Martina Korak im Gespräch: Weine im Piemont

Das Piemont gilt neben der Toskana als wichtigste Weinbauregion Italiens. Im Delinat-Sortiment ist die Auswahl an Piemont-Weinen bescheiden. Im Gespräch verrät Einkäuferin Martina Korak, weshalb das so ist, und was sie von einem guten Barbera erwartet.

Weshalb gibt es so wenig Weine aus dem Piemont bei Delinat?
Martina Korak: Es ist leider schwierig, Winzer und Weine im Piemont zu finden, die alle Delinat-Standards erfüllen können und wollen.

Weshalb hinkt diese Region hinterher?
Als ich im Frühjahr im Piemont unterwegs war, sind mir die vielen mit Herbizid kahl gespritzten Rebberge aufgefallen. Das sieht man heute nur noch selten – auch in Italien. Viele Winzer im Piemont sind von ihrem Naturell her verschlossene Traditionalisten. Und es geht ihnen gut, vielleicht zu gut. Weil der Markt nie richtig verlangt hat, innovativ zu werden, haben sie kaum etwas verändert. Andere Regionen waren da mehr gefordert und deutlich offener.

Martina Korak
Delinat-Önologin Martina Korak mit einem Glas Barbera: «Im Piemont ist es schwierig Weine zu finden, die unseren Ansprüchen genügen.»

Auffällig ist, dass fast alle Delinat-Weine aus dem Piemont von Winzerinnen erzeugt werden. Ein Zufall?
Ohne mich irgendeines Klischees bedienen zu wollen: Es kann sein, dass Frauen etwas offener sind. Auch sind alle vier Winzerinnen Quereinsteigerinnen und wollten zumindest in ihren jüngeren Jahren nichts mit Wein zu tun haben. Wahrscheinlich geht man unter diesen Voraussetzungen anders an die Sache heran und verharrt nicht einfach in festgefahrenen Familienbahnen.

Piemont-Liebhaber vermissen bei Delinat einen Barolo. Weshalb fehlt der Königswein aus der Nebbiolo-Traube?
Ich bin schon lange auf der Suche nach einem innovativen Betrieb. Doch was fürs Piemont gilt, ist im eng begrenzten und hochpreisigen Barolo noch ausgeprägter. Die Parzellen sind klein, und jeder freie Quadratmeter ist mit Reben bestockt. Auch relativ bescheidene Weine können noch immer ohne Probleme zu guten Preisen abgesetzt werden. Wozu Risiko und Aufwand zur Umstellung auf strenge Delinat-Normen auf sich nehmen, wenn die Kasse auch ohne Mühen klingelt?

Immerhin gibt es bei Delinat ein paar feine Barberas zur Auswahl. Was macht einen guten Barbera aus?
Ich mag fruchtige Barberas, bei denen mir die Kirschen- und Beerenaromen direkt ins Gesicht springen. Auch mag ich das dezente Tannin und die Frische. Ein guter Barbera ist für mich «trinkig» statt protzig und macht nicht schon nach einem Glas müde. Das sind für mich wichtige Kriterien beim Einkauf von Barbera.

Zu welchen Gerichten macht sich ein Barbera besonders gut?
Leichtere, fruchtbetonte Barberas trinke ich gerne zu Gemüseeintöpfen, zu Pastagerichten an kräftigen Saucen, aber auch zu Risotto. Zu einem kräftigen Barbera mit Holzausbau darf es auch Schmorbraten oder Wild sein.

Hans Wüst

Redaktor bei Delinat
Der Mensch kann die Natur malträtieren oder in Harmonie mit ihr zusammenarbeiten. Egal, wofür er sich entscheidet, sie ist immer stärker. Weine, die im Einklang mit der Natur hergestellt werden, sind deshalb nicht nur besser, sie haben auch eine ganz andere Aura.
Hans Wüst

Letzte Artikel von Hans Wüst (Alle anzeigen)

1 comment

  1. Es gibt durchaus biodynamisch arbeitende Winzer welche Nebbiolo keltern und die Delinat-Richtlinien bereits jetzt erfüllen, allerdings kaum in der angefragten Quantität da es deutliche Minderheiten sind welche man an einer Hand abzählen kann. Bei den anderen 99% und mehr ist die Situation sicherlich so wie beschrieben, das finde ich zwar unfein aber man sieht einfach dass es meistens menschlich ist nicht mehr Finger krumm zu machen als nötig um Erfolg zu haben. Die Charaktertraube Nebbiolo ist weltweit einzigartig und wird den Erzeugern meistens aus der Hand gerissen. Am ehesten ist die opulent vinifizierte Traube wahrscheinlich noch mit Aglianico vergleichbar, welche sich aber ebenfalls bei Delinat rar macht trotz der viel höheren Quantität: Hier könnte man noch zulegen. Beide Trauben bieten sicherlich enormes Lagerpotential wobei die Sorte Tannat praktisch unübertroffen ist. Diese Sorte mit wuchtigen Phenolen ist aber so weit am Mainstream vorbei dass ich hier lediglich etwas andeute, aber es kaum je im Sortiment vermute.

    Im übrigen sind Frauen allgemein beim Vinifizieren vielleicht gewagter aber beim Weingenuss da sind Männer schon eher für tiefgründige Charakterkaliber zu haben. Ungefähr so hat es mir einmal eine Frau einer Weinhandlung mit Naturweinen, Weine welche gerne polarisieren, erzählt; Ich habe es mir also nicht aus den Fingern gesaugt sondern es gleich noch bei der eigenen Partei vernommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.