Jahrgang 2026 bei Delinat: Hitze, Sturm und Trockenheit, wie unsere Winzer reagieren, Teil I: Der Süden
Rekordhitze in Sizilien, Sturmschäden im Languedoc, Wasserstress in Apulien: Der Sommer 2026 stellte Delinat-Winzer wie Massimo Maggio, Salvatore Mero, Anne und Jean Lignères und Familie Coulon von Château Beaurenard vor grosse Herausforderungen.Wie naturnaher, biodiverser Weinbau auch in Extremjahren gesunde Trauben und charaktervolle Weine hervorbringt, zeigt dieser dreiteilige Überblick über die Ernte 2026. Teil I führt uns in den Süden Europas.
Text
Nina Wessely
Redaktorin 19.08.2026
Die Vendemmia, Vendanges, Weinlese – wie auch immer man sie nennt: Für unsere Delinat-Winzerfamilien ist der Spätsommer die intensivste, aber mitunter auch schönste Zeit des Jahres.
Denn es ist Zeit, die Ernte für ein Jahr harte Arbeit einzufahren. 2026 stellte unsere Delinat-Winzer im Süden Italiens und in Südfrankreich erneut vor grosse Herausforderungen. Rekordhitze, wochenlange Trockenheit, aber auch heftige Stürme sowie ergiebige Regenfälle prägten das Jahr in ganz Südeuropa.
Wir haben bei einigen unserer Weingüter nachgefragt, wie sich der Klimawandel diesen Sommer bemerkbar gemacht hat, und was das für den Jahrgang 2026 bedeutet. Das Ergebnis stimmt zuversichtlich: Wo naturnah und mit Weitsicht gearbeitet wird, trotzen Reben auch extremen Bedingungen.
Sizilien: Vulkanasche und PIWIs als Erfolgsrezept
Auf dem Weingut von Massimo Maggio im sizilianischen Vittoria begann die Lese heuer mit den robusten, pilzwiderstandsfähigen Rebsorten. Nach einem regenreichen Frühling brachte der Frühsommer angenehme Temperaturen. Mitte Juli folgte dann allerdings eine Hitzewelle, die mit bis zu 46 Grad das Gebiet überrollte, ein persönlicher Rekord für Massimo Maggio.
Eine rechtzeitige Bewässerung im Weinberg verhinderte grössere Qualitäts- und Ertragseinbussen. Die Hitze liess die Trauben früher reifen, und der Ätna sorgte zusätzlich für Aufsehen: Zwei Wochen lang hüllte er die Weinberge in Vulkanasche. Das Resultat dürfte laut Maggio ein mineralischer, dementsprechend vulkanisch geprägter Jahrgang mit überraschend guter Säure und fruchtigem Bouquet werden. Sein Fazit: Trotz Klimawandel entstehen auch 2026 Weine von grossem Charakter. Mit jener Eleganz, die für sizilianisches Terroir typisch ist.
Apulien: Präzisionsarbeit für den Primitivo di Manduria
Auch bei Felline im Süden Apuliens, wo der berühmte Primitivo di Manduria wächst, war 2026 ein Jahr der Extreme. Winzer Salvatore Mero beschreibt einen feuchten Winter und Frühling – bis Ende April fielen rund 472 mm Niederschlag –, gefolgt von einem trockenen, heissen Sommer: Die Durchschnittstemperatur stieg von knapp 20 Grad im Mai auf über 26 Grad im Juni, mit Spitzen von 37 Grad. Die frühe Wasserversorgung erwies sich auch hier als Glücksfall: Sie liess die Reben kräftig wachsen und Reserven bilden, bevor die Trockenheit einsetzte.
Dank guter Bodentiefe konnten viele Parzellen den Wassermangel gut kompensieren. Die Trockenheit hielt zudem Pilzkrankheiten und Schädlinge weitgehend fern. So gesehen ein Plus für die Traubengesundheit. Konzentrierte Aromen, gute Schalenreife und gesunde Trauben lassen einen vielversprechenden Jahrgang erwarten, erzählt Salvatore Mero. Herausfordernd bleibt der Wasserstress auf flacheren, sandigen Böden.
Des Winzers Fazit: Sorgfältige, differenzierte Bewirtschaftung macht 2026 zu einem Jahrgang mit grossem Potenzial für einen typischen, charaktervollen Primitivo.
