Wassermanagement im Weinbau
Die Verfügbarkeit von Wasser und der Umgang damit wird auch im Weinbau immer mehr zum Knackpunkt dahingehend, ob dieser in besonders trockenen Regionen in Zukunft überhaupt noch möglich sein wird.
Text
Martina Korak
Önologin 12.08.2025
In den Zeiten wachsender ökologischer Anforderungen ist des Wassers entweder zu viel oder zu wenig, sehr oft zur falschen Zeit und plötzlich in zu grosser Menge vorhanden. Daher ist es wichtig, das Wasser nachhaltig zu nutzen. Delinat-Winzer möchten auch auf die Bewässerung der Reben möglichst verzichten. Auch wenn man dadurch kurzfristig die Erträge sichern kann, so birgt diese doch mehr Nachteile: Die Reben gewöhnen sich an das Wasser und sind weniger gut an Trockenheit angepasst.
In heissen, trockenen Regionen verdunstet ein Teil des Giesswassers schnell – besonders bei Überkopfbewässerung oder wenn tagsüber bewässert wird. Dabei bleiben Salze aus dem Boden oder dem Wasser zurück, was langfristig zu Bodenversalzung führen kann. Und natürlich ist der Bedarf an Wasser so gross, dass die Bewässerung zum Absinken der Grundwasserspiegels führt. Deshalb versuchen alle Winzer das Regenwasser auf die eine oder andere Art zu sammeln und im Boden zu halten.
Mehr Humus, mehr Wasser
Dafür wird jeder versuchen, den Humusgehalt im Boden zu erhöhen, denn Humus hält das Wasser. Humus besteht aus stark zersetzten organischen Materialien mit einer enorm grossen inneren Oberfläche (vergleichbar mit einem Schwamm). Diese kolloidalen Strukturen können grosse Mengen Wasser wie ein Gel speichern – nicht nur an der Oberfläche, sondern auch im Inneren ihrer Porenstruktur.
Ein Prozent mehr Humusgehalt im Boden bedeutet etwa bis zu 160 Liter mehr Wasser-Speicherfähigkeit pro Quadratmeter Bodenfläche – je nach Bodentyp. Ausserdem wirkt er wie eine Schutzschicht gegen Verdunstung, insbesondere wenn er als Mulch oder durch Pflanzenrückstände an der Bodenoberfläche vorhanden ist. Das hält die Bodenfeuchtigkeit länger zurück. Natalino Fasoli ist in der Region Verona zu Hause. Dort ist es vor allem im Frühling und Frühsommer oft zu nass. Aber im Sommer, wenn es richtig heiss und trocken wird, leiden die Reben trotzdem. Er setzt auf die humusfördernde Bodenbewirtschaftung. Seine Rebberge sind das ganze Jahr begrünt.
Bei Marco Salustri in der Maremma ist es hingegen eher trocken. Neben der Winterbegrünung hat er in seinen Rebbergen horizontale Rinnen angelegt. Dadurch versickert das Niederschlagswasser langsamer und fliesst nicht schnell oberflächlich ab. Josep-Maria Albet i Noya sammelt den Regen in Auffangbecken.
Beginnen die Reben unter Trockenheit zu leiden, so kann er dieses Wasser verwenden, um die Weinberge zu bewässern. Somit schont er das Grundwasser. Langfristig liegt die Zukunft des Weinbaus nicht in einer zunehmenden Technisierung der Wasserzufuhr, sondern in einem intelligenten Umgang mit natürlichen Ressourcen. Nur wer die Widerstandskraft seiner Böden und Reben stärkt, kann auch in Zeiten des Klimawandels nachhaltig und qualitätsorientiert wirtschaften.
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Über die Autorin
Martina Korak, Önologin
Wein lässt sich nicht aufzwingen, manchmal ist er beschwingt und fröhlich, manchmal zurückhaltend und anmutig, manchmal launisch, gar rebellisch. Diese Erkenntnis fasziniert mich immer wieder.