10 Fragen an Delinat-Kunde Peter Keller

Peter Keller ist seit über 20 Jahren Delinat-Kunde. Er lebt im Aargau, wo Aare, Reuss und Limmat zusammenfliessen. Er arbeitet in einem Werkatelier und als Musiktherapeut mit erwachsenen Menschen mit Beeinträchtigung. Unser Bild zeigt ihn beim spontanen Klavierspiel im Refektorium des ehemaligen Klosters Badia a Coltibuono anlässlich einer Delinat-Weinreise.

Bei welchen Gelegenheiten trinken Sie Wein?
Zu gutem Essen an Abenden zu zweit und mit Freunden. Zum Feiern von besonderen Momenten. Zum Apéro beim Kochen …

Was hat Wein mit Kultur zu tun?
Kultur bezeichnet im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt (Wikipedia). Insofern ist beim Wein vom Anbau der Reben über das Winzerwissen und -können bis zur Zubereitung von passenden Speisen alles Kultur. Das Weingeniessen betrachte ich als Würdigen von Kultur …

«Bio» bedeutet für Sie?
Die Erde und ihre Lebewesen schätzen, die Vielfalt der Natur schützen, ihr Sorge tragen und dem Leben Raum geben. Im Weinberg wie im eigenen Garten.

Weshalb trinken Sie Delinat-Weine?
Weil sie mir ausgezeichnet munden. Weil Delinat zusammen mit den Winzern und Winzerinnen die Biodiversität in den Weingütern pflegt und fördert. Weil sie aus Europa kommen.

Ihr Lieblingstropfen?
Solo per Laura, Barbera d’Asti von Renate Schütz vom Weingut La Luna del Rospo in Agliano Terme. Leider (noch) nicht im Delinat-Sortiment.

Verraten Sie uns ein spezielles Erlebnis im Zusammenhang mit dem DegustierService?
Nicht vom DegustierService, sondern von einer Weinreise: der Besuch auf dem Weingut La Luna del Rospo im November 2016. Zu sehen, mit wie viel Engagement und Leidenschaft Renate Schütz ihren Betrieb pflegt, die Vielfalt der Blumen, Kräuter und Sträucher im Weinberg zu erleben und bei einem Büffet mit erlesenen hausgemachten Köstlichkeiten die Weine zu kosten, hat mich sehr beeindruckt und auch berührt

Was bedeutet für Sie Glück?
Zeit und Musse, um Momente zu teilen wie Musizieren, eine Wanderung in schöner Natur machen, ein tiefsinniges Gespräch führen, ein gutes Konzert besuchen, einen Sonnenuntergang betrachten, auf dem Markt die Zutaten für ein Essen mit Freunden einkaufen oder im Garten im Liegestuhl ein Glas Wein trinken.

Ihre Helden der Gegenwart?
Menschen, die sich einsetzen für eine Welt des Miteinanders und der Solidarität. Menschen, die Mittel und Wege entwickeln, um mit der Natur zusammenzuarbeiten. Menschen, die vermitteln zwischen gegensätzlichen Kulturen und Positionen.

Mit welcher berühmten Person würden Sie gerne einmal ein Glas Wein trinken?
Mit Gérard Depardieu. Er scheint mir, Gutes zu schätzen zu wissen. Ich fände es spannend, mit ihm zusammen einen Fünfgänger zuzubereiten und degustierend die passenden Delinat-Weine dazu auszusuchen.

Wofür soll sich Delinat Ihrer Meinung nach noch stärker einsetzen?
Den eingeschlagenen Weg weitergehen und den einen Winzer oder die andere Winzerin für die Philosophie von Delinat dazugewinnen und diese Art von Weinherstellung weiterverbreiten.

Weitere Beiträge aus der WeinLese 49:

Mein Favorit von der Norditalien-Reise: Barbera Cecilia Zucca

Mit vielen neuen Erfahrungen und einem Rucksack voller Weinwissen kam das Team des Kundenservice im Mai von der Weiterbildungsreise aus Italien zurück. Aus den vielen Degustationen haben die Bildungsreisenden ihre sechs Favoriten ausgewählt, die im neuen Probierpaket «Giro d’Italia» gebündelt erhältlich sind. Pirmin Muoth, Depotleiter in Bern, stellt hier seinen persönlichen Favoriten vor:

Schon der erste Eindruck bei der Ankunft im Weingut Poggio Ridente im Monferrato überzeugte mich: kleinparzellige Rebflächen und reiche Biodiversität drum herum mit vielen Büschen, Bäumen und Hecken. Später erfuhren wir, dass Cecilia Zucca dort fast unbekannte, autochthone Sorten wie Albarossa und Busanello kultiviert. Die lebendige Winzerin beeindruckte mich dann noch mehr.  Ihre Liebe zum nachhaltigem Weinbau trotz klimatisch eher schwieriger Bedingungen wirkt durch und durch authentisch. Dabei hat sie sich ihre Freude am Experimentieren bewahrt – im Versuchsanbau wächst bei ihr Viognier und sogar Riesling!

