Biodiversitätswinzer des Jahres 2016

Zum zweiten Mal nach 2015 hat Delinat zum internationalen Tag der biologischen Vielfalt  am 22. Mai den Biodiversitätswinzer des Jahres gekürt. Nach Albet i Noya und MaggioVini  geht die Auszeichnung dieses Jahr an die Domaine Lignères in der Corbières (Südfrankreich). Herzlichen Glückwunsch!

Rechtzeitig zum Tag der Biodiversität gibt es den Biodiversitätswein «Famille Lignères Biodiversité». Aus diesem Anlass bieten wir diesen eindrucksvollen Südfranzosen aus reicher Natur zum Spezialpreis an.

Famille Lignères Biodiversité, Aude-Hauterive IGP 2013
Das Etikett des Biodiversitätsweines 2016 steht für vorbildliche Artenvielfalt im Rebberg.

Die Cuvée aus Carignan, Grenache und Syrah spiegelt die Vielfalt der Traubensorten im Corbières wider. In der Nase betört der Wein durch Düfte von schwarzen Waldbeeren, Kirschen und schwarzer Schokolade. Am Gaumen wirkt er kräftig, aromatisch und sehr harmonisch. Die Trauben stammen von einem über 80-jährigen Weinberg, der noch im traditionellen Gobelet-System (Buschreben) angelegt ist. Die einzelnen Sorten wurden separat vinifiziert und zwölf Monate in gebrauchten Barriques ausgebaut. Erst danach erfolgte die Assemblage mit einem Anteil von je 35 Prozent Carignan und Grenache sowie 30 Prozent Syrah.

Die Brüder Lignères arbeiten leidenschaftlich mit und für die Natur: Sie pflanzen Bäume, Sträucher und Hecken in die Rebberge, legen Feuchtbiotope an, lassen Schafherden zwischen den begrünten Rebzeilen weiden. Ihr spannendes Vogelprojekt ist bemerkenswert. Mehr über die Passion für Wein und Natur der Brüder Lignères lesen Sie hier.

 

Sekundärkulturen im Weinberg – Auf gute Nachbarschaft

Sekundärkulturen wie Oliven, Mandeln, Früchte, Beeren, Gemüse und Kräuter im Weinberg sind nicht nur ein optischer Hingucker, sie tragen auch zur Biodiversität und damit zu einem stabilen Ökosystem bei. Und im besten Falle sind sie ein willkommener Nebenerwerb für den Winzer.

Aromatische Tomaten im Weinberg von Andreas Harm in der Wachau.
Aromatische Tomaten im Weinberg von Andreas Harm in der Wachau.

Zwischen den Rebzeilen von Andreas Harm reifen Tomaten, Zucchini, Gurken, Karotten, rote Rüben, Knoblauch und sogar Erdäpfel. Damit bewegt sich der Winzer aus der Wachau bei der Bewirtschaftung seines Weingartens ausserhalb der Komfortzone. Denn bei Rebbergen, die einem Mischgarten gleichen, ist der Arbeitsaufwand deutlich höher, Maschinen können kaum eingesetzt werden. Weil dem so ist, kann auch Andreas Harm diese Bewirtschaftungsform nur auf einem kleinen Teil seiner Rebfläche durchziehen. «Für uns ist aber dieser eine Weingarten ein Musterbeispiel für Vielfalt und Genuss», sagt er. Er macht die Familie Harm praktisch übers ganze Jahr zu Selbstversorgern beim Gemüse.

Gemüsegärten und Kräuterinseln

Auf Château Duvivier kommen die Gäste in den Genuss von Biozucchini...
Auf Château Duvivier kommen die Gäste in den Genuss von Biozucchini…

Etwas weniger aufwendig, aber ökologisch nicht minder wertvoll sind Sekundärkulturen, die in Form von kompakten Gemüsegärten, Kräuterinseln oder Fruchtbaumreihen zwischen einzelnen Rebparzellen oder am Rande der Weinberge angepflanzt werden. Beispielhaft wird das etwa auf dem Delinat-Weingut Château Duvivier in der Provence und bei Massimo Maggio in Sizilien umgesetzt.

