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Carlos Laso: Ein Winzer, der sich mit allen Wassern gewaschen hat

Delinat-Winzer Carlos Laso zeigt seit Jahren, wie man im Hinterland von Valencia auch grösste Regenmengen effizient zurückhält und somit die Reben gut durch die trockenen Monate bringt – und das in einem Extremwettergebiet.

Text

Nina Wessely
Redaktorin
21.08.2025

Delinat-Winzer Carlos Laso in einem seiner Wasserinfiltrationsbecken
Delinat-Winzer Carlos Laso in einem seiner Wasserinfiltrationsbecken

Das Delinat-Weingut Pago Casa Gran liegt knapp 100 Kilometer von Valencia entfernt, in einer Region mit extremen Wetterverhältnissen. Oft fällt monatelang kein Regen, dann gibt es innerhalb weniger Tage sehr starke, manchmal gar zerstörerische Niederschläge. Das gefährliche Wetterphänomen nennt sich «Gota Fría» (auf Deutsch «kalter Tropfen ») oder auch DANA genannt. Es tritt vor allem im Herbst an der spanischen Mittelmeerküste auf. Dabei trifft kalte Luft aus höheren Atmosphärenschichten auf die warme, feuchte Mittelmeerluft – ein Aufeinandertreffen, das heftige Gewitter und Starkregen auslösen kann.

Diese Regenfälle können innerhalb kurzer Zeit Überschwemmungen und grosse Schäden verursachen, wie zuletzt etwa im Oktober 2024. Innerhalb von drei bis vier Tagen kann bis zu 50 Prozent der gesamten jährlichen Niederschlagsmenge fallen. Angesichts solcher Wassermengen ist besonders in dieser Region ein durchdachtes Wassermanagement entscheidend.

16 Teiche und Begrünung speichern Wasser bei Pago Casa Gran

«Auf dem Winzerseminar von Delinat konnten wir viel über Wasserretention und die Gestaltung von Teichlandschaften lernen. Diese Impulse, sowie die kontinuierliche Beratung haben unseren Betrieb grundlegend verändert», sagt Delinat- Winzer Carlos Laso von Pago Casa Gran. Zuvor hatte das Weingut oft mit erheblichen Erosionsproblemen zu kämpfen.

Carlos Laso weiss die Feinheiten seiner Reben im Keller zu übersetzen
Carlos Laso weiss die Feinheiten seiner Reben im Keller zu übersetzen

Durch starke Regenfälle kam es immer wieder zu Erosionen, wodurch fruchtbarer Boden verloren ging. Nach solchen Ereignissen mussten viele Flächen regelmässig mit grossem Aufwand wieder in Stand gesetzt werden. Heute gibt es auf Pago Casa Gran ein umfassendes System, das aus 16 angelegten Teichen besteht, kombiniert mit gezielter Begrünung im Weinberg.

Auch in Bezug auf die Verlangsamung des Wasserabflusses hat das Delinat-Weingut grosse Fortschritte gemacht. Das Wasser, welches bei den seltenen Starkniederschlägen fällt, wird in Retentionsbecken zurückbehalten, damit es auch in den trockenen Sommermonaten im Erdköper verfügbar ist. Dadurch fliesst nun auch wieder regelmässig Wasser im Bachbett, welches zuvor oft lange ausgetrocknet war.

https://www.youtube.com/watch?v=Ksnvk1hBkQU
Delinat hat Winzer Carlos Laso auf dem Weg zu seinem Wasserretentionssystem begleitet

Der dazugehörige Grundwasserstrom, sowie das Wasser in den Reservoirs, kann in den trockenen Sommermonaten – insbesondere im Juli und August - gezielt die Reben versorgen. «So können die Trauben auch bei Temperaturen um die 35 Grad schön ausreifen und eine volle Aromatik entwickeln, anstatt auszutrocknen und nur Zucker zu produzieren», erklärt Carlos Laso.

2023 und 2024 im direkten Vergleich

2024 war eine grosse Herausforderung Letztes Jahr war es sehr trocken bei Pago Casa Gran: Der Zeitraum vom 1. Oktober 2023 bis zum 30. September 2024 war der trockenste der letzten dreissig Jahre. Bevor dann im Oktober schliesslich ein Jahrhundertniederschlag kam, der bei Carlos Laso allerdings gemässigter ausfiel.

Ein Blick auf die Regenstatistik hilft, den Jahrgang 2024 besser einzuordnen: zwischen Oktober und Februar blieb der Regen vollständig aus «Wenn man jeweils im Vornherein wüsste, wie das Jahr verlaufen wird und gute Vorhersagen hätte, könnte man entsprechend handeln. Es regnete jedoch überall in die angekündigten Regenfälle blieben immer aus», so Carlos Laso.

In Fällen wie letztes Jahr, in denen es über Monate hinweg fast keinen Regen gab, war diese Art der Bewässerung jedoch nicht ausreichend. Das Bewässerungssystem konnte nicht die notwendige Wassermenge für einen normalen Reife-Zyklus der Reben liefern, es diente lediglich dem Überleben der Pflanze.

Bis Juni hatten sich nur 113 Liter Regen angesammelt, dazu kamen noch 30 Liter, also insgesamt nur 143 Liter, die zur Bewässerung genutzt werden konnten. Zum Vergleich: Im Durchschnitt fällt in diesem Zeitraum in der Region knapp das Doppelte an Regen, bis zu einem Jahresschnitt von knapp 500 Milliliter/Quadratmeter. Die Ernte 2024 war aufgrund des geringen Niederschlags mengenmässig sehr gering und fand somit früher als gewöhnlich statt.