Barbera Cecilia Zucca
Links Cecilia Zucca, rechts der Autor beim Rundgang durch die Reben. In der Mitte: Barbera Cecilia Zucca.

Den Barbera von Cecilia Zucca degustierten wir im altehrwürdigen Kellergewölbe des Weingutes in Cocconato. Die Fruchtigkeit dieses Weines mit seinen Noten von Sauerkirschen gefällt mir sehr, perfekt gepaart mit seinen erdigen Noten von Teer und Waldboden. Die Struktur dieses jugendlichen Barbera ist eher leicht und filigran, die Tannine sehr schön eingebunden und der Abgang von einer lebendigen Frische gekennzeichnet. So muss Barbera schmecken!

Zum Nachtessen tischte die Winzerin ein Vitello tonnato auf, das zusammen mit dem Barbera herrlich mundete. Auch eine Pasta mit Ragout oder eine Gemüsequiche ist ein perfektes Match. Mein Tipp: Der Barbera sollte leicht gekühlt getrunken werden, dann kommt die schöne Fruchtigkeit und die Beschwingtheit des Weines sehr gut zur Geltung.

Weitere Empfehlungen der Bildungsreisenden:

Wein-Engagement im wilden Naturparadies

Die Norditalien-Reise des ganzen Teams bietet uns Kundenberatern nicht nur eine schöne Abwechslung, sondern auch einen vertieften, praxisnahen Einblick in die Philosophie unserer Winzer. Hier der Bericht vom zweiten Tag:

Nach einer ruhigen Nacht in Cocconato gehts am Morgen weiter durch das Asti-Gebiet in die bekannte Region Agliano Terme. Auf dem Weingut La Luna del Rospo werden wir von der deutschen Quereinsteigerin Renate Schütz herzlich begrüsst. Schon bei der Einfahrt zum Weingut sind wir von der üppigen und wilden Natur beeindruckt.

La Luna del Rospo
Leben und Arbeiten im Naturparadies

Auf dem Rundgang durch die Weinberge philosophieren wir mit Renate Schütz über die Spontanbegrünung und die wohl einmalige Einbettung der Rebberge. Hier wird Biodiversität aktiv gelebt, eine Vielfalt an natürlich wachsenden Pflanzen und Kleinlebewesen aller Art bevölkern das Weingut. Wilde Maulbeer- und Kirschbäume schaffen einen natürlichen Rückzugsort für Insekten. Diese dienen den Vögeln als Nahrungsquelle, die sich nun nicht mehr an den Trauben bedienen müssen.

Renate Schütz
Eindrucksvoller Rundgang durch die Rebberge mit Renate Schütz

Renate Schütz hat sich hier ein Naturparadies geschaffen, das in fast allen Punkten die höchste Stufe der strengen Delinat-Richtlinien erreicht. Oft habe sie Ratschläge von Experten in den Wind geschlagen und auf ihr Herz gehört, um dieses Ziel zu erreichen, erzählt sie uns. Das Resultat ist eindrücklich und zeigt, dass auch unkonventionelle Wege zum Ziel führen können. Die Trauben wachsen in einem Weinberg, der einem wilden Garten Eden gleicht mit einer Vielzahl von Pflanzen und Tieren.

Weinberg
Blumen, Kräuter und Sträucher zieren den Weinberg

Das Monferrato ist das ursprüngliche, klassische Barbera-Gebiet. So entstehen hier überaus elegante, harmonische und authentische Barbera-Weine. Aber auch eine anspruchsvolle Cuvée aus Nebbiolo und Grignolino dürfen wir probieren. Im Keller ist Renate Schütz die Chefin, Tochter Laura bringt eigene Ideen ein – das erste Resulat ist ein charakterstarker, fruchtiger Weisswein aus der klassischen piemontesischen Weissweinsorte Cortese.

