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Das Winzerseminar 2026: Wenn der Boden mit uns arbeitet

Vom 13. bis 15. Mai 2026 trafen sich die spanischsprachigen Delinat-Winzerinnen und Winzer zum jährlichen Winzerseminar, diesmal bei Quaderna Via in Igúzquiza, Navarra. Gastgeber waren Raúl, Jorge und Javier Ripa, die das Familienweingut am Fusse der navarresischen Hügel führen. Winzer aus Spanien, Portugal, Frankreich und Italien folgten der Einladung. Kurz zuvor regnete es kräftig. Die Reben standen umringt von sattem Grün, eine perfekte Kulisse für unser Winzerseminar 2026.

Text

Stefanie Zillner
Social Media Managerin
21.05.2026

Das Delinat-Winzerseminar 2026 fand auf dem Weingut Quaderna Via in Navarra statt.

Tag 1: Im Weinberg beginnt das Denken

Der erste Nachmittag gehörte ganz dem Boden unter den Füssen. Raúl Ripa führte die Gruppe durch die Rebparzellen von Quaderna Via und stellte das Projekt GreenVine vor: ein laufendes Experiment zur Begrünung der Weinberge. Dieses entstand in Zusammenarbeit mit einer Universität, sowie mit der Beratungsfirma Viticultura Viva, spezialisiert auf regenerativen Weinbau. Bárbara Sebastián und Julián Palacios von Viticultura Viva erläuterten, welchen Einfluss gezielte Begrünungsstreifen auf den Wasserhaushalt haben, unterstützt von den Beatles: With a Little Help from My Friends war die passende Titelmelodie für eine Präsentation über all die kleinen und grossen Helfer, die ein lebendiger Weinberg braucht: Insekten, Mikroorganismen, Pflanzen, die den Boden strukturieren und das Wasser halten. Den Abend klang bei gutem Essen und den Weinen der angereisten Winzer aus, der erste von vielen Momenten, in denen das Fachliche nahtlos ins Gesellige überging.

Green Vine Projekt bei Quaderna Via.
Raúl Ripa führte die Gruppe durch die Rebparzellen von Quaderna Via und stellte das Projekt GreenVine vor

Tag 2: Was wäre, wenn der Boden für uns arbeiten würde? 

Den Kern des Seminars bildete der zweite Tag, der dem Thema Bodengesundheit gewidmet war. Nicola Fagotto, ökologischer Berater und mittlerweile ein vertrautes Gesicht bei den Delinat-Winzerseminaren, führte durch einen intensiven Tag,  mit Theorie, Feldbeobachtungen und konkreten Werkzeugen zur Beurteilung des eigenen Bodens. Sein Leitmotiv: Begrünung ist keine Dringlichkeit, sondern ein Ziel. Bodenfruchtbarkeit entsteht nicht durch Eingriff, sondern durch Verstehen. Begrünung, Komposttee, Bodenstruktur: Alles greift ineinander, wenn man dem System erst einmal zuhört.

Nicola Fagotto im Weingarten
Nicola Fagotto, ökologischer Berater, referierte über Bodengesundheit und Bodenverstehen.

Grégoire Piat von Château Couronneau wird nach dem Seminar zur Tat schreiten: «Ich habe viele gute Notizen gemacht, welche Pflanzen ich einsetzen werde, und wie ich meinen Boden beobachten und verändern kann. Das war extrem hilfreich und wird zu Hause direkt umgesetzt!»

Zur Mittagspause legte Raúl selbst Hand an: Funken stoben vom Grill, und das Team von Quaderna Via tischte Riesenportionen Spargel, Pimientos del Piquillo und Menestra de Verduras auf. Dazu gab es eine Degustation von Low- und No-Alcohol-Weinen, eine Sparte, die die Delinat-Winzer und uns immer mehr beschäftigt.

Zur Mittagspause heizte das Team von Quaderna Via den Grill an.
Zur Mittagspause legte Winzer Raúl selbst Hand an und servierte mit seinem Team von Quaderna Via Spargel, Pimientos del Piquillo und Menestra de Verduras.

Den Abschluss des Tages bildete die PIWI-Degustation und -Diskussion, moderiert von Olivier Geissbühler. Diesmal lag der Fokus besonders auf dem Sauvignac, einer vielversprechenden neuen Rebsorte. Josep Maria Albet i Noya berichtete aus seinem langjährigen Erfahrungsschatz. Degustiert und diskutiert wurde bis in den Abend, der dann in Raúl und Jorges Weinbar «Parranda» in Estella weiterging.

Tag 3: Zwei Weingüter, zwei Visionen

Der letzte Seminartag führte die Gruppe zu zwei Delinat-Weingütern in der Region.  Azul y Garanza liegt mitten in den Bardenas Reales, eine der faszinierendsten Landschaften Spaniens, halb Wüste, halb Mondlandschaft. María Barrena zeigte, was möglich ist, wenn man der Natur genug Zeit und Raum lässt: Wo einst ausgelaugter Boden war, ist heute ein Refugium für Biodiversität. Spontane Begrünung, minimale Eingriffe, maximale Geduld. Dass über uns während der Führung Militärflugzeuge ihre Runden zogen, sorgte für einen schrägen Kontrast, und für Lachen. Man steht inmitten schönster, schützenswerter Natur, und dann das!

Die beindruckende Begrünung bei Azul y Garanza
Winzerin María Barrena vom Weingut Azul y Garanza zeigte, was möglich ist, wenn man der Natur genug Zeit und Raum lässt.

Die letzte Station war das Delinat-Weingut Osoti in La Rioja. Francisco und Javier Ruiz präsentierten auf ihrer Finca zweierlei: einen direkten Vergleich dreier verschiedener Begrünungsstrategien in der Praxis, und den Vitibot, einen autonomen Roboter für die Arbeit im Rebberg (und als spannendes Spielzeug für diverse Winzer und unsere Berater).

Helena Manuel von Vale de Camelos aus dem Alentejo fasste schlussendlich zusammen, was viele fühlten: «Wenn wir Wissen teilen, lernen alle. Es ist so wichtig zu sehen, dass ähnliche Ansätze an so verschiedenen Orten wirklich funktionieren.»

Ein herzliches Dankeschön 

Winzerberaterin Arina Schefer und Daniel Wyss begleiteten das Seminar von Seiten Delinat, als Moderatoren, Sparringspartner und als aufmerksame Zuhörer. Wir danken Raúl, Jorge und Javier Ripa sowie dem ganzen Team von Quaderna Via für ihre herzliche Gastfreundschaft, und allen teilnehmenden Winzerinnen und Winzern für drei Tage offenen Austauschs. Bis zum nächsten Mal.

Über die Autorin

Stefanie Zillner

Stefanie Zillner, Social Media Managerin

Lässt man der Natur ihren Lauf, entwickeln sich gesunde Ökosysteme. Unsere Winzer sorgen für die optimale Bedingungen rundherum. Bei Delinat bringt jeder seine Stärken und Ideen ein – und erhält Orientierung und Ressourcen, um Gutes zu schaffen. Deshalb arbeite ich gerne hier.

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