Mit ökologischen Hotspots gegen Monokultur

Durch die industrielle Landwirtschaft sind ganze Kulturlandschaften aus Rationalisierungsgründen ausgeräumt worden: Hochstammbäume und Hecken wurden aus dem Weg geräumt, offene Bachläufe, Gräben und Teiche zugeschüttet. Geschlossene Naturkreisläufe wurden zerstört. Die Artenvielfalt ist der Monokultur gewichen. Diese Entwicklung machte auch vor dem Weinbau nicht halt.

Hotspot Kräuterinsel

Für eine artenreiche Flora und Fauna: Kräuterinsel im Weinberg von Maggio Vini auf Sizilien

Die Delinat-Richtlinien verlangen eine Rückkehr zu artenreicher Kleinstruktur im Weinberg. Monokulturen sollen aufgelöst und mit verschiedenen Strukturelementen durchbrochen werden. Durch das Anlegen von sogenannten Hotspots wird die Biodiversität gefördert.

Zu diesen Hotspots gehören Bäume mitten im Rebberg. Sie üben sowohl auf Vögel wie Insekten und andere Tiergruppen eine hohe Anziehungskraft aus und fördern dauerhaft die Wiederbesiedlung des ökologischen Habitats. Zudem fungieren sie als Sporenfänger, von wo aus Hefen und andere Pilze sich im Weinberg ausbreiten können. Die Vielfalt natürlicher Hefen zur Weinbereitung und die Konkurrenz für Schadpilze nehmen zu. Pro Hektar sollte mindestens ein Baum inmitten der Reben und mehrere kleinere Fruchtbäume am Rand gepflanzt werden.

Ebenfalls wertvolle Hotspots sind Kräuterinseln, Stein- und Holzhaufen, Teiche, Bienenhotels und Nistkästen. Werden solche Strukturelemente angelegt, erhalten Reptilien, Amphibien, Insekten und Vögel wertvolle Lebensräume, was wiederum viel zu einer artenreichen Fauna und Flora im Weinberg beiträgt.

Richtlinien 1: Biologisch aktive Böden als Basis
Richtlinien 2: Begrünung garantiert lebendige Weinberge
Richtlinien 3: Mit ökologischen Hotspots gegen Monokultur
Richtlinien 4: Sekundärkulturen – der Weinberg als Mischgarten

Die Hoffnungen ruhen auf den Bio-Imkern

Die Imkerei steckt in einer tiefen Krise. Vor 3 Jahrzehnten wurde die Varroamilbe nach Europa verschleppt und hat sich über den ganzen Kontinent ausgebreitet. Die Milbe, die in Ostasien als harmloser Parasit auf dem «Pelz» der krankheitsresistenten Östlichen Honigbiene lebt, bringt den europäischen Bienen den Tod. Sie setzt sich auf der Bienenbrut fest, schwächt die Völker und ist für das weltweite Bienensterben mit verantwortlich.

Diese Bienen müssen nicht hungern: In der reichhaltigen Biodiversität der Mythopia-Weinberge gibt es genug Nahrung.
Diese Bienen müssen nicht hungern: In der reichhaltigen Biodiversität der Mythopia-Weinberge gibt es genug Nahrung.

Die Milbe ist aber nicht der einzige Übeltäter: Chemische Pestizide, vor allem in der Landwirtschaft, vergiften die Nahrungsquellen der Bienen. Die zunehmende Industrialisierung in der Landwirtschaft und die wachsenden Monokulturen verringern ihr Nahrungsangebot. Zudem gibt es immer mehr Versuchsflächen mit gentechnisch veränderten Pflanzen, deren Wirkung auf die Bienen noch viel zu wenig bekannt ist.

Es wundert nicht, dass es vor allem im deutschsprachigen Raum immer weniger Imker gibt: Die Probleme verleiden die Freude an der faszinierenden Bienenhaltung und schmälern den Ertrag des Berufsimkers. In den letzten Jahren gibt es allerdings Anlass zur Hoffnung: In den Städten, wo die Biodiversität inzwischen oft höher ist als auf dem Land, entsteht eine neue Imkerbewegung – die Stadtimker kommen!

Dr. Marc-Wilhelm Kohfink ist Sozialwissenschaftler, Wirtschaftsjournalist und Bioland-Imker in Berlin. Er beschäftigt sich intensiv mit der Problematik. Wir befragten ihn zu den Ursachen und Lösungsansätzen.

