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Ernte 2026, Teil III: Unsere Winzer in Spanien und Norditalien

Frühe Lese, kleine Beeren, grosse Qualität: Von Katalonien über Rioja bis ins Piemont und in die Toskana zeigt der Jahrgang 2026, wie naturnaher Weinbau selbst extreme Sommer meistert. Ein Blick auf die Ernte unserer Delinat-Winzer in Spanien und Norditalien.

Text

Nina Wessely
Redaktorin
17.09.2026

Ernte bei Albet i Noya
Erntezeit bei Albet i Noya im katalanischen Penedès.

«Vendimia» in Spanien oder «Vendemmia» in Italien: Die Weinlese ist für unsere Delinat-Winzerfamilien in Spanien und Norditalien auch 2026 wieder die intensivste, aber schönste Zeit des Jahres. Nach einem Winter und Frühjahr mit vielerorts ergiebigen Niederschlägen prägten ab Mai anhaltende Hitzewellen und wochenlange Trockenheit den Sommer, von Katalonien über die Rioja bis ins Piemont und in die Toskana. Die Lese begann deshalb bei vielen Betrieben deutlich früher als gewohnt.

Wir haben bei Albet i Noya, Osoti, Quaderna Via, Poggio Ridente und San Vito nachgefragt, wie sich das Jahr 2026 wettertechnisch bei ihnen gezeigt hat, und was das für die Trauben sowie für die Ernte bedeutet. Das Fazit ist bei aller Hitze erfreulich einhellig: gesunde, kompakte Trauben von sehr guter Qualität. Wenn auch in der Menge etwas reduzierter. 

Katalonien: Frühester Erntebeginn der Weingutsgeschichte

Bei Albet i Noya im Penedès sorgten ausgiebige Regenfälle im Winter und zu Beginn des Frühlings zunächst dafür, dass sich die lehmigen Böden gründlich mit Wasser vollsaugen konnten. Die vergangenen vier Monate brachten dann aneinandergereihte Hitzewellen mit 35 bis 37 Grad und keinem Tropfen Regen. Das setzte den Reben spürbar zu – vor allem den jüngeren Anlagen, deren Wurzeln noch nicht tief genug reichen, um an das Grundwasser zu gelangen. Eine gezielte Stützbewässerung half hier aus, erzählt Delinat-Winzer Josep-Maria Albet i Noya. 

Josep Maria Albet i Noya und das Delinat-Team im Weingarten
Das Delinat-Team aus Winzerberaterin Arina Schefer, Geschäftsführer Michel Fink sowie Weineinkäuferund Weinakademiker Emil Hauser zu Besuch bei Josep Maria Albet i Noya nach der Ernte 2025.

All das liess die Ernte so früh beginnen wie nie zuvor: Bereits am 28. Juli wurden die ersten Trauben gelesen. Wegen der grossen Hitze, die Erntehelfer wie Trauben gleichermassen fordert, startet das Team morgens um fünf Uhr mit Stirnlampen und arbeitet bis in den frühen Nachmittag. Trotz der aussergewöhnlichen Bedingungen kam man bei Albet i Noya heuer mit nur einer einzigen Behandlung gegen Mehltau aus. Das Ergebnis: Die Trauben kommen sehr gesund und sauber, mit ausgezeichneter Qualität, in den Keller.

Rioja: Die schönste Zeit im Jahr, trotz erschwerten Bedingungen  

Javier und Francisco im Weinberg
Francisco Ruiz Jimènez und Sohn Javier bearbeiten ihre Weinberge seit Jahren nach biologischen Prinzipien.

Auch bei Francisco und Javier Ruiz Jiménez vom Weingut Osoti in der Rioja war 2026 klimatisch alles andere als einfach: einem regenreichen Winter folgten Phasen extremer Trockenheit, dazu eine intensive Hitze bereits ab dem Frühling. Auch Winzer Francisco Ruiz Jiménez beginnt die Lese entsprechend früher als sonst üblich.

Trotz der widrigen Bedingungen bleibt für den Delinat-Winzer Francisco die Weinlese die schönste und aufregendste Zeit im Jahr. Es sind die Tage an denen die Frucht eines ganzen Jahres voller Arbeit, Einsatz und Hingabe im Weinberg endlich eingebracht werden. Mit derselben Begeisterung wie immer startet das Team in eine neue Ernte, bereit, jeden einzelnen Tag zu geniessen und all die Mühe in grosse Weine zu verwandeln, die die Geschichte dieses Jahrgangs, sowie dieses Landstrichs erzählen.

Delinat-Winzer Raùl Ripa vom Weingut Quaderna Via ist sich sicher: «Der Jahrgang 2026 ist etwas ganz Besonderes, sehr unterschiedlich gegenüber allen anderen bisher. Die zwei Worte, die den Jahrgang 2026 beschreiben, sind: früh und Hitze.»

Raul, Jorge, Javier Ripa
Das Quaderna Via Dreamteam (v.li.n.re.): Die Brüder Raùl und Jorge Ripa, mit Raùls Sohn Javier.

Die Reben trieben in Navarra sehr früh aus und wuchsen schnell aufgrund der Winterregen und der bereits im Frühjahr sehr hohen Temperaturen. April und Mai verhielten sich wie normale Monate. Im Juni, Juli, August und September zählte man in Navarra historisch hohe Temperaturen, was zu einer verfrühten Lese geführt hat.