Nach einer Degustation und einem reichhaltigen Mittagsbuffet geht’s weiter in die Toskana zum Weingut Tenuta San Vito.

Reisetagebuch des Kundenberatungsteams:

Destination Piemont – der Sonne entgegen

Die Reise des ganzen Teams in eine bestimmte Weinregion bietet uns Kundenberatern nicht nur eine schöne Abwechslung zum beruflichen Alltag im Büro, sondern auch einen vertieften, praxisnahen Einblick in die Philosophie und Bewirtschaftungsweise unserer Winzer. So entsteht wichtiges Knowhow für eine kompetente Kundenberatung.

Vom tristen Wetter in der Schweiz geht’s los Richtung Süden, Destination Piemont. Nach einer sechsstündigen Fahrt kommen wir im malerischen Dorf Cocconato an, welches hoch über der Region Monferrato thront.

Cocconato, Piemont
Das pittoreske Dorf Cocconato

Dort werden wir von Delinat-Winzerin Cecilia Zucca und Luigi Dezzani herzlich begrüsst. Bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen führen Sie uns durch Ihre Rebflächen, welche an verschiedenen Lagen an den Hängen rund ums Dorf liegen. Luigi und der Agronom Francisco berichten uns begeistert von Ihren Plänen. Sie experimentieren seit einigen Jahre mit Viognier und sogar Riesling! Viel Engagement widmen sie der autochthonen Sorte Busanello. Sie ist dem Boden gut angepasst und daher viel eher resistent gegen die im Piemont verbreiteten Pilzkrankheiten als die internationalen Sorten.

Das Delinat Team geniesst die Aussicht übers Monferrato
Das Delinat-Team geniesst die Aussicht übers Monferrato

Wir probieren einen frischen, jungen Busanello mit Frischkäse und Salami aus der Region und dürfen bereits ein erstes Fassmuster vom neuen Barbera-Dolcetto degustieren. Der Tag wird mit einem typisch piemontesischen Essen im altehrwürdigen Hause der Familie abgerundet. Nach einem Vitello Tonnato begeistert uns ein Risotto, gekocht mit Albarosso-Wein, ebenfalls begleitet von einem Wein dieser Kreuzung aus Nebbiolo und Barbera. Der Vermouth nach alten Familienrezept von Luigi Dezzani schliesst unseren ersten Abend im Piemont perfekt ab.

 

 

Martina Korak im Gespräch: Weine im Piemont

Das Piemont gilt neben der Toskana als wichtigste Weinbauregion Italiens. Im Delinat-Sortiment ist die Auswahl an Piemont-Weinen bescheiden. Im Gespräch verrät Einkäuferin Martina Korak, weshalb das so ist, und was sie von einem guten Barbera erwartet.

Weshalb gibt es so wenig Weine aus dem Piemont bei Delinat?
Martina Korak: Es ist leider schwierig, Winzer und Weine im Piemont zu finden, die alle Delinat-Standards erfüllen können und wollen.

Weshalb hinkt diese Region hinterher?
Als ich im Frühjahr im Piemont unterwegs war, sind mir die vielen mit Herbizid kahl gespritzten Rebberge aufgefallen. Das sieht man heute nur noch selten – auch in Italien. Viele Winzer im Piemont sind von ihrem Naturell her verschlossene Traditionalisten. Und es geht ihnen gut, vielleicht zu gut. Weil der Markt nie richtig verlangt hat, innovativ zu werden, haben sie kaum etwas verändert. Andere Regionen waren da mehr gefordert und deutlich offener.

Martina Korak
Delinat-Önologin Martina Korak mit einem Glas Barbera: «Im Piemont ist es schwierig Weine zu finden, die unseren Ansprüchen genügen.»

Auffällig ist, dass fast alle Delinat-Weine aus dem Piemont von Winzerinnen erzeugt werden. Ein Zufall?
Ohne mich irgendeines Klischees bedienen zu wollen: Es kann sein, dass Frauen etwas offener sind. Auch sind alle vier Winzerinnen Quereinsteigerinnen und wollten zumindest in ihren jüngeren Jahren nichts mit Wein zu tun haben. Wahrscheinlich geht man unter diesen Voraussetzungen anders an die Sache heran und verharrt nicht einfach in festgefahrenen Familienbahnen.

