Was passiert während eines Jahres im Weingarten?
Wein entsteht aus der Zusammenarbeit von Winzer und Natur während eines gesamten Jahresverlaufs. Tausende Entscheidungen prägen am Ende des Jahres den Wein, verleihen ihm Potenzial und machen den Wein damit zu diesem faszinierenden Produkt aus menschlichem Know-how und regionalen, klimatischen Gegebenheiten.
Text
Nina Wessely
Redaktorin 09.01.2026
Das Jahr im Weingarten folgt einem klaren Rhythmus, der von den Jahreszeiten, den Entwicklungsphasen der Rebe und den jeweiligen Arbeiten des Winzers geprägt ist. Dabei spielt das Wetter in jeder Phase eine entscheidende Rolle, denn es beeinflusst sowohl die Gesundheit der Reben als auch die Qualität des späteren Weines. Nicht umsonst heisst es: «Aus schlechten Trauben kann man keinen guten Wein machen. Allerdings leider aus guten Trauben einen schlechten Wein.»
Im Winter, meist von Dezember bis Februar, befindet sich die Rebe in der Vegetationsruhe. Die Blätter sind gefallen, der Saftstrom ist zum Erliegen gekommen.
Der Rebschnitt, eine wichtige Aufgabe
In dieser Zeit wird der Rebschnitt durchgeführt, eine der wichtigsten Arbeiten im Weingarten. Ziel ist es, das Wachstum der Rebe zu regulieren und die Grundlage für Ertrag und Qualität des kommenden Jahres zu legen. Auf dem Weingut Hirschhof der Familie Zimmer in Rheinhessen, einem der Pionierbetriebe im Delinat-Sortiment, herrscht zu der Zeit konzentrierte Ruhe.
Beim Rebschnitt wird genau überlegt, wie viele Augen stehen bleiben. Ziel ist es, die Reben nicht zu überfordern und ihre natürliche Balance zu fördern. Ideale Winterbedingungen sind kühle, aber nicht extrem frostige Temperaturen. Anhaltender starker Frost kann die Rebstöcke schädigen, während milde Winter den Schädlingsdruck erhöhen können. Etwas Schnee ist von Vorteil, da er den Boden vor starkem Durchfrieren schützt und als Wasserspeicher dient.
Der Frühling zieht ins Land
Mit dem Frühling, etwa ab März oder April, beginnt das neue Weinjahr sichtbar. Die Temperaturen steigen, der Boden erwärmt sich, und die Rebe beginnt zu „bluten“, bevor der Austrieb erfolgt. So nennt man das Austreten von klarer Flüssigkeit an den Stellen, an denen der Rebschnitt erfolgte.
Nun treiben die Knospen aus, und die jungen Triebe entwickeln sich. In dieser Phase werden Arbeiten wie das Biegen der Ruten, das Anbinden sowie erste Bodenpflege durchgeführt.
Auf Château Duvivier in der Provence, dem Delinat-eigenen Forschungs- und Demonstrationsweingut, blühen zwischen den Rebzeilen Wildkräuter, Leguminosen und Blumen. Diese artenreiche Begrünung ist ein zentrales Element der Delinat-Methode. Sie fördert Nützlinge, verbessert die Bodenstruktur und sorgt dafür, dass Wasser besser gespeichert wird. Vögel, Insekten und Reptilien finden hier einen vielfältigen Lebensraum.
Ideales Frühlingswetter ist sonnig und mild, mit ausreichender, aber nicht übermässiger Feuchtigkeit. Besonders gefürchtet sind Spätfröste, da sie die jungen Triebe zerstören und erhebliche Ertragsverluste verursachen können.
Sommer und Herbst, Ergebnisse werden sichtbar
Im Frühsommer, etwa von Mai bis Juni, wächst die Rebe sehr schnell. Es kommt zur Blüte, einem äusserst sensiblen Stadium. Jetzt entscheidet sich bereits ein grosser Teil des späteren Ertrags. Der Winzer führt Laubarbeiten wie das Ausbrechen überzähliger Triebe und das Heften der Triebe durch. Ziel ist es, die Reben gut zu belüften und optimal auf das Sonnenlicht auszurichten. Ideal während der Blüte ist trockenes, warmes und windstilles Wetter. Kühle Temperaturen oder Regen können die Blüte stören und zu Verrieselung führen, also zu schlecht ausgebildeten Trauben.
