Ein neuer Freund aus Südfrankreich

Mit Rosé hatte ich lange Zeit wenig bis nichts am Hut. Was also tun, mit den zahlreichen Flaschen aus dem Delinat-Sortiment, die sich in meinem Keller über mehrere Jahre angesammelt hatten? Da fielen mir jene Freunde ein, die sich in der warmen Jahreszeit jeweils am 1. Sonntag im Monat an den Gestaden des Sempachersees zum Boule-Spiel treffen. Zum Ritual gehört, den friedlichen Wettkampf unter Schatten spendenden Bäumen mit Baguette, Boursin und einem Glas Wein ausklingen zu lassen.

Boule Spiel im Schatten
Boule Spiel im Schatten

So nutzte ich also eines schönen Sonntags die Gunst der Stunde, um mit ein paar Flaschen Rosé aufzukreuzen. Natürlich war die Freude über die offerierten Tropfen, darunter eine Flasche Cuvée des Amis aus der Provence, gross und die ohnehin gute Stimmung bald noch besser. Anstandshalber schenkte ich mir selber auch ein Glas ein, denn des galt ja auf das siegreiche Team anzustossen! Und dann geschah es: Baguette, Boursin und Cuvée des Amis entpuppten sich nicht nur für alle andern, sondern auch für mich als traumhaftes Trio! Mon Dieu, was für ein zauberhafter Rosé de Provence. Obwohl er schon gut zwei Jahre in der Flasche lag, kam er noch immer wunderbar fruchtbetont und spritzig-frisch daher!

Weingut und Ferienresidenz Château Duvivier
Weingut und Ferienresidenz Château Duvivier

Ich erzählte meinen Boule-Freunden noch, dass die Cuvée des Amis von Château Duvivier stammt, jenem Delinat-eigenen Weingut, das vielen fortschrittlichen Winzern in ganz Europa als Inspirationsquelle für biologischen Weinbau mit reicher Biodiversität dient und als idyllische Ferienresidenz schon vielen Natur- und Weinliebhabern Einblick in den Weinbau der Zukunft gewährt hat. Und so schmeckten Cuvée des Amis & Co. gleich nochmals einen Tick besser.

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Südfrankreich – von der Masse zur Klasse

«Faire pisser la vigne», lautete bis in die 1980er-Jahre die Devise in Südfrankreich. Massen- und Überproduktion brachten nicht nur minderwertige Weinqualität, sondern trieben auch viele Weinbauern in den Ruin. Mittlerweile ist alles ganz anders.

Weinlandschaft im Languedoc
Weinlandschaft im Languedoc

In den Weinregionen Südfrankreichs hat vor rund 25 Jahren ein einzigartiges Qualitätsdenken eingesetzt. So haben etwa die Winzer der Corbières, dem grössten und bekanntesten Weinbaugebiet des Languedoc, nicht nur das grossartige Potential einheimischer Traubensorten wie Grenache, Syrah, Carignan oder Mourvèdre entdeckt. Sie haben auch gemerkt, dass sich das Klima hervorragend für biologischen Qualitätsweinbau und weitere bekannte Rebsorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot eignet. Da diese Sorten für AOP-Qualitätsweine (Appellation d’Origine Protégée) aus dem Languedoc nicht zugelassen sind, wurde die neue Klassifizierung Pays d‘Oc IGP (Indication Géographique Protégée) geschaffen. Ein Volltreffer, wie man heute weiss. Die preiswerten aber qualitätsvollen Landweine trugen das ihre zum Aufschwung der Region bei.

Klasse statt Masse – die Devise gilt heute nicht nur für das Languedoc, sondern auch für die einst ebenfalls für minderwertige Massenweine bekannten Weinregionen Côtes du Rhône und Provence. Das Rhonetal war lange Zeit eines der verkanntesten Weinbaugebiete Frankreichs. Doch auch hier haben Qualitätsdenken und Rückbesinnung auf biologischen Rebbau zu feurigen, dichten und aromatischen Rotweinen mit feiner Würze geführt, bei denen Syrah und Grenache die Hauptrollen spielen.