Piemont-Liebhaber vermissen bei Delinat einen Barolo. Weshalb fehlt der Königswein aus der Nebbiolo-Traube?
Ich bin schon lange auf der Suche nach einem innovativen Betrieb. Doch was fürs Piemont gilt, ist im eng begrenzten und hochpreisigen Barolo noch ausgeprägter. Die Parzellen sind klein, und jeder freie Quadratmeter ist mit Reben bestockt. Auch relativ bescheidene Weine können noch immer ohne Probleme zu guten Preisen abgesetzt werden. Wozu Risiko und Aufwand zur Umstellung auf strenge Delinat-Normen auf sich nehmen, wenn die Kasse auch ohne Mühen klingelt?

Immerhin gibt es bei Delinat ein paar feine Barberas zur Auswahl. Was macht einen guten Barbera aus?
Ich mag fruchtige Barberas, bei denen mir die Kirschen- und Beerenaromen direkt ins Gesicht springen. Auch mag ich das dezente Tannin und die Frische. Ein guter Barbera ist für mich «trinkig» statt protzig und macht nicht schon nach einem Glas müde. Das sind für mich wichtige Kriterien beim Einkauf von Barbera.

Zu welchen Gerichten macht sich ein Barbera besonders gut?
Leichtere, fruchtbetonte Barberas trinke ich gerne zu Gemüseeintöpfen, zu Pastagerichten an kräftigen Saucen, aber auch zu Risotto. Zu einem kräftigen Barbera mit Holzausbau darf es auch Schmorbraten oder Wild sein.

Winzerinnen rocken das Piemont

Cecilia Zucca, Renate Schütz, Marina Marcarino und Massimiliana Spinola: Vier Bio-Winzerinnen aus dem Piemont sorgen mit eigenständigen, charakterstarken (Barbera-)Weinen für andere Akzente in einer prestigereichen Region, wo alle von Barolo und weissem Trüffel sprechen, aber kaum jemand von biologischem Weinbau mit hoher Biodiversität.

Massimiliana Spinola
Massimiliana Spinola setzt aufs Pferd statt auf den Traktor.

Biologischer Weinbau habe in Italien in den letzten Jahren zwar einen grossen Sprung gemacht. Im Piemont gehe es aber nur langsam vorwärts, sagt Cecilia Zucca, eine der wenigen überzeugten Biowinzerinnen im Basso Monferrato nördlich von Asti. «Für einen Weinbau, der die von Delinat zusätzlich geforderten Ansprüche an eine reiche Biodiversität erfüllt, gilt dies erst recht.» Gründe dafür sieht Cecilia Zucca mehrere: alte, verkrustete Traditionen, schwierigere klimatische Verhältnisse als etwa im Süden von Italien oder schlicht Bequemlichkeit: «Biologischer Anbau bedeutet in der Regel mehr Arbeit und weniger Ertrag.» Sie selber nimmt das in Kauf, weil sie von der besseren Trauben- und Weinqualität überzeugt ist. Seit der Jahrtausendwende bewirtschaftet sie ihre Reben an den steilen Hängen des schmucken Hügeldorfes Cocconato konsequent biologisch und macht sich quasi einen Sport daraus, die anspruchsvollen Delinat-Vorgaben auf der höchsten Stufe zu erfüllen.

Cecilla Zucca
Für Cecilia Zuccha aus Cocconato ist Barbera der Inbegriff von Wein.

Cecilia Zuccas grosse Liebe gehört dem Barbera. «Für mich ist das der Inbegriff von Wein. Ich mag seinen feinen Duft nach Kirschen und roten Früchten, seine Frische und Fruchtigkeit», sagt die zierliche, fast scheu wirkende Mutter von drei Kindern. «Und seine Vielseitigkeit imponiert mir», ergänzt sie. Im Gegensatz zu den tanninreichen Nebbiolo-Weinen (Barolo, Barbaresco), die eine lange Reifezeit verlangen, lassen sich aus der Barbera-Traube sowohl fruchtige, jugendlich-frische wie auch gehaltvolle, lagerfähige Weine keltern. «Den gehaltvollen, lagerfähigen Barbera Superiore bauen wir im Holz aus. Für einen jugendlichen, fruchtigen Barbera ist der Stahltank geeigneter», so Cecilia. Stolz ist die Winzerin aber nicht nur auf ihre Barberas: Sie erzeugt auch den einzigen Bio-Albarossa der Welt. «Diese Traubensorte gibt es nur im Piemont, und wir sind die Einzigen, die daraus einen biologischen Wein keltern.»

Philosophin im Weinberg

Renate Schütz
Ein eleganter Barbera als Lohn für viele Stunden im reich begrünten Weinberg: Renate Schütz greift oft und gerne zur Sense.