Dr. Marc-Wilhelm Kohfink am Bienenstand
Dr. Marc-Wilhelm Kohfink am Bienenstand

Herr Dr. Kohfink, was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für das weltweite Bienensterben?
Dr. Kohfink:
Leider ist das nicht so einfach zu beantworten. Es gibt nicht die zwei oder drei Gründe, welche die Bienen weltweit umbringen. Es ist vielmehr ein ganzes Bündel, das da zusammenkommt. Die Gründe können ganz verschieden sein und unterscheiden sich von Jahr zu Jahr. Trotzdem lassen sich einige allgemeine Aussagen machen. Die Varroa-Milbe und die mit ihr übertragenen Virenerkrankungen schwächen die Bienen, so dass sie anfälliger werden. Die harten Winter der letzten Jahre führen ebenfalls zu einer höheren Sterblichkeit. Die ausgeräumte Landschaft und die Dominanz von Mais für die Erzeugung von Bio-Gas lassen die Bienen auf dem Land hungern. Wo Bienen wie in den USA vor allem der Bestäubung von riesigen Monokulturen dienen, schwächt die einseitige Ernährung die Bienen. Hinzu kommen langfristig wirkende oder unsachgemäß angewandte Pestizide, die immer wieder für ein Bienensterben sorgen. Es sind also viele Einflüsse, welche die Bienen schwächen. Nicht zuletzt sind es auch ökonomische und soziale Gründe, dass es weniger Honigbienen gibt. Es gibt nämlich einfachere Möglichkeiten seinen Lebensunterhalt zu verdienen oder seinen Lebensabend zu gestalten als mit Bienen. Weniger Imker bedeuten auch weniger Bienen.

Bringen die Zuchten der Bio-Imkerei vitalere und widerstandsfähigere Bienen hervor?
Es gibt nicht die Biobiene. Bioimker arbeiten überwiegend mit den gleichen Bienen wie konventionelle Imker. Das liegt am Paarungsverhalten der Bienenköniginnen, die auf ihrem Hochzeitsflug keinen Unterschied machen zwischen Bio-Drohnen und konventionellen Drohnen. Künstliche Besamung, die eine gezielte Zucht ermöglichte, ist in der Bio-Imkerei verboten. So unterscheidet sich die Bio-Betriebsweise vor allem in den Prozessen, die zum Biohonig führen von der konventionellen Imkerei. Wie konventionelle Imker müssen wir vor allem darauf schauen, dass wir die Belastung mit Milben gering und die Bienen so vital halten. Dafür haben wir andere Methoden zur Verfügung, die einen rückstandsfreien Bio-Honig garantieren. Außerdem machen wir einen großen Bogen um konventionelle Obstplantagen, weil die dort ausgebrachten Spritzmittel unsere Bienen gefährden würden.

Sie imkern in der Grossstadt Berlin. Ist die Biodiversität und damit die Lebensgrundlage der Bienen in der Stadt inzwischen besser als auf dem Land?
Beides kann ganz klar mit «Ja» beantwortet werden. Das hängt damit zusammen, dass die Stadtnatur nicht in erster Linie der Volksernährung dient sondern auch der Erholung und der Freizeitgestaltung. In Berliner Stadthonig werden im Durchschnitt 26 verschiedene Pollen gefunden, in Honig vom Land rund 20. In städtischen Gärten und an städtischen Straßen blüht eben auch manches exotische Gewächs wie z. B. der japanische Schnurbaum. Hinzu kommen allerlei Wildkräuter auf Brachflächen und Pflanzen in schwierigen Biotopen z. B. auf begrünten Dachflächen. Um den Bienen auf dem Land das Überleben zu sichern, werden dort jetzt Blühstreifen angelegt und gefördert. Dabei geht es aber nicht nur um Bienen sondern auch um Überlebensräume für Niederwild wie z. B. den Feldhasen. Solche Krücken brauchen wir in der Stadt nicht.

Hans-Peter Schmidt, Leiter des Delinat-Instituts, empfiehlt die Anlage von Fenstergärten, um die Biodiversität im unmittelbaren Lebensumfeld zu fördern. Können auch Bienen von Fenstergärten profitieren?
Das können sie auf jeden Fall. Viele Balkonkästen mit Geranien sind für die Bienen nichts mehr als eine bunte Wüste. Es gibt im Handel Saatmischungen, die unter anderem Kornblumen-, Buchweizen- und Sonnenblumensamen enthalten. Sie blühen kontinuierlich den ganzen Sommer hindurch. Gute Bienenweidepflanzen sind alle Korbblütler und Blumen mit ungefüllten Blüten. Außerdem empfiehlt sich statt der beliebten Knospenheide besser Heidekraut, das richtig aufblüht. Bienenfreundlich angelegt, lockt ein solcher Fenstergarten auch noch andere Blütenbesucher an wie z. B. Schmetterlinge und Schwebfliegen.