Blühender lavendel vor Weinberg

Die Provence, einst fast ausschliesslich für die Massenproduktion von Rosé-Weinen bekannt, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ihrerseits zu einer aufstrebenden Rotweinregion entwickelt. Insbesondere Rotweine aus der Côte de Provence, der grössten Appellation dieser Region, bestechen oft durch hohe Qualität. In ihnen spiegeln sich im besten Fall die feinen Düfte und Aromen der in bunten Farben erstrahlenden Provence-Landschaft.

Für alle Weinregionen Südfrankreichs gilt: Die Rotweine werden meist aus mehreren Traubensorten als Cuvées erzeugt. Zu den wichtigsten autochthonen Reborten zählen Syrah, Grenache, Carignan, Cinsault und Mourvèdre.

La Colle – die muntere Erntetruppe

La Colle

Traubenernte von Hand ist Knochenarbeit. Selbst im ländlichen Südfrankreich ist es heute fast unmöglich, eine einheimische Erntetruppe zu rekrutieren. Die Winzerfamilie Lignères arbeitet deshalb seit über 15 Jahren mit Bauernfamilien zusammen, die Jahr für Jahr mit dem Bus aus Andalusien anreisen.

Quesada ist ein kleines 500-Seelen-Dorf in Andalusien. Immer Mitte September steigen hier 30 Frauen und Männer, Jung und Alt, in einen alten klapprigen Bus. Im Gepäckraum lagert Proviant für einen ganzen Monat. Nach über 20stündiger Fahrt erreicht der Bus das kleine Winzerdorf Fontcouverte im südfranzösischen Languedoc. Auf dem Weingut der Familie Lignères beziehen die Erntehelfer aus Spanien für vier Wochen Quartier. Sie fühlen sich hier wie zu Hause, kochen und waschen selber und lassen nach Feierabend auch mal ein kleines Fest steigen.

Weinberg als «Hochzeitsfabrik»

So war es in den Vorjahren, so wird es heuer sein: «Es sind stets Leute aus mehreren Familien. Über all die Jahre ist so ein sehr herzliches und freundschaftliches Verhältnis entstanden. Auch die Erntehelfer untereinander kommen sich näher. In all den Jahren wurden bei uns im Weinberg schon fünf Hochzeiten angebahnt», erzählt Winzerin Anne Lignères. Sie begleitet la colle – so wird die Erntetruppe hier genannt – fast täglich in den Weinberg, schaut zum Rechten und koordiniert die Traubenlieferungen per Handy mit ihrem Mann Jean, der die Trauben im Keller in Empfang nimmt.

Zwei Frauen geben den Takt vor

Für die Erntearbeit gelten klare Regeln: Morgens früh lässt sich la colle auf dem Anhänger in den Rebberg chauffieren. Die Truppe ist aufgeteilt in sechs porteurs und 24 coupeurs. Mit andern Worten: Sechs Männer sammeln die von 24 Frauen und Männer gelesenen Trauben ein und tragen sie in ihrer Hutte zum Anhänger. Die beiden flinksten Ernterinnen heissen Joaquina und Lolli. Sie tragen den Titel mousseigne und geben für alle andern den Takt vor. «Wir müssen uns ganz schön sputen, um mit diesen beiden älteren Damen mithalten zu können», schmunzeln Kuka, Veronica und Jenifer – ein junges Frauentrio, das trotz harter Arbeit stets für ein Spässchen zu haben ist. Überhaupt verströmt die ganze Truppe fast ständig Fröhlichkeit und gute Laune im Weinberg. Die einen singen vor sich hin, andere plaudern miteinander. Und wenn Anne, la patronne, einmal gar eine halbe Stunde früher Feierabend gebietet, wird das mit einem freudigen Olé quittiert.