Auf Duvivier reifen Weinbergpfirsiche, wie sie einst auf fast allen Weingütern Europas anzutreffen waren. An den meisten Orten sind sie aber der Rationalisierung zum Opfer gefallen. «Das ist sehr schade, denn Weinbergpfirsiche passen nicht nur sehr gut zum Rebberg, sie sind auch geschmacklich ein Genuss », erklärt Winzer Antoine Kaufmann. Der reichhaltige Gemüsegarten inmitten der Reben dient auf Château Duvivier der Versorgung der Feriengäste. Diese zeigen sich immer wieder begeistert von der frischen regionalen Provence-Küche, wie sie Küchenchef Uwe Fahs mit biologischen Produkten aus dem eigenen Weinberg zelebriert. Massimo Maggio hält nicht nur an seinen die Rebberge säumenden Oliven- und Zitrusbäumen fest, sondern hat zwischen einzelnen Parzellen auch grosszügige, herrlich duftende Kräutergärten angelegt.

... und von Weinbergpfirsichen.
… und von Weinbergpfirsichen.

Oliven – der Klassiker

Osoti-Winzer Francisco Ruiz kann neben Trauben auch Oliven ernten.
Osoti-Winzer Francisco Ruiz kann neben Trauben auch Oliven ernten.

Werden Sekundärkulturen im grösseren Stil angebaut, können sie für den Winzer einen willkommenen Zusatzerwerb bedeuten. Oliven eignen sich in südlichen Ländern dafür besonders gut. So vermarkten Weingüter wie San Vito und Salustri in der Toskana, Vale de Camelos in Portugal oder Osoti und Pago Casa Gran in Spanien neben Wein auch ihr eigenes Premium-Olivenöl. Winzer Carlos Laso von Pago Casa Gran im Hinterland von Valencia hat vor ein paar Jahren zusätzlich Granatäpfel angepflanzt, aus denen er jetzt erstmals eine kleine Menge Granatapfelwein produziert.

Stabileres Ökosystem

Duftende Rosmarin - sträucher in den Reben von Osoti
Duftende Rosmarin – sträucher in den Reben von Osoti

Sekundärkulturen sind nebst einer vielfältigen Bodenbegrünung, ökologischen Ausgleichsflächen, Trockensteinmauern sowie Holz und Steinhaufen wichtige Elemente, um eine Monokultur, wie sie auch ein Rebberg darstellt, aufzubrechen und das Ökosystem vielfältig und stabiler zu machen. Nutzpflanzen wie Oliven, Mandeln, Früchte, Gemüse, Beeren und Aromakräuter locken Insekten und Mikroorganismen an, die als Gegenspieler zu schädlichen Insekten und Pilzen wirken. Es ist deshalb unverständlich und aus ökologischer Sicht eine Katastrophe, dass die EU-Subventionspraxis noch immer Winzer mit Mischkulturen bestraft. Stattdessen gibt es Investitionsbeiträge für die Installation von bewässerten und intensiv bewirtschafteten Drahtbau-Rebanlagen.

Glyphosat: Gefahr für Leben und Biodiversität

Wer die üppig begrünten Weinberge der Delinat-Winzer mit bunten Wildblumen, duftenden Aromakräutern, angrenzenden Büschen, Hecken und Bäumen kennt, dem blutet das Herz, wenn er andernorts auf öde Monokulturen mit verbrannten braunen Streifen entlang der Rebzeilen stösst. Den Tod der Pflanzen führt in der Regel das Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat herbei, das der US-Chemieriese Monsanto unter der Bezeichnung «Roundup» weltbekannt gemacht hat. In unzähligen konventionell bewirtschafteten Weinbergen wird damit «Unkraut» entfernt und der Unterstockbereich chemisch «sauber» gehalten.

konventioneller Rebberg
Ein konventionell bewirtschafteter Rebberg an der Mosel: Das exzessive Spritzen von Unkrautvertilgungsmitteln wie Glyphosat zerstört jegliche Biodiversität.

