Piemont, weit mehr als nur Barolo
Das Piemont verfügt über einen reichen Traubenschatz. Einige Weinstile, wie Barolo sind weltweit bekannt. Die Rebsorte Albarossa hingegen gilt als Geheimtipp unter Weinfreunden.
Text
Martina Korak
Önologin 07.11.2025
Das Piemont gehört mit der Toskana zu jenen Regionen Italiens mit den meisten Spitzenweinen. Vor allem die aus der Nebbiolo-Traube gekelterten Barolo und Barbaresco begründen den Ruhm. Doch die Traubenvielfalt im Piemont ist weit grösser. Wenig bekannt ist etwa die Rotweinsorte Albarossa.
Die Region Piemont mit der Hauptstadt Turin liegt im Nordwesten Italiens. Die Anfänge des Weinbaus gehen auf das keltische Volk der Tauriner (die der Hauptstadt den Namen gaben) und auf die Ligurer zurück. Erst im Mittelalter wurden die vorab von Klöstern produzierten Weine bekannt. Nämlich, als Minnesänger begannen, die ausgezeichnete Qualität zu rühmen. Mitte des 13. Jahrhundert kam erstmals die Bezeichnung «Piemont» auf. Der Name leitet sich vom französischen Pié de monte (am Fusse der Berge) ab.
Von seltenen Reben im Monferrato
Die Weinberge erstrecken sich über eine Fläche von 44 000 Hektar. Die besten Lagen befinden sich in der Langhe um Alba (bekannt für Barolo und Barbaresco) sowie an den Hügeln von Monferrato. Hier ist vor allem die Barbera-Traube zu Hause. Zu diesen bekannten Piemonteser Sorten gesellen sich rund hundert weitere zugelassene Rebsorten. Die wichtigsten Weissweinsorten sind Arneis, Chardonnay, Erbaluce, Cortese, Favorita (Vermentino) und Moscato. Beim Rotwein spielen im Schatten von Nebbiolo und Barbera einheimische Sorten wie Albarossa, Bonarda, Brachetto, Ruchè und Grignolino, und internationale Sorten wie Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot oder Pinot Nero interessante Nebenrollen. So ist etwa die Delinat-Winzerin Cecilia Zucca im Monferrato besonders stolz auf ihre Albarossa-Trauben. Vor 20 Jahren war diese Sorte fast ausgestorben, heute gedeihen im Piemont wieder über 70 Hektar der Rebe.
Das Piemont nimmt in Italien in mehrfacher Hinsicht eine führende Rolle beim Weinbau ein. Nirgendwo sonst wird mehr Schaum- und Perlwein produziert. Am bekanntesten sind der Asti Spumante und der Moscato d'Asti. Sie sind beide aus der Moscato-Traube gekeltert. Und in keiner anderen Region werden so viele Weine der höchsten Qualitätsstufe erzeugt – es gibt im Piemont nicht weniger als 18 DOCG- und 42 DOC-Gebiete. Ausserdem gilt die Region als Heimat des Wermut, einem mit Gewürzen und Kräutern aromatisierten und aufgespriteten Wein. Es gibt hier also so einiges, feines zu entdecken.
Piemont-Quintessenz
- Das Piemont ist vor allem für seine Rotweine Barolo, Barbaresco und Barbera bekannt.
- Zusätzlich bieten viele andere Rebsorten spannende Alternativen für Rot-, Weiss- und Schaumweine.
- Zu diesen gehört etwa die Rebsorte Albarossa, deren Anbaufläche in den letzten 20 Jahren von fünf auf über 70 Hektar gewachsen ist.
Über die Autorin
Martina Korak, Önologin
Wein lässt sich nicht aufzwingen, manchmal ist er beschwingt und fröhlich, manchmal zurückhaltend und anmutig, manchmal launisch, gar rebellisch. Diese Erkenntnis fasziniert mich immer wieder.