Juans Rückkehr in die Schweiz

Wenn la colle nach getaner Arbeit aufs Weingut zurückkehrt, wird aus frischem Gemüse und Obst vom Weingut und dem mitgebrachten Proviant das Nachtessen zubereitet. Juan, der Träger, überlässt das gerne den Frauen. Es kann sich das auch leisten, denn in diesem Jahr geniesst er einen besonderen Status: Die Familie Lignères widmet der Erntetruppe einen ihrer Weine. Er trägt den Namen La colle des Lignères. Jedes Jahr ziert das Konterfei eines Erntehelfers das Etikett. Für den Wein mit dem Jahrgang 2010, der jetzt trinkreif ist, fiel die Ehre Juan zu. Darauf ist er mächtig stolz: «Ich habe 17 Jahre bei der Paketpost in Zürich gearbeitet, ehe ich nach Andalusien heimgekehrt bin. Jetzt mit meinem Bild auf einer so guten Flasche Wein in die Schweiz zurückzukommen, ist einfach wunderbar.»

La Colle – die muntere Erntetruppe aus Andalusien

Nach 800 Velokilometern in den Beinen sehnt man sich nach ein paar geruhsamen Tagen. Doch nichts da: Nach der zwölftägigen Tour auf meist verkehrsarmen Nebenstrassen blieb mir nach der Ankunft am südfranzösischen Zielort Fontcouverte bloss der Sonntag als Ruhetag. Bereits am Montag gings zu früher Stunde mit Eimer und Schere ab in die steinigen Weinberge von Château la Baronne. Die Familie Lignères erzeugt hier für Delinat aus regionstypischen Trauben so hervorragende Rotweine wie Montagne de l’Aigle, Roches d’Aric und La Colle.

La Colle

La Colle: Die spanischen Erntehelfer/innen reisen seit über 15 Jahren jeweils Mitte September mit dem Bus aus Andalusien an.

 

Erntehelfer aus Andalusien

Letzterer ist der spanischen Erntetruppe gewidmet, die  innerhalb von 4 Wochen sämtliche Trauben auf dem 80 Hektar grossen Weingut von Hand erntet. Ab sofort bin ich für 10 Tage Mitglied von «La Colle», wie die Erntetruppe hier genannt wird. Diese ist bunt gemischt: Frauen, Männer, Jung und Alt. Die meisten stammen aus Bauernfamilien, die zu Hause in Andalusien von Olivenkulturen leben. Die Ernteeinsätze in Südfrankreich sind nicht nur ein willkommener Zusatzverdienst für die einfachen Bauersleute, bei einigen haben sie das Leben entscheidend beeinflusst. «In den über 15 Jahren, die wir mit dieser Truppe zusammenarbeiten, sind unter den Erntehelfern viele Freundschaften entstanden, aus denen sogar 5 Hochzeiten hervorgingen», erzählt mir Winzer Jean Lingnères, der hauptberuflich als Dorfarzt im kleinen Ort Moux tätig ist.

Traubenlese

Viele Weinberge bestehen aus niedrigen Buschreben und verlangen eine stark gebückte Haltung beim Ernten – links der Autor.

 

Ausgelassene Stimmung trotz harter Arbeit

Im Weinberg herrscht trotz harter Knochenarbeit stets eine fröhliche und ausgelassene Stimmung. Die Jungen singen zur Musik ab dem MP3-Player munter vor sich hin und sind stets für ein Spässchen zu haben, die Älteren sind gesprächig und erzählen von Einsätzen in früheren Jahren oder von ihrem Leben zu Hause. Fast den ganzen Tag mit im Weinberg dabei ist Winzerin Anne Lignères. Wenns mal ein kleines Problem gibt, löst es die fröhliche Anne im Nu. Ansonsten ist sie fast ständig per Handy mit ihrem Mann Jean verbunden, damit die Koordination zwischen Weinberg und Keller klappt.

La Colle im Weinberg

La Colle im Weinberg – neben der harten Arbeit immer für ein Spässchen zu haben.