Tatsächlich hatte man bei Quaderna Via die Weinlese, die früher zwischen September und den ersten beiden Oktoberwochen stattfand, dieses Jahr bereits in der ersten Septemberhälfte abgeschlossen. Im speziellen Fall von Quaderna Via waren dieses Jahr auch die Hagelstürme sehr bedeutsam. Diese traten am 12. Mai, wenige Tage vor dem Delinat-Winzerseminar auf. «Das hat uns ziemlich viele Kilo Trauben gekostet, was sich in einer mengenmäßig knappen Ernte niedergeschlagen hat», erklärt Raùl.

Was die Qualität betrifft, ist man bei Quaderna Via hingegen sehr, sehr zuversichtlich: Die Weiss- und Roséweine, die bereits fertig sind, sind sehr aromatisch, voluminös, klar sowie fruchtig im Mund, und sehr ausgewogen. Bei den Rotweinen, die noch gären, sähen sie ebenfalls bereits jetzt, dass sie voluminös im Mund und mit nicht aggressiven Tanninen ausfallen werden. «Aus all diesen Gründen sind wir wirklich sehr zufrieden», lächelt der Delinat-Winzer.

Piemont: Alte Reben im Vorteil

Im piemontesischen Cocconato zeigt sich bei Winzerin Cecilia Zucca auf der Azienda Poggio Ridente ebenso ein klares Muster: Alte Reben mit tiefem Wurzelwerk stecken dank der Frühjahrsregen die Sommertrockenheit gut weg, während jüngere Anlagen unter zehn Jahren spürbar unter Wasserstress litten. Neupflanzungen und Setzlinge bereiteten sogar grössere Probleme.

Cecilia Zucca im Weingarten
Dem Weingut Poggio Ridente, das Winzerin Cecilia Zucca mit ihren Töchtern führt, entstammen Barberas voller Saftigkeit und Frische.

Insgesamt liegt der Jahrgang 2026 mindestens 30 Tage vor dem üblichen Rhythmus, erzählt die Winzerin. Die Trauben sind aber gesund und von guter Qualität. Bei den Grundweinen für Schaumwein sowie bei den Weissweinen zeichnet sich zudem eine gute Menge an Trauben ab, in etwa vergleichbar mit dem Vorjahr. Bei den roten Sorten fällt die Menge etwas geringer aus, bei sehr guter Qualität. Cecilia Zuccas Fazit: «Ein bislang exzellenter, wenn auch früher Jahrgang.»

Toskana: Gute Erwartungen an den Jahrgang 2026

Auf dem Weingut San Vito bei Neri Gazulli war der Winter, der Winterausklang und der Frühlingsbeginn von willkommenen Niederschlägen geprägt. Sie bescherten den Böden eine ausgezeichnete Wasserreserve. Während der Blüte blieb nennenswerter Regen aus – ein Glücksfall aus pflanzenschutztechnischer Sicht, der somit den Einsatz von Kupfer und Schwefel deutlich reduzierte.

Neri Gazulli mit seinem Ernte-Team.
Neri Gazulli vom Weingut San Vito in der Toskana mit seinem Ernte-Team.

Ab der zweiten Frühlingshälfte zogen gleich vier Hitzewellen mit jeweils steigender Intensität für einige Sorgenfalten. Bemerkenswert ist laut Gazulli aber, dass die Reben sich dank der stetigen, wiederkehrenden Hitzeperioden, anstelle eines abrupten Hitzeschocks wie in früheren Jahren, schrittweise anpassen konnten und die Belastung erstaunlich gut wegsteckten.

Die Lese startete mit Chardonnay-Trauben am 7. August. Die Trauben sind von hoher Qualität, mit sehr erfreulichen analytischen Werten sowie gut erhaltener Säure. Ein Segen war zudem ein rund 70 mm starker, gleichmässig verteilter Regen rund um Mariä Himmelfahrt, also um den 15. August: Er sorgt nun für eine langsamere, graduellere Reifung, besonders bei den roten und den für Rosé-Wein bestimmten Trauben. Bislang zeigen sich keine Anzeichen von Sonnenbrand, die Vegetation reagiert weiterhin gut. Neri Gazullis Conclusio: «Trotz allem, was man derzeit über den heissen Sommer hört und liest, sind die Erwartungen an diesen Jahrgang sehr gut.»

Ob Katalonien, Rioja, Piemont oder Toskana: Auch hier zeigte der Sommer 2026, wie stark sich der Klimawandel im Weinberg bemerkbar macht. Frühe Lese, Wasserstress bei jungen Anlagen und wiederkehrende Hitzewellen gaben auch hier den Ton an.

Positiv stimmt, dass die Berichte unserer Delinat-Winzer zeigen, dass naturnaher, biodiverser Weinbau wirkt: tief wurzelnde, alte Reben, gesunde Böden, sowie ein ausgeklügeltes Wassermanagement-System, alles in der Delinat-Methode verankerte Grundsätze, unterstützen die Reben, auch Extremjahre gut zu meistern.

Wir danken unseren Delinat-Winzern Josep-Maria Albet i Noya, Francisco Ruiz, Raùl Ripa, Cecilia Zucca und Neri Gazulli herzlich, dass sie uns trotz vollen Lese-Stresses ihre Eindrücke aus dem Weinberg geschickt haben.

Wir wünschen eine gute und gesunde Ernte 2026! 

Über die Autorin

Nina Wessely

Nina Wessely, Redaktorin

Ich liebe Wein. Und ich liebe die Natur. Beides bei Delinat gefunden zu haben, macht mich glücklich. Und von diesem Glück erzähle ich gerne.

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