Die neue Leichtigkeit im Wein
Wenn Mickaël Gaulhiac über seine Arbeit auf Château Duvivier spricht, leuchten seine Augen. Es ist nicht nur die Rede von Wein, sondern von einer Vision – einer Landwirtschaft, die den Boden nährt, Wasser schont und die Artenvielfalt schützt. Der letzte Wurf daraus: eine neue Weinlinie, mit weniger Alkohol aber genauso viel Ausdruck, wie wir es von den Weinen von Château Duvivier gewohnt sind: die Botanica-Linie.
Text
Nina Wessely
Redaktorin
22.05.2025
Der Weg von Mickaël Gaulhiac in die Weinwelt war gewissermassen vorgezeichnet. Als Enkel eines Kaufmanns und eines Winzers sowie als Sohn eines Winzers wuchs er in einem Umfeld auf, in dem die Rebe stets präsent war. Die definitive Entscheidung für die Arbeit im Weingarten traf er erst ein wenig später: 1998 absolvierte Mickaël sein erstes Praktikum in einem biologisch bewirtschafteten Betrieb. Weitere Praktika, stets in Betrieben mit nachhaltigem Anspruch, folgten. Mit einem Abschluss in Weinbau und Önologie war der theoretische Grundstein für die Karriere gelegt.
Ab 2007 arbeitete er auf Château Couronneau, ebenfalls ein Delinat-Weingut und zudem Vorreiter des biologischen Weinbaus in der Nähe von Sainte-Foy-la-Grande, im Bordeaux. Dort perfektionierte er seine Techniken und prägte mit seinem Wissen einen Betrieb, der als Referenz für nachhaltige Qualität gilt.
Mickaël Gaulhiac: Winzer aus Überzeugung
Doch Mickaël wollte mehr: 2016 gründete er seinen eigenen Betrieb im Anbaugebiet Pécharmant. Ein kleines, aber vielversprechendes Weingut auf kalk- und tonhaltigen Böden. Für ihn ein Terroir, das an die grossen Lagen des Pomerol im Bordeaux erinnern.
2021 begann für Mickaël ein neues Kapitel im Süden Frankreichs: Auf Château Duvivier, dem Delinat-Forschungsweingut in der Provence. Hier widmet er sich mit ganzer Kraft zwei Aufgaben: der Weiterentwicklung regenerativer Anbaumethoden und der Herstellung charaktervoller Weine. Mit tiefer Überzeugung sagt er: «Die Versuche rund um die Regeneration der Böden und resistente Rebsorten begeistern mich. Ich bin überzeugt, dass die Vision von Delinat und die Arbeit auf Château Duvivier die Zukunft des biologischen Weinbaus sind.»
Vinophiler Ausdruck des Wandels
Ein besonderes Augenmerk legt Mickaël dabei heute auf die neue Botanica-Linie. Drei Weine – Weiss, Rosé und Rot – bilden das Dreigestirn dieser neuen, zugänglichen Generation von Weinen. Ziel war es, leichte, frische und zugleich aromatisch komplexe Weine zu schaffen, die auch junge Weinfreunde begeistern und zu geselligen Momenten einladen.
So entstand der Botanica Blanc, eine Cuvée aus mediterranen Sorten wie Rolle und Clairette, ergänzt durch robuste Neuzüchtungen wie Muscaris und Cabernet Blanc. Das Ergebnis: Ein fruchtig-frisches Weissweinerlebnis mit zitrischer Lebendigkeit und blumiger Leichtigkeit – perfekt für heisse Sommertage.
Der Botanica Rosé zeigt sich reinsortig aus Cinsault, der klassischen Rosé-Traube der Provence. Mit nur elf Prozent Alkohol ist er ein federleichter Genuss mit animierender Säure und einem Hauch von roten Beeren. Ein echter Terrassenwein, der Geselligkeit und Unbeschwertheit in Flaschenform mit sich bringt.
Der Botanica Rouge bringt seinerseits die Sonne der Provence ins Glas. Eine elegante Komposition aus Syrah und Grenache Noir, die mit dunkler Beerenfrucht, feiner Tanninstruktur und harmonischer Säure überzeugt. Ein Rotwein, der trotz seiner Tiefe erstaunlich trinkfreudig bleibt.
Das Besondere an allen drei Weinen: Ihr bewusst reduzierter Alkoholgehalt und ihre Frische. Möglich wird das durch die gezielte Auswahl von Hefen, die Zucker nicht nur in Alkohol, sondern auch in Säure umwandeln. Das Resultat sind Weine mit mehr Leichtigkeit, ohne an Charakter zu verlieren.
Für Mickaël Gaulhiac sind die Botanica-Weine ein gelungener Ausdruck des Wandels. Sie verbinden Handwerk mit Forschung, Genuss mit Verantwortung. Und sie verkörpern das, was ihn antreibt: «Wir müssen neue Wege gehen, um die Zukunft des Weinbaus zu sichern.»
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Über die Autorin
Nina Wessely, Redaktorin
Ich liebe Wein. Und ich liebe die Natur. Beides bei Delinat gefunden zu haben, macht mich glücklich. Und von diesem Glück erzähle ich gerne.