Warum verschwinden die Bienen?

Die Diskussion begann per Leserbrief in der WeinLese: Ein gravierender Grund fürs weltweite Bienensterben sei der Mobilfunk, schrieb ein Leser. Dies sei wissenschaftlich belegt. Gleich mehrere Leser antworteten darauf und widersprachen dieser These ganz entschieden. Für uns ein Anlass, die Diskussion in den Blog zu tragen und einmal genauer zu beleuchten.

Bienenvölker in Bulgarien

Ein Standort mit hoher Biodiversität kann gesunde und vitale Bienenvölker hervorbringen.

Das Bienensterben wird auch als Colony Collapse Disorder bezeichnet: Völkerkollaps, der durch das Fehlen erwachsener Bienen im Volk ensteht – nur die Brut und junge Bienen sind noch vorhanden. Massiv trat dieses Phänomen Anfang 2007 in den USA auf, wo Bienen weniger als Honigproduzenten denn als Bestäuberinnen gehalten werden und mit grossen Trucks von einer (Monokultur-) Tracht zur nächsten gefahren werden. Die Hälfte aller Bundesstaaten in den USA war betroffen – in einigen Regionen kollabierten bis zu 80% der Bienenvölker.

Vereinzelt wurde dieser Zusammenbruch auch in Europa und Indien beobachtet; in Europa weisen die Zusammenbrüche aber in der Regel andere Symptome auf. Aber auch hier werden hohe Völkerverluste verzeichnet, in manchen Wintern bis zu 30%. An den Ursachen für diese Verluste wird geforscht – abschliessend geklärt sind sie noch nicht. Am wahrscheinlichsten erscheint eine Kombination mehrerer Faktoren.

  • Die Varroamilbe: Dieser Parasit verbreitete sich in den 1970er und 1980er Jahren – es gibt quasi kein Bienenvolk, das nicht von der Varroa betroffen ist. Trotz (nach Bio-Richtlinien zugelassener) Behandlung mit Ameisensäure oder Oxalsäure brechen Bienenvölker unter der Milbenbelastung zusammen.
  • Fehlende Artenvielfalt: Nahrungsgrundlagen gehen verloren: Bienen brauchen eine ganze Reihe verschiedener Pflanzen für die Ernährung ihrer Larven. Monokulturen wie der zunehmende Maisanbau stellen ein ernsthaftes Problem für die Ernährung der Bienen dar.
  • Unterernährung: In den letzten Jahren führte die sommerliche Dürre zu Nahrungsmangel: Die Bienen mussten mitten im Sommer gefüttert werden oder verhungerten. Sollte dieses Phänomen bedingt durch den Klimawandel öfter auftreten, wird das zum Problem.
  • Pflanzenschutz: Immer mehr systemische Insektizide und chemische Schutzüberzüge für Saatgut werden in der Landwirtschaft eingesetzt. Die werden immer komplexer in der Zusammensetzung und wirken toxisch – nicht nur auf Bienen.
  • Luftverschmutzung: Die beeinträchtigt den Geruchssinn der Bienen.
  • Gentechnik und Mobilfunk: Zusammenhänge werden vermutet, sind aber nicht belegt.

Die Folgen der Völkerverluste sind dramatisch. Es fehlt nicht nur die volkswirtschaftlich wichtige Bestäubungsleistung der Bienen, auch die Honigproduktion geht in manchen Ländern drastisch zurück: In Frankreich oder Argentinien zum Beispiel bis zu 50%. Frankreich ist im Übrigen der zweitgrösste Importeur von Pestiziden weltweit, Argentinien setzt voll auf industrialisierte Landwirtschaft, und es wird auf immer mehr Feldern Gen-Soja angebaut…

Mein Fazit als wissenschaftlicher Laie und Hobby-Imker: Fehlendes Nahrungsangebot infolge Monokultur und Belastung durch Pestizide schwächen die Völker; kommt dann noch ein erhöhter Milbenbefall dazu, brechen sie zusammen. Es zeigt sich, dass vor allem Bio-Imker vitalere und damit widerstandsfähigere Völker vorweisen können – denn diese Bienen dürfen in biologisch bewirtschafteten Feldern fliegen. Auch der Bericht aus Bulgarien von David Rodriguez deutet darauf hin.

Zu denken gibt mir: Die Honigbiene ist ohne Hilfe des Menschen fast nicht mehr überlebensfähig – was passiert mit den Wildbienen, den Hummeln, den Wespen?