Delinat-Winzer engagieren sich für die Biodiversität im Weinberg. Gibt es weitere Lösungsansätze in der Landwirtschaft?
Die gibt es glücklicherweise. An Biodiversität interessierte Landwirte arbeiten heute an Alternativen zur Maiswüste. So können z. B. Sonnenblumen als Untersaat verwendet werden. Außerdem scheint die Pflanze mit dem sympathischen Namen „Durchwachsende Silphie“ eine vielversprechende Alternative zum Mais zu sein. Die schnellwachsende Robinie ist eine ideale Kultur für Kurzumtriebsplantagen, die zur Herstellung von Holzhackschnitzeln genutzt werden. Anders als die Pappel ist sie eine erstklassige Bienenweide. Außerdem nutzt der Trend zur Biolandwirtschaft unseren Bienen, indem z. B. Biolandwirte keine Pflanzenschutzmittel gegen Beikräuter im Getreide einsetzen und die Kornblumen blühen lassen. Es ist also nicht alles verloren.

Würden Sie interessierte Menschen dazu ermuntern, selbst (Hobby-)Imker zu werden? Und wenn ja, womit sollten sie anfangen?
Generell sind mehr Imker wünschenswert, wobei besonders auf dem Land Imker gebraucht werden. Interesse indes allein reicht nicht. Imker zu sein, heißt auch Verantwortung zu übernehmen. Außerdem erfordert eine Imkerei auch einige Investitionen. Mit einer Leine, einer Schüssel und einer Bürste wie beim Hund ist es da nicht getan. Ich empfehle, zunächst einen Kurs zu besuchen und parallel dazu ein Einsteigerbuch zu lesen. Beim Kurs ist es ganz wichtig, dass die Interessenten auch direkt an den Bienen arbeiten dürfen, um zu erkennen, ob das etwas für sie ist oder nicht. Ideal ist ein Imkerpate in den ersten Jahren. Erfahrungen zeigen, dass fünf Jahre notwendig sind, um richtig imkern zu können. Aber ein Imker lernt eigentlich nie aus. Die Bienen überraschen einen immer wieder.

Vielen Dank, Dr. Kohfink. Allen Leser/innen, die sich mehr mit dem Thema beschäftigen möchten, empfehlen wir gern Ihr Blog und Ihr Buch «Bienen halten in der Stadt».

Biologisch aktive Böden als Basis

Die Bio-Richtlinien der EU, aber auch bekannte Biolabel, enthalten keine konkreten Bestimmungen zur Förderung der Biodiversität. Beim Umgang mit dem Boden im Weinberg beschränken sie sich mehr oder weniger auf ein Verbot von Kunstdüngereinsatz.

Biologisch aktiver Boden

Biologisch aktiver Boden im Weingut Harm in der Wachau

 

Biologisch aktive Böden sind jedoch die Basis für artenreiche Weinberge mit intakten natürlichen Kreisläufen. Die Delinat-Richtlinien verlangen deshalb die Förderung der biologischen Aktivität und Vielfalt der Böden durch geeignete Bewirtschaftungsmassnahmen. Der Winzer verpflichtet sich beispielsweise, seine Böden durch zurückhaltende Bearbeitung und durch dauerhafte Begrünung gegen Erosion, Auswaschung, Verdunstung und somit vor unnötigen Nährstoffverlusten zu schützen.

Was dem Weinberg durch die Ernte an Kraft und Nährstoffen entzogen wird, muss ihm in nachhaltiger Form zurückgegeben werden. Dafür kommt für Delinat-Winzer ausschliesslich bioaktive Düngung in Frage wie Kompost, Pflanzenkohle, Kräutertees oder Mulch. Grundsätzlich verboten sind: Mineraldünger, Düngekonzentrate, Herbizide und Gülle. Viehmist soll vor dem Ausbringen unbedingt kompostiert, zumindest aber 1 Jahr getrocknet werden.

Durch diese Vorgaben werden lebendige Böden und damit die Voraussetzungen für einen stabilen, möglichst autonomen Nährstoffzyklus im Weinberg geschaffen. In einem lebendigen Boden arbeiten in jedem Gramm der Krume Milliarden Mikroorganismen an der Schliessung der Nährstoffkreisläufe und für die Gesundheit der Pflanzen. Die Delinat-Richtlinien widmen sich ihrem Schutz und ihrer Förderung.