 

Abstecher in den Keller

Nach 8 Stunden Handernte am Fusse des Montagne d’Aric schmerzt mein Rücken, ich strecke und dehne mich und bin froh, die ersten Stunden des nächsten Tages im Keller zu verbringen. Ich helfe französischen und portugiesischen Mitarbeitern bei der Traubenannahme und der Triage. Mehrmals werden die Trauben von Hand verlesen, damit  keine Fremdkörper wie Blätter, Grashalme oder Schneckenhäuschen ins Fass gelangen. Neben Jean haben im Keller zwei junge italienische Önologen das Sagen. Sie führen mich in einwandfreiem Französisch in die Geheimnisse der Maischegärung ein.

Triage

Der Autor (links) bei der Triage, der aufwändigen Selektion der Trauben auf dem Förderband.

 

Etwa 10 Prozent der Ernte wird bei den Gebrüdern Lignères zu Vin naturel verarbeitet. Das bedeutet: Kein Schwefelzusatz und keine technischen Hilfsmittel wie Pumpen oder Pressen. Die ersten Schichten der mitsamt Stielen in grosse Holzfässer gefüllten Trauben werden mit nackten Füssen getreten. Die vielen Fahrrad-Kilometer kommen mir hier zu Gute – ich stampfe ohne grössere Konditionsschwächen rund 20 Minuten auf den frisch geernteten Trauben herum. Am Nachmittag gehts mit der Erntetruppe wieder hinaus in die Weinberge. Nach 10 strengen, aber hoch interessanten Tagen und vielen herzlichen Begegnungen mit Menschen aus halb Europa geht meine Reise per Zug zurück in die Schweiz. «La Colle» macht noch knapp drei Wochen weiter, bis dann Mitte Oktober die letzten Trauben im Keller sind.

PS: Ach ja, da waren ja auch noch zwei überraschende Begegnungen mit Delinat-Kunden. Ein Ehepaar aus Süddeutschland steuerte das Weingut aufgrund unserer Reportage in der WeinLese 26 (PDF) mit dem Fahrrad an und freute sich, hier ausgerechnet auf den Autor der Reportage zu stossen. Und ein Schweizer Ehepaar aus dem Kanton Bern wollte unbedingt den Weinberg sehen, dessen Boden mit faustgrossen Steinen übersät ist. «Das sieht ja tatsächlich wie eine Geröllhalde aus – erstaunlich, dass hier überhaupt Reben wachsen», so ihr Kommentar.

Reise ins Weinparadies

Picknick unter schattigen Bäumen im lauschigen Garten der Domaine Lignères ein paar Kilometer nördlich von Narbonne. Nur schon die leuchtende Landschaft und die gedeckte Tafel erinnern ans Paradies. Als die beiden Winzer-Brüder Paul und Jean Lignères zu den feinen Häppchen aus der Küche von Anne auch noch ihre Weine kredenzen, sind wir definitiv im Garten Eden angekommen.

Picknick Domaine Lignères

Wie Gott in (Süd-)Frankreich: Anne Lignères ist die perfekte Gastgeberin. Ohne ausgedehntes Mahl gibt es kein Entkommen.

Genauso faszinierend wie das Picknick sind Geschichte und Philosophie, die Anne, Jean und Paul in ungezwungener Atmosphäre über ihr Weingut preisgeben. Eigentlich sind die beiden Brüder von Beruf Arzt – Jean Dorfarzt in Moux, Paul Zahnarzt in Narbonne. Als es aber vor ein paar Jahren darum ging, das Weingut ihrer Eltern weiterzuführen, begann ihr Herz immer mehr für Wein statt Medizin zu schlagen. Heute sind beide beides: Arzt und Biowinzer – letzteres mit ständig steigender Passion.