Das Monferrato ist das klassische, ursprüngliche Barbera-Gebiet. Das gilt nicht nur für das Basso, sondern ebenso für das Alto Monferrato südlich von Asti, wo Renate Schütz in Agliano Terme seit 1994 das Weingut La Luna del Rospo führt. «Als Philosophin mit Schwerpunkt Ethik und Natur hat mich in Deutschland schon früh die Frage umgetrieben, wie man mit der Natur anders umgehen kann. Heute lebe ich das als Winzerin im Piemont. Ich arbeite unheimlich gerne in meinem Weinberg, wo die Natur freies Spiel hat», sagt Renate Schütz. Als sie als Winzerin im Piemont begann, ging es darum, einen Önologen zu gewinnen, der sie bei der Vinifikation unterstützt. Giuliano Noe aus Nizza Monferrato zählte damals zu jenen fortschrittlichen Önologen, die genug hatten vom rustikalen Massenwein Barbera. Als einer der ersten begann er, aus dieser typisch piemontesischen Traube moderne, elegante und hochwertige Weine zu keltern. Als Renate Schütz ihm ihr Weingut mit der Toplage Bric Rocche präsentierte, sagte er sofort zu: «Wir werden hier einen grossen Wein machen», versprach er, ohne zu wissen, was die deutsche Quereinsteigerin wirklich im Schilde führte. «Als ich ihm sagte, mein Ziel sei ein Biowein in hoher Qualität, hat er sehr kritisch reagiert. Meine Traubenqualität hat ihn dann aber komplett umgehauen», erzählt Renate und reicht schmunzelnd eine kleine Episode nach: «Ich habe Giuliano eine Traubenprobe nach Nizza Monferrato geschickt. Weil er überzeugt war, es handle sich um ein paar ausgewählte, besonders schöne Trauben, hat er seine Tochter zu mir auf das Weingut geschickt. Diese hat ihm dann euphorisch gemeldet: «Sono tutti cosí!» Der Önologe hat dann darauf verzichtet, sich in die Bewirtschaftungsmethode von Renate Schütz einzumischen. So entstehen aus Trauben, die in einem Weinberg reifen, der einem wilden Garten Eden mit einer Vielzahl von Pflanzen und Tieren gleicht, überaus elegante, harmonische und authentische Barbera-Weine.

Einzelkämpferin im Barbaresco-Land

Marina Marcarino
Marina Marcarino ist die Einzige, die einen Spitzen- Barbaresco im Einklang mit artenreicher Natur keltert.

Dass der Barbera immer stärker aus dem Schatten von Barolo und Barbaresco tritt, spürt auch Marina Marcarino. Ihr Weingut Punset liegt auf einem Hügel im Kerngebiet des Barbaresco mit freiem Blick auf das Winzerdorf Neive. «Weine aus Nebbiolo-Trauben sind sehr komplex und mit ihren prägnanten Tanninen für viele nur schwer zugänglich. Die jungen Leute trinken lieber Barbera – der Wein ist fruchtbetont, leicht zugänglich und auch vom Preis her attraktiver als die berühmten Nebbiolo-Weine», sagt Marina Marcarino. Sie hat zwar auch einen überzeugenden Barbera im Sortiment (bei Delinat nicht erhältlich), ihre grosse Liebe aber gilt gleichwohl dem Barbaresco. Das Spitzenprodukt heisst Campo Quadro und hat mit über 40 Euro pro Flasche seinen Preis. Doch das edle Gewächs heimst immer wieder Topnoten ein und war Weinguru Robert Parker schon mal 93 Punkte wert. Dass sie im Herzen der Langhe mit den berühmten Appellationen Barolo und Barbaresco noch immer zu den ganz wenigen Betrieben gehört, die auf biologischen Anbau setzen, hat für Marina Macarino mehrere Gründe. Einer der wichtigsten: «Wer so konsequent mit der Natur arbeitet wie wir, produziert weniger und hat einen grösseren Aufwand», sagt sie.

Pferdenärrin aus dem Gavi

Massimilana Spinola degustiert ihren Wein.
Massimiliana Spinola erzeugt ausgezeichnete Barberas ohne Schwefelzugabe.