Langfristig vernichtet dieses Gift alles Leben im Weinberg (und natürlich auch in vielen anderen landwirtschaftlichen Kulturen). Glyphosat ist quasi der schleichende Tod der Biodiversität. Aber nicht nur das: In einem kürzlich erschienen Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO wird das weltweit am häufigsten verwendete Herbizid ausserdem als «wahrscheinlich krebserregend» bewertet. Das hat nun Greenpeace Schweiz, die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz sowie die Stiftung für Konsumentenschutz bewogen, eine Petition: Glyphosat verbieten – jetzt! zu lancieren, mit welcher ein sofortiges Verbot von Glyphosat gefordert wird.

Delinat Weinberg
Der biologische Anbau nach den Delinat-Richtlinien fördert die Biodiversiät und sorgt für ein stabiles, sich selbst regulierendes Ökosystem im Weinberg.

Im biologischen Anbau sind Glyphosat und andere chemisch-synthetische Mittel tabu. Doch diese Flächen machen immer noch weniger als 10% von Europas Landwirtschaft aus. Und leider noch viel kleiner sind jene Flächen, auf denen Biodiversität aktiv gefördert wird, so wie auf Delinat-Weinbergen.

Helfen Sie mit, den Einsatz von Glyphosat zu stoppen und unterzeichnen Sie die Petition von Greenpeace Schweiz.

Danke für 100 Biodiversitäts-Feste

Am Freitag, den 22. Mai 2015, haben Kundinnen und Kunden ein starkes Zeichen für die Biodiversität gesetzt: An 100 Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz feierten über 2’000 Menschen am Internationalen Tag der Biodiversität die Artenvielfalt. Der von der UN initiierte Aktionstag wurde so zum Delinat-Tag der Biodiversität!

100 Feste für die Biodiversität
100 Feste für die Biodiversität

Vom Tessin bis an die Ostsee, von der französischen bis zur polnischen Grenze (siehe Karte) wurde kreativ und engagiert gefeiert: Meist draussen in der Natur, auf einer Wildblumenwiese oder im Garten. Bei manchen Festen musste mit angepackt werden, etwa bei der Renaturierung eines Wildbaches oder beim Aussäen von Frühlingsblumen. Ein Café zeigte sein «Urban Gardening»-Projekt, und in einem Atelier ging es um die Frage: «Geschmack oder Kunst?! Was wird gefeiert?» Ein Happening mit grünen Tischdecken und grüner Kleidung wurde inszeniert, und sogar in einem Fledermaushaus – dort wird die seltenste Fledermausart Deutschlands gehütet – wurde für Biodiversität und Artenvielfalt gefeiert.

Die meisten Feste jedoch fanden im privaten Rahmen statt. Das Gesprächsthema ergab sich meist von selbst, Kundinnen und Kunden tischten frühlingshafte Leckereien auf und die speziell für diesen Tag kreierten Biodiversitätsweine von Massimo Maggio und Albet i Noya lieferten gute Argumente: Wein aus Biodiversität schmeckt besser!

Wir danken allen, die mitgemacht haben, ganz herzlich – und kündigen schon den nächsten Termin an: Am 22. Mai 2016 werden wir wieder zur Aktion für die Biodiversität aufrufen. Details folgen im nächsten Frühjahr…

 

Setzen sie ein Zeichen für die Vielfalt!

Bunte Wildblumen und duftende Aromakräuter locken Schmetterlinge und Bienen an, Vögel nisten in dichten Hecken, Echsen sonnen sich auf Steinhaufen, Bäume und Sträucher bilden ein ökologisches Netzwerk, im Boden wimmelt es von Lebewesen: Das sind Delinat-Weinberge. Nicht nur schön fürs Auge, auch perfekt für Trauben in bester Terroirqualität. Seit über 30 Jahren kämpfen wir für mehr Biodiversität im Weinbau. Gleichwohl sind solche Naturparadiese noch immer viel zu selten. Auch der Bio-Boom reduziert Monokultur nicht.