Im Westen Carignan und Mourvèdre…

Auf ihrem Weingut dominiert seit eh und je die für das Corbières klassische Carignan-Rebe. Eine anspruchsvolle, widerspenstige Sorte – aus der sich nur mit grosser Hingabe und Fingerspitzengefühl tolle Weine gewinnen lassen. «Gerade deshalb ist sie unsere Lieblingsrebe», beteuern die beiden Brüder. Carignan ist das Markenzeichen aller Lignères-Weine, wobei die Sorte meist mit andern südfranzösischen Traubenklassikern wie Grenache und Mourvèdre assembliert wird.

… im Osten Syrah und Grenache

Was bei den Lignères die Carignan, ist bei Louis Fabre, der mit seinem Château Coulon keine 30 Kilometer entfernt liegt, die Mourvèdre.

Louis Fabre im Weinberg

Mit der Château Coulon Sèlection spèciale gelingt Louis Fabre Jahr für Jahr eine überaus beliebte Assemblage aus den vier typischen südfranzösischen Traubensorten Syrah, Grenache, Mourvèdre und Carignan.

Carignan wie Mourvèdre fühlen sich im heissen, trockenen Westen Südfrankreichs deutlich wohler als etwa in der Provence, wo sie das Klima krankheitsanfälliger macht. Hier setzen Antoine Kaufmann von Château Duvivier und Volker Paul Weindel von La Tour des Vidaux auf die allgemein bekannteren Syrah und Grenache, um daraus ihre besten Gewächse zu keltern. Nach einer Woche unterwegs durchs Weinparadies Südfrankreich können wir gut nachvollziehen, weshalb die hier gebotene Weinvielfalt immer mehr Anhänger findet. Lust auf eine Kostprobe? Die finden Sie hier.

Antoine Kaufmann vom Château Duvivier

Antoine Kaufmann kombiniert die Edelrebe Syrah meist mit Cabernet Sauvignon und Grenache.

PS: Den ausführlichen Reisebericht des Delinat-Trios Emil Hauser, Richard Zumkemi und Hans Wüst sowie ausführliche Infos über die vier Traubenklassiker finden sie in der  WeinLese 26 (PDF).

Madame Delmas drückt aufs Gaspedal

Letzte Station unserer achttägigen Südfrankreich-Reise ist die Domaine Delmas in Antugnac südlich von Carcassonne. Bernard Delmas ist ein wahrer Meister in der Schaumweinherstellung. Nach einem Rundgang durch die Weinberge degustieren wir zusammen mit ihm und seiner Frau Marlène verschiedene Crémant und Blanquette de Limoux.

Domaine Delmas

Delmas steht für beste Schaumweinqualität aus dem Languedoc.

Beide Schaumweine entstehen im traditionellen Champagner-Verfahren. Die Qualität dieser perlenden Preziosen überzeugt mich immer wieder aufs Neue. Anschliessend gehts in den Keller, wo die jüngsten Grundweine aus den Sorten Chardonnay, Chenin Blanc und Pinot Noir sowie der autochthonen Mauzac probiert werden. Sie reifen separat in Stahltanks, ehe sie dann in der Flasche vereint die zweite Gärung durchmachen und so die feine Perlage und ihr unverwechselbares Aroma erhalten.

Domaine Delmas

Bernard und Marlène Delmas haben mit ihren Crémant de Limoux und Blanquette de Limoux grossen Erfolg.

Die Zeit wird knapp

Plötzlich läuft uns die Zeit davon. Um 11.30 Uhr gilt es, den reservierten TGV im 50 Kilometer entfernten Carcassonne zu erwischen. Marlène Delmas chauffiert uns hin. «Meine Frau fährt sehr gut Auto», ruft uns Bernard Delmas noch nach, nachdem wir uns verabschiedet und den Wagen bestiegen haben. «Keine Angst vor einer Frau am Steuer», versichert sich wenig später unsere Chauffeuse, während sie sicher und routiniert die schmalen Strassen durch das Tal der Aude meistert. In der kleinen Stadt Limoux beginnts zu stauen. Wir kommen während längerer Zeit nur noch zähflüssig voran – die Zeit wird langsam knapp. Als sich der Knoten löst, drückt Madame gehörig aufs Gas, überholt Fahrzeug um Fahrzeug. Zehn Minuten bevor der Zug fährt, halten wir direkt vor dem Bahnhof: «Uff, das war knapp», entfährt Marlène ein tiefer Seufzer. Wir sagen «Chapeau, Madame» und verabschieden uns mit gehörigem Respekt vor ihren Fahrkünsten.