Gavi ist eine klassische Weissweinregion am Rande des Piemonts. Dieser Tatsache verschliesst sich Massimiliana Spinola vom Weingut Castello di Tassarolo nicht. Zu 80 Prozent produziert die Winzerin mit der imposanten Haarpracht weissen Gavi. Aber sie trägt der steigenden Nachfrage nach gutem Barbera Rechnung. «Diese Traube fühlt sich auch bei uns äusserst wohl», sagt Massimiliana. Ihr Barbera Titouan wird im Stahltank ausgebaut und kommt ganz ohne Schwefelzugabe aus: «Wir haben festgestellt, dass die typischen Aromen nach Kirschen und roten Beeren klarer und ausgeprägter zum Ausdruck kommen, wenn wir auf Schwefel verzichten.» Ein Problem mit der Haltbarkeit habe man deswegen nicht, versichert sie: «Der Wein hält problemlos drei Jahre.» Massimiliana und ihr Partner Henry Finzi-Constantin sind nicht nur überzeugte Biodynamiker, sondern auch richtige Pferdenarren. Deshalb haben sie die schweren Maschinen teilweise aus ihren Weinbergen verbannt und setzen oft ihre beiden Arbeitspferde Titouan und Nicotine ein. «Sie verursachen keine Abgase und keine Bodenverdichtung. Stattdessen liefern sie frischen Naturdünger und vermitteln uns ein gutes Gefühl und eine noch engere Beziehung zur Natur», beschreibt Massimiliana die Vorzüge der beiden Pferde.

Barbera – die Vielseitige

Barbera-Trauben

Barbera ist eine autochthone rote Rebsorte aus dem Piemont. Hier ist sie die mit Abstand am häufigsten angebaute Weintraube. Ursprüngliches «Barbera-Land» ist das Monferrato, das sich grossflächig über viele Gemeinden der Provinzen Asti und Alessandria erstreckt. Heute wird fast überall im Piemont, aber auch in weiteren Regionen Italiens sowie in zahlreichen andern Ländern Barbera angebaut. Es handelt sich um eine robuste, ertragsstarke Rebe, die früher der Herstellung rustikaler Massenweine diente. In den frühen 1990ern begannen fortschrittliche Winzer und Önologen im Piemont, die Erträge zu reduzieren, um fruchtbetonte, elegante und hochklassige Barberas zu keltern. Seither treten Barbera-Weine immer mehr aus dem Schatten nobler Nebbiolo-Gewächse wie Barolo und Barbaresco. Beliebt ist die Barbera-Traube auch wegen ihrer Vielseitigkeit. Sie hat wenig Tannin, aber einen guten Säuregehalt. Das ermöglicht ein breites Spektrum von Weinstilen: vom fruchtbetonten, im Stahltank ausgebauten, jung zu trinkenden Barbera bis zum gehaltvollen, im Holz gereiften, lagerfähigen Nobeltropfen!

Wald und Wein

Bio, regional und saisonal sind heute bei Lebensmitteln wichtig. Ins Schwarze treff en wir gleich bei allen dreien mit Produkten aus dem nahen Wald. Denn gerade im Herbst liefert der Wald kulinarische Köstlichkeiten in Fülle; wobei Wild und Pilze die bekanntesten sind. Begleitet von gehaltvollen Weinen, bieten sie uns kulinarische Höhenflüge.

Bereits im Mai lohnt sich ein Abstecher in den Wald. Bärlauch riecht mir eigentlich zu stark nach Knoblauch, aber vernünftig bemessen, schätze ich ihn als Teil der Füllung für Ravioli; begleitet vom Rosé Cuvée des Amis von Château Duvivier ein Gedicht. Im Frühjahr pflücke ich ein paar junge Triebspitzen von Lärche oder Rottanne und lege sie in Weinbrand ein – oder in feinstes Olivenöl. Im Herbst verfeinert der Lärchenweinbrand den Wildjus, und das Tannenöl würzt dezent Blattsalat und Rosenkohl.

Wald und Wein
Gerade im Herbst gibt der Wald einiges her für eine frische, schmackhafte Küche.

Nebst Wild und Pilzen gehören natürlich Waldbeeren zum herbstlichen Menü: wilde Brombeeren, schwarzer Holunder, Schlehen (Schwarzdorn) sowie Hagebutten von Wildrosen. Meine Gäste überraschend, wähle ich als Nachspeise eine Panna cotta aus Rahm, der mit ein paar Arvenholzspänen aufgekocht wird, begleitet von Waldbeeren und gerösteten Arvennüsschen. Das geht natürlich ebenso gut mit Lärchenholz und Pinienkernen.