Der Sommer, von Juli bis August, ist geprägt von der Traubenentwicklung und dem Beginn der Reifephase, der sogenannten Véraison, bei der sich die Beeren verfärben und weicher werden. Jetzt stehen weitere Laubarbeiten an, etwa das gezielte Entblättern der Traubenzone, um die Durchlüftung zu verbessern und Krankheiten vorzubeugen.
Das ideale Sommerwetter ist warm, aber nicht extrem heiss, mit viel Sonnenschein und gelegentlichen Niederschlägen. Zu viel Regen begünstigt Pilzkrankheiten, während anhaltende Hitze und Trockenheit die Reben in Stress versetzen können. Gerade in südlicheren Gebieten, wie bei Familie Lignères im Corbières, ist die Wasserversorgung der Reben zentrales Thema. Über die Jahre versuchen Winzer ihre Reben derart zu stärken, dass sie auch längere Trockenperioden gut überstehen.
Der Lohn eines ganzen Jahres
Im Herbst, meist ab September, erreicht das Weinjahr seinen Höhepunkt: die Lese. Die Trauben werden je nach Rebsorte, Witterung und auch Weinstil, der der Winzerin, dem Winzer vorschwebt, gelesen. Zuvor kontrolliert der Winzer regelmässig den Reifezustand, klassischerweise den vorhandenen Zucker in der Traube, auch wenn immer mehr Winzer dem Gesamteindruck des Geschmacks der Traube mehr Bedeutung beimessen, als einzelnen Säure- oder Zuckerwerten. Hier kommen Erfahrung und die Vertrautheit mit der Region sowie den Weingärten insbesondere zum Tragen.
Ideales Herbstwetter ist sonnig und trocken mit kühlen Nächten, da dies die Aromabildung fördert und die Säure erhält. Regen kurz vor der Lese kann die Trauben verwässern oder Fäulnis begünstigen, weshalb der richtige Lesezeitpunkt von grosser Bedeutung ist.
Nach der Ernte kehrt allmählich Ruhe im Weingarten ein. Die Reben lagern Reservestoffe ein, bevor sie erneut in die Winterruhe übergehen. Das Jahr schliesst sich, und der Kreislauf beginnt von Neuem. Jeder Jahrgang ist dabei einzigartig, da das Zusammenspiel von Arbeit, Wetter und Natur nie exakt gleich verläuft. Gerade diese Vielfalt macht den Weinbau so anspruchsvoll und so faszinierend.
Das Weinjahr - kurz und bündig
Was passiert im Winter im Weingarten?
Im Winter, meist von Dezember bis Februar, befindet sich die Rebe in der Vegetationsruhe. In dieser Zeit wird der Rebschnitt durchgeführt, eine der wichtigsten Arbeiten im Weingarten.
Wie zeigt sich der Frühling im Weingarten?
Der Saftstrom kehrt in die Reben zurück, die jungen Triebe entwickeln sich. In dieser Phase werden Arbeiten wie das Biegen der Ruten, das Anbinden sowie erste Bodenpflege durchgeführt.
Was passiert im Sommer im Weingarten?
Der Sommer ist geprägt von der Traubenentwicklung und dem Beginn der Reifephase, der sogenannten Véraison, bei der sich die Beeren verfärben und weicher werden. Jetzt stehen weitere Laubarbeiten an, etwa das gezielte Entblättern der Traubenzone, um die Durchlüftung zu verbessern und Krankheiten vorzubeugen.
Wie sieht der Herbst im Weingarten aus?
Das Weingartenjahr erreicht seinen Höhepunkt. Die Ernte nach einem Jahr Arbeit erfolgt. Der Winzer überprüft, ob die Trauben reif sind. Während und kurz vor der Ernte ist trockenes Wetter erwünscht.
Weiterlesen: Was macht der Winzer im Winter, Martina Korak, Dezember 2024
Über die Autorin
Nina Wessely, Redaktorin
Ich liebe Wein. Und ich liebe die Natur. Beides bei Delinat gefunden zu haben, macht mich glücklich. Und von diesem Glück erzähle ich gerne.