber nicht einfach vor. Sie werden zuerst von Experten beurteilt. Wenn diese den Nutzen anerkennen, dann werden als nächstes die Delinat-Winzer befragt. Sie haben stets einige Monate Zeit, Stellung dazu zu nehmen, Einwände vorzubringen und allfällige spezifische Problemfälle aufzuzeigen. Im Zweifel wird die Aufnahme der neuen Punkte in die Richtlinien um ein Jahr verschoben. Erst wenn wir sicher sind, dass die meisten Delinat-Winzer keine gravierenden Probleme mit den neuen Anforderungen bekommen und der Nutzen unbestritten ist, werden die Punkte in die Richtlinien aufgenommen. Es ist also ein demokratischer Prozess, der allerdings oft etwas Druck braucht, damit die Entwicklung weiter geht und das Regelwerk sich laufend verbessern kann.

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