Biodiversität im Weinberg

Wir setzen ein Zeichen

Gemeinsam mit Ihnen und unseren Winzern wollen wir jetzt ein starkes Zeichen setzen. Der Internationale Tag der biologischen Vielfalt vom 22. Mai ist wie geschaffen dafür. Wir machen ihn zum Delinat-Tag der Biodiversität! Auf dem grössten biologischen Weingut der Deutschschweiz von Karin und Roland Lenz in der Ostschweiz organisieren wir ein grosses Biodiversitätsfest. Unter anderem werden Josep Maria Albet i Noya aus Katalonien und Massimo Maggio aus Sizilien als Biodiversitätswinzer des Jahres ausgezeichnet.

Organisieren Sie ein Biodiversitätsfest

Dies soll nicht das einzige Fest zum Tag der biologischen Vielfalt bleiben. Liebe Freunde von Delinat: Setzen auch Sie ein Zeichen und stellen Sie in ihrem Umfeld ein eigenes Biodiversitätsfest auf die Beine. Wir unterstützen Sie mit Rat und Tat und unseren feinen Biodiversitätsweinen zum halben Preis. Unser Ziel sind 100 kleinere oder grössere Biodiversitätsfeste im deutschen Sprachraum, an denen am Freitag, 22. Mai 2015, Punkt 18 Uhr, gemeinsam auf die Biodiversität angestossen wird. Wie das alles funktioniert, erfahren Sie hier.

Anforderungen an Winzer steigen weiter

Die Delinat-Richtlinien gelten als anspruchsvollste in ganz Europa. Das bestätigen unabhängige Stellen wie WWF Schweiz oder Stiftung für Konsumentenschutz. Die umfassenden Richtlinien basieren auf der langjährigen Erkenntnis, dass die besten und authentischsten Weine aus Rebbergen mit reicher Biodiversität und intaktem Ökosystem entstehen. Deshalb werden die Richtlinien laufenden neusten Erkenntnissen angepasst. Auch 2015 steigen die Anforderungen an die Delinat-Winzer wieder.

Biodiversität im Weinberg
Pflanzeninsel im Weingut Meinklang

Selbst die besten Biorichtlinien lassen sich stets weiter verbessern. Diese Erfahrung machen unsere Fachleute durch gezielte, praxisnahe Forschungs- und Versuchstätigkeit in Zusammenarbeit mit unabhängigen Institutionen und Winzern in ganz Europa. So wurden die Richtlinien auch für das Jahr 2015 wiederum angepasst und erweitert.

Zu den wichtigsten Änderungen gehört die Ausweitung der Begrünung in den Weinbergen. Dies erhöht die biologische Aktivität und die Fruchtbarkeit im Boden. Eine möglichst ganzjährige, vielfältige Bodenbedeckung mit Klee und anderen stickstoffbindenden Leguminosen führt dazu, dass die Reben keine zusätzliche Düngung brauchen und widerstandsfähiger gegen Schadorganismen werden. Um die Vielfalt weiter zu erhöhen und die Lebensbedingungen für Nützlinge zusätzlich zu verbessern, verlangen unsere Richtlinien ein noch grösseres Blütenangebot sowie mehr Bäume und Büsche im Weinberg.

Blühender Klee im Weinberg
Blühender Klee im Weinberg

Auch im Pflanzenschutz bauen wir unsere Vorreiterrolle aus und senken die tolerierten Mengen von Kupfer und Schwefel, selbst wenn dies für die Winzer eine zusätzliche Herausforderung in ihrer Arbeit bedeutet. Je weniger dieser Stoffe in den Boden gelangen, desto besser entwickelt sich die biologische Aktivität des Ökosystems. Mit gutem Erfolg verwenden die Winzer bereits alternative Produkte wie Pflanzenextrakte, Backpulver oder Sirte aus der Käseherstellung und ersetzen zunehmend Kupfer und Schwefel.

