Böse Bienen und blutrünstige Zecken

Heute erfahren wir am eigenen Leib, mit welchen grossen und kleinen Gefahren bulgarische Bienenzüchter in ihrem Imkeralltag zu kämpfen haben. Wir sind bei Imker Asen Asenov weitab von jedem Dorf im Naturpark Rusenski Lom im Nordosten Bulgariens. Rund 200 Bienenstöcke stehen hier in und vor einem lichten Wald.

Imker in Bulgarien

Imker Asen Asenov zeigt uns Relikte aus vergangenen Zeiten – hier ein ehemaliger Bienenstock. Ich schütze mich angesichts der vitalen Bienen lieber mit professioneller Vollmontur (rechts).

Ist es der Lärm einer alten Mähmaschine in der Nähe, der die Bienen verrückt macht? Jedenfalls gebärden sie sich in höchstem Masse aggressiv. Da hilft nur gute Schutzkleidung. Die schwarze, kurze Hose von Delinat-Reporter Hans Wüst ist aber das pure Gegenteil.

Bienenhonig in Bulgarien

Aggressive Bienen: Gute Schutzkleidung tut Not.

Ein Fotoshooting mit mir und dem Imker fällt einer Bienenattacke zum Opfer. Fotograf Hans sucht fluchtartig das Weite. Mit einem Stich in die linke Wade kommt er letztlich noch glimpflich davon. Mir selber bleiben glücklicherweise geschwollene Körperteile erspart. Dafür entdecke ich am Abend im Hotel eine kleine, schwarze Zecke, die sich draussen in der wilden und teilweise noch unberührten bulgarischen Natur an meinem Körper festgesaugt hat.

Schlangenbändiger

Mit stechenden Bienen und beissenden Zecken sind die Imker im Frühling fast täglich konfrontiert. Schon etwas spezieller ist die Begegnung, die uns Bienenzüchter und Hobbywinzer Marcho Alexandrov in seiner Pergola in dramatischem Jägerlatein schildert. Er hält in der Nähe des Tichasees knapp 100 Kilometer von der Schwarzmeerküste entfernt 40 Bienenvölker.

Schlangenfaenger

Marcho Alexandrov züchtet nicht nur Bienen, er ist auch Hobbywinzer und «Schlangenbändiger».

Vor ein paar Tagen wurde er in seinem Garten von einer 1,5 Meter langen Würgeschlange bedroht. Mit einem gezielten Stockschlag gelang es ihm, die seinen Aussagen zufolge tödliche Gefahr zu bändigen. Zum Beweis, dass er uns keine Räubergeschichte auftischt, führt er uns auf eine Wiese, greift ins hohe Gras und hebt das tote Reptil in die Höhe. Dann stossen wir mit seinen sehr speziellen Weinen, die er ausschliesslich für den Eigenkonsum keltert, auf ein gutes Honigjahr 2011 an.

Alle Reiseberichte aus Bulgarien:
Tag 1: Ein glückliches Leben dank Bienenzucht
Tag 2: Böse Bienen und blutrünstige Zecken
Tag 3: Der kalte Hauch des Kommunismus

Ein glückliches Leben dank Bienenzucht

Für einmal bin ich nicht in Sachen Wein, sondern zusammen mit unserem Reporter Hans Wüst in Sachen Bio-Honig in Bulgarien unterwegs. Was beim Wein Standard ist, gilt auch hier: Wir wollen vor Ort erfahren, in welchem Umfeld die verschiedenen Honige entstehen, welche Menschen dahinterstecken und wie sie produziert werden. Den Zeitpunkt für die Reise habe ich bewusst gewählt: Jetzt stehen die grossflächigen Robinienwälder in voller Blüte. Die Bienen umschwärmen die weissen Blüten und holen sich den Nektar für den beliebten Akazienhonig.

Akazien in Bulgarien

Zurzeit blühen in Bulgarien die Robinien (Falsche Akazie). Aus dem Nektar produzieren die Bienen den beliebten Akazienhonig.

Kundiger Reiseführer

In Sofia treffen wir unseren englisch sprechenden Honig-Partner Gerasim Dochev, der uns in die entlegensten Winkel Bulgariens zu den Bienenzüchtern führt. Die Imker sind einfache Bauersleute, die neben bulgarisch höchstens noch etwas russisch sprechen. So sind wir froh um die Reiseführer- und Dolmetscherqualitäten von Gerasim, der uns auf dieser Reise mit seinem grossen geschichtlichen Hintergrundwissen und einigen Abstechern zu historischen und kulturellen Stätten auch viel über die bulgarische Kultur und Geschichte vermittelt.