Matthias Metze
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10 comments

  1. Ich hatte einen interessanten Artikel gelesen. Bienenvölker hatten ursprünglich eine andere Größe der Waben. Dies wurde zugunsten eines höheren Honigertrages verändert. Bienenvölker mit ursprünglicher Wabengröße hingegen sind weit widerstandsfähiger gegen die Milben. Einige Züchter sollen schon versuchen zurück zu züchten, doch die Rückzucht auf die ursprüngliche Wabengröße gelingt nicht bei allen Völkern. Dennoch ein Versuch wert.

  2. Darüber hatte ich auch schon mal gelesen, nachdem vor einigen Jahren eine Berufsimkerei in den USA bei 1000 Völkern die Wabengrösse der Mittelwände verkleinert hatte und bei diesen Völkern eine Varroa-Toleranz entstanden war. Die Theorie ist, dass Bienen im Naturwabenbau kleinere Waben bauen und die Milbe so in ihrer Entwicklung gestört wird. Das kommt natürlich den Demeter-Imkern entgegen, bei denen nur Naturwabenbau erlaubt ist.

    Diese Theorie konnte aber in einem Forschungsprojekt einer Demeter Lehr- und Versuchsimkerei nicht bestätigt werden, im Gegenteil:“Kleinere Zellen schützen in keinem Fall vor deutlichen Verlusten durch die Varroamilbe“ (siehe auch http://lebendigeerde.de/fileadmin/lebendigeerde/pdf/2009/Forschung_2009-3.pdf)

  3. Pestizide (v.a. Nervengifte!! Kaum zu glauben, was da alles synthetisiert wird!) scheinen zur Zeit Faktor Nr.1 im Bienensterben zu sein. Siehe z.B. folgende Pressemitteilung von Pro Natura:
    http://www.pronatura.ch/content/data/090421_MC_Bienensterben.pdf
    Ich nehme an, dass ebenfalls Wildbienen usw. betroffen sind. Dazu habe ich jedoch keine Informationen lesen können. Sonstige fundierte Infos über Wildbienen sind unter http://www.wildbienen.de zu finden.

  4. Danke für den interessanten Blog-Beitrag. Wir würden das Thema gerne an der Lifefair, Messe für Nachhaltigkeit in Zürich aufgreifen. Hätten Sie eventuell Interesse, an einem Workshop / einer kleinen Ausstellung mitzuwirken? z.B. über Beiträge des biologischen Weinanbaus zum Schutz der Lebensräume von Bienen? Die Lifefair findet dieses Jahr mitten in der Publikumsmesse Züspa statt. Ich denke, das Thema könnte dort bei vielen Besuchern auf Interesse stossen. Wir hatten auch schon mit der Schweizer Kampagne für Wildbienen Kontakt, die auch wichtige Arbeit in dem Gebiet leistet (http://www.wildbee.ch)

  5. Ein wesentlicher Faktor beim Bienensterben ist der Imker selbst. Ich erlebe es mit meinem größeren Völkerbestand immer wieder, daß nach erfolgter und mit zuverlässigen sowie zugelassenen Techniken durchgeführter Varroabehandlung aus der imkerlichen Nachbarschaft Varroa-Reinvasion erfolgt.
    Foscht man nach, findet man überforderte Imker, zu alt, die Imkerei nicht im Griff, zu wenig gebildet oder beratungsresistent. Das geht bis hin zu bewußt verweigerter Varroabehandlung („Die Bienen müssen selber eine Resistenz entwickeln.“ O-Ton eines Imkerpaares, die „das nur so zum Spaß machen“ und damit regelmäßig ihre Umgebung verseuchen.)
    Schön ist auch die Situation bei Imkern osteuropäischer Herkunft, die dann gern ein Mittelchen aus der alten Heimt mitbringen. Besagte Mittelchen sind auch dort schon verboten, da sie krebserregend sind, werden aber immer noch hergestellt. Wir gehen in unserer Region jetzt andere Wege und haben die Amtsvegterinäre ins Boot geholt. Die Varroabehandlung wird künftig flächendeckend, gleichzeitig und mit zugelassenen Mitteln durchgeführt und kontrolliert. Inklusive Kontrolle durch die Bienensachverständigen und der Möglichkeit von deftigen Bußgeldern.
    Was übrigens das kleine Zellmaß betrifft, so arbeite ich selber damit bei meinen 160 Völkern. Einen Einfluß auf die Varroapopulation kann ich nicht feststellen, wohl aber eine bessere Frühjahrsentwicklung. Bei gleichem Volumen können die Bienen im Frühjahr mehr Brutzellen pflegen, was auch sehr positiv ist. Bei unserer Bienendichte ist es nicht möglich, solche Experimente selber durchzuführen, weil der Faktor der Reinvasion eventuelle Ergebnisse stark beeinflußt. Wir haben laut Veterinämt in Bonn 120 Imker mit 1400 Völkern und das sind nur die, die sich auch angemeldet haben.
    Das Bienensterben hat viele Aspekte, ein westentlicher Schwachpunkt dabei ist der Imker selbst und unsere Struktur der Imkerei.