Weinberg mit üppiger Begrünung
Weinberg mit üppiger Begrünung

In der Weinbereitung verbieten wir schon lange Hilfsmittel, die direkt von Tieren gewonnen werden (tierische Gelatine, Fischprodukte usw.). Zugelassen sind Hilfsstoffe aus tierischen Produkten wie Milch- und Hühnereiweiss. Für Veganer haben wir diese schon bisher deklariert. Neu gilt die Deklarationspflicht auch, wenn Horn- oder Knochenmehl als Düngemittel im Weinberg zum Einsatz kommt. Für Stallmist dagegen nicht.

Bei der Betriebsführung fordern wir von unseren Winzern Massnahmen zum Klimaschutz, zur Energieeffizienz und zur Ressourcenschonung. Dazu gehören unter anderem die Produktion von erneuerbarer Energie, der Einsatz von grünem Strom, energiearme Kühlung, Wärmerückgewinnung, Reduktion und Wiederverwendung von Verpackungen, energiesparende Fahrzeuge und Maschinen sowie Bahn- anstelle von LKW-Transporte. Zudem müssen Kellerei-Abwässer durch eine Kläranlage gereinigt, Spritzmittel mit Kupfer oder Schwefel sauber entsorgt sowie Abfälle getrennt und recycelt werden.

Büsche und Bäume wachsen rund um den Weinberg.
Büsche und Bäume wachsen rund um den Weinberg.

Wenn Sie einmal erleben möchten, wie sich die Delinat-Richtlinien konkret auf die Biodiversität in den Weinbergen unserer Winzer auswirken und gleichzeitig, Winzer, Küche und Kultur einer Region kennenlernen möchten, empfehlen wir unser kleines aber feines Reiseprogramm. Ganz neu im Programm ist die Piemont-Reise. www.delinat.com/weinreisen.

Die vollständigen Delinat-Richtlinien finden Sie hier: www.delinat.com/richtlinien.

Binding-Preis 2014: Visionär Karl Schefer ausgezeichnet

Im vergangenen Jahr wurde Delinat als erstes Schweizer Unternehmen mit dem begehrten deutschen CSR-Preis für Biodiversitätsmanagement ausgezeichnet. Und jetzt erhält Delinat-Gründer Karl Schefer persönlich den Binding-Preis für Natur- und Umweltschutz 2014. Es ist das erste Mal, dass der Patron eines gewinnorientierten Unternehmens diese renommierte Auszeichnung erhält.

Grosse Freude bei der Übergabe des Binding-Preises. Von links  Dr. Mario F. Broggi (Präsident des Kuratoriums), Karl Schefer und Andreas Adank (Stiftungsrat).
Grosse Freude bei der Übergabe des Binding-Preises. Von links Dr. Mario F. Broggi (Präsident des Kuratoriums), Karl Schefer und Andreas Adank (Stiftungsrat).

Binding-Preis für Natur- und Umweltschutz 2014

Die Preisverleihung fand am gestrigen Freitag in feierlichem Rahmen in Vaduz statt. Dr. Mario Broggi, Präsident Kuratorium Binding-Preis für Natur- und Umweltschutz, würdigte in seiner Laudatio Karl Schefer als Visionär und Wegbereiter für einen Weinbau mit grosser Biodiversität. «Bio ist normal geworden. Doch die teils niedrigen Standards erschrecken vor allem Eingeweihte. Von ganzheitlicher Betrachtung häufig keine Spur. Deshalb erhält man mit Bio alleine auch keinen Binding-Preis», sagte Mario Broggi. Karl Schefer dagegen habe mit seiner Firma erfolgreich dazu beigetragen, europaweit gegen den Trend der Monokultur einen ökologisch nachhaltigen Weinbau mit hoher Biodiversität zu etablieren, würdigte der Laudator die Verdienste des Preisträgers.