Bauernfuhrwerk in Bulgarien

Die Bilder auf dem Land erinnern an alte Zeiten: Viele Bauern sind noch mit Ross und Wagen unterwegs aufs Feld.

Bilder wie vor 100 Jahren

Erste Station ist das kleine, abgelegene Dorf Chilnov im Naturpark Rusenski Lom im Nordosten Bulgariens. Auf dem Weg zu Bienenzüchter Nuereitin Nieziew wird rasch klar, wie ärmlich und einfach das ländliche Leben in Bulgarien bis heute geblieben ist. Viele Bauern sind noch immer mit Ross und Wagen unterwegs. Nuereitin zeigt uns seine hellblauen und gelben Bienenstöcke inmitten blühender Robinien. Hier summt und brummt es – die Produktion von Akazienhonig läuft in diesem Frühling auf Hochtouren. Ganz anders als im letzten Jahr, als die Ernte von Akazienhonig wegen starken Regenfällen und tiefen Temperaturen fast vollständig ausgefallen war.

Imker in Bulgarien

Nuereitin Nieziew mitten in seinen Bienenstöcken unter blühenden Robinien. Vom weltweiten Bienensterben sind seine Völker bisher verschont geblieben.

Gesunde Bienenvölker

Fast schüchtern erzählt der 42-Jährige von seinem einfachen Leben als Bienenzüchter. Seine 150 Bienenvölker produzieren neben Akazien- vor allem auch Lindenhonig. Probleme mit Krankheiten oder Bienensterben kennt er kaum: «Ich züchte alle meine Königinnen selber. Ausserdem ernähren sich meine Bienen im Winter vom eigenen Honig. Es gibt keine Zufütterung», nennt er neben der intakten Natur zwei weitere Gründe für die robuste Gesundheit seiner Völker. Die Bienenzucht ermöglicht Nuereitin und seiner Familie eine gute Existenz. Seine Ansprüche sind allerdings bescheiden. «Ich war bisher erst einmal in meinem Leben in Sofia, im Ausland noch überhaupt nie», sagt er. Dann steigt er in seinen 14jährigen Lada und führt uns über löchrige Strassen zu den nächsten Imkern.

Alle Reiseberichte aus Bulgarien:
Tag 1: Ein glückliches Leben dank Bienenzucht
Tag 2: Böse Bienen und blutrünstige Zecken
Tag 3: Der kalte Hauch des Kommunismus

Das Delinat-Forschungs-Netzwerk

Wie lassen sich praktisch identische ökologische und wirtschaftliche Probleme in Weinbaugebieten mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen und Bodenbeschaffenheiten lösen? Mit dieser zentralen Frage beschäftigt sich das Delinat-Institut für Ökologie und Klimafarming intensiv. Es geht darum, neuen Methoden der Begrünung, der Bodenaktivierung, der Biodiversifizierung und der Reduktion von Klimagasen zum Durchbruch zu verhelfen – europaweit.

Weingut Mosel

Timo Dienhart, engagierter Jungwinzer an der Mosel, hat bereits einige Biodiversitäts-Projekte auf den Weg gebracht. Hier zeigt er ein in die Rebzeile integriertes Insektenhotel.

Vier Delinat-Modellweingüter

Das Delinat-Institut im Wallis wählt dafür einen pragmatischen Ansatz: Die in den erwähnten Bereichen bereits bestehende und bewährte Forschungspartnerschaft mit dem Weingut von Château Duvivier in Frankreich wird auf drei weitere Güter in Ländern mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen ausgedehnt. Zu neuen Delinat-Modellgütern werden somit ein sommertrockenes Gut in Spanien (Pago Casa Gran, Valencia), ein extrem sommertrockenes italienisches Gut (Maggio Vini, Sizilien) sowie ein regenreicheres deutsches Gut (Römerkelter, Mosel.

Ausbildungszentren für Delinat-Winzer

Das Institut und die vier Weingüter bilden neu das Delinat-Forschungs-Netzwerk. Sie nehmen an gemeinsamen, vom Delinat-Institut koordinierten wissenschaftlichen Versuchen teil, um die Praxistauglichkeit neuer Methoden für einen klimaneutralen Qualitätsweinbau mit hoher Biodiversität international unter Beweis zu stellen. Konkret geht es zum Beispiel um den Einsatz von Biokohle, die Optimierung der Begrünungssysteme und die Entwicklung neuer Mischkulturen.