Erfreuliche Ernteaussichten

Auf der achtstündigen Zugfahrt zurück in die Schweiz bleibt viel Zeit, die intensive Reise zu reflektieren. Wir haben viel Erfreuliches und Ermutigendes gesehen und erlebt. Dazu gehört ganz generell eine vielversprechende Aussicht auf die Traubenernte 2011, die in den nächsten Tagen in ganz Südfrankreich beginnt.

Syrah

Die Weinlese steht vor der Tür: Alle unsere Biowinzer in Südfrankreich können schöne und gesunde Trauben ernten.

Im Gegensatz zu den knochentrockenen Vorjahren waren sowohl die Provence wie auch das Languedoc heuer mit ausreichend Niederschlägen gesegnet. Gesundes und reifes Traubengut wartet jetzt darauf, von fleissigen Winzerhänden geerntet zu werden. Und wir dürfen uns auf einen ausgezeichneten neuen Weinjahrgang freuen.

Alle Artikel der Reise nach Südfrankreich:
Tag 1: Edles Gewürz und edle Weine
Tag 2: Der ganze Weinberg ein einziger Hotspot
Tag 3: Verheissungsvolle Wein-Entdeckungen
Tag 4: Stille Wein-Revoluzzer mit Doktorhut
Tag 5: Madame Delmas drückt aufs Gaspedal

Verheissungsvolle Wein-Entdeckungen

Provence adieu. Wir reisen westwärts Richtung Languedoc. Im Westen nichts Neues? Ganz im Gegenteil. Mit unserem langjährigen Südfrankreich-Partner Gilles Louvet machen wir uns auf die Suche nach neuen Bioweingütern. Nordwestlich von Avignon treffen wir im kleinen Städtchen Goudargues, das mit seinen offenen Kanälen einen Hauch von Venedig verbreitet, auf Brigitte Martinez und Philipp Dubois. Ihre Grenache-, Syrah– und Cinsault-Rebstöcke wachsen am Fusse der wellenförmigen Hügelkette La Font des Couteaux. Das gleichnamige Weingut bietet dem Winzerpaar und seinen beiden Kindern derzeit bloss Teilerwerb. Philipp arbeitet hauptberuflich als Erzieher in einer Behindertenwerkstätte. Seine Wochenenden aber gehören der Familie und dem Rebberg.

La Font des Coutaux

Sie freuen sich auf die Zusammenarbeit: Philippe Dubois und Brigitte Martinez mit dem Autor (Mitte).

Wein aus roter Erde

Als Volltreffer entpuppt sich auch unsere nächste Neuentdeckung: Am landschaftlich reizvollen Lac du Salagou, 50 Kilometer westlich von Montpellier, hat sich Sébastien Rouve einen Traum erfüllt. Schon seine Grosseltern und Eltern haben Weinbau betrieben, die Trauben aber an eine Genossenschaft verkauft. «Ich habe immer gesagt: Eines Tages steht mein eigener Name auf der Etikette», erzählt uns Sébastien. 2007 wurde sein Traum wahr – das Weingut Mon Rève war geboren. Seither keltert er seine Trauben (Syrah, Grenache, Carignan, Mourvèdre, Vermentino, Grenache Blanc, Roussanne und Grenache Gris) selber. Sie gedeihen fast alle auf leuchtend roten Schiefböden.

Mon Rève

Sébastien Rouve hat sich am Lac du Salagou mit dem Weingut Mon Rève einen Traum erfüllt.

Die beiden neuen Weingüter haben mich mit ihrer Weinqualität und ihrem ehrlichen Bekenntnis zum ökologischen Weinbau überzeugt. Sie werden diese Weine demnächst neu im Delinat-Sortiment finden.

