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Volvoreta, der Schmetterling, der niemals ruht

Wie die ehemals jüngste Önologin Spaniens, María Alfonso, ein entlegenes Dorf im Toro wiederbelebt. Welchen Einfluss ihre Hands-on-Mentalität und die Liebe zur Herkunft auf die Weine des Drei-Schnecken-Betriebs haben. Und was die Winzerin mit dem tätowierten Weingutsnamen «Volvoreta» auf dem Handgelenk noch so alles aus selbigem schüttelt.

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Emil Hauser
Weinakademiker
24.10.2025

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María Alfonso hat den einst weissen Fleck auf der Landkarte ihres Dorfes Sanzoles in Tintade-
Toro-Rot eingezeichnet. Ihre tiefroten, ausdrucksstarken Weine werden weltweit gesucht.
María Alfonso hat den einst weissen Fleck auf der Landkarte ihres Dorfes Sanzoles in Tinta-de-Toro-Rot eingezeichnet. Ihre tiefroten, ausdrucksstarken Weine werden weltweit gesucht.

Anfang August feierte María Alfonso mit Familie und Freunden ihren 40. Geburtstag. Voller Demut und Dankbarkeit erinnert sie sich an die letzten zwanzig Jahre ihres Winzerinnenlebens. Schon ihre Vorfahren waren in der Landwirtschaft tätig. Sie kultivierten neben einigen Hektar Reben auch Weizen sowie Kartoffeln und hielten Schafe und Hühner. Somit war auch ihr Hof im Dorf Sanzoles einer der typischen Mischbetriebe im Nordwesten von Spanien (Kastilien und León).

Aufgrund der zunehmenden Trockenheit fasste ihr Vater Antonio 1997 den Entschluss, nur noch Reben zu kultivieren. Er lieferte seine Trauben an die lokale Genossenschaft. Irgendwann missfiel Antonio die Tatsache, dass seine liebevoll gepflegten Biotrauben in der grossen Masse des Genossenschaftsweins untergingen, und füllte mit dem Jahrgang 2004 erstmals seinen eigenen Wein.

Ein galicischer Schmetterling

2004 war auch das Jahr, in dem María mit ihrem Studium an der Universidade de Vigo begann. Nach dem allgemeinen Ingenieurstudium spezialisierte sich María auf den Weinbau und schloss 2009 als jüngste Önologin Spaniens ihr Studium erfolgreich ab. Für einen Wirbelwind versteht es sich von selbst, dass sich María schon früh in die Geschicke des neu entstehenden Familienweinguts einbrachte.

«Finca Volvoreta» schlug María als Bezeichnung für das Familienweingut vor. «Volvoreta» steht in ihrer galicischen Sprache für «Schmetterling», der wiederum für Natürlichkeit und Leichtigkeit steht und ihr Motto nach eleganten Weinen und ständiger Bewegung am besten versinnbildlicht. Schnell konnten sich alle Familienmitglieder für Marías Enthusiasmus begeistern.

Heute kultivieren Vater Antonio, María und ihr Bruder David die 15 Hektar Reben in der kleinen Appellation Toro mit äusserst bescheidenen Mitteln. Ihr grosses Plus ist die einzigartige Biodiversität. Ihre Finca umfasst 100 Hektar Land, worauf Steineichen, Oliven-, Mandel- und Obstbäume gedeihen sowie wilde Kräuter und Blumen, die die fast ganzjährig begrünten Rebberge säumen.

Die Bemühungen, möglichst viel Fauna und Flora in und um die Rebparzellen zu belassen, wurden 2009 mit dem Biodiversitätspreis des spanischen Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt belohnt. Zudem war die Finca Volvoreta das allererste Weingut, das die höchste Stufe der ökologischen Ansprüche von Delinat (3 Schnecken) erfüllte.

Hilfe zur Wiederbelebung

Das Dorf Sanzoles liegt etwa 15 Minuten von Zamora entfernt, der rund 60 000 Einwohner zählenden Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Im Sommer 2022 breiteten sich die Waldbrände in der Provinz Zamora noch in 80 km Entfernung zu Sanzoles aus, aber trotzdem bedeckten deren Rauchschwaden den ganzen Himmel. 2025 ist die Situation viel gravierender, und die Feuersbrünste näherten sich bis auf 40 Kilometer.

Die umtriebige María wollte etwas für die betroffenen Bauernfamilien unternehmen, sich mit ihnen solidarisieren und organisierte zusammen mit der Bewegung «La Culebra no se Calla» in Zamora eine zweitägige Charity-Veranstaltung: Nächtliche Pianokonzerte, Vorlesungen von Schriftstellern, Präsentationen von Jongleuren, Verkostungen der Volvoreta-Weine und viele weitere Aktivitäten erbrachten einen schönen Betrag, der an die 300 Not leidenden Bauernfamilien der Umgebung verteilt wurde.

Gemeinsam geht es besser

In Anlehnung an das erste Cohousing-Projekt «Llanera» in Asturien ergreift María auch in Sanzoles die Initiative. Die noch knapp 460 Einwohner zählende Gemeinde liegt in der schier endlosen Agrarlandschaft der Iberischen Meseta. Es leidet wie andere Dörfer unter der Landflucht mit all ihren Konsequenzen. Um das Leben in Sanzoles wieder zu bereichern, hat María zusammen mit anderen Dorfbewohnern als ersten Schritt 15 Gemeinschaftswohnungen in Angriff genommen.

Ziel dieses Projekts ist es, Alleinstehende wieder zu generationenübergreifenden Gemeinschaften zu vereinen. Ebenso wie lokale Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen. Zudem soll überstrapazierten Städtern ein lebenswerter, ruhiger Raum zum Leben und Arbeiten geboten werden. Sicherlich hilft die Nähe zu Zamora. Auf jeden Fall erfreut sich die Gemeinde wieder eines sanften Bevölkerungswachstums.

Zwanzig Jahre Einsatz für die Familie, die Rebberge und den Keller, das Dorf und die Region prägen das Winzerleben und den Alltag von María Alfonso. «Volvoreta», der Schmetterling, der niemals ruht, und sich behände von einem zum nächsten Ort bewegt, voller Eleganz und Anmut.

Diese Natürlichkeit und Leichtigkeit verströmen auch die Weine der Finca Volvoreta. Dabei kommen María, ihrem Bruder David und Vater Antonio sicherlich auch ihre sehr hoch gelegenen Rebberge zugute. Liegen sie doch zwischen 750 und 850 Metern über dem Meeresspiegel. Damit zählen sie zu den höchstgelegenen Rebanlagen in der Weinregion Toro. Bekanntlich ein Indiz für elegante, wohlstrukturierte Weine.

Über die Autorin

Emil Hauser

Emil Hauser, Weinakademiker

Für mich hat Wein archaische, urprüngliche Wesenszüge, welche sich nicht eindeutig in Worte fassen lassen. Mich der Materie Schritt um Schritt zu nähern, wird mich noch über viele Jahre in Atem halten.

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