Languedoc: Sturm, Feuer und ein rettender Winter
Besonders bewegt hat uns der Bericht von Anne und Jean Lignères vom Weingut La Baronne in Moux, Südfrankreich: Zwischen 2022 und 2025 erlebte das Weingut drei Jahre extremer Trockenheit und Hitze, dazu einen verheerenden Waldbrand im Juli 2025. Die Erträge der letzten beiden Jahre fielen entsprechend niedrig aus.
Der Winter 2025 auf 2026 brachte dann eine ersehnte Wende: Über 800 mm Niederschlag zwischen Dezember und März liessen die Natur wieder aufleben und retteten die Reben. Doch das Jahr hielt einen weiteren Schicksalsschlag bereit: Am 12. Februar fegte Sturm Nils mit über 150 km/h über die Region und riss zahlreiche alte Bäume um – ein schmerzlicher Verlust für Weingut und Landschaft.
Seit März blieb nennenswerter Regen aus, ab Mitte Juni folgten intensive Hitzeperioden mit bis zu 40 Grad. Dass die Reben dennoch gut durchhielten, verdankt das Team einer cleveren Massnahme: eine schützende Mulchschicht auf den Böden, die die Verdunstung reduziert. Um die Erntehelfer vor der grössten Hitze zu schützen, beginnt die Arbeit im Weinberg bereits um fünf Uhr morgens mit Stirnlampen.
Die Lese 2026 startete vergangene Woche mit den weissen Sorten Roussanne, Grenache Gris, Grenache Blanc und Rolle, gefolgt von den roten Sorten Syrah, Grenache, Carignan und Mourvèdre. Am Fusse der Montagne d'Alaric hofft das Team dank der natürlichen Mineralität des Terroirs auf ausdrucksstarke, gut balancierte Weine.
Rhône: Geduld statt Hektik
Auch auf der Domaine de Beaurenard im südlichen Rhônetal war der Sommer heiss und trocken – zum Glück ohne die Extremwerte anderer Regionen. Etwas Regen wäre jetzt noch willkommen, doch Familie Coulon bleibt gelassen: Man dürfe frühe Lese nicht mit überstürzter Lese verwechseln, betont das Team.
Die aktuellen Temperaturen begünstigen eine gute Reife, die aber noch nicht ganz erreicht ist. Entscheidend sei nicht allein das Erntedatum, sondern das feine Zusammenspiel von Klima, Anbaupraxis, Terroir und Know-how. Ein wichtiges Werkzeug dafür ist der traditionelle Rebschnitt in Gobelet-Form, der jede Traube mindestens die Hälfte des Tages beschattet und so die natürliche Säure bewahrt.
Die Lese hat somit noch nicht begonnen, startet dann aber traditionell mit einer Parzelle weisser Trauben auf Kalk- und Sandböden sowie mit früh reifenden Grenache- und Syrah-Parzellen. Darauf folgen Tag für Tag weitere Parzellen, bis die Ernte 2026 eingefahren ist.
Was uns die Ernte 2026 in Südeuropa lehrt
Ob Sizilien, Apulien, Languedoc oder Rhône: Der Sommer 2026 zeigt einmal mehr, wie sehr der Klimawandel den Weinbau in Südeuropa herausfordert. Hitzerekorde, Wasserknappheit und Extremwetter sind keine Ausnahme mehr, sondern direkte Konsequenzen des klimatischen Wandels.
Die Berichte unserer Delinat-Winzer zeigen, dass eine naturnahe, biodiverse Bewirtschaftung Wirkung zeigt: gesunde, wasserspeichernde Böden, schützender Mulch, robuste PIWI-Sorten und ein tiefes Verständnis für das eigene Terroir helfen den Reben. Dafür steht die Delinat-Methode. Und doch wäre ihre Umsetzung ohne die Resilienz unserer Winzer und den tiefen Glauben an die Natur und die Wichtigkeit, diese zu schützen nicht möglich.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an unsere Delinat-Winzer, Anne Lignères, Massimo Maggio, Salvatore Mero und Antonin von der Domaine de Beaurenard, die uns trotz vollem Lese-Stress ihre Eindrücke aus dem Weinberg geschickt haben.
Über die Autorin
Nina Wessely, Redaktorin
Ich liebe Wein. Und ich liebe die Natur. Beides bei Delinat gefunden zu haben, macht mich glücklich. Und von diesem Glück erzähle ich gerne.