Richtlinien 1: Biologisch aktive Böden als Basis
Richtlinien 2: Begrünung garantiert lebendige Weinberge
Richtlinien 3: Mit ökologischen Hotspots gegen Monokultur
Richtlinien 4: Sekundärkulturen – der Weinberg als Mischgarten

Was zeichnet den 2-Schnecken-Wein aus?

Ob ein Delinat-Wein eine, zwei oder drei Schnecken erhält, hängt damit zusammen, in welchem Grad er die ambitiösen Delinat-Biorichtlinien mit über 100 Kriterien erfüllt. Sicher ist: Schon Delinat-Weine mit 1 Schnecke erfüllen deutliche höhere ökologische Anforderungen als Weine, die nach der EU-Bionorm erzeugt werden.

Schnecke

Ein Symbol für ökologisch hochwertige Weine: die Weinbergschnecke.

Unser flexibles Dreistufenmodell hat den grossen Vorteil, dass sich die Winzer kontinuierlich nach ihren Möglichkeiten weiterentwickeln und verbessern können – so lange bis ihre Weine die Höchstanforderungen (3 Schnecken) erreichen. Solche Weine sind im Moment noch die Ausnahme. Viele unserer Winzer in ganz Europa erzeugen aber bereits Weine auf dem ebenfalls sehr hohen 2-Schnecken-Nivau. Sie finden diese hier aufgelistet.

Doch worin unterscheiden sich Weine nach EU-Bio und 2-Schnecken-Weine von Delinat? Hier ein paar wesentliche Unterschiede:

Begrünung

Im Gegensatz zu EU-Bio kommen Delinat-Weine immer aus zumindest teilbegrünten Weinbergen. Auf 2-Schnecken-Niveau müssen sie im Winterhalbjahr vollständig begrünt sein. Die Begrünung im Weinberg trägt zu einer höheren Biodiversität, einer besseren Nährstoffversorgung der Reben sowie besserer Traubengesundheit bei.

Biodiversität

Anders als EU-Bio fördern die Delinat-Richtlinien die Biodiversität. Für alle Weinberge wird ein Anteil von 7% ökologischer Ausgleichsfläche innerhalb oder direkt angrenzend zur Rebfläche gefordert. Auf 2-Schnecken-Niveau werden zudem mindestens ein ökologischer Hotspot mit einem Baum (pro 3 Hektar) sowie pro Hektar 5 Büsche am Ende der Rebzeilen oder mitten im Weinberg verlangt. Je höher die Biodiversität, desto lebendiger und krankheitsresistenter die Weinberge.

Kupfer

EU-Bio beschränkt den Kupfereinsatz im Weinberg zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus auf 6 kg/ha/Jahr. In Delinat-Weinbergen sind maximal 3,5 kg/ha/Jahr erlaubt – auf 2 Schnecken-Niveau gar nur 3 kg.

Vinifikation

Auch im Keller sind die Delinat-Auflagen deutlich strenger. Anders als bei EU-Bio sind etwa Traubenmostkonzentration durch Umkehrosmose oder der Einsatz tierischer Hilfsstoffe (Gelatine) zur Schönung der Weine untersagt.

Schwefel

Damit Weine haltbar bleiben, wird ihnen SO2 zugesetzt. Der Gesamtschwefelgehalt bei Delinat-Weinen liegt deutlich unter der EU Norm: Rotwein mit 2 Schnecken: maximal 60 mg/l (tiefster EU-Wert: 100 mg/l). Weisswein mit 2 Schnecken: maximal 80 mg/l (tiefster EU-Wert: 150 mg/l).

Seit einigen Wochen können Sie auf unserer Homepage sehen, wie viele Schnecken die einzelnen Weine erzielen. Würden Sie es begrüssen, wenn diese Information auch auf unsern Druckerzeugnissen und der Etikette zu finden wäre? Unten im Kommentarfeld können Sie uns Ihre Meinung mitteilen. Herzlichen Dank.

Forschungs-Weinberg Mythopia

Im Sommer 2012 wurde in 3Sat ein kurzer Bericht über das Delinat-Institut gezeigt. Leider nur 5 Minuten! Das reicht doch nicht, da gibt es doch viel mehr zu wissen und zu erfahren. Abhilfe folgte prompt von Delinat selbst: Kurz darauf erschien ein E-Mail, mit der Einladung, sich doch mal das Freiluftlabor Mythopia  anzuschauen. Na wunderbar, als ob meine Gedanken gelesen wurden.