Gleichzeitig werden alle Modellgüter zum Ausbildungszentrum für die Delinat-Winzer des jeweiligen Landes. Um ihre Vorbildfunktion wahrnehmen zu können, sollen sie möglichst rasch die höchste Qualitätsstufe der Delinat-Richtlinien (3 Schnecken) erreichen. Ziel ist, dass andere Delinat-Weingüter sukzessive nachziehen und ebenfalls dieses ambitiöse Niveau erreichen.

Mit ehrgeizigen Projekten auf Top-Niveau

Für 2011 haben wir uns ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Alle Rebflächen rund ums Château Duvivier sollen den höchsten ökologischen Qualitätsanforderungen entsprechen, die Delinat in den neuen, überaus ambitiösen Richtlinien postuliert. Um auf dieses Top-Niveau zu gelangen, das im Moment wohl noch kein Weingut erreicht, erstellen wir drei bis vier weitere biologische Hotspots.

Hotspot im Weinberg

Auf diesem Bild von Anfang März ist der neu angelegte Hotspot in den Weinbergen auf Château Duvivier noch unscheinbar; in wenigen Wochen wird sich das ändern.

Neue Hotspots entstehen

Auf allen Parzellen werden Reben herausgenommen, um Platz zu machen für rund 100 m2 grosse Inseln mit Fruchtbäumen, Kräutern, Sträuchern, Steinhaufen und Bienenhotels. Zusätzlich pflanzen wir entlang der Strasse, die an unserem Weingut vorbeiführt, eine Baumreihe mit Pappeln und Weiden. Das bewahrt uns nicht nur vor Verkehrslärm, sondern bringt auch neue Nistplätze für Vögel. Insgesamt entstehen so im Verlaufe dieses Jahres nahezu perfekte Voraussetzungen für eine grosse Artenvielfalt und einen geschlossen Naturkreislauf. Davon versprechen wir uns nicht zuletzt nochmals einen Qualitätssprung bei unseren Weinen.

Versuche mit Kompost und Biokohle

Ein weiteres wichtiges Projekt, das wir im Moment umsetzen, ist der Bau eines grossen Kompostierplatzes. Grüngut aus den umliegenden Gemeinden wird hier zusammen mit Kuh- und Schaftmist zu einem hochwertigen Kompost verarbeitet. Sobald der erste Kompost reif ist, starten wir in Zusammenarbeit mit dem Delinat-Institut einen Grossversuch. Dieser soll Aufschluss über die Wirkung von Kompost und Biokohle als Nährstofflieferanten und Bodenverbesserer im Weinberg geben.

Nach einem eher ruhigen, besinnlichen Winter wartet jetzt also wieder viel Arbeit in der freien Natur der Provence. Gerne lassen wir uns von der sprühenden Kraft des erwachenden Frühlings anstecken und nehmen das Weinjahr 2011 mit Elan und Zuversicht in Angriff.

Blick über den eigenen Gartenzaun

Gegenseitiger Erfahrungs- und Gedankenaustausch, die Vermittlung neuer Erkenntnisse, aber auch geselliges Zusammensein stehen im Zentrum der jährlichen Delinat-Winzertreffen. 2011 fand erstmals nicht mehr ein zentrales Treffen auf Château Duvivier statt. Stattdessen trafen sich in den vergangenen Wochen Ökologen, Önologen und Berater von Delinat mit den Biowinzern an dezentralen, länderspezifischen Anlässen in Spanien, Frankreich und Italien.

Winzertreffen Spanien

Der guten Stimmung der Winzer in Spanien konnte selbst der anhaltende Regen nichts anhaben.

Wetterpech in Spanien…

Viele Winzer haben im vergangenen Winter in ihren Weinbergen ökologische Hotspots zur Verbesserung der Biodiversität angepflanzt. So konnten etwa die spanischen Winzer bei ihrem verregneten Treffen auf dem Weingut Quaderna Via in der Navarra einen neu angelegten Hotspot mit Zypresse und Wildkräutern besichtigen. Ziel solcher Hotspots ist die Schaffung neuer Lebensräume und damit eine Verbesserung der Biodiversität innerhalb der Rebberge.