Dr. Mario Broggi liess sich bei der Laudatio von üppig begrünten Weinbergen einrahmen.
Dr. Mario Broggi liess sich bei der Laudatio von üppig begrünten Weinbergen einrahmen.

Karl Schefer gab in einer Dankesrede seiner grossen Freude über den Preis Ausdruck und meinte: «Wir sind auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel. Daher werden wir das Preisgeld vollumfänglich in ein Forschungsprojekt von Winzer Roland Lenz am Iselisberg (TG) investieren.»

Bedeutender Preis

Der seit 1986 alljährlich von der Binding Stiftung in Schaan (Fürstentum Liechtenstein) verliehene Binding-Preis für Natur- und Umweltschutz gilt in Fachkreisen Mitteleuropas als bedeutend. Er besteht aus mehreren Preisen. Neben dem Grossen Binding-Preis mit europäischer Dimension im Betrag von CHF 50‘000 werden in der Regel drei Binding-Preise zu CHF 10‘000 mit häufig regionalem Bezug vergeben. Die gewürdigten Leistungen tragen zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen in allen Bereichen der Umweltvorsorge und des Natur-, Landschafts- und Umweltschutzes bei. Die Stiftung wurde vom mittlerweile verstorbenen Stifterehepaar Sophie und Karl Binding gegründet. Bisher wurden über 100 Persönlichkeiten oder Organisationen ausgezeichnet.

Wer wird Biodiversitäts-Winzer des Jahres?

Wie soll Delinat den Tag der Biodiversität (22. Mai) feiern? Diese Frage stand im Zentrum unseres Ideenwettbewerbs, den wir im Frühling lanciert haben.

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Das Echo war überwältigend: Innerhalb weniger Tage sind über 150 Kommentare und Vorschläge auf dem Online-Portal eingegangen. Die eingereichten Ideen sind so vielfältig wie ein Rebberg mit reicher Biodiversität. Hier ein paar Beispiele:

  • 1000 Luftballons mit einer Tüte Blumensamen steigen lassen und die Menschen auffordern, die gefundenen Samen auszusähen.
  • Delinat-Kunden organisieren regionale Biodiversitätsfeste, an denen Delinat Wein zur Verfügung stellt.
  • Preis ausschreiben für ein nachhaltiges Biodiversitäts-Projekt.
  • Dem DegustierService-Paket Pflanzensamen beilegen, die im heimischen Garten, am Strassenrad oder in der Stadt aufgehen und wachsen können.
  • Jährliche Kür der besten Winzer, die am meisten für Biodiversität unternommen haben.

Letzterer Vorschlag stammt von Fritz Aebi aus Lützelflüh-Goldbach. Eine interne Jury hat ihn zum Sieger erkoren. Wir gratulieren zum Gewinn einer Ferienwoche für 2 Personen auf Château Duvivier in der Provence im Wert von 1400 Euro. Die Zahl von ursprünglich 10 Preisträgern haben wir aufgrund der hohen Beteiligung und vieler hervorragender Ideen auf 20 aufgestockt. Die übrigen Gewinner erhalten je ein Biodiversität-Feinschmecker-Paket vom Weingut Maggio im Wert von 49 Franken bzw. 38 Euro.

Biodiversitäts-Winzer 2015

Der siegreiche Vorschlag wird nun umgesetzt: Erstmals im Jahr 2015 wird Delinat die Auszeichnung «Biodiversitäts-Winzer des Jahres» vergeben. Gekürt werden Partnerwinzer, die sich mit einem aussergewöhnlichen Projekt oder einem überdurchschnittlichen Einsatz für mehr Biodiversität im Weinberg hervorgetan haben. Zurzeit läuft die Evaluation. Die Namen verraten wir kurz vor dem Internationalen Tag der Biodiversität vom 22. Mai 2015. Eine weitere eingegangene Idee haben wir bereits umgesetzt: Kunden sollen im Rahmen eines Wettbewerbs die Etiketten für je einen speziellen Biodiversitätswein der ausgezeichneten Winzer gestalten. Gestalten Sie eine phantasievolle Weinetikette! Verschiedene weitere vorgeschlagene Ideen befinden sich ebenfalls im Prüfungsstadium.

