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Wie Roland Lenz mit Mischkultur den Schweizer Weinbau revolutioniert

Der Weinbau ist immer noch geprägt von Monokulturen, auch in der Schweiz. Doch der Delinat-Winzer Roland Lenz stellt das System radikal infrage und ersetzt jede dritte Rebzeile durch Haselnüsse, Getreide und Obstbäume. Was wie ein Experiment klingt, könnte den Weinbau der Zukunft prägen.

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Nina Wessely
Redaktorin
11.05.2026

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In Roland Lenz’ Weingärten ist mitunter jede dritte Zeile nicht von Reben, sondern von Weizen durchzogen.

Wenn Roland Lenz über Mischkulturen im Weinbau spricht, wird schnell klar: Das grösste Hindernis ist nicht die Natur, sondern der Mensch. Oder genauer gesagt: die Verwaltung. Neue Ideen brauchen viel Zeit und Geduld, bis sie vollständig umgesetzt werden können. Mischkulturen in Rebbauzonen? Dafür gibt es in der Schweiz nicht einmal eine rechtliche Grundlage, weil bisher immer nur Reben angepflanzt wurden – mit einigen wenigen Ausnahmen von Hecken, Büschen und einzelnen Bäumen. Deshalb wusste auch lange niemand, wie damit umzugehen ist.

Doch Roland Lenz hatte keine Lust, jahrelang auf eine offizielle Erlaubnis seitens der Behörden zu warten, um seine Mischkultur in den Weinbergen umzusetzen. Kurzerhand riss er vor rund 6 Jahren in etlichen Weinbergen jede dritte Reihe Reben aus, um andere Kulturen wie Haselnüsse, Obstbäume oder Getreide einzupflanzen. Heute bewirtschaftet das Weingut Lenz bereits rund 10 der insgesamt 27 Hektar als richtige Mischkulturen, wo ein Drittel der Reben konsequent durch andere Pflanzen ersetzt wurde.

Aktuell wird diese neue Form des Weinbaus seitens der Schweizer Behörden toleriert, auch wenn es eine rechtliche Grauzone ist. Es bleibt also offiziell eine Rebfläche, auch wenn andere Kulturen darauf wachsen. Um für die Zukunft vorbereitet zu sein, hat Roland Lenz einen neuen Kulturcode beim Bundesamt für Landwirtschaft eingereicht: «Permakultur mit Reben». Wird er genehmigt, wäre es künftig erlaubt, Reben mit anderen Kulturen zu kombinieren – ganz offiziell und rechtssicher.

«Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen, das Bundesamt für Landwirtschaft wird demnächst noch einmal bei mir vorbeikommen, um die Details anzuschauen. Was aber klar ist: 3333 Reben pro Hektar müssen als Minimum stehen bleiben, damit die ganze Fläche in der Rebbauzone bleibt. Welche Kultur zusätzlich angebaut wird, wäre dann egal. Man kann dann offiziell Vielfalt statt Einfalt gestalten», so Roland Lenz.

Weniger Reben, mehr Vielfalt

Beim Weingut Lenz sieht das so aus: Zwei Reihen Reben, dann eine freie Reihe, die jedoch nicht leer ist. In dieser dritten Reihe wachsen Haselnüsse, Walnüsse, Mandeln, Maulbeeren, Kaki oder Getreide wie Hafer, Dinkel oder Buchweizen. Dazu kommen Gemüse und Früchte wie Süssmais, Kürbisse, Pfirsiche, Äpfel, Tafeltrauben, Birnen, Feigen, Pflaumen, Ölweide, Süsskartoffeln, Quitten. Die Erträge daraus werden alle direkt auf dem Hof weiterverarbeitet und zum Teil auch an die Kundschaft weiterverkauft.

Zwischen Roland Lenz´ Reben blüht und gedeiht es seit jeher. Einige Rebzeilen wurden durch andere Kulturen ersetzt.

Für die Ernte hat das Weingut Lenz aufgerüstet: Mit einem schmalen Parzellen- Mähdrescher kann Getreide direkt zwischen den Reben geerntet werden. Nach der Ernte folgt sofort eine Gründüngung. Diese bleibt auf dem Boden liegen, füttert Mikroorganismen und hält den Boden aktiv und lebendig. Das Ziel ist klar: Der Boden soll nie nackt sein und ständig neues Leben erhalten.

Mehr Ertrag pro Fläche dank Mischkultur

Eine wichtige Frage ist, welche anderen Pflanzen gut zu den Reben passen und sie dadurch nicht zu stark konkurrenzieren. Roland Lenz’ Erfahrungen aus über fünf Jahren Praxis zeigen: Haselnüsse gedeihen super neben den Reben, und auch das Getreide, das nur kurz auf der Fläche ist, verträgt sich gut mit den Reben. Auch Obstbäume sind meistens kein Problem und wirken sich positiv auf die Reben aus.

Durch die grössere Vielfalt im Weinberg sinkt der Krankheitsdruck der Reben deutlich. Besonders Pilzkrankheiten wie Mehltau treten seltener auf. Das entlastet die Reben. In fruchtbaren Böden wie bei Roland Lenz können die Reben sogar mehr leisten als normal: längere Stämme, mehr Triebe, mehr Trauben. Der einzelne Rebstock kompensiert so das fehlende Drittel an Reben – und das ganz ohne Qualitätsverlust. Auf gleicher Fläche kann Roland Lenz so mit deutlich weniger Reben dieselbe Menge an Trauben ernten und hat zusätzlich noch weitere Erträge aus anderen Kulturen.

Roland Lenz hält fest: Entscheidend für den Ertrag ist nicht die Anzahl der Reben, sondern die Nährstoffsituation im Boden. Ist der Boden ausgelaugt und läuft die Rebe am Limit, dann sind weniger Ertrag und oft auch schlechtere Qualität die Folge. Ist der Boden hingegen lebendig, gut versorgt und im Gleichgewicht, kann sie auf wenig Fläche einen hohen und qualitativen Ertrag liefern.

Über die Autorin

Nina Wessely

Nina Wessely, Redaktorin

Ich liebe Wein. Und ich liebe die Natur. Beides bei Delinat gefunden zu haben, macht mich glücklich. Und von diesem Glück erzähle ich gerne.

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