Und noch ein Geheimtipp…

Sébastian Rouve hat uns übrigens seinerseits eine Entdeckung beschert, die ich allen Südfrankreich-Reisenden, die einen Abstecher ins rot schimmernde Bike- und Wanderparadies rund um den Lac du Salagou planen, nicht vorenthalten möchte. Etwas abseits vom See führt die gebürtige Bernerin Margrit Roth das Hotel-Restaurant La Palombe. Während sie für chaleureuse Gastfreundschaft sorgt, zaubert ihre französische Küchenchefin Gerichte auf den Teller, die punkto Preis-Genuss ihresgleichen suchen.

La Palombe

Wirtin Margrit Roth überrascht im Restaurant La Palombe nicht nur mir ausgezeichneter Küche, sondern auch mit einer schönen Auswahl an Bioweinen.

Dass uns Sébastien in dieses kleine Schlemmerparadies entführte, hatte natürlich noch einen anderen Hintergrund. Im stark biogeprägten Weinangebot figurieren auch jene von Mon Rève. Uns wars recht: So konnten wir uns unisono davon überzeugen, dass die Weine von Sébastien Rouve auch höchsten kulinarischen Ansprüchen problemlos genügen.

Alle Artikel der Reise nach Südfrankreich:
Tag 1: Edles Gewürz und edle Weine
Tag 2: Der ganze Weinberg ein einziger Hotspot
Tag 3: Verheissungsvolle Wein-Entdeckungen
Tag 4: Stille Wein-Revoluzzer mit Doktorhut
Tag 5: Madame Delmas drückt aufs Gaspedal

Edles Gewürz und edle Weine

Erste Station unserer Südfrankreichreise ist ein guter Bekannter: Seit 1998 wird das Delinat-eigene Weingut Château Duvivier in der Provence von Antoine Kaufmann bewirtschaftet. Ich staune immer wieder, mit welchem Engagement und welchen Ideen der Winzer die ökologische Revolution und die natürliche Vielfalt in seinen Weinbergen vorantreibt.

Die ökologischen Hotspots, die Winzerkollegen aus ganz Europa im Frühling 2010 gepflanzt haben, gedeihen prächtig.

Bei unserem Spaziergang durch die Rebanlagen interessieren uns vorerst die ökologischen Hotspots, die beim Winzertreffen 2010 von Biowinzern aus ganz Europa angepflanzt worden waren. Die kleinen Setzlinge haben sich in rund anderthalb Jahren zu stattlichen Sträuchern und kleinen Bäumchen entwickelt und sorgen so bereits für viel Abwechslung im Weinberg.

10 000 Safran-Setzlinge

Ein imposanter «Hotspot» innerhalb der Weinberge ist auch der grosse Gemüsegarten, wo gerade reife Tomaten, Kürbisse, Zucchini und andere Gemüse darauf warten, in der Schlossküche zu kulinarischen Leckereien verarbeitet zu werden. Direkt neben dem Garten zeigt uns Antoine ein brachliegendes Feld. Hier pflanzt er in den nächsten Tagen rund 10 000 Safran-Zwiebeln. Bereits Ende Oktober wird das Feld dann erstmals bläulich leuchten und die ersten Safranblüten können geerntet werden.

Antoine Kaufmann vor dem Feld, auf dem er in diesen Tagen 10 000 Safran-Zwiebeln setzt.

Damit entsteht auf Duvivier ein weiterer, farbiger Hotspot, der auch wirtschaftlich etwas abwerfen soll. 180 Blüten ergeben rund 1 Gramm rot-orange Safran-Fäden. Der Verkaufspreis dafür liegt laut Antoine bei rund 30 Euro. Das wertvolle Gewürz soll vor allem den Château-Gästen zum Kauf angeboten werden.