Weine zu Wild und Pilzen

Hirschentrecôte gebraten, ohne süssliche Beilagen
Château Duvivier Les Mûriers
sterne
Rehschnitzel an Wildrahmsauce
Château Coulon Sélection spéciale

sterne
Rehnüsschen mit Lärchenzweigen
Albet i Noya Reserva Martí

sterne
Wildschweinbraten an Rotweinsauce
Cecilia Zucca Barbera

sterne
Pfifferlinge an Butter-Zitronen-Sauce
Pflüger Riesling

sterne
Steinpilze gebraten an Kräutern
Meinklang Grüner Veltliner

sterne
Die Rezepte zu diesen Gerichten finden Sie unter www.delinat.com/wald-wein

Reh auf Lärchenzweig

Zu den südlichen Wäldern gehören die Kastanien: Das Mehl eignet sich sehr gut zum Backen von Kuchen. Ich gebe es auch gerne einer würzigen Brotmischung bei. Gekochte Kastanien verleihen Wildgerichten einen würzig-süsslichen Kick. Kommen weitere zuckerhaltige Beilagen dazu, gilt es, einen gehaltvollen, aromatischen Wein zu wählen, der dieser Süsse standhält. Beispielsweise den Roches d’Aric der Domaine Lignères aus dem Languedoc. Leichtere Rotweine wirken dagegen rasch säuerlich-flach.

Auf kulinarische Entdeckungsreise begibt sich, wer ein Rehnüsschen oder auch eine ganze Rehkeule bei 80 Grad zusammen mit ein paar Lärchenzweigen in Pergament einwickelt, langsam auf 70 Grad Kerntemperatur gart und danach im heissen Öl kurz anbrät. Mit ein paar sautierten Waldpilzen zaubern wir so herrlich-herbstliche Köstlichkeiten auf den Teller, im Idealfall begleitet von Albet i Noyas imposanter Reserva Martí. Mit jedem Jahrgang überzeugt mich dieser Wein von Neuem: Einst eine gut gemachte Bordeaux-Kopie – heute ein eigenständiges, charaktervolles Gewächs, immer mit dem unverwechselbaren Charme, den auch Josep Maria Albet i Noya auszeichnet.

Zu den gesundheitlichen Aspekten von Wild und Pilzen gibt es Kontroverses zu berichten: Wildfleisch ist reich an leicht verdaulichem Eiweiss, Vitamin B und verschiedenen Mineralstoffen. Kritisch bewertet wird dagegen ein möglicher Bleigehalt aufgrund der Munition, mit der Wild erlegt wird. Doch steht Wild ja nicht ganzjährig auf unserer Speisekarte. Ähnliches gilt für Pilze: wenig Kalorien, aber schwer verdaulich. Und auch 30 Jahre nach Tschernobyl wird in einigen Regionen noch immer Cäsium gemessen; besonders beim Maronenröhrling und Semmelstoppelpilz. Doch in kleinen Mengen als Würzpilz genossen, überwiegt das kulinarische Erlebnis. Und ganz wichtig: Ich pflücke nur Pilze, die ich sicher kenne, damit es nicht mein letzter Waldspaziergang war.

Wein und Wild

Welche Weine passen grundsätzlich zu Wild? Eigentlich wäre die Antwort ganz einfach: Mit Wild harmonieren viele Weine, ob weiss, rosé oder rot, schäumend oder still. Zu Reh, Hirsch und Gams sind gehaltvolle Blauburgunder, Syrah und Cabernet Sauvignon klassisch. Zum etwas fetteren Wildschwein darf es ein aromatischer Rotwein mit frischer Säure sein oder eine Riesling Spätlese. Zu Hase ein junger, fruchtiger Rotwein – oder wiederum ein Riesling mit etwas Restsüsse und zu Wildgeflügel beispielsweise eine Cuvée aus Südfrankreich, basierend auf Syrah. Entscheidend ist aber, wie das Wild zubereitet wird. Und was wir dazu servieren. Gebratenes Fleisch entwickelt süssliche Röstaromen. Dazu wähle ich gerne einen gehaltvollen Rotwein aus dem Barrique, der ruhig spürbares Tannin zeigen darf. In Rotwein geschmortes Wild kombiniert man idealerweise mit dem gleichen Rotwein: beispielsweise einem einfachen Blauburgunder als Sauce und einem gereiften Gewächs erster Lage als Begleitung. Kniffliger wird die Weinwahl bei den Beilagen. Zum klassischen, meist süsslichen Rotkraut muss der Wein genügend Alkohol, Aromen und Körper aufweisen, was bei vielen erstklassigen Rotweinen aus dem Süden Europas der Fall ist. Ebenso gut passt auch ein gehaltvoller Weisswein mit etwas Restsüsse. Gleiches gilt für Früchte als Beilage. Der Schluck Wein nach dem Preiselbeerkompott wird kaum die grosse Erleuchtung sein. Doch muss ja nicht jedem Bissen gleich ein Schluck Wein folgen. Heute nehme ich mir mehr Zeit zum Geniessen. Entweder esse ich – oder ich trinke. Dazwischen dürfen ein paar Minuten vergehen; für ein kurzes Gespräch oder einen Blick aus dem Fenster. So treffen Speise und Wein nicht mehr ungebremst aufeinander …