Claudio Niggli führte engagiert, fachlich kompetent und mit Leidenschaft durch die Weinberge des Delinat-Instituts.

Claudio Niggli will uns am 15. September durch das Gelände führen. Und dann kommt dieser Tag: traumhaftes Wetter. Es sind bis zu 23 Grad angesagt, Sonne den ganzen Tag. Wunderbar! Das Treffen ist am Bahnhof in Sion. Dort steht für die mit dem Zug Angereisten ein Bus bereit.

Wir fahren direkt mit dem Auto zum Weinberg. Im Wallis angekommen, nach Sion, dann weiter nach St. Leonard, und dann links ab den Hügel hoch. Nach 300m treffen wir auf ein Gruppe Wanderer, wie uns scheint. Weit gefehlt, es war die Besuchsgruppe, die mit dem Bus hätte hochgefahren werden sollen. Der Bus war zu gross, um die engen Kurven zum Weinberg umrunden zu können. Da passt es gut, dass wir mit dem Fahrzeug gekommen sind. Flugs drei weitere Personen eingeladen, und nach oben gebracht. Immerhin 3 km. Nach kurzer Zeit waren wir dann oben am Weinberg versammelt.

Claudio beginnt die Führung mit einer Erklärung über die Anfänge des Weinbergs, wie es zu den Ideen kam, und was die Motivation hinter dieser Versuchsanlage ist. Der geneigte Delinat Leser kennt das natürlich aus dem WeinLese-Magazin, aber hier ist es zum Anfassen!

In den nächsten 2 Stunden sollten wir also alles Wissenswerte erfahren. Etwas über die Geschichte des Walliser Weinanbaus, von Chasselas, Gamay und Pinot Noir, über die Potentiale und auch die Ängste, und was das alles mit dem Institut zu tun hat. Um alles genauer zu erläutern, führt uns Claudio den Weinberg hinauf.

Claudio ist jung, wie wir später erfahren durften – wir brauchen etwas länger, um beim Aufstieg hinterher zukommen!

An den Rebzeilen erfahren wir, wie der Gedanke der ökologischen Weinerzeugung im Delinat-Institut umgesetzt wird. Praktisch, dass gleich neben Mythopia konventioneller Weinanbau betrieben wird. Dort die kahlen, toten Böden, teilweise vom Hubschrauber gespritzt, mit oberirdischen Wasserverteilern, und hier halt Mythopia. Sehr anschaulich:

Die Bodenkultur mit der Begrünung durch verschiedenste Pflanzen, die unterirdische Bewässerung, die Einbeziehung von Nützlingen, die Methoden zur Bekämpfung des falschen und des echten Mehltaus, Bodenerosion,  Pflanzenkohle (Terra Preta), und alles, was wir sonst noch so wissen möchten. Uns begegnet hier die Aronia, der Weinbergpfirsich, Erdbeeren oder auch Tomaten. Dort sehen wir Schmetterlinge, es gibt erstaunlich viele Grashüpfer, wir sehen Eidechsen. Der Weinberg lebt !

Klar, man kann alles auf den Webseiten des Delinat-Instituts oder auch im Ithaka Journal nachlesen. Hier ist es anschaulich und begreifbar dargestellt. Claudio nimmt eine Handvoll Boden und zeigt uns den Unterschied zu den Nachbarn mit konventionellem Anbau. Er zupft hier ein paar Blätter ab, zeigt uns die gesunden oder auch die vom Mehltau befallenen Pinot Noir-Trauben, weist auf die verschiedenen Pflanzen und Tiere hin, beschreibt die Zusammenhänge im Naturkreislauf, die Erfolge und auch die Misserfolge, oder die Vor- und Nachteile für Weinbauern, die ja immer auch unter  ökonomischen Druck stehen. Claudio macht das fachlich exzellent, und mit Passion! Da wird kein Programm abgespult, man spürt den Idealismus und die Begeisterung für dieses Institut. Nach ca. 2 Stunden kommen wir oben am Weinberg zum Ende der Führung, und uns erwartet ein gedeckter Tisch.

Es gibt leckeren Tomatensalat und danach ein Raclette, begleitet vom Mythopia-Wein.

Alle Teilnehmer haben nun die Möglichkeit, den Erfahrungsaustausch zu intensivieren. Wo ginge das besser als bei einer leckeren Mahlzeit im Weinberg? Claudio wird mit uns am Ende dann noch die weiteren Weine des Instituts degustieren.