Mehr Ökoflächen

Im biologischen Weinbau, wie ihn Delinat versteht, wird ein möglichst selbstregulierendes Ökosystem angestrebt. Voraussetzung dafür ist eine reiche Biodiversität, die unter anderem mit genügend ökologischen Ausgleichsflächen (Magerwiesen, Heide, Biotope, Hecken, Felsen, offene Wasserflächen, Trockensteinmauern usw.) erreicht wird. Bislang verlangten die Delinat-Richtlinien mindestens 7 % Ausgleichsfläche innerhalb oder direkt beim Weinberg. Schon das war ein Spitzenwert.

Die ökologischen Ausgleichsflächen müssen auf Delinat-Weingüter neu mindestens 12% betragen.
Die ökologischen Ausgleichsflächen müssen auf Delinat-Weingüter neu mindestens 12% betragen.
Ausgleichslfächen im Vergleich
Auch bei den ökologischen Ausgleichsflächen sind die Ansprüche bei Delinat deutlich höher
als bei andern Bio-Labels.

Neue Studien zeigen, dass für stabile, sich selbstregulierende Ökosysteme im landwirtschaftlichen Flachland mindestens 12 bis 15 % ökologische Ausgleichsflächen notwendig sind. Auf Delinat-Partnerweingütern müssen diese deshalb neu mindestens 12 % ausmachen. 7 % davon müssen wie bisher direkt an die Rebflächen angrenzen oder innerhalb dieser liegen. Die zusätzlichen 5 % dürfen bis zu 1000 Meter entfernt liegen. Als Anpassungsfrist für die neue Anforderung gelten drei Jahre. Ab 2017 müssen Delinat-Winzer mindestens 12 % Ökofläche ausweisen. Damit setzen die Delinat-Richtlinien bei der Biodiversität neue Massstäbe. Die EU-Biorichtlinien verlangen noch überhaupt keine Ökoausgleichsflächen. Bio Suisse (Knospen- Label) verlangt einen Anteil von 7 %. Über die Neuerung wurde im April am internationalen Winzermeeting auf dem Weingut Meinklang im österreichischen Burgenland informiert (siehe Artikel «Grossaufmarsch»).

Die meisten Winzer sehen den höheren Ansprüchen an die ökologischen Ausgleichsflächen gelassen entgegen, wie eine kleine Umfrage zeigt.

Werner MichlitsWerner Michlits, Meinklang, Österreich
«Ehrlich gesagt, weiss ich gar nicht genau, wie gross unser Anteil an Ökoflächen ist. Wir müssen das jetzt mal berechnen. Unser Gesamtbetrieb besteht aus 2000 Hektar Land. Nur 70 davon sind mit Reben bestockt. Wir haben aber noch andere Kulturen wie Getreide und Obst.»

Louis FabreLouis Fabre, Corbières, Frankreich
«Wir haben 350 Hektar Rebfläche, aufgeteilt auf viele verschiedene Parzellen. Nicht alle erfüllen wohl die geforderten Ausgleichsflächen. Da wir aber nur zu einem kleinen Teil für Delinat produzieren, reservieren wir dafür einfach jene Parzellen, die diesen hohen Anforderungen genügen.»

Paul LignèresPaul Lignères, Corbières, Frankreich
«Unsere insgesamt 80 Hektar Rebflächen sind klein strukturiert und von so viel wilder Garrigue-Landschaft umgeben, dass diese neue Vorgabe für uns überhaupt kein Problem darstellt.»