… viel Sonne in Frankreich und Italien

Mehr Wetterglück bei ihren Treffen hatten die französischen Winzer bei einer Genossenschaft von Gilles Louvet in Südfrankreich und die Italiener, die sich in der Toskana auf dem Weingut Salustri trafen. An beiden Treffen waren die Begrünungssysteme ein zentrales Thema. Blühende Teppiche innerhalb der Weinberge sollen einerseits die Reben mit natürlichen Nährstoffen versorgen und andererseits den Wasserhaushalt im Boden regulieren. Viele Winzer sehen die möglichen positiven Auswirkungen solcher Begrünungen, haben aber noch Respekt vor dem Trockenstress der Reben im Sommer, wenn es wochenlang nicht regnet.

Neue Aufschlüsse darüber könnte ein Versuch von Massimo Maggio aus Sizilien liefern. Er präsentierte seine mit dem Delinat-Institut erarbeiteten Begrünungsstrategien. Bereits jetzt zeigt sich, dass selbst im Süden von Sizilien, wo zwischen April und September kein Tropfen Regen fällt, eine Teilbegrünung möglich ist.

Grosses Interesse an Biokohle

Auf grosses Interesse stiess an allen Treffen auch der Einsatz von Biokohle und ihr Einfluss auf die Bodenfruchtbarkeit. Etliche Delinat-Winzer aus ganz Europa haben vor wenigen Wochen die erste Lieferung Biokohle erhalten, die sie jetzt versuchsweise zusammen mit Kompost in die Weinberge ausbringen.

Artenvielfalt statt Agro-Gentechnik

87 Prozent der Deutschen lehnen Agro-Gentechnik ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundesamts für Naturschutz (BfN) im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMU) vom Oktober 2010.

Um den politischen Diskurs anzuregen und auch bei den verantwortlichen Politikern in ganz Europa einen Meinungswandel zu bewirken, ist in Deutschland auf Initiative von Alnatura die breit angelegte Kampagne Vielfalterleben angelaufen. Diese verlangt die Förderung der Artenvielfalt und eine Abkehr von der Agro-Gentechnik.

Wer sich gegen Genpflanzen auf dem Acker und in unserem Essen engagieren möchte, kann jetzt die öffentliche Petition unterschreiben.

Unterschriften für Artenvielfalt

Schwerpunkt der Kampagne ist die öffentliche Petition vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Der BÖLW fordert einen Zulassungstopp für den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO). Während drei Wochen werden Unterschriften gesammelt – auch in der Schweiz und Österreich. Die Kampagne wird von über 120 Partnern (WWF, Bioland, usw.) getragen. Sie liegt auch klar auf der Linie von Delinat: Im biologischen Weinbau ist Gentechik absolut tabu – seit jeher setzen wir uns stattdessen für mehr Biodiversität und damit eine grössere Artenvielfalt ein. Deshalb unterstützen wir mit Überzeugung die Aktion Vielfalterleben.

Die Petition ist gestern, am 28. März gestartet. Bis zum 19. April müssen nun 50’000 Unterzeichner gewonnen werden. Wir freuen uns, wenn auch Sie mithelfen, die Artenvielfalt zu fördern. Alles Wissenswerte und die verschiedenen Mitmachoptionen finden Sie unter www.vielfalterleben.info. Herzlichen Dank!

Originelle «Hotspots» in der La Mancha

Mechanisierung und Chemikalien haben in vielen Weinbergen Europas Insekten, Rebbergflora und wichtige Landschaftselemente wie Bäume, Hecken und Bruchsteinmauern zum Verschwinden gebracht. Die daraus resultierenden Nachteile und Verluste werden immer deutlicher. Anstrengungen für mehr Ökologie und Biodiversität tun Not. Immer wieder propagieren wir deshalb die Anlage von biologischen Hotspots inmitten von Rebbergen. So werden Monokulturen aufgebrochen und die Artenvielfalt gefördert.

Hasenburg

Ursprüngliche, von Menschenhand geschaffene Steininseln bilden in der la Mancha eine Zuflucht für Hasen.

Wenn die Welt noch in Ordnung ist…

Bei Reisen zu unseren Biowinzern kommt es jedoch hin und wieder auch vor, dass ich auf Weinberge in wildromantischen Naturlandschaften stosse. Oft sind dort ursprüngliche Elemente und eine grosse Artenvielfalt noch natürlich vorhanden. Die Anlage von Hotspots in Form von Kräutergärten, Einzelbäumen, Hecken, Steinhaufen und Insektenhotels erübrigt sich hier.