Das war ein super Ausflug ins Wallis, und allemal die Reise wert. Vielen Dank Claudio!

Von Volker Nowarra, Delinat-Kunde

PS.: Der Fotograf Patrick Rey begleitet die Entwicklung Mythopias seit über 5 Jahren. In seiner Mythopia-Galerie hat er einige der schönsten Bilder ausgewält, die Sie unter folgendem Link betrachten können: Mythopia-Galerie.

Schnecken im Internet

Wie suchen Sie im Webshop nach Ihren Lieblingsweinen? Schon seit langem kann rasch und zuverlässig nach klassischen Kriterien gefiltert werden: Weinfarbe, Provenienz, Preis, Taubensorte, Jahrgang und einige mehr.

Neu können Sie Ihren Wein auch nach ökologischen Parametern auswählen: Die mehrfach ausgezeichneten Delinat-Richtlinien basieren auf drei Qualitätsstufen: Jeder der 116 Richtlinienpunkte wird in diese drei Stufen eingeteilt. Die tiefste Stufe wird mit einer Delinat-Schnecke ausgezeichnet, die mittlere Stufe mit zwei Schnecken und die höchste mit drei Schnecken. Schon die tiefste Stufe mit einer Schnecke erfüllt einen höheren Standard als EU-Bio, Bio Suisse oder Demeter.

Wurden die Trauben von Hand oder mit der Maschine geerntet? Wurden Zuchthefen oder Schönungsmittel verwendet? Über 100 Richtlinienpunkte zu jedem Wein sind online abrufbar.

Erst wenige Weine konnten bisher mit drei Schnecken ausgezeichnet werden, denn für die höchste Stufe sind die Kriterien sehr streng. Zudem führt eine niedrige Bewertung in einem einzelnen Punkt zu einer Abwertung insgesamt. Wenn ein Wein z.B. beim Kriterium «SO2-Gehalt» nur mit einer Schnecke bewertet wurde, erhält er auch nur eine Gesamtbewertung von einer Schnecke – auch wenn er sonst in allen Punkten mit drei Schnecken erzielt. Umgekehrt können Sie sicher sein: Ein Drei-Schnecken-Wein erfüllt die ökologischen Ansprüche in jedem Punkt in höchsten Masse.

Jeden dieser 116 Richtlinienpunkte können Sie sich jetzt im Webshop anzeigen lassen und die Weine vergleichen. Das ist maximale Transparenz, und es bleiben kaum mehr Fragen offen. Schaffen Sie sich mit individuellen Filtern Ihre eigenen Weinrubriken, z.B.: Rotweine mit Tempranillo, gewachsen in mindestens 2-Schnecken-Biodiversität – und vielleicht vegan produziert? Einfach diesen Filter speichern – und Sie können immer wieder nach Weinen mit den festgelegten Parametern suchen.

Probieren Sie es aus: Wählen Sie als Filterkriterium in der erweiterten Suche ein, zwei oder drei Schnecken z.B. für die Richtlinienpunkte für Ausbau im Keller. Oder für Weine, die in perfekter Biodiversität gewachsen sind (drei Schnecken für «Weinberg»). Viel Spass dabei!
Hier gehts zur Weinsuche ->

Auf diese Innovation haben meine Kolleginnen und Kollegen und vor allem die Winzer jahrelang hingearbeitet. Wir alle sind mächtig stolz auf das Resultat. Kein anderer Weinvertrieb und kein Winzer kann diese Transparenz auch nur annähernd bieten. Jetzt fragen wir Sie:

Werden Sie die neue «Schneckensuche» nutzen?

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Klimawandel im Weinbau

Der Klimawandel ist im Wesentlichen durch zwei Phänomene geprägt: steigende Temperaturen und unregelmässige Niederschläge. Im Weinbau ist beides bereits deutlich spürbar. Die im Vergleich zum Jahr 1950 bis zu 2° C höhere Temperaturen während der Vegetationsperiode wirken sich vorab in den südlichen Weinbauländern negativ auf die Weinqualität aus: Die Trauben sind viel zu früh reif und müssen geerntet werden, bevor sie mit den essentiellen Inhaltsstoffen angereichert sind. Laut Hans-Peter Schmidt, Leiter Delinat-Institut für Ökologie und Klimafarming, kann diesem Problem mit Massnahmen im Weinberg begegnet werden: Verringern der Blattmasse, Höherlegung der Traubenzone, Veränderung der Rebzeilenausrichtung oder Pflanzung neuer Traubensorten.