  6. Ich befasse mich seit über 20 Jahren mit Bienen und den Heilwirkungen der Bienenprodukte.

    Klar ist, dass verschiedene Faktoren die Bienen schwächen. Darunter auch der Mobilfunk. Das Schlimmste ist aber die Agrochemie mit ihren tödlichen Giften für Mensch und Tier. Dank Internet sind die Informationen jedem zugänglich. Wir alle haben eine Verantwortung und können durch unser Konsumverhalten dazu beitragen, dass kriminelle Firmen ohne Ethik für Mensch und Natur zu nicht noch grösseren Giganten werden und uns vorschreiben, über Politik und Gesetze, was wir für Medikamente erhalten und was für Lebensmittel wir zu essen bekommen.

    Jeder sollte folgende Filme von Marie-Monique Robin gesehen haben:

    MONSANTO – MIT GIFT UND GENEN
    und
    UNSER TÄGLICH GIFT

    Einfach in Google eingeben und schon erscheinen die Filme.

    Ueber die grösste Naturschutz-Organisation WWF ist der folgende Film von Wilfried Huismann erschienen:

    DER PAKT MIT DEM PANDA – WAS UNS DER WWF VERSCHWEIGT

    Ich bin sofort nach mehrmaliger Korrespondenz mit dem WWF Schweiz und WWF Deutschland aus dieser Organisation ausgetreten!

    Wir alle als Konsumenten haben die grösste Macht. Das heisst, KEINE Produkte von solchen Firmen und Organisationen mit unserem Geld unterstützen!!!

  7. Das Bienensterben ist ein mulitkausales Phänomen. Alles, was unnatürlich ist, schadet diesen zarten Geschöpfen.

    Die gesamte Natur beruht auf dem Prinzip des Elektromagnetismus – der natürlichen Form davon. Alles, was künstlich erzeugt ist, ist eine Verdrehung der natürlich Form und kann nicht lebensfördernd sein.
    Künstliche elektromagnetische kann daher nicht gesund sein – weder für Tiere, Pflanzen und Menschen – darunter auch die sensiblen Bienen.

    Es gibt gute Studien, die ganz deutlich den Zusammenhang zwischen dem Bienensterben herstellen.
    Sehr empfehlenswert sind die Veröffentlichungen der Kompetenzinitiative („Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie e.V.“ ist eine international tätige Organisation von namhaften Wissenschaftlern, Ärzten, Technikern, Professoren und umweltengagierten Vereinigungen.)

    http://www.kompetenzinitiative.de/

    Ganz aktuell ist auch die Studie von Daniel Favre – der die Vermutung bestätigt, dass Bienen auf künstliche elektromagnetische Strahlung unnatürlich reagieren.

    Viele Faktoren tragen dazu bei, dass diese für uns lebenswichtigen Tiere so stark gefährdet werden.

  8. Hallo,
    ich bin auch „wissenschaftlicher Laie und Hobby-Imker“ und ich bemühe mich meine Binen so ökologisch wie möglich zu führen, aber wie soll man den Tieren verbieten in ein gespritztes Feld zu fliegen? Ich kann nicht allen Bauern im Umkreis von 4km vorschrieben, dass sie spontan zu Biobauern werden sollen.

    „dass vor allem Bio-Imker vitalere und damit widerstandsfähigere Völker vorweisen können“ dürfte also wohl eher an der Pflege und der Haltung liegen, oder habe ich den entscheidenden Trick bisher verpasst?

    Gruß Tim

  9. Selbst viele Imker halten nicht viel von Bioprodukten. Gerade Imker sollten ihren Beruf bzw. Hobby zuliebe auf Bioprodukte setzen und für diese Werbung machen.
    Dann gibts auch weniger Spritzmittel in der Landschaft!
    [Link wegen Verstoss gegen die Kommentarrichtlinien gelöscht]

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