Eine solche Naturlandschaft mit verschiedenen Kulturen und weiten ungenutzten Flächen habe ich im vergangenen Herbst in der spanischen Hochebene La Mancha angetroffen. Der Familienbetrieb von Gabriel Muñoz Bascuñana baut hier neben Reben auch süssen Paprika, Getreide, Lavendel, Rosmarin und Thymian an – alles bio. Aus den aromatischen Kräutern entstehen ätherische Öle und Gewürze.

Faszinierende Hasenställe

Besonders fasziniert haben mich in dieser Landschaft eine ganz spezielle Art von «Hotspots»: Überall verstreut in der wilde Landschaft stehen grosse, runde, von Menschenhand geschaffene Steininseln. Erst beim genaueren Hinschauen bemerkt man auf Bodenhöhe Schlupflöcher rund um die fein säuberlich aufgebauten Steinburgen. Es sind Zufluchtsorte für die zahlreichen Hasen, die hier Schutz vor Greifvögeln und Füchsen finden.

Die «Hasenburgen» entstanden vor langer Zeit aus ganz praktischen Gründen: Die Menschen sammelten die störenden Steine aus den Feldern. Sie konnten oder wollten diese mit den damaligen Mitteln aber nicht weit transportieren. Um die losen Steinhaufen bauten sie stattdessen ordentliche Trockenmauern, verschönerten damit das Landschaftsbild und liessen unbewusst die ersten und noch heute sehr wertvollen Hotspots entstehen. Ein prima Zuhause übrigens nicht nur für Hasen, sondern auch für Mäuse, Schlangen, Echsen, Kröten und viele andere nützliche Tiere.

Winterzauber auf La Tour des Vidaux

Man könnte meinen, im Winter sei rund um die Weingüter nichts los und es herrsche weitgehend öde Tristesse in der Natur. Unser «Hauswinzer» Antoine Kaufmann von Château Duvivier hat uns in seinem letzten Blogbeitrag aber eindrücklich vor Augen geführt, dass Weinberge auch in der kalten Jahreszeit nicht mit Reizen geizen.

Der Winter als Künstler

Kürzlich erreichten uns auch ein paar imposante Winterbilder von unserem Winzer Volker Paul Weindel vom Weingut La Tour des Vidaux in der Provence. Hier gebärdete sich der Winter 2011 hartnäckig mit viel Kälte und Regen, zuweilen sogar mit Schnee. Diese winterlichen Bedingungen haben dazu geführt, dass die Natur den Brunnen vor dem Weingut in eine prachtvolle Eis-Skulptur verwandelt hat.

Wie auf Duvivier gabs auch auf La Tour des Vidaux Besuch von einer Schafherde. Wie uns Volker Paul wissen lässt, haben die rund 200 Tiere beim «Grasmähen», Düngen und auch als «blökendes Orchester» hervorragende Arbeit geleistet: «Das Blöken, vermischt mit Glockengeläute, hat für einmal eine ganz andere Stimmung zu uns gebracht – auch nachts.»

Aller Winteridylle zum Trotz: Jetzt freuen wir uns mit Ihnen und unseren Winzern auf einen kraftvoll spriessenden Frühling und ein gutes Weinjahr 2011.

500 Schafe grasen im Weinberg

In den vergangenen Wochen hatten wir spezielle Gäste auf unserem Weingut. Ein Wanderhirte aus der Provence hat bei uns mit seinen rund 500 Schafen Halt gemacht. In einer etwa drei Hektar grossen Weinbergparzelle haben sich die blökenden Tiere während zwei Wochen an den Gräsern und Kräutern, die bei uns zwischen den Rebzeilen gedeihen, gütlich getan. War das ein (Fest-)Fressen! Mittlerweile ist die Herde weitergezogen – allerdings nicht ohne wertvollen Naturdünger im Weinberg zurückzulassen.