Aussergewöhnliches Jahr – aussergewöhnliche Weine

Gemeinsam mit Carlos Laso haben wir jedoch das Beste herausgeholt: Besondere Jahre ermöglichen neue Weinstile. Aktuell ist dieser im Delinat-Sortimentunter dem Namen «Peso Pluma», also «Federgewicht» zu finden. Es ist ein Wein mit natürlichem, niedrigem Alkoholgehalt von 10,5%. Denn eine Konsequenz von früherer Ernte sind weniger Umdrehungen im fertigen Wein.

Dieser leichte Wein aus dem Hause Pago Casa Gran stammt von Trauben, die keinen hohen Zuckergehalt erreichten, jedoch gute Eigenschaften in Fruchtfleisch und Schale aufwiesen. Carlos ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis: «Es war eine schnelle und koordinierte Entscheidung zwischen Pago Casa Gran und Delinat, zwei gut vernetzten Gliedern einer Kette.

An dieser Stelle: Danke Delinat für euren Mut und eure Offenheit gegenüber neuen Weinstilen, die gut zu aktuellen Trends passen!» Auch die Weissweine sind Carlos trotz den schwierigen Wetterverhältnissen gelungen: «Die Weissweine 2024 sind kraftvoller und konzentrierter als andere Jahrgänge, ohne überreif zu sein.

Die Weissweintrauben haben wir etwas früher gelesen, um Frische zu bewahren – natürlich nur, wenn die Schalen dies dank genügender Reife erlaubt haben. Wir haben einen grossartigen 2024er- Jahrgang gemacht», resümiert Carlos. Die gereiften Weine entwickelten sich ebenfalls sehr gut. Der Delinat-Kundenliebling Viña Llopis hat auch mit dem neuen Jahrgang 2024 das Delinat-Degustationskomitee restlos überzeugt. Ebenso der rote Delinat-Klassiker Canyoles 2024 hat begeistert und wurde demnach planmässig abgefüllt.

2025 startete mit langersehnten Niederschlägen

Dieses Jahr ist im Hinblick auf das Wasser zum Glück etwas entspannter gestartet: Bis Ende März fielen bei Pago Casa Gran bereits Niederschläge von 362 Liter pro Quadratmeter (alleine 170 Liter im März). Das ist ungefähr im Rahmen des normalen Jahresdurchschnitts von etwa 500 Litern.

Im März fielen zwar 170 Liter pro Quadratmeter, aber der Regen kam zum Glück langsam über drei Wochen verteilt. So konnte das Wasser langsam und fortlaufend einsickern, was ideal war für die ausgetrockneten Böden. «Nur das Becken, das Wasser von den Nachbarn erhält und etwas höher liegt, hat Wasser aufgenommen, ist jedoch nicht übergelaufen », berichtet Carlos zufrieden.

Der Zeitraum von Oktober 2023 bis September 2024, kurz vor dem Unwetter in Valencia, war der trockenste der letzten 30 Jahre für Winzer wie Carlos Laso. 2025 startete hingegen mit langersehnten Niederschlägen. Die Wasserretentionsmassnahmen von Carols helfen den Wasserhaushalt der Reben im Gleichgewicht zu halten.
Der Zeitraum von Oktober 2023 bis September 2024, kurz vor dem Unwetter in Valencia, war der trockenste der letzten 30 Jahre für Winzer wie Carlos Laso. 2025 startete hingegen mit langersehnten Niederschlägen. Die Wasserretentionsmassnahmen von Carols helfen den Wasserhaushalt der Reben im Gleichgewicht zu halten.

Manchmal sieht das anders aus und dann fallen diese Regenmengen in wenigen Stunden: «Bei einem starken Regenereignis von beispielsweise 80 Liter pro Quadratmeter können in acht Stunden viele unserer insgesamt 15 Becken bereits voll sein», erklärt Carlos. In diesem Fall war es jedoch anders – ein langer, schwacher Regen traf auf sehr trockene, aber organisch reiche Böden.

Die Böden konnten so das Wasser gut zurückhalten und langsam aufnehmen. Da der Boden das meiste Wasser gleich absorbierte, füllten sich die Teiche trotz der beachtlichen Regenmenge nicht.

Ein erfolgreiches System zum Nachmachen

«Wir sind sehr zufrieden mit den Massnahmen, die wir in den letzten Jahren umgesetzt haben. Die positiven Auswirkungen sind deutlich spürbar.

Unser gesamter Betrieb funktioniert inzwischen als ein in sich geschlossenes System, das Wasser zurückhält, versickern lässt und somit den Boden schützt. Auch der Reparaturbedarf nach Starkregen hat sich deutlich reduziert, da das Wasser nun deutlich langsamer abfliesst», fasst Carlos zufrieden zusammen. Und fügt an: «Dieses System der Wasserretention kann ich anderen Winzerinnen und Winzern nur empfehlen. Für mediterrane Regionen halte ich es für unverzichtbar. Insbesondere deshalb, weil hier der Grossteil des Jahresniederschlags oft in nur 20 bis 30 Tagen fällt. Wie es in anderen Regionen aussieht, kann ich nicht beurteilen, aber hier bei uns funktioniert dieses System hervorragend. »

Weiterlesen:
Wie Carlos Laso dem Klimawandel trotzt
Carlos Laso und die Verwandlung seiner Weingärten in eine Permakultur

Über die Autorin

Nina Wessely

Nina Wessely, Redaktorin

Ich liebe Wein. Und ich liebe die Natur. Beides bei Delinat gefunden zu haben, macht mich glücklich. Und von diesem Glück erzähle ich gerne.

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