Alle Rezepte zu diesen Gerichten finden Sie unter www.delinat.com/wald-wein.

Das verführerische Piemont entdecken

Es ist zu einem schönen Brauch geworden, dass sich einmal im Jahr eine gute Handvoll Delinatler aus verschiedenen Abteilungen auf privater Basis und eigene Kosten zu einem mehrtägigen Ausflug trifft. Vor drei Jahren führte die Reise ins Piemont.

Delinatler im Piemont
Gesellige Delinat-Runde im Feinschmeckerparadies Piemont.

Mir selber ist diese Region durch viele Besuche seit Jahren bestens vertraut. Für die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen aber war es Neuland. Die herrliche Landschaft, die Herzlichkeit der Leute, kulinarische Köstlichkeiten wie direkt auf Stoffservietten servierte Pasta, herrlich duftende Trüffelgerichte und köstliche Amaretti, hervorragende Weine, die Besuche auf verschiedenen Weingütern – das alles sorgte für eine riesige Begeisterung. Sie war so nachhaltig, dass wir uns entschlossen, das Piemont neu in unser kleines aber feines Reiseprogramm aufzunehmen.

Herbstliches Piemont
Im Herbst leuchten die Farben des Piemonts am schönsten.

Im Spätherbst 2015 ist es soweit. Wenn der grosse Rummel vorüber ist, die Rebblätter bunt leuchten und erste mystische Nebelschwaden über die hügelige Landschaft schleichen, ist das Piemont am schönsten. In dieser Jahreszeit sind auch die Trüffelsucher mit ihren Hunden in den weitläufigen Eichenwäldern unterwegs und spüren dem famosen, sündhaft teuren weissen Trüffel (Tuber Magnatum Pico) nach. Eine rund zweistündige Trüffelsuche mit anschliessendem Trüffelessen gehört zu den Höhepunkten unserer viertägigen Reise von Anfang November 2015. Ausgangspunkt ist die pittoreske Altstadt Alba, wo wir in einem alten, schön restaurierten Palazzo logieren. Auf dem Weingut La Luna del Rospo lernen Sie unsere Winzerin Renata Schütz und ihre feinen Barbera-Weine kennen. Und die piemontesische Frohnatur Gianfranco Torelli hat uns auf seiner Azienda eine exklusive Moscato-Degustation in Begleitung der besten Amaretti aus dem Piemont versprochen, sofern er nicht an eine Weinmesse in Kanada gerufen wird, die just in dieser Woche stattfindet.

Feine Aperohäppchen
Vielerorts werden zu einem Glas Wein feine Aperohäppchen serviert.

Wenn Sie Lust haben, dem November-Blues zu entfliehen, kommen Sie mit ins Piemont. Alle Details zu dieser und allen andern Wein- und Genussreisen von Delinat finden Sie hier.

«Sonnenkönig» aus dem Piemont

Winzerin Cecilia Zucca im Weinberg
Winzerin Cecilia Zucca im Weinberg

«Sonnenkönig» aus dem Piemont. Mit dem «Cecilia Zucca» hat die gleichnamige Winzerin aus dem Piemont für Delinat eine persönliche Barbera-Selektion kreiert. Einen Teil der Trauben bezieht sie vom befreundeten Winzer Gian Pietro Bocchio. Der Besitzer der Cascina Montegone in Cocconato ist ein Umweltfreak. Neben zehn Hektar Reben kultiviert er 20 Hektar Biohaselnüsse. Integriert in die Haselnussanlage stehen auf sechs Hektar knapp 150 Photovoltaikpanels. Die Anlage mit einer Gesamtleistung von 1 Million Kilowatt produziert Strom, der dem Jahresbedarf von 300 Durchschnittshaushalten entspricht.