Vor verschlossenen Château-Türen

Wie sehr sich die ökologischen Bemühungen auch in der Qualität der Duvivier-Weine niederschlagen, durften wir dann einmal mehr bei einem gemeinsamen kulinarisch hochstehenden Nachtessen im abgelegenen, privaten Zuhause von Antoine und Irene Kaufmann feststellen.

Privataudienz bei Irene und Antoine Kaufmann: Richard Zumkemi (rechts) und der Autor freuen sich auf ein gediegenes Diner mit Duvivier-Wein.

Es wurde spät an diesem lauwarmen Sommerabend auf der weitläufigen Gartenterrasse. So spät, dass wir bei der Rückkehr zu unseren Gemächern im Château Duvivier unverhofft vor verschlossenen Türen standen. Uns blieb nichts anders übrig, als Schlossherrin Sylvia Fahs weit nach Mitternacht aus dem Bett zu klingeln. Sie nahms, trotz strengem Arbeitstag, mit Humor…

Alle Artikel der Reise nach Südfrankreich:
Tag 1: Edles Gewürz und edle Weine
Tag 2: Der ganze Weinberg ein einziger Hotspot
Tag 3: Verheissungsvolle Wein-Entdeckungen
Tag 4: Stille Wein-Revoluzzer mit Doktorhut
Tag 5: Madame Delmas drückt aufs Gaspedal

Roséweine – nicht nur aus der Provence

Ich erinnere mich noch gut: Früher kamen fast alle Roséweine aus der Provence. Und sie hatten einen ziemlich schlechten Ruf – waren als billige Massenweine abgestempelt. Als Schweizer wich ich deshalb gerne auf einen Walliser oder Neuenburger Oeil de Perdrix aus.

Ein schöner Frühlingstag in Südfrankreich: nicht die einzige, aber eine der verlockendsten Gelegenheiten, ein Glas Rosé zu geniessen.
Ein schöner Frühlingstag in Südfrankreich: nicht die einzige, aber eine der verlockendsten Gelegenheiten, ein Glas Rosé zu geniessen.

Die Zeiten haben sich geändert. Längst werden Roséweine in allen bekannten Weinländern Europas in ausgezeichneter Qualität hergestellt. Dank Qualitätsschub sind die rosafarbenen Gewächse seit Jahren im Aufwind. Die zunehmende Konkurrenz hat nicht zuletzt Frankreich, dem Mutterland des Rosés, gut getan. Aus der Provence kommen heute zahlreiche erstklassige Gewächse. Dazu gehört unbestritten Antoine Kaufmanns Cuvée des Amis von Château Duvivier.

Provence – wichtigste Rosé-Region

Die Provence ist bis heute die wichtigste Rosé-Region geblieben. In einer faszinierenden Landschaft mit farbenprächtigen und herrlich duftenden Lavendel- und Mohnfeldern wird zu 80 Prozent Rosé produziert. Mit jährlich rund 900 000 Hektolitern (rund 8 Prozent der weltweiten Produktionsmenge) ist die Provence in Frankreich der mit Abstand grösste Produzent. Daneben gehören aber auch das Rhonetal und das Languedoc zum typischen französischen «Roséland». Mit dem Domaine Mon Rêve Les Ruffes du Salagou rosé, dem Maison Coulon Rosé und dem Villa Veredus stehen gleich drei beliebte Tropfen aus dem Languedoc im Delinat-Sortiment.

Wer indes die ganze Rosé-Vielfalt kennenlernen und geniessen will, der kommt an Ländern wie Spanien, Italien, Deutschland oder auch Griechenland nicht mehr vorbei. Auch hier haben wir ein paar erstklassige Vertreter anzubieten. Zeit also für einen vorurteilslosen Streifzug durch diese frisch-fruchtigen Sommerweine. Die Chance, dass ein allfälliges Rosé-Trauma aus früheren Zeiten definitiv getilgt wird, ist gross.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Sommerzeit beim einen oder anderen Glas Rosé!

–> Hier gelangen Sie zu einer Übersicht aller verfügbaren Roséweine.