Trockenheit und steigende Temperaturen entwickeln sich immer deutlicher zu einer Herausforderung im Weinbau

Niederschlagskapriolen als Herausforderung

Zu einer weit grösseren Herausforderung der nächsten Jahre wird laut Schmidt das Phänomen der unregelmässigen Niederschläge. Durch die generelle Erhöhung der Lufttemperatur verdunstet mehr Wasser aus Böden und Oberflächengewässern, welches letztlich wieder als Regen niedergeht. Da die Atmosphäre durch die höhere Lufttemperatur mehr Wasser aufnehmen kann, regnet es seltener, dafür umso heftiger. Mit andern Worten: Es ist häufig lange trocken, dann regnet es plötzlich so heftig, dass die Böden das Wasser nicht aufnehmen können, erodieren und vorhandene Nährstoffe weggespült werden. Mit verhängnisvollen Konsequenzen für die Trauben: Sie leiden einerseits vermehrt unter Trockenstress und Nährstoffmangel und andererseits unter Übernässung und Nährstoffüberangebot, was sich beides negativ auf die Weinqualität auswirkt.

Ausführlicher Bericht in der WeinLese

Diesem Problem kann gemäss Hans-Peter Schmidt bloss mit einer gezielten Kombination von Begrünung, Wasserspeicherung und sparsamer Bewässerung begegnet werden. Welche konkreten Strategien das Delinat-Institut diesbezüglich verfolgt, erfahren Sie im ausführlichen Bericht von Hans-Peter Schmidt im Magazin WeinLese 27, welches Ende August erscheint.

Die Walze im Weinberg

Kaum ein Nachbar kann sich an einer so üppigen Leguminosen-Begrünung erfreuen wie Walter und Tobias Zimmer vom Weingut Hirschhof im rheinhessischen Westhofen. Die fast meterhoch blühenden Pflanzen waren eine wahre Augenfreude. Statt nun zu mähen und dann wie sonst üblich zu mulchen, haben die Zimmers die Pflanzen niedergewalzt: Diese Methode wurde im Delinat-Institut entwickelt und wird seither nicht nur auf Delinat-Weingütern gern angewandt.

Vorher und nachher: Walter Zimmer mit blühenden Leguminosen und mit Walze.

Was also ist der Vorteil beim Walzen? Das ist einfach erklärt: Durch das Walzen werden die Halme geknickt. Der Saftfluss im Stiel der Pflanzen wird unterbrochen und damit der Wasserverbrauch reduziert. Die Stiele selbst werden aber nicht zerstört, sondern bilden eine lebendige Mulchschicht. Die niedergewalzten Pflanzen bleiben am Boden liegen, den sie so vor Austrocknen und Evaporation schützen. Durch die lebende Pflanzendecke wird zusätzlich die Erosion eingedämmt und der Boden wird beim Befahren der Rebzeilen mit dem Traktor nicht verdichtet.

Die Wurzeln bleiben aktiv und versorgen den Boden mit Luft. Dies begünstigt den Erhalt einer reichen Mikrofauna (kleinste Bodenkriecher und -wühler wie Amöben, Fadenwürmer und Milben) und Mikroflora (Pilze wie Mykorrhiza, Algen, Bakterien und Flechten). Beiden kommt durch ihre Humifizierung und Mineralisierung des organischen Materials eine wichtige Aufgabe innerhalb des Ökosystems zu.  Vor allem Mykorrhizen sind mit dem Feinwurzelsystem einer Pflanze in Kontakt und verbessern so nicht nur die Aromatik der Trauben, sondern machen die Reben widerstandsfähig gegen Krankheitserreger. Lesen Sie hier mehr dazu.

Die gewalzten Pflanzen blühen am Boden weiter und bilden so Lebensraum für nützliche Insekten. Das Walzen kommt also nicht nur dem Boden und damit letztendlich dem Wein zugute – es schützt und bewahrt auch die Artenvielfalt im Weinberg.

Winzertreffen in Spanien

Dieses Jahr durften wir das Delinat-Winzertreffen auf dem Weingut Pago Casa Gran von Carlos Laso – dem spanischen Forschungspartner des Delinat-Instituts durchführen. Erwartungsgemäss kam es bei dem von Winzerberater Daniel Wyss (Delinat) vorgetragenen Thema «Begrünung» zu Diskussionen. In Spanien herrschte gerade eine extreme Trockenheit. Das nährte die Befürchtung, eine Begrünung könnte zur Konkurrenz werden und den Reben Nährstoffe und vor allem Wasser entziehen.

