Zum Inhalt springen

Auf ein Glas mit ... Caro Maurer

Caro Maurer ist eine der profiliertesten Weinfrauen Deutschlands – Journalistin, Dozentin und erste Master of Wine im deutschsprachigen Raum. Im Gespräch erzählt sie, warum Lernen für sie der wahre Luxus ist.

Text

Nina Wessely
Redaktorin
11.02.2026

Caro Maurer ist die erste Master of Wine im deutschsprachigen Raum. (c) Verena Reinke

Delinat: Du bist in Bayern geboren, hast Kommunikationswissenschaften studiert und als Journalistin gearbeitet. Wie kam der Wein ins Spiel?

Caro Maurer: Eigentlich aus purer Neugier. Als junge Korrespondentin in den USA habe ich viel probiert, aber selten etwas wirklich Spannendes beziehungsweise Gutes ins Glas bekommen. Schon während meines Studiums habe ich wirklich schlechten Wein getrunken (lacht). Zurück in Deutschland begann ich, für verschiedene Medien über Lebensart zu schreiben, wovon Wein immer ein Teil war. Und deshalb wollte ich mehr über Wein wissen. Einer meiner frühen Aha-Momente war der Riesling «Geheimrat J» vom Weingut Wegeler. Da wurde mir klar: Wein ist so viel mehr als ein Getränk. Er erzählt Geschichten von Menschen und Natur.

Delinat: Fiel damit auch die Entscheidung, das Thema im Rahmen der WSET-Ausbildung weiter zu vertiefen?

Caro Maurer Ja. Aus Büchern wusste ich damals schon recht viel – und doch hatte ich immer das Gefühl, dass es unzureichend war. Also startete ich 2003 mit dem WSET Diploma, das damals in Deutschland noch kaum bekannt war. 2005 habe ich die Ausbildung abgeschlossen – als Beste meines Jahrgangs. Ein weiterer Wendepunkt war die dadurch gewonnene Reise nach London mit dem Leiter der Weinakademie Österreich, Peppi Schuller. Peppi ist der erste österreichische Master of Wine und hat mich immer wieder zum Weitermachen motiviert. Wir waren bei einer Graduierungsfeier der Masters of Wine in der Guildhall in London und zu einem Lunch in der Weinabteilung von Christie’s eingeladen. Diese Eindrücke – und die Menschen, die ich während dieser Tage kennengelernt habe – haben mich dazu bewegt, mich für diese Ausbildung zu bewerben.

Über das Lernen

Lernen ist eines der grössten Privilegien überhaupt.
Caro Maurer über die schwerste Prüfung ihres Lebens

Delinat: Und du hast den Master of Wine erworben – eine der anspruchsvollsten Qualifikationen überhaupt, und als erste Frau im deutschsprachigen Raum …

Caro Maurer Ja, aber leicht war das nicht. Als ich 2007 am Institute of Masters of Wine in London anfing, fühlte ich mich völlig fehl am Platz. Ich war total verunsichert. Es geht um so viel Wissen, und das auch noch in einer anderen Sprache, auf Englisch. Wieder waren es meine Studienkolleginnen und -kollegen, die mir Mut gemacht haben. Solche Dinge schafft man nur gemeinsam. Dieser Prozess war unglaublich bereichernd. 2011 war ich fertig, und ich sagte mir damals, dass das die letzte Prüfung meines Lebens gewesen war. Das heisst aber nicht, dass ich aufgehört habe, zu lernen. Denn Lernen – und damit immer wieder Neues zu erfahren – halte ich für eines der grössten Privilegien überhaupt.

Delinat: Heute unterrichtest du selbst Wein. Was reizt dich daran?

Caro Maurer Das Teilen von Wissen und natürlich die Begeisterung der Studierenden für Wein. Ich unterrichte im Diploma-Programm der Weinakademie Österreich, in Deutschland, der Schweiz, in Frankreich und Norwegen. Ich halte Master Classes zu Themen wie der VDP-Klassifikation, zu griechischen Sorten oder zu israelischen und libanesischen Weinen. Wein ist ein globales Kulturgut, und genau das möchte ich vermitteln. Die Regionen, über die ich spreche, kenne ich wirklich gut – und ich freue mich über alle, die sich begeistern lassen.

Caro Maurer

Caro Maurer wurde in Bayern geboren und zählt heute zu den profiliertesten Weinfrauen Deutschlands. Sie schreibt über Wein für das Magazin Der Feinschmecker, die Zeitung General-Anzeiger in Bonn und für das englische Weinmagazin Decanter. 2011 legte sie als erste Frau im deutschsprachigen Raum die Prüfung zur Master of Wine ab. Heute unterrichtet sie an der Weinakademie Österreich, leitet Verkostungen weltweit und schreibt weiterhin über Wein und Genuss.

Delinat: Zudem bist du Jury-Vorsitzende bei den Decanter World Wine Awards. Macht das noch Spass, oder ist das harte Arbeit?

Caro Maurer Beides! 2026 bin ich tatsächlich eine der Chairs der Decanter WWA. Bisher habe ich zwei Panels geleitet: Deutschland und Southern Eastern Mediterranean. Dazu gehören zum Beispiel die Türkei, Israel und der Libanon. Das sind Regionen mit enormem Potenzial und vielen noch unbekannten Geschichten. Natürlich sind Tage mit Dutzenden zu degustierenden Weinen anstrengend – und dennoch eine pure Freude, ein Land über den Wein kennenzulernen.

Delinat: Hast du je einen anderen Umgang mit dir als Frau in der oft männerdominierten Weinwelt erlebt?

Caro Maurer Ehrlich gesagt: Ich wurde nie unterschätzt. Im Gegenteil – in den Neunzigern war man froh, dass endlich Frauen dabei waren. Ich hatte tolle Mentoren wie Werner Näkel oder Bernhard Breuer, die mich von Anfang an ernst genommen und gefördert haben.

Delinat: Du wirkst sehr bewusst und geerdet – auch wenn es ums Konsumverhalten geht.

Caro Maurer Das stimmt. Ich verstehe nicht, warum Menschen Dinge ständig ersetzen müssen – ob Kleidung, Möbel oder Autos. Ich habe Möbel, die mich seit 45 Jahren begleiten, und trage noch immer einen Rock aus den Achtzigern. Mein Auto ist ein Youngtimer mit 320 000 Kilometern – und ich liebe ihn. Ich mag das Dauerhafte, das Gewachsene. Beim Wein ist es dasselbe: Er ist kein schnelles Produkt, keine Limo. Wein braucht Zeit, Pflege, Respekt. Und um ihn noch mehr zu geniessen, braucht es Wissen. Und das war immer mein Luxus. Womit sich der Kreis schliesst (lächelt).

Über die Autorin

Nina Wessely

Nina Wessely, Redaktorin

Ich liebe Wein. Und ich liebe die Natur. Beides bei Delinat gefunden zu haben, macht mich glücklich. Und von diesem Glück erzähle ich gerne.

Ähnliche Artikel

Verfasse den ersten Kommentar!

Dein Kommentar