Schafe auf Duvivier

Ungewohntes Bild im Weinberg: die Schafherde auf Château Duvivier

Achtung: Hotspot in Gefahr

An den Reben selber können die Schafe im Winter keine Schäden anrichten. Problemlos zirkulieren sie zwischen den Rebstöcken und unter den Drähten durch. Aufpassen mussten wir lediglich, dass sie uns nicht die ganzen Hotspots mit den vielen leckeren Kräutern leerfrassen. Möglicherweise kehrt die Herde gegen Ende März/Anfang April nochmals zurück. Dann allerdings heisst es zusätzlich aufpassen. Wenn die frischen Triebe der Reben schon weit vorgestossen sind, landen sie natürlich rasch auf dem Menüplan der Schafe.

Meditatives Rebenschneiden

Bis zur allfälligen Rückkehr der Schafherde beschäftigt uns nun der Rebschnitt intensiv. Verteilt auf die Monate Dezember, Januar und Februar schneiden vier Personen die über 100 000 Rebstöcke auf Château Duvivier. Damit wird bereits der wichtige Grundstein für die nächste Ernte gelegt. Für das Rebenschneiden sind wir auf trockenes Wetter angewiesen. Bei Regen und an zwei bis vier Tagen pro Monat, die aufgrund der Mondkonstellation ungünstig sind, wird nicht geschnitten. Der Rebschnitt ist zwar eine aufwändige Handarbeit, gleichzeitig aber auch eine schöne, schon fast meditative Tätigkeit in einer noch weitgehend kahlen und stillen Natur.

Die Wissenschaft des Terroirs

Terroir – ein Begriff, der immer öfters durch die Weinwelt geistert, dabei aber für viele unfassbar bleibt. Dies gründet vor allem in der Komplexität der Materie: das Zusammenspiel von Klima, Boden, Biodiversität, Winzer und Weinrebe ist kaum überschaubar. Und doch ist es erfahrbar: in Form eines Glas Weins, dieser unglaublichen Symphonie hunderter Einzelstoffen.

Wein Terroir

Biokohle verbessert nicht nur den Boden, sondern auch die Traubenqualität.

Eine einzelne Weinprobe in ihrer Gesamtheit wissenschaftlich zu beschreiben, ist extrem herausfordernd und sehr teuer. Es macht nur begrenzt Sinn, denn man wird der individuellen Sensorik und der Magie des Genusses nie gerecht. Will man das Phänomen Terroir trotzdem etwas genauer unter die Lupe nehmen, muss der Forscher sich auf einige wenige Aspekte beschränken.

Dauerhafte Begrünung verbessert die Traubenqualität

Ein Beispiel ist der Zusammenhang zwischen Begrünung und Traubenqualität. Aufgrund von Traubenanalysen konnte am Delinat-Institut beispielsweise beobachtet werden, dass sich im ersten Jahr der Stress der Umstellung vom konventionellem Anbau mit nackten Böden auf ein System mit Dauerbegrünung Auswirkungen auf die Traubenqualität ergeben können. Im Vergleich zu Parzellen, die schon seit 4-5 Jahren biologisch bewirtschaftet werden, war der Gehalt an Farb- und Gerbstoffen sowie Stickstoff in den Beeren niedriger. Gleichzeitig wurden erhöhte Säurewerte der Umstellungsparzelle gemessen. Auch die Anfälligkeit der Trauben auf Echten Mehltau war sehr hoch. Diese Unterschiede in den Traubeninhaltsstoffen und des Krankheitsbefalls machen sich zwangsläufig im Wein bemerkbar. Beide Parzellen liegen in unmittelbarer Nachbarschaft, die Reben wachsen also auf dem gleichen Bodentyp, doch das Terroir ist verschieden.

Biokohle und Terroir

Auch Biokohle übt im Boden offenbar einen Einfluss auf die Traubenqualität aus. Beerenanalysen aus einer drei Jahre alten Versuchsparzelle im letzten Herbst zeigten bei Biokohle-Traubengut auffällig niedrige Gesamtsäurewerte im untersten Normalbereich, aber einen deutlich höheren Anteil an Zucker, Aminosäuren und mehr Kalium. Dass diese Konzentrationen erhöht waren, erstaunt, denn gleichzeitig war die auch die Erntemenge deutlich erhöht.

Biokohle wird oft im Zusammenhang mit Ertragssteigerung und Klimaschutz diskutiert, ihr Einfluss auf das Terroir ist aber gerade bei Dauerkulturen wie Wein ebenso interessant. Gross angelegte Experimente mit getrennter Vinifikation werden hier weitere Ergebnisse bringen.

Einen ausführlichen Artikel zum Thema Terroir finden Sie im Ithaka-Journal.