Winzertreffen Spanien 2012 bei Pago Casa Gran

Winzerberater Daniel Wyss (Mitte, im roten Pullover) mit den spanischen Winzerinnen und Winzern im Weinberg

Nach einem traditionellen Arroz (so nennt man hier die Paella) führten uns Carlos und sein Team bei herrlichem Sonnenschein aber gefühlten Minustemperaturen durch die Weinberge. Auch hier stiessen die Parzellen mit Dauerbegrünung auf besonderes Interesse. Carlos bearbeitet hier den Boden im Winter gar nicht und im Sommer nur teilweise, so dass sich jetzt ein grüner Teppich gebildet hat. Dieser dient der Humusbildung. Damit wird das Wasser- und Nährstoffspeichervermögen der Böden verbessert. Gleichzeitig haben Leguminosen (Kleearten) eine Düngewirkung für die Reben. Die positive Wirkung ist hier ganz offensichtlich – allerdings hatte Carlos auch etwas Glück. In andern Regionen Spaniens hat es nämlich seit 7 Monaten kaum mehr geregnet, weshalb die Einsaaten nicht keimen konnten.

Zurück zur Mischkultur

Auf grosses Interesse stiess auch die kürzlich mitten in einem Weinberg angelegte, mit Steinen gesäumte und mit Wildkräutern bewachsene Olivenbaumreihe. Diese erfüllt gleich mehrere Funktionen. Die Olivenbäume durchbrechen die Monokultur und erhöhen die Biodiversität ebenso wie die Steine und Kräuterbüsche, die Refugien für allerlei Reptilien und Insekten bilden. Ausserdem sind die Oliven eine willkommene Sekundärkultur zu den Reben – sie werden zu Öl verarbeitet. Bleibt zu hoffen, dass diese ökologische Aufwertung des Weinberges Schule macht.

Auch die Geselligkeit kam am diesjährigen Winzertreffen nicht zu kurz. So konnte auf den 63. Geburtstag von Antonio Alfonso vom Weingut Volvoreta angestossen werden und Winzer Santi Ramírez (Loatum) ging als Sieger aus einem vorösterlichen «Eiertütsch» hervor.

Winzertreffen auf Sizilien

Starke Regenfälle und Überschwemmungen auf Sizilien machten Mitte März nicht nur die Anreise zum diesjährigen Winzertreffen bei MaggioVini in Vittoria ziemlich kompliziert, sie beeinflussten auch das Programm.

Winzer-Treffen Italien 2012 bei Salustri

Winzerberater Rolf Kaufmann (Delinat, 4.v.l.) mit den italienischen Winzern im Weinberg.

Schwerpunkt: Delinat-Richtlinien

Unser Winzerberater Rolf Kaufmann präsentierte die Neuerungen 2012 bei den Delinat-Biorichtlinien. Diese werden aufgrund von neuen Erkenntnissen laufend weiterentwickelt und verbessert. Weiter konnte Rolf über neue Projekte auf verschiedenen italienischen Weingütern und erste Erfahrung mit dem Einsatz von Pflanzenkohle als Bodenverbesserer berichten. Diese weisen darauf hin, dass die Rebe auf einen mit Pflanzenkohle angereicherten Boden mehr Nährstoffe aufnimmt, was sich sehr positiv auf die Gärung auswirken kann.

Praktischer Anschauungsunterricht

Das Weingut von Massimo Maggio ist als italienischer Partner im Forschungsnetzwerk des Delinat-Instituts prädestiniert für praktischen Anschauungsunterricht. Daher wurde viel Zeit in die Betriebsbesichtigung investiert. So konnten die andern Winzer Ideen sammeln, die sie auch auf dem eigenen Weingut umsetzen können. Besonders beeindruckend war für uns alle, wie es Massimo im heissen und trockenen Sizilien immer wieder schafft, mit unterschiedlichen Einsaaten und Begrünungsversuchen die Biodiversität in seinen Weinbergen optimal zu fördern.

Grosses Interesse zeigten die Winzer auch für alternative Spritzmittel gegen den falschen Mehltau, wie sie Winzer Walter Fromm in der Toskana getestet hat. Winzer Claudio Menicocci aus der Region Lazio nördlich von Rom präsentierte seinerseits einen Versuch mit Brutkästen. Mit der Förderung der Biodiversität durch Pflanzen von Bäumen und Büschen und dem Installieren von Brutkästen im Weinberg möchte er herausfinden, ob dadurch der Weinberg als Habitat für Vögel attraktiver wird.