Raul RipaRaúl Ripa, Navarra, Spanien
«Weil die zusätzlich geforderten 5 % Ausgleichsfläche nicht unmittelbar an die Reben angrenzen müssen und auch Gemeindeland angerechnet werden kann, haben wir auf Quaderna Via damit kein Problem.»

Antoine KaufmannAntoine Kaufmann, Provence, Frankreich
«Von den 27 Hektar Betriebsfläche auf Château Duvivier sind gegen 10 Hektar Ausgleichsfläche. Wir liegen also klar über den geforderten 12 Prozent. Was wir noch anstreben müssen, ist eine bessere Vernetzung von Reben, Ausgleichsflächen und biologischen Hotspots wie Kräuterinseln, Hecken und Sekundärkulturen.»

Die Vielfalt liegt (noch) im Verborgenen

Francisco Ruiz
Francisco Ruiz

Biowinzer werden in der Rioja noch oft als Aussenseiter behandelt. Erst recht, wenn sie alles unternehmen, um die Biodiversität innerhalb und am Rand ihrer Weinberge zu fördern. Francisco Ruiz ist so einer, und was die andern Winzer rund um ihn herum denken, ist ihm egal. Für ihn ist die Förderung der Biodiversität ein zentrales Anliegen, auch wenn Massnahmen aufgrund der klimatischen Bedingungen schwierig umzusetzen sind. In diesem Jahr sind aufgrund zu grosser Trockenheit wieder Rosmarinsträucher verdorrt, die er in den grosszügigen Gassen zwischen Rebparzellen angepflanzt hatte. Entmutigen lässt er sich dadurch nicht. Mit gutem Grund: Francisco stellt nämlich fest, dass seine Reben stärker und resistenter gegen Schädlinge und Krankheiten geworden sind, seit er konsequent auf einen geschlossenen ökologischen Kreislauf hinarbeitet.

Selektion eigener Pflanzen

Neuer Weinberg in prachtvoller Landschaft: Die Naturwaldaufforstungen am Rand der Reben sowie die neu gepflanzten Wildsträucher und Bäume im Weinberg Plana de Turras sind von Weitem noch nicht sichtbar
Neuer Weinberg in prachtvoller Landschaft: Die Maturwaldaufforstungen am Rand der Reben sowie die neu gepflanzten Wildsträucher und Bäume im Weinberg Plana de Turras sind von Weitem noch nicht sichtbar.

Aus den bisherigen Erfahrungen hat er die Lehre gezogen, dass gezüchtete Wildpflanzen aus Baumschulen oft zu schwach sind. Er hat deshalb eine Bestandsaufnahme von autochthonen Wildpflanzen aus seiner direkten Umgebung gemacht. Diese selektioniert und vermehrt er und setzt sie gezielt ein. Zwischen den Rebzeilen strebt er eine Begrünung aus wildwachsenden, niederwüchsigen Leguminosen an, die seine Reben mit Nährstoffen versorgen und den Boden durch Wurzeln und Biomasse beleben. Alles, was hochwächst und die Reben konkurrenziert, reisst der Winzer von Hand aus.

Vieles wirkt noch unscheinbar

Francisco Ruiz hat schon Hunderte von Pinien, Steineichen, Olivenbäumen und Sträuchern am Rand seiner Weinberge gepflanzt. Diese brauchen aber in diesem trockenen Klima mehrere Jahre, bis sie eine gewisse Grösse haben und optisch dominant in Erscheinung treten. Deshalb wirken einzelne Rebberge von Weitem heute noch nicht so vielfältig. Auch ein geplanter Regenwasserteich wird vorerst noch karg wirken, sich in einigen Jahren aber in ein eigentliches Biotop verwandeln. Schon heute deutlich sichtbare Symbole für die reichhaltige Biodiversität auf dem Weingut Osoti sind die zuweilen üppig blühenden Pflanzenteppiche zwischen den Rebzeilen, Kräuterbüsche, Bienenhotels und Vögel, die sich in solchen Lebensräumen ausserordentlich wohlfühlen.